Kitabı oxu: «Sherlock Holmes als Einbrecher»

Şrift:

Sir Arthur Conan Doyle

Sherlock Holmes als Einbrecher

Saga

Sherlock Holmes als Einbrecher ÜbersetztR. Lautenbach, A. Gleiner Original The Adventure of Charles Augustus MilvertonCoverbild/Illustration: Shutterstock Copyright © 1904, 2020 Arthur Conan Doyle und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726708387

1. Ebook-Auflage, 2020

Format: EPUB 3.0

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Sherlock Holmes als Einbrecher.

Obwohl die Vorgänge, von denen ich sprechen will, Jahre zurückliegen, kostet es mich doch eine gewisse Ueberwindung, sie jetzt dem Publikum zu erzählen. Vorher freilich würde es auch bei der grössten Diskretion und Zurückhaltung einfach unmöglich gewesen sein, sie der Oeffentlichkeit zu übergeben. Aber jetzt, wo die Hauptpersönlichkeit ausserhalb des Bereichs des irdischen Gerichtes, darf ich es bei der nötigen Vorsicht wagen, die Geschichte mitzuteilen, ohne dass sich jemand verletzt fühlen wird. Sie behandelt ein ganz eigenartiges Erlebnis meines Freundes Sherlock Holmes und meiner selbst. Der Leser wird wohl entschuldigen, dass ich das Datum, die Namen und alle sonstigen Angaben weglasse, bzw. abändere, so dass niemand der wirklichen Begebenheit auf die Spur kommen könnte.

Holmes und ich hatten unsern üblichen Abendspaziergang gemacht und waren um sechs Uhr in die Bakerstrasse zurückgekehrt; es war ein kalter Wintertag, trüb und nebelig. Als Holmes Licht machte, sahen wir eine Visitenkarte auf dem Tische liegen. Mein Freund warf einen flüchtigen Blick darauf und schleuderte sie verächtlich und unwillig auf den Fussboden. Ich hob sie auf und las:

Charles Augustus Milverton

Agent

Appledore Towers

Hampstead.

„Wer ist das?“ fragte ich.

,,Der schlechteste Kerl in ganz London,“ antwortete Holmes, als er sich an den Kamin setzte und seine Füsse am Feuer wärmte. „Steht etwas auf der Rückseite der Karte?“

Ich wandte sie um und las:

„Werde, um 6.30 vorsprechen — C. A. M.“

„Hm! Dann muss er ja gleich Kommen. Kennst du das schleichende, zusammenziehende Gefühl, Watson, wenn man im Zoologischen Garten vor dem Schlangenkäfig steht und die glatten, glänzenden, giftigen Geschöpfe mit den stechenden Augen und den bösartigen, breiten Gesichtern völlig lautlos umhergleiten sieht? Das ist ungefähr der Eindruck, den dieser Milverton auf mich macht. Ich habe in meinem Beruf mit etwa fünfzig Mördern zu tun gehabt, aber auch der schlimmste von ihnen war mir nicht so widerwärtig wie dieser ekle Mensch. Und doch muss ich leider geschäftlich mit ihm verhandeln — er kommt tatsächlich auf meine Einladung hierher.“

„Was ist denn der Mensch?“

„Das will ich dir sagen, Watson, er ist der erste aller Erpresser. Gott sei dem oder noch mehr der Aermsten gnädig, wenn Milverton ihre Geheimnisse in Erfahrung bringt. Mit lächelndem Mund und steinernem Herzen quetscht er sie aus wie eine Zitrone. Der Kerl ist genial in seiner Art und würde sich eine geachtete Stellung im Leben errungen haben, wenn er weniger anrüchige Geschäfte machte. Er geht in folgender Weise vor: Er lässt durchblicken, dass er für Briefe, die für reiche und hochgestellte Persönlichkeiten kompromittierend sind, hohe Summen zu zahlen bereit ist. Er bekommt dieses Material an Schriftstücken nicht nur von verräterischen Dienern und Dienstmädchen, sondern häufig auch von vornehmen Schurken, die in den Salons der feinen Welt verkehren und sich dort die Gunst und Zuneigung vertrauensseliger Weiber erworben haben. Dabei zahlt er nicht knauserig. Mir ist zufällig ein Fall bekannt, wo er einem Diener für blosse zwei Zeilen siebenhundert Pfund Sterling gegeben hat. Jener Fall endigte daraufhin natürlich mit dem Ruin einer hochangesehenen alt-englischen Familie. Alles, was in dieser Beziehung vorkommt, gelangt zur Kenntnis von Milverton, und es gibt Hunderte auf dieser Insel, die bei der Nennung seines Namens erblassen. Kein Mensch weiss, was ihm noch für Gefahren von diesem Manne drohen, keine unüberlegte Jugendtorheit ist mehr harmlos und vergessen, wenn Milverton davon weiss, denn er ist so reich und so schlau, dass er nicht von der Hand in den Mund arbeitet. Ich sagte bereits, er sei der schlechteste Kerl in ganz London, und ich möchte dich fragen, ob er nicht auch nach deiner Ansicht wirklich viel schlimmer ist als einer, der in der Leidenschaft seinen Gefährten niederschlägt; er, der planmässig und zum Vergnügen seine Mitmenschen quält und martert, nur, um seine sowieso schon dicken Geldsäcke noch mehr zu füllen?“

Ich hatte selten meinen Freund so tiefempfunden sprechen hören.

„Aber der Kerl muss doch strafrechtlich irgendwie zu fassen sein,“ sagte ich.

„Theoretisch, gewiss; aber praktisch nicht. Was würde es einer Frau zum Beispiel nützen, wenn sie den Vampyr ein paar Monate hinter Schloss und Riegel brächte und sich selbst dabei zugrunde richtete? Seine Opfer können nicht gegen ihn vorgehen. Wenn er jemals einen Unschuldigen bedrückte, dann wollten wir ihn wahrhaftig bald kriegen, aber er ist schlau wie der Teufel. Nein, nein, wir müssen auf andere Mittel und Wege sinnen, um ihm das Handwerk zu legen.“

„Und weshalb kommt er her?“

„Weil eine hochstehende Klientin mir ihren bedauerlichen Fall zu regeln übertragen hat. Es ist dies Fräulein Eva Brackwell, die gefeierte, schöne Debütantin der vergangenen Theatersaison. Sie will sich in ungefähr vierzehn Tagen mit dem Grafen von Dovercourt verheiraten. Dieser elende Milverton hat nun einige ziemlich unbesonnene Briefe von ihr in Händen — unbesonnene, Watson, durchaus keine schlimmen — die sie früher an einen armen Verehrer geschrieben hat. Sie würden aber in den Händen Milverton genügen, um das Verhältnis zu lösen. Milverton will nun diese Schriftstücke dem Grafen zuschicken, wenn ihm nicht alsbald ein hoher Geldbetrag ausgezahlt wird. Ich habe jetzt den Auftrag, mich mit ihm in Verbindung zu setzen und — mit ihm eine möglichst günstige Vereinbarung zu treffen.“

In diesem Augenblick hörte ich vor unserm Hause auf der Strasse den Hufschlag von Pferden und das Rasseln eines Wagens. Ich ging ans Fenster und sah einen eleganten Wagen mit zwei dampfenden Rappen drunten halten. Ein Diener öffnete den Wagenschlag, und ein kleiner, dicker Mann in einem schweren Pelzmantel trat heraus auf den Fusssteig. In der nächsten Minute stand er uns in unserm Zimmer gegenüber.

Charles Augustus Milverton war ein Mann von etwa fünfzig Jahren. Er hatte einen grossen, klugen Kopf, ein rundes, bartloses Gesicht, ein stetes, eisiges Lächeln und zwei kühne, graue Augen, die hinter einer grossen goldenen Brille hervorleuchteten. In seiner ganzen Erscheinung lag ein gewisses Wohlwollen, das nur durch das erzwungene Lächeln und das Funkeln der unruhigen, durchbohrenden Augen beeinträchtigt wurde. Seine Stimme war ebenso sanft und süss wie sein Gesicht, als er uns seine kleine fleischige Hand reichte und seinem Bedauern darüber Ausdruck gab, dass er uns bei seinem ersten Besuch nicht getroffen habe. Holmes tat, als ob er die ausgestreckte Hand nicht sähe, und blickte ihm mit eisiger Kälte ins Gesicht. Milvertons Lächeln wurde noch breiter; er zuckte mit der Schulter, zog seinen Pelzmantel aus, legte ihn, sorgfältig zusammengeschlagen, auf eine Stuhllehne und nahm dann Platz.

„Wer ist dieser Herr Hier?“ sagte er auf mich zeigend. „Ist er diskret? Ist er zuverlässig?“

„Doktor Watson, mein Freund und Teilhaber.“

„Schon gut, Herr Holmes. Ich fragte ja nur im Interesse unserer Klientin. Die Angelegenheit ist sehr delikat —“

,,Doktor Watson kennt sie bereits.“

„Ah so! Nun, dann können wir gleich miteinander verhandeln. Wie Sie sagen, sind Sie der Vertreter des Fräuleins Eva. Haben Sie von ihr die Ermächtigung, meine Bedingungen anzunehmen?“

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28 səh. 1 illustrasiya
ISBN:
9788726708387
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