Kitabı oxu: «Wissen, Weisheit, Wohlstand»
ROBERT M. SEIDL
WISSEN
WEISHEIT
WOHLSTAND
Nachhaltig erfolgreich durch ethisches Handeln

INHALT
Cover
Titel
Zitate
Zum Geleit (Peter Linnert)
Vorwort
Mein persönlicher Zugang
ALPHA
1. Leben, Erfolg und Glück
2. Sinn des Lebens
3. Wissen
4. Glauben und Vertrauen
5. Bewusstsein
6. Entscheiden
7. Ziele – Visionen
8. Bildung
9. Werte und Tugenden
10. Ratschläge, Mentoren, Vorbilder
11. Talente und Berufung
12. Leben und Krisen
13. Kritik und Zweifel
14. Beschleunigte Veränderung
15. Familie und Freunde
16. Balance
17. Wohlstand und Wohlergehen
OMEGA
ANHANG
Anmerkungen
Hinweis zu den Interviews
Die Interviewpartner
Quellenverzeichnis
Impressum
„Wissen sollte man durch Weisheit ersetzen, dadurch wird Sorge schwinden.
Alles nur mit dem Verstand erfassen zu wollen, wird Weisheit vertreiben.“
LAOTSE
„Das Leben ist die Summe bewusst erlebter Momente.“
ROBERT M. SEIDL
ZUM GELEIT
Dieses Buch reiht sich ein in die relativ geringe Zahl bemerkenswerter Publikationen, die sich mit dem Wertewandel im Berufs- und Privatleben auseinandersetzen. Insbesondere sind es die traditionellen Normen und Werte, die früher das Verhalten bestimmten und nunmehr infrage gestellt werden. Die heutigen „Performer“ beziehungsweise Führungskräfte pflegen zunehmend eine eher hedonistische Einstellung nach dem Motto: „Jetzt bin ich dran!“ Auch jüngere Personen sind von diesem Wertewandel betroffen. Weitverbreitet ist beispielsweise auch das Managercredo: „Die Funktion kommt vor der Person.“
Dieses Buch verdeutlicht, dass diese Auffassung nicht wirtschaftsethischen Grundsätzen entspricht. Es sind vielmehr die übergeordneten Werte wie Glaube, Vertrauen und Moral, die Einlass in die Welt des Berufslebens finden sollten. Mit Akribie und Empathie stellt der Autor, Dr. Robert M. Seidl, jene Einstellungen und Tugenden vor, die erforderlich sind, ohne Hektik und Stress, aber mit Besonnenheit, Nachdenken und Entschlossenheit Erfolg im Wirtschafts- und Privatleben zu erlangen. Überzeugend führt er in diesem Buch den Nachweis, dass Selbstverwirklichung und Wohlstand nicht ohne Disziplin, Moral und Wissen zu erlangen sind. Er plädiert in diesem Zusammenhang für eine bewusste Wirtschaftslehre, „in der der Mensch im Mittelpunkt steht“.
Seine Ausführungen wollen zum Nachdenken einladen. Der Verfasser stellt dem Leser dazu eine Fülle von Anregungen vor. Dem Autor ist zu wünschen, dass dieses Buch jene Verbreitung und Anerkennung findet, die es zweifelsohne verdient.
Prof. DDr. Dr. h. c. mult. Peter Linnert
Direktor Sales Manager Akademie
Studienzentrum Hohe Warte
VORWORT
Jeder Mensch wird zwangsweise damit konfrontiert, sein Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Nur wer dazu in der Lage ist, kann andere Menschen oder ein Unternehmen führen. Die eigene Lebensführung ist die Wurzel allen Erfolges. Prinzipiell ist jeder Mensch nicht nur mit der Selbstführung beauftragt, denn wir haben Kinder, Partner, Geschwister, Freunde, Mitarbeiter …, die wir bewusst und unbewusst führen; für die wir Vorbilder, Ratgeber oder Lehrer sind. Aus diesem Grund ist dieses Werk für jeden geeignet, der Interesse hat, im Leben weiterzukommen.
Europa zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Schon seit mehreren Jahren berichten Medien und sprechen Politiker von Wirtschafts-, Währungs- und Finanzkrisen. Eine Krise jagt die andere, und es scheint, als habe sich eine unaufhaltsame Abwärtsspirale in Bewegung gesetzt. Aber noch lebt der Mammon in der Gestalt des Konsums. Alles hat einen Wert und wird in Geld bewertet. Ursprünglich als Tauschmittel erfunden, kann es sich sogar ohne jegliche Wertschöpfung selbst vermehren. Und viele Menschen streben nach Geld, da es Sicherheit und Befriedigung aller Bedürfnisse verspricht. Die herrschende Religion ist der Materialismus, und somit hat der Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe Erich Fromm (1900 – 1980) mit seiner Einschätzung der Situation aus dem Jahr 1956 recht behalten:
„Der moderne Mensch hat sich in eine Ware verwandelt; er lebt seine Lebensenergie als Investition, mit der er entsprechend seiner Stellung und seiner Situation auf dem Personalmarkt einen möglichst hohen Profit erzielen möchte.“1
Die gesellschaftliche und politische Situation, in der Ursache und Wirkung miteinander korrelieren, beschreibt Fromm wie folgt:
„Unsere Gesellschaft wird von einer Manager-Bürokratie und von Berufspolitikern geleitet; die Menschen werden durch Massensuggestion motiviert; ihr Ziel ist, immer mehr zu produzieren und zu konsumieren, und zwar als Selbstzweck. Sämtliche Aktivitäten werden diesen wirtschaftlichen Zielen untergeordnet; die Mittel sind zum Zweck geworden; der Mensch ist ein gut ernährter, gut gekleideter Automat, den es überhaupt nicht mehr interessiert, welche menschlichen Qualitäten und Aufgaben ihm eignen. Wenn der Mensch zur Liebe fähig sein soll, muss der Mensch selbst an erster Stelle stehen. Der Wirtschaftsapparat muss ihm dienen, und nicht er ihm.“2
Aus heutiger Sicht war Erich Fromm fast ein prophetischer Vordenker seiner Epoche. Es ist an der Zeit, wenn nicht schon höchste Zeit, neue Wege zu gehen, heraus aus dem betäubenden Konsum. Wahrer Wohlstand lässt sich in Geld nicht messen, genauso wie sich der Wert eines Menschen nicht in Geld bewerten lässt. Wohlstand ist mehr als nur „Reichtum“ und wahrer Wohlstand beinhaltet auch ein Wohlergehen. Mir geht es um Wohlstand für die Natur und uns Menschen. Wir sind ein ungetrennter Teil der Natur und der Schöpfung, darum schließe ich diese nur allzu gerne mit ein. Dieses Buch handelt von Wohlstand und wie wir im Wohlstand leben können. Doch zuvor bedarf es Wissen und Weisheit.
Betrachten wir das Leben als ein Spiel, dessen Spielregeln wir bei unserer Geburt nicht kennen. Auch werden uns im Laufe unseres Lebens nicht alle Regeln auf dem Silbertablett serviert. Es gibt eine Art der Verpflichtung, selbst die Spielregeln zu „er-fahren“. Dabei geht es darum, die wirkungsvollen Spielregeln zu erkennen und anzuwenden.
Die meisten Religionen legen die Betonung auf ein verheißenes besseres Leben nach dem Tod. Wie dies funktionieren soll, ist mir schleierhaft, denn mein Streben gilt dem erfüllten und wahrhaftigen Leben vor dem Tod, im Hier und Jetzt. Dabei bin ich persönlich davon überzeugt, dass die viel zitierte „Erlösung“ oder „Erleuchtung“ nicht nach dem Tod, sondern in diesem Leben geschehen kann. Immanuel Kant schreibt dazu:
„Zum einen ist der Mensch ein Sinnenwesen, das in der eigenen Glückseligkeit seine Bestimmung als Naturwesen findet.“3
Ich lade Sie ein, gemeinsam diese andere Sichtweise zu betrachten beziehungsweise zu definieren. Diese neue Sichtweise kann Ihr Leben erheblich bereichern.
Drei besondere Unternehmer, die Sie durch das Buch begleiten
Seit Anbeginn der Menschheit lernt die jüngere von der älteren Generation. Denn neben Bildung ist es die Lebenserfahrung, die die individuelle Weisheit eines Menschen nährt. Auch bereichern persönliche Erfahrungen noch weit mehr als rein theoretisches Wissen.
Also suchte ich Menschen, die ich für das Buchthema inspirierend fand, weil ihr Wohlstand nicht nur ein pekuniärer, sondern auch ein umfassender, innerlicher ist. Auch habe ich bewusst Gesprächspartner mit ganz unterschiedlichen Biografien und Erfolgsgeschichten ausgewählt. Ausschnitte aus diesen Interviews ziehen sich durch das ganze Buch und untermauern die dargestellten Grundsätze.
KURT TEPPERWEIN, der Älteste der drei, übte in seinem Leben 19 verschiedene Berufe aus. Zurzeit (2015) beschäftigt er sich mit seiner Lebensbibliothek, in der er alle seine Lebenserfahrungen (learnings) reflektiert und zusammenfasst. Lange Zeit hielt ich ihn für einen „Esoterikpapst zweifelhaften Rufes“, bis ich ihn persönlich kennen- und schätzen lernte. Seine Lehren und Methoden wendet er in seinem Leben selbst an und verbessert diese auch nach neuesten Erkenntnissen. Dies hat zur Folge, dass Herr Tepperwein physisch wie psychisch alterslos scheint. Nicht verschwiegen werden soll natürlich, dass er im Laufe seines Lebens auch eigene sowie gesetzliche Grenzen sprengte. Durch die daraus folgenden Konsequenzen lehrte ihn das Leben, stets ethisch zu handeln. Die Authentizität sowie den jung gebliebenen Geist dieses Mannes finde ich beeindruckend. Seine Bücher und Seminare beeinflussen eine Vielzahl von Menschen.
PROF. DR. CLAUS HIPP gilt als Pionier in der ökologischen und biologischen Landwirtschaft, hat ein erfolgreiches Firmenimperium aufgebaut und „steht dafür mit seinem Namen“. Mich interessierte, wie Herr Hipp „im wahren Leben“ ist – wirkt er doch in den Werbespots für seine Produkte sehr nahbar und „auf dem Boden geblieben“. Zu meiner Überraschung musste ich feststellen, dass es zwischen der TV-Werbung und dem direkten Gespräch keinen Unterschied gibt. Auch Claus Hipp ist ein äußerst authentischer Mensch mit einem hohen Maß an Verantwortungsbewusstsein. Während Kurt Tepperwein an das eigens innewohnende Schöpferpotenzial glaubt, ist Herr Hipp bekanntermaßen eher katholisch geprägt. Aus der Familie schöpft er Kraft und Inspiration, andererseits trägt er eine große Verantwortung für das Familienunternehmen. Interessant sind auch seine anderen Fähigkeiten wie Reiten und Malen, in denen er durchaus erfolgreich ist.
In Bezug auf Familie verlief das Leben von DR. HANNES ANDROSCH, meines dritten Interviewpartners, anders. Sein beruflicher Aufstieg ging nach eigener Aussage meistens zulasten der Familie. Ich interviewte ihn, weil er der Lieblingspolitiker meines Vaters war: „Einer, der aus der Wirtschaft kommt, mit Herz und Hirn dem Volk diente und dann wieder erfolgreich in der Wirtschaft zu gebrauchen ist“, so mein Vater. Das Durchhaltevermögen und die Wirkungskraft von Herrn Androsch sind in Österreich bestens bekannt. Trotz seines Ausscheidens aus der aktiven Politik setzt er sich für einen gesellschaftlichen Wertewandel, insbesondere im Bereich der Bildung, ein. Beeindruckt haben mich unter anderem sein philosophisches Verständnis und seine fundierten interreligiösen Kenntnisse. Herr Androsch vertritt klare Standpunkte, die für das derzeit herrschende Bildungssystem revolutionärer nicht sein könnten.
Trotz der Unterschiede der drei in diesem Werk zitierten Herren haben sie einiges gemeinsam: Alle drei sind Visionäre und somit ihrer Zeit meistens voraus. Dies führte auch bei allen zu Differenzen mit bestehenden Systemen – es wurden auch gesetzliche Grenzen gesprengt, die spürbare Konsequenzen mit sich brachten. Aber das ist nicht Thema dieses Buches. Vielmehr ist mir daran gelegen, die Erkenntnisse sowie die Erfahrungen der drei Herren zu extrahieren, um damit den Lesern den oft schmerzvollen Weg der Erkenntnis zu ersparen. Das Lernen von anderen, ohne selbst alle Fehler machen zu müssen, gilt als Königsweg der Weisheit. Sie haben stets beharrlich das Unmögliche versucht, um das Mögliche zu erreichen. Bei der Wahl der Mittel war keiner fehlerlos, aber sie lernten und lernen immer noch aus den eigenen Fehlern, die in Wirklichkeit „Erfahrungen“ sind.
Kurt Tepperwein, Hannes Androsch und Claus Hipp hatten zum Interviewzeitpunkt ein Alter zwischen 75 und 81 Jahren. Alle verfügen über ein enorm hohes geistiges Potenzial, körperliche Fitness und eine ausgeprägte Herzensbildung. Nicht zu vergessen, dass sie Krieg, Hunger, Wirtschafts- und Finanzkrisen hautnah erlebten. Es wurden Notzeiten durchgestanden, die sich Menschen heute kaum vorstellen können. Aber sie sind nicht daran zerbrochen, ganz im Gegenteil: Wer sie kennt, sieht in ihren Augen Lebensfreude, Optimismus und Dankbarkeit. Von diesem Bewusstsein und ethisch geprägter Lebenseinstellung können nachkommende Generationen ungemein profitieren, und zwar besonders im Wirtschaftsleben, in dem sich Egoismus, Profitgier und Menschenausbeutung zunehmend verbreiten. Ich bin dankbar für jede Begegnung, die mein Leben ungemein bereichert hat. Dankbar, dass diese Menschen ihr Wissen, ihre Weisheit und damit auch ihren Wohlstand mit mir teilen.
MEIN PERSÖNLICHER ZUGANG
Ich war die ersten sechs Jahre meines Lebens fast blind. Mehrere Operationen an meinen Augen führten dazu, dass ich mit Unterstützung von Sehbehelfen langsam visuell diese Welt wahrnehmen konnte. In der Schule war es mir nicht möglich, von meinem Platz aus das Gekritzel der Lehrer auf der Tafel zu sehen. Trotz dieser Umstände gelangen mir ordentliche Schulabschlüsse bis zur Promotion. Ich habe sehr früh gelernt, das Wesentliche vom Unnützen zu trennen: Dabei war und bin ich neugierig, wie diese Welt denn eigentlich funktioniert. Welche Dynamiken und Gesetzmäßigkeiten hier wirken, beschäftigt mich noch immer.
In meiner jugendlichen Tätigkeit als Ministrant fand ich einige – jedoch für mich noch nicht ausreichende – Antworten, um das Leben zu führen, das ich führen wollte. In meiner Laufbahn als Techniker, Verkäufer, Manager, Geschäftsführer und Dozent lernte ich viele Menschen und deren Handlungsweisen kennen. Es gibt gebildete Menschen, die kaum Weisheit in sich tragen, es gibt ungebildete Menschen, die sehr weise sind, und es gibt gebildete Menschen, die auch sehr weise sind. Hier drängte sich mir die Frage auf, was denn „gebildet“ bedeutet. Des Weiteren bemerkte ich, dass Menschen über unterschiedliche Handlungsmotive verfügen. Meistens leiten sich diese von bewussten und unbewussten Werten ab. An dieser Stelle bedanke ich mich bei meinen Eltern, die mir durch ihr Wirken und Vorleben wahrhaftige Werte vermittelten.
Ich war und bin überzeugt, dass entsprechendes Wissen mit täglicher Umsetzung in der „Schule des Lebens“ zur Weisheit wird. Und dort, wo Wissen und Weisheit vorhanden sind, ist auch meistens Wohlstand zu finden. Zeit meines Lebens betrachte ich mich als Schüler und Lehrer. Ich weiß, dass wir viel von Menschen lernen können, die schon länger als wir selbst in die Lebensschule gegangen sind. Dies motivierte mich, Menschen zu interviewen, bei denen ich den Eindruck hatte, dass sie durch ihre Erfahrungen meine Leser und mich inspirieren können. Dieser Eindruck hat sich nach jedem Gespräch absolut bestätigt. Es ist mir eine Ehre, Wissen, Weisheit und Wohlstand mit Ihnen zu teilen.
Dr. Robert M. Seidl
Anmerkung:
Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Buch von einer geschlechterspezifischen Schreibweise abgesehen. Die verwendeten Personenbezeichnungen, personenbezogenen Begriffe und Berufsbezeichnungen beziehen sich auf beide Geschlechter.

An einem kühlen Herbsttag wanderte ein Mönch durch ein Gebirge, auf dem Weg zu einem bekannten Kloster, in dem er während des Winters seine Studien vertiefen wollte. Der Weg war lang und beschwerlich, doch der Mönch genoss die Vielfalt der Natur und die Stille, die in seinem Kloster manchmal fehlte. Innerlich war er jedoch angespannt, weil er nicht wusste, was ihn auf der Reise und im neuen Kloster erwarten würde. Sein Mentor, der Abt seines vorigen Klosters, hatte ihm gesagt, es würden große Aufgaben auf ihn warten, wenn er bereit sei, dem Leben zu vertrauen und alles, was ihm begegne, als Chance für Wachstum anzuerkennen. Doch so ganz konnte er es nicht verstehen, denn seine Füße schmerzten von dem beschwerlichen Weg mit all den Steinen und Felsen. Manchmal musste der Mönch auf allen vieren klettern, um voranzukommen. Der kalte Nordwind, der ihm ins Gesicht blies – ein Vorbote des herannahenden Winters –, mahnte ihn zur Eile; er hatte erst ein Drittel seiner zweimonatigen Reise hinter sich.
Beim Aufstieg auf ein Hochplateau, wo er übernachten wollte, bemerkte der Mönch einen Höhleneingang. „Vielleicht wäre das ein idealer Schlafplatz“, sagte er sich und lief in Richtung der Höhle. Er fragte sich, was sich wohl darin befinden würde, insgeheim aber wünschte er sich einen Rückzugsort, um endlich nach Wochen an einem trockenen und windgeschützten Platz übernachten zu können. Doch als er auf den Eingang zuging, spürte er, dass sein Wunsch vergebens sein würde. Er fühlte die Präsenz von Menschen. Der Mönch erschauerte und sein Magen schnürte sich zu. Er schlich geduckt näher, um von eventuellen Bewohnern nicht entdeckt zu werden. Nun beflügelte ihn zwar die Neugier, aber die zunehmende Angst und das schaurige Gefühl lähmten ihn.
In der Nähe der Höhle versteckte er sich hinter einem großen Stein und observierte fürs Erste den Höhleneingang. Er sah, wie Menschen Dinge hin und her trugen und miteinander in erster Linie wortlos, mittels Zeichensprache, kommunizierten. Sein Instinkt verbot ihm, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, und so wartete er. Es musste etwas Wertvolles oder Gefährliches in dieser Höhle sein, vermutete der Mönch. Aber Geduld war seine Tugend, und so konnte er seine Neugier unterdrücken, bis der Abend dämmerte. Dann sah er, wie die Menschen die Höhle in Richtung Tal verließen. Dies war die Gelegenheit, sich unbemerkt umzusehen.
Ganz langsam tastete er sich zum Eingang vor, aus dem ein Licht herausschien, das nur bei zunehmender Dunkelheit zu erkennen war. Das Licht flackerte, die Lichtquelle war also mit großer Wahrscheinlichkeit ein Feuer. Der Mönch folgte dem Licht und drang tiefer in die Höhle vor. Tatsächlich: Dort entdeckte er ein Lagerfeuer, das durch eine Steinmauer in Richtung des Höhleninneren begrenzt wurde. Das Feuer knisterte und loderte hell, anscheinend waren harte Hölzer ins Feuer gelegt worden, damit es die ganze Nacht hindurch brennen konnte. Alles wies darauf hin, dass sich hinter der Mauer etwas verbarg, es war auch ein Stöhnen und leises Atmen zu vernehmen. Die Neugier war nun stärker als die Angst, die den gesamten Körper des Mönches erzittern ließ, sodass er immer wieder Stoßgebete an Gott und Schutzheilige entsandte. Er schlich am Rand der Höhlenkammer entlang, um einen Blick hinter die Mauer zu werfen. Da sich Mauer und Feuer in der Mitte der Höhlenkammer befanden, dachte sich der Mönch, er würde von den hinter der Mauer vermuteten Wesen nicht entdeckt werden. Umrisshaft konnte er menschenähnliche Gestalten wahrnehmen, die an Schenkeln und Hals gefesselt waren.
Mit dem Rücken zum Ausgang platziert, waren die Gefangenen genötigt, auf eine Wand zu starren, die durch das Feuer im Eingangsbereich der Höhle beleuchtet wurde. Andere, die der Mönch für sich als „Kerkermeister“ bezeichnete, bewegten Gegenstände vor dem Feuer hin und her, sodass sich deren Schatten auf der Wand abzeichneten, auf die die Gefangenen starrten. Aus ihrer gefesselten Position konnten die Menschen die Herkunft von Licht und Schatten unmöglich erkennen. Sie lebten in einer von anderen Menschen kreierten Realität, ohne Bezug zu einer umfassenden Wirklichkeit. Ihre körperliche Verfassung ließ darauf schließen, dass sie sich bereits seit ihrer Kindheit in dieser Position befanden.
Trotz eines intensiven Unbehagens beobachtete der Mönch mit all seinen Sinnen das Geschehen. Er konnte feststellen, dass die Kerkermeister nicht nur Schatten, sondern auch Geräusche verursachten. Die Gefesselten versuchten diese zu interpretieren, ein Muster herauszulesen, eine Weissagung über diese „höhere Macht“ zu treffen. Es herrschte unter den Gefangenen eine Religion des Aberglaubens, in dem jener Gefangene Lob und Ehre erhielt, der die besten Prophezeiungen über Schatten und Geräusche „vorhersah“.
Der Körper des Mönchs, der in seinem Versteck kauerte, schmerzte. Jetzt erinnerte er sich an seine Gelöbnisse der Wahrhaftigkeit und Nächstenliebe, die er als Novize abgegeben hatte. Demnach wäre es jetzt seine Aufgabe, die Gefangenen zu befreien, doch er wusste nicht, wie er das anstellen sollte. In einem Gebet befragte er sein Gewissen, was das Beste in dieser Situation für alle wäre. Daraufhin beschloss der Mönch fürs Erste unauffällig zu flüchten, denn er sah keine Möglichkeit, die Gefangenen alleine zu befreien. Als die Kerkermeister sich zum Schlafen hingelegt hatten, kroch er aus seinem Versteck hervor. Auch die Gefangenen waren bereits eingeschlafen und es herrschte Totenstille. Er reckte und streckte seine steifen Glieder, dann schlich er aus der Höhle und verschwand im Dunkel der Nacht …
1. LEBEN, ERFOLG UND GLÜCK
Ich besuchte vor einiger Zeit mit einem guten Freund ein Casino, um einen schönen Abend zu verbringen, aber auch, um nach Jahren der Glücksspielabstinenz wieder einmal zu sehen, was sich da so tut. Dabei war ich doch sehr erstaunt, wie viele Menschen versuchen, mit vollem Einsatz und Verbissenheit ihr Geld zu vermehren. Jeder hofft auf das Glück, das ihn erfolgreich macht. Aber wenn ich mir die Bilanzen der österreichischen Casinos ansehe, weiß ich, dass es hier nur einen Gewinner gibt. Auch statistisch gesehen ist es unwahrscheinlich, beim Glücksspiel zu gewinnen. Wussten Sie, dass die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, höher ist als ein Lottosechser? Und trotzdem spielen Millionen Menschen diese Spiele. Für manche ist es Hobby und Entspannung, andere wiederum erhoffen sich das große Los. Dieser Eindruck veranlasste mich, das erste Kapitel dieses Buches mit dem Thema „Erfolg und Glück“ zu beginnen.
Als ich unlängst auf einer Brücke über dem Hauptbahnhof Zürich stand und die vielen Menschen unter mir beobachtete, sah das Ganze auf den ersten Blick nach Chaos aus. Ein wildes Durcheinander, in dem Menschen kreuz und quer aneinander vorbeiliefen. Wenn man aber länger hinsah, merkte man, dass jeder ein Ziel verfolgte. Jeder Mensch in diesem chaotischen Getümmel hatte einen ganz bestimmten Ort, wo er hinwollte. Dies nenne ich Ordnung hinter dem sichtbaren Chaos. Manchmal meinen wir nur, dass das Leben chaotisch ist, doch je länger wir es betrachten, umso mehr können wir hinter allem eine Ordnung erkennen.
Es ist oftmals das Streben nach Glück und Erfolg, das ein Leben überwiegend bestimmt. Dabei wird aber vergessen, dass das, wonach wir am meisten streben, sich uns entziehen kann. Oder es macht uns blind gegenüber anderen Möglichkeiten und Chancen. Im „Buch der Bücher“, der Bibel, ist dies wie folgt beschrieben:
„Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“4
Das Leben ist stets eine Gratwanderung zwischen vielen Möglichkeiten, Chancen und Gefahren. Wir werden geboren in einem Abhängigkeitsverhältnis zu unseren Eltern.
„Wenn man auf die Welt kommt, denkt man über sich nicht nach. Man ist einfach nun mal da und ist im Prinzip Opfer. Ich bin abhängig von der Mutter, kann mich selber nicht ernähren. Der Vater muss Geld verdienen, damit ich was zu essen habe. Ich werde gekleidet, ich bekomme gesagt: ‚Du musst zur Schule gehen, du musst dein Zimmer aufräumen.‘ Also ich bin in einer Welt, in der ich mich als Opfer erlebe.“5 (KT)
In weiterer Folge entstehen gesellschaftliche, wirtschaftliche und staatliche Abhängigkeiten. Doch woher erhalten wir eine Anleitung für das Leben selbst? Wir schreiben selbst die Gebrauchsanleitung des Lebens, indem wir bewusst leben. Leider bekommen wir hierzu in der Schule wenig Rüstzeug mit: Die Kinder bekommen die Köpfe mit Informationen zugestopft, lernen aber kaum, selbstständig zu denken und zu handeln. Die Religionen verlieren zunehmend an Einfluss und Bedeutung und bieten somit wenig ideelle Orientierung. Die Regierungen beschäftigen sich mit Krisen und retten Währungen sowie Banken. So entsteht ein Vakuum an staatlichen und religiösen Orientierungsvorgaben. Dies ist eine große Chance, aber auch Herausforderung für die Menschen, sich selbstbestimmt zu orientieren und dadurch frei von fremdbestimmten Ideologien zu denken.
„(…) die Kirche hat den Glauben der Gläubigen eingebüßt, die Politik die Glaubwürdigkeit der Bürger und die Banken das Vertrauen der Menschen. Das ist kein guter Zustand.“6 (HA)
Doch wer oder was kann uns inspirieren, ein geordnetes und glückliches Leben in Freiheit zu leben? Seit Menschengedenken wurden Wissen und Weisheit von der älteren auf die jüngere Generation übertragen. Bei Naturvölkern lässt sich dieses Phänomen auch noch heute beobachten. Die Industriestaaten dieser Erde befinden sich in einem digitalen Informationszeitalter. Informationen aller Art stehen jederzeit zur Verfügung. Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Information, Wissen und Weisheit: Wissen ist die Anwendung von Information, und Weisheit entsteht durch die Erfahrungen, wenn Wissen angewendet wurde.
Ein interessanter Zugang zu Wissen und Weisheit findet sich bei den amerikanischen Ureinwohnern:
„Mit einer Fülle an Wissen beginnen wir, nach Weisheit zu streben. Während sich uns die Weisheit immer deutlicher offenbart, bemerken wir, dass wir unsere größte Stärke erreicht haben. Die Weisheit wächst ebenso wie das Wissen. Wenn Wissen die Stärke des Geistes ist, dann ist Weisheit die Stärke der Seele.“7
Wir Menschen benötigen visionäre Werkzeuge für eine menschliche und naturorientierte Lebens-, Menschen- und Unternehmensführung.
Wer nicht selbst sein Leben führt, wird von anderen geführt. Wer nicht für seine Ziele arbeitet, arbeitet für die Ziele anderer.
Viele Menschen streben nach Glück und Reichtum, ohne zu wissen, was dies überhaupt ist; beziehungsweise setzen auch viele Glück mit Reichtum gleich. Bei meinen Beratungen und Seminaren höre ich immer wieder: „Ich will einfach glücklich, gesund und reich sein.“ Daraufhin stelle ich die Frage: „Was sind für dich Glück, Gesundheit und Reichtum?“ Dann wird es meistens sehr still, weil keine konkreten Vorstellungen darüber vorhanden sind. Den Reichtum einmal beiseitegelassen: Auch ich strebte jahrelang nach Glück und musste feststellen, dass es meistens nur kurze Momente sind, die sich als Glück bezeichnen lassen.
„Glück ist eine Definitionsfrage, es sind Augenblicke. Das Wienerlied sagt: ‚Das Glück ist ein Vogerl.‘ Zufriedenheit ist balancierter Seelenzustand/Gemütszustand.“8 (HA)
Nur ein andauerndes Gefühl der Zufriedenheit oder auch Dankbarkeit macht uns Menschen langfristig glücklich. Nur wer weiß, wohin er will, kommt auch dort an. Nur wenn ein Mensch sich bewusst ist, was für ihn ganz persönlich Erfolg oder Wohlstand bedeutet, kann er diesen Zustand erreichen.
„Erfolg generell ist, dass man es recht macht. Erfolg lässt sich nicht nur in Geld ausdrücken, denn keiner kann es mitnehmen. Wir werden später nicht daran gemessen, wie viel wir angehäuft haben, sondern wie verantwortungsvoll wir damit umgegangen sind.“9 (CH)
Es ist von absoluter Notwendigkeit, für Erfolg und Wohlstand eigene Definitionen und Bilder als Vision und Ziele in sich zu tragen. Wir können uns andere Lebensmodelle ansehen, doch unser eigenes Leben müssen wir selbst leben und verantworten. Dass dies ganz individuell für jeden Menschen etwas anderes ist, bestätigen die durchgeführten Interviews. Kurt Tepperwein meinte dazu beispielsweise:
„Die größten Erfolge waren erstaunlicherweise nicht die größten Ereignisse in meinem Leben. Also, wenn ich viele Firmen aus dem Nichts verwirklicht habe, wie zum Beispiel mit einem Freund zusammen die ersten gewerblichen Judoschulen in Deutschland gegründet. Weiters habe ich eine Modeboutiquenkette aufgebaut und selbst Mode designt wie auch selber produziert. Ich habe viele Dinge getan, was Leute, die mich kennen oder mich ein Stück begleiteten, als Erfolg oder gar großen Erfolg gewertet haben. Aber wenn ich jetzt von heute aus zurückblicke, war Erfolg etwas ganz anderes. Erfolg war ganz still, und ich bemerkte dies erst Monate, teilweise Jahre später. Zum Beispiel die Erkenntnis, wer ich wirklich bin. Das war für mich ein Wendepunkt in meinem Leben.“10 (KT)
Das Streben nach Glück und Erfolg ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Manchmal werde ich gefragt: „Warum gibt es so viel Schlechtes auf dieser Welt wie Hunger, Krieg, Zerstörung?“ Meine Antwort darauf lautet, dass wir derzeit die Vollkommenheit über die Unvollkommenheit erfahren.
Es liegt an jedem Einzelnen, nach Vollkommenheit, nach Höherem zu streben, um damit auch ein großes Stück weit diese Welt zu verbessern.
Als ich Hannes Androsch über seine größten Erfolge befragte, antwortete er:
„Der Lebensweg als solches. Glück ist kein Erfolg. Dass alle gesund sind, dass unsere Generation, zum Unterschied zu den vorangegangenen, eigen und selbstbestimmt ihren Weg gegangen ist (nachdem man auch den Krieg kennengelernt hat). In Frieden, Freiheit, Stabilität und zunehmendem Wohlstand und Lebensqualität den eigenen Weg beschreiten: Daraus leitet sich eine Verantwortung/Verpflichtung ab zu helfen, beizutragen, dass es auch den nachkommenden Generationen möglich ist, solche Wege zu beschreiten.“11 (HA)
Erfolg und Glück sind ein Bestandteil von Wohlstand. Dazu bedarf es des Wissens und der Weisheit.
Alles Große hat einmal klein begonnen – egal ob dies das menschliche Leben oder eine Pflanze betrifft. Es ist für mich immer noch ein Wunder, wie aus Ei- und Samenzelle, die mit freiem Auge nicht sichtbar sind, derart komplexe Wesen wie der Mensch entstehen. Genauso verhält es sich mit dem Erfolg im Leben, der auf entsprechenden Ursachen (dem sinnbildlichen Samen) gründet. Die ersten Gedanken und Schritte sind meistens klein und scheinbar unbedeutend. Doch mit entsprechender Liebe (Hingabe), Pflege und Beharrlichkeit wächst jede Saat früher oder später heran. Es geht bei diesen ersten Schritten darum, die richtigen Samen zu säen, damit wir die gewünschte Ernte einfahren.
Dieser Prozess ist kein singuläres Ereignis im Leben, sondern wir sind angehalten, immer wieder Neues zu entdecken und dadurch zu wachsen. Das bedeutet, dass wir im Laufe eines Lebens immer und immer wieder durch Denken und Handeln neue Grundlagen für unser Wachstum (das heißt Samen) setzen.
Eine buddhistische Weisheit besagt: „Glücklich ist der, der nicht nach Glück strebt“, weil das „Suchen“ stets von einem Mangel ausgeht und nicht von einer Erfüllung. Wir dürfen ein Leben lang neugierig sein und durch aktives Erfahren unsere Weisheit mehren. Wohlstand ist eine logische Konsequenz von Weisheit. Denn Wohlstand bedeutet, dass alle Bereiche im Leben „zum Wohle stehen“. Mehr dazu erfahren Sie im Kapitel „Wohlstand und Wohlergehen“.
2. SINN DES LEBENS
Wahrer Erfolg bedeutet für uns Menschen, durch das Erreichen von Zielen Sinn zu erfahren; das heißt, sich Aufgaben zu stellen, die uns innerlich ein Gefühl von Zufriedenheit stiften. Viktor E. Frankl, der Begründer der Logotherapie und bekannter Psychoanalytiker, sagte: „Wir erfahren das Leben, indem wir ihm Sinn geben.“12 Wer ein sinnvolles Leben führt, bewirkt Positives für andere Menschen. Es geht darum, den Sinn zu erkennen und auch zu leben. Als ich Claus Hipp über seine größten Erfolge befragte, antwortete er:
„Wesentlich ist, dass wir uns um die Schöpfung bemüht haben, dass wir auf biologischen Landbau gesetzt haben, Nachhaltigkeit und jetzt die Erhaltung der Artenvielfalt. Das alles in Verbindung mit Produkten. Es zu beachten, dass die Bewegung zur Nachhaltigkeit und Ökologie, die mittlerweile auch die Politik berührt, von der Wirtschaft ausgegangen ist.“13 (CH)
Dabei sah ich in die zufriedenen Augen von Herrn Hipp, der seinen Sinn im Leben gefunden und erfolgreich verwirklicht hat. Auch wenn es nicht immer leicht war, so hat er seine an den Sinn geknüpften Ziele nie aufgegeben.
Der Wirtschaftsjournalist und Gründer der Umdenk-Akademie®, Karl Pilsl, stellt sich bei seinen Handlungen die Frage: „Was haben andere Menschen davon, dass es mich gibt?“ Er definiert unter anderem den Sinn des Lebens dadurch, dass andere Menschen durch das eigene Wirken bereichert werden. Ich erlaube mir, seine Botschaft wie folgt zu erweitern: „Was hat die Schöpfung davon, dass es mich gibt?“ Die Beantwortung dieser Frage führt einen Menschen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zum Sinn des Lebens beziehungsweise zum Sinn und Zweck des eigenen Daseins.
Wir Menschen sind als soziale Wesen geschaffen. So war und ist es uns nicht möglich, allein zu überleben, wir sind auf die Interaktion mit anderen angewiesen. Es mag sein, dass im Zuge der Zivilisierung und besonders der Industrialisierung der Gesellschaft die soziale Rücksichtnahme und der Gemeinschaftssinn tendenziell abgenommen haben – die viel zitierte „Egogesellschaft“ ist die Folge. Doch im tiefsten Inneren benötigen wir Menschen den Kontakt und Austausch mit anderen. Damit meine ich nicht unbedingt die „Schicksalsgemeinschaften“, die die heutige geteilte Arbeitswelt mit sich bringt. Sondern das Bedürfnis nach Austausch und Reflexion (Feedback) mit Menschen, von denen man sich verstanden fühlt. Anerkennung spielt dabei eine wesentliche Rolle: Jeder möchte auf irgendeine Art und Weise anerkannt beziehungsweise bestätigt werden. Der Sinn des eigenen Seins spiegelt sich meist im Umfeld beziehungsweise in anderen Menschen wider. Soziales, einfühlsames wie verständiges Handeln macht einen Menschen sympathisch und erzeugt ein angenehmes Umfeld. Daher lässt sich Erfolg folgendermaßen definieren:
Erfolg bedeutet, Sinn für die Schöpfung und die Menschen als deren Teil zu schaffen.
„Unsere Erfolge haben sich auf unsere Lieferanten ausgewirkt, diese hatten einen zuverlässigen Abnehmer. Natürlich haben sich unsere Erfolge auch auf unsere Kunden ausgewirkt, dass diese eine gesunde Ernährung haben. Unsere Mitarbeiter und Beschäftigten haben einen sicheren Arbeitsplatz.“14 (CH)
Diese Philosophie von Claus Hipp sollte Vorbild sein, wie unternehmerische Tätigkeit im Einklang mit der Natur vielen Menschen Nutzen stiftet. Jeder Mensch ist ausgestattet mit einer Vielzahl von Talenten und Fähigkeiten. Diese „Gaben“ zum Wohle anderer einzusetzen, ist eine der höchsten Bestimmungen, die dem Menschen gegeben ist. Dieser grundsätzliche Sinn unseres Daseins ist für jeden gleich, doch die Ausprägung und Berufung hängt von den individuellen Talenten und Fähigkeiten ab. Nicht umsonst gibt es für den Begriff „Talent“ auch das Wort „Gabe“ – also etwas, das wir anderen Menschen „geben“ dürfen.
Das Credo für ein sinnerfülltes Leben lautet: mein Leben = meine Berufung.
Unabhängig davon, „was“ ein Mensch tut, er sollte es meiner Meinung nach mit Begeisterung und Hingabe tun. Die Gedanken und Einstellung beim Beginn einer Aufgabe sowie die Hingabe während der Durchführung sind entscheidend für eine erfolgreiche Erfüllung. Denn nur mit Begeisterung erfährt man Freude, und das, was man tut, wird auch gut.
Daher kann die Weisheit unseres Lebenssinns damit zusammengefasst werden, dass wir da sind, um begeistert nach Höherem zu streben. Darauf werde ich noch vertieft eingehen.
3. WISSEN
Fundiertes und profundes Wissen erarbeiten wir meines Erachtens in der Lebensschule. Es sind die Erkenntnisse, die wir bewusst durch Erfahrung und Lernen gewinnen und in uns speichern. Im Gegensatz dazu gibt es – positive wie negative – unbewusst aufgenommene Prägungen und Verhaltensmuster. Ein Beispiel aus dem familiären Bereich: Mein Vater isst zum Frühstück am liebsten ein Honigbrot. Jetzt raten Sie mal, was ich gerne zum Frühstück esse … Wir wurden und werden stets von anderen Menschen beeinflusst. Wir sollten uns deshalb immer bewusst machen: Was und wer bin ich? Ansonsten denken wir stets fremde Gedanken und leben ein fremdes Leben.
Information kann nur durch eigenes Hinterfragen und Anwenden zu Erfahrung und Weisheit werden.
Ich bitte Sie, nein, ich fordere Sie sogar dazu auf, nicht alles zu glauben oder zu übernehmen, was Ihnen zugetragen wird. Hinterfragen Sie, ob:
1 die Information für Sie überhaupt von Relevanz ist,
2 die Information für Sie wahr ist.
Prüfen Sie die Informationen, bevor Sie diese aufnehmen oder auch weitergeben, mit den „drei Sieben des Sokrates“, die im Kapitel „Bildung“ (S. 69) näher beschrieben sind. Das gilt auch für die Inhalte dieses Buches: Fühlen Sie in sich hinein, ob das Geschriebene grundlegend für Sie geeignet ist. Es enthält die Erfahrungen einer Generation, die teilweise Krieg, Armut, Hunger, Aufschwung, Wachstum und Wohlstand erfahren durfte.
Wissen kann über Leben und Tod entscheiden: Wenn Sie zum Beispiel zufällig zu einem Unfallgeschehen hinzukommen, können Sie mit dem richtigen Wissen um die Erste Hilfe Menschenleben retten. Als ambitionierter Bergsteiger und Segler hängt mein Leben oftmals vom Wetter ab – fundierte Informationen und die richtige Interpretation der Wetterdaten schützen mich vor Unheil. Genauso ist es im Leben. Wenn Probleme oder gar Krisen wie aus dem Nichts auftauchen, besagt eine indianische Weisheit:
„In den Stürmen des Lebens wird Wissen zur Weisheit. Darum sollten wir darauf achten, stets das richtige Wissen in uns zu tragen, um die Stürme zu meistern.“15
Manchmal nehmen wir Wissen auf, ohne zum Zeitpunkt der Aufnahme zu realisieren, welchem Zweck es dient. Oft erst Jahre danach können wir es dann anwenden. Daher ist ein grundsätzliches Wissen über die Welt, in der wir leben, unverzichtbar. In unserem Informationszeitalter ist Wissen unter Umständen „Macht“. Aus diesem Grund wurden eigene Studienfächer wie „Wissensmanagement“ an Universitäten etabliert. Wissensmanagement organisiert Daten und Informationen sowie Fähigkeiten einer Organisation mit dem Ziel, Menschen zu befähigen, die sie betreffenden Aufgaben gezielt und strukturiert zu lösen. Im betriebswirtschaftlichen Sinne gelten Informationen und Wissen sowie deren Organisation als Produktionsfaktor.
Eine meiner Erfolgsmethoden war und ist es, dass ich mich intensiv mit der Materie auseinandersetze – meist intensiver, als andere es tun. Dadurch habe ich einen Wissensvorsprung. Als ich beispielsweise beruflich vor circa elf Jahren von der Elektrotechnik in die Metallurgie wechselte, lernte ich in den ersten Jahren alles über die spezifische Metallurgie von Aluminium. Meine damaligen Kollegen und Vorgesetzten konnten meinen Wissensdurst nicht verstehen, sie gaben sich mit viel weniger zufrieden. Heute bin ich aufgrund meines umfangreichen Wissens und meinen Erfahrungen ein Experte und gefragter Berater auf diesem Gebiet.
Meine akademischen und wissenschaftlichen Studien absolvierte ich größtenteils berufsbegleitend. Der Vorteil war, dass ich theoretisch Gelerntes unmittelbar in der Praxis umsetzen konnte. Ich muss zugeben, es gab eine Zeit, in der ich „wissenssüchtig“ war, mittlerweile habe ich eine ausgewogene Balance gefunden.
Die meisten Menschen verfügen über mehr Zeit und Energie für die Wissensaufnahme, als ihnen bewusst ist. Gewohnheiten wie Fernsehen oder sonstiger unproduktiver Zeitvertreib können ohne Weiteres für die persönliche Weiterbildung verwendet werden. Die Lebenszeit ist eine begrenzte und wertvolle Ressource, vergeudete Zeit ist uneinholbar. Wussten Sie, dass das Leben bei einer angenommenen Lebenserwartung von 80 Jahren über 29.000 Tage hat? Laut Statistik verbringt der Westeuropäer jeden Tag vier Stunden mit TV-Konsum. In 80 Jahren sind das 4.800 Tage beziehungsweise 13 Jahre, die in Passivität verbracht werden! Wenn Sie Ihre Zeit vor dem Fernseher nur halbieren und die gewonnene Zeit für Wissen, Bildung und Bewusstsein einsetzen, haben Sie schon gewonnen. Es geht mir nicht darum, das Fernsehen zu verteufeln, auch ich schaue mir gerne einen Film oder interessante Dokumentationen an. Doch ich wähle mir ganz bewusst den Inhalt aus und verwende nur ein limitiertes Zeitbudget für TV und Internetsurfen.
Beginnen Sie, Ihre kostbare Lebenszeit achtsam für die Dinge einzusetzen, die Sie wirklich wollen.
Ob Fremdsprachen oder eine Spezialisierung auf bestimmte Interessengebiete: Vergessen Sie dabei nicht die Freude im Leben. Ich zum Beispiel belohne mich nach der Fertigstellung dieses Buches mit einem professionellen Segelkurs, weil mir das Segeln sehr viel Freude bereitet. Es gibt verschiedene Formen und Arten von Wissen, die über ein erfülltes Leben entscheiden. Wissen und Lebenserfahrung kann Ihnen niemand mehr nehmen, sie werden immer ein wichtiger Teil von Ihnen sein. Aus diesem Grund sind Zeit- und Geldinvestitionen in Wissen eine der besten Investitionen, die ein Mensch tätigen kann.
Die Informationsquellen in unserem digitalen Zeitalter sind gigantisch. Auch die Vielzahl von Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten sind ein Segen. Als Dozent durfte ich Menschen zwischen 25 und 72 Jahren in MBA-Lehrgängen unterrichten. Neugier, Interesse und Wissensaufnahme kennen kein Alterslimit. Ganz im Gegenteil: So bleiben Geist und Verstand fit. Ich weiß von allen drei Herren, die ich interviewen durfte, dass sie immer noch neugierig sind und sich täglich neues Wissen aneignen.
„Das Leben ist ein ständiger Lernprozess, bis es biologisch beendet ist. Dies verstehe ich nicht nur praktisch, sondern auch philosophisch unter lebenslangem Lernen. Man lernt nie aus – bis zur Urne oder bis man unter der Erde liegt.“16 (HA)
Der menschliche Geist verfügt über außerordentliche Kapazitäten: Vernunft, Unterscheidungsvermögen, Willenskraft und schöpferische Gedanken. Die Kraft der Konzentration wird nur allzu oft unterschätzt. Mittels Konzentration können wir Aufgaben effektiv wie effizient bewältigen. Ich hoffe, mit diesem Buch einen Beitrag leisten zu können, und wünsche jedem Menschen, dass er es zur richtigen Zeit in sich aufnehmen möge.
Pulsuz fraqment bitdi.