Kitabı oxu: «So werden Sie zum Quizgott»

Şrift:


SEBASTIAN JACOBY

SO WERDEN SIE ZUMQUIZGOTT!

SEBASTIAN JACOBY ZEIGT WIE’S GEHT!

HEEL Verlag GmbH

Gut Pottscheidt

53639 Königswinter

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Autor: Sebastian Jacoby

Projektleitung: Hannah Kwella

Satz und Gestaltung: My Linh Nguyen

Covergestaltung: Axel Mertens

Fotocredit

Cover: picture alliance/rtn - radio tele nord; S. 5: Henrike Bubenzer; S. 13: Hannes Kirchner; S. 27: www.wikipedia.org/wiki/World_Quizzing_Championship; S. 30–32: Sebastian Jacoby; S. 53: Holger Waldenberger, S. 55: Uwe Ernst; S. 57: Andrea Kreuzheck; S. 59: Marta Kozyrska; S. 61: Dr. Manuel Hobiger; S. 63: Alisa Mewes; S. 66: Sebastian Jacoby; S. 76: Nina Lochmann; S. 82: Christos Georghiou; S. 93: picture alliance/Geisler-Fotopress; S. 124: Uwe Ernst; S. 130: bbbar; S. 147: www.wikipedia.de / Graham Bould

– Alle Rechte vorbehalten –

– Alle Angaben ohne Gewähr –

Printed in Czech Republic

ISBN: 978-3-96664-132-6

eISBN: 978-3-96664-162-3

INHALT

1. EINFÜHRUNG

2. QUIZ – WAS IST DAS EIGENTLICH? Von Gymnasiallehrern, thebanischen Wegelagerinnen und schwarzen Teichen

Von Quiztiden, Public Houses und einem dicken Wirt

3. SEBASTIAN JACOBY – EIN ÜBER BLICK Von Pilzbüchern, Tullamore Dew und Mangobäumen

4. GEFR AGT – GEJAGT Von Jägern und Gammlern

5. WIE ERWEITERE ICH MEIN ALLGEMEINWISSEN? Von Horaz, Selbstgesprächen und dem dritten Auge

6. EIN QUIZ ENTSTEHT Von Ankern und Untiefen

7. FRAGEN, ANTWORTEN UND ERLÄUTERUNGEN

EINFÜHRUNG

Im März 2013, knapp ein Jahr nach meinem Erfolg beim Quiz-Champion im ZDF, der mir eine halbe Million Euro eingebracht hatte, kam es an der Skalitzer Straße in Berlin-Kreuzberg zu einem Treffen mit der Produktionsgesellschaft von Gefragt - Gejagt. Nach einem kurzen Gedankenaustausch über die Schlacht bei Skalitz, die 1866 mit einem Sieg der Preußen über die Österreicher geendet hatte, wurde man sich recht schnell einig, dass ich mich in der Rolle des Jägers in einer der spannendsten und anspruchsvollsten Quizsendungen Deutschlands versuchen sollte. Mein vorangegangener Auftritt beim „Konkurrenzsender“ aus Mainz, mein Titel als Deutscher Quizmeister in der Saison 2012 und meine Teilnahme an den Quiz-Europameisterschaften im estnischen Tartu im Herbst des Vorjahres hatten hierfür wohl die notwendigen Voraussetzungen geschaffen.

Weitaus langwieriger gestaltete sich die Diskussion über den Kampfnamen, der mir im Rahmen von Gefragt - Gejagt, wie jedem anderen Jäger auch, zugeordnet werden sollte. Letztlich kam man überein, dass die Bezeichnung „Quizgott“ wohl allen Anforderungen genügen würde. Mit einiger Vehemenz hatte ich zuvor auf die Anfeindungen hingewiesen, die Radioreporter Herbert Zimmermann 1954 erfahren musste, nachdem er die Duisburger Torhüterlegende Toni Turek während des WM-Finales von Bern als „Fußballgott“ bezeichnet hatte. Mit dem Hinweis, dass das Umfeld der 1950er-Jahre sich nur schwerlich mit der Situation in den 2010er-Jahren vergleichen ließe, konnte ich einstweilen beruhigt werden. Da Klappern bekanntlich zum Geschäft gehört, kann ich mittlerweile gut mit dem Pseudonym leben, obwohl mir die mitschwingende Hybris grundsätzlich fern liegt, und ich zudem in der Zwischenzeit tatsächlich mehrfach von religiösen Kreisen für die Namenswahl kritisiert worden bin.

Unterstützt von zahlreichen Zuschriften aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich, die ich seit meinem Einstieg bei Gefragt - Gejagt erhalten habe, entstand Anfang 2020 in Gesprächen mit dem Heel Verlag aus Königswinter nun die Idee, meine Quizwelt einem breiten Leserpublikum zugänglich zu machen und konkrete Tipps zu geben, wie jeder Einzelne zu einem besseren Quizzer und letztlich vielleicht zum besagten „Quizgott“ werden kann. Aufbauend auf dieser Idee erfahren Sie in den folgenden Kapiteln was ein Quiz überhaupt ist und wie das Wort „Quiz“ möglicherweise entstanden sein könnte.

Sie erhalten einen Überblick über die verschiedenen Quizformen mit besonderem Fokus auf Deutschland und seine Szene, alle Infos zu meiner Herkunft und speziellen Quiz-Vita und interessante Informationen über die anderen deutschen Jägerinnen und Jäger von Gefragt - Gejagt, die ich hierzu ausführlich befragt habe. Mit welchen Techniken Sie sich persönlich zu einem besseren Quizzer entwickeln können und was eine gute Quizfrage ausmacht, erfahren Sie in den Kapiteln 5 und 6, während Kapitel 7 endgültig von der Theorie zur Praxis überleitet: Hier präsentiere ich Ihnen 150 meiner schönsten Quizfragen, die sicherlich einen spannenden Trainingseinstieg auf Ihrem Weg in die Quizelite darstellen. Damit das Lernen auch während der ersten Kapitel nicht zu kurz kommt, versuchen Sie sich doch einmal an den eingestreuten „Wissenshäppchen“, die einzelne Textabschnitte näher beleuchten.


Ich wünsche Ihnen nun viel Spaß beim Gehirnjogging


VON GYMNASIALLEHRERN, THEBANISCHEN WEGELAGERINNEN UND SCHWARZEN TEICHEN

Es scheint mir nicht gänzlich unangebracht, ein Buch, das sich zu einem erklecklichen Teil mit Wissen beschäftigt, mit einem Gymnasiallehrer beginnen zu lassen. Dies gilt umso mehr, wenn sich der Geburtsort des besagten Herrn in relativer Nähe zu meiner Duisburger Homebase, nämlich in Wesel, befindet, und der Mann außerdem dem bekanntesten Wörterbuch der deutschen Sprache seinen Namen vererbt hat. Es geht, wie Sie sicher erahnen können, um Konrad Duden, der im Januar 1829 in Lackhausen, das heute zur Stadt Wesel gehört, das Licht der Welt erblickte. Auch wenn - oder gerade weil - seine wissenschaftliche Ausbildung nicht gerade stringent verlief (er brach sowohl das Studium wie auch das Referendariat im ersten Anlauf ab), gilt er doch als Kapazität auf seinem Gebiet, und wir wollen ihn bzw. eine aktuelle Ausgabe seines Werks bemühen, um uns unserem eigentlichen Thema, dem Quiz in allen seinen Facetten, anzunähern. Was also findet man im Duden unter dem Stichwort „Quiz“:

Quiz, das - Substantiv, Neutrum

Bedeutung: besonders im Fernsehen, Rundfunk veranstaltetes Frage-und-Antwort-Spiel, bei dem die Antworten innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit gegeben werden müssen.

Herkunft: englisch quiz, eigentlich = schrulliger Kauz; Neckerei, Ulk, Herkunft ungeklärt

Grammatik: das Quiz; Genitiv: des Quiz, Plural: die Quiz, umgangssprachlich auch: Quizze

Im Hinblick auf die Bedeutung des Wortes kann ich Konrad hier mit gewissen Einschränkungen folgen, denn was soll ein Quiz anderes sein, als ein Frage-und-Antwort-Spiel. Auch beim Zeitaspekt gehe ich d’accord, wenn auch einschränkend gesagt werden muss, dass diese Restriktion bei verschiedenen Quizformen völlig unterschiedlich gestaltet sein kann. Den besonderen Fokus, den der Duden auf Quizze im Fernsehen oder im Rundfunk legt, kann ich aus heutiger Sicht nicht nachvollziehen, und wir werden im Laufe dieses Buches sehen, dass die Quizwelt wesentlich breiter aufgestellt ist.

Im Abschnitt zur Wortherkunft lernen wir weiterhin, dass das Wort Quiz der englischen Sprache entlehnt ist, dass die ursprüngliche Etymologie ungeklärt ist und dass „a quiz“ in der englischsprachigen Welt irgendwann einmal einen „schrulligen Kauz“ bezeichnete, also für Menschen Verwendung fand, die nicht in Gänze der Norm entsprechen. Dieser Einschätzung kann ich mit Blick auf die heutige Quizszene beinahe uneingeschränkt zustimmen, ohne das auch nur im Geringsten abwertend zu meinen.

Die Grammatik, vielleicht geht es Ihnen da ähnlich, ist nicht gerade mein Steckenpferd. Da ein Einschreiten Konrads zudem eher nicht zu befürchten ist, möchte ich mir auf diesem weiten Feld eine bescheidene Frechheit erlauben: Auf allen Seiten dieses Buches werde ich den Rat des Dudens konsequent ignorieren und die Mehrzahl des Wortes „Quiz“ als „Quizze“ wiedergeben. Auch auf die sperrigen Komposita „Quizspielerin“ und „Quizspieler“ werde ich verzichten. Hier soll uns das Wort „Quizzer“ genügen.

#WISSENSHÄPPCHEN:

„Hinz und Kunz“ >>> Deutsche Redewendung mit der Bedeutung „Jedermann“. Hinz ist eine Kurzform für Heinrich, während Kunz für Konrad steht . Im Mittelalter waren beide Namen im deutschen Sprachraum bei Herr schern und im Volk überaus häufig.!

Nun ist Konrad Duden sicherlich nicht Hinz, aber doch Kunz, und eine zweite Meinung hat weder bei Ärzten noch bei Gymnasiallehrern je geschadet; also werfen wir noch zusätzlich einen Blick in ein weiteres Wörterbuch, das „Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache“, das teilweise auf Arbeiten beruht, die an der Akademie der Wissenschaften der DDR erstellt wurden.

Hier lesen wir zum Stichwort „Quiz“ unter anderem:

Quiz, das

Grammatik: Substantiv (Neutrum) – Genitiv Singular: Quiz – Nominativ Plural: Quiz

Nebenform: Quiz – Substantiv (Neutrum) – Genitiv Singular: Quiz – Nominativ Plural: Quizze

Herkunft: Englisch

Bedeutung: ein in heiterer Form gehaltenes Frage-und Antwortspiel, besonders bei Rundfunksendungen und Fernsehsendungen, wobei die Fragen meist in einer vorgeschriebenen Zeit beantwortet werden müssen.

Wie Sie feststellen können, werte Leser, unterscheiden sich die beiden Wörterbucheinträge nicht signifkant, und wir können mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass in Deutschland weitgehende lexikalische Einigkeit hinsichtlich des Wortes Quiz besteht. Dennoch fallen mir im zweiten Eintrag zwei Aspekte auf: Einerseits akzeptiert das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache meine angemaßte Pluralbildung „Quizze“ bereits als Nebenform, während der Duden mich in das umgangssprachliche Regal auslagert. Andererseits unterstellt die DudenKonkurrenz einem Quiz pauschal eine „heitere Form“. Geht es beim Quiz also lustig zu?

Auch wenn man nicht, wie Gefragt-Gejagt-Moderator Alexander Bommes, Jura studiert hat, sondern Wirtschaftswissenschaften, muss man sagen: „Es kommt darauf an“. Ein Trivial-Pursuit-Abend in fröhlicher Runde oder ein satter Geldgewinn bei Günther Jauch sind sicher heitere Events. Demgegenüber kann es schon furchteinflößend sein, in der Schnellraterunde des Quiz-Champion vor Johannes B. Kerner zu stehen und sieben korrekte Antworten in einer Minute geben zu müssen. Dass ein Quiz aber auch eine überaus ernste Angelegenheit mit schlimmen Folgen für Quizzer und Quizmaster sein kann, zeigt eines der ältesten Beispiele für ein Quiz aus der Weltliteratur.

Es muss sich in der Bronzezeit zugetragen haben und zwar in der Nähe der griechischen Stadt Theben, in der antiken Landschaft Böotien, die für damalige Athener in etwa denselben Stellenwert hatte, wie der Bayerische Wald für heutige Münchner. Dort saß auf einem Felsvorsprung, wahrscheinlich neben einer in der Rush Hour vielbefahrenen Wagenbahn, ein schreckliches Mischwesen, die Sphinx. Aus welchen Lebewesen diese gefährliche Phantasiegestalt zusammengesetzt war, ist nicht eindeutig zu klären. Ein geflügelter Löwe mit dem Kopf einer Frau gilt als häufige Darstellungsform, aber auch genetische Beiträge von Schlangen etc. sind nicht auszuschließen. In jedem Fall versperrte diese unangenehme Erscheinung Touristen und Geschäftsreisenden den Weg in die Stadt Theben, was den Fremdenverkehrsverband zur Weißglut trieb. Damit aber nicht genug! Die Sphinx gehörte keineswegs zur veganen Fraktion, sondern verschlang alle Passanten, die eine von ihr formulierte Frage nicht lösen konnten. Das macht sie uns natürlich wieder einigermaßen sympathisch, da sie sicherlich zu den frühesten Quizmasterinnen der Weltgeschichte gehörte, auch wenn es sich nur um Sagenstoff handelt.

Kennen Sie Ihren Gustav Schwab und seine „Sagen des klassischen Altertums“ noch und können die Frage bzw. das Rätsel der Sphinx herunterbeten? Zwar gilt auch für mich „Graeca non leguntur“, aber auf Deutsch kann ich Ihnen Hilfestellung leisten wie einst Ihr Sportlehrer am Reck. Die Löwenfrau fragte: „Was ist am Morgen vierfüßig, am Mittag zweifüßig, am Abend dreifüßig? Von allen Geschöpfen wechselt es allein mit der Zahl seiner Füße; aber eben wenn es die meisten Füße bewegt, sind Kraft und Schnelligkeit seiner Glieder ihm am geringsten.“ Das ist natürlich eine knallharte Frage. Wir wissen auch nicht, ob alle die da ihres Weges kamen, des Griechischen mächtig waren und ob die Sphinx eine angemessene Überlegungszeit einräumte, wie das in der modernen Quizszene üblich ist. So wurde sie wohl über eine längere Zeitspanne zur tödlichsten und gefräßigsten Quizmasterin, die uns bekannt ist.

#WISSENSHÄPPCHEN:

„Graeca non leguntur.“ >>> „Griechisches wird nicht gelesen.“ Im vorhumanistischen mit telalterlichen Vorlesungsbetrieb wurden Textpassagen in griechischer Sprache schlicht übergangen, da die Lehrer für gewöhnlich kein Griechisch beherrschten.!

Schließlich fand die Casting-Abteilung aber doch einen Kandidaten, der der Sphinx das Wasser bzw. die Antwort reichen konnte. Zur besten Sendezeit kam der smarte Ödipus daher, der kurz zuvor Opfer unglücklicher Umstände geworden war und nichts ahnend seinen eigenen Vater erschlagen hatte, wie es diesem einst prophezeit worden war. Kreon, der Herrscher über Theben, hatte mutige Quizzer mit einer großartigen

Belohnung angespornt, sich der Herausforderung der Sphinx zu stellen. Er versprach den Thron Thebens und zudem seine Schwester Iokaste als Ehefrau. Dem konnte Ödipus nicht widerstehen und trat der Sphinx gegenüber. Er löste die Quizfrage mit der verblüffend simplen Antwort „der Mensch“. Denn dieser krabbelt als Kleinkind auf allen vieren, geht als Erwachsener auf zwei Beinen und nutzt im Alter einen Stock als drittes Bein. Die Reaktion der Sphinx auf die gelöste Frage zeigt, wie wenig heiter ein Quiz eben auch sein kann: Aus Scham und Verzweiflung stürzte sich die Quizmasterin in einen Abgrund und war nicht mehr. Aber auch der Kandidat wurde mit seinem scheinbaren Millionengewinn nicht glücklich. Zwar wurde Ödipus tatsächlich König von Theben und heiratete Iokaste, bald stellte sich jedoch heraus, dass diese seine eigene, ihm unbekannte Mutter war, mit der er jetzt in Blutschande lebte. Mit dieser Nachricht kam er überhaupt nicht klar, stach sich in Agonie die Augen aus und verließ -in den meisten Versionen der Geschichte - die Stadt Theben.

#WISSENSHÄPPCHEN:

Ödipus >>> Gestalt aus der griechischen My thologie. In vielen Versionen Sohn von Laios, König von Thebe n, und Iokaste. Der Name bedeutet „Schwellfuß“. Als Neugeborenem wurden Ödipus die Füße durchstochen und anschließend zusammengebunden, um ihn aussetzen zu können.!

Nun aber genug mit dieser gar erschröcklichen Episode und zurück zu unseren Wörterbüchern. In beiden oben zitierten Werken wird der Ursprung des Wortes „Quiz“ in der englischen Sprache verortet. Beide Werke erwähnen auch frühere Wortbedeutungen, die in die Richtung „Spaß“, „Ulk“ oder „schrulliger Kauz“ gehen. Letztendlich konstatieren aber sowohl der Duden als auch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, dass die ursprüngliche Wortgenese ungeklärt ist. Befragt man englische Wörterbücher, so findet man heraus, dass sich Textbelege für das Wort „Quiz“ erstmals in den letzten beiden Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts finden lassen. Hier scheint also einmal ausnahmsweise nicht der gute William Shakespeare aus Stratford-upon-Avon für einen angelsächsischen Neologismus verantwortlich zu sein. Wenn es aber der „Meister des Blankverses“ nicht war, und auch sonst kein historischer „Täter“ für die Schöpfung des Wortes „Quiz“ verantwortlich gemacht werden kann, liegt es der britischen Mentalität nahe, eine spleenige Anekdote zu präsentieren, die alle zufriedenstellt. So auch hier!

Unser Weg führt uns auf 53 Grad und 21 Minuten nördlicher Breite sowie 6 Grad und 16 Minuten westlicher Länge an den „schwarzen Teich“. Bevor Sie Google-Maps oder ein Gälisch-Lexikon bemühen müssen helfe ich Ihnen: Wir begeben uns in die irische Hauptstadt Dublin und zwar in das Jahr 1791. Dort soll es, laut der Anekdote, einen Theaterdirektor namens Richard Daly gegeben haben. In anderen Versionen der Geschichte lautet sein Vorname wohl auch John oder James, was den wankelmütigen Charakter der Episode nur verstärkt. Dieser Daly ließ sich angeblich zu einer Wette hinreißen, in der er versprach, binnen 24 Stunden ein bislang unbekanntes Wort in die englische Sprache einzuführen. So unmöglich das auf den ersten Blick auch erscheinen mag, Daly war erfinderisch:

Er suchte sich ein beliebiges Nonsens-Wort aus, heuerte eine Gruppe von Straßenjungen an und ließ diese das Wort an alle möglichen Wände in der Stadt Dublin kritzeln. Innerhalb kürzester Zeit sprachen die braven Bürger der Stadt nur noch über Dalys Wort und rätselten, was es wohl bedeuten möge. Wie Sie sicher erraten haben, lautete der Nonsens-Begriff des Theatermannes „Quiz“. Er gewann seine Wette und die vier zusammengesetzten Buchstaben erhielten in der Folge genau die Bedeutung, die sie für die Einwohner Dublins vom ersten Moment an gehabt hatten, nämlich „Rätsel“.

#WISSENSHÄPPCHEN:

Dublin >>> Haupt stadt und größte Stadt der Republik Irland. Name ab - geleitet vom irischen „Duibhlinn“, was im Deut schen „schwarzer Teich“ bedeutet. Der Stadtname im modernen Irisch lautet „Baile Átha Cliath“ (zu Deutsch: „Stadt an der Hürdenfurt“).!


VON QUIZ TIDEN, PUBLIC HOUSES UND EINEM DICKEN WIRT

Zurzeit befindet sich Deutschland in einer Phase ungekannter Leidenschaft für das Thema Quiz. Apps sprießen wie Pilze aus dem Boden, Fernsehshows werden in Fülle neu aufgelegt, Kneipen erkennen die wirtschaftliche und stimmungsmäßige Bedeutung von Tablequiz-Veranstaltungen für ihren Betrieb und eine stetig zunehmende Zahl von Deutschen kann sich auch für das Quiz als Wettkampfform begeistern. Das war nicht immer so und an manchen unserer Nachbarländer - teilweise deutschsprachig, teilweise nicht - geht dieser Hype auch fast gänzlich vorbei. In diesem Kapitel wollen wir uns einen Überblick verschaffen, welche Formen von Quiz in unserer Republik bestehen bzw. vorherrschen, welche Entwicklung sie genommen haben und welcher Status quo für die einzelnen Formen zu verzeichnen ist. Dabei bitte ich die Freunde der Apps, Brettspiele und Hörfunkquizze unter den Lesern dieses Buches vorab um Entschuldigung, da wir uns im Folgenden auf die drei zentralen Felder Fernsehquiz, Kneipenquiz und Wettkampfquiz fokussieren wollen.

#WISSENSHÄPPCHEN:

Status quo >>> Der gegenwärtige Zustand einer Sache. Der Ausdruck ist der lateinischen Rechtssprache entnommen und stellt eine Verkürzung von „in statu quo res erant ante bellum“ (zu Deutsch: „In dem Zustand, in dem die Dinge vor dem Krieg waren.“) dar.!

FERNSEHQUIZ

Die TV-Quizshow am Nachmittag, am Vorabend oder zur Hauptsendezeit ist in Deutschland fast so alt wie das Medium selbst. Zu den frühesten Vertretern gehören noch heute bekannte Namen wie Was bin ich? mit Robert Lembke, Hätten Sie’s gewußt? mit Heinz Maegerlein oder das Tick-Tack-Quiz mit Fritz Benscher, bei dem Kuckucksuhren als Trostpreis vergeben wurden. Seit Mitte der 1950er-Jahre - als die drei genannten Shows entstanden - bis heute, hat die Popularität von Quizsendungen im deutschen Fernsehen aber keine lineare Entwicklung erfahren. Man muss vielmehr einen gezeitenartigen Verlauf konstatieren, den ich als die „Quiztiden“ beschreiben möchte. Zunächst bestanden die Klassiker, deren Beliebtheit bis in die 1980er-Jahre anhielt. Nach einer Flaute von zehn bis fünfzehn Jahren löste ab 1999 Wer wird Millionär? mit Günther Jauch den Boom der zweiten Welle aus. Trotz des Fortbestehens des RTL-Flaggschiffs ebbte aber auch diese Entwicklung wieder ab, ehe es - etwa seit 2012 - zu einer weiteren, noch anhaltenden Hochphase für das Raten auf der Mattscheibe kam.

Die folgende Graphik verdeutlicht, welche ausgewählten Sendungen ich welcher Tide zuordnen würde. Überprüfen Sie gern, ob Sie mit meiner Einschätzung übereinstimmen.


Die Klassiker Die 2. Welle Gegenwart
• Hätten Sie‘s gewußt? • Wer wird Millionär? • Der Quiz-Champion
• Was bin ich? • Riskant! / Jeopardy • Ich weiß alles!
• Alles oder nichts • Die Quiz-Show • Gefragt – Gejagt
• Einer wird gewinnen • Das Quiz (Jörg Pilawa) • Quizduell
• Der große Preis • Rette die Million! • Wer weiß denn sowas?
• Die Pyramide • Der Schwächste fiegt • Genial daneben – Das Quiz
• Ich trage einen großen Namen (seit 1997)

Ich möchte nicht zu viel Papier für die Beschreibung der einzelnen Sendungen verbrauchen, kann es mir aber doch nicht entgehen lassen, ein paar hübsche Details anzusprechen, die mir auf den Nägeln brennen. Wenn Ihnen dies zu erratisch vorkommt, liebe Leser, so betrachten Sie die Sprunghaftigkeit schlicht als ureigenen Wesenszug von Quiz an sich.

Mit Hätten Sie’s gewußt? präsentierte Heinz Maegerlein ab 1958 eine deutsche Adaption der US-Show Twenty-One. Die amerikanische Version ist insbesondere durch einen Skandal in Erinnerung geblieben, der sogar vor dem US-Kongress verhandelt wurde. Dem College-Professor Charles Van Doren und anderen Kandidaten waren korrekte Antworten vorab durch die Redaktion verraten worden, um den gewünschten Ausgang herbeizuführen. Auch Hollywood nahm sich des Themas an: Robert Redford verfilmte den Skandal 1994 unter dem Titel Quiz Show. Die deutsche Ausgabe hatte nichts Skandalöses an sich, zeugt aber in YouTube-Schnipseln noch heute vom verstaubten Geschlechterbild der Epoche. Das Spielprinzip – man musste über Fragen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden und darauf aufbauenden Punktwerten 21 Zähler erreichen – basiert lose auf dem Kartenspiel „Siebzehn und Vier“. In der Sendung gab es nur Sachpreise zu gewinnen, die in einer Isetta von BMW als Hauptpreis gipfelten. Ein Markenzeichen in der Show waren auch die oft genutzten humorvollen Zeichnungen von Manfred Schmidt.

Der Münchner Robert Lembke, der die Radioübertragung des „Wunders von Bern“ 1954 mit seiner Stimme eingeleitet hatte, moderierte zwischen 1955 und 1958 und erneut zwischen 1961 und 1989 mehr als 300 Folgen von Was bin ich?, dem „heiteren Beruferaten“. Die erste Ausgabe trug den Titel „Ja oder Nein. Ein psychologisches Extemporale mit sieben unbekannten Größen“. Das bekannteste Rateteam der Sendung bestand aus Annette von Aretin, Marianne Koch, Hans Sachs und Guido Baumann aus der Schweiz. Das Sparschwein, die Fünf-Mark-Stücke als Preisgeld und Lembkes Satz „Welches Schweinderl hätten S’ denn gern?“ sind noch heute Allgemeingut.

Einer wird gewinnen mit Hans-Joachim „Kuli“ Kulenkampff war ein Quiz mit internationalen Kandidaten, das die europäische Einigung unterstützen sollte. Auch der Titel wurde mit dieser Intention gewählt, da er zu „EWG“ abgekürzt werden konnte, was auch für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft – die heutige EU – stand. Kulenkampff war durch seine joviale und weltmännische Moderation das Zentrum jeder Sendung und drängte Wettkampf und Regeln in den Hintergrund. Zu Beginn präsentierte er stets eine „Conférence“ zu aktuellen Geschehnissen, später gab es einen Einspielfilm namens „Kulinade“ und am Ende jeder Ausgabe übergab ihm der Butler, Herr Martin, Mantel, Schal und Hut. Dass der Butler von Martin Jente, dem Produzenten der Sendung gespielt wurde, stellt eine besondere Ironie dar.

Bei Der große Preis mit Wim Thoelke stand im Gegensatz zu „EWG“ das Quiz im Mittelpunkt, während die Show in den Hintergrund rückte und allenfalls durch die Auftritte der Figuren Wum und Wendelin aufschien. Für mich persönlich ist es die erste Fernsehquizsendung, an die ich Erinnerungen habe und sie sind durchweg positiv belegt. Viele assoziieren mit der Sendung noch heute die große Multivisionswand, Thoelkes Ruf „Risiko“ und die futuristischen Kugeln, in denen die drei Kandidaten Platz nehmen durften oder mussten.

Ich trage einen großen Namen läuft in SDR und SWF seit dem Jahr 1977. Dabei handelt es sich um eine der ältesten noch laufenden Fernsehquizshows in Deutschland. Pro Sendung treten zwei Gäste auf, die jeweils mit einer Berühmtheit aus der Vergangenheit verwandt sind oder in naher Verbindung stehen. Die Berühmtheit muss vom Rate-Panel über Fragen an die Gäste ermittelt werden, die nur mit Ja oder Nein antworten dürfen. Gäste mit großer Ähnlichkeit zu ihren Vorfahren sind nur im Schattenriss zu sehen. Seit 2020 moderiert Julia Westlake die Sendung. Sie übernahm den Staffelstab von Wieland Backes, der zuvor 465 Folgen geleitet hatte.

#WISSENSHÄPPCHEN:

Risiko >>> Möglichkeit des Eintritts zukünftiger Ereignisse, die negative Folgen in sich bergen. Das Wort leitet sich wohl aus der italienischen Sprache ab. Diskutiert wird eine Ableitung aus „risco“, was im Altitalienischen so viel wie „Klippe“ bedeutet. Auch eine Entstehung aus dem arabischen Wort „rizq“ („Lebensunterhalt, der von Gott und Schicksal abhängt“) ist möglich.!

Wer wird Millionär? … was soll man zu dieser Sendung schreiben, die für die Quizleidenschaft der Deutschen von so großer Bedeutung ist und die fast jeder en detail kennt? Vielleicht nur, dass sie auf dem britischen Original Who Wants to Be a Millionaire? basiert, dass die Bedeutung von Günther Jauch für den deutschen Ableger gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, und dass es bis heute (Stand 2020) in Deutschland - abgesehen von den Prominenten-Specials -13 Personen gab, die sich den Hauptgewinn holten: Eckhard Freise, Marlene Grabherr, Gerhard Krammer, Maria Wienströer, Stefan Lang, Timur Hahn, Ralf Schnoor, Sebastian Langrock, Thorsten Fischer, Nadja Sidikjar, Leon Windscheid, Jan Stroh und Ronald Tenholte.

Beim Nachdenken über Riskant!, die erste deutsche Variante der US-Show Jeopardy! mit Moderator Hans-Jürgen Bäumler, schleicht sich noch heute ein Grinsen in mein Gesicht. Wahrscheinlich geht das auch Ihnen so, liebe Leser, wenn ich an die großen Scheuklappen, die sogenannten „Blickwinkelkonzentratoren“, erinnere, die den Kandidaten im Finale übergestülpt wurden.

Zwei der aktuell erfolgreichsten deutschen Quizshows auf der Vorabendschiene will ich in einer gesonderten Gegenüberstellung vergleichen. Sie ahnen, dass es sich bei der ersten Sendung aus persönlichem Anlass um Gefragt – Gejagt handelt, das mit seiner ARD-Staffel im Jahr 2019 auf einen durchschnittlichen Marktanteil von starken 15,4 % kam. Noch etwas besser schnitt das Vergleichsformat Wer weiß denn sowas? in dieser Hinsicht ab. 2018 erreichte die Sendung nach den mir vorliegenden Daten eine Quote von durchschnittlichen 17,3 % … ohne Gewähr!


Wer weiß denn sowas? Gefragt - Gejagt
• Vorabend • Vorabend
• Basiert auf Prominenten • Basiert nicht auf Prominenten
• Langsam • Schnell / Viele Fragen je Zeiteinheit
• Gewinne unbedeutend • Gewinne bedeutender
• Skurrile, instruktive Fragen • In Mehrheit lösbare Fragen
• Auflösungsfilme • Keine Auflösungsfilme
• Multiple-Choice • Mischung aus Multiple-Choice und offenen Fragen
• Publikum beteiligt • Publikum nicht beteiligt
• Eher schwache Klimax • Klassische Finalklimax

Beide Formate sind, wie Sie ohne Zweifel feststellen konnten, in vielerlei Hinsicht verschieden. Dennoch haben beide auf dem gleichen Sendeplatz, den sie im Wechsel belegen, große Erfolge eingefahren und können sich jeweils über eine beträchtliche Fanbase freuen, die sie auch in den sozialen Medien unterstützt. Die gegenwärtige Quizleidenschaft der Deutschen wird durch zwei so divergente Shows mit beinahe gleich großem Erfolg eindrucksvoll belegt.

KNEIPENQUIZ

Das Kneipenquiz, Pubquiz oder Tablequiz ist ein Phänomen und gleichzeitig eine Tradition von den Britischen Inseln, die aber auch in Deutschland immer weiter um sich greift. Zwar existiert keine abschließende Statistik, wie viele Quizze dieses Typs im Moment regelmäßig in der Republik stattfinden, aber es sind sicher mehrere Hundert, bei kontinuierlich zunehmenden Zahlen.

Gerade in Zeiten der „Erlebnisgastronomie“ und der schwindenden Bedeutung des klassischen Stammtischwesens erhalten Kneipenquizze - neben ihrer Bedeutung für Quizmaster und Spieler - auch zunehmend wirtschaftlichen Stellenwert für die Wirte. Das Pubquiz bildet mit seiner sozialen Komponente, die aus dem Spielen in Teams und dem begleitenden Konsum von Speisen und Getränken erwächst, zudem einen niedrigschwelligen Zugang für Wissensbegeisterte in die Quizwelt. Wer Hemmungen hat, sich direkt am Wettkampfquiz zu versuchen, das manchmal doch an ungeliebte Abiturklausuren erinnert, kann beim Pubquiz den idealen Einstieg für sich finden. Da trifft es sich gut, dass der englische Begriff „Pub“ direkt aus der Bezeichnung „Public House“, einem für die gesamte Öffentlichkeit zugänglichen Ort, abgeleitet ist. Beim Pubquiz kann sich wirklich jeder zu Hause fühlen und mit Freunden oder Kollegen einen geselligen Abend verbringen, der hoffentlich von spannenden Fragen untermalt ist.

#WISSENSHÄPPCHEN:

Hemmung >>> 1. Vorrichtung in Räderuhren, die das Gehwerk kurzzeitig unterbricht und dadurch nur in bestimmten Abständen weiterlaufen lässt; 2. Verhinderung des Weiterlaufens einer rechtlichen Frist; 3. Etwas, das jemanden in seinem Inneren daran hindert, etwas Bestimmtes zu tun.!

WIE ABER LÄUFT EIN KNEIPENQUIZ GRUNDSÄTZLICH AB?

 Man trifft sich in regelmäßigen Abständen in einer Kneipe und spielt unter Leitung eines Quizmasters, der in der Regel auch Autor der Fragen ist, ein Quiz.

 Das Quiz wird normalerweise in Teams gespielt. Die Zugehörigkeit zu einer Mannschaft ist meistens langfristig angelegt und wechselt nicht jede Woche. Viele Teams bilden einen gemeinsamen Freundeskreis oder haben einen ähnlichen Bezug. Es gestaltet sich aber nur selten problematisch, auch Einzelspieler, die ein Quiz kennenlernen wollen, in die Gruppen zu integrieren.

 Eine geringe Teilnahmegebühr pro Spieler oder pro Team ist zu entrichten, die zur Deckung der Druckkosten oder ähnlicher Auslagen dient oder manchmal einem Jackpot zugeführt wird.

 Der Quizmaster verliest die Fragen über das Mikrophon und teilt Bilderrunden oder ähnliche Aufgaben auf Papierstreifen aus. In vielen Kneipen kommt mittlerweile aber auch eine Kombination aus Beamer und Leinwand zum Einsatz.

 Die Teams rufen die Antworten, auf die sie sich in offener Diskussion geeinigt haben, nicht einfach in den Raum, sondern notieren sie auf Antwortbögen, die für das jeweilige Kneipenquiz individuell gestaltet sind. Diese Bögen werden später eingesammelt oder müssen beim Quizmaster abgegeben werden. Das Zeitlimit ist von Pub zu Pub verschieden, wird aber in jedem Fall vom Quizleiter klar angesprochen.

 Fast immer ist ein Kneipenquiz in Runden unterteilt, die sich hinsichtlich des Fragentyps, des Mediums, des Themas oder sonst wie unterscheiden.

 Für korrekte Antworten gibt es Punkte, die manchmal nach dem Schwierigkeitsgrad gewichtet sind. Am Ende gewinnt – wer hätte es gedacht – das Team mit den meisten Punkten.

 Häufig werden die Quizze durch spezielle Joker aufgelockert, die bei einzelnen Fragen gesetzt werden können. Ein großes Vorbild ist hier sicher einmal mehr Wer wird Millionär?. Die Joker können die Beantwortung einer besonders schwierigen Frage vereinfachen oder sie können Einfluss auf die Bepunktung der Aufgabe haben.

 Bei Kneipenquizzen gilt – wie auch beim Wettkampfquiz – ein grundsätzliches Smartphone-Verbot. Die Antworten sollen allein den Gehirnen der Teilnehmer entspringen und nicht auf verfügbare technische Geräte oder mitgeführte Bücher zurückgeführt werden können.

 Es gibt Kneipenquizze, die von größeren Unternehmen veranstaltet werden, die versuchen, ihr Produkt einigermaßen zeitgleich in mehreren gastronomischen Betrieben laufen zu lassen. Hier kann man eine gewisse Uniformität feststellen. Die große Masse der Quizze läuft aber örtlich höchst individuell ab. Das ist eine große Stärke dieser Quizform, die zukünftig vielleicht auch einen Trend zum Groundhopping im Quizbereich forcieren wird. Dieser Aspekt erschwert es mir aber auch, liebe Leser, Ihnen ein klares und eindeutiges Bild vom Ablauf eines Kneipenquizzes zu zeichnen. Ich begnüge mich also damit, Ihnen abschließend eine Zusammenschau typischer Runden im Pubquiz vorzustellen, die ich teilweise mit Beispielen versehen habe.

1 FRAGERUNDE MIT OFFENEN FRAGEN

Welche Stadt in Attika ist der traditionelle Hafen der griechischen Hauptstadt Athen und zugleich Europas größter Passagierhafen?

2 FRAGERUNDE MIT MULTIPLE-CHOICE-FRAGEN

Fragerunde mit Multiple-Choice-Fragen

A) Eine Liste der fränkischen Könige

B) Ein Suppenrezept

C) Das päpstliche Wappen

D) Ein Mühlespiel

3 THEMENRUNDE

Zehn Fragen zu einem identischen Thema. Beispielsweise zu Verkehrsmitteln, zur Farbe Blau, zu Personen mit dem Vornamen Peter oder zu Russland.

4 BILDERRUNDE

5 AUDIO- ODER MUSIKRUNDE

6 REBUS- RUNDE

7 RICH LIST

8 ANAGRAMMRUNDE

Welche Person verbirgt sich hinter dem Anagramm „Lehrt in Armut“?

9 NAME THE ODD ONE OUT

Welches Gericht passt nicht in die Reihe:

A) Souvlaki

B) Pljeskavica

C) Yakitori

D) Satay?

10 ZUORDNUNGSRUNDE

Bitte ordnet den folgenden Autobahnkreuzen die nächstliegende Stadt zu:

A) Westhofener Kreuz

B) Kreuz Gremberg

C) Kreuz Wünnenberg-Haaren

D) Sonnborner Kreuz

1) Wuppertal

2) Köln

3) Dortmund

4) Paderborn

11 TITELRATEN

Aus welchem Song stammt die folgende Textzeile: „Behind the shelter in the middle of a roundabout a pretty nurse is selling poppies from a tray. And though she feels as if she‘s in a play, she is anyway.“?

12 WER-BIN-ICH-RUNDE

HINWEIS 1: Man kennt mich seit dem 4. Oktober des Jahres 1950. Ich habe sieben Geschwister, von denen zwei noch immer auf dem Bauernhof leben, auf dem wir alle aufgewachsen sind. Meine Mutter ist berühmt für ihren Tapioka-Pudding.

HINWEIS 2: Ich bin auch schriftstellerisch tätig. Skurrilerweise beginnen alle meine Romane mit einem Zitat aus dem Werk des englischen Autors Edward Bulwer-Lytton. Es lautet: „Es war eine dunkle und stürmische Nacht.“

HINWEIS 3: Ich bin ein leidenschaftlicher Leser. Besonders angetan bin ich von dem Roman „Krieg und Frieden“, von dem ich täglich ein Wort lese. Meine Einstellung gilt als vorbildlich, da ich keine Niederlagen akzeptiere. Aus diesem Grund beschloss die NASA, die Mondlandefähre der Apollo-10-Mission nach mir zu benennen.

HINWEIS 4: Neben meiner Muttersprache beherrsche ich Serbokroatisch und etwas Französisch. Ich bin ein großartiger Baseballspieler auf der Position des Shortstop. Trotzdem kann mein Team nie gewinnen.

HINWEIS 5: Ich lebe häufig in einer Phantasiewelt, in der ich die verschiedensten Rollen ausfüllen kann. Ich habe u. a. Alter Egos als Eistanztrainer und als Joe Cool. Am häufigsten versetze ich mich jedoch in die Rolle eines englischen Kampfpiloten aus dem 1. Weltkrieg, der den Roten Baron jagt.

HINWEIS 6: Mein Bruder Spike lebt in der Wüste, in der Nähe von Needles in Kalifornien. Er ist gut befreundet mit mehreren Saguaro-Kakteen. Ich selbst bin eine fiktive Figur und sollte ursprünglich Sniffy heißen.

HINWEIS 7: Meine erste Besitzerin war ein Mädchen namens Lila. Sie musste mich aber zurückgeben, nachdem ihre Eltern in eine andere Wohnung gezogen waren. In gewissem Sinne gehöre ich zu den „Erdnüssen“.

HINWEIS 8: Mein geistiger Vater ist Charles Monroe Schulz.

HINWEIS 9: Mein bester Freund ist ein Vogel mit Namen Woodstock.

HINWEIS 10: Ich bin ein Beagle und mein Besitzer ist Charlie Brown.

WETTKAMPFQUIZ

Die Idee, Quiz als Wettkampfform, also als Sport im weitesten Sinne, zu veranstalten, ist noch relativ jung. Zwar gab es Vorläufer die ausgewogene Fragensets nach dem Leistungsprinzip und ohne immanenten Glücksfaktor etablierten, aber dies blieb lokal oder auf Institutionen, wie etwa Universitäten im angelsächsischen Raum, begrenzt. Die nationale oder gar internationale Ebene, die für andere Sportverbände selbstverständlich ist, wurde lange Zeit nicht erreicht. Erst in den 1990er-Jahren kam es in Großbritannien, einer klassischen Quizhochburg, zur Ausrichtung nationaler Meisterschaften. Der heutige „Weltverband“ der Quizzer, die „International Quizzing Association“ (IQA), wurde sogar erst im Jahr 2004 gegründet. Sie hat zudem einen Makel, den ich Ihnen, liebe Leser, durch die Anführungsstriche im vorherigen Satz angezeigt habe: Die IQA ist noch immer kein „echter“ Verband, sondern eine gewerbliche Firma in Form einer britischen Limited. Seit Jahren wird auf verschiedenen Ebenen versucht, diesen Systemfehler auf dem Weg zu ordentlich organisiertem Sport zu beheben. Bisher ist es aber nicht gelungen und die internationale Quizszene hat sich murrend mit dem Konstrukt arrangiert, das irgendwie doch in der Lage ist, vernünftige Welt- und Europameisterschaften zu organisieren.

#WISSENSHÄPPCHEN:

Angelsachsen >>> Germanisches Sammelvolk, das ab dem 5. Jahrhundert Großbritannien besiedelte und sich mit der keltisch-romanischen Vorbevölkerung vermischte. Die Zeit z wischen 450 und 1066 (Normannische Invasion) gilt traditionell als angelsächsische Periode der britischen Geschichte.!

Die IQA bietet jährlich zwei internationale Wettkampfformate an, die ich Ihnen kurz vorstellen möchte:

Die Quizweltmeisterschaft ist der jährliche Höhepunkt des Quizkalenders. Ihre englische Bezeichnung lautet World Quizzing Championships (WQC). Sie wird seit dem Jahr 2003 ausgetragen und findet normalerweise am ersten Samstag im Juni statt. Es handelt sich um ein dezentrales Event, das nicht an einem einzelnen Ort auf dem Globus ausgetragen wird. Stattdessen gibt es in jedem Teilnehmerland mindestens einen Veranstaltungsort, der die Quizzer dieser spezifischen Nation beherbergt. In großen Staaten, wie Indien oder den USA, werden auch mehrere Spielorte ausgewiesen. Dennoch müssen natürlich alle Teilnehmer ein identisches Fragenset beantworten, um den Quizweltmeister in der alleinigen Disziplin Einzel zu ermitteln. In vielen Ländern werden die Fragen allerdings vorab in die Landessprache übersetzt, so auch in Deutschland. Bei uns findet die WQC übrigens erst seit dem Jahr 2006 statt. Folgende Städte fungierten bislang als deutscher Austragungsort des Weltturniers: Ulm, Köln, Wuppertal, Bremen, Berlin (2x), Duisburg, Hannover (4x), Münster, Potsdam und Frankfurt.


Die WQC wird von Einzelspielern in schriftlicher Form („Klausurtyp“) bestritten. Es sind 240 Fragen innerhalb von 120 Minuten zu beantworten. Das Fragenset ist in acht Themengebiete à 30 Fragen eingeteilt. Pro richtiger Antwort gibt es einen Punkt. Allerdings wird bei der Weltmeisterschaft das schwächste Themengebiet jedes Quizzers gestrichen, so dass man maximal 210 Punkte erzielen kann. In den letzten Jahren war der Zuschnitt der acht Kategorien wie folgt: Medien, Welt, Entertainment, Geschichte, Wissenschaft, Sport, Lifestyle und Kultur.

Bei der WQC im Jahr 2019 gewann der Engländer Olav Bjortomt mit 171 von 210 möglichen Punkten (81,43 %) und holte sich seinen insgesamt vierten Titel. Rekordweltmeister ist ebenfalls ein Engländer: Kevin Ashman mit sechs Weltmeistertiteln. Weltweit nahmen 2.653 Quizzer an der WQC 2019 teil. Aus Deutschland waren 126 Quizzerinnen und Quizzer am Start. Die besten drei deutschen Starter – Holger Waldenberger, Sebastian Klussmann und meine Wenigkeit – erreichten die Ränge 36, 44 und 50. Eine Qualifkation für den Wettbewerb ist nicht erforderlich. Wenn Sie also teilnehmen wollen – und diese spannende Erfahrung lege ich Ihnen ans Herz – melden Sie sich beim Deutschen Quiz-Verein für das Event an (www.quizverein.de).

Die Quizeuropameisterschaft (European Quizzing Championships bzw. EQC) findet ebenfalls jährlich statt. Für gewöhnlich wird sie auf Anfang November terminiert. Im Gegensatz zur WQC wird sie an einem jährlich wechselnden zentralen Ort auf dem europäischen Kontinent veranstaltet. Durch die damit verbundene erhöhte Reiseaktivität ist die Teilnehmerzahl deutlich geringer als bei der Weltmeisterschaft und liegt meist bei ca. 200 Personen. Die EQC besteht nicht ausschließlich aus dem Einzel, sondern umfasst auch einen Doppelwettbewerb, ein Turnier für international gemischte Viererteams („Club Championships“) und die Europameisterschaft für Nationalmannschaften, die ebenfalls aus jeweils vier Personen bestehen. Aus deutscher Sicht muss man den EM-Titel im Einzel hervorheben, den Holger Waldenberger 2012 errang. Dies ist bis heute der einzige Titel in dieser Disziplin, der nicht an einen Spieler aus England oder Belgien ging. Bei den „Club Championships“ stand in den letzten Jahren auch immer ein Deutscher mit seinen Teamkameraden auf dem obersten Treppchen: 2017 war es Holger Waldenberger (Team: „Europalia“), 2018 und 2019 Sebastian Klussmann mit seiner Mannschaft „Sage Supercilia“. Bei den Nationalmannschaften wartet Deutschland weiterhin auf die erste Qualifikation für das Halbfinale. Bisher waren Platzierungen im Bereich der Ränge 7 bis 9 das höchste der Gefühle.

Verlassen wir aber nun die internationale Ebene und begeben uns in heimische Gefilde. Nach einem anstrengenden Quiztag kam es am Abend des 04. Juni 2011 zu einer Zusammenkunft in Berlin-Charlottenburg, die das Wettkampfquiz in Deutschland auf die Spur bringen sollte. Im „Dicken Wirt“ auf der Danckelmannstraße fand die Gründungsversammlung des Deutschen Quiz-Vereins e. V. (DQV) statt. Das Protokoll dokumentiert die bescheidenen Dimensionen der Veranstaltung: Zehn Personen waren anwesend, die von 20 Uhr bis 20:45 Uhr tagten, danach eine mehrstündige Pause einlegten, nur um schließlich ab 23 Uhr noch einige Punkte der Tagesordnung abzuarbeiten. Ich war seinerzeit anwesend und weiß, was in der Pause passierte. Wir traten mit zwei Teams beim Pubquiz im „Dicken Wirt“ an und blamierten uns – auch aufgrund der Fragen mit viel Lokalkolorit – fürchterlich. Dennoch kam die Vereinsgründung und die Wahl des ersten Vorstands mit Sebastian Klussmann, Manuel Hobiger und Sebastian Stoll zustande. Ein wichtiger Schritt, der offensichtlich genau nach dem Geschmack der Quizfreunde in Deutschland war. Denn heute, nur etwa neun Jahre später, hat der Verein über 700 Mitglieder in der ganzen Republik und setzt sich mit unveränderter Begeisterung für seinen Satzungszweck ein: Die Förderung des Quizzens als Wettkampfsport und Form der Wissensvermittlung in Deutschland.

Quizwettbewerbe, die der DQV regelmäßig ausrichtet und die sowohl Vereinsmitgliedern wie auch Nicht-Mitgliedern offenstehen, sind (www.quizverein.de):

 Die Deutschen Quizmeisterschaften (Einzel, Doppel, Viererteam und Buzzerquiz; jährlich und zentral; seit 2012)

 Die Regionalmeisterschafften (Jährlich und zentral; seit 2011; zurzeit in 9 deutschen Regionen)

 Der DQV Deutschland-Cup (Monatlich und dezentral; seit 2013)

Der DQV Deutschland-Cup scheint mir aufgrund seines dezentralen Charakters, der ideale Wettbewerb für Einsteiger in die deutsche Wettkampfszene zu sein. Er findet monatlich - außer im Juni und im November - an mehr als 30 Standorten überall in der Republik statt. Hier ein Überblick mit Stand Frühjahr 2020:


An allen Standorten werden dieselben 100 Fragen gespielt, so dass nach Auswertung aller Antworten eine deutschlandweite Rangliste erstellt werden kann. Auch eine Gesamtwertung, die alle zehn Cups umfasst, die in einer Saison abgehalten werden, existiert. Die folgenden Screenshots des Deckblatts aus dem Februar 2020 zeigen die Aufteilung des Deutschland-Cups in Kategorien und die groben Inhalte der Themenbereiche:


DEUTSCHLAND-CUP DQV Februar 2020
Autoren: Regeln:
XXXX XXXX Das Quiz besteht aus 10 Runden bzw. Themenkategorien zu je 10 Fragen. Die Gesamtpunktzahl eines Spielers wird durch die Anzahl seiner korrekten Antworten bei sämtlichen Fragen bestimmt (Keine Streichergebnisse!). Die maximale Spielzeit beträgt 60 Minuten. Wird nach dem Namen einer Person gefragt, genügt der Nachname, sofern der Vorname nicht explizit verlangt wird. Ein korrekter Nachname in Kombination mit einem falschen Vornamen gilt als falsche Antwort!


Kategorie: Inhalte: Punkte:
Geschichte Frühgeschichte, Antike, Mittelalter, Neuzeit, Zeitgeschichte, etc.
Politik & Wirtschaft Staatschefs, Regierungen, Parteien, Aktuefle politische Ereignisse, Politische Geographie, Unternehmen, Produkte, Märkte, etc.
Kunst & Kultur Bildende Kunstsprache, Religion, Philosophie, Mythologie, etc.
Literatur & Medien Belletristik, Drama, Lyrik, Comics, Zeitungen, Zeitschriften, etc.
Musik E-Musik, U-Musik, etc.
Film & Fernsehen Spielfilme, Kurzfilme, Dokumentationen, Filmpreise, Fernsehserien, Schauspieler, etc.
Lifestyle & Technik Mode, Essen & Trinken, Celebrities, Esoterik, Astrologie, Yoga, Internet, Hobbies, Werbung, Technik, etc,
Sport & Spiele Ballsport, Rückschlagspiele, Martial Arts, Wintersport, Leichtathletik, Rennsport, etc.
Welt & Natur Zoologfe, Botanik, Physische Geographie, Ethnologie, etc.
Wissenschaft Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Psychologie, Medizin, etc.
Gesamtpunktzahl

Für alle Ausgaben des Cups kann man sich über die oben genannte Webseite des Deutschen Quiz-Vereins anmelden, wenn man einen Standort in seiner Nähe identifiziert hat, den man bequem erreichen kann. Auch in Österreich und der Schweiz werden Wettbewerbe im Wettkampfquiz angeboten, die von den nationalen Verbänden betreut werden: Österreichischer Quiz Verband (ÖQV; seit 2016; www.quiz.tirol) und Schweizerischer Quiz-Verband (seit 2018; www.quizzing.ch).

Und damit Sie mir auch abnehmen wie dynamisch sich das Wettkampfquiz in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt hat, hier noch eine abschließende Grafik zum DQV Deutschland-Cup:


Pulsuz fraqment bitdi.

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Janr və etiketlər

Yaş həddi:
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Həcm:
166 səh. 27 illustrasiyalar
ISBN:
9783966641623
Naşir:
Müəllif hüququ sahibi:
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