Kitabı oxu: «Werkstätten für behinderte Menschen»

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Die Herausgeber


Prof. Dr. Heinrich Greving lehrt Allgemeine und Spezielle Heilpädagogik an der Katholischen Hochschule NRW in Münster.


Ulrich Scheibner war über zwei Jahrzehnte Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten.

Heinrich Greving Ulrich Scheibner (Hrsg.)

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1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-038496-5

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-038497-2

epub: ISBN 978-3-17-038498-9

mobi: ISBN 978-3-17-038499-6

Inhaltsverzeichnis

1  Abkürzungsverzeichnis

2  »Sozusagen aus dem Hinterhalt.«

3 Heinrich Greving, Bernhard Sackarendt, Ulrich Scheibner

4  1 Freiheit, die ich meine …

5 André Thiel

6  2 »Werkstätten« im Konflikt mit dem Grundgesetz

7 Hubert Hüppe

8  2.1 Ansichten über verfälschte Realitäten

9  2.2 Das Benachteiligungsverbot im Grundgesetz: zaghaft inklusiv

10  2.3 Die politische Weichenstellung in Richtung »Sonderarbeitswelt«

11  2.4 Machtlose Gesetze: Absichtserklärungen statt Gestaltungskraft

12  2.5 Inklusion braucht couragiertes Handeln und neue Wege

13  2.6 Die »Werkstätten« im Konflikt mit dem Antidiskriminierungsgrundsatz

14  2.7 Berufliche Bildung im Räderwerk der Trägerinteressen

15  2.8 Besonderung – in den »Werkstätten« nichts Besonderes

16  2.9 Das Prinzip der Schimäre: die findige Destruktion

17  2.10 »Es muss anders werden, wenn es besser werden soll.«

18  2.11 Inklusion steht nicht im Grundgesetz

19  2.12 »Vergnügen an Veränderung«

20  3 »Im Anfang war das Wort«. Sprache, Macht und die »Werkstätten«

21 Heinrich Greving & Ulrich Scheibner

22  3.1 Der Claim »Werkstätten für behinderte Menschen«

23  3.2 »Werkstatt für behinderte Menschen« – ein Pseudonym

24  3.3 Sprache, Begriffe und Gewalt in der »Werkstätten«-Szene

25  3.4 Sprache im »Werkstätten«-System kann schaden

26  3.5 Sprache und Verschweigen im »Werkstätten«-System

27  3.6 Das »Werkstätten«-System und seine indizierten Begriffe

28  4 Vom Staat gewollt: »Werkstätten für behinderte Menschen«

29 Bernhard Sackarendt & Ulrich Scheibner

30  4.1 Das Staatsziel: leibliche, seelische und gesellschaftliche Tüchtigkeit

31  4.2 Eine separate, separierende Arbeitswelt wird geschaffen

32  4.3 Die politischen und wirtschaftlichen Vorteile einer Sonderarbeitswelt

33  4.4 »Werkstätten« – letzte Hoffnung oder Endstation?

34  4.5 Selbstbestimmung, Würde und Gerechtigkeit – nicht ohne Inklusion

35  5 Die Sonderwelt der »Werkstätten« und ihre Nutznießer

36 Bernhard Sackarendt & Ulrich Scheibner

37  5.1 Sonderwelt und »Normalwelt«

38  5.2 Die politischen Schöpfer der Sonderwelt »Werkstätten«

39  5.3 Die Vorteilsnehmer im »Werkstätten«-System

40  5.4 Wirtschaft, »Werkstätten« und das Trugbild der sozialen Gerechtigkeit

41  6 Die »Werkstätten«: Eigennutz oder Gemeinnutz?

42 Ulrich Scheibner & Bernhard Sackarendt

43  6.1 Intransparenz verdeckt Skandale und skandalöse Strukturen

44  6.2 Kommt erst das Fressen und dann die Moral?

45  6.3 Wer sind eigentlich die Eigentümer der »Werkstätten«?

46  6.4 »Werkstätten« als besondere Nutzbringerinnen

47  7 »Werkstätten« und die Beschäftigungspflicht in der sozialen Marktwirtschaft

48 Bernhard Sackarendt & Ulrich Scheibner

49  7.1 Beschäftigungspflicht: Recht und Gesetz sind beliebig

50  7.2 Politische Rahmenbedingungen für eine inklusive Beschäftigungspflicht

51  7.3 Grundbedingungen für eine inklusive Beschäftigungspflicht

52  7.4 Der Weg aus den »Werkstätten« ist ein Weg der Befreiung

53  7.5 Beschäftigungspflicht in einer demokratischen sozialen Marktwirtschaft

54  7.6 Beschäftigungspflicht: demokratische Inklusionskonsequenz

55  8 Die »Werkstätten« – Alternativen in Europa

56 Franz Wolfmayr

57  8.1 Ein kurzer Blick auf die Situation in Europa

58  8.2 Bundesrepublik Deutschland: die sog. Inklusionsbetriebe

59  8.3 Belgien: die Maatwerk-Unternehmen

60  8.4 Niederlande: das Modell der Sociale Werkgelegenheid (WSW)

61  8.5 Irland: das Modell »Supported Employment«

62  8.6 Spanien: das Modell der Centros Especial de Empleo

63  8.7 Bundesrepublik Österreich: die »Chance B«

64  8.8 Das Vorbildliche in der EU: Teilhabe am Erwerbsleben

65  8.9 UNO-Menschenrechtsbeschlüsse: Verpflichtung für eine inklusive Politik in Europa

66  8.10 Europäische Sozialpolitik: die notwendige Säule sozialer Rechte

67  9 »Werkstätten« sind notwendig …

68 Rainer Knapp & Ulrich Scheibner

69  9.1 »It’s the economy, stupid!«

70  9.2 Falsches Menschenbild, falsche politische Entscheidungen

71  9.3 »Wir sind nicht die Caritas.«

72  9.4 Inklusion verträgt keinen Zynismus

73  9.5 Inklusion? »Das ist nicht unser Ding.«

74  9.6 »Die Botschaft hör ich wohl …«

75  9.7 »… allein mir fehlt der Glaube.«

76  9.8 »Eine Veränderung hält die Tür offen …«

77  9.9 »Ja, neue Ideen müssen sich ihren Platz im System erst zäh erstreiten.«

78  9.10 »Mut zum Neuen, Mut zu Veränderungen.«

79  10 »Keine ›Werkstatt‹ ist das Beste.«

80 Bernhard Sackarendt & Ulrich Scheibner

81  10.1 Solche »Werkstätten« können nicht gewollt sein

82  10.2 »Werkstatt«-Kritik ist lästig

83  10.3 Das Gesetz verlangt »geeignete Schritte« zur Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt

84  10.4 Geeignete Wege zum allgemeinen Arbeitsmarkt

85  10.5 Schritt 1: Inklusionsorientierte Rechtsnormen im »Werkstätten«-Recht anpassen

86  10.6 Schritt 2: Inklusionsorientierte beschäftigungspolitische Rechtsnormen anpassen

87  10.7 Inklusion: Zur gelebten Demokratie gehört Wirtschaftsdemokratie

88  11 »Ein jegliches hat seine Zeit …« (Prediger 3.1)

89 Wilfried Windmöller

90  11.1 Geschichte: Mein Rückspiegel zur Erkenntnis der Gegenwart

91  11.2 Die Gefahr: »Werkstätten« als Sonderwelt

92  11.3 Die eigene Geschichte aufarbeiten und aus ihr lernen

93  11.4 Dauerhafte Solidität statt anhaltendes Wachstum Qualität statt Quantität

94  11.5 Die Menschen machen Geschichte: Sie gestalten die Gegenwart

95  11.6 Die neuen »Werkstätten«: passend zum Sozialstaat oder diskriminierend?

96  11.7 Demokratie braucht Empathie, Freiheit und Streitkultur

97  11.8 Persönliches: Ziele statt Vermächtnis

98  11.9 Meine Vorstellungen über die Zukunft unserer besonderen Arbeitsstätten

99  11.10 Mein ganz persönliches Schlusswort

100  Corona ist ein Symptom

101 Heinrich Greving, Ulrich Scheibner

102  Verzeichnisse

103  Literaturverzeichnis

104  Abbildungsverzeichnis und Tabellenverzeichnis

105  Autorenerzeichnis

106  Stichwortverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis


ABVAnthropoi Bundesverband (Verband anthroposophischer Einrichtungen)
ADSAntidiskriminierungsstelle des Bundes
AEMRAllgemeine Erklärung der Menschenrechte
AGArbeitsgericht
AGGAllgemeines Gleichbehandlungsgesetz
AOAbgabenordnung (elementares Gesetz des dt. Steuerrechts)
ArbGGArbeitsgerichtsgesetz
ATinternationales Länderkürzel für die Republik Österreich
AÜGGesetz zur Regelung der Arbeitnehmerüberlassung (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz)
AWOArbeiterwohlfahrt
BAG FWBundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege
BAG IFBundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen, Berlin / Bielefeld
BAG üSBundesarbeitsgemeinschaft überörtliche Träger der Sozialhilfe, Münster
BAG WfBBundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für Behinderte e. V., Frankfurt a. M. Vereinsname seit Gründung bis 2001.
BAG WfbMBundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen e. V., Frankfurt a. M. Vereinsname ab 2001
BBiGBerufsbildungsgesetz
BDGSBundesdatenschutzgesetzes
BetrVGBetriebsverfassungsgesetz
BGBBürgerliches Gesetzbuch
BGBlBundesgesetzblatt
BGGGesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, sog. Behindertengleichstellungsgesetz
BMABundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (bis 2002)
BMASBundesministerium für Arbeit und Soziales (ab 2005)
BMASK(Österreichisches) Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Wien
BMBFBundesministerium für Bildung und Forschung
BMFTBundesministerium für Forschung und Technologie
BMWiBundesministerium für Wirtschaft und Energie
BRDinoffizielle Abkürzung für Bundesrepublik Deutschland
Bundesratsdrucksache
BSHGBundessozialhilfegesetz
BT-DrsBundestagsdrucksache
BTHGGesetzes zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen, sog. Bundesteilhabegesetz
BetrVGBetriebsverfassungsgesetz
BVLHBundesvereinigung Lebenshilfe
CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands
CRPDConvention on the Rights of Persons with Disabilities, englischer Originaltitel der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Personen mit Beeinträchtigungen (UNO-Übereinkommen).
DEinternationales Länderkürzel für die Bundesrepublik Deutschland
dersderselbe
DGBDeutscher Gewerkschaftsbund
diesdieselbe
CSUChristlich-Soziale Union
DCVDeutscher Caritasverband
DESTATISStatistisches Bundesamt
DGBDeutscher Gewerkschaftsbund
DIJAOnline-Angebot von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e. V.
DIMDIDeutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information
DIMRDeutsches Institut für Menschenrechte
DPGDer Paritätische – Gesamtverband
D-UNESCODeutsche UNESCO-Kommission
DWDiakonisches Werk
DWSDie virtuelle Denkwerkstatt; frühere Abkürzung eines freiwilligen, losen Arbeitskreises von »Werkstatt«-Fachleuten
EASPDEuropean Association of Service Providers for Persons with Disabilities; deutsch: Europäischer Verband der Leistungserbringer für Menschen mit Beeinträchtigungen, Brüssel. Die EASPD vertritt über 11.000 Dienstleistungsanbieter in 33 europäischen Staaten. Auch die BAG WfbM gehört zu den Mitgliedern.
EESCEuropean Economic and Social Committee; auf Deutsch: EWSA, Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss. Er ist ein Organ der Europäischen Union, wurde bereits 1957 geschaffen.
EinglHVEingliederungshilfeverordnung zum § 47 BSHG
ESCEuropäische Sozialcharta
EStGEinkommenssteuergesetz
EuGHEuropäischer Gerichtshof
Europäische Kommission
EUROSTAT (ESTAT)Statistische Amt der Europäischen Union
EUVVertrag über die Europäische Union, Fassung nach dem 01.12.2009 in Kraft getretenen Vertrages von Lissabon, ABl. EG Nr. C 115, 9.5.2008, S. 13
EWRErziehungswissenschaftliche Revue, Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn
FABFachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung
FDPFreie Demokraten (ehem. Freie Demokratische Partei)
GECESGroupe d’experts de la Commission sur l’entrepreneuriat social, deutsch: Sachverständigengruppe der Kommission für soziales Unternehmertum
GewStGGewerbesteuergesetz
GFABPrVGeprüfte Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung – Prüfungsverordnung
GGGrundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
G-UNÜRMBGesetz zum Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (kurz: Gesetz zum UNO-Übereinkommen)
HGBHandelsgesetzbuch
IAOInternationale Arbeitsorganisation, deutsch für ILO
ILOInternational Labour Organisation
ICFInternational Classification of Functioning, Disability and Health; deutsch: Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit der WHO
IHKIndustrie- und Handelskammer
JArbSchGJugendarbeitsschutzgesetz, korrekt: Gesetz zum Schutze der arbeitenden Jugend
KMUKleine und mittlere Unternehmen
KStGKörperschaftsteuergesetz
LAG WfbMLandesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen
LVRLandschaftsverband Rheinland, als überörtlicher Sozialhilfeträger ist er der größte Leistungsträger für Menschen mit Beeinträchtigungen in Deutschland
MBJSMinisterium für Bildung, Jugend und Sport, Brandenburg
MiLoGGesetz zur Regelung eines allgemeinen Mindestlohns (Mindestlohngesetz)
NAP 1.0 / NAP 2.0Nationaler Aktionsplan der Bundesregierung zur UN-Behindertenrechtskonvention: NAP 1.0 von 2011, NAP 2.0 von 2016
NGKNiedersächsische Gegenwartskonferenz der Landesarbeitsgemeinschaften der Werkstätten Bremen und Niedersachsen, Göttingen 2010
NGONon-governmental organization (deutsch: Nichtregierungsorganisation)
Non-Profit-Organisationen (hier sind u. a. die »Werkstätten« als steuerrechtlich privilegierte, nach den Steuergesetzen als gemeinnützig anerkannte Unternehmen gemeint)
NRONichtregierungsorganisation (in Bundestags- und Regierungsdokumenten verwandte Abkürzung anstelle von NGO)
o. D.ohne Datumsangabe
OECDOrganisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
OEECAusschuss für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit, Vorläufer der OECD
o. S.ohne Seitenangabe
OLGOberlandesgericht
PlPrtPlenarprotokoll des Deutschen Bundestages
RT-PrtReichstagsprotoll (stenografische Berichte)
SchwbGSchwerbehindertengesetz
SchwbWVSchwerbehinderten-Werkstätten-Verordnung (ab 1980)
SGBSozialgesetzbuch
SGBIX Neuntes Buch Sozialgesetzbuch
SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands
SWOTengl. Abkürzung für Analysis of strengths, weakness, opportunities and threats; dt. Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analyse; Positionierungsanalyse gegenüber Wettbewerbern in Form eines Chancen-Risiken-Katalogs
SZSüddeutsche Zeitung
UdJUnwort des Jahres
UNAPEIAbkürzung für die französische Vereinigung der Organisationen von Eltern, Menschen mit mentalen Beeinträchtigungen und ihren Freunden: Union nationale des associations de parents, de personnes handicapées mentales et de leurs amis
UN-BRKfalsche und diskriminierende Abkürzung für »UN-Behindertenrechtskonvention« als Abkürzung für das »Gesetz zum UNO-Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen«
UN-EREErklärung über das Recht auf Entwicklung der Vereinten Nationen vom 04.12.1986
UNOUnited Nations Organization, deutsch: Organisation der Vereinten Nationen
UNÜRMBzutreffendere Abkürzung für das »UNO-Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen«: UN = für UNO, ÜRMB = Übereinkommen für die Rechte von Menschen mit Beeinträchtigungen
URLUniform Ressource Locator, Bezeichnung für Netzwerkressourcen, Abkürzung für den Hinweis auf einen Internetlink
UStDVUmsatzsteuer-Durchführungsverordnung
UStGUmsatzsteuergesetz
UWGGesetz gegen den unlauteren Wettbewerb
VdKSozialverband VdK Deutschland, 1950 gegründet als »Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands e. V.«
VNVereinte Nationen (UNO)
VStGVermögenssteuergesetz
v.u.Z.vor unserer Zeitrechnung, religionsneutral anstatt v.Chr.
WAZWestfälische Allgemeine Zeitung
WfBWerkstatt für Behinderte (bis 2001)
WfbMWerkstatt für behinderte Menschen (seit 2001)
WHOWorld Health Organization; deutsch: Weltgesundheitsorganisation, Koordinationsbehörde der Vereinten Nationen für das internationale öffentliche Gesundheitswesen, Sitz: Genf
WMVOWerkstätten-Mitwirkungsverordnung
WRDWerkstatträte Deutschland, Vereinigung der Landesarbeitsgemeinschaften der Werkstatträte, Berlin
WVOWerkstättenverordnung (seit 2001)
ZBZeitschrift Behinderte im Beruf

»Sozusagen aus dem Hinterhalt.«
Heinrich Greving, Bernhard Sackarendt, Ulrich Scheibner

Dieses Buch steht auf dem imaginären Index der unstatthaften Bücher. Es konnte allerdings von keiner Zensur verboten werden. Denn in den üblichen Vorverfahren erging es unserem Buch wie dem weltberühmten Werk des »Freien Herrn Knigge« von 1788 »Über den Umgang mit Menschen«: Ideologische und politische Gründe für ein Verbot gab es damals genug. Immerhin wandte sich Adolph (von) Knigge (1752–1796) entschieden gegen das herrschende Welt- und Menschenbild im Feudalismus, gegen die haltlose Vormacht des Adels, gegen Ungerechtigkeit und Unterwürfigkeit. An Vorwürfen gegen den Autor mangelte es nicht: Die Darstellungen wären einseitig, unausgewogen und leisteten der Insubordination Vorschub. Doch triftige Sachgründe für ein Verbot konnte die Zensur letztlich nicht finden. Das geschah 1820, zweihundert Jahre vor unserem Buch.

Bei unserem »Werkstätten«-Buch war es eher eine Art von Selbstzensur, die die Arbeit erschwerte: Zunächst stellte ein Autor aus dem Führungskreis der »Werkstatt«-Träger nach siebenjähriger Zusammenarbeit seine Mitarbeit am Buch ein. Eine so kritische Auseinandersetzung mit dem »Werkstätten«-System war seine Sache nicht. Dann zog sich ein früherer Ministerialangestellter ohne nähere inhaltliche Begründung zurück. Zwei ehemalige Lehrkräfte befürchteten Nachteile für ihre behinderten Angehörigen, falls sie als Fachleute in diesem Buch mit ihren Namen genannt würden. Darauf baten uns Vertreter der staatlichen Kostenträger und die meisten »Werkstatt«-Leitungen, die uns beraten hatten, auch nicht namentlich erwähnt zu werden. So bekam unser Vorhaben etwas Untergründiges und unser Dank für die hilfreiche Mitarbeit der Ausgeschiedenen den Charakter eines Nachrufes.

Die uns vorgetragenen Besorgnisse werfen ein Licht auf eine undemokratische Streitkultur im »Werkstätten«-System. Betriebsräte und »Werkstatt«-Räte bestätigen uns, dass »Werkstatt«-Leitungen enormen Druck durch ihre Verweigerungshaltung aufbauen können. Das haben wir selbst u. a. durch die Ablehnungen von Abdruckgenehmigungen thematisch zutreffender »Werkstatt«-Fotos erfahren müssen. Und das, obwohl alle bei den »Werkstatt«-Leitungen nachgefragten Fotos im Internet zu finden sind. Gern hätten wir z. B. das Foto aus der »Lebenshilfe-Werkstatt« Hamm wiedergegeben. Es zeigt das rückwärtige Bild von »Werkstatt«-Beschäftigten, die am Lebenshilfe-Fließband ihre stereotype und ermüdende Arbeit verrichten. Die vorgeschobene, schlecht konstruierte Absage des Geschäftsführers passt dazu: »Wir lehnen dies aber ab, da auf dem Foto einige Mitarbeitende eindeutig zu erkennen sind.« Von Millionen, die das Internet nutzen.

Abb. 1: Adolph Freiherr von Knigge, deutscher Schriftsteller und Aufklärer. Auf das »von« hat er seit 1789 verzichtet.

Wir empfehlen solchen – hoffentlich nicht repräsentativen – »Werkstatt«-Vertretern den kurzen Artikel von Dieter Rucht: »Demokratische Öffentlichkeit als kritische Öffentlichkeit «.1 Eine seiner Kernaussagen lautet:

»Neben allen ihren sonstigen Funktionen muss kritische Öffentlichkeit also Umstrittenes kritisch prüfen, d. h. Behauptungen über Sachverhalte nachgehen, Positionen und Vorschläge im Lichte von Argumenten und Gegenargumenten abwägen, Geltungsansprüche nach dem Maßstab ihrer Schutzwürdigkeit und Verallgemeinerbarkeit bestätigen oder aber zurückweisen« (Rucht 2011, 98).

Um dieses Buch einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen, wollten wir den Ladenpreis erschwinglich halten. Dafür hatten wir schon frühzeitig potentielle Spender und Sponsoren angesprochen. Die ersten 10.000 Euro sagte uns 2011 eine Landesarbeitsgemeinschaft der »Werkstätten« (LAG WfbM) zu. Allerdings nur gegen Gewinnbeteiligung. Doch kurz nach dem Vertragsabschluss mit dem Verlag nahm der LAG WfbM-Vorstand sein Zahlungsversprechen


Abb. 2: Unbekannter Künstler 1819/1820. Text auf der Schrifttafel in der Mitte: »Wichtige Frage welche in heutiger Sitzung bedacht wird: Wie lange möchte uns das Denken wohl noch erlaubt bleiben?« © Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover.

wieder zurück. Unser Buchprojekt schien womöglich kein günstiger Werbeartikel zu sein. Schließlich brachte unsere Spendenkampagne doch einen Erfolg: Die Volkswagen AG stellte uns 5.000 Euro zur Verfügung, die der Geschäftsführer einer großen Trägerorganisation für uns einige Jahre bis zur Manuskripterarbeitung aufbewahrt hatte. Später übergab er unsere Buchspende an jene LAG WfbM. Wir hatten dann noch ein halbes Jahr darum ringen müssen, damit das Geld zu guter Letzt auch tatsächlich dem Verlag zur Verfügung gestellt wird. »Honi soit qui mal y pense« lässt sich so ins Deutsche übersetzen: »Ein Schuft, der Böses dabei denkt.«

Diese Hürden liegen inzwischen hinter uns. In der Courage, sie zu überwinden, ließen wir uns durch die Worte eines früheren Vorsitzenden der Bundesarbeitsgemeinschaft der »Werkstätten« (BAG WfbM) bestärken: Günter Mosen (Jg. 1951) hatte einem aus dem BAG WfbM-Vorstand ausscheidenden Kollegen und dem damaligen Bundesgeschäftsführer mit auf den Weg gegeben, ihre kritische Haltung auch zukünftig öffentlich kundzutun:

»Dabei meine ich, Menschen am Ende oder nach dem aktiven Berufs- oder Verbandsleben sind in besonderer Weise ›theoriefähig‹. Theorie meint dabei: Sehen und sagen, wie es ist. Theoriefähigkeit ist dementsprechend die Fähigkeit, unbeeindruckt von irgendwelchen Illusionen zu sehen und zu sagen: So ist es« (Mosen 2007).

Sehen und sagen wie es ist. Das beherzigen wir mit unserem Blick auf die »Werkstätten«-Szene und beschreiben die Tatsachen in diesem Buch. In den Dankesworten des damaligen BAG WfbM-Vorsitzenden an die vor ihrer Pensionierung stehenden Leitungskräfte forderte Günter Mosen zu kritischen Aussagen auf:

»In dieser Lebensperiode des ›Zukunftsschwunds‹ gibt es keine Kompromisse, keinen Konformismus. Bis dahin erlaubt sich mancher ja nur das anzumerken und zu sagen, was die eigenen Vollendungen und das eigene Werk nicht gefährdet und die Handlungsfähigkeit nicht beeinträchtigt: was einem die Zukunft nicht allzu unangenehm macht, z .B. womit man nicht zu vielen Leuten (einschließlich unserer selbst) auf die Füße tritt. Der Blick auf die Wirklichkeit ist bis dahin darum leicht anfällig für Illusionen, denn er ist durch die Zukunft bestechlich. Diese Bestechlichkeit nimmt ab, wenn das Ende der Dienst- oder Amtszeit naht, weil immer weniger Zukunft bleibt. Darum kann man immer ungehemmter sagen, was ist: vor allem auch das, was einem nicht in den Kram passt« (ebd.).

Wir hätten uns sehr gewünscht, wenn sich die verzagten Fachleute, die uns in den vergangenen Jahren unterstützt haben, diese ermutigenden Worte des BAG WfbM-Vorsitzenden zu eigen gemacht hätten:

»Man braucht in dieser Periode nicht mehr den Wagemut der Jugend, um auch Unangenehmes zu sagen, weil nicht mehr genügend Zukunft bleibt, um wieder getreten werden zu können. Das kann man ausnutzen: Man kann ungehemmt schreiben und reden und dadurch zuweilen schamlos offen sein. Das radikalisiert den weisen Eméritus. Das ist quasi eine Traumsituation. […] Nutzen Sie die wunderbare Chance, sozusagen aus dem Hinterhalt der sogenannten passiven Phase und des Überlebens, sich zur Zukunft der Arbeit von Werkstätten und Verbänden im Spiel der Politik mit der Unbestechlichkeit Ihres Wortes zu äußern« (ebd.).

Diese Chance haben wir mit unserem Buch genutzt: Unbestechlich zu sagen, was ist und wie es werden muss. Zwei frühere Spitzenpolitiker wollten daher lieber nicht in einem Vorwort zum heutigen »Werkstätten«-System Stellung nehmen. Niemand setzt sich freiwillig ins Wespennest. Darum enthält dieses Buch keine relativierende Einleitung von Prominenten aus dem Politikbetrieb. Stattdessen hat uns der ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe (Jg. 1956), seine Erfahrungen und seine persönliche Bewertungen aufgeschrieben. Vor seinem Beitrag steht indes das Wort eines »Werkstatt«-Beschäftigten, der seit Jahren um das Selbstverständliche kämpft und dafür auch die Gerichte angerufen hatte: André Thiel (Jg. 1981) rang um sein Recht, als Arbeitnehmer anerkannt zu werden und den gesetzlichen Mindestlohn zu erhalten. Er steht an erster Stelle der Autoren. Man merkt seiner Darstellung über die Wirklichkeit in seiner Sonderwelt an, wie seine Hoffnung auf grundlegende Veränderungen der inklusionswidrigen Realität schwindet. Dennoch ist er zum Widerstand gegen die alltäglichen Behinderungen bereit. Seine Reformvorschläge sind ganz besonders an die Abgeordneten seiner Partei im Deutschen Bundestag gerichtet. Seine Unermüdlichkeit ist vorbildlich, seine zunehmende Radikalisierung nachvollziehbar.

Auf andere Weise ein Vorbild war und ist uns der erste gewählte Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der »Werkstätten«, Wilfried Windmöller (Jg. 1938). Seine kritische, geschichtsbewusste Reflexion und seine Überlegungen zur Zukunft der »Werkstätten« haben wir als eine Art Schlussstein ans Ende unseres Buches gestellt. Seine Biografie, seine Leistungen und seine Erkenntnisse über Fehler im Ringen um die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen sind ein eigenes Buch wert. Die Worte eines seiner Nachfolger im Ehrenamt des BAG WfbM-Vorsitzenden scheinen wie auf ihn gemünzt:

»Die Unbekümmertheit, die Freiheit von Zwängen und Rücksichten, befördert noch einmal ein kreatives Interesse an Veränderungen – ganz anders als es uns das Bild eines unbeweglichen, nur auf den engen Umkreis des eigenen Erlebens konzentrierten Alters vermittelt. Die Lebensfreude jener Menschen, die ihre Lebensplanung noch einmal ganz neu in die Hand nehmen, vermag dies ebenso zu illustrieren wie das Alterswerk mancher Künstler, das einen radikalen Neuanfang in ihrer Biographie setzt« (Mosen ebd.).

Für unser Buch haben wir viel von früheren Beauftragten der Landesregierungen für die Belange behinderter Menschen gelernt, vornehmlich von Karl Finke (Jg. 1947), Niedersachsen, und Ottmar Miles-Paul (Jg. 1964), Rheinland-Pfalz: Aufrichtigkeit, Beharrlichkeit, Entschlossenheit und Geradlinigkeit. Ihnen muss der frühere Beauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, geradezu aus dem Herzen sprechen, wenn er die »Werkstätten« als Schimären charakterisiert ( Kap. 2). Wie alle Autoren dieses Buches tritt auch er im Alltag vorbehaltlos für die Inklusion behinderter Menschen ein. Jede Benachteiligung einer einzelnen Person, bei der er um Rat und Hilfe gebeten wird, fordert ihn heraus. Den Begriff »Einzelfallhilfe« hält er schon deshalb für falsch, weil es keine Einzelfälle sind, die an ihn herangetragen werden: »Die Missachtung elementarer Menschenrechte ist im ›Werkstätten‹-Bereich systembedingt.«

Zu den führenden »Werkstatt«-Experten in unserem Autorenkreis gehören Rainer Knapp (Jg. 1944), Herrenberg, ehem. Sindelfingen, und Franz Wolfmayr (Jg. 1953), Gleisdorf (Oststeiermark/Österreich). Der Baden-Württemberger Fachmann hat sein Menschenbild stets offen dargelegt und im Berufsleben konsequent vorgelebt. An seiner Kritik gegenüber Instanzen, die Menschen mit Beeinträchtigungen bevormunden, hat er nie Zweifel aufkommen lassen. Sein Standpunkt:

»Die Begleitung und Förderung behinderter Menschen ist ausschließlich darauf auszurichten, Fähigkeiten und Kompetenzen so zu unterstützen, dass eine selbständige Gestaltung der Lebensführung ermöglicht wird. Dies schließt Fremdbestimmung aus wirtschaftlichen oder Organisationsgründen ebenso aus wie unterschiedliche Wertvorstellungen, Anforderungen oder Erwartungen Dritter. In der Umsetzung bedeutet dies, dass eine stringente Ausrichtung an den Erwartungen und Bedürfnissen der behinderten Menschen Vorrang haben muss vor den Interessen und Organisationsbedürfnissen jeglicher Institution.«

Sein österreichischer Kollege Franz Wolfmayr kritisiert die scheinbar machtvollkommene und überhebliche Haltung deutscher Träger von Wohn- und »Werkstätten«.

»Da hieß es oft: Wir sind stark genug, wir brauchen keine Vergleiche mit anderen, wir sind hier diejenigen, die den Ton angeben. […] Die Organisationen vergleichen sich nicht mit dem internationalen Standard, und die politischen Systeme fangen damit langsam erst an, etwa mit Studienreisen« (Wolfmayr 2017).

Er gehört zu den wenigen Experten, die von sich sagen können, dass sie die verschiedenen Teilhabesysteme für behinderte Menschen mit besonderen Erschwernissen in ganz Europa kennen.

In den Medien Österreichs wird Franz Wolfmayr ebenso hohe Anerkennung gezollt wie bei den europäischen Leistungsanbietern für behinderte Menschen.

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Janr və etiketlər

Yaş həddi:
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Litresdə buraxılış tarixi:
18 dekabr 2025
Həcm:
682 səh. 55 illustrasiyalar
ISBN:
9783170384989
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
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