Kitabı oxu: «Letzte Fahrt»

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Über den Autor

Robert Falcon Scott (1868-1912) unternimmt als britischer Marineoffizier zwei Expeditionen zum Südpol. Die erste scheitert an der mangelhaften Vorbereitung auf das Überleben unter antarktischen Bedingungen und muss vorzeitig abgebrochen werden. Bei der zweiten erreicht er zwar den Südpol, kehrt aber nicht lebend nach England zurück. Erst acht Monate nach seinem Tod wird Scotts Leiche gefunden — zusammen mit seinem Tagebuch, einem wissenschaftlichen und menschlichen Zeugnis von Rang, mit dem er auf tragische Weise in die Geschichte eingeht.

Zum Buch

„Wären wir am Leben geblieben, ich hätte eine Geschichte erzählen müssen von Kühnheit, Ausdauer und vom Mut meiner Gefährten, die das Herz jedes Briten gerührt hätte.“ R.F. Scott

Als der britische Marineoffizier und Polarforscher Robert Falcon Scott am 1. Juni 1910 von London zu seiner Südpolexpedition aufbricht, ahnt er nicht, dass es seine letzte Reise sein wird. Zwar erreichen er und seine Kameraden den Südpol, allerdings erst 35 Tage nach ihrem norwegischen Konkurrenten, dem Polarforscher Roald Amundsen. Noch heute geht uns das Ausmaß an Enttäuschung nahe, das aus den Zeilen spricht, die der Brite seinem Tagebuch an jenem schicksalhaften 16. Januar 1912 anvertraut. Dieses Tagebuch ist nicht allein ein wissenschaftliches Forschungsdokument. Es hat auch einen ästhetischen Wert, denn es zeichnet in eindringlicher Weise die Autobiographie eines Mannes nach, der mit großem Mut und Willenskraft einem tragischen Schicksal trotzt.

ALTE ABENTEUERLICHE REISEBERICHTE


Robert Falcon Scott

Letzte Fahrt

Kapitän Scotts Tagebuch

Tragödie am Südpol

Herausgegeben von Ernst Bartsch

Mit 18 Abbildungen und einer Karte


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://portal.dnb.de abrufbar.

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Alle Rechte vorbehalten

copyright © by marixverlag GmbH, Wiesbaden 2012

Der Text wurde behutsam revidiert nach der Edition Erdmann-Ausgabe

Stuttgart 1997

Lektorat: Dietmar Urmes, Bottrop

Covergestaltung: Nicole Ehlers, marixverlag GmbH, nach der Gestaltung

von Nele Schütz Design, München

Bildnachweis: Lager beim „Drei-Grade-Depot“

eBook-Bearbeitung: Bookwire GmbH, Frankfurt am Main

ISBN: 978-3-8438-0016-7

www.marixverlag.de

Inhalt

Teilnehmer an Scotts Südpolarexpedition 1910–1912

Offiziere

Wissenschaftlicher Stab

Mannschaft

Scotts Tagebuch

Unheilvolle Ausfahrt

Im Packeis gefangen

Auf der Suche nach einem Winterquartier

Die Landung an Kap Evans

Einzug ins Winterquartier

Abschied von der »Terra Nova«

Erster Vorstoß nach Süden: Das Ein-Tonnen-Depot

Mit den Hunden in einer Eisspalte

Eine furchtbare Nacht

Einstweilen in Sicherheit

Das Leben auf der Hüttenspitze

Zurück über das Eis nach Kap Evans

Zum Entsatz nach der Hüttenspitze

Stille Winterarbeit

Eine moderne Polarstation

Universitas Antarctica

Mittwinterfest

Abenteuer bei Kap Evans

Erfahrungen und Vorbereitungen

Rückkehr der Sonne

Fertige Reisepläne

Ein Ausflug nach dem Ferrargletscher

Unglückswochen

Die ersten Automobile auf der Eisbarriere

Aufbruch zum Südpol

Motordefekte

Hoffnungen und Befürchtungen

Auflösung der Motorabteilung

Zusammenbruch der Ponys

Ein verhängnisvoller Aufenthalt

Auf dem Beardmoregletscher

Der Marsch über die Höhe

Rückkehr der zweiten Abteilung

Geradewegs zum Pol

Am Ziel – Eine niederschmetternde Enttäuschung

Rückkehr vom Pol

Glücklich zum Rande des Polplateaus

Der Tod im Lager

Die letzten Märsche

Ein Heldenopfer

Das Ende

Abschiedsbriefe

Botschaft an die Öffentlichkeit

Nachwort

Teilnehmer an Scotts

Südpolarexpedition 1910–1912

Offiziere

Robert Falcon Scott Kapitän, C. V. O., Royal Navy

Edward R. G. R. Evans Kapitän (während der Expedition: Leutnant),

R. N. Victor L. A. Campbell Leutnant, R. N.

Henry R. Bowers Leutnant, R. I. M.

Lawrence E. G. Oates Rittmeister, 6. Inniskilling-Dragoner

G. Murray Levick Arzt, R. N.

Edward L. Atkinson Arzt, R. N., Parasitologe

Wissenschaftlicher Stab

Edward Adrian Wilson B. A., M. B., Chef des Wissenschaftlichen Stabes, Zoologe

George C. Simpson D. Sc., Meteorologe

T. Griffith Taylor B. A., B. Sc., B. E., Geologe

Edward W. Nelson Biologe

Frank Debenham B. A., B. Sc., Geologe

Charles S. Wright B. A., Physiker

Raymond E. Priestley Geologe

Herbert G. Ponting F. R. G. S., Fotograf

Cecil H. Meares Führer der Hundeabteilung

Bernard C. Day Ingenieur

Apsley Cherry-Garrard B. A., Zoologe

Tryggve Gran Unterleutnant der Norweg. Flotte, B. A.

Mannschaft

W. Lashly Oberheizer, R. N.

W. W. Archer Obersteward, früher R. N.

Thomas Clissold Koch, früher R. N.

Edgar Evans

Robert Forde

Thomas Crean

Thomas S. Williamson

Patrick Keohane

George P. Abbott

Frank V. Browning Deckoffiziere, R. N.

Harry Dickason Matrose, R. N.

F. J. Hooper Steward, früher R. N.

Anton Omelchenko Pferdebursche

Dimitri Gerof Hundetreiber

Scotts Tagebuch
Unheilvolle Ausfahrt

Die »Terra Nova« hatte am 1. Juni 1910 mit meiner Expedition an Bord London verlassen, und ich folgte ihr am 16. Juli nach Neuseeland. Als das Schiff in Lyttelton, dem Hafen der Stadt Christchurch auf der Südinsel von Neuseeland, anlangte, zeigte es ein Leck und musste auf drei Wochen ins Dock.

Wir hatten unsere Abfahrt für Sonnabend, den 26. November, nachmittags 3 Uhr angekündigt, und drei Minuten vor dieser Zeit legte die »Terra Nova« vom Hafendamm ab. Eine große Volksmenge hatte sich am Ufer versammelt, und unzählige kleine Boote und zwei Schleppdampfer begleiteten unser Schiff hinaus, sodass unser Fotograf Ponting mit seinen kinematografischen Aufnahmen alle Hände voll zu tun hatte.

Ich fuhr mit hinaus, bis wir die »Cambrian«, das einzige anwesende englische Kriegsschiff, passiert hatten, kehrte dann auf dem Hafendampfer wieder zurück, da noch einige Geschäfte in Christchurch zu erledigen waren, und bestieg am Montag mit Dr. Wilson, dem Leiter des wissenschaftlichen Stabes meiner Expedition, den Schnellzug nach Port Chalmers, wo wir an Bord gehen wollten. Ein Telegramm hatte mir gemeldet, dass die »Terra Nova« Sonntagnacht dort eingelaufen sei.

Dienstag, 29. November, nachmittags ½ 3, verließen wir bei strahlendem Sonnenschein den Kai zur endgültigen Abfahrt nach Süden. Womöglich begleiteten uns noch mehr Fahrzeuge als in Lyttelton, und mit dem Reservekanonenboot der Freiwilligen Flotte folgten uns mehrere Schlepper weit hinaus.

Donnerstag, 1. Dezember. Das Schiff stampfte gestern sehr infolge südwestlicher Dünung. Über Nacht wurde der Wind stärker, ich erwachte von der Bewegung; jetzt bläst er steif aus Nordwesten, und die See geht hoch. Unter diesen Umständen bietet das Schiff einen seltsam bunten, nicht gerade erfreulichen Anblick. Der Raum unter uns ist dank der Geschicklichkeit unseres Proviantmeisters Leutnant Bowers so dicht vollgepackt, wie es menschliche Geschicklichkeit nur ersinnen kann, und auf Deck ist’s kaum anders. Der Raum unter der Großluke enthält alle Vorräte für unsere Landung und einen Teil der Hütten; über ihm auf dem Hauptdeck sind der Rest des Holzwerkes für die Hütten, die Schlitten, die Ausrüstung für die Landreise und alle Instrumente und Maschinen für die Männer der Wissenschaft wundervoll gedrängt verpackt. Das beengt zwar den Platz der Leute sehr, aber sie haben selbst gebeten, auf sie keine Rücksicht zu nehmen; sie würden sich schon behelfen.

Unter der Back sind Stände für fünfzehn meiner mandschurischen Ponys, das Äußerste, was der Raum fassen konnte. Sieben auf der einen Seite, acht auf der anderen, die Köpfe einander zugewandt. Durch ein Loch im Schott sieht man die Reihe der Pferdeköpfe mit traurigen, geduldigen Augen emporschaukeln, jetzt die von der Steuerbordseite, dann die auf der Backbordseite, und dazwischen Anton, den Wärter, mit der Bewegung des Schiffes einträchtig hin und her schwanken. Die wochenlange Fahrt wird eine schlimme Probe für die armen Tiere sein und sie sehr herunterbringen. Der übrige Raum der Back ist mit 5000 Kilo Futter dicht vollgepackt, und dazwischen haust der immer achtsame Anton, der russische Pferdeknecht, der arg an Seekrankheit leidet. Trotzdem rauchte er gestern Abend eine Zigarre; er rauchte immer ein wenig, dann kam eine Pause, wo sich sein Magen umkehrte, darauf griff er wieder zu seiner Zigarre. »Nicht gut!«, klagte er Rittmeister Oates, indem er sich den Magen rieb. Ein tapferer kleiner Kerl!

Die vier übrigen Ponys stehen außerhalb der Back auf der Leeseite der Vorluke in einem starken hölzernen Bau. Unter ihrem wasserdichten Segeltuchdach haben sie es jedenfalls besser als ihre fünfzehn Kameraden.

Unmittelbar hinter dem Schott der Back ist die kleine Achterluke, bei schlechtem Wetter der einzige Zugang zur Mannschaftsmesse. Dann kommt der Fockmast, und zwischen ihm und der Vorluke die Kombüse und der Kran. Hinter der Vorluke ist das Eishaus, das drei Tonnen Eis, 162 geschlachtete Hammel und drei Rinder nebst einigen Büchsen Kalbsmilch und Nieren enthält. Die geschlachteten Tiere sind lagenweise, mit Holzlatten zwischen den einzelnen Lagen, verstaut – ein Triumph guter Verpackung, und ich denke, dass uns den Winter hindurch frisches Hammelfleisch verbürgt ist.

Unmittelbar hinter dem Eishaus und zu beiden Seiten der Großluke stehen zwei ungeheure Packkisten, die sich mehrere Zentimeter hoch über dem Deck erheben und schrecklich viel Platz wegnehmen, jede mehr als 9 Kubikmeter; sie enthalten zwei Motorschlitten. Der dritte ruht quer über der Hinterdecköffnung, da, wo bisher die Achterwinde war. Die Kisten sind mit kräftigem Segeltuch überdeckt und mit schweren Ketten und Tauen festgemacht, damit sie unter allen Umständen sicher sind. Das Petroleum zu diesen Schlitten enthalten Blechkannen und -fässer, die in starke Holzkisten verpackt sind, im Ganzen 2 ½ Tonnen Öl, das den Raum unmittelbar vor dem Hinterdeck und den Motorschlitten gegenüber arg beeinträchtigt. Der Rest der Behälter mit Petroleum, Paraffinöl und Alkohol steht zwischen der Großluke und dem Fockmast und längs der beiden Kühlgänge.

Um diese Packkisten herum, von der Kombüse nach vorn bis an das Steuerbord achteraus, steht das Deck voll aufgestapelter Kohlensäcke, die aber bald verschwinden werden, denn die »Terra Nova« frisst entsetzlich viel Kohlen: wie mir schon gestern gemeldet wurde, acht Tonnen am Tag!

Die Wasserbehälter sind mit Pressheu gefüllt, bis auf einen, der 12 Tonnen Süßwasser enthält; genug hoffentlich, bis wir das Eis erreichen. Ich hatte ursprünglich nur 30 Tonnen gepresstes Haferstroh bestellt, aber Oates überzeugte mich, dass dies zu wenig sei, und unser Ponyfutter macht daher jetzt im Ganzen gegen 50 Tonnen aus. Das Extrafutter besteht aus 5 Tonnen Heu, 5 bis 6 Tonnen Ölkuchen, 4 bis 5 Tonnen Kleie und etwas Haferschrot. Korn nehmen wir nicht mit.

Die anscheinende Verwirrung auf Deck vervollständigen unsere dreiunddreißig Hunde; sie sind, zwei ausgenommen, sibirischen Ursprungs; Meares hat sie ausgesucht und mithilfe des Hundeführers Dimitri Gerof quer durch Sibirien nach Wladiwostok getrieben, von wo er sie per Dampfer nach Sydney und von da nach Lyttelton brachte. Sie sind, was bei der Wildheit der Tiere unbedingt nötig ist, zwischen den Motorschlitten an den Pfosten und Riegeln des Eishauses und der Großluke angekettet und haben allen Schutz, der sich auf Deck bieten lässt, aber ihre Lage ist nicht beneidenswert. Die Wellen brechen sich unaufhörlich an der Wetterseite des Schiffes und das Spritzwasser regnet auf alles, was sich auf das Mitteldeck wagt, in dichten Wolken herunter. Die Schwänze diesem Regen zugekehrt, sitzen die Hunde trübselig umher, ihre Decken triefen und ab und zu lässt eins der Tiere ein wehmütiges Winseln hören. Ihre Nahrung, ungefähr 5 Tonnen Hundekuchen, haben wir in die Lücken zwischen dem Gepäck eingekeilt; Meares ist nicht dafür, die Hunde mit Seehundfleisch zu füttern, während ich das, im Winter wenigstens, für besser halte.

Wie wir es fertigbringen, an unserem Kajütentisch für vierundzwanzig Offiziere Platz zu finden, ist mir noch unerklärlich. Meist sind zwar einer oder zwei auf Wache, was die Sache erleichtert, aber es ist trotzdem ein heilloses Gedränge.

Die »Terra Nova« ist mit Matrosen so gut besetzt, dass jede Wache ihrer neun zählt, und Meares und Oates haben ihre Gehilfen zur Beaufsichtigung der Hunde und der Ponys. Die Seekrankheit zeigt sich am stärksten bei dem Geologen Priestley, aber auch unser Fotograf Ponting will vom Essen nichts sehen, sondern bleibt bei seiner Arbeit; gestern sah ich ihn beim Entwickeln seiner Platten, die Schüssel zum Entwickeln in der rechten Hand – ein anderes Gefäß in der linken.

Heute haben wir 350 Kilometer zurückgelegt, ein guter Anfang.

Freitag, 2. Dezember. Ein großer Unglückstag! Um 4 Uhr nachts frischte der Wind mit großer Heftigkeit auf, und wir waren bald nur noch unter Mars-, Klüver- und Stagsegel. Die See ging plötzlich hoch, das Schiff stampfte schwer und nahm über die Reling viel Wasser ein. Petroleumbehälter und Futterkisten begannen sich auf dem oberen Deck zu lösen, die Kohlensäcke wurden von den Sturzseen hochgehoben, gegen die angeseilten Kisten geworfen und drohten sie zu zertrümmern. Alle Säcke mussten woanders verstaut werden, was eine ungeheure Arbeit machte. Von Stunde zu Stunde wurden Seegang und Wind stärker und das Schiff stampfte immer wütender; wir minderten die Segel bis auf das große Marssegel und das Stagsegel, stoppten die Maschinen und drehten bei, aber nichts half. Oates und unser Arzt Atkinson hatten die ganze Nacht zu tun, die Ponys auf den Beinen zu halten oder wieder aufzurichten.

Das Schlimmste aber sollte noch kommen: die Meldung aus dem Maschinenraum, dass die Pumpen verstopft seien und das Wasser schon über den Feuerungsrost steige! Von diesem Augenblick an war der Maschinenraum der Mittelpunkt der allgemeinen Aufregung. Lashly stand bis an den Hals in strömendem Wasser und arbeitete unverdrossen und heiter, um die Ansauger der Pumpen zu reinigen. Aber das Wasser stieg immer höher, und wenn auch hin und wieder die Pumpen ansogen, in fünf Minuten waren sie wieder verstopft. Höher und höher kroch das Wasser, zuletzt kam es mit dem Kessel in Berührung, wurde wärmer und wärmer und dann so heiß, dass keiner mehr an den Ansaugern arbeiten konnte und nichts übrig blieb, als das Feuer ausgehen zu lassen.

Die See ging höher als je; wie viel Wasser wir einnahmen, war gar nicht festzustellen, ein grüner Strom rollte über Reling und Achterdeck und ein großes Stück des Geländers wurde von den Sturzwellen fortgerissen. Die Petroleumfässer trieben auf dem Deck umher und einige wurden über Bord geschwemmt. Die Sodpumpe, die von der Hauptmaschine unabhängig ist, half uns auch nicht, denn vorn, wo sie stand, fegten immer die schwersten Sturzseen über die Reling und rauschten hoch über das Achterdeck hinweg; einmal stand ich bis unter die Arme im Wasser. Die Szene auf Deck wurde immer düsterer und im Maschinenraum strömte das Wasser beängstigend. Und mitten hinein in diese Verwirrung plötzlich der furchtbare Ruf, dass durch die Ritzen des Achterraums Rauch emporsteige! Der Achterraum war mit Kohlen angefüllt und lag unmittelbar neben dem Maschinenraum, und das auf Deck stehende Wasser machte ein Öffnen der Luke zum Herauslassen sich entwickelnder Gase unmöglich. Und doch wäre, um das Feuer zu unterdrücken, keine andere Hilfe gewesen, als die Luken zu öffnen, die Sturzseen hineinfluten zu lassen und so das Schiff zum Sinken zu bringen. Es waren furchtbare Augenblicke, ehe wir die Gewissheit hatten, dass der Rauch in Wirklichkeit nur Dampf war von dem im Maschinenraum befindlichen Schlagwasser, das bis in die erhitzten Kohlen gestiegen war.

Die vierundzwanzig Mann Achterwache bildeten zwei Reihen und begannen nun mit den Schöpfeimern zu arbeiten, während die Matrosen an den verstopften Handpumpen beschäftigt waren. Wenn wir auf diese Weise nicht Herr des Wassers wurden, waren das Schiff und wir alle verloren! So sonderbar es erscheinen mag, wir mussten versuchen, es auszuschöpfen. Und unsere Anstrengung blieb nicht ganz fruchtlos. Vier Stunden lang gingen die Schöpfeimer von Hand zu Hand, vom untersten Feuerraum auf kleinen Eisenleitern nach dem obersten Deck hinauf, zusammen mit dem Tröpfeln der Pumpen, und wenn das Wasser auch nicht sank, so stieg es doch nur noch sehr wenig.

Unterdes kommen wir auf ein Mittel, um an das Saugwerk der Pumpen zu gelangen: Wir schlagen ein Loch in das Schott des Maschinenraumes, die Kohlen zwischen diesem und dem Wasserschacht der Pumpen werden entfernt und ein Loch in den Schacht gebrochen. Den Lukendeckel über dem Schacht können wir nicht öffnen, da zu viel Wasser an Bord kommt. Wir sind zwar noch nicht über den Berg, aber ich fasse wieder Mut, wenn auch unsere Rettung ein halbes Wunder sein wird. Offiziere und Matrosen arbeiten verzweifelt, aber sie singen dabei Matrosenlieder und keiner hat den Mut verloren.

Ein Hund ist ertrunken, ein Pony ist tot und zwei andere werden auch nicht mehr lange mitmachen. Der Sturm fordert schweren Tribut von uns, aber wenn wir nur des Wassers Herr werden, wird schon alles gut. Noch ein Hund, höre ich, ist eben über Bord geschwemmt worden – o weh!

Gott sei Dank, der Sturm nimmt ab! Die See geht zwar noch bergehoch, aber das Schiff hält sich schon besser. Ich flehe zu Gott, dass wir vor Morgengrauen wieder unter Segel sein möchten!

Sonnabend, 3. Dezember. Gestern Abend nahm der Wind langsam ab, und die Schöpfarbeit wurde mit zweistündiger Ablösung ununterbrochen fortgesetzt. Es war eine unheimliche Nachtarbeit, bei dem heulenden Sturm, der Dunkelheit, den alle paar Minuten über das Schiff hinrollenden ungeheuren Sturzseen, ohne Maschinen und ohne Segel, die Männer der Wissenschaft zum Teil unten im Maschinenraum, schwarz vom Maschinenöl und Schlagwasser, die überlaufenden Eimer weitergebend, ohne Rücksicht auf die Köpfe der Tieferstehenden; dabei nass bis auf die Haut, so nass, dass einige es vorzogen, nackt wie chinesische Kulis zu arbeiten, während die anderen in Trikotjacken, Schifferhosen und Seestiefeln hantierten. Alle zwei Stunden eilten die Abgelösten in ihre Koje, um dort im Regenrock eingewickelt zu ruhen; aber nach zwei Stunden wurden sie wieder geweckt, schlüpften in das triefend nasse Zeug und eilten wieder an die Arbeit. Und sie blieben Sieger: Das Hin- und Herrauschen der Wellen auf dem Boden des Maschinenraumes bei dem trüben Licht zweier Petroleumlampen wurde von Stunde zu Stunde geringer. Um 10 Uhr abends war das Loch im Schott des Maschinenraumes gebrochen – Leutnant Evans kletterte über die Kohlen hinüber und fand seinen Weg zu dem Pumpenschacht und in ihn hinein. Bald hatte er den Ansauger gereinigt, und mit Freudenrufen wurde der erste tüchtige Wasserstrahl aus der Pumpe begrüßt. Von diesem Augenblick an waren wir gerettet. Alle Mann mussten nun abwechselnd an der Pumpe arbeiten, und obwohl sie sich noch mehrere Male wieder verstopfte, sank das Wasser im Maschinenraum gleichmäßig, und heute Morgen konnte man sich wieder darin aufhalten. Am Vormittag wurde wieder geheizt, die Ventile sind gereinigt und jetzt segeln und dampfen wir bereits wieder in bester Ordnung südwärts, zwei Striche von unserem Kurs. Mit einem Schlag sind wieder alle voller Hoffnung, die gestern Abend noch, wie sie mir heute gestanden, im Stillen an unserer Rettung verzweifelten.

Unser Verlust ist nicht so groß, wie ich befürchtete, aber doch immer ernst genug. Abgesehen von der Zertrümmerung der Reling, haben wir zwei Ponys, nur einen Hund, 300 Liter Petroleum, 10 Tonnen Kohlen und einen Spiritusbehälter des Biologen eingebüßt. Das dritte Pony hat sich wieder erholt; es sieht ein wenig steifbeinig aus, wird aber wohl durchkommen, wenn wir keinen neuen Sturm bekommen. Osman, unser bester Schlittenhund, war heute früh sehr elend.

See und Wind scheinen wieder stark zu werden und wir haben schwere, südliche Dünung.

Montag, 5. Dezember. 56° 40’ südlicher Breite. Wir haben noch immer Dünung aus Südwest, wenn auch nicht mehr so heftig wie gestern, aber ich wünsche von Herzen, dass sie endlich ganz aufhören möge, und ich bete, dass keine Stürme mehr kommen! Auch die vier Ponys an der Backbordseite sind von dem furchtbaren Wetter sehr mitgenommen und es hängt so viel, ja alles von gutem Wetter ab.

Dienstag, 6. Dezember. Die Dünung hat weiter abgenommen und wir kommen bei ruhigem Wetter tüchtig weiter. Ich bin hauptsächlich der Tiere wegen dafür aufrichtig dankbar. Noch ein Tag und wir sind aus dem Bereich der Weststürme heraus.

Mittwoch, 7. Dezember. 61° 22’ südlicher Breite, 179° 56’ westlicher Länge. Ein scharfer Südwestwind trieb uns drei Striche aus unserem Kurs heraus, aber die See blieb ruhig, ein Zeichen, dass das Eis nicht mehr fern ist. Am Nachmittag betrug die Luft- und Wassertemperatur 1 Grad Celsius und ein günstiger Wind hat uns wieder in unseren Kurs hineingetrieben. Viele Vögel umflattern das Schiff; die ersten Eissturmvögel und die ersten Raubmöwen erscheinen und gestern Abend zeigten sich Delfine in der Nähe; dunkle, finster blickende Albatrosse und Seeschwalben begegnen uns unaufhörlich.

Nach dem Sturm hatte das Hauptdeck unter dem Packraum, wo die Ponys untergestellt sind, ein böses Leck, und der Stallschmutz tropfte auf Hängematten und Bettstücke, ohne dass einer von der Mannschaft ein Wort darüber gesagt hätte. Mit Segeltuch und Ölleinwand suchten sie sich die Plage vom Leib zu halten; es war schon sowieso im Mannschaftsraum ungemütlich genug. Alles war durcheinandergeworfen, allenthalben hatte das Wasser seinen Weg dorthin gefunden, dabei Mangel an Luft, die nur durch die kleine Vorluke hereinkam, kein Tageslicht, sondern nur Lampenlicht, das allerhand Scherereien machte, die Männer alle nass bis auf die Haut, ohne Gelegenheit ihr Zeug zu trocknen – kurz, ihre fröhliche Standhaftigkeit ist geradezu bewundernswert.

Gestern Abend trieb weit hinten im Westen der erste Eisberg vorüber und glänzte hin und wieder auf, wenn die Sonne aus den Wolken hervortrat.

Donnerstag, 8. Dezember. Der Wind wuchs über Nacht zu einem mäßigen Sturm an, und heute haben wir den ganzen Tag hindurch gegen eine steife Brise und hohen Seegang anstampfen müssen. Am Abend hielten wir ein wenig ostwärts von unserem Kurs und konnten so wenigstens Vorder- und Achtersegel gefüllt bekommen. Aber dieser Gegenwind stellt meine Geduld sehr auf die Probe, zumal unser Kohlenverbrauch größer ist, als ich berechnet hatte.

Das Stampfen und Schlingern des Schiffes störte mich die ganze Nacht hindurch, und bei jedem Stoß musste ich an die armen Ponys denken. Wie lange mögen sie wohl die Erinnerung an diese entsetzlichen Tage bewahren? Die Hunde sind wieder obenauf; für sie ist die Nässe das Schlimmste. Sie hätte uns beinahe unseren besten Leithund Osman gekostet. Er lag nach dem letzten Sturm so erschöpft da, dass er kaum noch ein wenig zitterte und sein Leben an einem Haar zu hängen schien. Er wurde in Heu warm eingepackt und lag so vierundzwanzig Stunden ohne Nahrung, die er beharrlich zurückwies; dann aber zeigte sich die wunderbare Zähigkeit seiner Rasse: Er war hinterher wieder so kräftig wie zuvor.

Freitag, 9. Dezember. 65° 8’ südlicher Breite, 177° 41’ westlicher Länge. Heute früh 6 Uhr wurden Eisberge und Packeis gemeldet; anfangs glaubte ich, das Packeis bestehe nur aus Bruchstücken der Berge, aber dann fuhren wir in einen Eisstrom von kleinen, abgezehrten Eistafeln hinein, die nicht mehr als 60 bis 90 Zentimeter dick waren. Wir steuerten deshalb nach Süden und Westen und konnten im offenen Wasser ziemlich geraden Kurs halten, obgleich wir fünf oder sechs weitere Eisströme durchquerten, von denen keiner mehr als 300 Meter breit war.

Wir fuhren heute an mehreren schönen, meist tafelförmigen Eisbergen vorüber, deren Höhe bis zu 25 Metern ging. Einer kam so dicht heran, als ob er gefilmt werden wollte, und schien ziemlich frisch gekalbt zu sein. Zwischen den oberen Teilen des Eisbergs und den unteren war eine Verschiedenheit des Ursprungs deutlich erkennbar, als ob ein Landgletscher von einer Lage periodischen Schnees nach der anderen bedeckt worden sei. Zwischen diesen waagerechten Schichten harten, weißen Firnschnees zeigten sich eingesprengte Lagen aus blauem Eis.

Ein anderer Eisberg zeichnete sich durch unzählige senkrechte Risse aus, die kreuz und quer liefen, sodass die einzelnen Klötze sich willkürlich bogen und formten, wodurch der ganze Berg ein überaus zerfetztes Aussehen erhielt.

Wir beobachteten in diesen Tagen zahlreiche Walfische von der Art der Riesenwale (Balaenoptera Sibbaldi), die als die größten Säugetiere gelten. Zuerst sieht man einen kleinen dunklen Höcker auftauchen, und gleich darauf spritzt eine Fontäne grauen Nebels ungefähr zwei Meter hoch senkrecht in die kalte Luft empor. Wilson ist mehrmals von diesen Wasserstrahlen erreicht worden; sie hinterlassen einen Übelkeit erregenden Geruch nach ranzigem Öl. Dann verlängert sich der Höcker und empor wälzt sich ein ungeheuer großer, schwarzgrauer runder Rücken mit einem schwachen Wulst längs des Rückgrates, auf dem eine kleine hakenähnliche Rückenflosse erscheint. Dann verschwindet das Tier wieder in der Tiefe. Auch Vögel zeigen sich, antarktische Sturmschwalben, ein Eissturmvogel und heute Morgen Kaptauben.

Es ist ganz unerklärlich, dass das Packeis uns so viel nördlicher begegnet, als wir erwartet haben. Wir haben den Tag über gute Fortschritte gemacht, aber am Abend verdichten sich die Eisströme zu beiden Seiten des Schiffes mehr und mehr, und das Packeis zeigt sich in bedenklich großen Feldern. Noch immer begegnen uns viele Eisberge, teils tafelförmig, teils fantastisch zernagt. Der Abendhimmel war wundervoll, mit jeder möglichen Wolkenform und mit jeder Art Licht und Schatten; die Sonne trat von Zeit zu Zeit aus den Wolkenlücken hervor und beleuchtete mit blendendem Glanz irgendein Eisfeld, einen steil abfallenden Eisberg oder ein Fleckchen blauer See, und Sonnenlicht und Schatten jagten sich beständig über unsere Bahn, die das Schiff auf glattem Kiel und gleichmäßig durchstrich, nur hin und wieder poltern treibende Eisschollen dagegen.

Sollte das Packeis dick werden, so lasse ich das Feuer unter den Kesseln ausgehen und warte, bis sich das Eis wieder öffnet. Lange kann es auf diesem Meridian nicht geschlossen bleiben.

Sonnabend, 10. Dezember. Ich blieb gestern Abend bis Mitternacht auf Deck. Die Sonne tauchte gerade unter den südlichen Horizont; der Nordhimmel flammte in prachtvollem Rosa und spiegelte sich in der ruhigen See zwischen dem Eis wider, während das Eis in allen Farben spielte. Eisberge und Packeis zeigten nach Norden hin einen blassen, grünlichen Farbton mit tiefen, purpurroten Schatten, während die Farbe des Himmels zwischen safrangelb und blassgrün wechselte.

Der heutige Morgen fand uns so ziemlich am Ende des offenen Wassers und wir schafften von einem Eisfeld acht Tonnen Eis herauf. Leutnant Rennick lotete 3585 Meter Tiefe und das Lot brachte zwei Stückchen vulkanischer Lava herauf. Unser Biologe Nelson fing mit einem vertikalen Schleppnetz einige Krustentiere und anderes und nahm eine Wasserprobe und Temperaturen aus 400 Metern Tiefe. Wilson schoss antarktische Sturmvögel und schneeweiße Sturmschwalben.


Eisberg

Gegen ½ 2 kamen wir durch leichtes Packeis, dann aber tiefer in alte, dicke Felder hinein, die sich um einen großen Eisberg gruppierten. Wir machten schleunigst kehrt, um einen anderen Weg einzuschlagen, aber je weiter wir nach Süden vordrangen, desto dicker wurde das Packeis.

Um 3 Uhr stoppten wir und schossen vier Krabbenfresserrobben, deren Leber zum Abendessen vorzüglich schmeckte.

Heute Nacht stecken wir in dichtem Packeis, es lohnt sich kaum der Mühe, weiter vorzudringen! Zwar lässt ein bogenförmiges Stück klaren Himmels, das sich den ganzen Tag im Süden zeigte, auf offenes Wasser in jener Richtung schließen. Vielleicht ist das offene Wasser nur 40 Kilometer entfernt – aber 40 Kilometer wollen in unserer augenblicklichen Lage sehr viel besagen!

Im Packeis gefangen

Sonntag, 11. Dezember 1910. Das Eis schloss sich während der Nacht enger zusammen und um 6 Uhr erschien jeder Versuch, vorwärts zu kommen, aussichtslos; wir ließen also das Feuer ausgehen. Die Eisfelder sind fast einen Meter dick, sehr fest und eng aneinandergedrängt. Die Fläche, die dieses Eis jetzt einnimmt, ist viel größer als zu der Zeit, wo es noch eine einzige Tafel bildete. Wenn also das Ross-Meer im Frühling ganz zugefroren ist, muss die Masse des aus ihm stammenden Packeises im Norden ungeheuer sein. Jedenfalls kommt das Eis um uns aus dem Ross-Meer, nur ist das Fehlen von Pressungen unerklärlich.

Am Abend liefen die Matrosen auf Schneeschuhen übers Eis und genossen diese herrliche Körperbewegung ausgiebig.

Montag, 12. Dezember. Das Packeis war heute Morgen etwas lockerer und eine lang gezogene Dünung deutlich bemerkbar. Oates, Bowers und Gran begaben sich auf Schneeschuhen nach einer angeblichen Insel, die sich aber, wie ich gleich vermutet hatte, als ein seltsam kuppenförmiger Eisberg mit niedrigen Klippen ringsum herausstellte.

Um Mittag haben wir wieder angeheizt und machen gute, aber ungleichmäßige Fortschritte. Bald dünne Eisfelder, die sich leicht zerbrechen lassen, bald ältere, die uns völlig lahmlegen; hin und wieder auch ein massiger aufgepresster Eisberg. Trotzdem sind wir 27 Kilometer südwestwärts getrieben, wenn auch sehr langsam.

Wir probieren heute Atkinsons Speckofen mit gutem Erfolg. Das Innere enthält ein Rohr mit nur einer Windung, die an der Unterseite durchlöchert ist, und aus diesen Löchern tropft der Tran auf einen Asbestbrenner. Der Speck befindet sich in einem den Schornstein umgebenden Behälter, und ein Hahn reguliert das Einfließen des Trans in das Zufuhrrohr. Sehr einfach, aber wirkungsvoll; der Ofen heizt sehr gut, allerdings riecht er auch etwas nach Tran. Aber man würde mit solchen Öfen weder warmes Essen noch eine warme Hütte unten im Süden zu entbehren brauchen.

Ich sprach heute mit Wright, einem unserer Geologen, über die merkwürdige Erscheinung, die für Reisen im Eismeer von großer Wichtigkeit ist: Wenn das Meereis zu Hügeln emporgepresst ist, scheiden diese Eishügel, falls sie vom Seewasser nicht mehr erreichbar sind und nicht wieder davon durchtränkt werden können, ihr Salz vollständig aus; durch Schmelzen kann aus ihnen Süßwasser gewonnen werden, das zum Trinken, zum Füllen der Dampfkessel usw. durchaus brauchbar ist.

Dienstag, 13. Dezember. Ich war fast die ganze Nacht auf den Beinen und habe eine so schnelle, immerwährende Veränderung aller Aussichten noch nie erlebt. Frisch gebildeter Eisschlamm, in dem das Schiff unter vollen Segeln 7 bis 9 Kilometer in der Stunde machte, wechselte mit festem Eis, gegen das aller Kampf vergeblich war. Dann kamen offene Kanäle und leicht überfrorene Rinnen, die uns guten Raum gaben, aber mit einem Mal saßen wir wieder in mächtigen Feldern mit höckrigem Buchteis fest, das zwei bis drei Meter über dem Wasser emporragte und sehr tief hinabreichte, uns aber wenigstens Gelegenheit bot, das Schiff mit Wasser zu versorgen. Schließlich konnten wir nicht mehr von der Stelle und mussten die Feuer ausgehen lassen. Gerade solchem Eis begegneten wir vor neun Jahren mit der »Discovery« bei König-Eduard-Land und es fragt sich immer wieder, ob es auch richtig war, so weit im Osten südwärts zu gehen. Was soll unter diesen Umständen aus unseren Kohlenvorräten werden? Während der letzten Tage sind wir nach Osten abgedrängt worden. Ist das die normale Stromrichtung hier oder die Wirkung vorherrschender Westwinde? Vielleicht ist diese Tatsache für den Zeitpunkt unserer Befreiung von größter Wichtigkeit. Jedenfalls aber ist nichts nervenaufregender und anspannender als dieser stündliche Wechsel aller Möglichkeiten.

Einstweilen können wir nicht vorwärts und nicht rückwärts, und die großen Eisfelder scheinen sich aneinanderschließen zu wollen. Geduld! Inzwischen können wir Lotungen und manche biologische Arbeit ausführen.

Mittwoch, 14. Dezember. Vom »Krähennest« (der Ausgucktonne) aus ist an mehreren Seiten offenes Wasser zu sehen, im Übrigen aber ist die Szene unverändert: ödes, hügeliges Packeis. Das Schiff dreht sich mit dem Wind und die Eisfelder ringsum sind in ständiger Bewegung; sie wechseln ihre Lage in langsamer, verstohlener, schleichender Weise. Die Lufttemperatur ist 2 Grad Celsius über null, die des Wassers ungefähr 1 Grad unter null.

Das Packeis ist in der Regel ein sonnenloser Ort; nach einigen Stunden Sonnenschein gestern Morgen bewölkte sich der Himmel und es schneite trostlos. In solchen Stunden vergegenwärtigt man sich die entsetzliche Eintönigkeit langer Gefangenschaft im Packeis, wie Nansen und andere sie kennengelernt haben, und die Fantasie dehnt solche Tage zu endlosen Monaten und Jahren aus. Heute aber haben wir prächtigsten Sonnenschein, und wir waren alle mit Schneeschuhen auf dem Eisfeld, an dem wir uns heute Morgen verankerten. Es war so heiß, dass ein Kleidungsstück nach dem anderen abgelegt wurde und Oates und Atkinson einige Zeit nackt bis zum Gürtel umherliefen.

Wenn unsere Gefangenschaft nicht zu lange dauert, ist sie uns ganz willkommen; sie übt uns in der Anwendung unserer Tiefseeausrüstung und wir brennen alle darauf, von dem Norweger Gran Schneeschuhlaufen zu lernen. Von Ungeduld ist daher noch nichts zu spüren. Die Dünung ist heute bedeutend stärker geworden, aber aus welcher Richtung sie kommt, ist unbestimmt.

Donnerstag, 15. Dezember. Meares brachte heute zweimal sieben Hunde mit einem Schlitten auf das Eis, und zwar die, die am schlechtesten aussahen. Sie atmeten schwer und es ist ganz unverständlich, wie sie so fett werden konnten, denn sie bekommen täglich höchstens zweieinhalb Hundekuchen.

Wir treiben beständig nordwärts, was recht ärgerlich ist, aber doch wenigstens nicht nach Osten. Unsere Beobachtungen ergaben bisher, dass die Eisfelder bei Nordwest- und Westwind sich zusammendrängen und bei Windstille auseinandergehen. Wir hoffen nun, dass sie sich bei Ost- oder Südostwind öffnen werden. Rennick lotete heute 3370 Meter Tiefe.

Sonnabend, 17. Dezember. Gestern Morgen setzte der Wind aus Nordosten ein und brachte Schnee, leichten Hagel und Regen, der bis heute Morgen währte. Es ist, glaube ich, das erste Mal, dass ich jenseits des Südpolarkreises Regen erlebe. Das Eisfeld, auf dem wir Schneeschuh liefen, hat sich zerteilt; wir zogen daher gestern die Eisanker wieder ein, und mithilfe der Segel drängte sich das Schiff langsam durch die umfangreichen Eisfelder. Im Ganzen kamen wir etwa 6 Kilometer vorwärts, mussten aber schließlich wieder an einem ungeheueren Eisfeld anlegen, wo das Schiff unter Segel nicht durchkam, und heute haben wir uns den ganzen Tag kaum von der Stelle gerührt. Aber Eisberge, die uns im Lauf der Woche schon alte Freunde wurden, setzen sich in Bewegung; einer hat sich genähert und uns fast umkreist. Sie bewegen sich sehr unregelmäßig, müssen aber, genauso wie wir, in den letzten zwei Tagen etwas ostwärts gewandert sein.

Sonntag, 18. Dezember. Was ist das doch für ein aufregendes Spiel! Nichts lässt sich für eine halbe, ja für eine Viertelstunde voraussagen! Eben sieht noch alles günstig aus – im nächsten Augenblick schon möchte man wieder verzweifeln!

Um 3 Uhr früh wurde gemeldet, dass das Eis auseinandergehe, und daraufhin sofort angeheizt. Anfangs sah es schlimm aus, es dauerte mehr als eine halbe Stunde, ehe wir in Gang kamen, um uns nach einem großen Eisfeld hinzuarbeiten, das das Schiff unter Dampf voraussichtlich zerbrechen konnte. Dann aber weigerte es sich zu meinem Entsetzen, den Kampf mit dem Eisfeld aufzunehmen, und wir mussten unter endlosen Schwierigkeiten eine Rinne aufsuchen, die das Feld durchsetzte. Ein neues Feld stellte sich uns entgegen, es wurde umfahren und nun waren wir von 6 Uhr an ziemlich imstande, unseren Kurs zu halten. Um 8 Uhr erreichten wir sogar eine lange Durchfahrt offenen Wassers und frohlockten schon, aber dann stießen wir wieder auf mächtiges Buchteis. Unzweifelhaft verursacht dieses Buchteis die offenen Rinnen.

Schneeböen sind in Pausen vorübergezogen, der Wind bleibt nordwestlich und es ist verhältnismäßig warm. Heute Abend sahen wir den ersten Kaiserpinguin.

Montag, 19. Dezember. In der Nacht drängten wir uns durch einige der ungeheuersten Eisfelder, die ich je gesehen habe. Die Presseisrücken überragten die Oberfläche um 7 Meter, das Eis musste also mindestens 9 Meter in die Tiefe gehen, und die Stöße, die wir erhielten, machten den Eindruck unwiderstehlicher Festigkeit. Später kamen wir in lange Wasserkanäle und dünnes loses Packeis und machten Fortschritte. Aber der Ausblick heute Morgen ist der schlimmste, den wir bisher hatten. Ringsum mächtiges, aufgepresstes Packeis, so weit das Auge reicht, und überall gleich beunruhigend! Dabei fürchte ich, dass wir unser Steuer überanstrengt haben; nach einer Richtung hin funktioniert es nicht mehr! Wohl oder übel habe ich mich jetzt entschlossen, nach Westen vorzudringen – bloß heraus aus diesen fürchterlichen Eisfeldern! Es ist wirklich Pech!

Mittags. 67° 54 ½’ südlicher Breite, 178° 28’ westlicher Länge. Schon wieder alles verändert! Ich weiß nicht, ob zum Guten oder Bösen! Das alte Eis ist weniger geworden, aber die Jungeisfelder, die ohne Zweifel alte Schollen umschließen, sind ungeheuer an Umfang gewachsen. Eines, das wir gerade passiert haben, muss fast 2 Kilometer breit sein; also ist die Dünung gleich null und das offene Wasser sehr fern!

Nachmittags 5 Uhr 30. Wir fuhren an zwei ungeheueren Eisbergen vorüber, die lange Furchen offenen Wassers im Packeis hinterließen. Durch diese Furchen kamen wir mit fast 6 Kilometer Geschwindigkeit vorwärts, aber leider nach Südosten, und mit schwerem Herzen beobachtete ich das Anwachsen der Eisfelder auf beiden Seiten unserer Kanäle zu riesigen Dimensionen. Nur eins überraschte mich angenehm: Sie nahmen an Dicke ab. Gegen ½ 5 Uhr kamen wir an einem halben Dutzend tafelförmiger Eisberge von 5 bis 6 Metern Höhe vorüber.

Jenseits dieser Berge, wurde dann gemeldet, gäbe es kein offenes Wasser mehr! Was nun? Mich packte die heftigste Unruhe. Ich sah uns schon auf endlose Wochen im Eis gefangen und nordwärts treiben und schließlich in weit vorgeschrittener Jahreszeit erst wieder frei werden. Umso erfreulicher war dann der Kontrast dieser trübseligen Vorstellungen mit der Wirklichkeit. Das Eis ringsumher erwies sich als kaum einen Meter dick, Wassertümpel standen darauf und allenthalben öffneten sich Durchfahrten mit leichtem und losem Packeis. Welch eine Erleichterung! Es schien uns fast wie eine Erlösung aus langer, grauenhafter Gefangenschaft. Evans riet zweimal dringend haltzumachen, und dreimal schwankte ich selbst! Welch ein Glück, dass ich mich nicht habe umstimmen lassen! Wenigstens liegt jetzt wieder eine gewaltige Fläche gefügigen Eises hinter uns!

Wir sahen heute Morgen einen jungen Kaiserpinguin; als wir ihn zu fangen versuchten, tauchte ein Walfisch mit einer über einen Meter hohen, säbelförmigen Rückenflosse dicht neben dem Schiff auf; Wilson hält ihn für eine neue Art. Am Abend sahen wir zwei Seeleoparden; der eine machte kurze, lässige Tauchversuche unter den Eisfeldern und hatte schöne schlängelnde Bewegungen. Ein hübscher Anblick ist es auch, wenn die Schneesturmschwalbe und der Eissturmvogel in ihrer geduckten Haltung auf umgeschlagenen, überfluteten Schollen tauchen.

Dienstag, 22. Dezember. Wir scheinen uns wieder in Geduld üben zu müssen. Das Eis hat sich abermals geschlossen und wir haben das Feuer ausgehen lassen müssen! Die Anzeichen von Pressungen haben sich wieder vermehrt. Eisberge waren die vorige Nacht nur wenige sichtbar, aber heute erscheinen sie wieder. Der Wind weht aus Westsüdwest mit Stärke 6; wenn er sich legt, wird sich das Eis wohl wieder öffnen!

Mittwoch, 21. Dezember. Wilson ging über das Eisfeld, um einige Pinguine zu fangen. Er legte sich der Länge nach auf den Boden und begann zu singen, worauf die Tiere eilig auf ihn zuwatschelten; aber sobald er aufhörte, machten sie sich wieder davon. Es waren lauter einjährige Vögel, deren unüberwindliche Neugierde stark mit Furcht gemischt war. Gesang übt auf sie die größte Anziehungskraft aus; Meares mit seiner vollen, wohlklingenden Stimme lockt sie am besten. Wenn er sein »Gott erhalte unseren König« anstimmt, stürzen sie sich fast regelmäßig ins Wasser.

Ponting hat wunderschöne Fotografien aufgenommen und Wilson ebenso entzückende Bilder des Packeises und der Eisberge gemalt. Auch von den Übrigen entpuppen sich Day, Taylor, Debenham und Wright als talentvolle Zeichner.

Donnerstag, 22. Dezember. Die Glücksgöttin scheint uns jede Art Hindernis in den Weg legen zu wollen. Alles ist unverändert, nur haben wir das Feuer ausgehen lassen, obgleich sich Eisberge dem Schiff nähern. Aber wir müssen es darauf ankommen lassen, wie wir ihnen entwischen, wir dürfen keine Kohlen mehr vergeuden. Auch mit den Ponys geht es beständig bergab.

Freitag, 23. Dezember. Gestern Abend gegen 10 Uhr wurde der Wind gelinder, und das Schiff drehte sich um seinen Anker. Die Segel wurden auf dem Fockmast gesetzt, und wir drangen ein paar Hundert Meter nordwärts vor, aber dann war es wieder aus.

Heute Morgen sah ich einen von Wilsons neuen Walfischen von etwa 8 oder 10 Metern Länge. Adeliepinguine begegnen uns in Scharen von zwanzig und mehr; ich erinnere mich nicht, im Packeis je so viele beisammen gesehen zu haben.

Sonntag, 25. Dezember, Weihnachten. 69° 5’ südlicher Breite, 178° 30’ westlicher Länge. Es ist etwas allzu weihnachtlich um uns. Eis umgibt uns, niedrige Regenwolken verdunkeln den Himmel und streuen von Zeit zu Zeit leichte Schneeflocken hernieder. Hier und dort bilden kleine Tümpel offenen Wassers schwarze Schatten, aber leider herrscht dieses Schwarz nur in der Richtung vor, aus der wir gekommen sind, sonst leuchtet überallhin eine einzige weiße Nebelfläche. Wir sind regelrecht gefangen und können weder unter Segel noch unter Dampf einen Schritt vorwärts. Wieder heißt es Geduld und abermals Geduld! Doch sind wir hier wenigstens in ziemlicher Sicherheit. Das Eis ist so dünn, dass sein Pressen uns nichts anhaben kann, und Eisberge sind nur in weiter Ferne zu sehen. Meine feste Absicht war, westwärts zu gehen, weil auf dieser Seite die meisten Durchfahrten liegen, und nie ist ein Schiff in eine so schlimme Lage geraten wie das unsrige. Soll ich nun versuchen, mich ostwärts zu wenden? Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben.

Trotz unserer traurigen Lage ist an Bord alles heiter. Die Offiziersmesse ist zur Feier des Weihnachtstages mit bunten Fahnen geschmückt, und heute Morgen war allgemeiner Gottesdienst, wobei die Kirchenlieder kräftig über das Eis schallten. Unser festliches Abendessen bestand aus Tomatensuppe, gedämpfter Pinguinbrust als Vorgericht, Rinderbraten, Plumpudding, kleinen Pasteten, Spargel, dazu Champagner, Portwein und Liköre, ein wahres Festmenü. Fünf Stunden lang hat die Gesellschaft unter fröhlichen Gesängen bei der Tafel gesessen. Die Mannschaft hatte ihr Festmahl mit ungefähr den gleichen Speisen um Mittag, aber mit Bier und etwas Whisky, und sie schien ebenfalls sehr vergnügt dabei zu sein.

Auf dem Eisfeld dicht neben dem Schiff hausen drei Gruppen Pinguine, im Ganzen neununddreißig Vögel; sie müssen daher im Packeis genügend Nahrung finden. Heute Abend beobachtete ich, wie sich eine Skuamöwe auf den Rand einer Scholle niedersetzte, wo verschiedene Pinguine sich zur Nachtruhe vorbereiteten. Zwischen diesen begann eine lärmende Konferenz, deren Gegenstand offenbar die Möwe war, und endlich fassten sie sich ein Herz und rückten in geschlossener Phalanx auf sie los. Ein paar Schritte von ihr entfernt machte der vorderste Pinguin kehrt, und so sehr die anderen auch nachdrängten, scheute sich immer wieder der vorderste, als Erster an den Feind heranzukommen. Die Möwe saß auf einem Eisblock und tat sehr gleichgültig. Als schließlich die Pinguine sich immer näher herandrängelten, flatterte sie ein paar Meter weiter auf die andere Seite der angreifenden Schar. Diese drehte sich nun um und wiederholte ihre frühere Taktik, bis die Skua schließlich endgültig fortflog. Es war wirklich hochinteressant, die schüchternen Protestbewegungen der Pinguine zu beobachten.

Auf der anderen Seite des Schiffes zankten sich mehrere Pinguine um den Besitz eines kleinen Eisblocks, der noch dazu einen sehr unsicheren Sitzplatz bot. Es war ungemein unterhaltend, wie jeder Vogel sich aufs Äußerste anstrengte, um sich den Platz zu sichern, der eine den anderen fortstieß und der glückliche Sieger, sobald er den Gipfel seines Ehrgeizes erreicht hatte, sofort wieder das Gleichgewicht verlor und der Kampf aufs Neue begann.

Mittwoch, 28. Dezember. Wir haben gestern und heute einige Kilometer gewonnen und das Packeis scheint sich wirklich beträchtlich gelockert zu haben. Selbst das dicke Eis scheint zu brechen. Wir können unmöglich von der Südgrenze des Packeises noch weit entfernt sein, ich habe deshalb befohlen anzuheizen.

Gestern Abend stürzte ein Pony und ich ließ das Tier heute ins Freie bringen. Es ist in traurigster Verfassung, sehr mager, sehr schwach auf den Hinterbeinen und leidet an einer lästigen Hautkrankheit, durch die es die Haare in großen Mengen verliert. Ein paar Tage in frischer Luft werden ihm guttun, und solange wir noch im Packeis sind und das Schiff infolgedessen nicht schwankt, wäre das offene Deck ein gewisser Spielraum zur Bewegung der Tiere. Ihre Erhaltung ist jetzt genauso wichtig wie der Kohlenverbrauch.

Heute Morgen tauchten um das Schiff herum und unter ihm eine Anzahl Pinguine. Es ist das erste Mal, dass sie so dicht herankamen; die Bewegungslosigkeit der Schraube hat sie kühn gemacht. Der Adeliepinguin ist gar zu drollig, ob er nun schläft, zankt oder spielt, ob er neugierig, erschrocken oder böse ist; aber im Wasser ist er etwas ganz anderes; wenn er in drei, vier Metern Tiefe unter dem Wasser pfeilschnell umherschießt, sich wie ein Delfin in die Luft schnellt und leicht über die gekräuselte Fläche einer Wasserrinne hinschwimmt, erregt er ausschließlich Bewunderung. Seine Geschwindigkeit wird vermutlich überschätzt, aber seine Geschicklichkeit im Drehen und Wenden und seine vollkommene Herrschaft über alle seine Bewegungen sind ebenso schön wie erstaunlich.

Blickt man über die öden Strecken des Packeises hin, so kann man sich schwer vergegenwärtigen, wie viel fruchtbares Leben unmittelbar unter seiner Oberfläche existiert. Ein Schleppnetz füllt sich in kurzer Zeit mit Diatomeen, woraus hervorgeht, dass das schwimmende Pflanzenleben hier viel reicher ist als in den Meeren der gemäßigten oder der tropischen Zone. Meist bestehen diese Algen aus drei oder vier bekannten Arten. Von diesen leben wieder Tausende kleiner Krebse (Euphausia), die am Rande jedes Eisfeldes schwimmen und von den umgekippten Schollen heruntergespült werden. Diese Krebse sind wieder die Nahrung der Krabbenfresser-Seehunde, Pinguine, Eissturmvögel und Schneesturmschwalben und einer Unzahl großer und kleiner Fische. Auch diese Fische müssen sehr zahlreich sein; wir fingen einen auf einer umgekippten Scholle, und als vor zwei Tagen mehrere Matrosen am Heck des Schiffes lehnten, schrien sie plötzlich alle auf: Sie hatten ein halbes Dutzend oder mehr Fische von etwa 30 Zentimeter Länge gesehen, die unter einem Eisfeld verschwanden. Diese Fische werden von Robben und Pinguinen, aber auch von Raubmöwen und Sturmvögeln gefangen.

Und dann die größeren Säugetiere. Da ist zunächst der lange, geschmeidige Seeleopard, der ohne Zweifel einen Pinguin oder zwei und vielleicht sogar einen jungen Krabbenfresser-Seehund im Magen hat, denn er ist mit fürchterlichen Reißzähnen bewaffnet. Der gefräßige Schwertwal (Orca gladiator), der jedes kleinere Tier verschlingt, zeigt sich weniger häufig im Packeis, sondern ist an den Küsten stark verbreitet. Überaus zahlreich sind aber hier draußen die anderen Wale, vom Riesenwal (Balaenoptera Sibbaldi), dem größten Säugetier der Welt, bis zu dem kleineren Schnabelwal und anderen Arten. Wenn man diese riesigen Tiere umherschwimmen sieht, kann man sich vergegenwärtigen, welche Unmasse Nahrungsmittel zu ihrer Erhaltung erforderlich ist und wie ungeheuer groß daher in diesem Meer der Vorrat an kleinen Seetieren sein muss. So tobt unter den riesigen Eisfeldern und in den Wasserflächen unaufhörlich der alte Kampf ums Dasein.

Abends 10 Uhr. Wir fuhren um 8 Uhr los; bis jetzt scheint noch alles gut zu gehen. Das Eis ist verhältnismäßig dünn, die Eisfelder höchstens einen Meter dick, die hügeligen Stellen natürlich ausgenommen. Zwischen ihnen liegen Eisschichten, die nur 15 bis 30 Zentimeter dick sind, und auch zahlreiche Wasserlöcher. Wenn das Schiff auch oft durch dickere Schollen zum Stillstand gebracht wird, legt es doch etwa 6 Kilometer in der Stunde zurück. Der Himmel ist bewölkt und es weht aus Nordnordwest, beides ein Vorteil für uns, da die Segel mithelfen können und der Offizier auf Wache leichter beobachten kann, wenn ihm die Sonne nicht in die Augen scheint. Während ich dies schreibe, sieht das Packeis etwas loser aus. Wenn es sich nur nicht wieder zusammenschließt – nach Süden hin ist leider kein Zeichen offenen Wassers zu sehen!

Donnerstag, 29. Dezember. Endlich ist der lang ersehnte Umschwung eingetreten! Wir dampfen zwischen Eisfeldern von geringem Umfang, die augenscheinlich infolge der Dünung geborsten sind und deren Ränder sich durch Reibung abgeschliffen haben. Der Übergang vollzog sich urplötzlich. Einmal hatten wir in der Nacht eine Stunde lang gar kein Eis, sodass wir trefflich vorwärtskamen. Heute Morgen durchbrachen wir große, zusammenhängende Eisfelder und jetzt werden die Eisschichten immer dünner. Sie sind in ziemlich regelmäßige Figuren zerborsten, von denen keine mehr als 30 Meter Durchmesser hat – der beste Beweis für die Nähe offenen Wassers. Der Wind bleibt nördlich und hilft uns vorwärts, der Himmel ist bewölkt, und leichter Graupelregen fällt; die Sonne versuchte ein- oder zweimal vergeblich, die Wolken zu durchbrechen. In der letzten Nacht hatten wir Glatteis; das Schiff war überall, auf jeder Planke und auf jedem Tau, von einer dünnen Eisschicht überzogen infolge des gefrierenden Regens.

Es ist kein Zweifel mehr: Unsere Gefangenschaft geht zu Ende! Alles in allem haben wir zwanzig Tage und einige Stunden gebraucht, um durch das Packeis hindurchzukommen, und in gerader Linie mehr als 680 Kilometer zurückgelegt, 34 Kilometer am Tag. Aber wir haben auch 61 Tonnen Kohlen verbraucht, um uns diesen Weg zu bahnen, also auf 11 Kilometern durchschnittlich eine Tonne. Von zwanzig Tagen waren wir neun unter Dampf. Diese Zahlen sind nicht gerade sehr günstig, aber wenn man die außergewöhnlichen Verhältnisse erwägt, in die wir hineingeraten sind, darf man wohl sagen, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können.

Auf der Suche nach einem Winterquartier

Freitag, 30. Dezember. 72° 17’ südlicher Breite, 177° 9’ östlicher Länge. Endlich sind wir aus dem Packeis heraus! Diese Nacht um 1 Uhr steuerte Bowers die »Terra Nova« durch den letzten Eisstrom, und heute früh um 6 schwammen wir in offener See. Der gestrige Schneefall hatte aufgehört, aber der Himmel war noch grau und wolkig und hier und dort lagen Nebelstreifen. Um Mittag brach die Sonne durch Wolken und Nebel. Der Schneesturm der letzten Tage hatte alles Tauwerk mit einer Eisschicht bedeckt – jetzt blätterte sie ab und fiel klirrend auf das Deck, wo in der warmen Luft der feuchte Eisschlamm schnell verdunstete. Nach dem gestrigen Abend, wo alles triefte und man überall auf schlüpfrigen Schnee trat, war jedes trockene Fleckchen heute ein freudiges Ereignis.

Vom Packeis befreit waren wir während des Tages tüchtig vorwärtsgekommen und ich berechnete schon, dass wir am Neujahrstag auf der Höhe von Kap Crozier, unserem voraussichtlichen Winterquartier, sein müssten – da erhob sich um 3 Uhr nachmittags eine scharfe Brise aus Südsüdwest, die uns gerade entgegenwehte und sich zu einem regelrechten Südsturm entwickelte. Abends um 8 schlichen wir nur noch mit 3 ½ Kilometer Geschwindigkeit vorwärts! Schon wieder ist das Glück uns entgegen! Der kurze, scharfe Seegang ist für die Ponys das reine Gift und auch für uns nicht gerade ermunternd. Der Gefangenschaft des Packeises endlich entronnen zu sein, ist gewiss ein herrlicher Gedanke – aber an die Eingriffe, die der Kampf der letzten vierzehn Tage in unsere Kohlenvorräte gemacht hat, darf ich gar nicht denken!

Heute früh passierten wir einen kleinen Eisberg, auf dessen einer Seite sich ein Schwarm Eissturmvögel niedergelassen hatte, auf der anderen saßen Schneeschwalben. Augenscheinlich sind diese Vögel auf die Nahrung angewiesen, die ihnen See und Dünung auf die Eisränder hinaufwirft; nur wenige finden ihren Unterhalt im Packeis selbst, wo er zwar auch reichlich vorhanden, aber schwer zu erlangen ist. Eine Schar Eissturmvögel begleitete unser Schiff eine Strecke weit, indem sie es unermüdlich umkreisten! Die nördlicher lebenden Seevögel pflegen im Kielwasser zu folgen.

Sonnabend, 31. Dezember, Silvesterabend. Die vorige Nacht war entsetzlich! Wir hatten Vorder- und Achtersegel gesetzt und damit unsere Geschwindigkeit, aber nicht unsere Behaglichkeit vergrößert. Schlafen konnte ich nicht, denn ich musste immer an die schauderhafte Lage der armen Ponys denken, und so schleppte sich die Nacht endlos hin. Während der Morgenwache nahmen Wind und Seegang noch zu und um 6 wurde wieder Eis vor uns gesichtet. Unter gewöhnlichen Umständen wäre nichts sicherer gewesen, als schnell ostwärts zu steuern, aber uns musste alles daran liegen, der Ponys wegen glatteres Wasser zu erreichen – also vorwärts durch den Eisstrom, über dem Wasser stark brandete! Bei so hohem Seegang zwischen losem Eis zu fahren, war überaus gefährlich; aber bald kamen wir an ein kompakteres Eisfeld, und als wir es glücklich hinter uns hatten, fanden wir zu unserer Überraschung verhältnismäßig glatte See.

So weit war alles gut. Der Gefahr waren wir entronnen, aber nun erhob sich die Frage: Was wird länger dauern: der Sturm oder unser zeitweiliges Obdach, das uns zu dauerndem unnützen Kohlenverbrauch zwang?

Im Laufe des Tages wurde unsere Zuflucht unsicherer. Aus Süden und Westen kamen Anzeichen von Packeis, und um 8 Uhr abends mussten wir westwärts dampfen, um anderswo Schutz zu suchen, in dem böigen Wind ein bedenkliches Unternehmen. Aber jetzt nahm der Wind von Minute zu Minute ab und legte sich schließlich ganz, und als sich um 10 Uhr die Wolken im Westen verzogen hatten, bot sich uns ein zwar ferner, aber herrlicher Anblick: Alle Berge des Südviktorialandes lagen im prächtigsten Sonnenschein! Mount Sabine und Mount Whewell traten am deutlichsten hervor, Letzterer von hier aus als ein schönes, scharfes Horn, eine ebenso auffallende Landmarke wie Mount Sabine, der 204 Kilometer entfernt war, als wir ihn sahen; aber die Luft war so klar, dass er auch in 270 Kilometer Entfernung ebenso gut sichtbar gewesen wäre.

Der Sturm scheint nun endlich vorüber und das neue Jahr uns holder zu sein als das alte. Dann schreibe ich mit Vergnügen: Finis 1910!

Sonntag, 1. Januar 1911. 73° 5’ südlicher Breite, 174° 11’ östlicher Länge. Um 4 Uhr morgens dampften wir langsam nach Südwesten, und um 8 waren wir aus dem Eis heraus und steuerten unter Fock- und Achtersegel südwärts. Um diese Zeit klärte sich der Himmel auf und wir hatten den ganzen Tag über strahlenden Sonnenschein; noch jetzt, um 11 Uhr abends, sonnen sich die Leute bei gänzlicher Windstille und sitzen lesend auf Deck. Das Land ist völlig klar: Die Coulmaninsel ist 140 Kilometer im Westen sichtbar.

Die Dünung hat nachgelassen, aber nicht so schnell, wie ich erwartete. Doch sollen die Ponys sich gut gehalten haben, wie Oates meldet.

Montag, 2. Januar. Eine herrliche Nacht! Und ein herrlicher Vormittag! Die Sonne schien fast unausgesetzt und einige von uns zogen Eimer voll Seewasser herauf, um auf Deck ein Bad mit Salzwasserseife zu nehmen. Das Wasser war natürlich eiskalt, aber sich hinterher von der Sonne trocknen zu lassen, war ein Genuss. Seit wir den Südpolarkreis überschritten haben, ist die Gewohnheit, auf Deck zu baden, eingeschlafen; nur Bowers ist ihr bei jedem Wetter treu geblieben.

Abends 8 Uhr 30 sichteten wir den Mount Erebus in etwa 210 Kilometer Entfernung. Der Himmel ist mit leichten Haufenwolken bedeckt und der Wind weht aus Osten mit Stärke 2 bis 3. Da alle Segel gesetzt sind, kommen wir tüchtig vorwärts.

Dienstag, 3. Januar. Meine nächste Hoffnung ist bereits zuschanden geworden: Kap Crozier mit all seinen Anziehungspunkten bleibt uns versagt!

Schon am Morgen, als wir bei schönstem Wetter nur 45 Kilometer vom Kap entfernt waren und das Land immer deutlicher vor uns aufstieg, während der Erebus sich hinter Wolken verbarg, ahnte ich nichts Gutes: Wind und Dünung hatten zwar auf das fahrende Schiff wenig Einfluss, versprachen aber für die Landung die größten Schwierigkeiten. Bald nach Mittag kamen wir 9 Kilometer östlich von Kap Crozier an die Eisbarriere heran, die sich von dieser Ecke der Ross-Insel aus weithin nach Osten bis König-Eduard-Land erstreckt. Sie war nicht höher als 18 Meter und vom »Krähennest« aus gut zu überblicken; nach dem Rand zu senkte sich ein wenigstens 2 Kilometer langer sanfter Abhang, und dahinter war deutlich erkennbar, wie das Land der Schwarzen (oder Weißen?) Insel die ungeheuren Reihen der Presseisrücken überragte. Seit den Tagen der »Discovery« hatte sich hier nichts verändert; wir sahen unsere alte Posthausstange noch so gerade stehen, wie wir sie vor acht Jahren eingerammt hatten, und haben alles mit unseren alten Fotografien verglichen: Nichts ist anders geworden, was bei dem Barrierenrand sehr überraschend ist. Wilson meinte sogar, dass die Barriere noch an derselben Stelle mit den Klippen des Kaps zusammenstoße, und er zeichnete dieses Stück des Barriererandes, von da, wo wir herangekommen waren, bis zu den Crozierfelsen. 4 oder 5 Kilometer vor den Felsen macht die Barriere eine scharfe Wendung rückwärts, etwa einen Kilometer weit, dann läuft sie mit ziemlich regelmäßiger Oberfläche weiter nach Westen, bis sie einige Hundert Meter vor den Klippen aufhört. Den Zwischenraum zwischen Barriere und Felsen nimmt ein besonders hoher Presseisrücken ein; doch waren die Anzeichen der Pressung am Rand weniger stark ausgeprägt, als ich erwartet hatte.

Inzwischen war eins der Walfischboote ins Wasser gelassen worden, und Wilson, Griffith Taylor, Priestley, Evans und ich ruderten an Land. Die Achterwache, Oates, Atkinson und Cherry-Garrard, wollte es sich nicht nehmen lassen, die Riemen selbst zu führen; so konnte die Mannschaft an Deck bleiben und Cherry-Garrard fing bei dieser Gelegenheit einige Taschenkrebse.

Ich wollte die Möglichkeit einer Landung prüfen; vor allem hoffte ich festzustellen, ob zwischen dem Presseisrücken und den Felsen, auf dem Weg, den einst Royds zum Brutplatz der Kaiserpinguine hinuntergestiegen war, durchzukommen sei. Aber als wir uns der Ecke näherten, stellte sich heraus, dass sich eine große schmutzige Scholle Meereis zwischen Barriere und Felsen eingeklemmt und so stark aufwärts gekrümmt hatte, dass sie über einen Meter hoch über dem Wasser stand. Dabei brandete die Dünung so heftig zwischen den treibenden Eisblöcken längs des wirklichen Strandes und seines Eisfußes, dass von Landen gar keine Rede sein konnte; es wäre nur unser Boot zerschellt und wir alle wären miteinander ins Wasser gefallen.

Ich litt Tantalusqualen – nicht nur wegen der Unmöglichkeit der Landung überhaupt. Gerade auf diesem Stück alten Buchteises, etwa 2 Meter über uns, war ein lebendiges Pinguinküken trostlos gestrandet und dicht neben ihm schlief eines der getreuen Pinguineltern. Das Küken aber war in einem Alter und einem Entwicklungsstadium, in dem noch keiner von uns den Kaiserpinguin gefangen oder untersucht hatte: Es war im Begriff, seine Daunen zu verlieren, die Flügelstummel waren bereits ganz daunenfrei und genauso gefiedert wie die der ausgewachsenen Vögel; teilweise hatten auch schon der Kopf und, wie bei der gewöhnlichen Mauserung, ein senkrecht die Brust hinunterlaufender Streifen die Daunen abgeworfen. Es wäre also ein Triumph gewesen, dieses Küken dingfest zu machen, aber wir konnten nicht heran und ich durfte seinetwegen nicht unser aller Leben aufs Spiel setzen. So musste es denn bleiben, wo es war, da oben auf der einen Quadratmeter großen Eisscholle, dem verlassenen Überbleibsel einer blühenden Pinguinkolonie, die vor etwa Monatsfrist auf dem schwimmenden Buchteis nordwärts in See gegangen war. Rings war so viel blitzsauberes Eis, wie sie sich nur wünschen konnten – aber diese beiden Zurückgebliebenen hatten geduldig auf ihrer schmutzigen Scholle, die jetzt über dem Wasserspiegel emporgepresst war, gewartet und sich wohl alle Tage gewundert, dass sie sich nicht endlich auch der allgemeinen Auswanderung anschließen sollten. Der Vorfall war in jeder Beziehung interessant und führte auf allerlei Mutmaßungen über die langsame Gehirnarbeit dieses merkwürdigen Völkchens.

Aus der unteren Seite dieser etwa einen halben Meter dicken Scholle hingen Beine und untere Körperhälften toter Kaiserpinguinküken heraus, an einer Stelle auch Kadaver eines ausgewachsenen Pinguins. Diese traurigen Reste früheren friedlichen Lebens dort oben waren augenscheinlich auf der Oberfläche des Eisfeldes eingefroren und wurden jetzt von unten allmählich wieder herausgespült. So bot diese alte, schmutzige, eingeklemmte Scholle des abgetriebenen Buchteises einen förmlichen Abriss der Lebensgeschichte dieser seltsam primitiven Vögel.

Da eine Landung infolge der Dünung unmöglich war, ruderten wir eine Strecke an den Felsen entlang. Diese Crozierklippen sind sehr interessant. Sie bestehen hauptsächlich aus vulkanischem Tuff, schließen aber mächtige Schichten von säulenförmigem Basalt ein und zeigen prächtige Muster von eingeklemmten und gewundenen Säulen und von Höhlen mit ganzen und halben Pfeilern, die fast wie eine Miniaturnachbildung des Giant’s Causeway aussahen, des Riesendammes an der Nordostspitze von Irland mit seinen 40 000 Basaltsäulen.

Wenig fehlte und diese Kahnpartie hätte unserer ganzen Polwanderung ein vorschnelles Ende bereitet. Als wir unter einem der überhängenden Felsblöcke entlangruderten, meinten wir scherzend, wenn solch ein Block auf uns herunterfalle, würden wir den Spaß wohl nicht lange überleben. Doch war uns dabei etwas beklommen zumute, und wir waren froh, dass wir uns von hier wieder zum Schiff hinwenden konnten. Kaum waren wir etwa zwei-, dreihundert Meter von jener Stelle entfernt, als plötzlich ein donnerähnliches Krachen hinter uns ertönte und etwas mit laut klatschendem Schlag in die See stürzte, die hoch aufspritzte. Eine erstickende Wolke Gesteinsstaub hatte sich erhoben gleich dem Rauch bei einer Explosion, und als sie sich verzog, sahen wir, welch einem Unheil wir entgangen waren: Derselbe Block, über dessen bedrohliches Herabhängen wir gescherzt hatten, war abgestürzt und würde, wenn wir noch in seinem Bereich gewesen wären, uns alle vernichtet haben!

Überhaupt war diese Ruderfahrt mehr als aufregend. Ehe wir wieder an Bord gelangten, hatten wir noch das Vergnügen, es mit ansehen zu müssen, wie ein mächtiger Gürtel Packeis die »Terra Nova« so dicht an jene Klippen herandrängte, dass ihr nur die Wahl zu bleiben schien, entweder an den Felsen zu zerschellen oder sich dem Eis gefangen zu geben. Zu wenden oder die Maschine rückwärts zu stellen und mit dem Heck voran den Packeisgürtel zu durchbrechen, dazu war weder Zeit noch Raum, denn so schnell funktionierte leider die Maschine nicht. Als sich das Schiff schließlich doch noch durchzwängte, erhielt es schwere Stöße unter dem Heck und gegen das Steuer, denn die Schollen waren mächtig und die Dünung sehr stark.

Nachdem unser Walfischboot wieder glücklich an Bord gebracht war, fuhr die »Terra Nova« zum Pinguinbrutplatz. Die Hoffnung auf eine günstige Landungsstelle war so gut wie aufgegeben und belebte sich auch nicht wieder.

Die Pinguine waren vom Schiff aus deutlich zu erkennen. Auf dem großen Brutplatz bedeckten sie einen ungeheueren Flächenraum; sie hatten sich dort so weit ausgedehnt, wie sich nur irgend Schutz finden ließ. Ich beobachtete sogar zahlreiche Gruppen dieser Vögel auf den fern von den Brutplätzen hoch über der See emporragenden Schneehängen, was mich sehr wunderte. Was für ein gutes Leben müssen hier die Schwertwale haben, von denen sich mehrere dicht neben dem Schiff aus dem Wasser erhoben. Auf dem kleinen Brutplatz bildeten die Tiere vorläufig nur vereinzelte Flecke, und hier war noch reichlich Platz zur Ausdehnung der Kolonien. Solche unbenutzten Stellen hätten eine ideale Winterstation für uns abgegeben, und jede Einzelheit des Ufers sah vorteilhaft für eine Überwinterung aus. Jammerschade ist es, dass ich diesen, uns allen schon lieb gewordenen Plan, hier zu überwintern, widerwillig und betrübt aufgeben muss.

Mittwoch, 4. Januar, 1 Uhr nachts. Auf der Höhe des Kap Bird trafen wir auf Packeis, fuhren durch mehrere Eisströme und konnten dann einer offenen Wasserrinne dicht in der Nähe der eisgepanzerten Küstenlinie folgen. Kap Bird ist ein rundes Vorgebirge mit zahlreichen Landzungen, sodass es schwer zu sagen ist, welche von ihnen das eigentliche Kap ist. Westlich von ihm dehnt sich eine weite braunrötliche Landfläche aus mit zahlreichen grauen Flecken; es sind erratische Blöcke aus Granit. Mithilfe des Fernrohrs sahen wir einen dieser Blöcke auf einem Gipfel in mindestens 400 Metern Höhe über der See liegen.

Auch auf dieser Landfläche des Kap Bird befinden sich ein größerer und mehrere kleine Pinguinbrutplätze, und auch hier waren die Schwertwale zur Stelle. Wir beobachteten einen alten mit einer hohen Rückenflosse und verschiedene junge. Eine kleine Gesellschaft Pinguine schoss durch das Wasser ihren Feinden gerade entgegen; sie mussten bei ihren häufigen Luftsprüngen die dunkeldrohenden Flossen der Wale gesehen haben, nahmen aber nicht die geringste Notiz davon – ja sie huschten sogar über die Walfische hinüber, ohne dass ein Tumult im Wasser bemerkbar war, und schwammen dann auf der anderen Seite weiter. Wir konnten uns diese spielende Verträglichkeit der beiden Erzfeinde nur dadurch erklären, dass die Wale von ihrer letzten Mahlzeit noch übersättigt waren.

Als wir heute Kap Bird umfuhren, wurden in der nebligen Luft undeutlich unsere alten unvergesslichen Landmarken, der Mount Discovery und die Westberge, sichtbar; mit herzlicher Freude erkannte ich sie wieder. Es mutete so heimatlich an, die von der Fahrt der »Discovery« so vertrauten Schauplätze wiederzusehen. Am Ende sind wir auf dieser Seite der Ross-Insel doch besser aufgehoben! Kap Royds ist nur noch 9 Kilometer entfernt – dort müssen wir hin!

4 Uhr nachmittags. Diese Fahrt ist voller Überraschungen! Früh um 6 kamen wir 5 Kilometer nördlich von Kap Royds durch das letzte Packeis der Meerenge und steuerten nach dem Kap hin, in der festen Erwartung, den Rand des Packeises westwärts von ihm zu finden. Zu unserem größten Erstaunen fuhren wir aber über das Kap hinaus in freiem Fahrwasser, das nur stellenweise dünnen Eisschlamm führte. So ging es an Kap Royds, dann an Kap Barne vorüber, an der Südseite des Gletschers entlang, schließlich um Inaccessible Island herum und darüber hinaus noch gut 4 Kilometer südlicher; ja wir hätten noch weiter fahren können, aber dann schien der Eisschlamm dicker zu werden, und außer Kap Armitage, der noch 22 Kilometer entfernten äußersten Südspitze der Ross-Insel, auf deren kleiner Landzunge »Hut Point« (Hüttenspitze) ehemals die Hütte der Discovery-Expedition stand, gab es hier keinen Ort, der zum Überwintern geeignet gewesen wäre. Niemals habe ich das Eis dieser Meerenge so harmlos gesehen und das Land so frei von Schnee. Offenbar war der letzte Sommer ungewöhnlich warm und wir hatten nunmehr eine sehr reiche Auswahl bei der Entscheidung über unser Winterquartier. Wir konnten auf einer der kleinen Inseln landen, an der Gletscherzunge, am Festland, überhaupt überall, ausgenommen an der Hüttenspitze. Ich wünschte vor allem einen Platz, an dem wir nicht leicht von der Eisbarriere abgeschnitten werden konnten, und meine Wahl fiel auf ein Vorgebirge etwas hinter uns, das wir das »Raubmöwenheim« zu nennen pflegten. Es war von der alten Discoverystation durch zwei tiefe Meeresbuchten auf beiden Seiten der Gletscherzunge getrennt, die voraussichtlich bis spät in den Sommer hinein zugefroren blieben und deren Eis außerdem, wenn sie einmal zufroren, bald fest zu werden versprach.

Ich berief eine Ratsversammlung und unterbreitete ihr meine Vorschläge: entweder zur Gletscherzunge vordringen und dort überwintern – oder westwärts nach dem »Grabsteineis« und an der Nordseite des »Raubmöwenheims« einen Weg zu einem einladenden Platz bahnen. Ich war für das Letztere, und nach einer gründlichen Diskussion stimmten alle meinem Vorschlag zu. Wir wendeten also, fuhren dicht am Land um Inaccessible Island herum und steuerten in voller Fahrt nach dem festen Eis quer vor dem genannten Kap.

Ungefähr 3 Kilometer vom Ufer stieß das Schiff auf hartes Buchteis, das eine Straße nach dem Kap und eine haltbare Oberfläche zum Ausschiffen unserer Vorräte bot. Hier machten wir uns mit Eisankern fest und Wilson, Evans und ich gingen zum Kap, das ich zunächst, unserem trefflichen Kommandanten zu Ehren, in Kap Evans umtaufte. Ein Blick auf das nahe Land zeigte einen idealen Platz für unsere Winterstation. Das Gestein dieses Vorgebirges besteht vorwiegend aus stark verwittertem Olivinkenyt, und die Zersetzung hat große Mengen groben Sandes gebildet. Ein nach Nordwest gelegener Strand, der im Rücken durch zahlreiche Hügel geschützt war, schien alle Vorzüge für eine Winterstation in sich zu vereinigen und diesen Platz wählten wir deshalb zur Errichtung unseres Hauses.

Nach langem Grollen hat uns Fortuna mit ihrem freundlichsten Lächeln beglückt! Seit vierundzwanzig Stunden haben wir Windstille mit glänzendem Sonnenschein, können uns daher in dieser Gegend der Welt nicht gut behaglicher fühlen. Der warme Sonnenglanz, verbunden mit der scharfen Kälte der Luft, hat etwas ungemein Stärkendes, während das goldene Licht auf dieser wundervollen Berg- und Eislandschaft auch die höchste Anforderung an Großartigkeit der Szenerie befriedigt. Ponting, unser Fotograf, ist ganz hingerissen und gebraucht Ausdrücke, die überall anderswo hochgradig überspannt genannt werden müssten, und mir fehlen die Worte, um das Ergreifende dieses wundervollen Panoramas, das sich vor unseren Augen entfaltet, auch nur anzudeuten.

Die Landung an Kap Evans

Während wir am Ufer von Kap Evans waren, begann Campbell schon mit der Ausschiffung. Zuerst wurden zwei Motorschlitten hervorgeholt und standen bald blitzsauber und tadellos auf dem Eis; das Seewasser, das bei dem stürmischen Seegang auf der Herfahrt oft tonnenweise über ihre Kisten spülte, hatte ihnen also nichts geschadet. Dann kam die Reihe an die Ponys, die in Kästen von der Höhe des Schiffs herunterbugsiert wurden. Manche ließen sich nur durch freundliches Zureden oder durch die starken Arme der Matrosen in die Gestelle hineinbringen und begannen sogar zu bocken, so mager und kraftlos sie auch aussahen. Von dem Augenblick an, wo sie Schnee unter den Füßen spürten, schienen sie wieder aufzuleben. Welch ein Genuss muss es für sie sein, sich endlich wieder niederlegen oder aneinander reiben zu können; sie haben gewiss all die Wochen über an qualvollem Hautreiz gelitten, ohne sich helfen zu können, und sind nun eifrig dabei, durch gegenseitiges Benagen ihrer Flanken sich die so lange entbehrten Liebesdienste zu erweisen. Und auch ich atmete wie nach einem langen Albdruck wieder auf, als ich sie alle siebzehn auf dem Eisfeld angepflockt sah.

Die Hunde gingen unter Meares’ Führung mit leichten Lasten gleich ins Geschirr, zeigten aber schon am ersten Tag eine Demoralisation, die uns viel Ärger bereitete. Schuld daran waren die maßlos dummen Pinguine, die in Scharen auf unser Eisfeld losschossen. Mit dem Kopf in der Luft hin und her stoßend, watschelten sie heran, voll verzehrender Neugier und stumpfsinniger Gleichgültigkeit gegen die heulenden Hunde, die an ihren Leinen zerrten und zu ihnen hinstrebten.

»Hallo!«, schienen die Pinguine zu sagen, »das ist lustig, was wollt denn ihr lächerlichen Geschöpfe hier bei uns? Lasst euch mal anschauen!«

Dann kamen sie näher, und wenn die Hunde, soweit die Leinen nachgaben, auf sie zusprangen, sträubten sie das Gefieder, aber nicht aus Furcht, sondern nur aus Ärger, und in einer Haltung, als ob sie einem unmanierlichen Fremden den Standpunkt klarmachen wollten, schienen sie zu schreien:

»Oho! Ihr seid ja eine saubere Sorte! Na, da seid ihr aber an die Unrechten gekommen! Wir lassen uns nicht verblüffen! Den Schwindel kennen wir!«

Noch ein paar Schritte näher – ein Sprung – ein Aufschrei – und ein gräulicher roter Fleck auf dem Schnee ist das Ende. Aber nichts konnte die dummen Vögel abschrecken; scheuchte man sie fort, so duckten sie sich und wichen seitwärts aus, als ob sie sagen wollten: »Was fällt dir ein, alberner Esel? Lass uns in Frieden!«


Ausschiffung der Ponys

Sobald ein Opfer am Boden liegt, sammeln sich die Skuamöwen, die auf die Hunde keinen aufreizenden Eindruck machen, und warten, bis die blutige Mahlzeit beendet ist; dann stürzen sie sich schreiend und zankend auf den Rest der Beute. So ging es den ganzen Nachmittag und Meares war außer sich über die Zügellosigkeit seiner Schützlinge. Jetzt, am Abend, liegen sie, an einer langen Kette angebunden, zusammengerollt im Ufersand und scheinen sich recht wohlzufühlen.

Der ersten Fahrt der Motorschlitten sahen wir natürlich alle mit großer Spannung entgegen. Day lenkte den einen, Nelson den anderen. Ohne einige kleine Unglücksfälle ging es nicht ab, und von einem glatten Erfolg lässt sich noch nicht reden. Aber sie haben schon tüchtige Lasten ans Ufer befördert und ich verspreche mir von ihnen Außerordentliches.

Welch ein anderer Anblick jetzt ringsum als vor vierundzwanzig oder achtundvierzig Stunden! Der Baugrund für die Hütte ist bereits geebnet; das notwendige Bauholz ist alles am Ufer und die Bauabteilung haust dort ebenfalls schon in unserem großen grünen Zelt mit Lebensmitteln für acht Tage. Die Ponys sind unter der Obhut von Oates und Anton auf einem Schneeabhang angepflockt, damit sie keinen Sand fressen. Um mich herum tönt, während ich dies schreibe, das laute Schnarchen von Männern, die sich von einem anstrengenden Tagewerk

für das morgige ausruhen, und auch mir fallen die Augen zu, denn ich habe seit achtundvierzig Stunden kaum geschlafen – heute kann ich es, und fröhlich mag ich träumen.

Donnerstag, 5. Januar 1911. Als ich heute ziemlich spät – die Ladearbeit war schon seit 6 Uhr im Gang – auf der Bildfläche erschien, wurde ich Zeuge eines aufregenden Vorgangs.

Etwa fünf oder sechs Schwertwale, alte und junge, streiften in der Nähe des Schiffes herum; sie schienen in großer Aufregung, tauchten hastig auf und nieder, streckten die Mäuler aus dem Wasser hervor und kamen bis dicht an das Eisfeld heran. Ich hatte zwar allerhand unheimliche Geschichten von diesen Tieren gehört, ihnen aber niemals etwas sonderlich Schlimmes zugetraut. Unmittelbar am Rand des Eisfeldes lag das Hecktau des Schiffes und an diesem Drahtseil waren die beiden Eskimohunde festgebunden. Aber ich verfiel gar nicht darauf, dass sie etwa die Aufregung der Schwertwale könnten verursacht haben, und rief nur eilig nach Ponting, weil die Tiere gar zu schön nahe waren. Ponting rannte mit seiner Kamera herbei, bereit, sie beim nächsten Auftauchen auf die Platte zu bringen; soeben waren sie verschwunden, aber im nächsten Augenblick wölbte sich das Eisfeld unter ihm und den Hunden und zerbarst in Stücke! Man hörte deutlich das dröhnende Geräusch, als die Walfische sich unter dem Eis aufrichteten und mit dem Rücken dagegen prallten. Dann tauchten sie einer nach dem anderen in den Spalten, die sie gebrochen hatten, hervor und streckten ihre hässlichen Riesenköpfe zwei, drei Meter über das Wasser, wobei ihre braungelbe Kopfzeichnung, ihre kleinen, funkelnden Augen und ihr schreckliches Gebiss – bei Weitem das größte und furchtbarste auf der Welt – deutlich zu sehen waren. Die Bestien sahen sich offenbar mit größtem Interesse danach um, was aus Ponting und den Hunden geworden war.

Ponting war glücklicherweise auf den Füßen geblieben und hatte sich mit ein paar Sprüngen auf festes Eis retten können, und auch von den beiden Hunden war keiner ins Wasser gefallen, da das Eis zufällig um sie herum und zwischen ihnen geborsten war, aber sie winselten und heulten nicht schlecht, als der Kopf eines Schwertwales keine zwei Meter vor ihnen auftauchte. Ob dann den Räubern das Spiel zu unbedeutend vorkam, weil ihnen Ponting dabei fehlte oder was sonst der Grund sein mochte: Sie verschwanden nach anderen Jagdgründen hin und wir konnten die Hunde, und was fast noch wichtiger war, mehrere Tonnen Petroleum, die auf einem nicht mit abgesplitterten Eisstück lagen, in Sicherheit bringen. Dass die Wale jeden, der etwa das Unglück hatte, ins Wasser zu stürzen, wegschnappen würden, darauf waren wir natürlich gefasst, aber dass sie mit so überlegter List handeln, gemeinsam vorgehen und Eis von fast einem Meter Dicke zertrümmern könnten, war uns etwas völlig Neues.

Ich kann also nur bestätigen, was die naturwissenschaftlichen Handbücher vom Schwertwal oder Mörder (Orca gladiator) vermelden, dass er an Kraft, Wildheit und Gefräßigkeit alle anderen Walarten übertrifft. Die ausgewachsenen Männchen sind durchschnittlich 6, die Weibchen 4 ½ Meter lang, doch soll man in Greenwich einen von 9 ½ Metern erlegt haben. Ihre Zähne – elf oder zwölf auf jeder Seite – sind 8 Zentimeter lang und stehen 6 Zentimeter über den Kinnbacken; sie sind überaus stark und scharf und die kegelförmigen Spitzen greifen ineinander. Man hat den Schwertwal beobachtet, wie er mit einem Seehund zwischen den Kinnbacken über der Oberfläche auftauchte, sein Opfer schüttelte, mit Leichtigkeit zermalmte und mit Behagen verschluckte. Im Magen eines dieser Raubtiere fand man die Überreste von dreizehn Delfinen und vierzehn Robben. Drei oder vier Schwertwale zusammen besinnen sich keinen Augenblick, die größten Bartenwale anzugreifen, die, vor Schreck gelähmt, oft gar keinen Versuch machen zu entrinnen; ja, sie verbinden sich zu Genossenschaften, um ganze Herden Wale zu jagen, in eine Bucht zu treiben und buchstäblich in Stücke zu zerreißen. Es sind Fälle vorgekommen, dass eine Schar Schwertwale über erbeutete Walfische herfiel, die an Fangschiffen vertäut waren; obwohl man sie mit Lanzen angriff und mit Schiffshaken verwundete, schleppten sie dennoch ihre Beute fort. An Intelligenz sind sie allen übrigen Walarten überlegen, und nach der heutigen Probe haben sie auch uns Achtung und Vorsicht eingeflößt; wir wissen jetzt, was wir von ihnen zu halten – und wessen wir uns zu versehen haben.

Heute besuchte ich einen gestrandeten Eisberg, in dem Ponting gestern eine wunderbare Grotte entdeckt hatte; durch ihre Rückwand leuchtete der Himmel wie durch einen Lichtschirm aus herrlichen Eiszapfen, und zwar mit einer königlichen Purpurfarbe, die durch den Kontrast mit dem Blau der Grotte oder durch optische Täuschung entstanden sein mag. Durch eine größere Öffnung konnte man, teils auch durch Eiszapfen hindurch, das Schiff, die Westberge und einen violetten Himmel erblicken – ein hinreißendes Bild, von dem Ponting mehrere prächtige Aufnahmen gemacht hat.

Im Übrigen ging die Arbeit heute trefflich vonstatten, wenn auch eine bessere Organisation und größere Vertrautheit mit den verschiedenen Aufgaben noch günstigere Resultate liefern werden. Der Bau der Hütte ist schon fast beendet; sie steht etwa 3 Meter über dem Wasser, ist also vor Spritzwellen geschützt, auch wenn wir bei eisfreier See Nordsturm haben sollten. Petroleum und das übrige Öl, Haferschrot für die Ponys und tausend andere Dinge sind schon an Land, und morgen sollen die Ponys mit der Arbeit beginnen. Den Hunden wird das Ziehen am warmen Tag sehr schwer; Meares will sie jetzt nachts arbeiten lassen. Die Motorschlitten fuhren heute unablässig hin und her, und Day und Nelson sind voller Optimismus, dass sie Wunderdinge damit verrichten werden. Ich fürchte nur, dass sie so schwere Lasten, wie ich mir gedacht hatte, doch nicht bewältigen können.

Freitag, 6. Januar. Ich ging heute zu Fuß über unsere Halbinsel, um ihre Südseite auszukundschaften. Hunderte von Skuamöwen nisten dort und griffen mich, wenn ich vorüberging, in ihrer gewöhnlichen Weise an: Unter wildem Geschrei flogen sie im Kreis umher und sausten dann aus einer bestimmten Höhe mit großem Ungestüm herunter, bis etwa ein paar Handbreit von meinem Kopf; dann schwangen sie sich wieder empor; die am kecksten waren, schlugen mich sogar mit den Flügeln. Im Anfang ist das eine etwas aufregende Sache; aber weiter geht der Angriff der Tiere nie.

Sonnabend, 7. Januar. Mit der Zeit werden die Ponys wohl Leben in die Bude bringen, besonders wenn sie erst wieder kräftiger werden. Schon jetzt gefallen sie sich in allerhand Kapriolen; die Glätte des Eises und der Schlitten hinter ihnen, den sie nicht loswerden können, macht sie nervös, störrisch und unlenksam. Ich hatte heute sieben Ponyfuhren und kam mit einer Beule und etlichen Schrammen davon. Das Pony Debenhams riss mit seinem Schlitten aus, aber gerade in die Station hinein – sehr unklug von dem Tier, denn Oates nahm es gleich wieder zu einer neuen Fuhre mit. Mehrere andere rannten den Hügel hinauf, als sie angeschirrt werden sollten, und so passierte allerlei, was Tiere und Menschen gefährden konnte; doch ging noch alles ohne ernsten Unfall ab. Auch ein Hundegespann brannte durch, und ein Hund, der sich überschlug, wurde einen Kilometer weit im Galopp mitgeschleift; es scheint ihm aber nicht weiter geschadet zu haben. Wenn ich nur wüsste, wo wir die Ponys im Winter unterbringen!

Auch sonst haben sich allerhand kleine Plagen eingefunden. Die Sonne strahlte heute heller als je mit blendendem Glanz, infolgedessen haben die Fälle von Schneeblindheit sehr zugenommen und an aufgesprungenen Gesichtern und Lippen, Blasen an den Füßen, Schnittwunden und Abschürfungen ist kein Mangel; fast jeder hat etwas abgekommen. Aber derlei gehört schließlich zum »Geschäft«.

Gleichwohl bekommt die Station schon das Aussehen eines geordneten Lagers und wir finden immer neue Vorteile ihrer Lage heraus. Der lange flache Strand ermöglicht es Bowers, unserem Proviantmeister, seine Vorratskisten übersichtlich aufzustellen, sodass alles gleich zur Hand ist. An der Hütte wird schon die Bretterverschalung aufgenagelt. Es soll hübsch warm und gemütlich bei uns werden; abgesehen davon, dass der Zwischenraum der Isolierung mit trockenem Seegras in abgesteppter Sackleinwand gefüllt ist, will ich auch noch alles Futter für die Ponys ringsum aufschichten lassen.

Nur eine Schattenseite hat unsere augenblickliche Lage. Das Eis in den Spalten und auch hier und dort auf den Feldern selbst wird schon dünn und schlammig; die Ponys treten oft mit den Füßen durch. Sie machen sich zwar nichts daraus und waren offenbar schon daran gewöhnt, aber Eile scheint mir doch dringend geboten und der morgige Sonntag kann kein Ruhetag sein. Ponting hatte schon ein sehr bedenkliches Erlebnis. Immer darauf erpicht, von eigenartigen Eisbildungen und überraschenden Wasserspiegelungen künstlerische Bilder zu bekommen, war er, seine Apparate auf seinem kleinen Schlitten hinter sich herziehend, wieder dem gestrandeten Eisberg zugewandert. Gerade war seine Schneebrille angelaufen, als er plötzlich das Eis unter sich nachgeben fühlt. Niemand ist in der Nähe, der ihm hätte beispringen können. Instinktiv eilt er vorwärts, bei jedem Schritt glaubt er durchzubrechen, der Schlitten schleift schon durch Wasser! Ein paar Minuten dauerte diese lebensgefährliche Situation – dann trat sein Fuß wieder auf eine feste Oberfläche. Es sei ein niederträchtiges Gefühl, dieses nachgebende Eis unter jedem Tritt, versicherte er, und als er endlich aufatmen konnte, war er in Schweiß gebadet. Wir haben uns diesem morsch werdenden Eis vielleicht doch etwas unvorsichtig mit unserer ganzen Habe anvertraut. Also Eile!

Sonntag, 8. Januar. Das Unglück ist schon geschehen: Wir sind vom Schiff abgeschnitten und, was weit schlimmer ist, ein Motorschlitten liegt auf dem Grund des Meeres! Ich gab dummerweise heute früh die Erlaubnis, den dritten Motor auszupacken, und obgleich einer der Leute beim Überschreiten einer etwa 200 Meter vom Schiff entfernten Schlammstelle mit einem Bein eingebrochen war, hielt ich das doch nicht für bedenklich, da ich annahm, der Mann habe nur die Oberflächenkruste durchgetreten. Campbell sollte den Schlitten an Land bugsieren, stattdessen aber kam die Meldung, der Motorschlitten sei eingebrochen! Campbell hatte zur Vorsicht ein Tau an dem Schlitten befestigt, das von den Matrosen gezogen wurde. Plötzlich brach einer von diesen bis an die Schulter ein und während er herausgezogen wurde, gab das Eis unter dem Schlitten nach, versank plötzlich und mit ihm der Motor! Die Leute hielten das Tau fest, aber vom Gewicht des schweren Schlittens gestrafft, schnitt es immer schneller durch die Eisdecke bis an sie heran und zwang einen nach dem anderen loszulassen. Eine halbe Minute später war nichts mehr zu sehen als ein großes Loch! Wir können noch von Glück sagen, dass den Leuten nichts zugestoßen ist, aber der Verlust eines der beiden besten Schlitten, auf die so viel Zeit und Mühe verwendet wurde, ist ein harter Schlag für mich! Noch gestern ist der andere Motorschlitten mit schwerer Last und sind zahlreiche Ponyfuhren dort hinübergegangen.

Kaum hatte uns diese Unglücksbotschaft erreicht, als auch schon die Nachricht folgte, das Eis in der Nähe der Unfallstelle werde mit jeder Stunde unsicherer; seitdem sind wir vom Schiff so gut wie abgeschnitten und ich verlebe meine erste Nacht im Zelt am Land. Die Uferabteilung hat gearbeitet, aber die Leute an Bord haben einen unfreiwilligen halben Feiertag gehabt.

Um 6 Uhr ging ich zu dem Eisrand weiter nördlich und fand eine Stelle, wo Schlittenfahren noch möglich ist und das Schiff anlegen soll, auch wenn es unter Dampf dorthin fahren muss. Wir haben den neuen Weg mit Petroleumkannen bezeichnet und müssen uns nun in Geduld fügen.

Geduld erfordert auch der Bau der Hütte; es dauert schon noch einige Zeit, ehe sie fertig ist. Aber wir müssen vor dem Ende des Sommers unbedingt noch mit der Errichtung der Depots beginnen! Heute war der heißeste Tag bisher; als ich beim zweiten Frühstück in der Sonne saß, fühlte man sich ganz wie an einem warmen Tag in England.

Montag, 9. Januar. Ich stecke die Nase erst um ¾7 aus dem Zelt, und das Erste, was ich sah, war das Schiff, das sich mit einiger Schwierigkeit längs des Eisrandes vorwärts bewegte und 8 Uhr 15 an der gestern bezeichneten Stelle anlegte. Der neue Weg erwies sich als ausgezeichnet und den ganzen Tag sind die Schlitten hin- und hergefahren. Die Ponys haben bis zu 18 Zentner Gewicht gezogen und die Hunde, je fünf in einem Gespann, schaffen 5 bis 6 Zentner fort, während die Leute fast 3 Zentner auf jeden Mann rechnen. Heute kamen Schornstein, Ventilatoren und die vielen Vorräte für die Hütte an, dann 2 ½ Tonnen Karbid, die Ausrüstung der Biologen – ein hoher Stapel! – und der Naturforscher, die Arzneivorräte, Futter, und was weiß ich sonst noch! Auch von den Kohlen sind schon zehn Tonnen an Land. Kurz, es war ein lustiges Ausräumen.

Dienstag, 10. Januar. Heute Abend kann ich sagen: Wir sind gelandet! Wenn wir auch nichts mehr vom Schiff herschaffen könnten, jetzt kann es kommen, wie es will. Nie ist solch eine Arbeit so schnell und tüchtig geleistet worden! Futter und Feuerung, kurz alles Notwendige ist am Ufer und auch der Bau der Hütte schreitet rüstig fort. Die Seitenwände haben doppelte Verschalung und sind mit Seegras isoliert. Das Dach ist innen mit Brettern verschalt; auf der Außenseite liegt ebenfalls zuerst eine Schicht solcher Bretter, dann eine Lage doppelt gefaltetes Ruberoid, Seegras, wieder eine Bretterverschalung und schließlich dreifaches Ruberoid. Der erste Fußboden ist schon gelegt; darüber kommt Seegras, dann eine Filzlage, eine zweite Verdielung und schließlich Linoleum. Der vulkanische Sand wird ringsum hoch aufgehäuft, sodass unmöglich Zugluft in die Hütte dringen und ebenso wenig Wärme entweichen kann, und an der West- und Südseite sind obendrein Ballen mit Pressfutter hoch aufgestapelt, während an der Nordseite, zwischen der Hüttenwand und einer Mauer aus Futterballen, ein Winterstall für die Ponys gebaut werden soll. Leider haben wir nicht mehr genug Bretter und müssen das Dach aus Sparren und geteerter Segelleinwand herstellen. Viel Schnee darf sich auf diesem Dach nicht ansammeln; aber sonst ist alles vortrefflich angeordnet.

Donnerstag, 12. Januar. In einer festen Schneewehe hinter unserem Lager stießen wir beim Graben auf Eis und haben hier unsere Speisekammer ausgehauen, einen drei Meter langen Tunnel, der noch Seitengänge erhalten soll.

Ich kutschiere heute meine Hunde zum ersten Mal in sibirischer Weise. Schwer war es nicht, aber ich vergaß in kritischen Momenten stets die russischen Ausdrücke; wir werden auf der Depotreise noch viel lernen müssen. Am Nachmittag kam vom Schiff die Meldung, dass nur noch das Hammelfleisch, Bücher, Bilder und das Pianola abzuholen seien; sonst ist alles an Land und auch die Hütte ist so weit fertig, dass wir einziehen könnten. Doch soll das erst in acht Tagen geschehen; unterdes kann der Zimmermann mit Ruhe arbeiten, die Dunkelkammer, Simpsons meteorologische Ecke und die anderen Nebenräume herrichten. Von morgen ab müssen wir Ballast aufs Schiff schaffen, Gesteinsschutt, den wir ja hier reichlich haben, und in zehn Tagen soll die Depotreise beginnen.

Sonnabend, 14. Januar. Ich schlief die letzte Nacht an Bord und fand es dort viel kälter als im Lager; die Temperatur in den Kabinen hielt sich die ganze Nacht über unter dem Gefrierpunkt und das Wasser gefror im Kessel, sodass heute Morgen Feuer gemacht werden musste.

Als ich wieder an Land kam, war die Speisekammer so stattlich erweitert, dass sie all unser Hammelfleisch und einen großen Vorrat Robben und Pinguine aufnehmen kann. In der Hütte werden jetzt Schornsteine eingebaut; Küchenraum und Herd sind fertig, die Veranda am Eingang ebenfalls. Der Zimmermann hat nur noch allerlei Wünsche der einzelnen Bewohner auszuführen.

Morgen wird unser erster Ruhetag sein und dann beginnen die Vorbereitungen für die Depotreise. Ich habe schon heute allerhand Anordnungen dafür getroffen, die zur Führung der Hunde und Ponys nötigen Leute bestimmt usw. Ich habe auch schon meine Wünsche niedergeschrieben wegen des Tierfutters, das uns die »Terra Nova« im nächsten Jahr mitbringen soll. Bis dahin wird es sich entschieden haben, ob ich mein Ziel erreiche oder nicht.

Einzug ins Winterquartier

Sonntag, 15. Januar 1911. Ein prächtiger Ruhetag mit glänzendem Sonnenschein und ohne Wind! Wir standen heute erst spät auf, da das Frühstück nicht vor 9 Uhr angesetzt war. Um 10 strömten Offiziere und Matrosen vom Schiff herüber und ich hielt am Strand unseren ersten Feldgottesdienst ab, der auf uns alle einen tiefen Eindruck machte.

Campbell wollte mit Gran und Nelson über den Gletscher nach Kap Royds gehen und ich begleitete sie ein Stück, um mich zu vergewissern, ob der Weg stark mit Spalten durchzogen sei. Als wir dann aber oberhalb der schneefreien Hügel unseres Vorgebirges die Schneedecke erreichten, bot sich ein so guter und spaltenfreier Weg, dass ich einen tüchtigen Marsch mit ihnen machte und sie erst verließ, als ich überzeugt war, dass der Ausflug nach Kap Royds keine Gefahr habe, und die drei Gefährten sich angeseilt hatten und auf Schneeschuhen weiterliefen. Taylor und Wright gingen ihnen auf einem anderen Weg nach und hatten das gleiche Ziel.

Ich kehrte zum Lager zurück, um nach dem zweiten Frühstück mit einem Schlitten, neun Hunden und Meares als Lenker über das Meereis nach der Hüttenspitze zu wandern. Einen Weg über das Vorgebirge, der bis auf etwa 100 Meter mit dickem Schnee bedeckt war, hatte Meares ausgekundschaftet, und da die Hunde gut zogen, erreichten wir in schnellem Tempo die Gletscherzunge, wo einige vom Wind zerwühlte Schneewehen lagen, während sonst das Eis ziemlich schneefrei war. Als wir den Gletscher erstiegen hatten, sahen wir ein wenig rechts das alte, vom »Nimrod« auf Shackletons Expedition im Jahre 1908 angelegte Depot und gingen drauflos. Wir hatten vergebens gehofft, eine Schrotmühle zu finden; dagegen entdeckten wir viel Pressheu und mehrere Büchsen Mais. Das offene Wasser reichte tatsächlich schon bis an die Gletscherzunge.

Nun fuhren wir einen bequemen Abhang hinunter, sahen uns aber durch eine 5 Meter breite Spalte abgeschnitten, mussten also den Gletscher wieder hinauf und ein paar Hundert Meter nach links gehen. Auch hier trafen wir auf eine Spalte, konnten aber an ihrem Rand entlangziehen und hatten von da ab eine glatte Fahrt ohne Hindernisse bis zur Hüttenspitze. Erst vor ihr zeigten sich Tümpel offenen Wassers und eine lang gezogene Spalte, bei deren Überschreitung ich mir sehr nasse Füße holte. Allenthalben an den Spalten lagen Hunderte von Robben.

Meine alte, im Februar 1902 erbaute Hütte fanden wir zu unserem Verdruss mit Schnee gefüllt. Shackleton erzählt, die Tür sei vom Wind gesprengt gewesen und er habe sich durch das Fenster einen Eingang verschafft; außer ihm haben andere Mitglieder seiner Gesellschaft sie als Obdach benutzt. Aber sie haben, als sie fortgingen, das erbrochene Fenster offen gelassen und infolgedessen war fast die ganze Hütte mit eishartem Schnee gefüllt. An einen Unterschlupf war nicht zu denken! Meares und ich konnten nur eben ein paar Schritt weit über den Schnee klettern und den Kistenstapel in der Mitte untersuchen, wobei wir etwas von der Asbestverkleidung der alten magnetischen Hütte an uns nahmen; dann mussten wir sehen, wie wir uns einen geschützten Winkel zum Kochen unseres Kakaos zurechtmachen konnten.

Montag, 16. Januar. Die Nacht war unter diesen Umständen wenig erfreulich und wir standen ziemlich spät auf. Als wir dann aber in scharfem Südostwind, doch bei hellem Sonnenschein den Hügel hinaufgingen, war mein Ärger verraucht, wenn auch die Instandsetzung der Hütte eine böse Arbeit für uns werden wird. Auf dem alten Observationshügel, in der Schlucht: Überall lag viel weniger Schnee, als ich erwartet hatte, und auf den Kraterhöhen zeigte sich ein ungeheures schneeloses Tafelland, das mich in früheren Tagen, als ich 1903 zum ersten Mal hier war, entzückt hätte. Der Teich war aufgetaut, und Fadenalgen grünten im Süßwasser. Ein Loch, das wir damals in den Wall des Teiches gegraben hatten, war noch dort, eine Entdeckung, die Meares machte, indem er bis an den Gürtel hineinfiel und sehr nass wurde. Auf der Südseite sahen wir jenseits der Prahmspitze, wie ehemals, die Presseisrücken; ein neuer Rücken erstreckte sich etwa 3 Kilometer entfernt um Kap Armitage herum. Die alten Thermometerröhren guckten noch aus dem Schneehang heraus, als ob sie gestern erst hineingesteckt worden seien, und ein Kreuz, das wir zum Gedächtnis unseres damals verunglückten Gefährten Vince errichtet hatten, hätte auch erst gestern aufgestellt sein können – so frisch war die Farbe und so deutlich die Inschrift. Wir luden die Asbestbekleidung auf unseren Schlitten, um sie Simpson mitzubringen, und erreichten auf demselben Weg um die Teestunde unser Lager, wo die Ausstattung der Hütte und der Nebenräume unterdes erfreulich fortgeschritten war. Auch Campbell und seine Gefährten waren von ihrem Sonntagsausflug nach Kap Royds ohne Unfall heimgekehrt.

Die heutige Wanderung hat mir aber doch zu denken gegeben. Wenn auch das Eis dieser beiden Buchten schon zeitig im März zufrieren mag – um diese Zeit schon Ponys hinüberzuführen, dürfte denn doch recht schwer werden. Wir müssen uns deshalb darauf gefasst machen, auf unserer Depotreise länger vom Winterquartier abgeschnitten zu werden, als ich mir gedacht hatte.

Dienstag, 17. Januar. Heute war feierlicher Einzug in die Hütte. Wir sind alle geradezu überwältigt von ihrer praktischen Anlage und ihrer Bequemlichkeit. Es ist wirklich eine Freude, zu sehen, wie jeder eifrig dabei ist, seinen Winkel in Ordnung zu bringen; noch ein paar Tage und unsere Hütte wird das gemütlichste Haus von der Welt sein. Vierzehn Tage erst sind wir im McMurdo-Sund und schon so weit, dass ich ruhig die Depotreise antreten kann; so über Erwarten schnell sind wir mit allem fertig geworden!

Gestern schneite es die ganze Nacht hindurch und heute ist alles weiß; draußen beim Schiff soll der Schnee 15 Zentimeter hoch liegen und Südwind und Schneegestöber währen den ganzen Tag.

Mittwoch, 18. Januar. Wie ich voraussah: Der »Terra Nova« war eine unruhige Nacht beschieden. Um 1 Uhr begann das Eisfeld schnell zu bersten und das Hantieren mit den Eisankern war eine endlose Arbeit. Gerade als ich die Nachricht erhielt, dass angeheizt sei, sahen wir, wie das Schiff ins Treiben geriet. Doch konnte es sich am Morgen wieder am Eisrand festmachen, und zwar einige hundert Meter näher dem Lager. Ich ging nun hinüber, und auf meinen Rat fuhr Pennell langsam um die Ecke herum in die Bucht hinein. Jetzt liegt unser Schiff in nächster Nähe, 180 Meter vom Eisfuß und 350 Meter von der Hütte entfernt. Südsturm kann ihm über das Vorgebirge weg nicht gefährlich werden; Nordwind könnte es höchstens etwas zu nahe ans Ufer treiben, wo nur 5 ½ Meter Tiefe gelotet wurde. Allerdings ist in diesem Schlupfwinkel, bei dem ausgedehnten Eisfeld, ohne vorherige Anzeichen kaum starker Seegang zu erwarten. Aber allzu sicher dürfen wir doch nicht sein. Überraschungen sind erfahrungsgemäß nie ausgeschlossen. Kommandant Penneil eignet sich übrigens zu seiner Aufgabe ganz vortrefflich; er ist jederzeit heiter und unermüdlich wachsam und jeder, auch der kompliziertesten Situation gewachsen, sodass ich blindes Vertrauen auf ihn setzen kann.


Im Winterquartier (Cherry-Garrard, Bowers, Oates, Meares, Atkinsons)

Bowers ist unerschöpflich in Vorschlägen zur Ausstattung der Hütte; jetzt hat er an der Südseite einen Raum für die Vorräte zu unseren Schlittenreisen eingerichtet und Simpson und Wright sind schon so weit, dass sie in Kurzem mit ihrer regelmäßigen Tagesarbeit beginnen können. Der Robbenbraten, das Pinguin- und Möwenfleisch unseres Kochs Clissold haben mir noch nie so gut geschmeckt, und erst seine Seehundsfrikadellen sind genau, als wenn sie aus Rindfleisch zubereitet seien, ohne jeden tranigen Beigeschmack, und selbst den weiß er noch erträglich zu machen.

Freitag, 20. Januar. Unsere Hütte, der wir übrigens noch keinen Namen gegeben haben, nimmt große Dimensionen an und streckt schon nach allen Seiten ihre Glieder aus. Bowers Anbau an der Südseite, ein Aufbewahrungsraum für schnell herbeizuschaffende Vorräte, Pelzsachen, überflüssige Kleidungsstücke usw. springt so weit vor, dass die Eingangsveranda der Hütte dadurch vollkommenen Schutz erhält. Auch die Ställe an der Nordseite sind so gut wie fertig; einer hat ein festes Dach erhalten und ist durchaus widerstandsfähig. Nelson hat einen kleinen Ausbau an der Ostseite und Simpson einen Vorsprung an der Südostecke. Ponting hat sich eine Dunkelkammer eingerichtet und alle Zimmermannsarbeit dazu mit staunenswerter Gewandtheit selbst ausgeführt; gestern brachte er noch ein Fenster darin an. Meares hat sich in das Grammofon verliebt, für das wir eine sehr schöne Auswahl Platten haben, und Rennick hat heute das Pianola aufgestellt, das, in einzelne Teile zerlegt, aus dem Schiff herübergebracht wurde, obgleich es sich eigentlich nicht die Mühe lohnt.

Ich habe gestern und heute viel über unsere Depotreise nachgedacht und nun meine Anordnungen getroffen. Deckoffizier Evans setzt schon die Schlitten zusammen und zeigt sich dabei überaus geschickt; Bowers hat den Proviant zu verteilen. Schlittenanzüge, Filzstiefel und -schuhe, Sommerwindanzüge, Fausthandschuhe aus Pelz, für jeden Reisenden ein paar Finnenschuhe, Pelzstiefel, die beim Schneeschuhlaufen gebraucht werden, die Pelzschlafsäcke – alles Fabrikate ersten Ranges – sind schon ausgegeben, und wir denken an nichts als an Einrichtungen und Erfindungen zur Erleichterung unserer Fahrt. Mir macht die Möglichkeit, auf unserer bevorstehenden Herbstreise vom Winterquartier abgeschnitten zu werden, am meisten Kopfzerbrechen; wir werden ziemlich viel Lebensmittel für Tiere und Menschen mitnehmen müssen. Day ist noch immer voller Hoffnung wegen der Motorschlitten; ich bin etwas zweifelnder. Hunde und Ponys vertragen die Kälte gut; nur der Wind macht Letzteren zu schaffen. Doch können wir sie nicht verzärteln und sie werden sich wohl daran gewöhnen, hat doch die Natur selbst schon für sie gesorgt, indem sie ihnen mit wunderbarer Schnelligkeit dicke Pelze wachsen lässt; schon jetzt scheinen sich ihre zottigen Röcke zu glätten. Die Westabteilung, Griffith Taylor und Genossen, hat sich heute bei Wilson über ihre Aufgabe, die Erforschung der Gletscher an der Küste des Viktorialandes, Rat geholt, und der gute Bill hat sein Bestes getan, um ihnen alles Nötige einzupauken.

Wenn wir nur die Ponys und unsere Vorräte glücklich über die Gletscherzunge hinausbringen, dann habe ich die schönsten Hoffnungen. Der Beginn unserer Schlittenreise ist nunmehr auf den 25. d. M. angesetzt.

Abschied von der »Terra Nova«

Sonnabend, 21. Januar 1911. Die Sorge um das Schiff ließ mich nicht ruhen, und als ich während der Nacht die Hütte verließ, um Ausschau zu halten, sah ich gleich, dass es sich in der übelsten Lage befand. Bei anschwellendem Wind und nördlicher Dünung begann das Eis aufzubrechen und die »Terra Nova« war völlig dem Wind ausgesetzt. Zum Glück hielten noch einige der Eisanker, und die Mannschaft war dabei, sie anderswo zu befestigen. Pennell hatte anheizen lassen und ich weckte unsere Leute zur Hilfe. Um 6 war Dampf auf und ich sah mit Freude, dass das Schiff sich windwärts bewegte, das Sammeln der Eisanker und Taue uns überlassend. Es hielt nach Westen ab und fast unmittelbar hinterher trieb ein großer Eisberg heran und geriet an der Stelle, wo es noch eben gelegen hatte, auf Grund.

Nachmittags kehrte das Schiff an den nördlichen Eisrand zurück. Der Wind war noch immer stark und längs des Randes schwamm überall loses Eis; meine Leute liefen mit den Eisankern hin und ich sah das Schiff wieder westwärts gehen.

Als ich aber nachher auf das Eisfeld hinausging, erhielt ich die erschreckende Nachricht, die »Terra Nova« sei auf Grund geraten! Ich eilte mit Evans zum Vorgebirge und sah nun, dass die Nachricht nur allzu richtig war. Das Schiff saß gründlich fest und schien in sehr bedenklicher Lage zu sein. Wie ich hinterher hörte, wollte es hinter den Eisberg steuern und war dabei plötzlich aufgerannt, obgleich Penneil schon eine Weile die Maschine hatte rückwärts arbeiten lassen.

Ich sandte Evans zum Sondieren im Walfischboot hinaus, ließ die Eisanker wieder einsammeln und beobachtete mit größter Aufregung jede Bewegung unseres Schiffes. Wenn es zugrunde ging oder nicht mehr nach Neuseeland zurückkehren konnte und hier sechzig Menschen vergebens auf Erlösung warteten – Vorstellungen dieser Art zermarterten mein Gehirn, und der einzige Trost, den ich aus diesen Schreckbildern der Fantasie ziehen konnte, war der feste Vorsatz, mein Ziel trotz alledem zu erreichen und mich in meiner Aufgabe durch nichts irremachen zu lassen.

An Bord rannte alles hastig hin und her; die Ladung wurde achtern umgestaut, und da das Schiff während der Flutzeit aufgerannt war, fand ich mich schon mit dem Gedanken ab, die ganze Ladung mithilfe von Booten löschen zu müssen, um es wieder flott zu machen – eine niederschmetternde Aussicht.

Da begann sich das Schiff langsam zu drehen. Man sah die Matrosen von der einen Seite zur anderen laufen, um es abzubringen, und durch das Seitwärtsrollen verstärkte sich auch die Drehbewegung. Aber dann saß es wieder fest. Bange Minuten vergingen – die Maschine arbeitete immerfort rückwärts und endlich wurde eine leichte Bewegung bemerkbar. Ein Hurra an Bord und ein noch lauteres aus dem Walfischboot – die »Terra Nova«, an deren glücklicher Heimkehr unser aller Schicksal hing, war wieder flott!

Jetzt liegt sie sicher verankert am Rand des nördlichen Eises und die Mannschaft ruht von der übergroßen Anstrengung, die sie mit bewundernswerter Ausdauer und Geduld geleistet hat, vom Offizier bis zu jedem Matrosen, Pennells gar nicht zu gedenken, und es macht mich wahrhaft stolz, der selbstlosen, treuen Hilfe all dieser Tapferen hier danken zu können.

Montag, 23. Januar. Gestern war ein überaus friedlicher Tag, den wir zur Vollendung unserer Ausrüstung und Instandsetzung unserer Kleidung alle fleißig nähend zubrachten. Aber solche Idyllen dauern hierorts nicht lange. Als ich heute früh um 5 bei schönstem windstillem Wetter aufstand, sah ich zu meinem Erstaunen, dass sich zwischen Land und Buchteis eine Wasserrinne geöffnet hatte und das Buchteis Miene machte, als feste Masse ins Meer hinauszutreiben. Auf dem Schiff hatte man das natürlich auch bemerkt; man machte die Eisanker los, sandte ein Boot an Land und ging in See, um mit dem Schleppnetz zu fischen. Bald darauf aber brachte Meares die Nachricht, auch das Eis der südlichen Bucht gerate ins Treiben! Das stellte sich zwar bei näherem Zusehen als Übertreibung heraus, aber ein ungeheures Stück des Eisfeldes hatte sich doch schon vom Land gelöst. Immerhin zog es sich noch etwa 4 Kilometer weit längs der Klippen unseres Vorgebirges hin und wir entdeckten bei dieser Gelegenheit auch einen Weg, auf dem die Ponys auf das Eis hinuntergelangen konnten. Aber nur die Ponys, nicht auch das Gepäck! Dieses muss uns die »Terra Nova« zur Gletscherzunge bringen.

Als ich mir darüber klar geworden war, wurde Hand angelegt und alles ging mit Dampf. Sämtliche Schlitten, unsere ganze Ausrüstung, selbst die Hunde mit den Ponygeschirren wurden auf das Schiff gebracht, und nur die Ponys sollen schon morgen versuchen, auf der Südstraße zur Gletscherzunge zu gelangen. Dort werden sie dann wieder beladen und wir beginnen mit dem Marsch zur Hüttenspitze unsere Depotreise. Zu warten, bis alles Eis hinaustreibt und dem Schiff gestattet, bis zur Hüttenspitze vorzudringen – diese lange Ungewissheit und mögliche Verzögerung können wir nicht riskieren. Ich bete zu Gott, dass sich die Ponystraße noch die wenigen Stunden über halten möge!

Dienstag, 24. Januar. Fast die ganze Nacht durch wurde in der Hütte fleißig gearbeitet und um 9 Uhr brachen wir auf. Ein Boot der »Terra Nova« holte die Westabteilung und mich ab, als eben die Ponys aus dem Stall geführt wurden und Meares und Wilson schon vorausgingen, um den Pfad zu untersuchen. An Bord musste ich zunächst Lühes Ausbeute an Seetieren auf dem gestrigen Fang bewundern: große Mengen Schwämme, Isopoden, Pentapoden, mächtige Krabben, Korallen und so weiter – aber die pièce de résistance waren mehrere Eimer voll Cephalodiscus, von dem bisher nur sieben Exemplare gefangen worden waren. Lillie ist überglücklich und meint, dieser Fang allein müsse schon das ganze Unternehmen bezahlt machen.

Während des Vormittags steuerten wir an der Küste der Ross-Insel entlang und loteten im Norden und Westen des kleinen Inaccessible Island 55 bis 73 Meter Tiefe. Durch unser Fernrohr konnten wir die lange Reihe der Ponys auf dem Meereis gleichmäßig vorrücken sehen, und sobald sie schon ziemlich weit gekommen waren, dampften auch wir zur Gletscherzunge hin. Das offene Wasser reichte gerade noch um die Ecke herum und die »Terra Nova« legte in dem engen Winkel an, den das Eis mit dem Gletscher bildete, wobei ihre Backbordseite sich in gleicher Höhe mit der Gletscheroberfläche befand.

Ich ging hinüber, um die Ponys zu erwarten, die auch ohne viel Schwierigkeit an den Gletscher herankamen, ihn überschritten und dann neben dem Schiff auf dem Meereis angepflockt wurden. Campbell untersuchte derweil eine Spalte, die sich auf dem Eis der südlichen Bucht hinzog und sich als unüberschreitbar herausstellte. Er musste deshalb einen anderen Weg über den Gletscher ausfindig machen, bis er über die Spalte hinaus war, und steckte diesen mit Pflöcken ab. Den Ponys wurde alles Gepäck abgenommen, sie sollten nun diesen spaltenlosen Weg entlanggeführt werden. Alles ging gut, bis die Tiere auf das Niveau des Eisfeldes hinunterkamen und Oates sie über eine alte, zugeschneite Spalte leitete. Sein Pony und das nächste kamen hinüber, das dritte aber machte einen Sprung nach dem Rand hin und sank mitten in der Spalte bis an den Bauch ein. Alle Anstrengungen, die es machte, brachten es nur noch tiefer hinunter, bis schließlich nur noch sein Kopf und die Vorderbeine aus dem Eisschlamm hervorsahen. Wir legten mit beträchtlicher Mühe Kopf und Beine in Seilschlingen und zogen alle Mann das arme Tier wieder heraus; es sah nach dieser Prozedur sehr schwach und elend aus und zitterte vor Schreck am ganzen Leib.

Doch schließlich waren sie alle glücklich auf das Eisfeld heruntergekommen. Wir gaben ihnen ein wenig zu fressen, packten ihnen ihre Lasten wieder auf und ließen sie dann weiterziehen. Inzwischen kamen die Hunde an die Reihe und verursachten uns viel Ärger. Da ihre Last leicht war, stürmten sie über alles hinweg und waren kaum zu halten; Wilson und ich lenkten ein Gespann, Evans und Meares das andere, und es war ein wahres Wunder, dass wir alle unversehrt das Eisfeld erreichten. Wilson hält sehr viel von den Hunden, aber ich zweifle, dass sie sich gut machen werden. Dagegen arbeiten die Ponys mit außerordentlicher Sicherheit, marschieren flott und munter und folgen einander auf dem Fuß. Sie haben nur einen Nachteil, dass sie im weichen Schnee leicht einsinken und schon da durchbrechen, wo ein Menschenfuß kaum einen Eindruck auf die Oberfläche macht. Zwar arbeiten sie sich wieder mutig heraus, aber es gehört eine immense Geduld dazu, sie vor solchen Unfällen zu behüten.

Dann wurde unser ganzes Gepäck aus dem Schiff geholt und etwa 10 Kilometer weit vom Gletscher und 4 Kilometer von der Hüttenspitze aus das erste Lager der Depotreise aufgeschlagen.

Morgen soll nun die Herbstabteilung ihre Wanderung beginnen. Wir sind im Ganzen zwölf Mann: Atkinson und Crean, Leutnant Evans, Forde und Keohane, Meares und Wilson mit den Hunden und ich; und schließlich Bowers, Oates, Cherry-Garrard und Gran. Dazu acht Ponys und sechsundzwanzig Hunde. Ehe wir all unsere Lasten in Sicherheit haben, werden wohl noch drei Tage vergehen; das Aufbrechen des Meereises darf uns bis dahin nicht über den Hals kommen. Lebensmittel und Feuerungsmaterial habe ich auf 14 Wochen berechnet. An Pressheu, Hundekuchen und Haferschrot haben wir zusammen 7550 Kilo. Dazu die Schlitten mit Geschirr, Riemen und Wasserbehälter, Zelt mit Stangen, Seil, Öl, Spirituskocher und Primusapparate, Schlafsäcke und Schneeschuhe und die zahlreichen Werkzeuge, die Reserveausrüstung für jeden Mann an Kleidern und was sonst noch jeder Einzelne an Unentbehrlichem mitzunehmen hat – alles in allem ein Transport, mit dem Ponys und Hunde ihre Arbeit haben werden.

Donnerstag, 26. Januar. Der letzte Tag auf der »Terra Nova«. Gestern begab ich mich mit einem Hundegespann aufs Schiff. Die Fahrt ging so weit ganz gut, bis die Hunde in der 9 Meter breiten Spalte, die wir vorgestern hatten umgehen müssen, einen Wal erblickten und sofort drauflosstürmten! Es gelang uns nur noch eben, sie zum Stehen zu bringen, ehe sie das Wasser erreichten.

Den Tag verbrachte ich mit Briefschreiben und Anordnungen für das Schiff. In der Nacht erhob sich eine frische nördliche Brise, und die »Terra Nova« stieß gegen den Gletscher, bis Packeis herantrieb, das sich als Schutz gegen die Dünung erwies.

Heute Mittag um 1 Uhr kamen Ponys und Hunde wieder an und um 5 begaben wir uns alle hinaus, um endgültig aufzubrechen. Kurz vorher hatte Pennell die Mannschaft auf dem Achterdeck antreten lassen und ich dankte ihnen allen für ihre tüchtigen Leistungen. Sie haben sich sämtlich als tapfere Kerle benommen, eine prächtigere Gesellschaft ist nie zusammen auf einem Schiff gesegelt. Ihre herzlichen Lebewohlrufe taten mir wahrhaft wohl.

Erster Vorstoß nach Süden:
Das Ein-Tonnen-Depot

Sonnabend, 28. Januar 1911. Langsam, aber sicher entgehen wir der Gefahr, mit dem Meereis fortgetrieben zu werden. Heute holten die Ponys die letzte Last aus Lager 1, und ich ging aus, um einen Weg um den großen neuen Presseisrücken zu finden, der mir am 16. bei meinem Ausflug zur Discoveryhütte aufgefallen war. Das Eis auf der Höhe von Kap Armitage, von dem wir anderthalb Kilometer entfernt sind, schien gefährlich dünn und war nach Süden hin mit unregelmäßigen Schneefahnen bedeckt, es galt also einen Umweg nach Osten zu machen, um auf die Barriere hinauf und dort in Sicherheit zu gelangen. Das zerbrochene Eis jenes Rückens endete im Osten in einer unheimlich großen Welle, deren Tal zu meiner Linken seichtes Wasser zeigte, worin unzählige Seehunde umherplätscherten. Aber dieser Weg schien für die Ponys gangbar, ich kehrte daher ins Lager zurück, wo ich hörte, dass eins der Tiere, das »Jakobsschwein«, lahm geworden war und Oates sehr pessimistisch in die Zukunft sah, während er noch gestern stolz auf seine Schützlinge war, die ohne Mühe Lasten von 360 bis 400 Kilo gezogen hatten. Dagegen waren die Hunde gestern Abend sehr müde, und ich habe den Befehl über das zweite Gespann endgültig an Wilson abgegeben, der sehr erpicht darauf war und gewiss seine Sache gut machen wird; aber ebenso gewiss werden die Hunde keine großen Lasten ziehen; 220 Kilo haben ihnen gestern beinahe den Rücken gebrochen und die 350 Gramm Hundekuchen, auf die Meares ihr tägliches Futter veranschlagt hat, werden auch schwerlich reichen. Auch Bowers’ Pony leidet an Schwäche in den Vorderbeinen, so kräftig es sonst ist; doch das wusste ich längst; bei ihm fragt es sich nur, wie lange es überhaupt noch aushalten wird.

Sonntag, 29. Januar. Lager 2. Heute nach dem Frühstück hielt ich Gottesdienst, und dann begann ein famoser Tag. Die sieben gesunden Ponys machten zwei Fuhren nach der Barriere und legten dabei 33 Kilometer zurück, die Hälfte davon schwer beladen, und doch war keines erschöpft.

Wilson hatte, wie er mir erzählte, mit seinen Hunden eine endlose Schererei. Wenn sie Seehunde witterten oder sahen, waren sie wie toll, und dabei lagen Robben zu Hunderten umher und reckten oft urplötzlich aus irgendeinem Luftloch im Eis ein paar Meter weit vor dem Gespann ihren Kopf heraus. Im selben Augenblick stürmten auch schon die Hunde drauflos. Wenn dann Wilson mit der Peitsche dazwischenfuhr, verwickelten sich Geschirr und Leinen, und während er sie wieder zu entwirren suchte, sauste auf einmal das ganze Elfergespann davon; er konnte höchstens eine Leine oder ein Stück des Schlittens erwischen und wurde nun im Karacho mitgeschleift, bis die Köter des Galopps überdrüssig waren und er sich wieder auf die Füße emporarbeiten konnte. Aber er ließ sich das nicht verdrießen, passte scharf auf und brauchte fleißig seine russischen Kutscherausdrücke, die alles umfassen, was man im Verkehr mit einem Hundegespann zu sagen hat.

Montag, 10. Januar. Lager 3, Sicherheitslager; 77° 55’ südlicher Breite. Als wir heute an dem auf der Barriere aufgestapelten Pressheu vorbei zum Sicherheitslager zogen, hatten wir einen großen Schrecken: Die Ponys sanken sehr tief ein und die letzten drei Kilometer griffen sie mehr an als der ganze übrige Marsch. Wir hielten deshalb nach dem zweiten Frühstück Kriegsrat und beschlossen mit Proviant auf fünf Wochen für Menschen und Tiere weiter vorzudringen, nach zwölf oder dreizehn Tagen ein Depot anzulegen, das Lebensmittel auf zwei Wochen enthält, und dann wieder zurückzukehren.

Donnerstag, 2. Februar. Lager 4. Endlich auf dem Marsch – nach zwei verlorenen Tagen!

Als wir nun heute Vormittag ½ 11 glücklich aufbrachen, war es mir eine angenehme Enttäuschung, dass die Ponys wenigstens in der ersten Stunde gar nicht tief einsanken und auch später, trotz schlechterer Oberfläche, gut vorwärtskamen, sodass wir 9 Kilometer zurücklegten. Bowers’ Pony überanstrengte sich aber dabei so, dass es schließlich ganz mit Schaum bedeckt war. Der heutige Marsch brachte mich aber auf den Gedanken, dass bei größerer Kälte während der Nacht und am Morgen zu dieser Zeit auf bessere Eisverhältnisse zu rechnen sein müsse, und mein Vorschlag, von jetzt an Nachtmärsche zu machen, fand allgemeinen Beifall. Die Tiere werden sich dann in den warmen Tagesstunden weit besser ausruhen können.

So warten wir denn einstweilen in unserem Zelt bis zum Abend. Auf der großen weiten Straße liegt unser kleines grünes Zelt wie ein winziger Punkt. Der Lärm des Marsches, die überlauten Worte, wenn jeder sein Pferd anfeuert oder schilt, das eilfertige Trippeln der Hundepfoten, das scharfe Aufschlagen der Ponyhufe und das Sausen der nachfolgenden Schlitten sind verhallt. Schweigen herrscht in der weißen Wüste, nur ab und zu unterbrochen vom Winseln eines Hundes, Wiehern eines Pferdes oder vom Krachen eines Fußtritts, der die Schneekruste durchbricht. Leicht flattern die Wände unserer Leinwandbehausung, das Summen des Primusofens dringt herüber, und aus dem Ventilator strömt der willkommene Duft des Spirituskochers. Aus Süden treiben Schneewolken heran, bleiche gelbe Girlanden, die nahen Sturm verkünden und die scharfen Konturen des Landes nach und nach verwischen. Ein Orkan, der Protest der Natur, ist im Anzug. Schneepuder wirbelt umher, wie feinstes Mehl dringt er durch jede Ritze und in jede Ecke, sogar unter die Kopfbedeckung, und sticht wie Sand. Die Gestalt der Sonne wird immer verzerrter, sie blickt scheu durch das auf und nieder tanzende Gestöber und spendet nur fahles, schattenloses Licht. Einer nach dem anderen verschwindet in den verführerischen Falten seines Schlafsackes.

Freitag, 3. Februar. Lager 5. Gestern Abend weckte ich um 10, und um ½ 1 begann der Marsch. Nach und nach besserte sich die Oberfläche, aber als wir nach 16 Kilometer Weg mit zweistündiger Zwischenrast haltmachen wollten, sank Bowers mit seinem Pony plötzlich in weichen Schnee ein; was ihm auf dem Fuße folgte, teilte sein Schicksal und im Handumdrehen zappelten drei Tiere in einer Schneewehe.

Welche Summe von Ungewissheit birgt doch unsere Aufgabe! Jeder Tag bringt eine neue Überraschung, jede Stunde kann ein neues Hindernis drohend heraufsteigen. Aber vielleicht ist es gerade dieser stete Wechsel der Gefahr, der das Spiel so spielenswert macht!

Sonnabend, 4. Februar. Lager 6, Ecklager. Ein guter Nachtmarsch von fast 20 Kilometern. Im Anfang mussten sich die Ponys auf schlechter Oberfläche sehr abschinden, dann aber besserte sich das Eis, nur dass jetzt mehrere Spalten zu überschreiten waren, in die ein Pony zweimal hineingeriet.

Sonntag, 5. Februar. Ecklager. Gestern Nachmittag um 4überfiel uns ein Orkan, der noch jetzt unser kleines schwaches Zelt tüchtig hin und her rüttelt. Auch er wird vorübergehen, aber man denkt dabei an all das, was über die Dauer der Orkane in der Nähe des Kap Crozier berichtet wird. Wir schlafen und essen und unterhalten uns in den Zwischenpausen so gut wie möglich.

Je mehr ich über unsere Ausrüstung nachdenke, desto überzeugter bin ich, dass sie für zivilisierte Leute in unserer Lage nicht vollkommener sein kann. Die Grenzlinie zwischen Notwendigem und Luxus ist zwar recht undeutlich gezogen, und wir hätten auf Kosten unserer Behaglichkeit wohl etwas Gepäck ersparen können.

Auch könnte man sagen, wir hätten zu viel Lebensmittel mitgenommen, nämlich pro Mann täglich 900 Gramm. Aber ich erinnere mich zu deutlich der großen Schwäche, die uns im Jahre 1903 infolge des Hungers überfiel, als wir vier bis fünf Wochen hindurch von nur 630 Gramm täglich leben mussten und von Tag zu Tag mehr abfielen.

Mittwoch, 8. Februar. Lager 7; 78° 13’ südlicher Breite. Fünfundsiebzig Stunden hat der Orkan geweht und unsere Geduld auf eine schreckliche Probe gestellt! Die Schneewehen um das Lager herum waren sehr hoch, und die Schlitten mussten gestern geradezu ausgegraben werden. Außerhalb des Zeltes konnte man sich kaum aufhalten; aber die Ponys mussten gefüttert und die Hunde versorgt werden, und bei uns gibt es keine Drückeberger. Im Übrigen bestand unsere Tagesordnung aus Essen und Schlafen, Schlafen und Essen – merkwürdig, wie viel man schlafen kann!

Gestern Nachmittag erst legte sich der Sturm, die Sonne kam wieder hervor und bald war der ganze südliche Himmel wolkenlos. Die Ponys hat der Orkan sehr angegriffen, das merkten wir auf unserem heutigen Nachtmarsch, der jetzt geradewegs südwärts führte. Vermutlich haben sie zu wenig geschlafen; alle sehen stumpfsinnig aus, und zwei oder drei sind sichtlich magerer geworden. Bei gutem Extrafutter werden sich die Tiere hoffentlich wieder erholen, aber weitere Orkane werden sie schwerlich aushalten. Ich fürchte, wir werden nicht allzu weit kommen, müssen aber auf jeden Fall die Mehrzahl der Ponys am Leben erhalten. Den Hunden geht es gut; sie haben sich während des Orkans unter dem Schnee zusammengerollt und kamen zu den Mahlzeiten aus dampfend warmen Höhlen heraus, für sie war der Sturm nur eine angenehme Ruhepause.

Freitag, 10. Februar. Lager 9. Unsere Gesellschaft macht sich wieder heraus: vorgestern 19, gestern 20, heute 22 Kilometer bei guter Oberfläche und teilweise sonnigem Wetter. Allmählich lernt man, wie wir die Sache im nächsten Jahr anfangen müssen, wenn die Ponys aushalten. Wenn –!

Abends 9 Uhr kriechen wir aus unseren Schlafsäcken. Gegen ½ 12 brülle ich Oates, dem »Soldaten«, zu: »Wie steht’s draußen?« Die Antwort lautet, alles sei bereit, und nun hantieren eilfertige Gestalten zwischen Schlitten und Ponys – eine kalte Arbeit für die Finger und auch keine warme für die Füße. Den Tieren werden die Decken abgenommen und die Geschirre angelegt, Zelte und Lagereinrichtung auf die Schlitten geladen. Futterbeutel für die nächste Rast gefüllt und den Ponys die Schlitten angehängt. Wer zuerst fertig ist, wird beim Warten auf die Übrigen leicht ungeduldig. Wilson und Meares gehen umher, überall hilfreich Hand anlegend.

Aber noch immer geht es nicht los! Die Stricke müssen eingesammelt, die Riemen einiger Ponys zurechtgerückt werden und einige aus der Gesellschaft haben sich beim Zusammenpacken ihres Zeltes verspätet. Mit erstarrten Fingern hält man den Zügel seines Pferdes, das seinen Kopf vom Wind wegdreht, und hier und da knurrt einer.

Endlich heißt es: »Fertig; Bowers voran!«, und »Birdie« (Vögelchen), wie sein Spitzname lautet, führt sein großes Tier vorwärts, immer gleichmäßigen Schritts. Auch die Pferde sind kalt geworden, und sobald das Kommando ertönt, ziehen sie los, einige sogar so stürmisch, dass ihre Begleiter kaum Schritt halten können, denn die Finnenschuhe fassen auf den schlüpfrigen Sastrugi* schlecht. Bewegung erwärmt, und in zehn Minuten hat sich die ganze Kolonne in ein gleichmäßiges Tempo einmarschiert.

Im Anfang geht es noch lebhaft; die Beleuchtung ist schlecht, dann und wann tritt einer auf eine schlüpfrige Stelle und fällt hin. Das sind die einzigen wirklichen Ereignisse auf dem Marsch – im Übrigen vergeht er in gleichmäßigem Dahintrotten bei geringfügiger Veränderung der Oberflächengestalt. Die schwächeren Ponys bleiben ein wenig zurück, kommen aber, wenn Rast gehalten wird, bald wieder in Marschlinie.

Wenn wir den halben Marsch hinter uns haben, gebe ich auf meiner Signalpfeife ein Zeichen. Dann wendet Bowers ein wenig nach links, seine Zeltkameraden gehen jeder einige Schritte weiter rechts, um die nötige Entfernung zwischen den Ponys einzuhalten; Oates und ich machen hinter Bowers und Evans halt, die beiden anderen Schlitten unserer Abteilung hinter Bowers’ beiden anderen. So ist die Lagerformation fertig. Die Seile zum Festmachen werden im rechten Winkel quer über unseren Weg gezogen und an den beiden Schlitten an jedem Ende befestigt. In wenigen Minuten sind die Ponys festgebunden und zugedeckt, die Zelte aufgeschlagen und die Kochapparate angezündet.

Inzwischen haben die Hundelenker nach langer kalter Wartezeit im alten Lager den letzten Schlitten gepackt und kommen auf unserer Spur angetrabt. Sie möchten möglichst gleich hinter uns ankommen, und meist gelingt es ihnen auch.

Die Rast dauert eine bis anderthalb Stunden, dann geht es weiter. Das Nachtlager wird gewöhnlich gegen 8 Uhr aufgeschlagen und nach anderthalb Stunden stecken die meisten von uns schon im Schlafsack.

Während des langen Aufenthalts am Tage bauen wir Schneewälle für die Ponys, versorgen sie mit Decken und tun für sie, was nur irgend möglich ist. Damit ist einstweilen unsere Tagesordnung erschöpft.

Sonntag, 12. Februar. Lager 11. Die Oberfläche ist so schlecht geworden, dass Evans, Forde und Keohane mit ihren drei schwachen Ponys zurückgehen müssen! Wir kommen mit solchen Nachzüglern nicht vorwärts; gestern 20, heute nur 18 Kilometer. Dabei haben wir im Lager 7 zwei Ballen Pressheu deponiert und lassen im heutigen wieder einen Ballen zurück. Wir müssen unbedingt sehen, so weit wie möglich an den 80. Breitengrad heranzukommen. Wir sind jetzt in der Nähe des 79. Grades; dieser Ort soll »Blufflager« heißen.

Der Himmel war den ganzen Tag überzogen; im Süden sieht es bedenklich nach Schnee aus und einen Kurs zu steuern ist fast unmöglich.

Montag, 13. Februar. Lager 12. Wir haben wirklich Pech! Schon wieder liegen wir im Zelt, von einem Schneesturm festgehalten, nachdem wir heute nur 17 Kilometer weiter gekommen sind. Vorübergehend hellte es sich auf und wir konnten wenigstens eine genaue Peilung vornehmen mithilfe der Südecke des Bluff, die in einer Linie mit dem Mount Discovery lag, während sich die Weiße Insel ziemlich klar gegen den östlichen Abhang des Mount Erebus abhob. Wilson mit den Hunden ist noch nicht da; er hat im vorigen Lager erst den Aufbruch der Zurückkehrenden abwarten wollen. Wenn er nur überhaupt hat marschieren können.

Dienstag, 14. Februar. Lager 13. Wieder ein Tag voller Enttäuschungen! Das Wetter hatte sich aufgeklärt, die Nacht war schön, wenn auch kalt, die Temperatur ziemlich weit unter -18 Grad Celsius, und aus Südwesten wehte es scharf, wie überhaupt alle Winde aus dieser Richtung kommen; dadurch bekommen auch die Sastrugi eine deutliche Richtung nach Südwesten. Infolge des Orkans lag der Schnee in sandartigen Haufen und die Ponys sanken oft bis über das Sprunggelenk ein. Gran musste mit seinem »müden Willy« als Nachhut zurückbleiben. Als ich aber dann Oates über die zurückzulegende Entfernung zurate zog, meinte er ganz vergnügt: 27 Kilometer am Tag! Das reizte mich ein wenig und ich marschierte drauflos, bis der Geschwindigkeitsmesser meines Schlittens fast 13 Kilometer anzeigte. Inzwischen war aber der »müde Willy« wohl anderthalb Kilometer weit zurückgeblieben und die Hundegespanne näherten sich.

Freitag, 17. Februar. Lager 15, Ein-Tonnen-Lager; 79° 28 ½’ südlicher Breite. Die Ponys können nicht weiter und wir müssen umkehren. Die Oberfläche wurde vorgestern geradezu scheußlich, allenthalben Schneewehen, die sich an die Kufen der Schlitten hefteten, und leichte Eiskrusten, die unter jedem Schritt der Tiere zerbrachen.

Die Temperatur sank während des gestrigen Nachtmarsches auf 29 ½ Grad unter null. Einige Mitglieder meiner Gesellschaft scheinen solche Frühlingsreisen etwas angreifend zu finden. Oates’ Nase ist immer drauf und dran zu erfrieren, und Meares hat eine widerspenstige Zehe, die ihm viel zu schaffen macht. Selbst Bowers’ Übermut rächte sich gestern. Wie gewöhnlich zog er mit seinem Filzhütchen und bloßen Ohren daher. Auf dem Marsch sah ich ihn mir einmal an und wie ich gefürchtet hatte: Seine Ohren waren ganz weiß! Cherry und ich rieben sie, bis das Blut zurückkehrte, während der Patient dabei nichts weiter empfand als Verwunderung und Ärger über die Tatsache, dass er solch widerspenstige Ohren besaß. Auch bei mir zeigte sich eine leichte Froststelle in der Backe und Cherry-Garrard ging es ebenso. Also kehrt!

Es ist zwar schade, dass wir nicht bis zum 80. Breitengrad gekommen sind und das Ein-Tonnen-Depot schon auf 79° 28’ südlicher Breite errichten müssen, aber wir werden auch hier einen guten Stützpunkt im nächsten Jahr haben und können auf alle Fälle bis hierhin die Ponys ausreichend füttern. Wir haben also heute hier deponiert: Proviant auf 7 Wochen, Öl auf 12 Wochen, ferner Schiffszwieback, Haferschrot, Hundekuchen und Pressheu, im Ganzen 990 Kilo; außerdem zwei Paar Schneeschuhe und zwei Schneeschuhstäbe, zwei 3 ½ Meter lange Schlitten und ein Ponygeschirr, ein Minimumthermometer, eine Blechdose mit Zündhölzern und eine mit Kakao, sind also beim Aufstapeln dieser Vorräte bedeutend mehr als eine Tonne Gepäck losgeworden.

Schließlich haben wir unser Depot so gut markiert, dass es viele Kilometer weit zu sehen sein muss. Der Depothügel ist etwa 2 Meter hoch. Außer der Fahnenstange mit der schwarzen Flagge haben wir volle und leere Zwiebackdosen aufgestapelt, die als Reflexspiegel dienen sollen, und auch an den aufrecht in den Schnee gestellten Schlitten Teebüchsen befestigt. Zudem ist das Ein-Tonnen-Depot ziemlich stattlich und sehr fest und die Ponywälle ringsum sind auch noch da.

* gefrorene Meereswellen.

Pulsuz fraqment bitdi.

37,82 ₼