Kitabı oxu: «Übergänge»

Şrift:

Impressum

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ISBN 978-3-7065-6105-1

Satz: Da-TeX Gerd Blumenstein, Leipzig

Umschlag: Maria Strobl – www.gestro.at

Umschlagabbildung: Peter Hoiß, Wellenbrecher #touching the edge, 2019.

www.peterhoiss.com

Dieses Buch erhalten Sie auch in gedruckter Form mit hochwertiger Ausstattung in Ihrer Buchhandlung oder direkt unter www.studienverlag.at.

Inhaltsverzeichnis

Cover

Impressum

Titel

Geleitwort

Vorwort

Gutenachtgeschichte für Maria Carolina

Vom Mädchen, das übers Wasser ging: ausgewählte Übergänge im Œuvre Barbara Frischmuths

Barbara Hoiß

Abstract

Ein Übergang

Vorausgeschicktes zur Autorin, zu Werk und Forschung

Transition zwischen den Lebensabschnitten

Übergang von Kinder- und Jugend- zu Erwachsenenliteratur

Die amoralische Kinderklapper als Crossover-Literatur?

Verschüttete Milch in der Klosterschule

Bilderbücher, eigentlich für Erwachsene?

Übergang von realistischer zu phantastischer Literatur

Ein Blitzlicht auf interkulturelle und sprachliche Übergänge

Resümee

Wenn die Augen und die Dinge übergehen:

die gemeinsamen Bilderbücher von Friederike Mayröcker und Angelika Kaufmann

Eleonore De Felip

Abstract

Vorbemerkungen

Der magische Blick – Übergänge in Wort und Bild

Sinclair Sofokles der Baby-Saurier (1971)

Pegas, das Pferd (1980)

Jimi (2009)

Sneke (2010)

Crossover-Literatur

Elemente einer postmodernen Ästhetik

Zweifache Adressierung?

Resümee

Bildteil

Briefe – Reise – Meer und Farbe

Sabine Schwarz

Rückwärtsfisch (Vorarbeit)

Von Hipporosa bis Löbenkake (Auswahl)

Technohai (Umsetzung)

Innofisch (inhaltlicher Aufbau) und 3-Augenfisch (Gestaltung der Seiten)

Uhrfisch (Ausblick)

Ohrenkino – von der Erzählung zur Hörgeschichte

Andreas Sappl

Literatur und Musik – eine Synthese

Lyrik im Spannungsfeld von Sprache und Musik

Johanna Röck

Abstract

Die Koexistenz zweier Welten

Die Beziehung zwischen Literatur und Musik

Wie entwickelte sich die Lyrik?

Sprache und Musik – Ausdrucksmöglichkeiten in der Kinder- und Jugendliteratur?

Überschreitungen – das Schaffen einer Einheit

Das Musikalische im Gedicht – die Gattungsbezeichnung

Die Überführung – vertonte Literatur

Resümee

Bub, Steinwybli und angucken

Varietäten und ihre Bedeutung für den (Literatur-) Unterricht

Inés Pichler

Abstract

Innere Mehrsprachigkeit des Deutschen

Standardvarietät als einheitliche Praxis

Asymmetrie der Standardvarietäten

Beispiele

Standardvarietäten im Lehrplan

Varietäten als Unterrichtsgegenstand

Zwischenresümee

Varietäten in der Kinder- und Jugendliteratur

Textbeispiel A: bundesdeutsche Varianten

Textbeispiel B: österreichische Varianten

Textbeispiel C: Schweizerdeutsche Varianten

Was Kindern an der Sprache auffällt: Salienz der Varianten

Damit Kinder über Sprache sprechen können: Metasprache

Wie Kinder durch ihren sprachlichen Erfahrungsschatz Plurizentrik untersuchen können

Wie Kinder durch szenisches Sprechen oder Übersetzen Varietäten erforschen

Wie Kinder situativ-kontextabhängige Varietätenverwendung erfahren

Wie Kinder morphologische Besonderheiten entdecken

Schlussbemerkung

Kinderbücher in den Augen von Tiroler Pädagoginnen und Pädagogen im Elementar- und Primarbereich

Übergänge zwischen Sehen und Hören

Simone Stefan und Barbara Zelger

Abstract

Problemstellung

Assoziationen von Pädagoginnen und Pädagogen zu Kinderbüchern

Werden Kriterien zur Beurteilung von Kinderbüchern benannt?

Welche Erfahrungen machten Pädagoginnen und Pädagogen mit Kinderbüchern?

Zwischenergebnisse

Welche Beispiele wurden für gute und für weniger gute Kinderbücher genannt?

Das Thema in Bilderbüchern als Kriterium?

Ergebnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Kurzbiographien

Barbara Hoiß, Simone Stefan (Hrsg.)

Übergänge

Verzweigte Wege in und zur Kinder- und Jugendliteratur

Geleitwort

Einer der wichtigsten Aspekte, mit denen sich Studierende an einer Pädagogischen Hochschule im Rahmen ihres Studiums beschäftigen, sind die Fragen, wie Kinder und Jugendliche ihre Persönlichkeit und ihre Fähigkeiten entfalten und wie sie gleichzeitig durch die Übernahme von Aufgaben und Verantwortung ihren Platz in unterschiedlichen Teilbereichen des gesellschaftlichen Lebens finden können.

Prozesse der Individuation, Identitätsbildung und Sozialisation werden in der Theorie gerne als Stufen- oder Phasenmodelle dargestellt, wobei den Übergängen zwischen den einzelnen Phasen besondere Bedeutung zukommt. Sie werden oft krisenhaft erlebt, ganz besonders dann, wenn in der vorhergehenden Phase wichtige Entwicklungsaufgaben nicht gut bewältigt wurden.

Kinder und Jugendliche nähern sich dem Neuen häufig spielerisch einübend, im Modus des „So-Tun-als-ob“, auch im Gedankenspiel und im Tagtraum. Wenn das Neue dann tatsächlich eintritt, sind sie bereits etwas darauf vorbereitet und können vielleicht besser damit umgehen.

Geschichten, Liedtexte, aber auch Theaterstücke und Filme können dieses Vorausdenken, Empfinden und Vorfühlen anregen. Literatur bietet eine hervorragende Möglichkeit, die Welt in all ihren Facetten erfahrbar zu machen. Mit ihr gelingt es scheinbar mühelos, die Grenzen von Raum und Zeit, Innen- und Außenwelt, Phantasie und Realität zu überwinden, und das ganze Spektrum des Denk- und Erlebbaren zu erkunden. Es kommt deshalb nicht von ungefähr, dass Pädagoginnen, Pädagogen, Fachdidaktiker und Fachdidaktikerinnen über viele Jahrzehnte die Kinder- und Jugendliteratur vorwiegend als geeignetes Mittel gesehen haben, junge Menschen darin zu unterstützen, sich selbst zu finden und ihnen bei der Suche nach ihrem Platz im Leben behilflich zu sein.

Der Bedeutung dieses Genres wird man keinesfalls gerecht, wenn man Kinder- und Jugendliteratur auf diese Funktion reduziert und sie nur als Hilfestellung für die Bewältigung von Entwicklungsschritten und Übergängen in neue Lebensphasen wahrnimmt.

Im modernen Unterricht soll die Begegnung mit Literatur in einer Weise stattfinden, die keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Literatur für Kinder und Jugendliche und Literatur für Erwachsene macht. Best-Practice-Beispiele in diesem Sinne konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Literaturtag an der KPH Edith Stein miterleben.

Barbara Hoiß und Simone Stefan, die Herausgeberinnen dieses Bandes, waren auch die Initiatorinnen und die Hauptverantwortlichen für die Planung und Durchführung des Literaturtages, der sich dem Thema „Übergänge“ widmete: Übergänge von der Kinder- und Jugendliteratur zur sogenannten Erwachsenenliteratur, Übergänge, wie sie weiter oben bereits angedeutet wurden, aber auch in der Form, dass Texte zu Bildern und zu Liedern inspirieren und umgekehrt.

Die achtsame und sorgfältige Planung der Programmpunkte mit dem Wechsel von wissenschaftlichen Vorträgen, Autorinnen- und Autorenlesungen, Beiträgen von Studierenden und Kindern sowie Konzerten des Chores und der Liederfinder Ratzfatz ermöglichte ein gemeinschaftliches Kulturerlebnis, an das sich alle Beteiligten gerne erinnern.

Die Veröffentlichung dieses Bandes ist ein wesentlicher Teil des Projektes, damit werden die Themen des Literaturtages zusammengefasst und dokumentiert und so Personen zugänglich gemacht, die den Literaturtag selbst nicht miterleben konnten.

Stellvertretend für alle, die mitgearbeitet haben, gilt der Dank in besonderer Weise den Herausgeberinnen.

Peter Trojer (Rektor der KPH Edith Stein)

Vorwort

Kinder- und Jugendliteratur wurde lange Zeit nur selten gemeinsam mit der Literatur für Erwachsene diskutiert. Erst seit dem späten 20. Jahrhundert finden intendierte kinderliterarische Werke vermehrt Eingang in den Kanon. Auch in der Wissenschaft rückt man näher zusammen. Dabei steht der hohe Stellenwert der Kinder- und Jugendliteratur in der Literaturvermittlung schon lange außer Zweifel. Man kommt aber nicht umhin, diesen Begriff der Kinder- und Jugendliteratur zu definieren. Schnell stößt jede Definition an ihre Grenzen, denn unweigerlich engt sie ein. So liegt es nahe, den Übergängen zwischen Allgemeinliteratur und Kinder- und Jugendliteratur und den Übergängen innerhalb der Kinder- und Jugendliteratur auf den Grund zu gehen. „Es gibt keine Grenze, nur Übergänge.“, schreibt Marlen Haushofer in ihrer Erzählung Die Höhle. Wie bei Haushofer der Übergang von Kinder- und Jugendliteratur zu Erwachsenenliteratur fließend ist – denken Sie nur an ihren Roman Die Wand und an das Kinderbuch Brav sein ist schwer – ergeben sich ausgehend von der Kinder- und Jugendliteratur Übergänge in die unterschiedlichsten Richtungen: von der Kindheit ins Erwachsensein, vom Kindergarten zur Schule und weiter zum Beruf, von einer Kultur und Religion in die andere, von einem Sprachraum zum nächsten, vom Bild oder vom Medium zum Text, vom Text zur Kunst und von der Literatur zur Welt. Diese Übergänge lassen vielgerichtete Bewegungen zu, aus Dichotomien mit einer nur schmalen Verbindungsbrücke werden abwechslungsreiche, permeable Landschaften. Wo können diese Übergänge verortet werden? Welche Wege werden beim Bewältigen dieser Übergänge beschritten? Und wie sehen diese Übergänge aus?

Diesen Fragen wurde am Literaturtag Übergänge. Verzweigte Wege in und zur Kinder- und Jugendliteratur am 12. November 2019 nachgegangen. Die Ergebnisse sind in diesem Band festgehalten:

Barbara Frischmuth erlaubt uns dankenswerterweise ihre leider vergriffene Gutenachtgeschichte für Maria Carolina abzudrucken, mit der im Rahmen des Projektes intensiv gearbeitet wurde. Diese ausgezeichnete Erzählung möchten wir dem wissenschaftlichen Teil voranstellen. An dem kinder- und jugendliterarischen Text und anderen Werken Frischmuths überlegt Barbara Hoiß Übergänge, die zwischen den Leserschaften, der phantastischen und realistischen Literatur u. a.m. chanchieren.

Eleonore De Felip schreibt über Friederike Mayröckers Kinderliteratur und nimmt Fäden auf, die sich durch das Werk der österreichischen Autorin ziehen. Mayröcker, die vielfältige Verbindungen zu Innsbruck und Tirol hat, lässt sich in ihren Werken immer wieder auf Kinder und Kinderliteratur ein.

Den Bildteil bereichert der Wiener Fotograph, bildende Künstler und Autor Willy Puchner mit sechs, zum Teil noch unveröffentlichten Bildern, die er uns dankenswerterweise zur Verfügung stellt. Dabei ist es ihm ein Leichtes, sich der Genres so zu bedienen, wie sie ihm für sein Schaffen adäquat erscheinen. Kategorien wie erzählendes Bilderbuch versus Sachbilderbuch bricht er auf, bei ihm sind es subjektive Sichtweisen auf Sachthemen, die eine Brücke schaffen. Er integriert Tagebuch und Bilderbuch sowie Erzähltext zu einer Einheit. Inspiriert von der Farbenpracht und dem Wortreichtum arbeiten Schülerinnen und Schüler der Primarstufe mit Puchners Werken. Wie sie das bewerkstelligen, beschreibt Sabine Schwarz im Anschluss an den Bildteil.

Danken möchten wir an dieser Stelle dem Verlag Bibliothek der Provinz (Sneke) und dem Verlag Ueberreuter (Sinclair Sofokles der Baby-Saurier), die uns erlauben, die Bilder von Angelika Kaufmann abzudrucken, die Bilderbücher von Friederike Mayröcker illustriert hat.

Nach dem visuellen Übergang gehen Andreas Sappl und Johanna Röck auf den auditiven ein. Neben Klanggeschichten, die Andreas Sappl mit den Studentinnen und Studenten erarbeitet, legt Johanna Röck in ihren Einführungen dar, wie sich der Text mit der Musik verbindet bzw. wie sich beide stützen, erweitern, einengen oder widersprechen. Im Singen selbst – am Literaturtag vom KPH-Chor unter der umsichtigen Leitung von Thomas Kranebitter verwirklicht – findet der Übergang vom reinen Text zur produktionsorientierten Darstellung statt. Eine Brücke zum aktuellen Kinderlied schlug im November 2019 das Duo RatzFatz. (www.ratzfatz.at)

Im Beitrag Bub, Steinwybli und angucken. Varietäten und ihre Bedeutung für den (Literatur-)Unterricht nähert sich die Sprachwissenschafterin Inés Pichler der Kinder- und Jugendliteratur von lexikalischer und syntaktischer Seite. Auch auf sprachliche Übergänge, wie die innere Mehrsprachigkeit – Dialekt und Umgangssprache – kann in Literatur und Schule nicht verzichtet werden.

Mittels GABEK ausgewertete Interviews von acht Elementar- und acht Primarstufenpädagoginnen und -pädagogen sollen einen Einblick geben, welche Kinderbücher die befragten Personen in Kindergarten und Grundschule einsetzen. In der Befragung spielt u. a. das Bilderbuch eine tragende Rolle, da dieses Genre zahlreiche Übergänge – etwa zwischen Sehen und Hören – aufzeigt. Gleichzeitig können Bilderbücher institutionelle Übergänge erleichtern. Ergänzt werden die Ergebnisse der Interviews mit Darstellungen zum (komplexen) Bilderbuch aus aktueller wissenschaftlicher Literatur.

Für die finanzielle Unterstützung möchten wir uns beim Tiroler Wissenschaftsfond (TWF) bedanken, für die organisatorische Hilfe bei der Leitung der KPH Edith Stein. Außerdem danken wir Sabine Schwarz für ihr großes Herz, Josef Windegger und Elisa Eisenstecken für ihr kritisches Auge.

Stams, im Mai 2020

Barbara Hoiß, Simone Stefan

Gutenachtgeschichte für Maria Carolina
Barbara Frischmuth

Für eine Kröte war sie eigentlich zu groß, dafür konnte sie sprechen. Sie saß auf dem ehemaligen Wickeltisch, der jetzt eine Kommode war, genau an der Stelle, an der der Schein der Nachttischlampe sich im Dunkeln verlor.

„Ich hoffe, du hast nicht wieder darauf bestanden, daß die Tür einen Spaltbreit offen bleibt …“

Die Kröte wuchs noch ein wenig. Maria Carolina blinzelte in Richtung Tür. Der Spaltbreit hatte sich zu einem Spalteng zusammengezogen, den man gar nicht mehr bemerkte.

„Ich hasse es nämlich, wenn hier plötzlich jemand steht, ohne daß man die Tür gehen hört.“ Die Kröte zog die Lider über ihre goldfarbenen Augen und verschwamm in der blaugrauen Luft des Kinderzimmers.

„Bist du noch da?“ Maria Carolina richtete sich auf und schnupperte. Es roch ein bißchen nach den großen grünen Blättern, aus denen man sich Hüte machen konnte, und ein bißchen nach See.

„Warum sagst du denn nichts?“ Immer wenn Maria Carolina die Kröte aus den Augen verloren hatte, fürchtete sie, sie könnte von der Kommode gefallen und gegen die Wand geknallt sein und würde sich womöglich in einen Prinzen verwandeln. Der würde dann am Ende noch wollen, daß sie besser auf ihre Kleider achtgebe. Die Augen der Kröte sandten wieder goldenes Licht aus.

„Natürlich bin ich noch da. Ich versuche nur, mich zu erinnern.“

Und die Goldpunkte verloschen aufs Neue.

„An das, was du mir versprochen hast?“

Es blieb still.

„He!“ rief Maria Carolina und schlüpfte aus dem Bett.

„Wenn du dich nicht erinnerst, erinnere ich dich.“

„Pst!“ machte die Kröte und ließ ihre Augen mehrmals aufleuchten.

„Gleich hab’ ich es … pst!“

Maria Carolina konnte es nicht erwarten. „Wir wollten …“

„Sag’ ich doch, daß wir wollten.“

„Wir wollten zu einem Abenteuer!“

Die Kröte lächelte von einem Ende ihres breiten Maules bis zum andern.

„Richtig. Na, dann komm!“

Die Kröte wußte genau, wo ein Boot lag, das sich losketten ließ. Sie zog Maria Carolina zu sich auf die Ruderbank. „Hilf mir“, quakte sie. Sie war jetzt viel kleiner, und es sah so aus, als würde Maria Carolina rudern müssen. Zum Glück schien die Sonne, und die Wellen hielten ihren Mittagsschlaf. Nur um das Boot herum tummelten sich ein paar von ihnen, aber selbst die ließen sich bald wieder faul zurückfallen.

Maria Carolina hatte noch nie gerudert, dennoch glitten sie zügig über den See.

„Geht doch ganz einfach.“ Maria Carolina war so stolz, daß sie etwas sagen mußte.

„Am Anfang geht immer alles ganz einfach“, stellte die Kröte gewichtig fest, streckte eines ihrer Beinchen weg und zog es gleich wieder an sich.

„Was meinst du damit?“

„Na, zum Beispiel: Fliegen fliegen! Da weiß man, woran man ist.“

Maria Carolina überlegte. Es gab ein paar Fliegen, die das Boot begleiteten. Eine war sogar so frech, sich auf ihre Stirn zu setzen, und als Maria Carolina sie mit dem Arm wegscheuchte, flog die Fliege aufs Wasser hinaus.

„Oder: Fische fischen!“ fuhr die Kröte fort.

In diesem Augenblick war ein Fisch aus dem Wasser gehüpft und hatte sich die Fliege aus der Luft gefischt.

„Du verstehst? Aber es wird immer komplizierter.“

Die Kröte schloß die Augen und schien nach weiteren Beispielen zu suchen.

„Und Ruder rudern“, sagte sie plötzlich und war froh, daß das Nachdenken geholfen hatte.

„Gar nicht wahr!“ Maria Carolina besah sich ihre Hände, die bereits kleine rote Schwielen hatten. „Ich rudere.“

„Sag’ ich ja, daß es nicht so einfach ist.“

Das Boot landete, und die Kieselsteine knirschten unter seinem hölzernen Kiel. Maria Carolina und die Kröte kletterten die Uferböschung hinauf und gelangten auf einen Weg, der hinter Bäumen verschwand.

„Und wie kommt man zu einem Abenteuer?“ fragte Maria Carolina, der das alles schon zu lange dauerte.

„Man muß es anziehen!“ Die Kröte reckte die Nasenlöcher in die Luft und schaute in alle vier Himmelsrichtungen.

„Das heißt, man geht mitten auf dem Weg,

damit einen jeder sehen kann.“

Gesagt, getan. Maria Carolina stapfte mitten auf dem Weg dahin, und die Kröte watschelte neben ihr her. Und als sie auf diese Weise ein gutes Stück hinter sich gebracht hatten, wurde Maria Carolina ungeduldig. Gerade als sie fragen wollte, wie lange es denn noch dauern würde, bis sie ein Abenteuer angezogen hätten, wo sie doch so mitten auf dem Weg gingen, wie sie mittener gar nicht gehen konnten, machte die Kröte wieder „pst!“ und blieb stehen. Schon von weitem war zu sehen, wie sich die Grashalme und die kleineren Büsche am Rande des Weges bewegten. Und dann war auch noch eine Stimme zu hören. Die Stimme klang zuerst nur wie ein Zischen, aber wenn man sich daran gewöhnt hatte, merkte man, daß es sich um eine Art Singsang handelte:

„Sön und saurig ist die Seit

Sonne seint und Snee, der sneit.

Sieben Swerge, sieben Sachen

Lassen keine Seit sum Snarchen.“

„Na, was habe ich dir gesagt“, flüsterte die Kröte und räusperte sich dann. Der Singsang verstummte, und das Gras hörte für einen Augenblick auf zu rascheln.

„Ich seh’ euch, seht ihr mich auch?“ fragte die Stimme ein wenig schüchtern.

„Wir sehen dich nicht.“ Die Kröte klang vertrauenerweckend. „Nur wenn du dich zeigst, werden wir dich sehen.“

Einen Augenblick blieb es still. Dann hörten sie wieder die Stimme: „Ich seige mich, wenn ihr sagt, daß ihr Sudel seid, auch wenn ihr sonstwie heißt.“

Die Kröte dachte kurz nach. „In Ordnung“, sagte sie.

„Wir sind aber keine Sudel“, flüsterte Maria Carolina aufgeregt.

„Wer weiß…“ Die Kröte klang, als wisse sie mehr, als sie sagen wollte. Das Gras bewegte sich wieder ein wenig.

„In Ordnung was?“

Dann war es still, bis die Stimme fragte: „Seid ihr nun Sudel oder sonst wer, die keine Sudel sind?“

Die Kröte seufzte. „Auf die eine oder andere Weise sind wir doch alle Sudel.“

Ein leises, zischendes Kichern erklang, und ein Wesen kam aus dem Unterholz auf den Weg gehurtelt. Es war größer als die Kröte und kleiner als Maria Carolina. Und dazu pelzig, pummelig und ein bißchen popelig. Was das heißen soll? Hm! Mit Verlaub, das Wesen wirkte nicht besonders sauber. An seinem Pelz hafteten angetrocknete Krümel, Strohhalme und Disteln, und seine Ohren … hm, hm! Man sah es zwar nur, wenn das Wesen sie spitzte, aber hin und wieder spitzte es sie eben.

Kurz vor Maria Carolina und der Kröte blieb es stehen, fuhr sich mit den Fingern durch den leicht verfilzten Schopf, neigte ein wenig den Kopf und sagte höflich seinen Namen: „Sudel-Sors!“ Dabei fielen ihm die Ohren verschmitzt ins Gesicht. „Maria Carolina“, erwiderte Maria Carolina, getraute sich aber nicht, ihre Hand auszustrecken, und die Kröte fügte locker hinzu: „Mich wirst du ja wohl kennen?!“

Der Sudel hatte sein Händchen ausgestreckt, da ihm aber Maria Carolina nicht entgegenkam, betätschelte er ihr Kleid. „Sieht so sön aus, sss …!“

Maria Carolina bemerkte, daß die Hand des Sudels, die auf dem Rücken bepelzt war, ein hübsches Muster auf ihr Kleid gedrückt hatte. Ein dunkelviolettes Fingermuster, wenn man es genau betrachtete.

Der Sudel hatte übrigens eine Tragtasche umhängen, die voll mit Heidelbeeren war. „Und?“ fragte der Sudel, nachdem er sein dunkelviolettes Fingermuster auf Maria Carolinas weißem Kleid wohlgefällig betrachtet hatte. „Wie saut’s aus? Seid ihr sonstwo su Besuch oder kommt ihr su uns? Jetzt sind sowieso alle su Hause.“ Die Kröte warf Maria Carolina einen „Hab’ ich dir’s nicht gesagt?“ – Blick zu und meinte obenhin: „Eigentlich wollten wir nur sehen, was hinter dem Hügel steckt. Aber wenn wir nicht stören, kommen wir gerne zu Besuch.“ Sudel-Sors wurde plötzlich ganz aufgeregt, er zappelte sogar ein wenig.

„Sudel“, rief er, „die Sudel stecken hinter dem Hügel. Sweihundertswansig Sritt, und wir sind da.“

„Na, wenn es weiter nichts ist“, erwiderte die Kröte und setzte sich in Bewegung, während Sudel-Sors voraushopste und Maria Carolina neugierig hinterdreintappte.

„Wie nehmen wir ihn?“ fragte die Kröte, als sie am Fuß des Hügels standen. Ehrlich gesagt, sie war ziemlich gehfaul und überlegte immer, wie sie ein paar Schritte einsparen könnte. „Sräg von der Seite“, lispelte Sudel-Sors und bog wieder ins Unterholz. Da sie alle drei nicht besonders groß waren, fanden sie leicht einen Weg durchs Gestrüpp. Es war angenehm kühl unter den Blättern, und Maria Carolina hatte sich ein Büschel Sauerampfer abgepflückt, an dem sie kaute und kaute, auch wenn es ihr das Gesicht zusammenzog.

Der Hügel war nur eine Art Kegel, der einen langen Schatten warf. Als sie ihn fast zur Hälfte umrundet hatten, standen sie vor einem Bach, der in eine abschüssige Steinrinne lief.

„Sind son da“, zirpte Sudel-Sors, setzte sich in die Rinne, und die Kröte und Maria Carolina machten es auch so.

„Swups!“ schrie Sudel-Sors, und schon rutschten sie und rutschten immer schneller, bis sie mit einem großen Platsch in einem Tümpel landeten. Auf dem moorigen Grund wuchsen riesige Pflanzen, die mit ihren großen Blüten aus dem Wasser ragten. Es waren prachtvolle Aronstäbe, die wie Zauberstöcke aussahen.

Prustend und kichernd überschlugen sich alle drei im Wasser, und Maria Carolina war so ausgelassen, daß Sudel-Sors sie tümpelte, damit sie nicht so laut quietschte. Sie hatten den Grund mit ihrem Getobe so sehr aufgewirbelt, daß das Wasser ganz schwarz geworden war, und als sie endlich ans Ufer kletterten, starrte ihnen der Tümpel wie das rabenfarbene Auge des Waldes aufgebracht nach.

Kaum waren sie ein paar Schritte gegangen, als sich vor ihnen eine Lichtung auftat, auf der nichts wuchs, und die aus blankem Waldboden bestand, so als trample ständig jemand darauf herum. Sudel-Sors nahm seine Tragtasche ab und begann sich zu wälzen, daß es nur so seine Art hatte.

Maria Carolina und die Kröte machten es ihm begeistert nach. Es staubte wie aus tausend Bovisten, und sie kutzten und niesten um die Wette. Als Sudel-Sors sich wieder aufgerichtet hatte, murmelte er etwas von Fellpflege, doch vorerst sah er noch aus wie ein frisch panierter Hühnerhaxen.

Der Dreck klebte in Schichten an seinem feuchten Fell. Maria Carolina aber sah aus wie eine gewuzelte Mohnnudel. Nur die Kröte, an der nichts haftengeblieben war, machte einen einigermaßen geputzten Eindruck.

Plötzlich erfüllte ein vielstimmiges Gezischel die Luft, und von überall her kamen Sudel auf sie zu. Maria Carolina blickte an sich hinunter und schämte sich ein bißchen. Vor allem vor der freundlichen alten Sudeline, die ihr gerade entgegenkam. Sie versuchte es mit Reiben, aber da rieb sie den Schmutz nur noch tiefer in ihr Kleid.

„Nicht so snell. Nach siebenhundert Sekunden süttelst du dich, und alles ist sehr sauber“, flüsterte Sudel-Sors. Dann deutete er auf die Sudeline und sagte: „Sie ist die Sudel-Mutter, und sie simpft sehr selten.“ Diesmal streckte Maria Carolina sogleich die Hand aus, um die der Sudel-Mutter zu drücken, und als sie sie wieder losließ, war sie weiß bestäubt. Offenbar war die Sudel-Mutter gerade vom Backen gekommen.

„Sön, daß ihr su uns saut“, rief sie laut, wahrscheinlich hörte sie schon schlecht. „Snell su Tisch. Ich sneide nur noch Snittlauch in die Soße!“ Auch die anderen Sudel hopsten näher, um den Besuch zu begrüßen. Und da alle sehr hungrig waren, nahmen sie sich die Worte der Sudel-Mutter sogleich zu Herzen. Sudel essen gerne, aber was noch erstaunlicher ist, sie kochen auch gern. Jeder und jede rührte oder knetete etwas, fütterte ein Feuerchen oder rührte ein Breichen.

Und als dann alle Sudel um den gefällten Baumstamm herumsaßen, auf dem gedeckt war, rückte jeder die Speise, die er selber zubereitet hatte, besonders ins Licht. Dabei konnte man das ohnehin an Händen und Lippen erkennen, mit denen solange gekostet worden war, bis die Sache den rechten Pfiff hatte. Und die Heidelbeeren, die Sudel-Sors gepflückt und dann im Tümpel gespült hatte, zierten so manches Schüsselchen.

Der Himmel weiß, wie sie so rasch dahin gekommen waren.

Maria Carolina ließ es sich nicht zweimal sagen und griff ordentlich zu. Mit den Fingern, versteht sich. Die Sudel behaupteten, dazu hätten sie sie nämlich, zum Kochen und zum Essen. Und Sudel-Sors zeigte ihr, wie er aus seiner Hand einen Löffel oder eine Gabel formte.

Es schmeckte köstlich, und man durfte patzen, soviel man wollte. Niemand sagte „Wisch dir den Mund!“, und wenn einen ein vertrockneter Krümel juckte, kratzte man sich an der Rinde des Baumstammes, und schon fiel er ab. Als sie dann mit dicken Bäuchen aufstanden, schüttelte sich Sudel-Sors so heftig, daß seine Ohren schlackerten, und siehe da, mit einemmal glänzte sein Fell, als hätte man es gebürstet. Maria Carolina schüttelte sich ebenfalls, aber leider tat sich gar nichts. Ihr Kleid blieb so verschmiert wie zuvor.

„Süttle dich so, sau!“ Und Sudel-Sors schüttelte sich Maria Carolina noch einmal vor. Es half nichts. Sie hatte eben doch keinen Sudelpelz, der das alles mit sich machen ließ. Ihr Kleid blieb schwarz gepunktet, und ihr Gesicht? Zum Glück konnte sie ihr Gesicht nicht sehen. Nur die Kröte bemerkte gelassen: „In gewisser Weise sind wir alle Sudel. Es steht nur nicht jedem gleich gut!“ Daß Sudel gerne essen und kochen, wissen wir schon. Dazu kommt noch daß sie auch gerne tanzen. Und ehe Maria Carolina es sich versah, wurde sie an den Händen gefaßt – ein Sudel links, ein Sudel rechts –, und schon wirbelte sie mit den Sudeln im Kreis herum, daß der Kröte allein vom Zuschauen schwindelig wurde.

Und sie tanzten und tanzten … bis Maria Carolina beim Pfeifen des Wasserkessels die Augen öffnete. Die Kröte nickte zum Abschied vom ehemaligen Wickeltisch herüber und zog sich dann allmählich in die Wand zurück. Maria Carolina aber schloß noch einmal die Augen. Da wurde der Spalteng wieder zum Spaltbreit, und Maria Carolinas Mutter kam herein. Sie machte sich am Wäschekorb zu schaffen, das merkte Maria Carolina sofort, obwohl sie nur ein klein wenig blinzelte.

Da trat ihre Mutter ans Fenster und hielt eines von Maria Carolinas Kleidern ans Licht. „So ein Sudel!“ sagte sie und schüttelte den Kopf, während sie das Kleid zusammenknüllte, um es in die Waschmaschine zu stecken. „Ein Sudel?“ dachte Maria Carolina, „hast du eine Ahnung?!“ Und da es ohnehin Zeit zum Aufstehen war, begann sie fröhlich vor sich hin zu summen:

„Sön und saurig ist die Seit,

Sonne seint und Snee, der sneit.

Sieben Swerge, sieben Sachen

Lassen keine Seit sum Snarchen.“

Der Text folgt der 1. Auflage Wien: J&V. Dachs Verlag 1994.

Vom Mädchen, das übers Wasser ging: ausgewählte Übergänge im Œuvre Barbara Frischmuths
Barbara Hoiß
Abstract

Wo und wie sich Übergänge manifestieren, soll exemplarisch an Barbara Frischmuths Werk aufgezeigt werden. Dabei rücken vor allem transitorische, realistische, phantastische und das Genre bzw. die Leserschaft betreffende Kontaktstellen in den Vordergrund.

Ein Übergang

Immanuel Kant schreibt im Kapitel „Übergänge“ des opus postumus:

„Es ist kein Sprung von einem Territorium ins andere denn das würde keine notwendige Verbindung zum Behuf des Ganzen einer Naturwissenschaft abgeben, sondern eine Stellung, welche die Vernunft annehmen muss, um beyde Ufer mit einem Schritt zugleich zu berühren.“1

Wenngleich Kant vom Übergang zwischen den metaphysischen Anfangsgründen und der Physik spricht, gilt für einen Übergang jedweder Art das gleichzeitige Berühren von zwei Seiten. Das Nomen „Übergang“2 weist zudem zahlreiche Bedeutungsebenen bzw. Verwendungsmöglichkeiten auf: Da ist zum einen das Verbindungsstück zwischen zwei getrennten Elementen, das wären Flussübergänge, Bergübergänge, sogenannte Pässe, aber auch Grenzübertrittsstellen. Zum anderen können der Wechsel einer Gangart oder der Wechsel innerhalb eines Musikstücks als Übergang bezeichnet werden. Es gibt zahlreiche Synonyme: Veränderung, Wandlung, Transition, Zwischenspiel, Überführung, Brücke. Nun stellt sich die Frage, warum gerade Übergänge? Natürlich ist es Aufgabe der Literaturwissenschaft, Grenzlinien zwischen verschiedene Epochen, zwischen Textsorten oder Erzählweisen, manchmal sogar zwischen Autorinnen und Autoren zu ziehen und so Ordnungen anzubieten. Gerade diese Ordnungen müssen sich permanent die Frage nach den Zwischenstücken, nach den Übergängen gefallen lassen, um glaubwürdig zu bleiben. Mit einem Fuß an einem Ufer und dem anderen am anderen Ufer verliert sich der Kontakt zu beiden Welten nicht so leicht. Themen und Textsorten, Leserschaften und Lebensentwürfe, Erzählweisen und Erkenntnisse bleiben verbunden.

Wo und wie sich Übergänge manifestieren, soll im Folgenden exemplarisch an Barbara Frischmuths Werk aufgezeigt werden. Die Autorin schreibt für Kinder und für Erwachsene, ihre Texte sind in mehrere Sprachen übersetzt und international bekannt, zuletzt erscheint 2019 Verschüttete Milch3. In diesem Beitrag soll entlang des jüngsten Romans der Schwerpunkt auf erzählten generationalen Übergängen, auf dem Übergang von Kinder- und Jugendliteratur zur Erwachsenenliteratur, auf dem Changieren zwischen phantastischer und realistischer Literatur und auf sprachlichen Übergängen liegen, andere Übergänge werden hingegen nur gestreift. Das liegt zum einen daran, dass diese bereits gut beforscht sind (Wachen und Träumen, religiöse oder interkulturelle Übergänge), zum anderen daran, dass sie – obwohl interessant – im Zusammenhang mit dem Ausgangstext Verschüttete Milch nicht zentral erscheinen (Der Übergang von Natur zur Kultur oder mediale Übergänge).

Vorausgeschicktes zur Autorin, zu Werk und Forschung

Die Biografie Barbara Frischmuths4 soll als Vorbemerkung zur besseren Orientierung vorangestellt werden. 1941 in Altaussee geboren, studierte sie in Graz Türkisch, Englisch und später Ungarisch auf Dolmetsch. Ein Studienaufenthalt führte sie nach Erzurum in der Türkei. Wieder in Österreich wechselt sie 1964 Studienort und Studium und beginnt in Wien Turkulogie, Iranistik und Islamkunde zu studieren, bricht aber das Studium ab, um sich dem Schreiben zu widmen. 1961 las sie erstmals im Forum Stadtpark in Graz und war Gründungsmitglied der Grazer Autoren Vereinigung. Mit dem Roman Die Klosterschule gelang ihr 1968 der Durchbruch. Der Pluderich (1969) oder Philomena Mückenschnabel (1970) waren erste kinder- und jugendliterarische Veröffentlichungen. Später folgten auch Kinder- und Jugendromane wie Ida und Ob (1973), gemeinsam mit Jutta Treiber Ida, Bine und die Pferde (1991) Sommersee (1991) oder Donna und Dario (1997). Zu ihren bekanntesten allgemeinliterarischen Büchern zählen die Sternwieser-Trilogie (Die Mystifikation der Sophie Silber (1976); Amy oder die Metamorphose (1978); Kai oder die Liebe zu den Modellen (1979)) und die Demeter-Trilogie (Herrin der Tiere (1986); Über die Verhältnisse (1987); Einander Kind (1990)). Einige Texte schweben zwischen Kinder- und Jugend- und Erwachsenenliteratur, man denke nur an Die Ferienfamilie (1981) oder Machtnix oder der Lauf, den die Welt nahm (1993). Viele Leserinnen und Leser kennen die Gartenbücher der Autorin: Fingerhut und Feenhandschuh. Ein literarisches Gartentagebuch (1999) oder Der unwiderstehliche Garten. Eine Beziehungsgeschichte (2015). Andere Produkte des langen künstlerischen Schaffens seien nur erwähnt wie die Theaterstücke und Übersetzungen, die Hörspiele und Libretti, die Poetikvorlesungen und Essays. Für ihr Schreiben wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. 1970 mit dem Staatspreis für Literatur, 1972 mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, später auch mit dem Anton-Wildgans-Preis, dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz im Denken und Handeln und 2013 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Barbara Frischmuth lässt sich in grobe Themenkomplexe gliedern, allerdings überschneiden sich diese in den einzelnen Aufsätzen und das angegebene Jahrzehnt zeigt eher den Beginn der Beschäftigung mit einer Thematik an, die später noch weiter fortgeführt wird. Während in den 1970ern der Internatsroman5, das Sprachspiel und die Grazer Gruppe thematisiert werden, entdeckt in den 1980er Jahren eine feministische Literaturwissenschaft6 Frischmuths Schreiben für sich. In den 1990ern interessieren der Traum7 und der Mythos – hier vor allem im Zusammenhang mit der Demetertrilogie und der Poetikvorlesung Traum der Literatur – Literatur des Traums und der Übergang vom Orient zum Okzident8. Verstärkt kommen zur Jahrtausendwende und danach der interkulturelle Aspekt der Texte und die Religion9 dazu. Die Beschäftigung mit Religion gipfelt in der Poetikvorlesung Zeit – Gott – Schreiben an der Universität Wien im Juni 2018.10 Außerdem wird Frischmuths Gartenbüchern Beachtung geschenkt und der Übergang Kultur und Natur sowie Pflanzen und Tiere gewinnt an Bedeutung.11 Das heißt keinesfalls, dass all diese Aspekte nicht von Anfang an in Frischmuths Texten zu finden gewesen wären, vielmehr geben die Themen Aufschluss über die Gesellschaft und zeigen, wie sich Interessen und Fragestellungen verschieben. Kindheit und Identitätsfindung spielen von Beginn an eine gewichtige Rolle. Werner M. Bauer schreibt darüber, dass Frischmuth „[ü]ber das Ende der zivilisatorischen Welt und die Notwendigkeit des Erstellens von Utopien und über den Zusammenhang zwischen der mikrokosmischen Welt der Kinder und der Welt der Erwachsenen“12 nachsinnt. Umso verwunderlicher erscheint, dass im Verhältnis zu anderen Bereichen, der Kinder- und Jugendliteratur der Autorin weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird.13

Transition zwischen den Lebensabschnitten

Jüngstes Beispiel für die Identitätsfindung im Zusammenhang mit der Kindheit ist Verschüttete Milch. 2019 im Aufbau-Verlag erschienen, ist der Roman eng mit Einander Kind und Woher wir kommen verbunden.14 Verschüttete Milch beginnt im Dorf im Gebirge – ein Verweis auf Hugo von Hofmannsthals frühe Erzählung Das Dorf im Gebirge (1896) – unschwer ist Altaussee zu erkennen. Die Protagonistin Juliane erinnert sich mit der Hilfe von Fotos an ihre Kindheit und Jugend in diesem Dorf. Der Roman besteht aus drei Teilen, Die Kleine, Juli und Juliane. Vom Kleinkind zum Schulkind, vom Kind zur Jugendlichen und von der Jugendlichen zur Erwachsenen folgen Leserinnen und Leser einer heterodiegetischen Erzählerfigur durch den dreigeteilten Text. Der Übergang vom namenlosen Kind, der Kleinen, zur Juli, fällt mit dem Übergang vom Kleinkind zum Schulkind zusammen. Er erfolgt abrupt. Ein letztes Mal ist in der ersten Zeile des zweiten Teiles das Mädchen die Kleine, dann nennt man sie beim Namen.

Man hatte der Kleinen seit einem Jahr so viel von der Schule vorgeredet, dass sie sogar die Tage zu zählen begann. […] Sie war von nun an Juli, und Juli wusste genau, wo das Schulhaus stand.15

Es ist, als hätte sie diesen Namen erst mit der Selbstständigkeit erhalten, die ihr der Schulweg und der Schulbesuch bescheren. Das lesende Volksschulkind Juli entwickelt sich nur langsam zur Juliane. Der Übergang zur jungen Erwachsenen ist nicht zuletzt ein Ortswechsel, ein Schritt hinaus aus der Familie, ein Schritt hinaus aus dem Dorf im Gebirge. Zu Juliane wird Juli z. B., wenn sie mit dem jüdischen Juristen und Gast Dr. Abendrot Englisch spricht und sich mit ihm über den Dalai Lama austauscht. Als die Mutter das Internatsgeld nicht bezahlt und das Zeugnis von der Schule einbehalten wird, ist Juli Juliane und viel später als erinnernde Frau, deren Erzählen von Anfang an als unzuverlässiges, als unzuverlässige Erinnerung ausgewiesen wird, ist sie ebenfalls Juliane. Der Verweis auf die Göttin Mnemosyne an dieser Stelle spielt auf ebendiese Unzuverlässigkeit an.16 Isolierte Bilder tauchen vor den Augen der Erzählerin auf, manchmal in Form von Fotos, manchmal verfälscht durch eine Sonnenbrille.

Auch in anderen Texten nutzt Frischmuth die Energie und die Spannung, die diesen Lebensübergängen inhärent ist. Dabei spielt es weniger eine Rolle, ob sich die Texte an erwachsene oder kindliche Leserinnen und Leser richten, wie man bei Kai und die Liebe zu den Modellen (1979), Die Ferienfamilie (1981) und Sommersee (1991) sieht.

Übergang von Kinder- und Jugend- zu Erwachsenenliteratur

Wie definiert sich nun Kinder- und Jugendliteratur und wo lässt sich ein Übergang zur Allgemeinliteratur festmachen? Zunächst ist Verschüttete Milch eine Kindheitsgeschichte, eine Erinnerung, wie schon in den ersten Seiten klar wird: Die längst erwachsene Juliane kramt in Kartons mit Familienfotos. Auch was die Länge, den Aufbau des Werkes betrifft sowie den Reichtum an Handlungssträngen und Bezügen, rückt der Roman von der Kinder- und Jugendliteratur ab. Auf der anderen Seite gibt es gute Argumente für Kinder- und vor allem Jugendliteratur. Einen Gutteil des Coming-of-age-Romans – die Kinder- und Jugendliteraturforschung verwendet parallel dazu auch den Begriff „Adoleszenzroman“ – in Verschüttete Milch bestreitet die kindliche und später jugendliche Protagonistin. Die Erzählerin tritt nahe hinter dieses Kind, das Hänschen klein und „In die weite Welt hinein“ vor sich hin summt und fast in den See fällt, ohne schon schwimmen zu können. Isoliert würde diese Episode wohl zur Kinderliteratur taugen.

Die amoralische Kinderklapper als Crossover-Literatur?

An einem konkreten Beispiel soll die Diskussion um die Begrifflichkeit Kinder- und Jugendliteratur und Allgemeinliteratur gezeigt werden und mit Absicht wurde dabei ein Text ausgewählt, der nicht im engeren Sinn phantastischer Literatur zuzurechnen ist. Die amoralische Kinderklapper, 1969 im Suhrkamp-Verlag erschienen, wird meistens in der Literaturgeschichtsschreibung zur Kinder- und Jugendliteratur gezählt.17 Anders bezieht Heinz F. Schafroth den Blick des Erwachsenen mit ein: „Nur unsere [die der Erwachsenen] eigenen Vorstellungen von Kinderwelt werden demaskiert und berichtigt, die literarischen und die nicht-literarischen.“18 Peter Bichsel19 und Barbara Frischmuth selbst zählen das Buch nicht zu ihren Texten für Kinder oder Jugendliche. Sie habe sich „mit Mitteln der modernen Prosa mit Kindersprache auseinandergesetzt“.20 Wie sich andere Rezensionen und Aufsätze verhalten, hat Eva Brauhammer in ihrer Diplomarbeit festgestellt.21 Warum kommt es zu diesen unterschiedlichen Auffassungen? Was braucht der Text, um als Kinder- bzw. Jugendliteratur zu gelten?

Zum einen sind der Titel und das Motto verführerisch, die auf die Moralische Kinderklapper (1788) von Johann Karl August Musäus rekurrieren. Dann finden sich vielfältige intertextuelle Verweise, wie die Namen der Kinder oder ganze Textpassagen, die an kinder- und jungendliterarische Vorbilder angelehnt sind.22 Ein genauer Blick auf den Text zeigt, wie eng die Textkonstruktion mit den ausgewiesenen Texten für Erwachsene korrespondiert. Das erste Kapitel trägt den Titel Wie die Rede auf den Tod kommt und darin klären sich die Positionen schnell. Das Kindermädchen Annemarie spricht in Wir-Form zu den Kindern und bietet eine litaneiartige Absichtserklärung, bietet zählen statt erzählen an. Das „Wir wollen“ wird von den Kindern aufgegriffen und sofort in eine eigene Welt übersetzt. „Nein, das wollen wir nicht, sagen die Kinder, fallen um und beißen ins Gras.“23 Redewendungen werden von den Kindern gleich in die Tat umgesetzt und entlarven Sprachformen und -normen der Erwachsenenwelt. Überhaupt benutzt Frischmuth viel Figurenrede in dem Text und verzichtet darüber auf eine privilegierte Erzählerrede. Identifikationsfiguren finden sich bei den Kindern und den Erwachsenen, letzteren ergeht es allerdings schlecht mit den selbsttätigen und auf sich bezogenen Kindern. Diese leben ihre animalische Seite, das Töten von Tieren, kannibalische Phantasien, Ausgrenzung und Verleumdung fern der Erwachsenenwelt aus, welche die Kinder für die verweigerte Teilhabe bestraft.24 Dementsprechend würden Leserinnen und Leser die Darstellung der Hilflosigkeit der Erwachsenen gegenüber der souverän bespielten Welt der Kinder wohl eher in der Allgemeinliteratur erwarten. Das mag vielleicht der Grund sein, warum Ernst Seibert den Text als Antikinderliteratur25 bezeichnet. Allerdings könnte man weiter gehen und von Crossover-Literatur sprechen. Die Mischung aus Erzählung, Roman, Gedicht, Kurzgeschichte, Parabel usw. bestimmt die Amoralische Kinderklapper. Die Genrehybridität wird als Merkmal einer Crossover-Literatur diskutiert, da durch sie die unterschiedlichsten Leserinnen und Leser in der Rezeption erreicht werden.26 Heidi Lexe beschreibt dieses Phänomen, das sich bis in die Forschung fortpflanzt, für den Abenteuerroman.27 Ein weiteres Merkmal einer Crossover-Literatur wären intertextuelle Markierungen, wie sie von Bettina Kümmerling-Meibauer28 aufgezeigt wurden, und über Namen (Mowglie29) und Handlungsweisen diffundieren literarische Werke durch Frischmuths Text. Die sprachliche und somit die historische Komponente ist ebenfalls von Bedeutung. Es darf nicht ausgeblendet werden, dass der Text im Sog des Forum Stadtpark erscheint und experimentelle Schreibweisen eine Auflehnung gegen den damals herrschenden Literaturbetrieb bedeuten. Peter Handke, der wie Barbara Frischmuth zur Grazer Gruppe zählt, schreibt in seinem 1967 erschienenen Essay Die Literatur ist romantisch:

Die Literatur macht alles Wirkliche, auch das Engagement, zu Stil. Alle Wörter macht sie unbrauchbar und verdirbt sie, mehr oder weniger. Sie überspielt alles; Wörter, die als Handeln gemeint waren, werden zu Spiel: sie macht die Wirklichkeit, die sprachliche, die sie zitiert, und die außersprachliche, die sie benennt zu Spiel. Die Literatur ist unwirklich, unrealistisch.30

Aus diesem Spiel, das auf der Verfremdung der Wirklichkeit beruht, entwickelt Handke Stücke wie Kaspar (1968) und Prosa wie Wunschloses Unglück (1972). In einem vergleichbaren Verfahren analysiert Frischmuth in der Amoralischen Kinderklapper die Sprache, womit Fiktion vermittelt wird. Diese Sprachkritik und die Lust an der Sprachkritik wird heute selbstverständlich in der Kinderliteratur betrieben, in den späten 1960er und in den 1970er Jahren überraschten die kinder- und jugendliterarischen Werke einer Friederike Mayröcker, eines Ernst Jandls, eines H.C. Artmanns, einer Elfriede Jelinek oder eines Thomas Bernhards.

Verschüttete Milch in der Klosterschule

Das Arbeiten an der Sprache und der Form literarischer Texte geht mit einer Demokratisierung der Literatur einher, und dazu war es in den 1970er und den 1980er Jahren nötig zu provozieren. Am deutlichsten zeigt sich die erzählerische und sprachliche Sprengkraft bei Frischmuth in einem anderen Comming-of-Age Roman: Die Klosterschule (1978). Die Erzählstrategien des Internatsromans mit all ihren Wiederholungen, den jedes Gespräch und jede Erzählung ersetzenden Floskeln und der Härte, die mit jedem Wort und jeder Silbe auf Leserin und Leser einprasselt, wurden schon vielfach besprochen.31

Versöhnlicher wirken die Worte zum Internat und der Funktion der erwachsenen Erzieher im Roman Verschüttete Milch, es scheint, als hätten sich die Fragen zum Leben verschoben. Das strenge Korsett verblasst etwas und die Möglichkeiten einer derartigen Ausbildung tauchen in der Erinnerung auf. Wenn auch die kulturelle Fremde der Protagonistin nicht aufgehoben ist, kann sie sich damit abfinden.32

Das Internat war wie ein Hemd, das Juli an- und ausziehen konnte. Ein straffes Hemd, das ihre Bewegungsfreiheit einschränkte, solange sie es trug. […] Es war wichtiger, den Erwartungen, die das Internat in einen setzte, zu entsprechen, als sich mit eigenen Vorstellungen hervorzutun. Dennoch witterte das Internat Begabungen und versuchte, diese auch zu fördern, solange sie das Regelwerk nicht sprengten.33

Die Macht ist in einer Klosterschule sowohl im 1976 als auch im 2019 erschienen Text auf den Körper der Schülerinnen und Dinge, die diese Schülerinnen berühren, ausgerichtet. Nach Michel Foucault wird diese Macht dahingehend eingesetzt, zu „zwingen, beugen, brechen, zerstören“.34 Diese schlägt den Leserinnen und Lesern in Die Klosterschule förmlich ins Gesicht. Thomas Rothschild spricht von einer „Sprachfolter“.35 Allerdings „affirmiert [er] dabei keineswegs die vorherrschenden Machtstrukturen, sondern entlarvt sie in subversiver Weise, indem er ihre performative Machart offenlegt“.36 Verschüttete Milch lässt diese Machtentladung gegenüber dem Individuum neben der Förderung der „Begabung“ stehen.

Bilderbücher, eigentlich für Erwachsene?

Dezidiert als Kinderliteratur verfasst sind die Bilderbücher Der Pluderich (1969), Der Polsterer (1970), Gutenachtgeschichte für Maria Carolina (1994) oder Vom Mädchen, das übers Wasser ging (1996). Wie sieht es mit Grizzly Dickbauch und Frau Nuffl oder Alice im Wunderland aus? Grizzly Dickbauch und Frau Nuffl wird 1975 mit Linolschnitten von Alex Hertenstein von der Pfaffenweiler Presse in einer auf 200 Exemplare limitierten und handsignierten Auflage vorgelegt.37 Zwei kindliche Figuren, deren Namen an Spielzeug erinnern, begegnen einander in für Kleinkinder alltäglichen Situationen. Ausstattung und erzählerische Distanz zu den kindlichen Figuren – sowohl in Erzähltempus als auch in der Erzählweise – deuten eher auf eine Literatur hin, die auf ein erwachsenes Leserpublikum abzielt.

Alice im Wunderland wird meist als typische Kinder- und Jugendliteratur wahrgenommen, aber erfüllt die Version Frischmuths diese Erwartung? Die Autorin bekommt – wie sie im Gespräch am Literaturtag sagte – vom Verlag das Angebot, die Bilder von Jassen Ghiuselev mit einem Text zu versehen. In Sepiatönen gehaltene Wimmelbilder mit verschobenen Perspektiven bilden die Grundlage. Die Zeilen und Wörteranzahl sind vorgeschrieben. Das ist ein enges Korsett, will man dem Original von Lewis Carroll Alice’s adventures in Wonderland gerecht werden. Wie schwer dieses Unterfangen wirklich war, schlägt sich an den zum Teil enttäuschten Äußerungen in den Rezensionen nieder.38 Der Text sei ohne Kenntnis der Geschichte nicht zu verstehen und für Kinder ungeeignet, außerdem werde die Ansprache des impliziten Lesers zu oft bemüht, heißt es. Andererseits zeigt Alice im Wunderland zwei wichtige Aspekte auf, die einen Schlüssel zu Frischmuths Werk bieten. Das ist zum einen die Sprachmalerei: Da „hurtelt“39 das Kaninchen durch die Welt und der Satz über die Raupe ist fast so lang wie die Raupe selbst: „Die Raupe kriecht vom Pilz herunter, und bevor sie verschwindet, erklärt sie Alice, dass die eine Seite des Pilzes sie größer und die andere sie kleiner machen kann.“40 Zum anderen ist Alice einer der Texte, der das Gesamtwerk von Frischmuth prägt wie kaum ein zweiter. Phantastische Wesen und Welten haben es der Autorin angetan. Auch in Verschüttete Milch verweist Frischmuth auf Carrolls Werk:

Als sie das Foto dann irgendwann doch gefunden und mittlerweile mehr Muße für Recherchen hatte, widmete sie sich auch jenen nicht gesuchten Fotos länger als gewöhnlich und saß plötzlich in einer Zeit fest, die sie wie Alice im Wunderland nicht bloß in einen selbst geweinten See von Tränen fallen, sondern auch ständig kleiner und größer werden ließ.41

Die von Frischmuth verfasste Alice ist ihre Alice, eine Alice für eine Erwachsene.

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9783706561051
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