Kitabı oxu: «Heimat-Roadtrips Allgäu»

Şrift:

STEFAN BLANK • ULRIKE NIEDERER


Exklusiv für Sie als Leser:

MIT GPS-DATEN ZUM DOWNLOAD

unter: gps.bruckmann.de


Inhalt

Einleitung

Route 1

Auf den Spuren von Pfarrer Kneipp – der Norden

Kuren in Bad Wörishofen

Kneipps Geburtsort: Stephansried

Barocke Pracht in Ottobeuren

Mit Zertifikat: Bad Grönenbach

Bauernhofmuseum Illerbeuren

Memmingen, Stadt der Freiheitsrechte

Kunstschätze in Buxheim

Wassererlebnis Bedernau

Route 2

Beim Kini und der Seehex – der Osten

Kloster Irsee – ein Gesamtkunstwerk

Grandiose Ausblicke auf dem Auerberg

Steingaden: Kloster und Rokokojuwel

Königsschlösser als Publikumsmagnet

Flanieren in Füssens Altstadt

Historische Häuser in Pfronten

Route 3

Gipfelgiganten und Hörnerdörfer – der Süden

Kempten – Metropole des Allgäus

Wertach, Heimat des Weißlacker

Reine Luft in Bad Hindelang

Oberstdorf, das Wintersportparadies

Tief hinabsteigen in Obermaiselstein

Postkartenidyll Balderschwang

Route 4

Von Drumlins, Wiesen und Wäldern – der Westen

»In Wangen bleibt man hangen«

Ländliches Leben in Wolfegg

Hochmoorgebiet in Bad Wurzach

In Leutkirch dem Treiben zuschauen

Faszination Glas in Schmidsfelden

Kunst und Kultur in Isny

Gute Aussichten in Lindenberg

Route 5

Von glücklichen Kühen – Erlebnis Käsestraße

Lindau – ganz schön nah am Paradies

Scheidegg, die Sonnenterrasse

Simmerberg und das »weiße Gold«

Selber käsen in Oberstaufen

Bei den Bergbauern in Diepolz

Route 6

Nachhaltiges Allgäu – Engagement in Sachen Zukunft

Nachhaltige Planung in Kempten

Katzbrui-Mühle

Wasserkraft für die Dinkelmühle Graf

Bürgerprojekt Allgäuer Genussmanufaktur

Hofgut Ratzenberg: hinter den Kulissen

Der Kräuterwirt im Rössle

Seeg – den Bienen auf der Spur

Die Eggensberger Energiewende

Orts- und Sachregister

Impressum


Oberhalb von Bad Hindelang eröffnet sich ein schöner Blick über das Allgäu.


Liebe Leserin, lieber Leser,

DAS ALLGÄU MIT SEINEN hohen Bergen und braunen Kühen auf saftig grünen Wiesen gehört mit zu den schönsten Winkeln Deutschlands. Da hat es sich längst herumgesprochen, dass hier die ganze Familie einen entspannten Urlaub erleben kann. Kein Wunder: Das Allgäu ist in jeder seiner Regionen ungemein vielfältig und abwechslungsreich. Außerdem scheint hier normalerweise die Sonne, wenn es andernorts grau und trübe ist.

Für Wandersleut’, Radler, Spaziergänger und Naturfreunde ist die warme Jahreszeit ideal, um das Allgäu zu erkunden, für Langläufer, Skifahrer, Skischanzenfans und Winterwanderer die kalten Monate des Jahres.

Mit diesem Buch laden wir Sie ein, uns auf sechs Routen mit Ihrem eigenen Gefährt kreuz und quer durch das Allgäu zu folgen. Am besten fahren Sie die Touren von Frühjahr bis Herbst, dann sind auch die Straßen »hintenrum« befahrbar. Im Norden begeben Sie sich auf die Spuren von Pfarrer Kneipp, im Osten führt kein Weg an Ludwigs Märchenschlössern und den Seen vorbei. Zu hohen Gipfeln und Hörnerdörfern lädt unsere Tour durch den Süden ein, und im Westen erwarten Sie Moorgebiete, Drumlins und stille Wälder. Nicht verpassen sollten Sie den berühmten Allgäuer Käse, daher erkunden wir gemeinsam die Käsestraße. Dass das Allgäu nachhaltig denkt und handelt, lernen Sie auf einer weiteren Tour kennen.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen »on the road«! Es gibt einiges zu entdecken, seien Sie gespannt!

Stefan Blank und Ulrike Niederer


Willkommen im Allgäu!

Allgäu«, das klingt verheißungsvoll und (ver-)lockt schon seit mehr als 200 Jahren Menschen aus nah und fern. Bereits um 1900 reisten Urlauber zuhauf und mit dem Zug aus dem »Unterland« – also der Stuttgarter Gegend – beispielsweise an die Adelegg, um sich hier im Winter auf die Ski zu schwingen oder im Sommer zu wandern. Denn es lockte der Schwarze Grat als höchster Berg Württembergs, Schnee und schöne Ausblicke inklusive. Großholzleute war der letzte Bahnhof auf württembergischer Seite, danach folgte der Grenzübertritt nach Bayern. Und der Gasthof Adler im Örtchen sollte Quartier werden für Großbürger aus der Stadt, Prinzessinnen und Prinzen, die bis aus England kamen, und später Zuflucht für Dichter und Denker. Im Adler wurden auch die ersten deutschen Skilehrer ausgebildet. Heute zählt das Allgäu zu den Top-Urlaubsregionen Deutschlands und gilt als die größte zusammenhängende Tourismusdestination.

Der Heimatbund Allgäu ist der Dachverband der Allgäuer Vereine, die im weitesten Sinne heimatpflegende Arbeit leisten. Hier haben sich die Ehrenamtlichen Gedanken über die Frage gemacht, was das Allgäu eigentlich sei – und eine wunderbar zutreffende Erklärung gefunden: »Das Allgäu ist keine Verwaltungseinheit, es ist kein staatliches Gebilde. Es ist eine Landschaft, die einen eigenen Charakter hat, und die Menschen, die darin wohnen, haben auch einen eigenen Charakter. Das Allgäu hält sich an keine politischen Grenzen. Es hat nicht einmal als inoffizielle Region richtige Grenzen, sondern einen Grenzsaum. Es geht sozusagen allmählich in andere Landschaften über. Wenn man von Norden her ins Allgäu fährt, merkt man es an der Luft, die langsam kühler wird, an den Wäldern, die dunkler werden, an den Wiesen, die saftiger werden, und an den Hügeln, Buckeln und zuletzt den Bergen, die sich immer größer aufschichten. Man kann es auch noch merken am immer häufiger werdenden Vieh, das graubraun ist und ein unvergleichliches ›Gesicht‹ hat, an der Sprache, die ›härter‹ wird, am häufigen, ergiebigen Regen und am langen Winter, an den Bauernhäusern und vielem anderen mehr.« – Alles stimmt.


Mit den Gipfeln im Hintergrund gilt Pfronten als idealer Startpunkt in die Allgäuer Bergwelt.

Wenn wir uns dem Allgäu auf einem anderen Weg annähern wollen, könnte man die Sprache in den Fokus nehmen und sich den Namen »Allgäu« einmal genauer ansehen. Man merkt schnell: Es heißt nicht »der« Allgäu, denn das Allgäu ist kein »Gau« wie der Breisgau, sondern ein »Ge-äu«, also »das« Allgäu. Die erste Silbe »All« oder »Alp« bringen die Alpen mit sich. Das »ge« wird gleich verwendet wie in »Ge-birge«. Das »äu« leitet sich her von den Auen, also den feuchten Landschaften am Wasser. Das »Alp-geäu« – althochdeutsch: albegowe, alpigoi oder alpegowe – bzw. das Allgäu ist also eine bergige Landschaft mit viel Wasser und Wiesen. So einfach ist das.

Seit der letzten Gebietsreform 1972 im Freistaat Bayern gibt es drei Landkreise, die offiziell und amtlich verbrieft den Namen Allgäu führen: Ober-, Ost- und Unterallgäu. Aber zum eigentlichen Allgäu gehören auch Gebiete in den bayerischen Landkreisen Lindau und Weilheim-Schongau sowie in den württembergischen Kreisen Ravensburg und Biberach. Zu Österreich gehören das Kleinwalsertal, das Örtchen Jungholz und das Tannheimer Tal.

Unsere Routen durchs Allgäu

Wir wollen dem Allgäu über die vier Regionen Norden, Osten, Süden und Westen nahekommen, die wir in unserem Buch beschreiben und die das Allgäu ausmachen. Besteigen Sie Ihr Fahrzeug und folgen Sie uns.

Der Norden

Den Norden des Allgäus bildet das Unterallgäu, häufig auch als »Kneippland« bezeichnet, war es doch die Heimat des Pfarrers Sebastian Kneipp, des Begründers und Namensgebers der weltberühmten Wasserkuren. Er hat die Gegend geprägt wie kein anderer vor oder nach ihm – also ideale Voraussetzungen für einen gesundheitsbewussten und entspannten Wellnessurlaub. Man kann wandern, radeln, Burgen, Klöster und beeindruckende Naturschauspiele wie den Illerdurchbruch entdecken oder sich in einem Bauernhofmuseum in die Vergangenheit versetzen lassen.

Der Osten

Das Ostallgäu glänzt mit reichlich Bergen, prächtigen Schlössern und vielen Seen. Manche bezeichnen die Region sogar als »Land der Schlösser, Berge und Seen«. Dazu gehört beispielsweise der künstlich aufgestaute zwölf Kilometer lange und drei Kilometer breite Forggensee. Neben traumhaften Landschaften mit grünen Wiesen und Wäldern im Vorder- und mächtigen Alpenmassiven im Hintergrund finden Besucher im Ostallgäu viele attraktive Sehenswürdigkeiten, allen voran Schloss Neuschwanstein in Schwangau, eine der in der ganzen Welt bekannten deutschen Attraktionen.

Der Süden

Im Süden dreht sich alles um die hohen Gipfel, um den Wintersport, Wandern und Biken, Klettern und Paddeln, Rodeln und Skispringen. Der Landkreis Oberallgäu grenzt direkt an Österreich und ist der südlichste Landkreis Deutschlands. Im Süden gibt es einmalige Aussichten auf die Allgäuer Alpen, Sonne satt und reichlich Fremdenverkehr. Besonders berühmt ist beispielsweise Oberstdorf: Hier beherrscht die mächtige Skiflugschanze den Ort, auf der jedes Jahr die Vierschanzentournee beginnt.

Almabtrieb: ein schönes Stück Brauchtum

Allgäuer Käse erfordert viel Handarbeit.

Der Westen

Das Westallgäu präsentiert sich für viele als das Allgäu-Klischee schlechthin: Auf grünen Wiesen weiden Hörnerkühe, es gibt wunderschöne Seen, ausgedehnte Moorgebiete, Flüsse und Wasserfälle sowie sanft gerundete Hügel mit dem putzigen Namen »Drumlin«. Der Westen lockt mit seiner landschaftlichen Schönheit, und von hier kommt der weltberühmte Allgäuer Käse. Lindenberg gilt als der sonnenreichste Ort Bayerns. Und wer etwa von Scheidegg aus Richtung Alpen blickt, schaut über den Bodensee und die Lindauer Insel, einen Touristenmagneten.

Allgäuer Käsestraße und Nachhaltigkeit

Zwei weitere allgäutypische Themen wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten: die Allgäuer Käsestraße und das große Thema Nachhaltigkeit. Unter dem Motto »Von der Wiese auf den Teller« schafft die Allgäuer Käsestraße eine Verbindung zwischen Sennereien, bäuerlichen Direktvermarktern und Hofläden und den Westallgäuer Ferienorten mit ihren gemütlichen Gaststätten und heimeligen Unterkünften. Damit ist sie – neben dem spannenden Thema Käse – wie geschaffen für einen erholsamen, erlebnisreichen Genussurlaub vor einmaliger Alpenkulisse.

Die Menschen im Allgäu sind dafür bekannt, innovativ zu sein und nachhaltig zu wirtschaften. Denn – da geben sich die Allgäuer ganz selbstbewusst–die Geschichte des Allgäus begann mit dem erfinderischen »Mächler« (Erfinder, Tüftler), der zum Macher wurde. Heute setzen sich Macherinnen und Macher für ihr Allgäu als nachhaltigen und gesunden Lebens-, Arbeitsund Urlaubsraum ein. Höchste Zeit, ihr Wirken näher zu betrachten.

Sonthofen ist die südlichstes Stadt Deutschlands und staatlich anerkannter Luftkurort.

Unterwegs mit dem eigenen Gefährt

Ein Hinweis vorweg: Die Mittagspause ist im gesamten Allgäu (noch) eine Institution. Bäckereien und Imbisse, Käseläden und Gasthäuser schließen am Mittag oder frühen Nachmittag für ein paar Stunden. Und außerhalb der touristischen Orte gibt es wenig Möglichkeiten, sich zu versorgen. Kaufen Sie also rechtzeitig für die Brotzeit ein und informieren Sie sich, bevor Sie zu einer unserer Touren starten, über die jeweiligen Öffnungszeiten. Wir raten Ihnen auch, eigene Gefäße und eine Kühltasche mitzunehmen: Das hilft nicht nur der Umwelt, sondern darin ist auch der eingekaufte Käse gut aufgehoben, und die frische Hörnermilch bleibt kalt.

Für die Routen haben wir Wege und Straßen ausgesucht, die normalerweise problemlos mit Motorrad, Auto, Bulli und Wohnmobil befahrbar sind. Wer mit dem Wohnmobil ungeübt ist, sollte wissen, dass die Straßen, die in die Alpentäler und auf die steilen Berge führen, mitunter sehr schmal sein können. Aber die touristisch interessanten Ziele sind meist gut zu erreichen.

Dem Navi sollten Sie niemals blind vertrauen, daher haben wir unsere Routen sehr genau und ausführlich beschrieben.

Parkplätze sind an den genannten Zielen immer vorhanden, ab und zu müssen Sie Parkgebühren zahlen. Viele größere Kommunen verfügen über ein eigenes Parkleitsystem (beispielsweise über die App Parkster), dem Sie sich problemlos anvertrauen können.

Es gibt zahlreiche E-Ladestationen, über die Sie sich online informieren können, beispielsweise unter www.all-in.de/kempten/c-lokales/elektromobilitaet-ladestationen-im-allgaeu_a5042754

Normalerweise verfügt jeder größere Ort über eine Touristeninformation oder zumindest einen Infopunkt, wo Sie reichlich Karten- und Infomaterial zum Ort und seiner Umgebung bekommen können.

Info

Übrigens: Um die im Allgäu allgegenwärtigen Kühe in ihrem natürlichen Umfeld so wenig wie möglich zu stören, hat der Bayerische Bauernverband zwölf Verhaltensregeln formuliert, an die Sie sich halten sollten. Grundsätzlich gilt: Verlassen Sie nicht die offiziell ausgewiesenen Wanderwege!

1.Eine Alm ist kein Streichelzoo! Meiden Sie direkten Kontakt mit den Tieren!

2.Machen Sie keine Selfies mit Weidetieren!

3.Halten Sie Abstand!

4.Machen Sie einen Bogen um Herden mit Kälbern! Kühe schützen ihre Kälber.

5.Gehen Sie langsam durch die Weide!

6.Machen Sie keine hektischen Bewegungen! Tiere sind schreckhaft.

7.Machen Sie keinen Lärm!

8.Trennen Sie nicht einzelne Tiere von der Herde!

9.Leinen Sie Hunde an! Kühe reagieren instinktbedingt nervös auf Hunde. Bei Gefahr: Hunde von der Leine lassen!

10.Achten Sie auf Warnsignale der Kühe, zum Beispiel Senken des Kopfes, Scharren, Brüllen …!

11.Nähern Sie sich Kühen nicht von vorne! Kühe haben ein ausgeprägtes seitliches Sichtfeld.

12.Kehren Sie den Kühen nicht unbeobachtet den Rücken zu!

Typisch Allgäu
Gelebtes Brauchtum

Traditionelle Zusammenkünfte und Feste gibt es viele im Allgäu – vom Generationen übergreifenden Vereinsleben bis zu Bräuchen mit vorchristlichem Ursprung. Dazu gehören die winterlichen Hörnerrennen, bei denen sich Schlittenmannschaften steile Hänge hinunterstürzen, oder die berühmte Viehscheid, die vom 8. September bis 3. Oktober in rund 30 Orten stattfindet. 30 000 Rinder kehren von den saftigen Bergweiden der Allgäuer Alpen ins Tal zurück und werden dort von Einheimischen und begeisterten Touristen erwartet. Außerdem werden Maibäume aufgestellt, zu Weihnachten der Christbaum gelobt und vieles mehr. Die örtliche Touristeninformation kann sicher weiterhelfen. Eine gute Übersicht über alle Feste bietet die Website www.dein-allgaeu.de/kultur/kultur_sagen_brauchtum.html

Hörnerkühe

Die für das Allgäu so typischen Kühe sieht man zum Glück wieder vermehrt mit Hörnern auf den Weiden stehen. Stolz tragen sie ihren natürlichen Kopfschmuck, was nicht nur gut für das Tier ist. So berichten beispielsweise viele Menschen mit Milchunverträglichkeiten, dass sie die Milch von Hörnerkühen besser vertragen als die hörnerloser Kühe. Leider passen aber Hörner nicht in eine Landwirtschaft, die möglichst viel Ertrag auf möglichst wenig Fläche erzielen will. Daher wird die Kuh dem Stall angepasst, und fast alle Kälbchen werden ein paar Wochen nach der Geburt enthornt. Heute haben mehr als 90 Prozent der Kühe in Deutschland keine Hörner mehr. Unumstritten ist, dass die Enthornung ein für die Tiere schmerzhafter Eingriff ist, denn im Gegensatz zum Nagel eines Menschen ist das Horn einer Kuh ein stark durchblutetes Organ.

Nur Demeter, der älteste Bioverband in Deutschland, schließt die Enthornung und die genetische Hornloszucht konsequent aus. Darüber hinaus halten einige engagierte Landwirte aus Überzeugung ebenfalls horntragende Rinder – und solche gibt es immer mehr im Allgäu.

Es lohnt sich also unbedingt für Mensch und Kuh, wenn Sie Produkte von horntragenden Kühen kaufen – dank Demeter auch in ganz Deutschland erhältlich. Einen hervorragenden Überblick über die entsprechenden Höfe gibt es auf der Website www.ueber-bio.de/wo-rinder-ihre-hoerner-behalten.

Essen und Trinken

Die Allgäuer Küche hat viel mehr zu bieten als Käsegerichte, auch wenn Ihnen vielleicht als erstes Kässpatzen, auch Kässpätzle genannt, einfallen. Deren Geheimnis ist der würzige Allgäuer Bergkäse. Die aromatischen Wildkräuter der Almen machen die Milch und damit auch den Käse so besonders. Diese Kräuter werden auch frisch in der Küche eingesetzt. Das Ergebnis ist eine kreative, ehrliche und trotzdem bodenständige Küche mit schwäbisch-bayerischem Einschlag – mal deftig, mal anspruchsvoll, mal einfach, aber immer gut. Hübsche Cafés, kleine Biergärten und historische Gasthäuser laden Sie ein, die Allgäuer Küche kennenzulernen. Wie wäre es beispielsweise mit einem Vesper, einer Brotzeit mit Käse, Wurst, kräftigem Brot oder einer Breze? Probieren sollten Sie beispielsweise Allgäuer Brennter (eine Art Brei aus grob gemahlenem Hafer mit Kartoffeln und Käse), Linsensuppe, Flädlesuppe (Pfannkuchensuppe), Allgäuer Schnitzel, Laubfrösche (Spinatröllchen) und Krautkrapfen. Dazu eines der köstlichen Biere, die im Allgäu gebraut werden, und zum Abschluss einen Schnaps, destilliert mit Allgäuer Obst, oder ein süßes Birnenbrot.

Wieder öfter zu sehen: Allgäuer Kühe »oben mit«, also natürlich mit Hörnern

Allgäuerisch für Anfänger

Im Allgäu gibt es zahlreiche regionale Dialekte. Das, was mit dem Sammelbegriff »Allgäuerisch« bezeichnet wird, stammt vom Alemannischen ab und ist daher eher mit dem Schwäbischen verwandt als mit dem Bayerischen. Trotzdem werden Ihnen im Ostallgäu vermehrt bayrische Begriffe begegnen und vielleicht auch mehr die bayrische Lebensart, während im Westen die schwäbische vorherrscht. Einen schönen Überblick über das Allgäuerische finden Sie auf den Webseiten https://allgaeu-erleben.com/woerterbuch.php und www.dein-allgaeu.de/regionen/regionen_woerterbuch_a.html.

Probieren Sie’s einfach mal mit einem herzlichen »Grüß Gott« oder einem »Griaß di«. Sie können ein wenig »ratsche« oder »schwätze« mit »de Leit« und sich mit einem »Pfiad di« verabschieden. Und wenn Sie tiefer in die Allgäuer Mentalität eintauchen wollen: »It gschimpft isch globt gnua!« bedeutet »Nicht geschimpft ist gelobt genug«, was wunderbar den gelebten Alltag im Allgäu widerspiegelt. Typisch Allgäu ist auch der Spruch, der das Frauentor in Wangen schmückt: »Lass Dir Zeit!«. Also nehmen Sie sich ausreichend Zeit und Muße, das Allgäu zu erfahren und zu genießen. Eines ist sicher: Sie werden zurückkommen wollen.


Im katholisch geprägten Allgäu gibt es zahlreiche Kirchen mit dem typischen »Zwiebelturm«.

Route 1
Auf den Spuren von Pfarrer Kneipp – der Norden

Der Norden des Allgäus wird entscheidend geprägt durch den berühmten Pfarrer Sebastian Kneipp (geb. 17. Mai 1821 in Stephansried, gestorben 17. Juni 1897 in Bad Wörishofen).


Als junger Mann erkrankte er schwer an Tuberkulose. Die Ärzte gaben ihn auf, doch Sebastian Kneipp suchte und fand seinen eigenen Weg, die Tuberkulose zu bekämpfen: Er vertraute auf die heilende Kraft des Wassers und auf die Heilkraft in sich selbst – ganz nach dem Motto: »gesunder Geist in gesundem Körper«. Seine ganzheitliche Therapie, mit der er weithin berühmt wurde, basiert bis heute auf fünf Wirkprinzipien: Wasser, Ernährung, Kräuter, Bewegung und innere Ordnung. Zahlreiche Kneippanlagen und Erlebnisstationen verwandeln den Norden des Allgäus heute in die Gesundheitsregion Aktiv Park Kneippland® Unterallgäu. Jede Erlebnisstation hat einen anderen Schwerpunkt: In Bad Wörishofen beispielsweise herrscht ein gesunder Dreiklang mit Kneippanlage, dem Osteo-Walk und der Gradieranlage, wo man Natursole einatmen kann. In Ottobeuren gibt es eine Erlebnistreppe und eine Meditationswiese, in Bedernau steht in der Naturtherme das heilende Wasser als eine der fünf Säulen der Kneipp’schen Lehre im Vordergrund.

Auf dieser Rundfahrt erfahren Sie im wahrsten Sinne des Wortes, wo und wie Kneipp gewirkt hat, was bis heute von ihm und seinem Erbe geblieben ist und was der nördliche Teil des Allgäus noch zu bieten hat.

Wir starten im Kurort Bad Wörishofen, wo Kneipp von 1855 bis 1897 arbeitete, besuchen seinen Geburtsort Stephansried und fahren über die Schwäbische Bäderstraße nach Ottobeuren mit seinem beeindruckenden Kloster, das bereits im 8. Jahrhundert durch den alemannischen Adeligen Silach als Benediktinerabtei gegründet wurde. Weiter geht’s nach Bad Grönenbach, wo Kneipp als Schüler lebte. Die Bedeutung des Wassers erfahren wir am Naturschauspiel des Illerdurchbruchs in der Nähe von Altusried. Über Legau geht es zum Bauernhofmuseum Illerbeuren, gefolgt von einem Aussichtspunkt mit herrlichem Blick in die Welt des Allgäus: der Kronburg. Auf dem Weg nach Memmingen besuchen wir das Benninger Ried, um nach einem Stadtrundgang in der »Stadt der Freiheitsrechte« in der Kartause Buxheim vorbeizuschauen. Über Babenhausen mit seiner Kneippanlage und dem Fuggerschloss sowie Kirchhaslach mit einer Mariengrotte gelangen wir nach Bedernau. Hier nutzt die Gemeinde das eigene Thermalwasser für ihre Naturtherme als Erlebnisstation des Aktiv Park Kneippland® Unterallgäu. Die Rundtour endet wieder in Bad Wörishofen, das während Kneipps Schaffenszeit zum Kurort wurde und bis heute von ihm geprägt ist.

Am Kurpark in Bad Wörishofer haben die dankbaren Kurgäste Vater Kneipp ein Denkmal gesetzt.

Kuren in Bad Wörishofen

Bad Wörishofen ist mit seinen gut 16 000 Einwohnern die größte Stadt im schwäbischen Landkreis Unterallgäu und ein beliebter Kurort. Hier geht es gemächlich zu. Das merkt man als Besucher auch daran, dass die gesamte Innenstadt als Tempo-30-Zone ausgewiesen ist. Am besten suchen Sie frühzeitig einen Parkplatz fürs Fahrzeug, das Wohnmobil stellen Sie am besten an der Therme am nördlichen Stadtrand ab. Das hiesige Heilwasser wird aus einer Tiefe von 1100 Metern gefördert. Unter Palmen und in acht verschiedenen Becken mit Temperaturen von 34 bis 37 Grad können Sie sich im wahrsten Sinne des Wortes treiben lassen.

Für einen Besuch der Innenstadt geht’s am besten weiter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, der Kur- und Thermenlinie. Die Fußgängerzone von Bad Wörishofen trägt treffenderweise Pfarrer Sebastian Kneipps Namen und lädt zu einem Spaziergang ein. Im Klosterhof des im Jahr 1721 von Dominikanerinnen bezogenen Klosters und dem dortigen Kneipp-Museum erfahren Sie alles, was Sie schon immer über den Pfarrer wissen wollten. Hier verstarb er 1897, sein Wohn- und Schlafzimmer können besichtigt werden. Die Klosterkirche, in der Kneipp als Beichtvater tätig war, glänzt mit drei prachtvollen Altären sowie barocken Stuckarbeiten.

Im 1894 angelegten Kurpark können Sie sich in einem Duft-, Aroma- und Rosengarten verlaufen, einen Heilkräutergarten und Feuchtbiotope durchwandern und in den Kneippanlagen sowie dem Barfußpark, dem Osteo-Walk und der Gradieranlage, in der man Natursole einatmen kann, die fünf Kneipp’schen Säulen direkt und vor Ort ausprobieren: Wasser, Ernährung, Kräuter, Bewegung und Innere Ordnung.

DAS SÜDDEUTSCHE FOTOMUSEUM eröffnet ganz neue Perspektiven auf das Fotografieren. Denn hier geht es nicht um Fotos, sondern »um die Kamera, auch in ihrer Funktion als Begleiter durch ›dick und dünn‹, das Zubehör (…) und um jene Menschen, die diese Technik erdacht haben«. Beethovenweg, 86825 Bad Wörishofen, Tel. 082 47/341 36, www.sueddeutsches-fotomuseum.de, Di 15–20 Uhr


BIO-CAFÉ mit hausgemachtem Kuchen: Der Name Café MöhrenPik weist bereits darauf hin, hier wird vegetarisch gekocht. Dazu noch vollwertig, biologisch und hausgemacht. Und auch die Kuchen sind lecker. Was will man mehr? Schmiedstraße 2, 86825 Bad Wörishofen, Tel. 082 47/99 89 55, www.cafe-moehrenpik.de, Mo–Fr 11–18 Uhr

Kneipps Geburtsort: Stephansried

Der Geburtsort von Sebastian Kneipp befindet sich in Stephansried, gut 30 landschaftlich abwechslungsreiche Kilometer von Bad Wörishofen entfernt. Wir passieren den Kurpark, fahren aus der Stadt über die Schöneschacher Straße hinaus und befinden uns jetzt auf der Schwäbischen Bäderstraße Richtung Ottobeuren. Diese verlassen wir an der Kreuzung mit der B 16, fahren hier geradeaus und über die Dörfer Dirlewang und Erisried bis zum Ortseingang von Stetten, weiter auf die Sontheimer Straße und immer dem Weg nach bis Stephansried. Hier ist der Weg zum Kneipp-Denkmal ausgeschildert, dort ist auch ein Parkplatz vorhanden.

Im Weiler Stephansried kam Sebastian Kneipp als Sohn einer armen Weberfamilie am 17. Mai 1821 zur Welt. Das Elternhaus brannte bereits in Sebastians jungen Jahren ab. Ein Kaplan aus Bad Grönenbach nahm sich seiner Ausbildung an und ermöglichte ihm den Besuch des Gymnasiums und das Studium. Als junger Mann erkrankte Kneipp schwer an Tuberkulose, die damals nicht behandelbar war und häufig tödlich verlief. Die Ärzte gaben ihn auf, doch Kneipp setzte sich mit verschiedenen Heilmethoden auseinander und fand seinen eigenen Weg, die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit zu bekämpfen: Er vertraute zum einen auf die heilende Kraft des Wassers und zum anderen auf die Heilkraft in sich selbst. An den »Wasserdoktor« erinnert in Stephansried das Kneipp-Denkmal – ein Obelisk als Wallfahrtsstätte für Kneipp-Anhänger aus der ganzen Welt –, das an der Stelle seines Geburtshauses errichtet wurde.


Schon von Weitem beeindruckt das Kloster Ottobeuren mit seinen beiden 82 Meter hohen Türmen.

Die Basilika ist innen opulent ausgeschmückt.


Eine der vielen Kneipp-Anlagen auf der Route

Barocke Pracht in Ottobeuren

Die Hauptstraße führt jetzt direkt in den Kneipp-Kurort Ottobeuren. Dabei geht es einen lang gezogenen Hang hinunter, mit schönen Ausblicken auf das Kloster Ottobeuren mit seinen beiden 82 Meter hohen Türmen.

In Ottobeuren kreuzen sich die Schwäbische Bäderstraße und die Oberschwäbische Barockstraße. Kein Wunder, denn eine der größten und schönsten Klosteranlagen Deutschlands beherrscht mit barockem Glanz das Örtchen. 30 Jahre brauchten die Baumeister, bis die Basilika 1766 fertiggestellt war. Aber das hat sich gelohnt. Die spätbarocke Ausstattung fällt ungemein opulent aus und zeigt unter anderem Kuppel- und Deckenfresken sowie Altarbilder von Johann Jakob Zeiller und Franz Anton Zeiller aus Tirol. Die Stuckfiguren stammen von Johann Joseph Christian und die Stuckarbeiten von Johann Michael Feuchtmayer dem Jüngeren – allesamt Meister ihres Fachs. Mittelpunkt der Kirche ist ein romanisches Kruzifix, das wohl aus dem Jahr 1220 stammt. Nicht zu vergessen die 16 Altäre sowie das beeindruckende Chorgestühl, das von Martin Hermann (Schreinerarbeiten) und Johann Joseph Christian (Reliefs) geschaffen wurde. Gleich drei Orgeln zeugen von höchster handwerklicher Kunst und lassen Besucher bis heute staunen. Gestaunt hat sicher auch der kleine Sebastian Kneipp, als er in der Klosterkirche getauft wurde und dabei die Stuckarbeiten bewundern konnte: Allein 1200 Putten soll es in der prächtigen Basilika geben. Der Aufwand wurde längst auch von kirchlicher Seite belohnt: Papst Pius XI. erhob 1926 die Klosterkirche zur päpstlichen Basilika (Basilica minor). Wer jetzt ein wenig Entspannung braucht, quert vom Parkplatz der Klosteranlage aus die Sebastian-Kneipp-Straße und macht einen Spaziergang durch den Kneipp-Aktiv-Park mit Erlebnistreppe und Meditationswiese.

DAS 2014 ERÖFFNETE MUSEUM für zeitgenössische Kunst – Diether Kunerth setzt mit seiner eigenwilligen Architektur einen spannenden Kontrapunkt zur weltberühmten Basilika und wurde mehrfach ausgezeichnet. Marktplatz 14 a, 87724 Ottobeuren, Tel. 083 32/796 98 90, https://mzk-diku.de, April–Ende Okt. Di–Fr 11–16, Sa, So12–17 Uhr, Mitte Nov.–Ende März Do, Fr 11–16, Sa, So 12–17 Uhr

Mit Zertifikat: Bad Grönenbach

Über die Ludwigstraße verlassen wir in südöstlicher Richtung Ottobeuren, biegen in Reuthen rechts ab und fahren über Karlins nach Wolfertschwenden, kreuzen die A 7 und gelangen nach Bad Grönenbach. Hier lebte der »Wasserdoktor« von 1842 bis 1843 und legte die Basis für sein späteres Wirken. Da ist es ganz passend, dass Bad Grönenbach als erster Ort überhaupt das Zertifikat »Premium-Class-Kneippheilbad« erhielt.

Zu Füßen des Hohen Schlosses am Westrand des Ortes finden Sie einen schön gestalteten Kneipp-Aktiv-Park mit Wassertretanlage, Armbecken, Walderlebnispfad und Barfußweg. Das Hohe Schloss thront auf einer steil aufragenden Bergnase und ist das Wahrzeichen von Bad Grönenbach. Vom Schloss eröffnet sich eine grandiose Aussicht auf das Umland. An der Stelle einer vorgeschichtlichen Fliehburg wurde es – wann, das weiß niemand mehr genau – um einen Nagelfluhfelsen herum gebaut und teilweise geradezu aus dem Felsen geschlagen. Bis in den ersten Stock sind noch Reste der ursprünglichen Felswand erkennbar. Seit 1996 befindet sich das Hohe Schloss im Besitz der Marktgemeinde Bad Grönenbach.

Tipp

Ein lohnenswerter Abstecher führt uns zum berühmten Illerdurchbruch. Nach dem Überqueren der Iller fahren wir in Moos links und nehmen die Straße Richtung Altusried. Im folgenden Kreisverkehr biegen wir links ab und folgen der Beschilderung nach Kalden. Hier bis zum Parkplatz fahren, dann folgen fünf Gehminuten bis zur Burg Kalden und dem beeindruckenden Ausblick auf den Illerdurchbruch. Rechterhand sehen Sie eine Hängebrücke über die Iller.


Zu Füßen des Hohen Schlosses liegt ein schön gestalteter Kneipp-Aktiv-Park.


Der beeindruckende Illerdurchbruch bei Kalden ist ein beliebtes Fotomotiv.

Im Bauernhofmuseum wird Geschichte lebendig.


Rapunzel-Produkte gibt es nicht nur im Allgäu.


Der Aufstieg zur Kronburg lohnt sich unbedingt.

Im Kreislehrgarten im ehemaligen Klostergarten am Hohen Schloss können sich nicht nur Gartenfreunde viele Anregungen holen. Die idyllische Gartenanlage ist wie ein schön gemachtes Lehrbuch der Welt der Pflanzen und Heilkräuter, die zum Ausruhen und Verweilen einlädt.

Die Waldstraße führt uns in Richtung Rothenstein und Legau aus Bad Grönenbach hinaus und kreuzt bald die Iller. Die Route bringt uns weiter nach Legau, wo die Wallfahrtskirche Maria Steinbach im gleichnamigen Teilort von Legau auf unseren Besuch wartet. Die prächtige Kirche wurde 1749 im Stil des Spätbarock erbaut und ist ein bekannter Wallfahrtsort. In der 1992 gebauten Kerzenkapelle bekräftigen Pilger ihre Anliegen oder ihren Dank mit einer brennenden Kerze.


IN LEGAU lohnt sich ein Blick in das neu erbaute Besucherzentrum des 1974 gegründeten Unternehmens Rapunzel Naturkost, das Bio-Lebensmittel herstellt und anbietet. Rapunzel Naturkost GmbH, Rapunzelstraße 1, 87774 Legau, Tel. 083 30/52 90, www.rapunzel.de

EINEN LEBENDIGEN WIRTSHAUSBETRIEB bietet das Gasthaus Gromerhof, das zum Bauernhofmuseum gehört. Hier können Sie schwäbische Klassiker in bayrischer Wirtshauskultur genießen – mit regionalen Produkten in Küche und Keller. Museumstraße 8, 87758 Kronburg, Tel. 083 94/594, https://gromerhof.de, Di–Do 11.30–18, Fr–So 1.30–22 Uhr

Bauernhofmuseum Illerbeuren

Eintauchen in die Vergangenheit können Sie auch an der nächsten Station unserer Tour: dem Bauernhofmuseum Illerbeuren, dem ältesten Freilichtmuseum in Süddeutschland. Es präsentiert die Vielfalt des alten Schwaben und ermöglicht mit Bauernhöfen, Werkstätten, Stallungen, Gärten und Feldern einen spannenden Blick in alte Zeiten. Wir finden das Museum über die Dorfstraße und die Legauer Straße Richtung Norden, queren die Neue Illerbrücke und erreichen mitten im Ort Illerbeuren die Museumsstraße mit Parkmöglichkeiten. Das sehenswerte Museum wurde 1955 mit einem Bauernhof gegründet. Ab 1967 kamen weitere Gebäude aus der Umgebung hinzu, etwa ein Pfarrstadel, ein Kornspeicher, ein Austragshaus und ein Zehentstadel. Dabei ist der Ausbau des Museums noch lange nicht abgeschlossen: Weitere Gebäude aus der Region Allgäu bis ins nördliche Schwaben werden von ihren Originalstandorten nach Illerbeuren geholt und hier wiederaufgebaut. Heute versteht sich das Museum nicht nur als »Dorf im Dorf«, sondern auch als »Museum im Museum« und will zeigen, wie sehr sich die Aufgaben der Museen in den letzten Jahrzehnten gewandelt haben.

Tipp

Die Kronburg, die den Berg oberhalb des Bauernhofmuseums und den gleichnamigen Ort in 752 Metern Höhe krönt, sollten Sie unbedingt besuchen. Das Schloss gilt als eines der schönsten Renaissance-Schlösser Bayerns und befindet sich in Privatbesitz, Führungen sind aber möglich. Der Schlossgarten ist für die Öffentlichkeit zugänglich, und den Aufstieg sollten Sie allein wegen der wunderschönen Ausblicke über das Allgäu wagen. Burgstraße 1, 87758 Kronburg, Tel. 083 94/271, www.schloss-kronburg.de

SÜDÖSTLICH VON MEMMINGEN lohnt sich unbedingt ein Stopp im Benninger Ried mit Aussichtsplattform über die Tier- und Pflanzenwelt im Riedgebiet, einem Moormuseum, einer Kapelle und einem Kräutergarten. Hier sind die fünf Wirkprinzipien Kneipps im Einklang. Infozentrum: Hammerschmiede 4, 87734 Benningen, www.benninger-ried.de

Memmingen, Stadt der Freiheitsrechte

Nach einer Einkehr geht’s gut gestärkt über die Memminger und Kronburger Straße weiter nach Memmingen. Die Stadt Memmingen ist mit 44 500 Einwohnern der Geburtsort der Freiheitsrechte und trägt seit 2020 den Titel »Stadt der Freiheitsrechte«. Und das kam so: Im März 1525 schlossen sich 50 Bauernvertreter verschiedener Regionen zur »Christlichen Vereinigung« gegen die sie ausbeutende Obrigkeit zusammen. Im Versammlungsort der Kramerzunft in Memmingen fassten sie ihre zahlreichen Forderungen nach Freiheit und Teilhabe in den sogenannten »Zwölf Artikeln« zusammen. Diese zwölf Artikel wurden im ganzen Reich verteilt und gelten heute als frühe Ausprägungen der deutschen Freiheits- und Verfassungsgeschichte. Seit 2014 erinnert der Freiheitsbrunnen auf dem Memminger Weinmarkt an diese Ereignisse. Aber in der Stadt der Tore und Türme gibt es noch mehr zu sehen. Am besten schlagen Sie einen der von der Stadt Memmingen angelegten Rundwege ein, den roten oder grünen, und lernen so die Stadt und ihre Geschichte kennen. Auch die Kleinen können mitmachen – es gibt ein Kinderquiz. Zu entdecken gibt es neben den zahlreichen Shoppingmöglichkeiten in der lebendigen Altstadt beispielsweise die historische Stadtmauer mit einstmals sieben Toren und 26 Türmen, das Zunfthaus der Kramer, den prächtigen Marktplatz mit Rathaus und Steuerhaus, den Weinmarkt und das Siebendächerhaus bis hin zum Schrannenplatz mit Fischerbrunnen. Fischen ist ein großes Thema in Memmingen: Der Fischertag an einem Samstag Ende Juli zieht Zehntausende Touristen in die Stadt, die Zuschauer eines mittelalterlichen Spektakels werden: Innerhalb der Altstadt wird der Stadtbach vor der Reinigung leergefischt, gut 1500 Fischer springen dabei in den Bach und geben ihr Bestes. Bis Juli 2021 durften übrigens nur Männer die Forellen fangen. Dann entschied das Landgericht Memmingen, dass auch Frauen beim Memminger Fischertag mitfischen dürfen. Ein gutes Zeichen – auch und vor allem in der Stadt der Freiheitsrechte.

Tipp

Der Memminger Backhaus-Inhaber Hermann Häußler ist überzeugt, dass Leinsamen genauso wertvoll ist wie Chia-Samen, aber eben in Vergessenheit geraten. Dabei war der Flachs früher typisch fürs Allgäu. Also ließ er 2021 die Lein-Seele kreieren. Sie besteht aus Dinkelmehl und einem hohen Anteil an Leinschrot und Leinmehl – natürlich im Allgäu hergestellt. Die Lein-Seele gibt’s in den Filialen des Backhauses Häußler (https://backhaus-haeussler.de).


PUBQUIZ GEFÄLLIG und dazu ein Pint Guinness? Dann ist es höchste Zeit für einen Besuch in Kelly's Irish Pub. Auch die Speisekarte mit irischen Gerichten kann sich sehen lassen – vom BLT-Sandwich bis zum Irish Stew, alles da. Ulmer Straße 13, 87700 Memmingen, Tel. 083 31/928 48 99, www.kellys-memmingen.de, tgl. ab 17, Sa ab 11.30 Uhr


Rathaus, Marktplatz und Steuerhaus bilden ein prächtiges Ensemble in der Memminger Altstadt.

Kunstschätze in Buxheim

Über die Buxheimer Straße geht es Richtung Westen aus Memmingen heraus, und nach zehn Minuten erreichen wir den ausgeschilderten Parkplatz der berühmten Reichskartause Buxheim, ein Kunstwerk von europäischem Rang. Allein das grandiose frühbarocke Chorgestühl, das von 1687 bis 1691 vom Tiroler Holzschnitzer Ignaz Waibl geschaffen wurde, ist einen Besuch wert. Es hat eine spannende Geschichte hinter sich: Das Gestühl und weitere wertvolle Kunstgegenstände wurden bei einer Versteigerung 1883/84 in die ganze Welt verkauft. 1980 konnte der Bezirk Schwaben das Chorgestühl vom Frauenkloster St Saviour's Hospital in London zurückkaufen. Es war am 14. September 1883 für 42 100 Mark versteigert worden, der Bezirk Schwaben allerdings musste mehr als eine Million Mark für den Rückkauf hinblättern. Anschließend wurde es bis 1994 restauriert.

Die Kartause selbst wurde bereits im Jahr 1402 von den Kartäusermönchen gegründet und ist nicht nur wegen ihrer eindrucksvollen Größe berühmt, sondern auch wegen ihrer kostbaren Bibliothek und ihrer Kunstschätze. Gleich drei Museen entführen Besucher in eine ganz besondere spirituelle Welt – was vor allem in den ehemaligen Mönchszellen spürbar wird. Auch die barocke Saalkirche St. Maria lohnt einen Blick.

Von der Kartause ist es nicht weit bis zum Buxheimer Weiher, einem beliebten Naherholungsgebiet. Auf dem Walderlebnispfad am Ende des Ziegelstadelwegs wird Besuchern jeden Alters an elf Spiel- und Lernstationen der Wald als Lebensraum näher gebracht.

Auf der Egelseer Straße und der B 300 geht es weiter nach Babenhausen. Im Örtchen Boos, etwa auf halber Strecke, war Sebastian Kneipp von 1853 bis 1854 als Kaplan tätig und konnte erste Heilungserfolge als Wasserdoktor verbuchen. Erholung und Wellness verspricht Babenhausen, das wir nach kurzer Fahrt erreichen. 2021 wurde die Wassertretanlage am Zusammenfluss von Mühlbach und Günz renoviert und lädt heute wieder zum Wassertreten ein. Mit ein bisschen Glück ist gerade ein örtlicher Angler am Mühlbach unterwegs und präsentiert seinen Fang: schillernde Regenbogenforellen, frischer geht es nicht. Mitten im Ort residiert das schwäbische Adelsgeschlecht der Fugger-Babenhausen im imposanten eigenen Schloss. Wir verlassen den Ort, fahren weiter in östlicher Richtung und statten dem Örtchen Kirchhaslach einen Kurzbesuch ab. Die Hauptstraße führt uns weiter in südöstlicher Richtung bis nach Bedernau mit seiner bekannten Naturtherme (ausgeschildert).


RUND UM DEN BUXHEIMER WEIHER gibt es etliche Gastronomien, die mit Blick auf den See zum Verweilen einladen. Beliebt ist beispielsweise das italienische Ristorante Conte mit seiner ausladenden Terrasse. Ziegelstraße 5, 87740 Buxheim, Tel. 083 31/962 99 29, tgl. 11–22 Uhr

Auch die Kirche St. Maria ist sehenswert.


Schön gelegene Wassertretanlage in Babenhausen


Besinnlich: die Lourdesgrotte in Kirchhaslach


IN DER ORTSMITTE VON KIRCHHASLACH führt ein steil aufsteigender Stichweg (ausgeschildert) zur örtlichen Lourdesgrotte, die im Jahr 1890 errichtet wurde und unter Denkmalschutz steht.

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Litresdə buraxılış tarixi:
09 noyabr 2024
Həcm:
302 səh. 288 illustrasiyalar
ISBN:
9783734326530
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
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