Kitabı oxu: «Lieblingsplätze Rhön»
Lieblingsplätze Rhön
Rüdiger Edelmann
Impressum
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Sofern nicht im Folgenden gelistet, stammen alle Bilder von Rüdiger Edelmann:
Rhön Marketing, Arnulf Müller 44, 108, 110; Rhön Marketing, Stefan Brähler 34; Klaus Brückner 124; Deutsche Bahn 156; Deutsches Fahrradmuseum 162; Tilman2007 commons.wikimedia.org/wiki/File:Bad_Kissingen,_Altenberg,_D-6-72-114-127,_003.jpg, Lizenz: CC BY-SA 3.0 creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en 166
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1., überarbeitete Neuauflage 2021
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Alle Rechte vorbehalten
Lektorat/Redaktion: Anja Kästle
Herstellung: Julia Franze
E-Book: Mirjam Hecht
Bildbearbeitung/Umschlaggestaltung: Susanne Lutz
unter Verwendung der Illustrationen von © SimpLine – stock.adobe.com; © SylwiaNowik – stock.adobe.com; © Susanne Lutz; © Fiedels – stock.adobe.com; © Bojanovic78 – stock.adobe.com; © VRD – stock.adobe.com; © mrr – stock.adobe.com; © Simmer2208– stock.adobe.com
Kartendesign: Susanne Lutz; © The World of Maps (123vectormaps.com)
ISBN 978-3-8392-7018-9
Inhalt
Impressum
Land der offenen Fernen
Vorwort: Eine Annäherung an die Rhön
Die Rhön – Natürlich
1 Määht für eine Region
Ehrenberg: Das Rhönschaf auf dem Spiegelshof in Melperts
2 Gesunde Kreisläufe erhalten
Hausen: Streifzug durch das Biosphärenreservat Rhön
3 Silberdistel und Quellschnecke
Ostheim: Pflanzen und Tiere im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön
4 Das Rhönschaf als Herzenssache
Oberelsbach: Kolb’s Bio-Hof in Ginolfs
5 Paradies in Renaturierung
Gersfeld: Rundgang durch das Rote Moor
6 Intakt und wanderbar
Fladungen: Naturlehrpfad Schwarzes Moor
7 Tanz der Fledermäuse
Dermbach: Das Fledermausdorf Neidhartshausen
8 Die Rhön im Kleinen
Rhönblick: Rhönkulturgarten auf der Hohen Geba
9 Poetischer Fluss
Gersfeld: Fuldaquelle auf der Wasserkuppe
10 Schutz und Erlebnis der Nacht
Fulda: Sternenpark im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön
Die Rhön – Aktiv
11 Höhenflüge aller Art
Gersfeld: Wasserkuppe – »Berg der Flieger«
12 Grandiose Sportgeschichte
Gersfeld: Deutsches Segelflugmuseum
13 Ganz in Weiß
Gersfeld: Winterfreizeitparadies Wasserkuppe
14 Fesselnd – die Rhön von oben
Hilders: Ballonfahren in der Rhön
15 Einfach erhebend
Gersfeld: Premiumwanderweg Hochrhöner
16 Raubritterschicksal
Poppenhausen: Ruine Ebersburg
17 »Man sieht nur mit dem Herzen gut«
Poppenhausen: Der Liebesweg
18 Bade-, Rast- und Wandervergnügen
Poppenhausen: Guckaisee
19 Unterwegs mit dem Lamaflüsterer
Poppenhausen: Rhön-Lamas
20 Der Kletterbrocken
Poppenhausen: Steinwand
21 Die Burg ohne Burg
Hofbieber: Milseburg bei Danzwiesen
22 Radlerparadies Rhön
Hilders: Milseburgtunnel bei Oberbernhards
23 Romantisch radeln
Kaltensundheim: Radtour durchs Feldatal bis Kaltennordheim
24 Rumkommen ohne Auto
Bischofsheim: Mit dem Freizeitbus durch die Rhön
25 Der Berg für alle(s)
Bischofsheim: Kreuzberg
26 Sportliches mitten im Wald
Bischofsheim: Kreuzbergschanzen
27 Vierspännig unterwegs
Bad Kissingen: Die Rhöner Postkutsche
28 Zehn Mühlen und ein Schloss
Bad Bocklet: Schloss Aschach und die Mühlen
29 Alle glücklich machen!
Tann: Rhönerland Zentrum in Wendershausen
Die Rhön – Historisch
30 Rhöner Ureinwohner
Unterbreizbach: Das Keltendorf in Sünna
31 Barocke Lebenslust
Fulda: Rund um den Domplatz
32 Das Schokoladenmädchen
Fulda: Stadtschloss
33 Fürstliche Zeitmaschine
Eichenzell: Schloss Fasanerie
34 Museen, Apostel und Schlösser
Tann: Rundgang durch die Altstadt
35 Lebendige dörfliche Vergangenheit
Fladungen: Fränkisches Freilandmuseum
36 Eisenbahnromantik à la Rhön
Fladungen: Museumsbahn Rhön-Zügle
37 Gut für schlechte Zeiten
Ostheim: Kirchenburg
38 Die zweite Erfindung des Rads
Schönau an der Brend: Rhönraddenkmal
39 Die Zeit gerade rücken
Ehrenberg: Stundensteine an der B 278 im Ulstertal
40 Theater, Hofkapelle und Skandale
Meiningen: Theater- und Musikstadt
Die Rhön – Lecker
41 Plootz, Dätscher, Forelle und Lamm
Oberelsbach: Rhöner Kulinarium in Ginolfs
42 Ein Duft, dem man nicht widersteht
Meiningen: Thüringer Rostbratwurst am Marktplatz
43 Der Kloß und die Hütes-Holle
Meiningen: Hotel-Restaurant Schlundhaus
44 Jürgen Krenzers Rhönerlebnis
Ehrenberg: Krenzers Rhön in Seiferts
45 Brennesselschnaps und mehr
Bischofsheim: Schaubrennerei und Gasthaus Dickas
46 Rhöner Küchenstern
Dermbach: Restaurant Rhöner Botschaft
47 Bionade brauen
Ostheim: Bionade-Stammwerk
48 Klaus kocht konsequent
Bad Bocklet: Aschacher Schlossstuben
49 Das hohe Lied der Forelle
Bischofsheim: Restaurant und Hotel Rhönhäuschen
Die Rhön – Deutsch-Deutsch
50 Russisches Sperrgebiet
Rhönblick: Spionageorte auf der Hohen Geba
51 Wie du mir …
Gersfeld: Spionageorte – Radom Wasserkuppe
52 Ich sah Dir in die Augen
Geisa: Gedenkstätte Point Alpha
53 Wanderer zwischen den Welten
Geisa: Führung am Point Alpha
54 Sperranlagen und Aktionskunst
Eußenhausen: Grenzübergang
55 Biotope, Schafe und ein Kolonnenweg
Fladungen: Grünes Band
56 Sandmann im Sandstein
Walldorf: Sandstein- und Märchenhöhle
Die Rhön – Spannend
57 Die Welt des weißen Goldes
Merkers: Erlebnisbergwerk Merkers
58 Fluch und Segen des Weißen Goldes
Heringen: Werra-Kalibergbau-Museum und Monte Kali
59 Eine Tradition fortschreiben
Hofbieber: Kunststation Kleinsassen
60 Pfundig und witzig
Hofbieber: Pfundsmuseum Kleinsassen
61 Woesinge ahoi – Karneval und Fachwerk
Wasungen: Rundgang durch die Fachwerkstadt
62 Meister der Restaurierung
Meiningen: Dampflokwerk Meiningen
63 Die Königin der Instrumente
Ostheim: Orgelbaumuseum Schloss Hanstein
64 Herzspezialisten und Feuerwehrleute
Fulda: Kinderakademie Fulda
65 Freiherr von Drais wäre stolz
Bad Brückenau: Deutsches Fahrradmuseum
Die Rhön – Entspannend
66 Vom Wandeln durch die Stadt
Bad Kissingen: Altenberg mit Sissi-Denkmal
67 Die wertvollen Dinge des Lebens
Bad Kissingen: Spaziergang durch den Kurbezirk
68 Zuhause bei Familie Kanz
Bad Kissingen: Aparthotel Hohenzollern
69 Eiserne Gesundheit
Bad Bocklet: Durch das Staatsbad flanieren
70 Ludwig, Lola und Skandale
Bad Brückenau: Staatsbad Kuranlagen
71 Romantisch ummauert
Bad Neustadt an der Saale: Spaziergang durch den Stadtkern
72 Nordseequalitäten
Bad Salzungen: Kuranlage
73 Rhöner Wohngefühl
Gersfeld: Feriendorf Wasserkuppe
74 Ferienparadies für Familien
Hausen: Rhön Park Aktiv Resort auf der Rother Kuppe
75 Kulturgeschichte des Rauchs
Oberelsbach: Deutsches Tabakpfeifenmuseum
76 Der Tischler und die fixe Idee
Sulzfeld: Schäferwagenhotel in Leinach
77 Diese Stadt hat’s drauf
Hammelburg: Spaziergang durch die Altstadt
Karte
Land der offenen Fernen
Vorwort: Eine Annäherung an die Rhön
Es ist eine gewöhnungsbedürftige Eigencharakterisierung, die die Touristiker mit der Begrifflichkeit vom Land der offenen Fernen vor einigen Jahren geschaffen haben. Sie setzt auf den weiten Blick, der von der Mittelgebirgslandschaft im Zentrum Deutschlands gegeben ist, den teilweise kahlen Kuppen, wo der Wald in früheren Zeiten der Holzwirtschaft zum Opfer gefallen ist.
Das mit dem weiten Blick mag geografisch schon lange so sein, offen waren die Fernen allerdings bis 1989 nicht. Die Rhön als Dreiländer-Gebirge war eine Region der deutschen Trennung und wahlweise DDR-Sperrgebiet oder BRD-Zonenrandgebiet. Beides drängte das heute so zentrale Mittelgebirge an den geografischen wie wirtschaftlichen Rand. Das mit der Randlage gilt letztlich sogar innerhalb der Bundesrepublik. Die Rhön als nördlichster Zipfel von Bayern wurde genauso gerne übersehen wie die Rhön als der östlichste Bereich Hessens. Aber betrachten wir das Positive dieser historischen Randlage. Sie hat dazu geführt, dass die Region heute eine einzigartige Naturlandschaft besitzt. Sie führte zum Erhalt von Tradition und zum Heimatbezug der Menschen. Rhöner sind für die Rhön geboren. So wächst eine Idylle wieder zusammen, die zusammengehört, selbst wenn die Landschaft, schon wegen des rauen Klimas, immer etwas später erblüht.
Die Rhön spielte schon in meinen Kindheitserinnerungen eine Rolle. Da gab es entfernte Verwandtschaft in einem Örtchen mit dem schönen Namen Platz und den Skizug Rhön-Blitz, der uns Frankfurter in schneereichen Wintern bis nach Gersfeld fuhr. Später waren es Winterwochenenden mit Freunden. Die Reise zur Rother Kuppe und zum Rhön Park Hotel war dunkel und kalt, und die Fahrt wollte kein Ende nehmen. Ich denke aber auch an warme Sommertage und Wanderungen durchs Rote Moor und an köstliche Forellen, die auf dem Teller leider kalt wurden, weil ich der Gräten nicht Herr wurde. Die anschließende Übernachtung im Hotel Rhönhäuschen war geprägt von Einschlafschwierigkeiten wegen der fast schon beängstigenden Stille. Da war die Geburtstagsfeier eines Kollegen, die im November 1989 in Bischofsheim-Haselbach stattfand. Der in der Rhön legendäre Saal des Gasthofs Kreuzbergschanze war gefüllt mit freundlichen Menschen, und wir erfuhren ganz nebenbei, dass bei Lokalbesitzerin Hilde schon zwei Küchenhilfen aus Thüringen arbeiteten. So machte die Geburtstagsgesellschaft dann nach und nach Trabbi-Rundfahrten über die Dorfstraße von Haselbach und die Jungs aus der »Noch-DDR« beschlossen den Abend mit mehreren Hundert D-Mark »Benzingeld«. Die Zeit ging ins Land. DDR und BRD wurden eins, und aus den Ritzen vor dem Eingang der Kreuzbergschanze wächst heute Gras. Das Lokal scheint seit Ewigkeiten geschlossen. Viele Wirte geben auf, weil sich der Betrieb nicht mehr lohnt. Andererseits bemühen sich engagierte Gastronomen erfolgreich um die Wiederbelebung der heimischen Küche.
Die Rhön zu entdecken ist historisch interessant, körperlich mitunter anstrengend, geprägt von Schneefall im April, heißen Sommertagen im Juli und lauen Sommerabenden im August. Da sind die Nachmittage mit gesundem Wasser in Bad Kissingen, die Fahrt mit dem Rhön-Zügle in Fladungen oder der Postkutsche nach Bad Bocklet. Es ist das gute Bier vom Kreuzberg, wohlschmeckender Wein aus Hammelburg, Bratwürste und Klöße aus Meiningen, Apfelsherry aus Seiferts und der RWOX (Rhöner Weideochse) aus Dermbach. Diesen bringt uns Sternekoch Björn Leist näher. Einige Rhöner sind echte Botschafter ihrer Heimat – sei es als historische Figur, als Gastgeber, als Postkutscherin, als Schäfer oder auch nur als Rhönschaf. Määh!
Die Rhön ist schön! Das klingt nach Plattitüde. Kein Wunder, auch dieser Spruch diente lange Zeit der Tourismuswerbung und feiert gerade seine Renaissance.
Rüdiger Edelmann
Die Rhön – Natürlich

1 Määht für eine Region
Ehrenberg: Das Rhönschaf auf dem Spiegelshof in Melperts
Es ist gleich, ob das Schäfchen Wolli heißt und vom Schäfer Kolb aus Oberelsbach-Ginolfs in der bayerischen Rhön stammt oder ob es bei Schäferin Julia Djabalameli auf dem Spiegelshof im hessischen Ehrenberg-Melperts auf den Weiden steht. Das Rhönschaf war und ist immer etwas Besonderes.
Lexika beschreiben es als hochbeinig, hornlos und am schwarzen Kopf unbewollt bis hinter die Ohren. In Akten des Fuldaer Hochstifts aus dem Jahre 1844 wird es bezeichnet als »gemeines teutsches Schaf in einer eigenthümlichen Art, welches selbst im Ausland unter dem Namen »Rhönschaf« gekannt wird.« Nun war und ist diese Rasse nicht von ungefähr in dieser Umgebung heimisch. Die kargen Böden der Rhön machen den Schafen nichts aus, ganz im Gegenteil, die Tiere dienen der Pflege von Streuobstwiesen und anderer magerer Böden. Im Gegensatz zur teilweise unfruchtbaren Erde, auf der sie stehen, sind die Rhönschafe selbst extrem fruchtbar und gleichzeitig unempfindlich gegenüber der feuchtkühlen Witterung. So waren sie ein Segen für die Rhöner Bauern in Sachen Wolle, Fleisch und Landschaftspflege. Umso unverständlicher ist es, dass die Tiere fast ausgerottet wurden. Gab es im 19. Jahrhundert noch mehrere Hunderttausend, so waren es 1970 nur noch 300. Der BUND Naturschutz startete 1985 das Rhönschaf-Projekt. Glücklicherweise waren die Bemühungen dank der Zusammenarbeit mit aktiven Schäfern erfolgreich. Inzwischen hat sich der Bestand bei etwas über 7.000 Tieren stabilisiert.
Gleichzeitig wurde das Rhönschaf zum Werbeträger und Botschafter seiner Heimat. Der skurrile Streit um Comicschaf Rhönhilde, das wegen seiner schwarzen Beine von humorlosen Fachleuten nicht akzeptiert wurde, ist nur eine Petitesse. Rhönhilde tritt nach wie vor auf und behauptet, es habe schwarze Strümpfe über die weißen Beine gezogen.
Der Spiegelshof bietet Rhönschafwanderungen mit Besuch der Schafherde an. Um teilzunehmen, ist eine Anmeldung über die Homepage erforderlich.

1
Schwarzer Kopf, weiße Beine. Alles rund ums Rhönschaf erfahren Sie bei Führungen auf dem
Spiegelshof
Julia Djabalameli
Waldstraße 25
36115 Ehrenberg-Melperts
06683 917859
www.spiegelshof.de
2 Gesunde Kreisläufe erhalten
Hausen: Streifzug durch das Biosphärenreservat Rhön
Als offiziell bereits wieder zusammengehörte, was noch zusammenwachsen musste, setzte die UNESCO ein Zeichen in der Rhön. Es war die Ernennung zum Biosphärenreservat im Jahr 1991. Noch heute streitet man in der Rhön darüber, ob es dafür wirklich drei Verwaltungen braucht. Doch das Biosphärenreservat erstreckt sich über drei Bundesländer, die alle eigene Bestimmungen und Voraussetzungen haben. Wichtig zu erwähnen ist, dass es nicht die ganze Rhön umfasst. Randbereiche wie Bad Königshofen, Meiningen, Bad Salzungen oder Fulda zählen nicht dazu. Trotzdem entspricht die Fläche des Biosphärenreservats ungefähr der Größe des Saarlands.
Durch die ehemalige Randlage ist die Naturlandschaft einigermaßen intakt. Deren heimatverbundene Einwohner halten weitgehend an der Landwirtschaft fest. Damit ist die Kulturlandschaft positiv geprägt, wenngleich auch in unterschiedlichen Organisationsformen. Gibt es in Thüringen Agrar-Großbetriebe, so zeichnet sich Bayern durch Nebenerwerbslandwirtschaft aus. Das Kerngebiet, die Hohe Rhön, weist neben Buchen- und Laubwäldern offene Landschaftsflächen aus, die Pate standen für den Tourismusnamen Land der offenen Fernen. Die Holzwirtschaft hatte schon vor Jahrhunderten zur Entstehung von Weide- und Grasflächen beigetragen. Innerhalb der Kernzone sind auch Moore angesiedelt. Die Artenvielfalt ist reich. Der Duden spricht bei »Biosphäre« von einem Lebensraum. Innerhalb dieses grundsätzlich intakten Bereichs warten viele Herausforderungen. Die Rhön weist zehn unterschiedliche Landschaftsformen aus: vom Ackerland über Streuobstwiesen, Fels- und Blockhalden bis zu Städten und Ortschaften oder Grünland, Gewässern und Wäldern. Darin gedeiht eine Pflanzenvielfalt, leben viele Tiergattungen und ist der Mensch zu Hause. Das Zusammenleben funktioniert aber nur, wenn sich die Einzelelemente in einem gesunden Gleichgewicht befinden. Das will nicht nur erforscht, sondern muss auch umgesetzt werden.
Die Nichtbewirtschaftung von Streuobstwiesen hat Einfluss auf Pflanzen, Vögel und Insekten, und auch wir Menschen beeinflussen das Gleichgewicht.
Jetzt aber weg von der Theorie, denn das Biosphärenreservat hat viel bewegt, und manches ist noch in Arbeit. Der Schutz von Rotmilan und Birkhuhn ist eines der Leuchtturmprojekte. Außerdem will man den ursprünglichen Baumbestand aus Buchen und anderen Laubbäumen wiederherstellen. Das bedeutet, dass im Verlauf der nächsten Jahre punktuell Nadelwald abgeholzt und durch den ursprünglichen Baumbestand ersetzt werden soll. Erst dann kann die Waldfläche geschützt werden. Alte Haus- und Nutztierrassen sollen wieder verstärkt heimisch werden. Dazu gehören unser Botschafter das Rhönschaf und sein Aufpasser der Altdeutsche Hütehund. Aber auch Rinderrassen wie das Gelbe Frankenvieh und das Rote Höhenvieh, die Thüringer Waldziege und die Bayerische Landgans sollen verstärkt gezüchtet werden. Landwirte müssen von der Notwendigkeit dieser Vorhaben überzeugt werden. Man muss dafür sorgen, dass sich die Zucht lohnt. Den Bauern will man zum Beispiel mit der Rhöner Apfelinitiative zum Erhalt von Streuobstwiesen und einem mobilen Käsereiprojekt zusätzliche Einnahmequellen eröffnen und damit den natürlichen Kreislauf fördern. Wer Schafskäse in der Direktvermarktung erfolgreich verkauft, ist auch bereit, den Schafbestand zu erhalten. So simpel ist das.
Die Herausforderungen eines Biosphärenreservats sind groß. Es soll ja kein Naturschutzgebiet eingerichtet, sondern ein natürlicher Kreislauf gefördert oder wiederhergestellt werden. Damit soll das, was die Rhön als Natur- und Kulturlandschaft ausmacht, für die Zukunft erhalten bleiben oder neu aufleben. Auch wir, als Rhönbesucher, werden damit Nutznießer einer besonderen und einzigartigen Kulturlandschaft.
Es werden viele Veranstaltungen und Führungen durch das Biosphärenreservat angeboten. Das Programm ist in allen Tourist-Informationen der Region erhältlich.

2
Geführte Biosphärenwanderungen starten etwa am Wanderparkplatz
Eisgrabenstraße 1
97647 Hausen
UNESCO-Biosphärenreservat Rhön
Bayerische Verwaltung Unterelsbacher Straße 4 97656 Oberelsbach
09774 910260
www.biosphaerenreservat-rhoen.de

3 Silberdistel und Quellschnecke
Ostheim: Pflanzen und Tiere im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön
Das Rhönschaf steht zwar als tierischer Botschafter ganz vorn, aber es könnte auch in anderen Lebensräumen prima überleben. Dies gilt jedoch nicht für alle Tiere in dieser sehr ursprünglichen Natur. Das Birkhuhn, das sonst nur noch in den Alpen vorkommt, lebt hier, außerdem der Schwarzstorch und der Rotmilan. Letzterer ist der größte in der Rhön beheimatete Greifvogel mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,70 Metern. Er wird von Naturschützern in einem besonderen Projekt betreut. Nachgewiesen für die Region ist inzwischen auch wieder die Wildkatze. Eine etwas kleinere Tierart und sicher nur für Kenner auszumachen ist die Alpenspitzmaus, die außerhalb der Alpen nur noch in der Rhön existiert. Stark gefährdete Tiere in Deutschland sind Reptilien. Nicht so in der Rhön. Blindschleiche und Ringelnatter sind in diesem Landstrich heimisch, und in den Mooren wurde sogar, als einzige deutsche Giftschlange, die Kreuzotter nachgewiesen. Einzigartig in der Rhön ist die Rhön-Quellschnecke. Trotz ihrer geringen Größe von nur zwei Millimetern ist sie sehr anspruchsvoll und reagiert empfindlich auf die Zerstörung von Quellbiotopen, wie das bei der Fassung von Quellen geschieht. Ihr Vorkommen ist deshalb inzwischen fast ausschließlich auf die Hohe Rhön beschränkt.
Die Silberdistel steht, ähnlich wie das Schaf, für die Rhön. Sie steht auf der Roten Liste der 106 gefährdeten Pflanzenarten, die hier heimisch sind. Regional auf die Moore beschränkt ist zum Beispiel die Karpatenbirke. Aber auch der Ackerrittersporn, die Echte Betonie oder der Deutsche Enzian zählen zu den bedrohten Pflanzenarten, die in der Rhön noch zu finden sind. Es ist eine der Aufgaben des Biosphärenreservats Rhön, diese Vielfalt zu erhalten. Bliebe noch zu erwähnen, dass die Rhön eines der orchideenreichsten Mittelgebirge Deutschlands ist.
Eine ausführliche Beschreibung von bedrohten Tieren und Pflanzen findet sich auf der linksstehenden Homepage des Biosphärenreservats Rhön.

3
Gefährdet, aber typisch für die Rhön: die Silberdistel.
Etwa auf dem Ostheimer-Wanderweg zu entdecken
Startpunkt: Parkplatz Burgstraße
97645 Ostheim vor der Rhön
www.ostheimrhoen.de
UNESCO-Biosphärenreservat Rhön
Bayerische Verwaltung
Oberwaldbehrunger Straße 4
97656 Oberelsbach
0931 3801665
www.biosphaerenreservat-rhoen.de
4 Das Rhönschaf als Herzenssache
Oberelsbach: Kolb’s Bio-Hof in Ginolfs
Als großes Geschäft würde Josef Kolb seine Schafherde sicher auch heute nicht bezeichnen. Aber er gehört zu den Rettern des Rhönschafs. Als der BUND im Jahr 1985 das Projekt Rhönschaf startete, wurde ihm die 41-köpfige Rhönschafherde zur Zucht und Erhaltung der Rasse übertragen. Heute umfasst seine Herde über 400 Tiere, der artgerechte Schafstall für den Winter ist neu, und die Schäferei ernährt ihn und seine Familie. Damals, so erzählt er im Rhönschafladen auf seinem Hof in Ginolfs, wollte keiner mehr Schafe züchten. Es sei unrentabel gewesen. Die Aufgabe war also ein Risiko. Aber die Rhön ohne Rhönschaf, da wäre ökologisch viel zerstört worden. Die Idee war so simpel wie einleuchtend. Das Schaf hegt unbewirtschaftete Flächen und betreibt Landschaftspflege. Der Schäfer erhöht den Bestand und verkauft das Fleisch an die Gastronomie. 1999 stellte Josef Kolb auf ökologischen Landbau um. Tierschutz durch Tiervermarktung, das musste er den Gastwirten der Region erst einmal klarmachen. Jürgen Krenzer aus Seiferts war der Erste, der einstieg, und langsam entwickelte sich das Projekt.
»So weit die Theorie, jetzt fahren wir zur Herde«, sagt Kolb. Zwischenstation ist der Stall, außerhalb des Dorfs. Muttertiere und Lämmer leben hier, im Winter alle Tiere. Gefüttert werden sie mit Biofutter. Die eigentliche Herde steht oberhalb des Dorfs. Die Schafe sind den ganzen Sommer draußen, in luftiger Höhe. Der Blick über die Berge und in die Täler des Grabfelds ist fantastisch.
Kolb vermarktet die Lämmer. Nach acht Monaten wird geschlachtet. Fleisch, Wurst, Wollwaren, Fell, alles ist im Rhönschafladen erhältlich, der gleichzeitig als Dorfladen für die Anwohner dient. Natürlich beliefert Kolb auch Restaurants. Der Kreislauf wurde geschlossen, das Rhönschaf gerettet.
Urlaubsgäste können Betrieb und Schafherde ansehen. Dabei erfährt man alles rund ums Rhönschaf. Kinder können selbstverständlich mit zur Herde.

4
Kolb’s Bio-Hof
Friedhofsweg 4
97656 Oberelsbach-Ginolfs
09774 8186
www.rhoenschaf-laden.de
5 Paradies in Renaturierung
Gersfeld: Rundgang durch das Rote Moor
Die Ankunft am Parkplatz Moordorf an der B 278 zwischen Ehrenberg und Bischofsheim ist noch wie bei jedem beliebigen Waldparkplatz: reichlich Fahrzeuge, eine geteerte Fläche. Der Tag meines Besuchs ist ein wirklich heißer. Noch ein Schluck aus der Wasserflasche, und mit dem Wissen, bei meiner Rückkehr einen schwarz lackierten Glutofen vorzufinden, überquere ich die Landstraße und wandere durch den kühlen Wald. Das Paradies erreiche ich nach etwa zehn Minuten. Ich stehe am Moorteich und versuche, ein Stockentenpaar im Schilf zu fotografieren. Das Klicken des Kameraverschlusses scheucht die Vögel auf und ich stelle fest: »Mein Gott, ist das ruhig hier.« Es ist Dienstagnachmittag, und am Ende meines Rundgangs werden mir gerade mal zwei Personen begegnet sein. Zu hören ist nur das Rauschen des Windes in den Karpatenbirken, die links und rechts vom durch das Moor führenden Bohlenweg stehen, und Vogelgezwitscher. Als Nicht-Ornithologe bleibe ich die Antwort schuldig, ob es sich um den Ruf von Sumpfrohrsänger, Kiebitz oder Waldschnepfe handelt. Eine knappe halbe Stunde bin ich unterwegs bis zum Aussichtsturm. Von dort aus hat man einen guten Ausblick auf den Teil des Moores, der renaturiert wird.
Das Rote Moor war lange ein Sorgenkind. Das, was nach der Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren wuchs, wurde in knapp 175 Jahren fast ruiniert. Der Abbau von Torf dauerte bis 1984 an, doch bereits fünf Jahre zuvor hatte man mit der Rettung des Moors begonnen. Durch den aufgestauten Moorteich kam die Feuchtigkeit zurück. Das Moor wurde als Naturschutzgebiet ausgewiesen und ist heute ein wesentlicher Bestandteil des Biosphärenreservats Rhön. Ein Moorlehrpfad informiert mit Schautafeln über Umweltschutz, Flora und Fauna. Er lädt im Sommer Wanderer und im Winter Skilangläufer zur Erkundung des Roten Moors ein.
Von Anfang Mai bis Ende Oktober werden dienstags geführte Wanderungen durchs Rote Moor angeboten. Startpunkt ist der Parkplatz Moordorf.

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Alles Wissenswerte rund ums Rote Moor erfahren Sie beim
NABU-Haus am Roten Moor
Wanderparkplatz »Moordorf« an der B 278
36129 Gersfeld
09772 930517
www.nabu-hausamrotenmoor.de
6 Intakt und wanderbar
Fladungen: Naturlehrpfad Schwarzes Moor
Die Hochrhönstraße führt direkt bis zur Infostelle Schwarzes Moor. Wer hier sein Auto abstellt, ist nur noch wenige Meter vom Beginn des Moorlehrpfads entfernt. Der ist gut ausgebaut. Ein Bohlenweg führt den Besucher zu den wichtigsten Stellen eines der bedeutendsten Hochmoore in Mitteleuropa. Dass es, im Gegensatz zum Roten Moor, noch völlig intakt ist, liegt daran, dass es bereits 1939 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. 66 Hektar Fläche, die jetzt schon über 70 Jahre sich selbst überlassen sind, garantieren das perfekte Moorerlebnis mit einer Torfdecke von über sechs Metern in der Mitte.
Der romantische Schauer eines Moores entwickelt sich vermutlich erst während der rund 200 jährlichen Nebeltage, wenn Schwaden über das Gelände ziehen. Keine Angst, auf dem Bohlenpfad ist man trotzdem sicher. Bei Schnee- und Eiswetterlage wird er allerdings gesperrt. Als ich dort war, herrschte Hochsommer, und der Gang über den rund zwei Kilometer langen Pfad war ein Klacks. Die wenig bewachsene Fläche am Beginn des Weges mit Aussichtsturm wirkt erst einmal langweilig. Der Charme entfaltet sich erst, wenn man ein Stück gegangen und hinter dem abschirmenden Wäldchen angelangt ist. Hier wird es erkennbar feuchter. Am Lehrpfad befindet sich auch ein künstliches Moorbecken zum Stapfen im Matsch. Eine Fußwaschanlage ist im Sommer vorhanden. Wer nicht so weit gehen möchte, kann den 2007 erbauten Aussichtsturm erklimmen und sich von dort ein Bild machen.
Wer Glück hat, sichtet im Moor das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn oder auch mal einen Fuchs, Baummarder oder Iltis. Am Himmel sieht man den Rotmilan. Mit 1,70 Metern Flügelspannweite ist er der größte Greifvogel der Rhön. Es gibt sogar Kreuzottern, die einzige giftige bei uns beheimatete Schlangenart. Der Lehrpfad vermittelt Flora und Fauna eindrücklich, und der Ausflug ist perfekt.
Von Mai bis September werden Führungen durchs Moor angeboten. Das Infozentrum Haus der Langen Rhön in Oberelsbach gibt Auskunft unter 09774 910260.

6
Startpunkt für den Naturlehrpfad Schwarzes Moor und Anlaufstelle für Informationen darüber ist die
Infostelle am Schwarzen Moor
Schwarzes Moor 1
97650 Fladungen
09778 748516
www.biosphaerenreservat-rhoen.de
7 Tanz der Fledermäuse
Dermbach: Das Fledermausdorf Neidhartshausen
Es ist wenig bekannt über den etwas verschlafenen Ort Neidhartshausen im Feldatal. Eine Burg aus der Zeit um das Jahr 450 gab es einst, Überreste davon finden sich jedoch keine. Die Dorfchronik weist einige Bauernhaus- und Scheunenbrände im 19. und 20. Jahrhundert aus. Das Örtchen hat um die 350 Einwohner. Diesen steht eine mindestens doppelt so große Fledermauspopulation gegenüber. Unter dem Dach der Ortskirche befindet sich die Wochenstube des Großen Mausohrs, und auch in der Fachwerkstraße, mit elf aneinandergebauten Scheunen, sind die Fledertiere zu Hause.
Angesichts der großen Zahl hat man sich der Fledermäuse in Neidhartshausen angenommen. Tierschützer und NABU-Mitglieder sorgen seit geraumer Zeit für ihren Schutz und fordern auch die Dorfbewohner auf, eine fledermausfreundliche Umgebung zu schaffen. Naturschützer konstatieren, dass die Umgebung des Feldatals ökologisch sehr gut intakt sein muss, denn Pestizide in der Landwirtschaft und giftige Holzschutzmittel sind verantwortlich für den reduzierten Bestand der Tiere in vielen Regionen.
Seit einigen Jahren versucht Neidhartshausen, aus den fliegenden Mitbürgern touristisch ein wenig Kapital zu schlagen. Tagsüber kann man sich auf dem Fledermauspfad mit ihnen vertraut machen. Auf dem knapp zwei Kilometer langen Weg nach Zella gibt es Schautafeln und kleine holzgeschnitzte Reliefs.
Abends werden Ortsführungen rund um die Fledermaus angeboten und man begibt sich mit geschulten Führern auf die Suche nach dem »Vampir von morgen«. Mit sogenannten Bat-Detektoren wird die Echoortung der Fledermäuse hörbar gemacht. Das Projekt wird artenschutzgerecht betreut. Biologe Martin Biedermann kümmert sich um alle Vorhaben und um die »große Wochenstube« über der Kirche. Im Lauf von 15 Jahren ist diese von 250 auf über 800 weibliche Tiere gewachsen.
Individuelle Führungen ab zwei Personen gibt es nach Vereinbarung mit Gästeführerin Frau Markert (036964 93635).

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Neidhartshausen
Startpunkt Fledermauspfad: Parkplatz an der Propstei
Goethestraße
36466 Dermbach-Zella
Informationen:
Gemeinde Dermbach
Hinter dem Schloß 1
36466 Dermbach
036964 880
www.dermbach.de
8 Die Rhön im Kleinen
Rhönblick: Rhönkulturgarten auf der Hohen Geba
Der Rhönkulturgarten ist ein besonderes Projekt. Wer Flora und Geologie des Mittelgebirges Rhön entdecken will, ist hier goldrichtig. Auf dreieinhalb Hektar konzentriert, lässt sich ein großer Teil der gefährdeten Pflanzenarten der Rhön begutachten. Es sind zudem Steinhügel aufgetürmt, die einen Einblick in die Bodenstruktur dieses Landstrichs geben. Dennoch ist es kein Lehrpfad. Viele Dinge stechen nicht auf den ersten Blick ins Auge, aber das ist Absicht. Es soll ein Garten im besten Sinne sein. Entspanntes Spazierengehen, sich erholen und dabei Informationen aufnehmen.
Zur Zeit der Sperrung des Berges durch die sowjetische Armee wurde auf dem Gelände eine Radarstation betrieben. Auf den Hügeln standen Kettenfahrzeuge mit Überwachungstürmen. Heute befindet sich hier der unscheinbare Eingang zum Rhönkulturgarten mit Schutzhütte und gleich links eine Minikeltensiedlung. Ich laufe einfach los, bin fasziniert von den Distelpflanzen im vorderen Bereich und erreiche wenig später eine Art Streuobstwiese. Die Anpflanzung unterschiedlicher alter Apfelsorten zeichnet die Wiese aus. Hier sehe ich dann die ersten Beschriftungen. Nun bin ich kein Botaniker, und deshalb fällt es mir schwer, alle Halme und Kräutlein zuzuordnen. Dem Garten täte es im Sinn seiner Aufgabe gut, wenn einige Schilder mehr aufgestellt würden. Immerhin die lila blühende Echte Betonie kann ich ausmachen. Sie ist ein typischer Vertreter auf dem nährstoffarmen Boden der Rhön. Nichtsdestotrotz gehen ihre Bestände stark zurück.
In einiger Entfernung auf der rechten Seite ragt ein Exradarhügel in den Himmel. Ich steige hinauf, um den Ausblick zu genießen. Es ist still und die Abendsonne scheint. Die Hohe Geba, lese ich später, sei das verkleinerte Abbild der Hohen Rhön. Wenn ich mich an die Aussicht erinnere, kann ich nur sagen: stimmt. Und schön ist sie.
Die Hohe Geba ist ein guter Ausgangspunkt für weitere Naturwanderungen durch die thüringische Rhön.

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Rhönkulturgarten
Hohe Geba
98617 Rhönblick-Geba
www.hohe-geba.de
9 Poetischer Fluss
Gersfeld: Fuldaquelle auf der Wasserkuppe
Die Fulda ist nicht nur der längste Fluss Hessens, sondern wohl auch der poetischste. Ich glaube nicht, dass es ein weiteres Gewässer gibt, das an seinem Anfang wie auch am Ende über ein Gedicht auf einer großen Tafel verfügt. Die Poesie des Zusammenflusses, »Wo Fulda sich und Werra küssen, sie ihren Namen büssen müssen …«, gehörte zum festen Bestandteil der Heimatkunde. Aber in der Rhön konnte ich auch ein Fuldaquellen-Gedicht lesen: »Hier halte Rast! Dich labt die Quelle der Fulda, die mit klarer Welle den Berggruß rauschend trägt einher, sie wächst zur Werra hingezogen, zum deutschen Strom und senkt die Wogen als Weser schiffbelebt ins Meer.«
Wer diese Zeilen unterhalb der Wasserkuppe liest, hat vielleicht schon einen Schluck Quellwasser getrunken. Dann gehört er meist zu den Wanderern oder Radfahrern, die kurz nach dem Start oder vor dem Ziel eine Erfrischung brauchen. Die Quelle ist auch mit dem Auto problemlos erreichbar und liegt, gut beschildert, gegenüber einer großen Parkfläche an der Straße von Gersfeld zum höchsten hessischen Berg. Streng genommen gibt es zwei Fuldaquellen, die nicht ganz echte bekam vor vielen Jahren vom Rhönclub ihre repräsentative Einfassung und die Gedichttafel. Die wirkliche Fuldaquelle liegt höher, knapp unterhalb des Berggipfels. Sie wurde zur Trinkwasserversorgung genutzt, als man mit der Bebauung der Wasserkuppe begann. Das Wasser des Überlaufs wurde per Rohrleitung an die heutige Stelle geführt. Aber sei es drum, wer keine wirkliche Mündung hat, braucht auch keine echte Quelle. Die namensgebende Stadt ist von diesem Ort rund 30 Kilometer entfernt und liegt knapp 700 Höhenmeter tiefer.
Die erwähnten Radfahrer kommen nicht von ungefähr zur Fuldaquelle, denn hier beginnt der Fulda-Radweg-R1. Begeisterte Sportler radeln ihn gerne in seiner ganzen Länge von 255 Kilometern ab.
Die Extratour Guckaisee des Hochrhöner und der Rundwanderweg Wasserkuppe führen Wanderer ebenfalls an der Fuldaquelle vorbei.

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Die Anfahrt zur Wasserkuppe erfolgt gut beschildert von 36129 Gersfeld aus über den Hochrhönring.
Fuldaquelle
Wasserkuppe
36129 Gersfeld
www.wasserkuppe.net/fuldaquelle
10 Schutz und Erlebnis der Nacht
Fulda: Sternenpark im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön
In weiten Teilen Deutschlands und der ganzen Welt herrscht Lichtverschmutzung. Künstliches Licht hellt den Nachthimmel unnatürlich auf. Die Rhön bildet in einigen Gebieten eine Ausnahme und besitzt natürliche Nachtlandschaften. Bei klarem Himmel kann man nicht nur zahlreiche Sterne sehen, eine dunkle Nacht schützt zudem den Lebensraum von Pflanzen und nachtaktiven Tieren. Ein Sternenpark soll diese Gebiete schützen, was in Zeiten von exzessiver Straßenbeleuchtung und Industriegebieten, in denen rund um die Uhr gearbeitet wird, nicht einfach ist. Zusätzliches künstliches Licht soll in der Rhön möglichst gar nicht, oder wenn, nur unter strengen Auflagen, zugelassen werden.
2014 wurde der Sternenpark im Biosphärenreservat Rhön offiziell von der Dark-Sky Association anerkannt. Seitdem versucht man den Spagat zu meistern zwischen Lichtberatung von Gemeinden und Privatfirmen sowie touristischer Nutzung zur Aufklärung, Information und zum Vergnügen. Dazu ist unter anderem der Verein Sternenpark Rhön gegründet worden. Zertifizierte Führungen bieten Sternguckerwanderungen, eine Mondbeobachtung und zum Beispiel eine Nachttour auf die Milseburg und zum dortigen Keltenwall. Bei klarer Witterung lässt sich von der Wasserkuppe, der hohen Geba oder aus dem Schwarzen Moor und der Langen Rhön der Nachthimmel betrachten. Für nächtliche Alleinwanderer gibt es zahlreiche Broschüren zur Anleitung.
Auf der Internetseite des Sternenparks bekommt man gute Tipps für den richtigen Zeitpunkt der Himmelsbeobachtung, die jahreszeitlich korrekten Sternkarten und kleine Ratschläge, wie man seine Augen am besten an die Dunkelheit gewöhnt: Rote Filterfolie auf die Taschenlampe zu kleben verhindert, dass sich der Gewöhnungseffekt der Augen immer wieder verzögert. So wird die Rhön in tiefer Nacht zum idealen Lieblingsplatz für Sterngucker.
Ein Flyer mit den wichtigsten Informationen und Tourenangeboten steht Interessierten auf der Homepage des Sternenparks zum Download bereit.

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Sternenwanderungen werden organisiert vom Verein Sternenpark Rhön e.V.
www.verein-sternenpark-rhoen.de
Informationen:
Sternenpark im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön
Wörthstraße 15
36037 Fulda
0800 9719772
www.sternenpark-rhoen.de
Die Rhön – Aktiv

11 Höhenflüge aller Art
Gersfeld: Wasserkuppe – »Berg der Flieger«
Wer ein Fan von Höhenflügen ist, der kann mit einem Ausflug auf die Wasserkuppe nichts falsch machen. Hessens höchste Erhebung und gleichzeitig der höchste Berg der Rhön überragt mit seinen 950 Metern das Mittelgebirge nur unmerklich. Je nach Perspektive sieht der 75 Meter niedrigere benachbarte Pferdskopf sogar höher aus. Vielleicht liegt es daran, dass die Wasserkuppe ein Hochplateau ist ohne wirklichen Gipfel. Genau das ist jedoch ein Glück für alle, die von hier abheben möchten.
Auf den ersten Blick ist die Wasserkuppe ein typischer Ausflugsberg. Restaurants, Imbiss, Andenkenladen und ein SB-Restaurant im Flugplatzgebäude. Halt, hier wird es anders. Dem Namen »Berg der Flieger« wird die Wasserkuppe wahrlich gerecht. Alles fing 1910 an. Da starteten Schüler aus Darmstadt die ersten Flugexperimente. Ein Jahr später reichte es schon zum ersten Flug, und 1922 eröffnete die erste Segelflugschule der Welt. Heute geht flugtechnisch eine Menge mehr. Die Segelflieger werden auf der geteerten Startbahn von kleinen Motorflugzeugen in den Himmel gezogen. Bei guter Thermik stauen sich Flugzeuge und Piloten, die nach oben transportiert werden wollen. Segelflugzeuge üben eine besondere Faszination aus, wenngleich die Furcht vorm Absturz bei den Zuschauern oft überwiegt. Wer sich aber traut einzusteigen, wird überwältigt sein von der großen Ruhe, die am Himmel herrscht, wenn man ohne Antrieb und nur mithilfe der Thermik unterwegs ist. So zumindest erging es mir bei meinem ersten Flug. Die Segelflugschule bietet für alle Neugierigen selbstverständlich Rundflüge an. Wahlweise geht es mit einem der kleinen Motorflugzeuge oder mit einem Segel-Doppelsitzer nach oben, und man wäre nicht der erste Mitflieger, der im Anschluss eine Ausbildung beginnt. Natürlich kann hier auch das Motorfliegen erlernt werden. Für diejenigen, die lieber am Boden bleiben, werden Kurse im Modellfliegen angeboten. Da kann jeder mitmachen. Schaden an Leib und Seele ist ausgeschlossen.
Übertroffen wird die Fliegerei von den echten Abenteurern, die sich mit Hängegleitern in die vermeintliche Tiefe stürzen. Begeisterte Drachenflieger meinen, auch das sei risikoarm. Immerhin schaut die Flugschule Papillon auf erfolgreiche Ausbildungsjahre zurück. Man habe einige Meister des Sports fit gemacht. Bliebe noch zu erwähnen, dass auch die Technik des Gleitschirmfliegens erlernt werden kann. Kein Absturz in rund 40 Jahren, betont man. Ich konnte mich trotz großzügigen Angebots nicht einmal zu einem Tandemflug durchringen.
Auch wer sicheren Boden unter den Füßen vorzieht, kann einiges unternehmen, Wandern oder Spazierengehen zum Fliegerdenkmal. Es erinnert zwar an abgestürzte Piloten, allerdings nicht an Segelflieger, sondern an die Feldpiloten des Ersten Weltkriegs. 1923 eingeweiht, steht es heute eher am Rande der Wasserkuppe. Die Spitze der aufgetürmten Basaltsteine krönt eine Adlerplastik. War das Denkmal während der Nazizeit ein Heiligtum, so diente es nach 1945 US-Soldaten als Ziel für Schießübungen. Bei einer Instandsetzung des Adlers mussten 69 Durchschüsse geflickt werden.
Wer rodeln möchte, kann das auf der Wasserkuppe auch im Sommer. Die Ski- und Rodelarena Wasserkuppe bietet unterschiedliche Attraktionen. Auf der Sommerrodelbahn saust man mit einem Spezialschlitten etwa 700 Meter ins Tal. Da die beiden Metallkanäle parallel verlaufen, sind sogar Wettfahrten möglich. Der einen Kilometer lange Rhönbob fährt auf Schienen um reichlich Kurven und über Wellen. Auch im Hexenbesen geht’s wild her. Der Zweisitzer hängt an einer Schiene und bewegt sich während der Fahrt in alle Richtungen. Natürlich ist ein ausgefeiltes Sicherungssystem vorhanden. Im Vergleich zu Karussells auf dem Rummel ist die Rodelarena ein preiswertes Vergnügen.
Wer vom Freiluftvergnügen Hunger bekommen hat, findet im nahe gelegenen Restaurant Peterchens Mondfahrt eine ausgezeichnete Küche und nettes Personal.

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Fliegerschule Wasserkuppe
Wasserkuppe 1a
36129 Gersfeld
06654 364
www.fliegerschule-wasserkuppe.de
Papillon-Wasserkuppe
Wasserkuppe 46
36129 Gersfeld
06654 7548
www.wasserkuppe.de

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Älteste Segelflugschule der Welt: Flugplatz Wasserkuppe
Reichlich Vergnügen am Boden bietet die
Ski- und Rodelarena Wasserkuppe
Wasserkuppe 60
36129 Gersfeld
06654 632
www.sommerrodelbahnen-wasserkuppe.de
Pulsuz fraqment bitdi.