Kitabı oxu: «Raus in den Wald»

Şrift:

RUDOLF NÜTZEL


RAUS IN DEN
WALD

40 UNGEWÖHNLICHE OUTDOOR-IDEEN FÜR JEDERMANN VOR DER HAUSTÜR


Inhalt

Vorwort

Einleitung

Waldabenteuer im Alltag

1Kleine Baumkunde

2Sträucher des Waldes bestimmen

3Pilze erkennen und sammeln

4Exoten im Wald suchen

5Wald vor der Haustür

6Lieblingswald

7Wald der Kindheit und Jugend

8Geheimnisse im Fichtenforst

9Herbstzauber im Wald

10Wechsel der Jahreszeiten

11Waldtiere im Tierfreigehege

12Eine Hirschbrunft erleben

13Rehe statt Möbelhaus

14Der frühe Vogel fängt den Wurm

15Wo der Birkhahn balzt

Perspektivwechsel

16Übernachten im Wald

17Auf der Suche nach der Urwaldfledermaus

18Uhus im Herbst

19Perspektivenwechsel vom Baumwipfelpfad

20Mit dem Stechkahn durch den Schluchtwald

21Mit dem SUP zur Waldinsel

22Am Karfreitag um den Trauchberg zur Wieskirche

23Großer Arber in einem Tag ab München

24Winterwanderung zum dicksten Bergahorn Deutschlands

25Krimi im Wald: Goldsuche am Alatsee

26Am Fluss entlang zu den Loisachquellen

27Wald unter der Eiger-Nordwand

28Mit einem alten Forstmeister unterwegs

29Mit einer Rangerin unterwegs

30Baden mit dem Waldbademeister

31Keltenschanzen im Wald entdecken

32Verlassene Orte im Wald suchen

33Glasproduktion im Wald

In den letzten Urwäldern Mitteleuropas unterwegs

34Im Urwald Kubany

35Im Urwald Höllbachgspreng

36In der Sächsisch-Böhmischen Schweiz

37Zu den Zirben im Naturwald - reservat Wettersteinwald

38Im Naturwaldreservat Achrain im Westallgäu

39Skandinavisches Abenteuer auf der Durchreise

40Im Urwald auf der Insel Vilm

Register

Impressum


Wie klein ein Mensch doch ist im Vergleich zu den Dimensionen, die Bäume auch nach der Fällung noch haben.


Der Vogelbeerbaum bietet reichhaltige Nahrung. Der Winter kann kommen.


Der junge Mäusebussard hat Hunger. Wo ist die Maus?

Kapitelübersicht

Waldabenteuer im Alltag

1Kleine Baumkunde

2Sträucher des Waldes bestimmen

3Pilze erkennen und sammeln

4Exoten im Wald suchen

5Wald vor der Haustür

6Lieblingswald

7Wald der Kindheit und Jugend

8Geheimnisse im Fichtenforst

9Herbstzauber im Wald

10Wechsel der Jahreszeiten

11Waldtiere im Tierfreigehege

12Eine Hirschbrunft erleben

13Rehe statt Möbelhaus

14Der frühe Vogel fängt den Wurm

15Wo der Birkhahn balzt

Perspektivwechsel

16Übernachten im Wald

17Auf der Suche nach der Urwaldfledermaus

18Uhus im Herbst

19Perspektivenwechsel vom Baumwipfelpfad

20Mit dem Stechkahn durch den Schluchtwald

21Mit dem SUP zur Waldinsel

22Am Karfreitag um den Trauchberg zur Wieskirche

23Großer Arber in einem Tag ab München

24Winterwanderung zum dicksten Bergahorn Deutschlands

25Krimi im Wald: Goldsuche am Alatsee

26Am Fluss entlang zu den Loisachquellen

27Wald unter der Eiger-Nordwand

28Mit einem alten Forstmeister unterwegs

29Mit einer Rangerin unterwegs

30Baden mit dem Waldbademeister

31Keltenschanzen im Wald entdecken

32Verlassene Orte im Wald suchen

33Glasproduktion im Wald

In den letzten Urwäldern Mitteleuropas unterwegs

34Im Urwald Kubany

35Im Urwald Höllbachgspreng

36In der Sächsisch-Böhmischen Schweiz

37Zu den Zirben im Naturwald-Reservat Wettersteinwald

38Im Naturwaldreservat Achrain im Westallgäu

39Skandinavisches Abenteuer auf der Durchreise

40Im Urwald auf der Insel Vilm


Diese alte Eiche stand schon in der Deuringer Heide, als der Autor noch ein Kind war.

Vorwort

Unser Leben findet mittlerweile mehr digital als analog statt: Viele sitzen täglich stundenlang vor ihren Laptops und Smartphones. Wo bleibt da das Abenteuer? Statt digitaler Langeweile brauchen wir mehr Spannung, Risiko und Ungewissheit. Dabei wartet das Großartige oft direkt vor der Haustür, in der Natur, im Wald hinter der Siedlung. Abenteuer im Wald müssen nicht lange dauern und die Sensation ist oft im Kleinen ganz in der Nähe zu finden. Es lohnt sich daher, gleich den nächsten Wald zu erkunden, wo es noch viel Unbekanntes zu entdecken gibt. Waldabenteuer sind meist kostenlos oder für wenig Geld zu bekommen. Es braucht keine Spezialausrüstung und kein Training.

Ich persönlich bevorzuge die Entspannung nach Feierabend in den nahen Wäldern ohne Übernachtung oder den mehrstündigen Trip am Wochenende. Outdoorabenteuer sind aber auch beim Spaziergang im Park während der Mittagspause möglich. Ein huschendes Eichhörnchen, das Beobachten einer kriechenden Schnecke oder ein melodiöser Vogelgesang erfreuen unser Herz und erzeugen schöne Erinnerungen.

In der Natur sollte rücksichtsvolles Verhalten eine Selbstverständlichkeit sein. Dies bezieht sich ausdrücklich nicht nur auf Schutzgebiete, sondern gilt generell überall dort, wo wir Wildtiere beobachten oder Pilze und Pflanzen entdecken wollen.

Für mich ist der Wald ein Ort, um Kraft zu tanken. Im Wald kann ich mich aber auch mit der natürlichen Umwelt verbunden fühlen und über den Sinn des Lebens nachdenken, Freude am Leben haben und glücklich sein. Brechen auch Sie auf und tauchen Sie ein in Ihre eigenen Waldabenteuer. Dieses Buch gibt Ihnen Inspirationen für Ihre persönlichen Entdeckungen in unseren Wäldern zwischen Ostsee und Alpen.

Viel Spaß bei Ihren Waldabenteuern wünscht Ihnen

Dr. Rudolf Nützel

Einleitung

Vorfreude ist die schönste Freude! Dies bestätigt die Gehirnforschung. Zwischen Bäumen, Sträuchern, Farnen, duftendem Moos und Pilzen die Zeit zu verbringen, kann bereits im Vorfeld Glücksgefühle erzeugen. Denn mit einem Aufenthalt im Wald verbinden wir oft positive Erinnerungen. Schon der Gedanke, in den Wald zu gehen, ist eine emotionale Reaktion auf zukünftige positive Ereignisse. Unsere Vorfahren haben jahrtausendelang zwischen den Bäumen und von den Früchten der Bäume und Sträucher gelebt. Deshalb steckt uns der Wald quasi in den Genen. Wald steht für Sehnsüchte, sinnliche Erlebnisse, Emotionen. Das Zwitschern der Vögel, das Rauschen der Blätter, die beruhigenden Farben, all dies wirkt sich stimulierend auf unsere Gesundheit aus. Medizinische Untersuchungen zeigen, dass unser Immunsystem durch einen Waldbesuch positiv beeinflusst wird. Bäume produzieren chemische Verbindungen, die beispielsweise unseren Blutdruck senken und für Entspannung sorgen.

Was ist ein Waldabenteuer?

Der Abenteuergrad eines Waldausflugs wird sicherlich von Individuum zu Individuum unterschiedlich aufgefasst. Beim Waldabenteuer geht es uns darum, das gewohnte Umfeld zu verlassen, um etwas zu unternehmen, das interessant, faszinierend zu sein verspricht und bei dem der Ausgang ungewiss ist. Nehmen Sie sich die Zeit, die Natur in all ihrer Schönheit und Wildheit zu entdecken. Positive Empfindungen gelingen leichter, wenn man entspannt ist. Schon allein in den Wald zu gehen, die Augen zu schließen und die unterschiedlichen Geräusche wahrzunehmen, kann nach mehreren Stunden Bildschirmarbeit eine tolle Erfahrung sein. Das aktive Ertasten von Pflanzen erschließt neue Wahrnehmungen. Die tiefrissige Borke einer Eiche fühlt sich ganz anders an als die glatten Rinden von Rot- und Hainbuche.

Im Wald eröffnet der Wechsel zwischen Fern- und Nahblick, aber auch der Blick zur Seite, nach oben in die Baumkronen oder zurück zusätzliche Perspektiven. Mit einem Fernglas können Details von weiter entfernten Wildtieren erspäht werden. Für mich sind aromatische Düfte von Blumen oder der würzige Geruch von Moosen und Pilzen etwas Besonderes. Ein herrliches Abenteuer für die Nase! Auch das Zerreiben von Nadeln und Blättern erzeugt die unterschiedlichsten Düfte.

Um unangenehme Überraschungen beim Waldbesuch zu vermeiden, lohnt es sich ein paar Regeln zu beachten.

Darf ich in jeden Wald?

Grundsätzlich ist in Deutschland das Betreten der Natur auf Wegen und ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung allen gestattet. Dies garantieren das Grundgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz. Spazierengehen und Wandern, ebenso wie Joggen, Nordic Walking, Klettern, Skilanglaufen, Schlittschuhlaufen, Schneeschuhgehen und Schlittenfahren, gelten als naturverträgliche Betätigungen. Reiten und Fahrradfahren sind allerdings auf die geeigneten Straßen und Wege beschränkt. Dieses allgemeine Betretungsrecht kann aus Gründen des Naturschutzes, der land- und forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung, zum Schutz der Erholungsuchenden oder zur Vermeidung erheblicher Schäden eingeschränkt sein. Beispielsweise müssen wir in einem Naturschutzgebiet oder Nationalpark auf den Wegen bleiben.


Entspannung am Wildbach: einfach die Augen schließen und nur noch das Rauschen des Wassers hören.

Das Betreten eines Waldes erfolgt immer auf eigene Gefahr. Es besteht keine Haftung durch den Waldbesitzer für waldtypische Gefahren. Demnach müssen wir im Wald mit Baumwurzeln oder mit herabfallenden Ästen rechnen. Wenn der Grundeigentümer das Betreten seines Waldes schon tolerieren muss, soll ihm daraus nicht noch eine zusätzliche Haftung für Unfälle entstehen.

Klar sollte sein, dass beim Aufenthalt im Wald mit der Natur pfleglich umzugehen ist. Beim Fahrradfahren ist zu beachten, dass Fußgängern der Vorrang gebührt. Grundeigentümer dürfen das Betreten ihrer Waldflächen durch Sperren verwehren, wenn die Beschädigung von Pflanzen zu erwarten ist oder wenn das Grundstück regelmäßig von einer Vielzahl von Personen betreten wird. Müll sollte man natürlich immer mitnehmen. Herumliegender Müll ist für Mitmenschen ein Ärgernis und kann für Tiere lebensgefährlich sein.

Orientierung in der Natur

Zur Orientierung im Wald braucht es wache Sinne, einen guten Instinkt, Outdoorerfahrung und Vertrauen in natürliche Hilfsmittel. In der Natur macht die Orientierung ohne technische Hilfsmittel gerade den Reiz des Abenteuers aus. Heute gibt es viele Hilfsmittel wie Karten, Kompasse, Navigationssysteme und GPS-Geräte, um zu wissen, wo man sich befindet. Doch wer sich wirklich frei in der Natur bewegen und seinen Standort bestimmen will, sollte versuchen sich auch ohne diese Hilfsmittel orientieren zu können. Zumal technische Geräte nicht immer funktionieren – der Akku kann leer sein oder es gibt keinen Empfang im Wald.

Wenn ich draußen unterwegs bin, beachte ich besondere Details. Das kann ein besonders auffälliger Baum sein, eine seltene Baumart, ein blühender Busch, ein markanter Duft, der Gesang einer bestimmten Vogelart, ein Wildtiererlebnis, ein Fels oder ein Wegkreuz. Wichtig ist es, im Wald nicht nur einseitig mit den Augen wahrzunehmen, sondern auch mit Ohren und Nase. Ab und zu verlasse ich den Weg und suche im Waldbestand nach etwas Besonderem, beispielsweise einem Ameisenhaufen, attraktiven Blumen oder einem knorrigen Höhlenbaum. Es lohnt sich auch hin und wieder dorthin zu schauen, wo man hergekommen ist. Gerade für den Rückweg kann diese Erinnerung hilfreich sein. Insgesamt entstehen bei jedem Waldausflug einmalige Bilder im Kopf, die mit Emotionen verknüpft sind.

Wer die Orientierung in der Natur verloren hat, kann die Himmelsrichtungen anhand eines Stocks und dessen Schattenwurfs bestimmen. Dazu wird ein Stock senkrecht so in den Boden gesteckt, dass das Ende seines Schattens zu erkennen ist. Nun markiert man das Ende des Schattens am Boden und wartet einige Minuten, bis der Schatten weitergewandert ist. Dann markiert man das aktuelle Ende des Schattens erneut. Die Verbindungslinie zwischen den beiden Markierungen zeigt dann ungefähr in West-Ost-Richtung. Die erste gesetzte Markierung liegt im Westen und die zweite im Osten. Je länger der zeitliche Abstand zwischen den Messungen ist, desto genauer kann die Richtung bestimmt werden. Also: Entschleunigen Sie, genießen Sie die Pause und bewahren Sie Ruhe!

Orientierung mit Karte und Kompass

Die nach wie vor sicherste und zuverlässigste Variante ist die Orientierung mit Karte und Kompass. Wenn ich in unbekanntem Terrain unterwegs sein will, kaufe ich mir von diesem Gebiet eine aktuelle Topografische Karte im Maßstab von 1:25 000 oder 1:50 000. Die Geländeformen, also die Topografie, und andere wichtige Details der Erdoberfläche sind auf der Karte dargestellt. Siedlungen, Straßen, Wege, Flüsse, Seen, Wald, Höhenlinien und vieles mehr helfen bei der Orientierung. Die richtige Umrechnung des Maßstabs und das Lesen der Höhenlinien sind wichtige Voraussetzungen für die Orientierung. Bei einem Maßstab von 1:50 000 entsprechen einem Zentimeter auf der Karte 50 000 Zentimeter, also 500 Meter in der Wirklichkeit.

Höhenlinien sind gedachte Linien, die alle Punkte miteinander verbinden, die sich auf der gleichen Höhe über dem Meeresspiegel befinden. Befinden sich auf der Karte nahezu keine Höhenlinien, handelt es sich um ein relativ ebenes Gebiet. Liegen die Höhenlinien dagegen dicht beieinander, geht es steil den Berg hinauf oder hinunter. Verläuft ein Weg ziemlich parallel zu den Höhenlinien, haben wir beim Wandern keine großen Steigungen zu erwarten.

Für die Orientierung anhand der Karte ist es wichtig, sie mit der Außenwelt in Einklang zu bringen. In der Regel zeigt der obere Rand der Karte nach Norden. Wenn man die Karte so dreht, dass sie exakt nach Nord-Süd ausgerichtet ist, entsprechen die Richtungsangaben auf der Karte genau den Richtungen, die man auch in Wirklichkeit einschlagen muss. Dafür brauchen wir nun einen Kompass.

Ein Kompass sollte leicht und robust sein. Eine durchsichtige, mit Lineal und Winkelangaben versehene Bodenplatte ist sinnvoll. Die Magnetnadel stellt sich immer auf magnetisch Nord ein. Die Himmelsrichtungen von Karte und Gelände muss man zur Orientierung in Übereinstimmung bringen. Diesen Vorgang nennt man Einnorden. Dazu legen wir den Kompass an die linke Außenlinie des Kartenrands und drehen die Karte so weit, bis die Nordmarkierung der Magnetnadel auf die Nordmarkierung der Kompass-Skala zeigt.

Zelten und Biwakieren

Schlafen in der Natur unter freiem Himmel mit Blick auf das Sternenzelt ist eines der intensivsten Abenteuer. Allerdings ist das Übernachten im Zelt in deutschen Wäldern verboten, außer der Waldbesitzer hat zugestimmt (s. Kapitel 16). Das Übernachten ohne Zelt, also das Biwakieren im Wald, ist nicht explizit verboten. Denn der Wald darf zur Erholung und zum Naturgenuss von jedem genutzt werden, also auch während der Nacht. Im Umkehrschluss ist das Biwakieren also überall erlaubt, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. Empfindliche Lebensräume, beispielsweise Moore, Feuchtwiesen oder Flussauen, sollten wir meiden. Ein Lagerfeuer im Wald zu entzünden, ist nach der Trockenheit der letzten Jahre sowieso verantwortungslos.


Eichhörnchen lassen sich in vielen Waldgebieten blicken. Mit ihren langen, scharfen Krallen und den muskulösen Hinterbeinen können sie an Bäumen senkrecht hochklettern.


Das Rotkehlchen ist an der orangeroten Brust und dem weißen Bauch gut zu erkennen. Mit seinen großen Augen sieht es auch im Halbdunkel des Dickichts gut.

Lästige »Waldmonster«

Der Wald ist für viele Menschen ein Sehnsuchtsort und weckt zahlreiche positive Gefühle. Wer jedoch von lästigen Tierchen geplagt wird, der sehnt sich zurück in seine Wohnung und hat genug vom Waldabenteuer. Ich versuche Insektenstiche als gesundheitsfördernde Maßnahme wie Akupunktur zu interpretieren, quasi kostenlose Stichbehandlung. Nachfolgend ein Kurzüberblick über die lästigsten »Waldmonster«:

Bei der Stechmücke stechen nur die Weibchen. Sie benötigen das Blut von Säugetieren für die Produktion ihrer Eier. Juckende Quaddeln auf der Haut entstehen, wenn die Blutsaugerin einen Cocktail aus Eiweißmolekülen und Peptiden einspritzt, um die Blutgerinnung zu verhindern. Von ganz wenigen Allergiefällen abgesehen, geht von heimischen Stechmücken keine Gefahr aus.

Viel gemeiner sind Kriebelmücken, denn sie stechen nicht, sie reißen mit ihren Mundwerkzeugen eine Wunde in die Haut und trinken daraus Blut. Die Mücken sind bis zu sechs Millimeter groß und sehen auf den ersten Blick wie kleine Fliegen aus. Die Blutmahlzeit der Weibchen dient zur Bildung der Eigelege. Durch den Speichel der Kriebelmücken gelangen blutverdünnende Substanzen in die Wunde. In der Folge können Rötungen und Schwellungen auftreten. Häufig gelangen Bakterien aber erst durch Kratzen in die Wunde. Trotz Juckreiz sollte man sich daher nicht kratzen und die Haut an der betroffenen Stelle desinfizieren.

Auch der Biss einer Bremse ist schmerzhaft. Besonders aktiv sind Bremsen an schwülen Tagen und in der Nähe von Gewässern und Feuchtgebieten. Mückenschutzmittel helfen gegen diese aufdringlichen Insekten nicht, da sie auch durch dünne Textilien stechen können.

Wespen sind harmlose Tiere, können im Sommer aber lästig werden. Eigentlich sind es nur zwei Wespenarten, die uns nerven: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Ein Stich ist zwar sehr schmerzhaft, aber für die meisten Menschen nicht gefährlich. Für Allergiker kann jedoch schon ein einziger Stich lebensbedrohlich werden. Allerdings stechen aufdringliche Wespen nur dann zu, wenn sie sich bedroht fühlen. Die beste Strategie, um nicht gestochen zu werden, lautet daher: ruhig bleiben, nicht schlagen und die Wespe mit geschlossener Hand wegschieben. Allergiker sollten ihr Notfallset bei jedem Spaziergang in den Wald mitführen.

Ausreichend dicke und lange Kleidung schützt gegen Stiche und Bisse von Insekten. Gefangen in einer Becherlupe, kann man an diesen »Waldmonstern« in der Vergrößerung eine bewundernswerte Schönheit erkennen.

Das beste Hausmittel gegen juckende Stiche ist Kälte. Dadurch werden die Blutgefäße verengt, was die Ausschüttung von Juckreiz fördernden Substanzen verlangsamt. Die Schmerzen lassen sich nur teilweise lindern, bleiben aber auf die Einstichstelle beschränkt. Mit einem Taschentuch und klarem Wasser sollte die Einstichstelle gewaschen werden. Wer nach einem Insektenstich Schwindel, Übelkeit oder Kreislaufbeschwerden feststellt, sollte einen Arzt aufsuchen. Äußerst selten kann ein Insektenstich auch zu einer starken allergischen Reaktion führen. Bei Grippesymptomen oder gar Bewusstlosigkeit muss sofort ein Notarzt gerufen werden.

Der Eichenprozessionsspinner kann nur im Juni und Juli gefährlich werden. Dann können die Gifthaare der Raupen auf der Haut zu Atemproblemen und üblen Hautausschlägen führen. Letztere können sich entzünden und tagelang andauern. Der beste Schutz ist, während der Raupenphase befallene Wälder zu meiden.

Zecken verursachen jedes Jahr sehr viele Krankheitsfälle. Sie übertragen die für uns Menschen gefährliche Bakterienerkrankung Borreliose und die Hirnhautentzündung Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Entlang von Wildwechseln, wo Säugetiere laufen, muss man vermehrt mit Zecken rechnen. Streift ein Säugetier die Zecke, greift diese sich mit ihren starken Krallen an den Vorderbeinen die Haut, das Fell oder die Kleidung und hält sich daran fest. Zum Blutsaugen sucht sie sich weiche Hautpartien. Nach dem Einstich gibt sie ein Sekret in die Wunde ab, das einen Gerinnungshemmer, einen Entzündungshemmer und ein Betäubungsmittel enthält. Dies garantiert guten Blutfluss und unbemerktes Saugen. Eine vollgesogene Zecke kann bis zu 200-mal so viel wiegen wie eine hungrige. Wer sich gegen diese Krankheiten schützen möchte, sollte Zeckenstiche möglichst vermeiden. Dazu trägt man am besten helle Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen, denn Zecken sind als dunkle Punkte auf heller Kleidung gut zu erkennen. Ziehen Sie sich die Socken über die Hosenbeine. Nach einem Waldspaziergang an einem warmen und schwülen Tag lohnt sich eine intensive Dusche und das Suchen an weichen Hautpartien.

Wer von einer Zecke gestochen wurde, sollte das Tier schnell entfernen. Am besten zieht man es möglichst hautnah und ohne den Zeckenkörper zu quetschen senkrecht heraus. Mit längeren Nägeln schafft man dies mit Daumen und Zeigefinger. Oder man verwendet eine Zeckenzange oder Zeckenkarte (zecken.de). Die Einstichstelle sollten Sie mehrere Wochen beobachten. Bei roten Flecken an der Bissstelle und bei unvollständig entfernten Zecken sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen. Eine Impfung zum Schutz gegen FSME ist auch noch wenige Tage nach dem Zeckenbiss möglich.

Bei all den Zumutungen, die wir durch diese lästigen Tiere erleiden müssen, sollten wir bedenken, dass alle diese »Waldmonster« eine wichtige Bedeutung für das Ökosystem Wald haben, sei es als Futter oder als Putzkolonne.

Achtsam unterwegs im Wald

Dieses Buch enthält viele Geheimtipps für Waldabenteuer, die unsere Achtsamkeit erfordern. Sonst wird aus einem idyllischen Plätzchen der übernutzte und unschöne Ort der Massen. Nehmen Sie Ihren Müll bitte immer mit und verhalten Sie sich so, dass andere Menschen und die Wildtiere möglichst wenig gestört werden. Je leiser Sie unterwegs sind, desto wahrscheinlicher kommt es zu Begegnungen mit Wildtieren und zu besonderen, einmaligen Waldabenteuern.


Topografische Karte und Kompass helfen bei der Orientierung im Wald.

Waldabenteuer im Alltag


1 Kleine Baumkunde

RUND 90 MILLIARDEN BÄUME, ALSO ÜBER 1000 BÄUME PRO EINWOHNER, WACHSEN IN DEUTSCHLAND. 76 VERSCHIEDENE EINHEIMISCHE BAUMARTEN LASSEN SICH UNTERSCHEIDEN. VERSUCHEN SIE, IN EINEM WALD MÖGLICHST VIELE BAUMARTEN ZU ENTDECKEN.

Starten wir mit den beiden häufigsten Baumarten: Die Nadelbaumarten Fichte und Waldkiefer bedecken etwa die Hälfte unserer Waldfläche. Sie unterscheiden sich eindeutig anhand der Nadeln, der Rinde und der Zapfen.

Die spitzen Nadeln der Fichte stechen beim Anfassen. Ihre Zapfen hängen nach unten und liegen meist als Ganzes am Boden. Die äußere Rinde, auch Borke genannt, ist rotbraun, daher auch der Name Rotfichte. Dagegen stechen die Nadeln der Tanne nicht, da sie vorne gerundet sind. Tannenzapfen stehen auf den Zweigen und zerfallen dort in Einzelteile. Die Rinde von Jungtannen besitzt sichtbare Harzblasen.

info

StartortVon zu Hause in einen Mischwald

CharakterSpaziergang mit der Absicht, Baumarten genauer kennenzulernen

MüheGering, solange es Spaß macht

DauerBeliebig

AusrüstungBaumbestimmungsbuch, z. B. »Bäume und Sträucher des Waldes« von Gottfried Amann, App »Flora incognita« (floraincognita.com) oder App »Pl@ntNet« (plantnet-project.org)

Beste ZeitApril bis Oktober

Kostenkeine

Die Nadeln der Waldkiefer wachsen büschelweise zu zweit. Anhand der orangen Rinde im Kronenbereich lässt sich die Waldkiefer schon von Weitem erkennen. Die nur in den Alpen vorkommende Zirbelkiefer hat dagegen Büschel mit jeweils fünf Nadeln. Ihr tonnenförmiger Zapfen fällt geschlossen zu Boden.

Auch die Nadeln der Lärche wachsen büschelweise, jedoch mit bis zu 30 Nadeln. Sie verfärben sich im Herbst goldgelb und fallen zu Boden. Die Lärche ist unser einziger Nadelbaum, der im Winter keine Nadeln hat. Die Schuppen der Zapfen sind nach außen gebogen. Die einige Zentimeter dicke, graue Borke ist tief gefurcht.

Die in Deutschland immer häufiger gepflanzte, aus Amerika stammende Douglasie hat ebenfalls tiefe Spalten in der Borke. Ihre weichen Nadeln verströmen beim Zerreiben einen orangenartigen Duft. Die Zapfen mit den herausstehenden Deckschuppen fallen wie bei der Fichte als Ganzes ab.

Unsere häufigsten Laubbaumarten sind Buche und Eiche. Sie bedecken ein Viertel der Waldfläche. Sie unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer Blätter, Früchte und Knospen.

Die Buche kann in Deutschland überall vorkommen, wo es nicht zu trocken oder zu nass ist. Ihre Blätter haben einen welligen Rand und sind seidig behaart. Die Blattfarbe wechselt im Herbst von Grün über Gelb zu Orangerot bis Rotbraun. Deshalb und wegen des rötlichen Holzes heißt sie auch Rotbuche. Die vertrockneten Blätter bleiben oft den ganzen Winter an den Zweigen. Die Bucheckern bestehen aus zwei stacheligen Fruchtbechern mit Nüssen darin. Die glatte, silbergraue Rinde ist zu jeder Jahreszeit ein gutes Erkennungsmerkmal.

Dem weißen, sehr harten Holz verdankt die Weißbuche ihren Namen. Wie die Rotbuche zeigt sie eine glatte Rinde. Ihre Blätter sind jedoch am Rand gesägt.

Typische Erkennungsmerkmale für die Eiche sind: Früchte, gelappte Blätter und stark gefurchte Borke. Wer die Unterschiede zwischen Stiel- und Traubeneiche erkennen will, muss genauer hinschauen. Die kugeligen Früchte der Traubeneiche sitzen zu mehreren direkt am Zweig. Die länglichen Früchte der Stieleiche sitzen dagegen an mindestens zwei Zentimeter langen Stielen. Die Blätter der Stieleiche sind tiefer gelappt als die der Traubeneiche. Wie die Buche werfen Eichen ihre vertrockneten Blätter meist erst im Frühjahr ab.


Bei der Traubeneiche sitzen die Eicheln zu mehreren direkt am Zweig.


Die dicke Borke der Eichen sind stark gefurcht.


Moorbirken erhellen mit ihrer weißen Rinde den Fichtenwald.


Im Herbst wirft die Lärche ihre goldgelben Nadeln ab und steht im Winter kahl in unseren Wäldern.

Allen drei heimischen Ahornarten gemeinsam sind die fünflappigen Blätter, die einer gespreizten Hand ähneln. Beim Spitzahorn sind die »Finger« sehr spitz ausgezogen. Die Flügel der Früchte stehen im stumpfen Winkel ab. Der Bergahorn hat die Blätter nur leicht zugespitzt und die Flügel der Früchte stehen in spitzem Winkel zueinander. Die Borke des Bergahorns blättert bei älteren Bäumen wie bei Platanen ab. Deshalb wird er auch als »Pseudoplatane« bezeichnet. Die Rinde des Spitzahorns dagegen hat viele Furchen, blättert aber nicht ab. Die Blattlappen des Feldahorns sind abgerundet. Die Früchte bestehen aus nahezu waagrecht abstehenden Flügeln.

Birken gelten als Frühlingsboten, da sie als erste Bäume ihr zartes Grün zeigen. Hänge-Birke und Moor-Birke leuchten schon von Weitem mit ihrer weißen Rinde. Die Hänge-Birke ist die häufigere, da sie auf fast allen Böden gut wachsen kann. Sobald es jedoch feuchter und saurer wird, gedeiht die Moor-Birke besser. An der Moor-Birke sind die jungen Blätter und Zweige behaart.

Blüht ein Baum im April am Waldrand leuchtend weiß, dann handelt es sich meist um eine Vogelkirsche, die Wildform unserer kultivierten Kirschbäume. Die bis 15 Zentimeter langen Blätter haben am Stiel zwei rote Nektardrüsen. Typisch ist die sich waagrecht ablösende Ringelborke.

Die Traubenkirsche blüht erst im Mai in Trauben aus wenigstens 20 Einzelblüten und bildet erbsengroße schwarze Früchte.

ÄHNLICHE ABENTEUER

Wer tiefer in die Welt der Flora einsteigen mag, kann sich auch mit anderen Pflanzengruppen wie Sträuchern, Kräutern, Gräsern oder Moosen beschäftigen.


Waldkiefern lassen sich an der orangen Rinde in der Krone schon von Weitem erkennen.


Die Zapfen der Fichte hängen immer nach unten.

2 Sträucher des Waldes bestimmen

EIN WALD BESTEHT NICHT NUR AUS BÄUMEN. AM WALDRAND, IN LICHTUNGEN UND ENTLANG VON BREITEREN WEGEN ERHALTEN EINHEIMISCHE STRÄUCHER GENÜGEND LICHT UND NÄHRSTOFFE, UM ZU WACHSEN. VERSUCHEN SIE, MÖGLICHST VIELE STRAUCHARTEN ZU ENTDECKEN.

Sträucher sind verholzte Pflanzen, die sich im Gegensatz zu Bäumen schon in Bodennähe verzweigen. Jede Strauchart besitzt charakteristische Erkennungsmerkmale, die eine Bestimmung zu jeder Jahreszeit ermöglichen. Anhand der Früchte lassen sich Wildsträucher am leichtesten erkennen. Die Früchte von Brombeere, Himbeere, Heidelbeere oder Hasel unterscheiden sich nicht nur im Aussehen, sondern auch im Geschmack. Aber Vorsicht! Nicht alle Beeren von Sträuchern sind essbar. Einige Straucharten behalten ihre Früchte teilweise den ganzen Winter. Neben den Früchten eignen sich Blüten, Blätter, Dornen und Stacheln für die Bestimmung.

info

StartortVon zu Hause in einen Wald mit Sträuchern

CharakterSpaziergang mit der Absicht, einige Straucharten des Waldes genauer kennenzulernen

MüheGering, solange es Spaß macht

DauerBeliebig

AusrüstungSträucherbestimmungsbuch, z. B. »Bäume und Sträucher des Waldes« von Gottfried Amann, App »Flora incognita« (floraincognita.com) oder App »Pl@ntNet« (plantnet-project.org)

Beste ZeitJanuar bis Dezember

KostenBuchkauf

Im Februar erwacht das Jahr der Waldsträucher mit der Kornelkirsche, die auch Gelber Hartriegel heißt. Ihre Zweige zeigen sich übersät von tausenden gelben Blütensternen, die nach Honig duften. Daraus entwickeln sich bis August säuerlich schmeckende rote Steinfrüchte. Ihre sich gegenüberstehenden Blätter haben bogenförmig verlaufende Nerven von der Basis bis zur Spitze.

Ebenfalls bereits im Februar blüht die Hasel und erzeugt nach der Befruchtung die beliebten Haselnüsse. Die wie Würste nach unten hängenden männlichen Kätzchen verstreuen ihre gelben Pollenmassen auf die weiblichen Blüten mit den kleinen roten Narben. Die beidseits behaarten Blätter leuchten im Herbst gelbbraun.

Da die Blüte der Salweide meistens um Palmsonntag stattfindet, wird sie auch als Palm-Weide bezeichnet. Während die männlichen Blüten gelbe Staubbeutel zeigen, sind die weiblichen unscheinbar grünlich.


Schlehenbüsche blühen leuchtend weiß schon vor dem Blattaustrieb.

ÄHNLICHE ABENTEUER

Wer tiefer in die Welt der Flora einsteigen mag, kann sich auch mit anderen Pflanzengruppen, beispielsweise Kräutern, Gräsern oder Moosen, beschäftigen.


Die säuerlich schmeckenden Kornelkirschen können zu leckerer Marmelade verarbeitet werden.


Die glänzend roten Beeren des Wasser-Schneeballs sind eine wichtige Winternahrung für Vögel.

Im März, bevor das erste Blatt eines Laubbaums austreibt, duften intensiv, fast betäubend, die lila Blüten des Seidelbasts. Im Sommer leuchten die erbsengroßen roten, giftigen Beeren.

Die Schlehe ist ab April der erste Strauch des Jahres mit weißen Blüten. Diese erscheinen vor dem Blattaustrieb. Die starken Dornen von Schlehenbüschen machen Waldränder undurchdringlich. Ihre blauen haselnussgroßen Kugelfrüchte schmecken erst herb und nach dem ersten Frost mild und süß.

Ab April erscheinen zwischen den Blättern der Roten Heckenkirsche blassgelbe Blüten. Die paarweise nebeneinander wachsenden Blüten duften am Abend intensiv. Daraus bilden sich ab Juni rote, glänzende Beeren.

Im Mai ist der Weißdorn übersät mit weißen Blüten und lockt mit seinem Duft eine Vielzahl von Insekten an. Seine roten Hagebutten sind mit gelbem Fruchtfleisch gefüllt. Die Blätter bestehen aus sieben Lappen.

An den Waldrändern blüht im Mai auch der Rote Hartriegel. Aus den nach Fisch riechenden, schirmförmigen Blüten entwickeln sich erbsengroße, schwarze Beeren. Seine Zweige sind auf der der Sonne zugewandten Seite rötlich. Die Nerven der Blätter verlaufen gebogen zur Blattspitze wie bei der Kornelkirsche.

Wie gelbe Trauben hängen die Blüten der Berberitze ab Mai fingerlang vom kleinen Busch. Die spitzen Dornen wachsen in Dreiergruppen an den Trieben. Die kleinen roten Beeren schmecken sauer, was der Berberitze auch den Namen Sauerdorn verliehen hat.

Um viele Insekten anzulocken, sind die kleinen Blüten des Wasser-Schneeballs von einem Kranz an unfruchtbaren Scheinblüten umgeben. Sie leuchten weiß in der Maisonne. Die glänzend roten Beeren hängen oft den ganzen Winter am Strauch. Die Blätter sind wie beim Ahorn meist fünflappig und verfärben sich im Herbst rot.

Im Juni erzeugt der Schwarze Holunder große Blütenstände aus weißen Dolden. Aus seinen schwarzen Beeren wird Saft gepresst.

Ebenfalls ab Juni duften intensiv die weißen Blüten des Ligusters. Die ledrigen Blätter sind teilweise den gesamten Winter am Strauch. Die schwarz glänzenden, erbsengroßen Beeren hängen ab Herbst mehrere Monate am Strauch.


Die pinkfarbenen Kapselfrüchte des Pfaffenhütchens leuchten im Herbstwald.

Auch der Kreuzdorn hat schwarze Früchte, aber seine Blätter sind bis zu sieben Zentimeter lang mit auffällig bogigen Nerven. Seine Zweigspitzen sind dornig.

Unscheinbar blüht das Pfaffenhütchen. Umso auffälliger leuchten im Herbst die roten, giftigen Früchte. In der vierteiligen Kapsel sitzen orangefarbene Samen. Im Mai sind die Sträucher häufig von Gespinsten der Raupen von Gespinstmotten überzogen. Nach dem Kahlfraß dieses Nachtfalters treiben im Sommer erneut Blätter aus. Die vierkantigen, grünen Zweige sind auch im Winter ein gutes Erkennungsmerkmal.


Betäubend duften die lila Blüten des Seidelbasts schon im März.


Himbeeren sind ein süßer und gesunder Snack beim Waldausflug.

3 Pilze erkennen und sammeln

WER PILZE SAMMELN WILL, SOLLTE ZUMINDEST EIN PAAR ESSBARE ARTEN SICHER BESTIMMEN KÖNNEN UND SICH BEIM SAMMELN ZEIT LASSEN.

Pilze wachsen am besten, wenn es im Wald dampfig-schwül ist und die Temperatur zwischen 15 und 25 Grad liegt. Lange Winter mit viel Schnee sowie verregnete warme Sommer führen zu überdurchschnittlichen Pilzmengen. Die beste Zeit für die meisten essbaren Pilze sind die Monate Juli bis Oktober. Wenn es nach längerer Trockenzeit ordentlich regnet, dauert es etwa drei Tage, bis die ersten Pilze aus dem Boden sprießen. Die beste Tageszeit zum Pilzesammeln ist der Morgen.

Speisepilze findet man am leichtesten in lichten Wäldern. Eng stehende Monokulturen lassen wenig Pilzfreude aufkommen. Mitnehmen sollte man nur die Pilze, die man sicher erkennt und deren Hutrand noch nicht nach oben weist. Auch die von Maden oder Schnecken angefressenen Pilze bitte stehen lassen, denn sie werfen noch Sporen ab, die der Vermehrung dienen.

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StartortVon zu Hause in einen Wald

CharakterSuchender Spaziergang mit dem Fokus auf Pilze

MüheGering, solange es Spaß macht

DauerBeliebig

AusrüstungMesser, Weidenkorb, Pilzbestimmungsbuch

Beste ZeitJuli bis Oktober

KostenFür Ausrüstung

Bestimmte Pilze wachsen nur unter bestimmten Baumarten. Waldbäume sind in einer Symbiose zum gegenseitigen Nutzen mit Pilzen verbandelt. Diese Symbiose wird als Mykorrhiza bezeichnet.

Das, was wir am Waldboden sehen und zum Verzehr ernten wollen, ist nur der Fruchtkörper. Der Großteil eines Pilzes besteht aus einem Netz von feinen Fäden, dem Mycel. Diese Fäden können Netzwerke bilden, die sich über enorme Flächen erstrecken.

Zur Ausrüstung beim Pilzesammeln gehören ein Messer und ein luftiges Gefäß, z. B. ein Weidenkorb. Das Messer benutzen wir zum Abschneiden und um den Pilz von Schmutz und Erde zu befreien. Es ist übrigens egal, ob die Fruchtkörper abgeschnitten oder herausgedreht werden. Denn das Pilzmycel im Waldboden wird durch das Sammeln der oberirdischen Fruchtkörper nicht geschädigt. Es ist jedoch empfehlenswert, Pilze vorsichtig zu entnehmen, da sich an der Stielbasis oft wichtige Erkennungsmerkmale befinden.

Als Anfänger sollten Sie zur ersten Sammeltour eine erfahrene Sammlerin bzw. einen erfahrenen Sammler mitnehmen, die Ihnen weitere Tipps und Tricks direkt beim Pilzesammeln beibringen können. Volkshochschulen und Naturschutzverbände bieten Pilzexkursionen an. Und der Profi weiß, ob der gefundene Pilz essbar, ungenießbar oder sogar giftig ist. Wenn man sich nicht vollkommen sicher ist, sollte man den Pilz immer stehen lassen!

Beim Sammeln von Speisepilzen steht das Naturerleben meist mehr im Vordergrund als die Ernährung. Vergleicht man mehrere Pilzbücher, so findet man widersprüchliche Angaben zur Essbarkeit der Arten. Auch wurden immer wieder Giftstoffe in Pilzen gefunden, die in älteren Büchern als Speisepilze galten. Schauen Sie sich vorsichtshalber die aktuelle Positivliste für Speisepilze der Deutschen Gesellschaft für Mykologie unter pilze-deutschland.de an.

Einige gut erkennbare Speisepilze sind nachfolgend genannt.

Die Speisemorchel findet man bereits im April in Auwäldern und entlang von Bächen, meist unter Eschen. Die eiförmige Frucht wird drei bis zehn Zentimeter hoch.

In Symbiose mit Birken wachsen viele Röhrlinge. Besonders schmackhaft ist der Birkenpilz. Der Stiel erinnert an Birkenrinde: weiß mit schwarzem Netz. Die Hutfarbe wechselt zwischen rotbraun und gelb. Nur junge Exemplare sind frei von Maden.

Die bis 20 Zentimeter große Rotkappe wächst unter Birken, Espen und Eichen. Der Stiel hat schwarze Schuppen, die Hutfarbe ist namensgebend ziegelrot. Im Gegensatz zum Birkenpilz werden ältere Exemplare selten von Maden befallen.


Das Suchen im Fichtenwald hat sich gelohnt: ein dickfleischiger Steinpilz hat sich vor Kurzem aus dem Humus geschoben.


Der Parasol sieht nicht nur wunderschön aus, sondern ist auch ein hervorragender Speisepilz.

Der Hut des Parasols oder Riesenschirmlings kann einen Durchmesser bis zu 40 Zentimeter aufweisen. Typisch ist der verschiebbare Ring am Stiel. Die Grundfarbe ist cremeweiß mit dunkelbraunen Schuppen. Er wächst von Juli bis November in lichten Laubwäldern.

Pfifferlinge findet man ab Juni in Fichten- und Kiefernwäldern. Wegen seiner gelben Farbe wird er auch als Eierschwamm bezeichnet. Der meist trichterförmige Hut ist bis zu zwölf Zentimeter groß.

Der Steinpilz ist ein dickfleischiger Röhrenpilz. Der Hut wird bis zu 25 Zentimeter groß. Ab Juni findet man ihn vor allem unter Fichten, Kiefern und Buchen.

Wie ein kleiner Steinpilz sieht der Maronenröhrling, auch als Braunkappe bezeichnet, aus. Der Hut und der Stiel sind kastanienbraun. Die Röhren an der Hutunterseite verfärben sich bei Berührung blau.

Aufgrund starker Rückgänge sind viele Speisepilze wie Morchel, Steinpilz und Pfifferling geschützt und dürfen nur in kleinen Mengen für den Eigenbedarf gesammelt werden.

Das Berühren eines giftigen Pilzes ist übrigens kein Problem, da man sich nach jeder Pilztour die Hände gründlich wäscht.


Fliegenpilze sind eine Augenweide im Wald, jedoch sehr giftig!


Das Suchen, Finden und schließlich Ernten und Verzehren von Steinpilzen erzeugt Glücksgefühle.

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Im Wald kann vieles gesammelt werden, das essbar ist. Sowohl frisch ausgetriebene Blätter von Bäumen im Frühjahr als auch die Früchte von Beerensträuchern sind schmackhaft. Wer beim Pilzesammeln wenig Erfolg hat, sollte ein Gefäß für Heidel-, Preisel-, Himbeeren und Brombeeren dabeihaben.

4 Exoten im Wald suchen

IN DEN LETZTEN 150 JAHREN VERSUCHTE MAN, IN DEN DEUTSCHEN WÄLDERN VIELE FREMDLÄNDISCHE BAUMARTEN MIT MEHR ODER WENIGER ERFOLG ANZUBAUEN. ES LOHNT SICH, IN UNSEREN WÄLDERN NACH DIESEN EXOTEN ZU SUCHEN.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine ausgeprägte Bewegung, den Wald mit Exoten zu bereichern. Dabei waren die Motive meist wirtschaftlicher Art. Denn die Exoten sind in ihrer Wuchskraft unseren einheimischen Bäumen meist überlegen und konnten vergleichsweise einfach von spezialisierten Baumschulen bezogen werden.

Der erfolgreichste Exot unserer Wälder ist die Douglasie. Diesen Nadelbaum aus dem westlichen Nordamerika brachte der Schotte David Douglas 1827 nach Europa. Die Douglasie, auch Douglastanne oder Douglasfichte genannt, kann in Amerika über 1400 Jahre alt werden. Im Höhen- und Dickenwachstum übertrifft sie alle heimischen Baumarten. Sie gedeiht gut auch auf relativ schlechten Böden, verträgt aber keine Nässe. Die Nadeln verströmen beim Zerreiben einen aromatischen, orangenartigen Duft. Die herabhängenden Zapfen mit den herausstehenden Deckschuppen fallen wie bei der Fichte als Ganzes ab. Vor der letzten Eiszeit war sie in Europa heimisch, starb dann aber aus. Seit 1880 wird sie in Deutschland gepflanzt. Das Holz findet Verwendung als Parkett sowie als Konstruktionsholz im Innen-, Erd-, und Wasserbau. Es verfügt über eine höhere Resistenz gegen Fäule als Fichtenholz.

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StartortIn jedem Wald möglich, wenn man weiß, dass es dort einige Exoten gibt

CharakterSuchender Spaziergang nach Seltenheiten des Waldes

MüheAnfahrt zum Waldgebiet

DauerSolange man Lust hat

AusrüstungBaumbestimmungsbuch

Beste ZeitJederzeit, da die meisten Nadelbäume ihre Nadeln nicht abwerfen. Im Herbst leuchtet das Laub vieler exotischer Laubbaumarten gelb und rot.

KostenFahrtkosten, Baumbestimmungsbuch


Die langen, dekorativen Zapfen mit Harzflecken stammen von einer Strobe.


Die geraden Stämme der Strobe waren früher als Schiffsmasten begehrt.


Das aktive Ertasten von tiefrissiger Douglasienborke führt zu neuen Wahrnehmungen.

Die Japanische Lärche ist bei uns der zweithäufigste Exotenbaum nach der Douglasie. Wie unsere einheimische Lärche wirft sie im Herbst ihre Nadeln ab. Die Zapfenschuppen sind am Rand nach außen umgerollt. Bei unserer Lärche dagegen nicht. Das rötliche Holz der Japanischen Lärche ist weniger harzreich als das unserer Lärche.

Die Strobe, auch Weymouthkiefer genannt, stammt ebenfalls aus Nordamerika. Ihre Nadeln stehen jeweils zu fünft zusammen und sie hat dekorative, lange Zapfen. Diese Kiefernart ist anfällig für einen Rostpilz, den Strobenrost. Ursprünglich war dieser Rostpilz nur im Gebiet der Zirbelkiefer heimisch, wobei diese Baumart nur wenig geschädigt wurde. Als man begann, die Strobe in Europa anzubauen, breitete sich der Pilz über ganz Europa aus und gelangte durch Einfuhr kranker Pflanzen nach Nordamerika. Dort ist er nun der gefährlichste Schädling für die Strobe.

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Gartenabfälle werden auch im Wald entsorgt. Mitten im Wald lassen sich dann Pflanzen finden, die sonst von Blumenrabatten bekannt sind. Da können völlig überraschend Tagetes-Blumen am Waldrand blühen.

Der Riesenmammutbaum wächst ursprünglich nur in Kalifornien und dort nur auf der Westseite der Sierra Nevada. Er wird bis zu 80 Meter hoch, 3500 Jahre alt und kann über 10 Meter Durchmesser erreichen. Da verwundert es nicht, dass 150 Jahre alte Mammutbäume bei uns noch im Jugendalter sind und mehrere Jahrzehnte gegenüber der Konkurrenz einheimischer Tannen und Fichten freigestellt werden müssen.

Die Robinie kommt auch aus Nordamerika, und zwar aus dem Osten. Sie wurde schon 1601 vom Pariser Hofgärtner Jean Robin nach Frankreich gebracht. Anfangs war sie als Zierbaum auf Gärten beschränkt, wurde dann aber auch an Landstraßen, Flüssen und Bahndämmen gepflanzt und breitete sich rasch aus. Durch ihre Wurzeltriebe, die noch in mehreren Metern vom Stamm entfernt aus dem Boden sprießen, vermag sie sich rasch zu vermehren und große Bestände zu bilden. Die duftenden weißen Schmetterlingsblüten werden gerne von Bienen aufgesucht. Das dauerhafte Holz eignet sich für Verwendungen im Außenbau mit Erdkontakt.


Neben einer über hundert Jahre alten Douglasie wirkt der Förster wie ein Zwerg.

Ebenfalls aus dem Osten Nordamerikas stammt die Roteiche. Im Herbst fällt ihr rötlich verfärbtes Laub auf. Da unsere laubzersetzenden Mikroorganismen auf die fremde Pflanze nicht eingestellt sind, dauert die Verrottung des Roteichenlaubs sehr lange. Die bis zu 20 Zentimeter langen Blätter bestehen aus zugespitzten, nicht wie bei unseren einheimischen Eichenarten abgerundeten, Lappen.

Aus der Exotenwelle des ausgehenden 19. Jahrhunderts finden sich noch heute einige Exotenwälder in Deutschland. Der Exotenwald der städtischen Forstverwaltung Augsburg liegt in Diedorf. Schon vor 140 Jahren wurden dort exotische Bäume gepflanzt. Auf einer Fläche von acht Hektar wachsen 70 fremdländische Baumarten. Die höchsten Douglasien messen knapp 60 Meter. Die größte dort wachsende Küstentanne Deutschlands hat einen Durchmesser von 1,50 Metern und einen Holzvorrat von 35 Kubikmetern.

In Weinheim befindet sich mit einer Größe von 60 Hektar einer der größten Exotenwälder Europas. Von den dort seit 1872 gepflanzten 400 Baumarten sind immerhin 170 übrig geblieben.

Die Suche nach exotischen Baumarten lohnt sich zu jeder Jahreszeit, selbst im Winter. Denn die meisten Nadelbäume bleiben grün und werfen ihre Nadeln nicht ab.

5 Wald vor der Haustür

WARUM IN DIE FERNE SCHWEIFEN, WENN DAS WALDABENTEUER GLEICH VOR DER HAUSTÜR LIEGT? OHNE GROSSEN AUFWAND KANN INTERESSANTES SCHON IM NÄCHSTGELEGENEN WALD ENTDECKT WERDEN.

Gleich hinter unserer Siedlung befindet sich ein kleines Waldgebiet, nur drei Hektar groß. Es handelt sich um ein ehemaliges Moorgebiet, das teilweise abgetorft und durch Entwässerungsgräben weitgehend trockengelegt ist. In dem ehemaligen Torfstich wurden vor einigen Jahrzehnten Fichten gepflanzt. Ein Teil der Bäume wurde in den letzten Jahren geerntet. Heute sind die Waldbestände unterschiedlich alt und neben der Fichte wachsen viele Moorbirken und vereinzelt Eiche, Buche, Traubenkirsche, Wildkirsche, Zitterpappel sowie Salweide. Zusätzlich finden sich am Waldrand und in lichten Waldteilen Hasel, Faulbaum, Pfaffenhütchen, Liguster, Weißdorn und Stechpalme, der Baum des Jahres 2021.

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StartortVon zu Hause

CharakterSpaziergang zu einem Wald in der Nachbarschaft

MüheGering

DauerJe nach Interesse

AusrüstungWasserflasche

Beste ZeitGanzjährig

KostenKeine

Obwohl der Wald tatsächlich relativ kleinflächig ist, hat er doch viele interessante Details zu bieten. So blühen im Frühling beispielsweise Weiße Anemone, Schlüsselblume, Scharbockskraut und Vielblütige Weißwurz. Neben verschiedenen Gras- und Moosarten treiben aus dem Waldboden üppig Geflecktes Labkraut, Brennnessel und Giersch.

Die interessanteste Pflanze in diesem Wäldchen ist für mich die Stechpalme. Sie besitzt das ganze Jahr über grüne Blätter mit Stacheln. Trotz der wehrhaften Blätter wird sie von Rehen vor allem im Winter gerne gefressen. Diese immergrüne Pflanze ist Überwinterungsstätte für Zitronenfalter, die manchmal schon im Februar ihren Gaukelflug zeigen. Die roten Früchte werden erst weich und für Vögel essbar, wenn sie mehrmals Frost abbekommen haben. Sie können den ganzen Winter, ohne zu verderben, an der Pflanze bleiben und stellen ein sehr wichtiges Winterfutter für die Vögel dar. Ihre Giftstoffe schaden den Vögeln nicht. In den bayerischen Alpen kommt diese seltene Baumart bis in Höhenlagen von 1800 Metern vor.


Das versteckt lebende Reh hat den Wald verlassen und sucht auf der Wiese nach leckeren Kräutern.


Nach starken Regenfällen tritt das Wasser über die Ufer der Entwässerungskanäle.


Ein Igel sucht am Waldrand nach Schnecken, Insektenlarven und Regenwürmern.


Den melodiösen Gesang eines Amselhahns kann man in vielen Waldgebieten hören.

Ich bin alle paar Tage in diesem Wald. Nach der Arbeit bietet er mir Entspannung und schöne Naturerlebnisse. Dabei genieße ich den unterschiedlichen Lichteinfall, den die Sonnenstrahlen im Zusammenspiel mit Wolken und Bäumen erzeugen. Im Winter bekomme ich im Schnee die Spuren von Dachs, Eichhörnchen, Fuchs, Reh und Maus zu sehen. Nach einigen Minuten des Wartens erscheint oftmals ein Reh oder es lassen sich gleich mehrere blicken.

Ab März ist das Vogelkonzert mannigfaltig. Amsel, Buchfink, Eichelhäher, Blau-, Kohl- und Tannenmeise, Ringeltaube, Rotkehlchen, Singdrossel und Zaunkönig lassen dann ihre charakteristischen Gesänge ertönen. Wenige Wochen später kommen noch die Zugvögel Zilpzalp, Stieglitz, Klapper- und Mönchsgrasmücke hinzu. Bunt- und Grünspecht zimmern dort ihre Höhlen ab Februar. Mäusebussard, Turmfalke und Rabenkrähe sind das ganze Jahr zu hören und zu sehen.

Und wenn ausnahmsweise keine Vogelstimmen zu hören sind, genieße ich das beängstigende Reiben der Baumkronen im Wind. Essbares gibt es auch in diesem Wald hinter der Siedlung; ab Juni sind die ersten Himbeeren reif und ab August die Brombeeren schmackhaft. Die ersten Pilze sprießen bei feuchter Witterung ab Juli.

Ein tolles Erlebnis hatte ich dort im Juni letzten Jahres. Es hatte drei Tage ohne Unterbrechung geregnet. Am Dienstagabend kam endlich wieder die Sonne hervor. Nach langen, intensiven Regenfällen lohnt sich ein Waldbesuch ganz besonders. Durch den Dauerregen waren die Entwässerungskanäle über die Ufer getreten und hatten die Waldbestände teilweise überschwemmt. Ein Trupp Schwanzmeisen, bestehend aus sechs Individuen, flog flink zwischen Moorbirken, Salweiden und Faulbäumen hin und her und suchte nach Nahrung. Ein Zilpzalp und zwei Mönchsgrasmücken sangen laut und klar ihre typischen Liedstrophen. Plötzlich gab es eine unerwartete Überraschung: Der lebhafte Gesang eines Sumpfrohrsängers mit vielen Nachahmungen war zu hören. Es ist fantastisch, welch ein riesiges Repertoire dieser kleine Vogel besitzt. Hier lohnte es sich länger zuzuhören.

Nach einer guten Stunde im Wald hinter der Siedlung machte ich mich auf den Rückweg. Am Waldrand bewegte sich an einer abgestorbenen Moorbirke etwas. Ein junger Buntspecht wollte nicht nass werden und saß in einer Baumhöhle, keine drei Meter von mir entfernt. Ihn besuchte ich dann noch öfter.

Bei Vollmond bin ich immer wieder in diesem Waldgebiet und genieße die besondere Stimmung, wenn Fledermäuse zwischen den Bäumen ihren Gaukelflug vollführen.

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Auch auf einer Geschäftsreise oder im Urlaub kann das Abenteuer im nächsten Wald stattfinden. Selbst in einem Stadtpark mit wenigen Bäumen gibt es Interessantes zu entdecken.

6 Lieblingswald

ES GIBT ORTE, DIE WIR IMMER WIEDER GERNE AUFSUCHEN. MEIST SIND ES WÄLDER, IN DENEN MAN SCHÖNE ERLEBNISSE HATTE. DIES KANN DIE SICHTUNG EINES WILDTIERS ODER EIN SCHÖNER AUSBLICK SEIN.

Mein Lieblingswald ist ein alter Eichen-Linden-Wald, der direkt am See liegt. Er ist nur etwa einen Hektar groß. Schmale, selten benutzte Trampelpfade erschließen das Waldgebiet. Zum Seeufer auf der Westseite fällt es leicht ab. Ein schmales Bächlein, das nach Regenschauern über die Ufer tritt, entwässert zum See. Die oberste Baumschicht bilden überwiegend Stieleiche, Winter- und Sommerlinde sowie wenige Eschen und Waldkiefern. Darunter wachsen Bergahorn, Buche, Wildkirsche, Traubenkirsche. Auch eine junge Walnuss und eine Eibe habe ich dort entdeckt. Üppig rankt der Efeu an den dicken Stämmen empor. Die ältesten Bäume sind sicherlich über 200 Jahre alt.

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StartortBeliebig

CharakterAusflug zu einem Waldgebiet, an das man schöne Erinnerungen hat

MüheKann gering sein, ist abhängig von der Entfernung zum Lieblingswald

DauerBeliebig

AusrüstungFahrrad, Helm, Wasserflasche

Beste ZeitGanzes Jahr

KostenFahrt zum Wald

Die Strauchschicht bilden Haselnuss, Rote Heckenkirsche, Roter Hartriegel, Schwarzer Holunder und Weißdorn. Die Bodenvegetation ist sehr artenreich. Bereits im März blühen Märzenbecher, Gemeine Schlüsselblume, Leberblümchen und Weiße Anemone. Später erscheinen Ährige Teufelskralle, Einbeere und Vielblütige Weißwurz. Im Herbst schießen Pilzfruchtkörper aus dem humosen Boden. Baumpilze wie der Schwefelporling sind schon im Mai an den alten Eichen zu finden.


Knallgelb leuchtet das Herbstlaub der Linden.


Eine bunte Mischung an Baum- und Straucharten gedeiht in meinem Lieblingswald.

Auf dem Weg zu meinem Lieblingswald sehe ich häufig einen Mäusebussard und einen Turmfalken, die über den Wiesen jagen. Ab und zu begegnet mir ein Rotfuchs. Im Wald selbst klettern Eichhörnchen und überwintern dort in ihren Kobeln. Wenn die Wassertemperatur passt, gehe ich von diesem Wald aus baden. An einem heißen Sommertag von hier in den See einzutauchen, hat für mich etwas unheimlich Belebendes.

Im Juni 2020 passierte eine kleine Katastrophe: Eine mächtige, bereits abgestorbene Eiche krachte nach starken Regenfällen um und riss einige jüngere Bäume mit. Ein Trampelpfad wurde versperrt. Im Laufe des Jahres entwickelte sich ein neuer Trampelpfad um die umgestürzte Eiche. Im entstandenen Lichtschacht streben nun Haselnusssträucher und junge Eschen empor.

Ein einheimischer Bauer erzählte mir, dass dieser Wald früher Allmendewald der Bauern war. Unter der Naziherrschaft wurde die Gemeinde zur Eigentümerin des Waldes erklärt und die Bauern durften nur noch eine bestimmte Menge Holz ernten.

Die Vogelwelt bietet keine Highlights. Aber regelmäßig hört und sieht man Amsel, Buntspecht, Ringeltaube und Stockenten. Auch Baumläufer, Kleiber, Kohlmeise und Star habe ich dort schon erlebt.

Der Habicht nutzt das Wäldchen als Jagdgebiet. Die gerissenen Reste einer Stockente fand ich wenige Meter vom Seeufer entfernt. Sogar den Kopf eines Haushahns neben herausgerissenen Federn entdeckte ich unter einer Eiche. So große Vögel schafft nur ein Habichtweibchen.

Ich bin sehr gerne in meinem Lieblingswald, weil es zu jeder Jahreszeit etwas zu entdecken gibt und der Seeblick sehr beruhigend wirkt.

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Einen Wald, in dem man positive Emotionen verspürt, kann es überall geben.


In leuchtendem Weiß blüht die Kriechrose, aber leider nur wenige Tage.

7 Wald der Kindheit und Jugend

NATURERLEBNISSE IN DER KINDHEIT PRÄGEN UNS EIN LEBEN LANG. WENIGE KILOMETER VON MEINEM ELTERNHAUS ENTFERNT EXISTIERTE ZU MEINER KIND-HEIT UND JUGENDZEIT EIN TRUPPENÜBUNGSPLATZ, DER »PANZERKESSEL«.

Meine erste Erfahrung mit diesem Truppenübungsplatz des amerikanischen Militärs liegt schon ein halbes Jahrhundert zurück. In heutiger Erinnerung war es damals eine emotionale Mischung aus Angst und Bewunderung angesichts der riesigen, lauten und stinkenden Militärfahrzeuge.

Mit unserem Vater machten mein Bruder und ich als Kinder eine Fahrradtour ins Anhausertal. Dazu musste von Augsburg aus gesehen der erste westliche Schotterriedel bei Deuringen erklommen werden. Wir schoben die Fahrräder über hervortretende Baumwurzeln den Berg hoch durch den Wald. Es war sehr anstrengend! Links von uns hörten wir Stimmen und lauten Maschinenlärm, es stank nach Abgasen. Amerikanische Soldaten machten im »Panzerkessel« eine militärische Übung.

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StartortOrtschaft der Kindheit und Jugend

CharakterEntdeckender Spaziergang zu Waldorten der Kindheit und Jugend

MüheReise zu Orten von Kindheit und Jugend

DauerBeliebig

AusrüstungRucksack, Proviant, Fernglas

Beste ZeitDas ganze Jahr möglich

KostenFahrt

Jahrzehntelang war die US Army mit Panzern, Jeeps und Lastwagen im Wald unterwegs, der heute »Deuringer Heide« genannt wird. Die schweren Fahrzeuge vertieften und verdichteten einerseits die Böden in den Fahrspuren, andererseits schafften sie ständig offene Rohböden durch Verwundung der Bodenvegetation. In den mit Wasser gefüllten Vertiefungen und Mulden entdeckte ich viele Erdkröten, Teich- und Grasfrösche in allen Entwicklungsstadien, also vom Laich über die Kaulquappe bis zum erwachsenen Tier. Für zusätzliche Bodenverwundungen sorgten damals Motocrossfahrer. Als Kind empfand ich den Lärm und Gestank dieser Maschinen als ganz schrecklich, beängstigend und viel zu laut. Heute rasen durch die Wälder der Deuringer Heide Downhillfahrer mit ihren Mountainbikes relativ leise über die Baumwurzeln den Hang hinunter und sorgen für Bodenverdichtungen und Vegetationsschäden.


In der Deuringer Heide blühen im Mai die Büsche des in allen Pflanzenteilen giftigen Besenginsters.


Im Buchenbestand kam es schon vor vielen Jahrzehnten durch die militärische Nutzung zu Bodenveränderungen.

Die militärische Nutzung des Panzerkessels begann 1937, als die Heeresverwaltung der NS-Regierung Waldgelände rund um die Ortschaft Deuringen erwarb. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmte die US-Militärregierung den Truppenübungsplatz. Für die Nutzung als Panzerübungsplatz wurden sogar Waldflächen gerodet.

Als Jugendlicher verbrachte ich fast täglich nach der Schule viel Zeit im Panzerkessel. Zu entdecken und zu erleben gab es ständig etwas. Ohne militärische Übungen war die Gegend ein abwechslungsreiches Idyll mit Pflanzen, Pilzen und Wildtieren. Mein Interesse galt vor allem den Pflanzen und Pilzen.


An alten Eichen leben viele Nachtfalterarten.


Diese alte Eiche stand hier schon viele Jahrzehnte, als ich noch ein Kind war.

Erst später interessierten mich die Vögel mit ihren unterschiedlichen Gesängen. Vor allem im Frühling entspannte ich mich beim Lauschen der beruhigenden Klänge. An die diversen Gesänge von Amsel, Buchfink, Grasmückenarten, Kleiber, verschiedenen Meisenarten, Ringeltaube, Singdrossel, Zilpzalp und Zaunkönig kann ich mich noch gut erinnern. Der Buntspecht trommelte an morschen Bäumen und der Mäusebussard kreiste über den Baumwipfeln. Heute sollen mindestens 30 Vogelarten in der Deuringer Heide vorkommen. Von den häufigen Arten meiner Jugend bis zu selteneren Vertretern wie Feldschwirl, Goldammer, Rohrammer, Sommer- und Wintergoldhähnchen.

Bis zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 sammelte ich erfolgreich Speisepilze im Panzerkessel. Birken- und Steinpilze, Braunkappen, Rotfußröhrlinge und Ziegenlippen ergaben schöne Pilzmahlzeiten. Einmal gelangte auch ein Gallenröhrling in die Sammlung, der das gesamte Pilzgericht ungenießbar machte. Eine Erfahrung für das ganze Leben: Genaues Hinschauen lohnt sich beim Pilzesammeln!

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Es gibt viele Lebensereignisse, in denen ein Waldgebiet als Kulisse oder Ort besonderer Begegnungen gedient haben kann. Dort vorbeizuschauen und die Erinnerungen aufleben zu lassen, kann ein schönes Erlebnis sein.

Rehe, Eichhörnchen und Füchse waren häufig zu beobachten. Feldhasen waren selten zu sehen. Zauneidechsen, Ringelnattern und Blindschleichen erwärmten sich an besonnten Stellen.

Seit 1991 ist das Gebiet frei von Kettenfahrzeugen, Schießereien, Motorenlärm und Abgaswolken. Nach dem amerikanischen Abzug übernahm die Natur das Kommando. Die baumfreien Flächen im Panzerkessel verbuschten, Bäume und Sträucher holten sich ihre Herrschaft zurück. Die Vegetation veränderte sich deutlich und damit auch der Kleintierbestand. Mit Schafbeweidung und Neugestaltung von Feuchtbiotopen versuchte man die waldfreien Bereiche zu erhalten.

Offiziell wurde der militärisch klingende Begriff »Panzerkessel« mittlerweile durch den der »Deuringer Heide« ersetzt. Das Gelände wird heute intensiv von Erholungssuchenden genutzt. Im Mai blüht knallig gelb der Besenginster. Viele Fichten-Reinbestände fielen in den letzten Jahren den Stürmen und Borkenkäfern zum Opfer. In den Mischwäldern wachsen neben Fichte, Waldkiefer, Buche, Stieleiche, Esche, Linde, Hainbuche, Sandbirke, Vogelbeere und verschiedene Weidenarten.

Dort, wo ich als Kind Lärm und Gestank erlebte, kann man heute Stille und Ruhe genießen. Trotzdem sind mir die Naturabenteuer der Kindheit und Jugend als schöne Erinnerungen präsent.


Herrlich der Duft und der Anblick von blühendem Weißdorn und Besenginster.

Pulsuz fraqment bitdi.

28,36 ₼

Janr və etiketlər

Yaş həddi:
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Litresdə buraxılış tarixi:
09 noyabr 2024
Həcm:
262 səh. 187 illustrasiyalar
ISBN:
9783734322167
Müəllif hüququ sahibi:
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