Kitabı oxu: «Im Fahr»

Şrift:










Im Fahr

Die Klosterfrauen erzählen aus ihrem Leben

Susann Bosshard-Kälin

Fotografien von Christoph Hammer

HIER UND JETZT

Vorwort

Die benediktinische Tagesordnung

Schwester Fidelis.

Die ehemalige Priorin und Leiterin der Klosterführungen


Josefine Schmid

1941

Schwester Beatrice.

Die Gemüsegärtnerin und Hirtin


Beatrix Agnes Beerli

1959

Schwester Marie-Theres.

Die Imkerin und Organistin


Theresia Gabriele Koch

1953

Schwester Matthäa.

Die Töpferin und Kunsthandwerkerin


Rita Maria Wismer

1965

Schwester Gabriela.

Die Schaffnerin, Malerin, Köchin


Zita Hedwig Balmer

1948

Schwester Martina.

Die Pförtnerin und Gästebetreuerin


Bernadette Meyer

1964

Schwester Veronika.

Die Krankenpflegerin und Kräuterfrau


Berta Marie Odermatt

1977

Schwester Raimunda.

Die Pförtnerin und Fachfrau Reinigung


Bernadette Maria Spuhler

1957

Schwester Petra.

Die Hauswirtschaftslehrerin und Näherin


Hedwig Lydia Müller

1953

Leben im Kloster Fahr – lange Tradition, langsamer Wandel

Schwester Franziska.

Die Schneiderin und Sakristanin


Hildegard Elisabeth Bernhardsgrütter

1943

Schwester Michaela.

Die Köchin und Sekretärin


Josefina Portmann

1956

Schwester Bernadette.

Die Weberin und Imkerin


Rita Lina Aloisia Meier

1955

Schwester Verena.

Die Chräpfli-Bäckerin und Kräutergärtnerin


Maria Anna Meyer

1959

Schwester Christa.

Die Blumengärtnerin und Floristin


Rita Paula Haslimann

1956

Schwester Andrea.

Die Subpriorin und Sterbebegleiterin


Verena Anna Felder

1956

Schwester Josefa.

Die Küchenchefin und Bäckerin


Agnes Spuhler

1950

Priorin Irene.

Die Chefin und ehemalige Leiterin der Bäuerinnenschule


Irene Gassmann

1972

Schwester Monika.

Die Allrounderin und Obstbäuerin


Johanna Louise Ulrich

1967

Schwester Ruth.

Die Pförtnerin und Verkäuferin


Ursula Ruth Tresch

1966

Schwester Daniela.

Die Näherin und stille Beterin


Johanna Margaretha Laube

1946

Nachwort

Anhang

Vorwort

«Alles wirkliche Leben ist Begegnung.»

Martin Buber

Im Februar 1983 gab die damalige → Priorin, Schwester Elisabeth Galliker, den Stichentscheid. Es ging um meine Aufnahme in die → Bäuerinnenschule im Kloster Fahr. Die Schulleiterin und weitere Schwestern im Lehrerinnenkollegium waren skeptisch, ja reagierten ablehnend auf meine Bewerbung. Sollte man der 29-Jährigen wirklich den letzten freien Platz für den Frühlingskurs geben? Der verheirateten Journalistin, die in der Stadt Zürich wohnte und nicht aus bäuerlichem Umfeld stammte? Eine solche Frau hatte man noch nie aufgenommen. Mein Profil entsprach überhaupt nicht dem Standard. Und so zweifelte man wohl, ob ich mich in den schulischen Alltag und die klösterliche Atmosphäre würde einfügen können.

Die Schwestern wagten es! Sie gaben mir damals eine Chance. Und noch heute, 35 Jahre später, bin ich ihnen sehr dankbar dafür. Ich wollte beruflich etwas anderes machen, weg von Schreibmaschine und Meetings. Im Kloster lernte ich Einmachen und das Anbauen von Gemüse nach Fruchtfolge, beschäftigte mich mit häuslicher Krankenpflege und Hühnerhaltung und erlebte kreative Stunden beim Töpfern und am Webstuhl. Es waren einzigartige zwanzig Schulwochen, in denen ich in eine völlig neue Welt eintauchte. Ich durfte bei den Fahrer Frauen fürs Leben lernen, genoss die unbeschwerte Zeit draussen vor der Stadt in vollen Zügen und erlebte die Schwestern als liebenswürdig und offen. Auch die Begegnungen mit den Mitschülerinnen aus den verschiedenen Ecken der Schweiz, mit ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen, waren sehr bereichernd. Wir lachten und lernten viel. Bäuerin bin ich zwar nicht geworden, sondern der schreibenden Zunft treu geblieben. Aber als Mutter, Hausfrau, Handwerkerin und Gärtnerin begleitet mich das Fahrer Wissen noch heute.

Vor einigen Jahren fragte ich Priorin Irene Gassmann, ob sie sich ein Buch mit Porträts der Schwestern vorstellen könnte – ein Buch, in dem diese offen über ihr Leben, ihren Alltag erzählen würden, ein Pionierprojekt in der katholischen Welt wohl auch. Die Priorin wusste von meinen Erfahrungen mit Oral History. In meine Buchprojekte waren immer Begegnungen mit Menschen eingeflossen: mit Schwyzer Frauen, mit Ausgewanderten, die westwärts nach Amerika gezogen waren, mit Diakonissen des Bethanien-Diakoniewerks oder mit Schweizer Bäuerinnen, die ich in «Beruf Bäuerin» porträtiert hatte.

Priorin Irene zögerte. Sie vertröstete mich, «später vielleicht», meinte sie. Noch standen die Sanierung und der Umbau der Klostergebäude an, die grosse Züglete des ganzen → Konvents in die Räumlichkeiten der Bäuerinnenschule und zurück ins Kloster. Für Interviews war da keine Zeit. Ich hatte mich zu gedulden. Ende 2016 legte ich Priorin Irene meine Idee erneut vor. Die Gemeinschaft war wenige Monate zuvor ins frisch renovierte Kloster zurückgekehrt, die Kisten waren ausgepackt. Das Klosterleben verlief wieder in ruhigen Bahnen.

Und nun stiess mein Vorschlag auf offene Ohren. Priorin Irene rief die Klosterfrauen in den Kapitelsaal, und die Schwestern beschlossen einstimmig, zum 888-Jahr-Jubiläum des Klosters Fahr im Jahr 2018 ein Porträtbuch mit Bildern über ihr Leben zu veröffentlichen. Und von vornherein stand fest: Mitmachen war freiwillig. Wer Lust dazu hatte, konnte sich in eine Liste einschreiben. Siebzehn von zwanzig Frauen willigten ein und starteten mit mir das Abenteuer. Den Entscheid dreier Schwestern, mit Bild, aber ohne Text im Buch zu erscheinen, respektiere ich voll und ganz. Er ist für mich Ausdruck der Emanzipation der Frauen im Fahr – jede entscheidet für sich selbst. Demut ja, aber der frühere unbedingte Gehorsam ist in den vergangenen Jahren einer moderneren, offeneren Form des Gemeinschaftslebens mit mehr Mitsprache gewichen.

Das Gemeinschaftliche hat im Kloster einen hohen Stellenwert, das Individuelle tritt eher in den Hintergrund. Das äussert sich beispielsweise in der schwarzen Ordenskleidung. Obwohl ich die Fahrer Frauen seit vielen Jahren immer wieder besuchte, mit dieser und jener Kontakt hatte, wusste ich eigentlich wenig von jeder einzelnen Schwester. Nun wollte ich sie näher kennenlernen. Es interessierte mich: Wer sind diese Frauen, die das Gelübde von → Stabilitas, Gehorsam und klösterlichem Lebenswandel für immer abgelegt hatten? Woher kommen sie und weshalb wählten sie diesen Weg? Was heisst Berufung? Wie gestaltet sich der praktische Alltag in der Gemeinschaft? Und wie sehen die Frauen ihre Zukunft?

Von Mai bis Dezember 2017 lebte ich immer wieder drei Tage am Stück im Kloster. So konnte ich mich konzentriert den Gesprächen widmen. Für jede Schwester standen eineinhalb Tage, jeweils während ihrer Arbeitszeiten, zur Verfügung – die Organisation klappte von A bis Z. Ich bewohnte ein geräumiges Zimmer in der → Propstei. Was für ein Geschenk, wieder ins Klosterleben einzutauchen, so wie ich es vor 34 Jahren erlebt hatte! Dabei durfte ich den Geist des Fahrs wieder in mich aufnehmen und auch die verschiedenen Jahreszeiten in der ruhigen Oase im lauten Limmattal geniessen. Morgens sah ich hinaus auf den Propsteigarten: frisch angepflanzt im Frühling, wuchtig ausladend und farbenprächtig im Sommer, abgeräumt Ende Oktober. Ich erlebte das Kloster bei Wind und Wetter. Und so viel Vogelgezwitscher wie im Fahr gibts kaum anderswo!

Wie Jahrzehnte zuvor beeindruckten mich die Atmosphäre von Ruhe, konzentrierter Achtsamkeit und rhythmisiertem Alltag, die Gastfreundschaft und die Offenheit. Ich fühlte mich sehr wohl, und die Begegnungen waren berührend, lebendig, ja freundschaftlich. Im Laufe der Monate durfte ich in über 120 Gesprächsstunden den Fahrer Frauen zuhören und dabei unglaublich viel erfahren. Vieles davon floss in die Geschichten ein, einiges ist nur zwischen den Zeilen lesbar. Jede der 17 porträtierten Frauen schenkte mir ihr volles Vertrauen. Das war nicht selbstverständlich, ich schätzte es sehr. Für die meisten war es wohl das allererste Mal in ihrem Leben, dass sie so viel über sich erzählten, dass sie überhaupt so viel sprachen.

Das Schreiben dieses Buchs war für mich ein besonderes Privileg. Danke für eure Offenheit, liebe Schwestern im Fahr, danke für euer Lachen und Weinen, vergelts Gott. Ihr habt mir unglaublich viel Persönliches anvertraut, nicht zuletzt auch eure Gottesbeziehung. Und wenn der Text mal geschrieben war, habt ihr kaum etwas korrigiert. Es durfte sich ein Buch entwickeln, in dem ihr offen aus eurem Leben erzählt, vom Schönen und vom Schweren. Ihr habt kein Blatt vor den Mund genommen, und so kann man hier kritische Dinge lesen, die man von Klosterfrauen nicht unbedingt in dieser Offenheit erwarten würde. Priorin Irene las alle Texte, «Zensur von oben» gab es nicht. Im Gegenteil, gelegentlich ermutigte sie eine von euch sogar dazu, Passagen im Text zu belassen, die euch schwarz auf weiss auf einmal zu gewagt erschienen! So konnte das Buch entstehen, das ich mir erhofft hatte.

Diese Geschichten sollen die Einzigartigkeit eures Frauenlebens in unserer Gesellschaft bezeugen und Verständnis wecken für eine Welt, die ausserhalb der Klostermauern kaum jemand kennt. Ich wünsche euch und mir, dass die Porträts und Bilder bei vielen Menschen ankommen und in ihnen etwas bewegen.

Die benediktinische Tagesordnung

Benedikt hat den klösterlichen Alltag klar strukturiert. Gebetszeiten und Lesung wechseln sich im Fahr mit Zeiten der Arbeit und Erholung ab. Das schafft einen wohltuenden Rhythmus. Eine gute und gesunde Tagesordnung trägt wesentlich dazu bei, dass auch die Seele zur Ruhe kommen kann.

Die benediktinische Einteilung des Tages entspricht dem natürlichen Rhythmus des Menschen. So sind etwa die frühen Morgenstunden von jeher die geeignete Zeit für das Gebet und die Meditation. Die Arbeitseinheiten während des Tages sind nie zu lang, und wenn der Abend beginnt und die Nacht hereinbricht, sind die Schwestern wieder bereit für das Gebet.


4.50 Uhr Aufstehen13.30 Uhr Arbeiten
5.20 Uhr Vigil (Nachtwache)15 Uhr Gemeinsamer Kaffee
6 Uhr Frühstück/Betrachtung15.15 Uhr Lectio divina – Lesung/Betrachtung
7 Uhr Laudes (Morgenlob)15.45 Uhr Arbeiten
7.30 Uhr Eucharistiefeier (Di, Do, Sa) Lectio divina/Betrachtung (Mo, Mi, Fr)17.45 Uhr Vesper (Abendlob)
8.30 Uhr Terz18.15 Uhr Nachtessen
9 Uhr Arbeiten19 Uhr Rekreation (gemeinsame Erholung)
11 Uhr Sext/Non (Mittagsgebet, Mo, Mi und Fr mit Kommunionfeier)19.45 Uhr Komplet (Nachtgebet)
11.30 Uhr Mittagessen, danach Mittagspause

Sonn- und Feiertage

An Sonn- und Feiertagen ist die Tagesordnung leicht anders. So wird z. B. die Vigil am Vorabend gesungen, sodass am Morgen erst mit der Laudes um 7 Uhr begonnen wird. Eucharistiefeier und Vesper sind so angesetzt, dass es gut möglich ist, das Fahr zu besuchen.


Schwester Fidelis

«Es muss etwas geschehen in der katholischen Kirche. Die Männer fürchten grosse Veränderungen.»

geboren am 27. August 1933 als Josefine – genannt Josy – Schmid aus Schüpfheim (LU)


In der Paramentenwerkstatt werden die Schnitte, Formen und Farben der für die Liturgie verwendeten Textilien kreiert und die Stoffe genäht. Schwester Fidelis leitete während Jahren diese klösterliche Werkstatt.


Wenn die schwedische Prinzessin eine neue Zahnspange trägt, wird in den Medien darüber berichtet. Wir Schwestern im Kloster bieten keine Schlagzeilen. Ob wir deshalb noch ein Stück weit sagenumwoben, geheimnisvoll sind?

Es war nicht a priori mein Wunsch, mein Leben öffentlich auszubreiten, es gedruckt und gelesen zu wissen. Aber ich finde, wenn wir als Gemeinschaft Ja sagen zu einem solchen Buchprojekt, dann bin ich dabei. Wir öffnen ein Türchen in eine unbekannte Welt, damit die Menschen draussen verstehen, warum wir so leben, wie wir leben.

So verstehe ich übrigens auch meine jährlich rund 130 Klosterführungen; seit fünfzig Jahren zeige ich Vereinsgruppen, Schulklassen und Geschäftsleuten unsere Anlage. Es geht nicht darum, uns Ordensfrauen dabei in den Vordergrund zu stellen. Wir bezeugen vielmehr, dass jemand für Gott da ist – freudvoll. Es ranken sich viele Vorurteile ums Klosterleben. Das kann ich gut verstehen. Die Leute fragen mich etwa, wie wir so leben können. «Sie sind bestimmt in einer grossen Familie aufgewachsen, da mussten ein oder zwei Kinder ins Kloster!», sagen sie. Nein, ich musste nicht. Das habe ich aus freien Stücken entschieden. Schon als neunjähriges Mädchen.

Ich hiess Josy Schmid und bin ein Sonntagskind. Auf die Welt kam ich am 27. August 1933 in Schüpfheim im Entlebuch. Meine Mutter emdete mit den Angestellten bis kurz vor der Niederkunft daheim auf dem Hof, denn Vater war mit den drei älteren Geschwistern auf der Alp. Sie gebar in elf Jahren neun Kinder. Sie und mein Vater hatten mit der grossen Familie einen aufwendigen, etwas komplizierten Bauernbetrieb zu meistern. Das prägte uns. In Schüpfheim bewirtschafteten sie einen kleinen Hof, daneben eine Pacht und dazu eine grosse Alp auf dem Sörenberg. Im Winter lebten wir im Tal, im Sommer auf der Alp. Das Alpleben war einzigartig – natürlich gabs viel Arbeit für uns alle. Wir sammelten Heidelbeeren, halfen beim Heuen, zettelten den Mist und jäteten im grossen Garten. Vater machte Alpbutter und Alpkäse, und es waren zweimal täglich rund vierzig Kühe zu melken. Am Familientisch assen wir zusammen mit der Hausangestellten und den drei Knechten natürlich Käse. Teigwaren mit Käse, Kartoffeln mit Käse. Und Gemüse aus dem eigenen Garten – währschafte, einfache Kost und wenig Fleisch. Wir hatten alles, was wir uns wünschten. Eine gute Grundlage fürs Leben.

Meine Kindheit war wunderschön, zu Hause herrschte ein offener und freier Geist. Es gab immer Leute um uns herum, Angestellte, Gäste und eine grosse Verwandtschaft, die zu Besuch kam. Den Kindergarten besuchte ich nicht. Wir wohnten in Schüpfheim, zwanzig Minuten vom Dorf entfernt, das war für die Kleinen zu weit. In die Schule musste ich dann aber, ob es mir passte oder nicht, zuerst zu Fuss, später mit dem Velo. Von Mai bis Oktober lebten wir oben auf der Alp und waren in den ersten fünf Schuljahren während dieser Monate vom Unterricht dispensiert. Im Herbst hatten wir vom Schulstoff meist viel vergessen. Die Lehrer drückten beide Augen zu. Dafür seien wir so frisch, war ihr Kommentar. Und bis Weihnachten holten wir dann alles wieder auf.

In meiner Freizeit war ich eher eine Stubenhockerin, nähte Puppenkleider, strickte und las, was mir in die Hände kam; auch jene Bücher, die meine Brüder in der Dorfbibliothek ausgeliehen hatten. Die Religion hatte einen ungezwungenen Platz in unserer Familie. Ich erlebte sie nie als aufgesetzt oder fordernd. Vater lebte einen tiefen Glauben, ohne viele Worte darüber zu verlieren. Wir beteten bei Tisch und jeden Abend den Rosenkranz. Das gehörte einfach dazu. Und so versprach ich dem Herrgott am Weissen Sonntag, an meiner ersten heiligen Kommunion, für später mein Leben. Natürlich sagte ich es niemandem und vergass es wieder.

Nach der Sekundarschule blieb ich zu Hause. Meine Eltern konnten mich überall gut brauchen. Später lernte ich einen Winter lang in Freiburg Französisch und arbeitete bei einer Tierarztfamilie in Luzern. Die Sommer verbrachte ich natürlich immer auf der Alp. An eine Berufslehre dachte ich nicht. Später bereute ich, nicht auf Mutter gehört zu haben, die mir eine Ausbildung zur Handarbeitsoder Hauswirtschaftslehrerin empfohlen hatte. Lieber wollte ich eine Bäuerinnenschule besuchen. Die Schulen in Willisau und Sursee lagen zu nahe – das Kloster Fahr aber schien mir ein besonderer Ort zu sein, auch weil eine Kollegin davon schwärmte. Ich erhielt einen Ausbildungsplatz für den Winterkurs 1956/57. Zwar war ich etwas vorlaut, vielleicht weil ich schon einige Erfahrung im Haushalt mitbrachte, aber meine Klassenkolleginnen verziehen es mir. Ich lernte neuzeitlich kochen und vieles mehr. Zu jener Zeit hatte ich einen Freund, einen Bauernsohn. Mit ihm hätte ich mir eine gemeinsame Zukunft und eine kinderreiche Familie vorstellen können.

Aber während der Ausbildung ging mir der Gedanke immer wieder durch den Kopf, im Kloster Fahr zu bleiben. Bis zum Schulende konkretisierte sich der Wunsch. Wie das? Es passierte einfach, ich kanns heute noch nicht anders sagen. Es war eine Erwählung von Gott, eine Berufung. Natürlich bedeutete das auch den Verzicht auf eine eigene Familie. Ich habe keine Kinder, aber die Familie wächst trotzdem weiter, mit zwanzig Nichten und Neffen, dreissig Grossnichten und Grossneffen und sogar Urgrossnichten und -neffen. Zwei meiner Geschwister sind nicht verheiratet – ein Bruder ist Pfarrer und eine Schwester war jahrzehntelang Missionarin in Mali, Westafrika.

Die definitive Entscheidung für das Kloster wäre mir, ehrlich gesagt, leichter gefallen, hätte ich keinen Freund gehabt. Er reagierte jedoch verständnisvoll, vielleicht auch, weil eine seiner Schwestern vor mir in ein Kloster eingetreten war. Eine andere Schwester sagte zu ihm: «Du wirst sehen, sie kommt nach der Schule heim, fährt wieder zur Alp, und weg ist der Klosterwunsch!»

Dem war nicht so. Am 20. Oktober 1957, ein halbes Jahr nach Schulende, trat ich als Kandidatin ins Kloster Fahr ein. Ich wusste einfach, ich gehöre dorthin. So ists doch auch in der Liebe zu einem Partner, oder nicht? Man spürt, es ist das Richtige.

Ich sprang ins kalte Wasser, ohne Vorstellungen. An eine fünfjährige Probezeit dachte ich nicht. Ich ging ins Kloster, um zu bleiben!

Natürlich erlebte ich stürmische Zeiten, vor allem am Anfang. Wenn mir etwas nicht passte, so sagte ich es. Das kam bei den → Oberen nicht eben gut an und trug mir einige Rüffel ein. In Holzlatschen statt Schuhen mit Gummisohlen den Gang zu fegen, das fand ich so was von unpraktisch. Und eine Aufgabe zu einem unpassenden Zeitpunkt zu erledigen, auch wenn danach noch Zeit dafür war – ich sah das nicht ein. Später nahmen die Verweise dann plötzlich ab. Ob ich mit meinen Einwänden sogar recht hatte?

Die Tagwacht um halb fünf Uhr machte mir zu schaffen. Wie ein Fest kam es mir vor, wenn wir am Sonntag erst um halb sechs Uhr geweckt wurden. Ich gewöhnte mich an den regelmässigen Wechsel von Arbeit, Gebet und Erholung – und heute schätze ich ihn. Wir arbeiten nie mehr als zwei Stunden am Stück, beten aber auch nicht während Stunden ohne Unterbruch. Der Rhythmus schont die Kräfte. Von allem etwas, aber von nichts zu viel.

An meiner Einfachen → Profess am 28. Juli 1959 bekam ich den Namen Fidelis. Ich hatte mir verschiedene Namen vorgestellt, Priska, Katharina oder Adelheid. Priska sei ein Modename, und Katharina und Adelheid – na ja! Die frühere Schwester Fidelis, 1943 gestorben, sei eine Fröhliche gewesen und gläubig. Weshalb also nicht wieder eine Schwester Fidelis?

Die Freiheit, meine geistige Freiheit, gab ich im Kloster nie auf. Ich blieb mir selbst treu, vielleicht zu sehr, denke ich manchmal. Ich liess mir nichts aufzwingen, so will ich es formulieren. Geschieht etwas, was ich annehmen muss, dann tue ich es und habe damit keine Schwierigkeiten. Mit Veränderungen in unserem Alltag habe ich manchmal Mühe und denke, ich hätte vielleicht anders entschieden. Aber ich muss es ja nicht verantworten. Das gibt Freiheit. So gesehen bin ich verwöhnt. Äusserliche Freiheiten bedeuteten mir nie viel. Ich musste schon daheim gehorchen und auf andere Rücksicht nehmen. Und ich erfahre ja auch Freiheiten seit ein paar Jahren. Wir können jedes Jahr zwei Wochen in die Ferien fahren, dürfen den Termin, den Ort und die Begleitung auswählen und erhalten hundert Franken Feriengeld zur Pension dazu.

An meinem 29. Geburtstag, am 27. August 1962, wurde ich für immer in die Gemeinschaft aufgenommen. Ich war angekommen!

Die Glaubenszweifel kamen erst später. Ich kann mir das gut erklären. Erst wenn man so intensiv im Glauben lebt, wenn man Zeit findet, sich darüber Gedanken zu machen, kommen sie. Ich empfand sie aber nie als negativ, im Gegenteil. Vor meinem Klostereintritt hatte ich wohl eher einen Kinderglauben, eingeimpft mit der Erziehung. Es waren nicht Zweifel an der Berufung für das Kloster, sondern am Glauben selbst. Ich fragte mich ernsthaft: Gibt es Gott überhaupt? Durch diesen Prozess muss vermutlich jede Klosterfrau gehen. Ich versuchte, möglichst wenig darüber zu reden, ab und zu die Augen zu schliessen und zu hoffen, es komme wieder besser. Diese Phasen erlebte ich immer mal wieder. Erst jetzt im Alter sind sie weniger geworden. Nach jedem dieser «Abstürze», am Tiefpunkt, konnte in mir drin wieder etwas wachsen. Ich denke, ohne dieses Ringen wäre mein Glaube an der Oberfläche geblieben. Verdrängung und Resignation scheinen mir schlimmer zu sein. Glaube bedeutet für mich zu wissen, dass ich von Gott geliebt bin.

Während vieler Jahre arbeitete ich im Klosteratelier, wo kirchliche Textilien für Pfarreien, die → Paramente, gefertigt werden. Neben dem Weben von Stoffen in Seide, Wolle und Leinen gehörte das Zuschneiden und Nähen von Gewändern dazu. 1966 wurde es fast von einem Tag auf den anderen sehr streng. Schwester Paula, die die Paramentenwerkstatt aufgebaut und jahrelang geleitet hatte, trat aus dem Kloster aus. Wir übrig gebliebene Schwestern hatten zu schauen, dass der Betrieb weiterlief. Unverhofft übergab man mir immer mehr Leitungsaufgaben. Ich wurde verantwortlich für den Materialeinkauf, die Verkaufsstrategie, die Verhandlungen mit den Pfarrherren. Waren das Lektionen für später?

Im April 1988 starb die langjährige Vorsteherin unserer Gemeinschaft, Schwester Raphaela Rast, im Alter von nur 61 Jahren. Ein Schock für uns alle. Ich war mittlerweile 55 Jahre alt. Und ich erinnerte mich, wie ich vor der Einfachen Profess verkündet hatte, nur ins Kloster eintreten zu wollen, wenn ich nie Priorin werden müsse.

Gehorsam hat Priorität! Die geheime Wahl fiel auf mich. Ich wurde Priorin des Klosters Fahr. Tags zuvor war ich noch eine der dreissig Schwestern, und plötzlich trug ich als deren Vorsteherin eine grosse Verantwortung, ohne Vorbereitung und Ausbildung. Das ist im Kloster so. Aber auch damals erlebte ich, wie so oft, eine Kraft, die mir geschenkt wurde. Ich blieb erstaunlich ruhig.

Nun kamen alle Anliegen von aussen an mich heran, auch die Fragen der Schwestern. Es galt etwa, Arbeitseinsätze neu zu regeln, wenn jemand ausfiel. Vieles läuft im Priorat zusammen, die ganze Organisation des Klosteralltags. Und bei Problemen mit Angestellten oder in der Schwesterngemeinschaft war ich natürlich die Anlaufstelle. Ich darf sagen, dass ich immer viel Hilfe von meinen Mitschwestern erfuhr. Aber die Verantwortung lag letztendlich bei mir.

Der Stress kam dann später, als junge Frauen im → Noviziat grosse Schwierigkeiten hatten und ich als Vermittlerin und Verantwortliche gegen innen und aussen nach Lösungen suchen und Kompromisse finden musste. Das war eine belastende Situation, die mich viel Energie kostete. Da waren zwei intelligente Frauen, die sich nicht in unsere Gemeinschaft einfügen konnten. Eine musste ich schliesslich wegschicken, der anderen gaben wir eine zweite Chance. Aber schliesslich trat auch sie aus. In dieser Angelegenheit hatte ich von der Gemeinschaft wenig Rückhalt, was meine Entscheidungen betraf. Das konnte ich auch nicht erwarten, hatten die Schwestern doch kaum Hintergrundinformationen. Die Geschehnisse zehrten an meiner Gesundheit. Die Belastung wurde so gross, dass eine aggressive und sehr schmerzhafte Polyarthritis ausbrach. Sie hatte wohl in mir geschlummert. Ich litt. Nur dank starker Spritzen, die gut wirkten, und Medikamenten, die ich vertrug und heute noch wöchentlich zu mir nehme, bin ich schmerzfrei. Gott sei Dank!

Vieles bleibt in Erinnerung von meinen 15 Jahren als Priorin, zum Beispiel der Brand unserer Scheune 1989. Ein Pyromane hatte in der frühen Morgenstunde des 3. April im Stall Feuer gelegt. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder. Glücklicherweise kamen weder Mensch noch Tier zu Schaden. Danach gab es unendlich viel zu tun. Für die Ökonomieverwaltung war damals noch der → Propst zuständig. Das hatte sehr viele Vor-, aber auch Nachteile. So konnte ich als Priorin nicht mitentscheiden und eingreifen, als kein moderner Laufstall erstellt, sondern die neue Scheune samt Miststock an gleicher Stelle, viel zu nahe beim Restaurant, aufgebaut wurde. Einfältige Entscheide, meiner Meinung nach!

Die Kirchenrenovierung und der Einbau eines Lifts im Kloster erfolgten ebenfalls während meiner Amtszeit. Schwester Irene war damals Leiterin der Bäuerinnenschule und für mich eine wertvolle Stütze. Ich war dankbar, mit dem Schulbetrieb wenig zu tun zu haben. Grosse Erfolge konnte ich während meiner Amtszeit nicht vorweisen. Ich leitete die Gemeinschaft, so gut ich es konnte. Und ich spürte: Ich muss diese Aufgabe nicht allein tragen, die Gemeinschaft steht hinter mir, und Gott trägt mich. Natürlich sind Fehler geschehen, aber ich glaube, keine gravierenden.

Mit dem Einsiedler Abt kam ich gut aus. Er mischte sich in all den Jahren nie ein, beriet mich aber klug, wenn ich ihn fragte. In einer Abstimmung in den Siebzigerjahren hatten wir übrigens die Möglichkeit zu entscheiden, ob wir uns vom Kloster Einsiedeln trennen wollten. Das Resultat war ein Nein. Ich bin froh darüber. Wir sind doch seit Jahrhunderten mit Einsiedeln verbunden. Ohne den Rückhalt der dortigen Mönchsgemeinschaft über all die Zeit würden wir heute wohl kaum mehr existieren. Nach der Reformation und dann nach der Klosteraufhebung hätten wir ohne die Unterstützung Einsiedelns nicht neu anfangen können. Es galt allerdings immer wieder Wege zu finden, sich zu verstehen. Und als Fahrer Klostergemeinschaft ein Stück weit unabhängig zu bleiben.

Und heute: Es muss etwas geschehen in der katholischen Kirche. Die Männer fürchten grosse Veränderungen, die auch Unsicherheiten mit sich bringen würden. Der Vatikan ist das Problem – und seine verhärteten Strukturen. Sind in Rom weiterhin Leute, die man andernorts nicht brauchen kann, kommt kein Leben in einen Veränderungsprozess.

Das Thema der Frauen in der Kirche bewegt mich. Die Männer hocken auf ihren Privilegien. Einige sehen, dass man Lösungen finden muss, andere pochen – bewusst oder unbewusst – auf ihre vermeintlichen Rechte. Sie meinen, sie allein seien Kirche, und die Frauen dürften mitlaufen. Die Kirche würde anders aussehen, hätten Frauen gleich viel Macht und Möglichkeiten. Die Seelsorge, die Liturgie wären anders, die Mitmenschlichkeit auch. Die Männer denken, die Macht gehöre ihnen. Das war aber nicht immer so. In den ersten Jahrhunderten des Christentums hatten die Frauen durchaus ihren Platz. Man müsste zu den Wurzeln der Urkirche zurück. Waren nicht die Frauen bei Jesus am Kreuz, waren nicht sie die Ersten an seinem leeren Grab?

Seit 14 Jahren bin ich wieder Schwester Fidelis und nicht mehr die Mutter Priorin. Ich durfte mein Amt abgeben. Obwohl ich noch für sechs weitere Jahre gewählt war. Ich bat den damaligen Abt kurz vor meinem siebzigsten Geburtstag, zurücktreten zu dürfen. Er lehnte ab. Erst sein Nachfolger, Abt Martin Werlen, gewährte mir den Rücktritt glücklicherweise nach drei Jahren.

Am 6. Juni 2003 wurde Priorin Irene Gassmann zur neuen Priorin gewählt. Aber erst im September trat sie ihre neue Funktion an. Als Leiterin der Bäuerinnenschule wollte sie den laufenden Ausbildungsgang zu Ende begleiten. Das kam uns beiden zugute, hatten wir doch Zeit, die Amtsübergabe in Ruhe zu planen, zu besprechen und zu organisieren.

Ins Glied zurückzutreten, fiel mir nicht schwer. Im Gegenteil, es war sehr entlastend, die Verantwortung in andere, jüngere Hände abgeben zu dürfen. Natürlich ist es ein grosser Unterschied, ob jemand abgesetzt beziehungsweise nicht mehr gewählt wird oder ob man freiwillig abgeben darf. Seither halte ich mich bewusst zurück, mische mich fast nie ein. Ich schätze sehr, wie Priorin Irene unsere Gemeinschaft führt.

Ich weiss nicht, wohin wir als Gemeinschaft gehen werden. Aber wir haben nicht das Recht aufzuhören, zu resignieren. Auf keinen Fall. Aus der Tradition heraus haben wir eine Verpflichtung. Es ist bedeutend für die Stadt Zürich und das Limmattal, dass hier seit Jahrhunderten ein katholisches Kloster steht, wo Frauen leben, die an Gott glauben und die beten. Einen solchen Ort muss es auch in Zukunft geben. Das weiss der Herrgott. Wir renovieren doch nicht, damit wir ein Altersheim werden! Etwas wird passieren. Ich glaube, wir müssen das einfach gelassener sehen.

Eintritt ins Kloster Fahr: 20. Oktober 1957

Einfache Profess: 28. Juli 1959

Feierliche Profess: 27. August 1962


Schwester Beatrice

«Wer wird einmal das Kloster übernehmen? Den Ruf des Herrn hören nur wenige in dieser lauten Welt.»

geboren am 17. Dezember 1947 als Beatrix Agnes Beerli aus Steckborn (TG)


Das Klosterareal mit den grossen Gärten ist weitläufig. So ist Schwester Beatrice oft mit dem Fahrrad unterwegs. Sie sorgt für die kleine Schafherde.




Bei der Weinlese und im Klostergarten vor der Pforte. Hier hat sie die Schülerinnen der Bäuerinnenschule in Gartenpflege ausgebildet. Sie kennt sich hervorragend aus mit Heilkräutern, Gemüse und Blumen.

Der Garten ist mein Paradies. Da spüre ich Luft, Atem und Wind – Zeichen des Heiligen Geists. Der ist mir seit 48 Jahren ein wichtiger Begleiter im Klosterleben. Wo ist er, frage ich mich, wenn es stürmt und ich im Propsteigarten den Boden lockere?

Zusammen mit Schwester Christa bin ich für unsere Klostergärten verantwortlich. Schwester Christa besorgt die Blumen, ich vor allem das Gemüse. Wir sind beide siebzig, nicht mehr die Jüngsten. Glücklicherweise packt Schwester Monika mit an, und dazu immer wieder Frauen von aussen, die tage- oder auch wochenweise Praktika bei uns im Garten und in den Reben machen. Diese externe Hilfe ist grossartig. Dennoch plagt mich ab und zu der Gedanke: Wer übernimmt, wenn wir nicht mehr können? Unsere Gärten sind seit Jahrhunderten wichtiger Bestandteil des Klosters, sie haben auch schon Anerkennungspreise erhalten. Aber sie sind aufwendig zu pflegen. Ich überlege mir, was ich tun werde, wenn ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr im Garten sein kann. Im Haus wäre es mir vermutlich langweilig und in der Küche zu streng. Dann verscheuche ich diese pessimistischen Gedanken schnell wieder und erfreue mich am Jetzt. Der Garten ist Medizin für mich. Ich habe grosse Freiheiten, niemand sagt mir: Das darfst du oder das darfst du nicht. Hier kann ich arbeiten, beten und meditieren.

Ich bin jeden Tag draussen. Auch im Winter, wegen des Nüsslisalats im Tunnel und meiner neun Schafe. Nie hätte ich es mir erträumt, mal Schafe zu pflegen – als Klosterfrau! Wir brauchten «biologische Rasenmäher», da der Garten mit fünfzig Aren zu gross wurde. Wo früher Stangenbohnen, Zwiebeln und Kohl in grossen Mengen wuchsen, säten wir Wiese. Dort weiden nun seit 1998 Schafe. Mir wurden sie anvertraut. Heute habe ich eine kleine Herde. Sie sind meine Freundinnen. Wenn ich «Lump!» rufe, strecken alle neun Tiere ihren Kopf, kommen zu mir und wollen gestreichelt werden. Im Sommer leben sie im Freilaufstall im Garten. Wenn ich abends den Zaun kontrolliere, spazieren sie mit. Sie wissen, ich habe immer ein Stückchen Brot im Sack oder einen Apfel. Solange der Wolf nicht kommt, bin ich zufrieden. Im Winter sind meine Tiere im Klosterstall, neben den Kühen, Säuen und Kaninchen. Bei gutem Wetter dürfen sie auf die Wiesen rund ums Kloster. Tiere gehören einfach ins Fahr, und die kleinen und grossen Besucher haben grosse Freude an ihnen. Das höre ich immer wieder.

Mein Gartenjahr hat über 300 Tage. Im Dezember und Januar ists etwas ruhiger, dann habe ich Zeit für die Sommerplanung und Samenbestellungen. Aber ab Februar geht es im Treibhaus schon wieder los mit Aussäen und Setzen. Dabei richte ich mich nach den Mondphasen, und selbstverständlich kombiniere ich nützliche Mikroorganismen. Wir gärtnern biologisch und in Mischkulturen. Die Beeren, Salate, Gemüse und auch die Kräuter sind fürs Restaurant und für uns. Den Blumenkohl setze ich im Propsteigarten zwischen Ringel- und Sonnenblumen sowie Salvia. Bohnen, Sellerie und Randen wachsen nebeneinander, ebenso Karotten, Zwiebeln und Lauch. Es darf im Beet ungeniert turbulent und bunt sein, Wirrwarr tut den Pflanzen gut. Gegen vieles ist ein Kraut gewachsen, davon bin ich überzeugt. Mein liebstes ist Rosmarin. Auf der grossen Kräuterspirale wachsen ausserdem Dill, Minze, Liebstöckel, Fenchel, Malve, Petersilie, Schnittlauch, Eisenkraut, Kapuziner und Ringelblumen, Thymian und Majoran, ungefähr zwanzig verschiedene Kräuter. Von Mai bis Oktober biete ich Gartenführungen für Interessierte an. «Hereinspaziert in den Fahrer Klostergarten», heisst es dann, und es darf an den Pflanzen gerochen oder ein Kraut probiert werden. Die Leute mögen diese begleiteten Führungen und lassen sich inspirieren. Das Tor zum Propsteigarten steht immer offen. Das ist mir wichtig. Menschen sollen dort Kraft schöpfen dürfen. Ist es nicht eine Armut, wenn Eltern mit ihren Kindern nur noch im Grossverteiler einkaufen und die Kleinen keine Ahnung mehr haben, wie und wo etwas wächst?

Mein Klosteralltag ist dicht und vielfältig. Ich stehe um fünf Uhr auf. Zwanzig Minuten später bete und singe ich mit der Gemeinschaft das erste → Chorgebet in der Klosterkirche. Der Rhythmus von Arbeit und Gebet – Ora et labora – gefällt mir, und er hält mich gesund. Mit dem Älterwerden schätze ich diesen Rhythmus immer mehr. Ich bin ja in erster Linie Benediktinerin und nicht Klostergärtnerin.

Die Arbeitszeiten sind jeweils kurz, ich muss speditiv sein und gut planen. Vier-, fünfmal täglich von draussen ins Kloster und zurück, nicht selten verschwitzt, regennass und dreckig, dann Händewaschen und Tenuewechsel – das ist nicht ohne! Aber ich habe gelernt, fix und flexibel zu sein. Neben dem Klosteralltag gibt mir die Natur den Fahrplan vor, und ich muss mich nach ihr richten. Wenn für den nächsten Tag Regen angesagt ist, gilts noch, vorher den Boden zu lockern. Wenn Setzlinge pikiert werden müssen, dann kann man damit nicht ewig warten, und bei Sommerhitze muss entsprechend oft und gezielt gewässert werden. Um Viertel vor neun Uhr bin ich im Garten, und schon zwei Stunden später heisst es, alles Werkzeug aus der Hand legen, husch, husch, Hände waschen und umziehen fürs Mittagsgebet und das Mittagessen, hopp! Meist bin ich nach ein Uhr wieder draussen, bis kurz vor drei. Und nach dem Zvieri und der geistlichen Lesung ab vier bis zur → Vesper um Viertel vor sechs. Nach der → Komplet um acht gehe ich oft ein letztes Mal in den Garten und schaue zu den Schafen. Wir Schwestern sind wohl alle fleissig und können die Ärmel hochkrempeln – damals wie heute. Wir kommen aus ähnlichen familiären Verhältnissen und sind das Werken gewohnt. Arbeit ist doch auch eine Art Gottesdienst, nicht?

Ich mag es, Neues auszuprobieren. So ging ich auf eine Anfrage ein und betreibe nun in Uitikon zweimal im Jahr einen kleinen Marktstand. Dort verkaufe ich im Frühling meine Setzlinge und eigens gemachtes Kräutersalz, im Herbst Gemüse und meine Wallwurzsalbe. Die Döschen sind jeweils im Nu weg.

Mir ist nie etwas zu viel. Diese Haltung lernte ich schon daheim. Wir waren eine fleissige und sozial denkende Familie, hatten immer ein offenes Haus und oft Gäste mit am Tisch. Am 17. Dezember 1947 kam ich in Hörhausen, auf dem Seerücken im Thurgau, zur Welt. Ich bin das vierte von sechs Kindern. Mit drei Brüdern und zwei Schwestern bin ich aufgewachsen. Ein Bruder starb mit zweieinhalb Jahren. Meine Eltern bewirtschafteten einen grossen und gepflegten Hof. Ich half Vater viel, war ein gesundes, kräftiges Kind und am liebsten draussen. Früh lernte ich melken, die Pferde führen und die Landmaschine, den Rapid, fahren. Ich mochte alles – ausser Stricken. Meine Mutter bedauerte das, sie schämte sich wohl für mich, wenn sie als Schulpflegerin meinen Handarbeitsunterricht besuchte und sah, wie ich mich mit einer halb fertigen Socke herumquälte!

Nach der Primarschule schickten mich meine Eltern ins Internat nach Flüeli-Ranft in Obwalden. Es hiess, mein Lehrer hätte mich nicht ernst genommen. Wer wusste schon, was das bedeutete! Und so kam ich für die siebte und achte Klasse zu Dorothea-Schwestern. Dort plagte mich oft Heimweh. Glücklicherweise besass eine der Schwestern einen Hund, mit dem ich laufen gehen durfte, und auch die Gartenarbeit half mir über die Trauer hinweg. Durch die halbe Schweiz, über Luzern, Zürich und Frauenfeld reiste ich in die Ferien. So lernte ich die Schweiz kennen. Noch heute ist Zugfahren ein grosser Spass für mich.

Anschliessend wollte ich Französisch lernen und wurde im kalten Winter 1963 Volontärin im Institut Guglera der Ingenbohler Schwestern im Freiburgischen. Meine Eltern hatten während dieser Zeit einen Grippevirus, und ich fürchtete, Mutti könnte sterben. So machte ich mich eines Tages klammheimlich davon. Zu Fuss lief ich im Schneesturm Richtung Tafers und nahm den erstbesten Zug in die Deutschschweiz. Zu Hause waren sie gar nicht erfreut, mich zu sehen. Ich musste auf dem Absatz kehrtmachen und zurück ins Internat, wo ich ins Verhör genommen wurde. Im Rückblick weiss ich: Fremdes Brot essen tat mir gut, aber Französisch lernte ich wenig mit all den Deutschschweizerinnen, die mit mir in der Küche, in der Wäscherei und im Garten arbeiteten.

Damals war es in unseren bäuerlichen Kreisen beliebt, die Bäuerinnenschule im Kloster Fahr zu absolvieren. Die Schule hatte einen guten Ruf, und Mutter meinte, sie wäre das Richtige für mich. Ich wäre gerne Gärtnerin geworden, aber ich scheute mich vor der langen Lehrzeit. Warum also nicht für zwanzig Wochen ins Fahr? Mein erster Eindruck des Klosters, als ich zu Fuss von Schlieren mit dem Koffer einrückte: Es wirkte kalt, sah aus wie eine Kaserne, und es hatte nicht mal Vorhänge vor den Fenstern! Bald wurde ich eines Besseren belehrt. Das Leben an der Bäuerinnenschule und die klösterliche Atmosphäre gefielen mir ausgezeichnet.

Am 19. November 1965, während des Ausbildungsgangs, feierte Priorin Elisabeth ihren Namenstag. Uns wurde eine Überraschung angekündigt, und so gab es ein grosses Hallo, als die Schwestern mit einem neuen Schleier auftraten. Bis jetzt waren sie bis auf die Wangen und Augen total verhüllt gewesen. Jetzt sah man plötzlich ein Gesicht. Mit Nina Felder aus Solothurn besuchte die tausendste Schülerin der Bäuerinnenschule unseren Kurs. Bis zur Schliessung der Schule im Jahr 2013 sollten es dann über 4000 Frauen sein, die in fast siebzig Jahren im Fahr die bäuerlich-hauswirtschaftliche Ausbildung absolvierten.

Nach der Bäuerinnenschule wurde ich für kürzere oder längere Einsätze als Familienhelferin gerufen – auch zu einer Familie in Weiningen. Während dieser Zeit schlief ich im Fahr und spürte zunehmend eine Verbindung zum Kloster. Ich fühlte mich an diesem stillen Ort irgendwie gestärkt. Und ich begann mit mir zu ringen: Bäuerin – Gärtnerin – Klosterfrau? Was sollte wohl aus mir werden? Es waren schwierige Monate. Der älteste Bruder hatte Theologie studiert. Meine Eltern stellten sich vor, er würde Priester und ich Bäuerin werden. Aber es sollte anders kommen. Kurz vor der Priesterweihe lernte er seine spätere Ehefrau kennen. Er heiratete, studierte Psychologie und wurde Betriebspsychologe und Berufsberater. Und ich? Es war an Ostern 1969, als ich mit einer Kollegin im Dorf in die Frühmesse ging. Der Pfarrer zitierte aus dem Evangelium: Wenn du meine Stimme hörst, so folge mir! Dieser Satz schlug ein wie ein Blitz, und ich wusste von einer Sekunde zur anderen: Ich will ins Fahr. Es war ein Ruf an mich. Anders kann ich das nicht beschreiben.

Meinen 22. Geburtstag feierte ich als Kandidatin im Kloster Fahr. Am Gertrudstag, dem 17. November 1969, trat ich ein. Mein Radio und eine Truhe aus Birnbaum, die Vater für jede Tochter zur Aussteuer herstellen liess, musste ich zu Hause lassen und natürlich meine liebe Familie. Ich wusste, ich würde nie mehr heimdürfen.

Ich arbeitete während des Noviziats und auch später während der Sommermonate vor allem auf dem Feld. Im Winter strich ich zusammen mit anderen Schwestern unzählige Wände in den Gängen, laugte Dutzende Fensterläden ab und versah sie mit einem neuen Anstrich. Ich galt als Allrounderin im Kloster.

1986 wurde ich von der damaligen Priorin Raphaela ins Benediktinerinnenkloster Müstair «ausgeliehen». Der kleinen Gemeinschaft fehlte es an Unterstützung, weil eine der dortigen Schwestern ins Spital musste. Ob ich bereit wäre, der Gemeinschaft ein paar Wochen unter die Arme zu greifen? Erst war ich geschockt, brauchte Bedenkzeit und wollte nicht alleine hin. Aber ich überwand meine Bedenken und sagte zu. Eine Woche später fuhr ich mit dem Führerschein, den ich habe, seit ich 18 Jahre alt war, und Pater Benedikts Auto über den Ofenpass ins Münstertal. Es gefiel mir dort von Beginn an ausgezeichnet, nicht nur im Kloster, sondern auch auf dem klösterlichen Maiensäss und der hoch gelegenen Alp. Es war eine herrliche Natur. Dort oben kam ich mir vor wie Heidi. Im Laufe der Wochen wurde ich vor allem für Arbeiten im Biogarten eingesetzt, die Liebe zum Boden wuchs noch mehr, und ich lernte viel. Es sollte nicht bei diesem einen Einsatz bleiben. Bis im Sommer 1995 lebte und arbeitete ich jedes Jahr jeweils von Mai bis Oktober in Müstair.

Dann hiess es plötzlich, ich müsse mit dem Frühlingskurs 1996 den Gartenunterricht an der Bäuerinnenschule übernehmen. Eine richtige Gärtnerinnenausbildung hatte ich nie gemacht. Ich war über die Jahre Schritt für Schritt und mit viel Praxis ins Metier hineingewachsen. Ohne Ausbildung als Lehrerin an der Bäuerinnenschule? Das hatte ich einfach anzunehmen. Gehorsam. Punkt. Priorin Irene war damals Leiterin der Schule und schickte mich als Vorbereitung für den Grundlagenunterricht im Winter in den Biogartenbaukurs an der Haushaltsschule in Wipkingen. Frau Verena Burghold, die Dozentin, war extrem hilfsbereit und versorgte mich mit viel Fachwissen. Von Beginn an liefs gut an der Bäuerinnenschule. Den Frauen wurde offen kommuniziert, ich würde als Einsteigerin zu ihnen kommen. Sie waren verständnisvoll und verziehen mir allfällige Patzer. Trotzdem war der Einstieg für mich damals hart. Ich erinnere mich gut, den Winterkurs 1996/97 besuchten 36 Frauen – es war eine Herausforderung, in drei Gruppen praktischen Unterricht im Treibhaus zu halten. Ich hatte ja null didaktische Erfahrung. Die besonnenen Frauen und die Hilfe von Schwester Gertrud, deren Posten ich übernommen hatte, machten mir Mut. Später durfte ich an der EB in Zürich eine Weiterbildung in Didaktik und Methodik besuchen.

Der Spagat zwischen Schule und Kloster machte mir hie und da zu schaffen. Das waren zwei Welten – unten die offene, mit vielen jungen Frauen, und oben die klausurierte, streng geregelte. Aber ich sehe es heute als grosses Plus, dass wir Schwestern diese Schule führten. Ich glaube, nicht zuletzt deshalb sind wir so weltoffen. Im Lauf von fast zwanzig Jahren durfte ich die Freude einiger Hundert Frauen für den Garten wecken. Ich hatte immer einen guten Draht zu den Schülerinnen – und noch heute kommen mich Ehemalige besuchen. Viele von ihnen sind begeisterte Gärtnerinnen. Ehrlich gesagt, es tat mir weh, als wir die Schule schliessen mussten.

Jede von uns ist ein Teil des Klosterpuzzles, steht an einem anderen Ort und gehört doch zur Gemeinschaft. Wir gehen gut miteinander um, respektvoll. Das ist entscheidend. Wir haben einander ja nicht ausgewählt. Und ich glaube, je älter wir werden, umso wichtiger ist der gegenseitige Respekt. Wir sind natürlich nicht immer gleicher Meinung. Aber wir dürfen unsere Meinung heute äussern. Früher mussten wir einfach nicken – man ging gebeugten Hauptes durchs Leben. Heute dürfen wir es sagen, wenn uns etwas bedrückt.

Ich kann mich gut anpassen und finde schnell Kontakt zu den Menschen. Ich bin eine aufgestellte Person, und wenn es mir gut geht, bin ich motiviert. Bei Stress, wenn es zum Beispiel mit meiner Arbeit nicht wie geplant läuft, kann ich aber schon mal explodieren. Ans Austreten dachte ich nie wirklich. Ich stellte den Entscheid fürs Fahr nie grundsätzlich infrage. Aber es gab Zeiten, in denen ich ungeduldig mit mir war. Doch wohin hätte ich gehen sollen? Möglichkeiten des Rückzugs im Kloster selbst gibt es wenige. Die Zelle als Einzelzimmer ist viel wert, und ich kann in den Garten gehen. Wenn ich früher aufgewühlt war oder Abstand brauchte, stieg ich in den Estrich hinauf, wo mich niemand hören konnte, und rief laut aus. Meine Explosivität ist vielleicht eine Schwäche. Es kann vorkommen, dass es in mir drin kocht und ich den Druck am falschen Ort ablasse. Ich spüre es, wenn ich nicht gut atme, dann bin ich überfordert oder übermüdet. Ich mute mir oft viel zu im Garten, und mit dem Älterwerden geht alles nicht mehr so schnell. Dann muss ich mich immer mal wieder disziplinieren und mehr Zeit für die Erholung einrechnen.

Zuletzt habe ich da noch einen Traum: Ich würde liebend gern ein zweites Mal nach Rom reisen. Vor drei Jahren durfte ich mit der ökumenischen Kirchgemeinde Engstringen in meinen Ferien in die Ewige Stadt fliegen – es war der erste Flug meines Lebens, ein unvergessliches Erlebnis, und eine wunderschöne Wallfahrts- und Kulturreise. Papst Franziskus in nur zehn Metern Distanz auf dem Petersplatz begegnen zu dürfen, das war ein besonderes Geschenk für mich. Ich fühle mich ihm sehr verbunden; wir haben am selben Tag Geburtstag!

Wir Schwestern stehen fast alle im Herbst unseres Lebens. Und manchmal mache ich mir schon Sorgen, wie es weitergehen soll bei uns. Auch mit Gottvertrauen ist es nicht so einfach. Wie werden wir die Zukunft bewältigen? Im Moment läuft alles – aber die Situation ist zerbrechlich. Wer wird einmal das Chorgebet übernehmen, das Kloster überhaupt? Wie steht es mit Nachwuchs? Den Ruf des Herrn hören nur wenige in dieser lauten Welt. Sollen wir uns mit der Arbeit stärker zurücknehmen und einen kontemplativen Ort im Kloster schaffen? Fragen über Fragen, die mich beschäftigen. Ich weiss, ich muss lernen, loszulassen und gelassener zu werden. Das ist leichter gesagt als getan. Es gibt ja so viel zu tun jeden Tag.

Eintritt ins Kloster Fahr: 17. November 1969

Einfache Profess: 12. August 1971

Feierliche Profess: 18. September 1974


Schwester Marie-Theres

«Alleinsein zu können, ist entscheidend. Wer viel Gesellschaft braucht, ist bei uns am falschen Platz.»

geboren am 21. Juli 1946 als Theresia Gabriele Koch aus St. Gallen (SG)



Im Refektorium wird der Tisch für das gemeinsame Mittagessen gedeckt (1. Bild). – Schwester Marie-Theres schleudert und füllt den Honig der rund dreissig Bienenvölker ab, die im Klosterinnenhof leben (2. Bild).

Ich bin am Schleudern. 2017 wird als Superjahr in die Klostergeschichte eingehen. Wir kommen nämlich auf 700 Kilogramm Honig. Und der muss sorgfältig von den Waben geschleudert werden. Im und rund ums Bienenhaus arbeite ich seit über 17 Jahren. Anfänglich assistierte ich Schwester Bernadette, die das Imkern von einer Mitschwester erlernt hatte. Heute ist Berta Müller, unsere langjährige Angestellte, der Bienenprofi. Sie stürzte sich kopfüber ins Metier, besuchte Kurse und bildete sich laufend weiter. Sechs Wochen bin ich jährlich für die Bienen auf der Piste. In den nächsten Tagen werden wir die letzten Hundert Kilogramm Honig schleudern. Dann setzen wir das Zuckerwasser für die kleinen Tierchen auf und reinigen alles gründlich. Für die Bienen beginnt ab August die Wintersaison. Was sie jetzt sammeln, lassen wir ihnen als eigenen Vorrat für die kargen Monate.

Fürs Stechen bedanke ich mich jeweils bei den Bienen – ihr Gift beugt Rheuma vor. Man darf natürlich nicht allergisch gegen Bienenstiche sein, sonst kannst du unter Umständen gleich den Schirm zumachen! Bei uns leben aktuell ungefähr dreissig Völker, und unser Honig ist im Klosterladen ein echter Verkaufsschlager.

Mein Leben sehe ich als halb volles Glas, nicht als halb leeres. Seit meiner starken Hörbehinderung und trotz meines gesundheitlichen Zusammenbruchs kann ich noch vieles machen. Ich musste lernen, nicht auf das hinzusteuern, was mir Mühe macht, sondern auf das, was noch gelingt. Mit Schwester Bernadette, die wie ich eine Hörbehinderung hat und zehn Jahre älter ist, verstehe ich mich sehr gut. Sie und ich wissen, dass man sich isoliert, wenn man nicht mehr gut hört; dass Lärm und Geräusche einen irritieren und krank machen. Wir stützen und unterstützen uns gegenseitig. Uns verbindet durch das gemeinsame Schicksal eine schöne Freundschaft. Wir haben einen ähnlichen Humor. Die Gemeinschaft toleriert unsere Freundschaft. Das ist nicht selbstverständlich, und ich schätze es sehr. Wir können beide leider nicht mehr an der → Rekreation teilnehmen. Es ist uns zu laut. Ich höre rechts nichts mehr, und im linken Ohr herrscht Hyperakusis – eine grosse Lärmempfindlichkeit, die auch Gleichgewichtsstörungen mit sich bringt. Mich mit einem Menschen unterhalten geht gut, aber nicht mit mehreren. Das ist Stress pur.

Eine Sklerose zerstörte 1977 in meinem Ohr Amboss, Steigbügel und einen dritten Knochen hinter dem Trommelfell; eine Operation und der Einsatz von künstlichen Gehörknochen wurden nötig. Und vor 13 Jahren, damals war ich 58, erkrankte ich an einer Mittelohrentzündung. Diese Erkrankung, gekoppelt mit einer Grippe und einem Tinnitus, stellte mich komplett auf den Kopf. Die bakterielle Erkrankung verursachte im Hirn eine Veränderung. Es hatte nichts mit meiner Psyche zu tun, dass ich nicht mehr beten konnte und keinen Sinn mehr im Leben sah. Während meines Aufenthalts in der Klinik in Oberwil hatte ich zudem eine Lungenembolie. Und so wurde ich als Notfall ins Kantonsspital Zug eingewiesen. Mein Glück! Innerhalb von einer Woche erholte ich mich fast gänzlich und konnte ins Kloster zurückkehren. Die schwere Hörbehinderung ist allerdings geblieben.

Ich hätte nie gedacht, dass es einem als Menschen so schlecht gehen kann. Aber man weiss nie, was im Leben passiert. Ruhe ist seither für mich entscheidend. An einem regulären Tag im Kloster komme ich gut zurecht. Aber Festtage wie Weihnachten und Ostern sind schlimm: Da herrscht viel Umtrieb, wir können beim Essen reden und singen viel. Dann bleibt mir nichts anderes, als mich zurückzuziehen, zwei, drei Stunden, in die Stille.

Die Schwesterngemeinschaft musste lernen, mich anzunehmen, wie ich bin. Das ist sicher nicht immer einfach. Aber ich schätze ihr Verständnis und ihre Fürsorge sehr.

Heute bin ich die Assistentin von Schwester Monika, arbeite «i. A.», im Auftrag, und helfe ihr mit dem Obst, im Kräutergarten, beim Dörren. Sie kann mich rufen, wenn sie mich braucht. Ich decke auch den Tisch im Konvent für das Mittag- und das Abendessen, benötige dafür jeweils eine halbe bis eine Dreiviertelstunde. Wegen meiner Behinderung leide ich nicht, ich denke, sie muss wohl eine Prüfung sein. Sie wird einen Grund haben. Die Frage nach dem Warum stelle ich mir nie. Aber ich sage dem Herrgott, dass ich hoffe, in meiner Sterbestunde werde das, was ich alles durchgemacht habe, angerechnet. Wer weiss?

Die Sache mit meinem Ohr ist das Schlimmste in meinem Leben. Aber ich nehme alles an, was kommt – auch die Knöchelfraktur am linken Fuss vor einem Jahr. Mit zwei Platten und neun Schrauben im Bein durfte ich nach der Operation für zwei Wochen nach Dussnang in die Rehabilitation. Nicht einen Moment haderte ich. Es war eine gute Zeit dort, ich erholte mich – und musste anschliessend nicht einmal mehr in die Ferien.

Dass ich als Kind scheu war, glaubt mir heute niemand. Aber es war so. Meine Eltern führten das städtische Bürgerheim. Und so bin ich im Armenhaus von St. Gallen geboren, am 21. Juli 1946, an einem Sonntag. Es sei eine schwere Hausgeburt gewesen, eine Risikogeburt in Steisslage. Nach sechs Kindern war ich eine Nachzüglerin, Mutter war bereits in den Vierzigern. Als sie wieder Babysachen zu stricken anfing, fragten meine Geschwister, ob das für die Missionen sei! Wäre ich ein Bub geworden, hätte ich Gerhard geheissen. Auf die Geburt eines Mädchens waren meine Eltern nicht vorbereitet. Und so schlug meine Patin in der Not den Namen Theresia vor. Ein Mädchen, trösteten sich meine Eltern, würde ihnen im Alter beistehen. Und ausgerechnet die Jüngste ging ins Kloster! Bei mir war und ist einfach immer alles ein bisschen anders als bei andern. Ich glaube, das wurde mir schon in die Wiege gelegt.

Unser Familienleben sowie der Betrieb des Heims für Obdachlose und Randständige der Stadt St. Gallen gingen ineinander über. Mutter kochte für die 15 Insassen und für uns, putzte und besorgte einen grossen Garten, zusammen mit Angestellten, und mein Vater führte den Landwirtschaftsbetrieb, in dem die Heimbewohner zeitweise mithalfen. Erst im Kindergarten, 1952, lernte ich andere Kinder kennen. Bis dahin hatte ich fast ausschliesslich mit meiner Familie und den Frauen und Männern im Bürgerheim Kontakt.

Vermutlich war ich schon von klein auf gesundheitlich anfällig. Meine Geschwister nahmen mich als Anderthalbjährige zum Schlitteln mit und vergassen mich. Während sie miteinander spielten, liessen sie mich, auf einen Schlitten gebunden, alleine im Schnee. Ich sei schon blau angelaufen und total verfroren gewesen, als sie mich schliesslich heimbrachten – Bronchitis und Asthma waren seither meine ständigen Begleiter.

In der Primarschule war ich eher eine Mitläuferin, aber ich lernte gern. Mein Knoten löste sich dann in der Sekundarschule. Dort wurde ich zur Klassenchefin gewählt, völlig überraschend. Ich hätte mir das nie zugetraut. Jetzt merkte ich: Die hören auf mich. Das gab mir ungeahntes Selbstvertrauen. Ich spürte plötzlich, ich kann etwas, ich bin wer.

Wie es nach der Schule mit mir weitergehen sollte? Ich hatte keine Ahnung. Mich drängte niemand zu irgendwas. Meine Eltern hatten genug zu tun und konnten sich nicht auch noch um mich kümmern. Meine Freundin Cornelia schrieb mir aus dem Internat in Nordfrankreich, wo sie ein Jahr verbrachte, wie toll es dort sei. Und so meldete ich mich spontan an und fuhr mit einer Gruppe Schweizerinnen im Herbst 1961 für ein Jahr nach Frankreich. Heimweh hatte ich nie. Ich spürte, ich bin gemeinschaftsfähig, obwohl ich ja wie ein Einzelkind aufgewachsen war. In der Gruppe fühlte ich mich geborgen, konnte meine Meinung vertreten und lernte un peu de français. Mein Humor, ein eher trockener Humor, den ich von Vater geerbt habe, half mir sehr.

Ich wäre gerne Clownin geworden oder Dirigentin. In beiden Berufen hat man mit Menschen zu tun. Sie zu erheitern, über die Musik zusammenzuführen, ihnen Freude zu bereiten, das hätte mir gefallen. Aber beide Ausbildungswege waren im Umfeld, in dem ich gross wurde, unvorstellbar.

Ein Onkel vermittelte mich zu einer Familie mit fünf Kindern nach Uitikon-Waldegg. Dann arbeitete ich für kurze Zeit in einem Büro in St. Gallen, wo ich auf einer elektrischen Schreibmaschine Briefe tippte, und schliesslich entschied ich mich, Krankenschwester zu werden.

Als 18-Jährige nahm mich die Psychiatrische Klinik Wil auf. Die drei Jahre als Lernende auf verschiedenen Abteilungen gefielen mir sehr gut. Die Welt in der Klinik war keine fremde für mich – zu Hause im Bürgerheim hatte ich bereits Bekanntschaft mit Menschen aller Art und mit verschiedenen psychischen Krankheiten gemacht. Nur die Drogensüchtigen, so fand ich, waren hier nicht richtig aufgehoben. Aber wo hätte man sie damals sonst unterbringen sollen? Geeignete Institutionen befanden sich in den Sechzigerjahren erst im Aufbau.

In diesen Jahren hatte ich einen Freund, einen sehr lieben. Er wohnte in meiner Nachbarschaft, und wir unternahmen viel gemeinsam. Aber ich spürte, er ists nicht fürs Leben. Das liess ich ihn wissen, was ihn sehr betrübte. Er meinte, ich hätte wohl einen anderen. Ich mochte ihn sehr, hatte aber immer das Gefühl, dass da noch etwas anderes für mich kommt. Keine einfache Situation. Er heiratete später eine liebe Frau, und die beiden kamen mich im Kloster sogar besuchen.

Zwar hatte ich nun mein Diplom als Psychiatrieschwester, aber was ich mit meinem Leben anstellen sollte, war mir nicht klar. Ich fühlte mich wie in einer Sackgasse. In meiner Not fing ich an zu beten: «Herrgott, ich hätte gerne ein Zeichen, wie es weitergehen soll – heiraten, oder was sonst soll ich tun?»

Es klingt fast kitschig. Aber ich bekam dieses Zeichen wirklich. Während einer langen Nachtwache hatte ich im Stationszimmer Zeit, in Zeitschriften zu blättern. Ein Artikel von Schwester Hedwig, der Ordensfrau und Dichterin Silja Walter, fiel mir ins Auge: «Und unten blühen die Königskerzen – ein monastischer Tag im Kloster Fahr». Ich las begeistert, schloss das Heft und wusste: Das Kloster Fahr ist es. Es war eine Gebetserhörung. Wenn Leute zu mir kommen und sagen, sie beten und es passiere nie etwas, dann kann ich sagen, dass es meistens so sei. Aber es gebe sie auch, die Gebetserhörung.

Ein Leben in einem Kloster konnte ich mir vorstellen, war doch eine meiner älteren Schwestern in jungen Jahren in ein offenes Kloster in Freiburg eingetreten und glücklich mit ihrem Leben. Ich meldete mich also im Kloster Fahr an und spürte, dass die Priorin, Schwester Elisabeth, etwas zurückhaltend war. Sie wusste ja nicht, wer da ins Kloster wollte. Die meisten jungen Frauen, die sich bewarben, waren ihr bekannt, sie kamen über die Bäuerinnenschule ins Kloster. Wenn sie bloss nicht verlangt, dass ich noch diese Schule absolviere!, durchzuckte es mich. Erst als ich meine Schwester erwähnte, die in einem Kloster lebte, wurde es einfacher, und ich konnte mich für die → Kandidatur anmelden.

Meine Arbeitsstelle im Spital kündigte ich mit der Begründung, ich würde ins Ausland gehen. In der Öffentlichkeit von einem Klostereintritt zu reden, traute ich mich nicht. Die Enttäuschung des Oberarztes war gross – hatte er mir doch die Verantwortung für eine Abteilung übergeben wollen.

Für die Zeit vor meinem definitiven Eintritt ins Kloster hatte ich mit einer Kollegin einen Arbeitseinsatz in einem Kibbuz in Israel geplant. Die drei Monate bis Weihnachten 1969 waren ein grosses Erlebnis, und aus Begeisterung blieben wir zusätzliche drei Monate für einen Einsatz in einem Kinderspital in Nazareth.

Am 4. November 1970 trat ich ins Kloster Fahr ein. Der Eintritt wäre schon für eine Woche früher angedacht gewesen, aber ich war an die Hochzeit meiner Freundin Lis eingeladen. Sie und Hanspeter wollten eigentlich im darauffolgenden Frühling heiraten, zogen die Feier aber meinetwegen vor. Nach dem Klostereintritt hätte ich nicht mehr rausgedurft. Es war ein traumhaftes Fest, und wir sind heute noch miteinander befreundet.

Ein Ja ist ein Ja. Und das hat Folgen. Das war mir mit dem Entscheid für das Kloster bewusst. Die erste Zeit war eine harte Schule. Ich war eine selbstständige, selbstsichere Frau, und das Noviziat war eng und streng. Ich hatte mich in die Gemeinschaft einzufügen, durfte während der Ausbildung nicht mit den Konventschwestern sprechen. Doch ich sah es trotzdem nie als mühsamen Weg an. Die schwere Zeit würde vorübergehen, danach wäre ich freier.

Zur Feldgruppe eingeteilt, arbeitete ich vor allem draussen, hatte jedoch jeden Tag Zeit zum Klavierspielen. Später kam noch das Orgelspiel dazu. Und bald begleitete ich jede → Laudes und Vesper und wurde umgehend kritisiert, wenn ich einen Fehler machte. Das war ein enormer Druck und führte dazu, dass ich den Erwartungen nicht mehr standhielt. Mit der Zeit verlor ich die Freude an der Musik. Solche Dinge erlebt man in Gemeinschaften. In den Siebzigerjahren hatte man im Fahr nicht die Zeit, auf die Psyche jeder einzelnen Schwester einzugehen.

Die Bäuerinnenschule war damals ein Politikum im Kloster. Die einen, um Schwester Elisabeth, befürworteten sie. Andere hingegen, wie Schwester Raphaela oder Schwester Hedwig, wollten ein kontemplatives Kloster, geprägt von Innerlichkeit und Gebet. Die Aufgaben der Schule würden zu viele Kräfte des Klosters absorbieren, sagten sie. Dieser Konflikt flammte immer wieder auf, und wer nicht an der Schule war, konnte ihre positiven Impulse nicht verstehen. Dabei war ja der grösste Teil der Schwestern über die Schule ins Kloster gekommen! Ich selbst wurde für das Fach «Häusliche Krankenpflege» an die Schule delegiert – mir gefiel das Unterrichten sehr, aber ich spürte den Konflikt unter den Schwestern immer. Das änderte sich erst, als Schwester Raphaela im Jahr 1978 Priorin wurde und von Amtes wegen für die Schule einstehen musste.

In einem Seminar mit Heilungsgebeten, Mitte der Achtzigerjahre, durfte ich erfahren, dass eine innere Heilung mit mir geschah. Explizit war sie nicht, aber sie ist mir geschehen, sie wurde mir geschenkt. Ich hatte von diesem Tag an keine Panik mehr an der Orgel. Wie so etwas geschehen kann? Ein Geschenk des Herrgotts!

Meinen Platz in der Klostergemeinschaft vergleiche ich mit der Wurzel eines Baums, der wunderschöne Blätter und Früchte trägt. Man sieht den äusseren Reichtum, aber die Wurzeln nicht. Die sind trotzdem wichtig. Es ist mir recht und lieb, wenn ich im Hintergrund bin. Weitreichende Entscheidungen treffe ich nicht, ich führe aus, was mir aufgetragen wird. Ich hätte als Krankenschwester Karriere machen können, vielleicht wäre auch ein Mann in mein Leben getreten. Aber das war nicht meine Berufung. Wieso funkt es in der Liebe zu einem Partner? Man kann es mir nicht erklären. Und so kann ich es in meinem Fall auch nicht. Die Berufung ist ein Ruf und bleibt letztlich ein Geheimnis. Ich höre keine Stimme, aber es ist ein Eindruck, mehr Intuition als direkte Ansprache.

Im Kloster leben heisst für mich, immer wieder Wege zurück in die Stille zu finden. Laufend aus ihr herausgerissen zu werden, ist mühsam. Deshalb schweigen wir den grössten Teil des Tages, damit wir in dieser Ruhe bleiben. Ob wir in der Kirche sind, beim Beten, beim Arbeiten oder beim Essen – alles geschieht schweigend. So lassen wir uns nicht hinaustreiben aus der Verbindung zu Gott. Wenn man hinter diese Klostermauern kommt, ist das ein Kampf, es braucht Training; es ist ein Hineinwachsen. Das kommt nicht von einem Tag auf den andern.

Verzicht gehört zu dieser Form von Leben, und er ist für mich nicht negativ: Lege ich eine Frucht, die ich zwar möchte, weg, dann ist da eine Leere. Es gibt Platz für etwas Neues, das ich noch nicht kenne, das aber richtig ist.

Mit Menschen von ausserhalb des Klosters habe ich wegen meiner Hörbehinderung nicht mehr so viel Kontakt. Das ist so. Früher war ich nahe am Geschehen, hatte viele Nöte kennengelernt, von den Alkoholikern daheim und den Menschen in der Psychiatrie. Heute bin ich indirekt mit der Welt verbunden – über die Verbindung mit dem Herrgott.

Seit 47 Jahren lebe ich im Kloster Fahr, und in meinem Alltag hat sich wenig verändert in diesen Jahren. Auch meine Einstellung nicht. Ich mag Kontinuität, und ich liebe unseren Tagesrhythmus. Dazu haben wir heute mehr Freiheiten, zum Beispiel Ferien.

Das Jetzt ist das Schönste. Die Vergangenheit prägte mich, die kann ich nicht mehr verändern. Aber die Gegenwart, die kann ich gestalten. Die Einsamkeit im Kloster ist keine Verlassenheit. Alleinsein zu können, ist entscheidend. Wer viel Gesellschaft braucht, ist bei uns am falschen Platz. Das Alleinsein ist heilsam und bringt mich näher zu Gott und ins Leben. Jeder Mensch hat einen inneren Raum und eine innere Welt, die sehr reich sind. Wenn man sich dessen bewusst ist und am Morgen nicht schon mit den aktuellsten Nachrichten aufsteht, sondern in eine Ruhe hinein aufwacht – vielleicht in eine Gottesbeziehung –, dann gibt das Kraft. So beginne ich den Tag ganz anders. Gott gibt jedem Menschen die Freiheit. Und ich kann keinen Menschen ändern. Auch wenn ich eine Mitschwester gerne anders hätte. Das bringt nichts. Ich muss es aushalten, das ist die harte Schule!

Ich brauche viel Ruhe. Aber das Gespräch jetzt hat mich sehr entspannt. Es war bereichernd. Dass ich in diesem Buchprojekt überhaupt mitmache, hat verschiedene Gründe. Einerseits legen wir als Klostergemeinschaft Zeugnis ab über unser Leben. Und wir werden viel voneinander erfahren, das wir nicht wussten. Die Leute draussen werden sehen, wie wir leben und denken, dass wir Krisen kennen und Humor haben. Es ranken sich ja unendlich viele Vorurteile um unser Leben. Aber auch ein Klosterleben hat Pfeffer, oder nicht?

Eintritt ins Kloster Fahr: 4. November 1970

Einfache Profess: 14. August 1972

Feierliche Profess: 20. August 1975


Schwester Matthäa

«Keine eigenen Kinder zu haben, wog schwer.»

geboren am 12. Januar 1946 als Rita Maria Wismer aus Aadorf (TG)


Als Töpferin fertigte Schwester Matthäa Krippenfiguren und «Weihnachtstürme». – Die Stoffe für liturgische Textilien werden aus Seide, Wolle und Leinen auf Webstühlen im Atelier der Paramentenwerkstatt gewoben (nächstes Bild).




Im August 2017 unternimmt die ganze Gemeinschaft zum Gedenkjahr von Bruder Klaus eine Pilgerreise nach Flüeli-Ranft. Es ist einer der seltenen Ausflüge der Klosterfrauen.

Viermal im Jahr haben wir Schwestern die Möglichkeit, einen Wüstentag, wie wir sagen, einzuziehen. Letzte Woche war es bei mir so weit. Wir können ihn als persönlichen Einkehrtag gestalten. Es ruft keine Glocke zum gemeinsamen Gebet oder zu den Essenszeiten, und wir arbeiten nicht. Ich erwartete also einen verregneten Tag, an dem ich mich in die Klause zurückziehen und in Stille lesen und beten wollte. Aber die Sonne schien schon in der Früh. Und so zog es mich mit einem belegten Brot, zwei Fläschchen Holunderblütensirup und einem Buch übers Pilgern in die Natur ausserhalb der Klostermauern. Durch den Wald in Richtung Geroldswil kam ich an die Limmat und setzte mich später am Fluss auf einen Findling. Ich liess die Umgebung auf mich wirken, überlegte, wo ich stehe in meinem Leben, hatte Zeit und Musse, zu sein, zu beten und einfach in mich hineinzuhören – einen Tag lang in meinem eigenen Tempo zu leben.

Ich heisse Schwester Matthäa – das ist die weibliche Form von Matthäus. Zur Einfachen Profess, wenn wir uns für drei Jahre im Kloster verpflichten, bekommen wir als Sinnbild für ein neues Leben auch einen neuen Namen. Simone hätte mir gefallen, nicht aber der Priorin. Sie schlug Matthäa vor. Ein völlig fremder Name. Ich trug den Vorschlag mit mir herum, und nach einigen Monaten im Noviziat freundete ich mich mit ihm an. Ja, ich fand den Namen immer klösterlicher – zudem konnte man ihn nicht verunstalten. Trotzdem, etwas irritierte mich, und ich besprach es mit unserem → Spiritual: Die Redensart «Heute ist Matthäi am Letzten!» ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Zu meinem Erstaunen erfuhr ich, dass die Bedeutung der Wendung gar nicht pessimistisch und hoffnungslos, sondern positiv in die Zukunft gerichtet ist. Sie stammt vom allerletzten Vers im Matthäus-Evangelium, der heisst: «Ich bin bei euch, alle Tage, bis zum Ende der Welt.» Tröstlich. Warum sollte ich also nicht Matthäa heissen?

Ich denke, unser Leben gleicht einer Wendeltreppe. Es geht aufwärts oder auch runter, aber immer weiter und weiter. Das Leben ist für mich kein Kreis, Leben fliesst hin zu Gott, schlussendlich.

Das Symbol der Wendeltreppe habe ich in einem «Weihnachtsturm» in Ton interpretiert. Fünfzig Figürchen stehen auf dem Treppenweg hinauf; sie versinnbildlichen die Heilsgeschichte von der Erschaffung des Menschen über die Verkündigung an Maria, die Geburt im Stall, die Flucht nach Ägypten bis zu Tod und Auferstehung Jesu. Es gehören auch Zwischenböden dazu. Zwischen Hoch und Tief ist das Mittendurch, der Alltag. Das Aushalten des Unspektakulären, wenn das Leben ruhig fliesst, ist auch wichtig. Der Turm stellt für mich das Wachsen, vielleicht auch mein Wachsen im Klosterleben dar. Ich bin froh, dass er nicht verkauft wurde. Denn das meiste, was ich in dreissig Jahren an Kunsthandwerklichem schuf, ist in der Welt draussen. Der Turm blieb. Das ergab sich so. Er war für die Person, die ihn bestellt hatte, schliesslich zu teuer. Mein Glück! Die Leidenschaft fürs Arbeiten mit Ton wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Erst im Kloster durfte ich meine handwerkliche Gabe erkennen und entwickeln. Ein Geschenk.

Ich bin in der Nähe von Stettfurt aufgewachsen. Der Thurgau ist mir sehr lieb. Er ist mein Ursprung. Am 12. Januar 1946 wurde ich daheim auf unserem Bauernhof im Weiler Chöll geboren, getauft auf den Namen Rita Maria. Mein älterer Bruder Guido war zwei Jahre vor mir zur Welt gekommen, der jüngere, Beda, zwei Jahre nach mir. 1951 kam Edith und 1959 als Nachzüglerin Brigitte dazu. Unsere Grosseltern väterlicherseits lebten mit uns auf dem Hof, der schon seit Generationen den Wismers gehörte.

Ich war ein ruhiges Kind, das lieber mit Puppen spielte, strickte und Puppenkleider nähte, am Holzherd Suppe oder Omelette kochte, als im Stall zu helfen. Es war Nachkriegszeit, und wir mussten zu allem Sorge tragen. Wir waren eine religiöse Familie, aber nicht frömmlerisch. Fleisch gab es bei Tisch meist nur für die Erwachsenen. Für uns Kinder legte Mutter jeweils ein Brotmutschli als Ersatz in die Fleischsauce – eine herrlich mundende, unvergessliche Kindheitserinnerung! Den ersten Mantel schneiderte Mutter für mich aus ihrem eigenen, alten – mein Stolz war fast grenzenlos. Welches gleichaltrige Mädchen in der Gegend hatte schon einen Mantel!

Da wir abgelegen wohnten und zu Fuss eine halbe Stunde unterwegs waren bis hinunter ins Dorf Stettfurt, galten wir in der Schule manchmal als Aussenseiter. Wir konnten nicht wie unsere Kameraden nach der Schule auf dem Pausenhof spielen, sondern hatten einen weiten Heimweg. Die Schule hätte es von mir aus gar nicht gebraucht. Zu Hause bei Mutter und im Haushalt hätte ich mich gut verweilen können! Sieben Primarschuljahre absolvierte ich in Stettfurt dann doch und wurde für die achte Klasse zu den Dorothea-Schwestern nach Flüeli-Ranft geschickt, gefolgt von einem Haushaltsschuljahr in Freiburg bei der gleichen Schwesterngemeinschaft. Dort entstand mein Berufswunsch: etwas tun für und mit Kindern.

Als 17-Jährige, nach einem Praktikum in einer Kinderkrippe in Genf und einem Haushaltslehrjahr bei einer Familie in Frauenfeld, begann ich mit der einjährigen Ausbildung als Wochenpflegerin in der katholischen Pflegerinnenschule Alpenblick in Hergiswil. Die Ausbildung war anspruchsvoll, aber ich fühlte mich in meinem Element, liebte vor allem die kleinen Kinder. In der Institution, die ein Durchgangsheim für alleinstehende Mütter mit ihren Kleinen war, lebten sechzig bis siebzig Kinder, vom Neugeborenen bis zum bald zweijährigen Kleinkind. Sie wohnten, getrennt von ihren arbeitstätigen Müttern, wochentags bei uns im Heim und brauchten viel Zuwendung. Leider hatten wir, mit bis zu 14 Kindern pro Gruppe, immer zu wenig Zeit. Das schmerzte mich. Darüber hinaus hiess es, wir dürften uns nicht an sie binden – wir könnten die Kleinen ja nicht mit nach Hause nehmen!

Mit dem Schulabschluss in der Tasche begann ich bei verschiedenen Familien im Luzernischen und in der Ostschweiz als Wochenpflegerin zu arbeiten. Angestellt war ich beim Katholischen Frauenbund, der meine Einsätze koordinierte. Innerhalb von wenigen Stunden musste ich mich immer wieder auf neue Familiensituationen einstellen. Von null auf hundert. Ich betreute und pflegte die Babys, half im Haushalt, und es kam vor, dass ich sogar bei Hausgeburten dabei sein durfte.

Für noch mehr Sicherheit und Fachwissen im Haushalt besuchte ich im Jahr 1965 den Sommerkurs an der Bäuerinnenschule im Kloster Fahr. Meine Mutter hatte mir den Kontakt über eine Zürcher Verwandte verschafft. Mit Ordensfrauen hatte ich immer gute Erfahrungen gemacht, ich mochte sie.

Im Fahr angekommen, zog es mir buchstäblich den Ärmel rein! Ich wäre am liebsten geblieben. Die Gottesdienste, der regelmässige Besuch der Vesper, die lateinischen Gesänge, überhaupt die Atmosphäre – ich war begeistert. Der Wunsch nach einem Leben im Kloster wurde während der zwanzig Wochen, welche die Schule dauerte, deutlich spürbar. Noch in dieser Zeit sprach ich mit Priorin Elisabeth darüber. Sie reagierte zurückhaltend und meinte, ich solle zuwarten. Ich sei mit 19 Jahren noch zu jung für einen Klostereintritt.

Klosterleben und Kinder – das würde ja wohl nicht zusammengehen. Dieser Gedanke kam mir nach der Schule immer wieder. Familienmutter und Bäuerin zu sein, wäre für mich auch denkbar gewesen. Ich hätte mir einen jungen Mann in meiner Umgebung als Ehegatten vorstellen können – einen Bauernsohn. Er wusste nichts davon. Und ich traute mich nicht, es ihm zu sagen.

Als Familienhelferin und Wochenpflegerin arbeitete ich in den darauffolgenden zwei Jahren in Dutzenden von Familien. Ich sah in unzählige Familienleben hinein, erfuhr von eindrücklichen Schicksalen. Das prägte mich.

Die Sehnsucht nach dem Kloster Fahr blieb. Mit dem Moped fuhr ich in meiner Freizeit öfters mal ins Limmattal, besuchte Gottesdienste in der Klosterkirche und sass im Chuchistubli bei den Schwestern. Zwischendurch schaute ich mir auch das Kloster in Ilanz an, liebäugelte mit den Gemeinschaften in Ingenbohl oder Menzingen. Aber das Fahr wars! Ich wurde ruhig und spürte eine innere Zufriedenheit, ja Frieden, als ich mich entschieden hatte. Am 2. November 1967 trat ich als Kandidatin ein. Für die Daheimgebliebenen war es schwierig zu verstehen, dass ich mit 21 Jahren in ein geschlossenes Kloster eintrat und nie mehr heimkonnte.

Keine eigenen Kinder zu haben, wog schwer. Aber ich wusste, wenn es andere Frauen schaffen, dann schaff ich das auch. Klar, wenn ich es hinter den Klostermauern nicht ausgehalten hätte, wäre ich wieder ausgetreten. Aber so weit kam es nie, an meiner Berufung zweifelte ich nicht. In einer Ehe verspricht man sich, in guten und in schweren Zeiten zusammenzuhalten, und man weiss ja auch nicht, was auf einen zukommt. Als Ordensfrau ist es ebenfalls ein Ja-Sagen. Christus sagte schon vor meinem Klostereintritt Ja zu mir. Und ich versuche, jeden Tag neu, Ihm mit meinem Klosterleben das Ja zurückzugeben.

Dennoch: In den ersten Monaten konnte ich nicht sagen, ob es das nun definitiv war. Ich hatte kaum Zeit zu überlegen. Der Rhythmus des Alltags war so anders, als ich es bisher gewohnt war. Und ich begriff längst nicht alles, was mir als gegeben präsentiert wurde. Ich musste mich einfach durchbeissen. Gerne hätte ich etwas mehr freie Zeit für mich gehabt oder etwa einen Brief nach Hause geschrieben. Aber Kontakte nach aussen waren in jeder Form untersagt. Und wenn aus Versehen eine Tür hinter mir zuknallte, musste ich vor die → Novizenmeisterin hinknien und mich bei ihr entschuldigen. Das empfand ich als Demütigung und Schikane. Aber ich glaube, man wollte mich prüfen, ob ich wirklich gehorchen konnte. Meine Sorgen übergab ich im Gebet dem Herrgott, was mich entlastete. Ich lernte, Gehorsam mit Demut zu leisten. Gott sei Dank ist diese Ära längst vorbei!

Am Mittagstisch, zwei Tage nach meiner Einfachen Profess am 11. August 1969, wurde ein Brief aus dem Kloster Einsiedeln vorgelesen: Der amtierende Abt, Raymund Tschudi, hatte das Kloster verlassen, seinen Schlüssel abgegeben. Eben noch hatte er meine Profess als Benediktinerin entgegengenommen. Und jetzt war er weg! Ein Schock! Es brauchte einige Zeit, bis ich mir eingestehen konnte, dass ich die Profess nicht nur vor dem Abt, sondern letztlich vor dem Herrgott abgelegt hatte.

Bald danach wurde ich von Schwester Elisabeth angefragt, ob ich Lust hätte, einen Töpferkurs zu besuchen, weil ich gerne Handarbeiten machte und bastelte. Sie plante, mich an der Schule einzusetzen, um den Schülerinnen an der Bäuerinnenschule eine kreative und sinnvolle Freizeitbeschäftigung für die freien Samstagnachmittage und -abende anzubieten. Damals war es noch nicht üblich, dass die jungen Frauen jedes Wochenende nach Hause fuhren – und kreatives Werken würde vielleicht die eine oder andere vom Ausgang abhalten!

Gleichzeitig ermahnte mich die Priorin, dass ich durch mein kreatives Schaffen keinesfalls einen Künstlerinnennimbus haben würde. Dieser war im Kloster bereits an Schwester Hedwig vergeben.

Das Töpfern begeisterte die Schülerinnen von der ersten Stunde an. Sie konnten von Hand etwas Eigenes erschaffen und es dann nach Hause mitnehmen – Vasen, Krüge, Kreuze, Schüsseln und Schalen, ganze Geschirre sind entstanden. Bis zur Schliessung der Schule leitete ich das Atelier. Und ich staune, wenn Ehemalige noch heute kommen und erzählen, was sie bei mir damals alles gemacht haben. Das freut mich sehr.

Als meine erste Nichte 1971 zur Welt gekommen war, wagte ich mich an meine erste Tonskulptur – den Kopf der kleinen Judith, nach einer Fotografie, die mein Bruder mir geschickt hatte. Das Geschenk machte viel Freude. Und mit einem Mal traute ich mich an eine 25 Zentimeter grosse Figur der Muttergottes mit Kind, die ich zusammen mit Weihwassergeschirren und Kreuzen aus Ton versuchsweise zum Verkauf in die Paramentenstube stellte. Alles war schnell weg! Es folgte ein Auftrag nach dem andern. Ein Priester erkundigte sich nach Krippenfiguren. Warum nicht? Versuchen konnte ich es ja!

Ich weiss nicht, wie viele Krippenfamilien, Hirten, Hunde, Kamele, Schafe und Drei Könige in verschiedenen Grössen in den folgenden Jahren das Kloster Fahr verliessen – für Kirchen von Aarau bis nach Solothurn, von Malters bis Speicher, ja eine ging sogar nach Ecuador. Die Kirche Muttenz bestellte irgendwann einen Punk – in Ledermontur und mit Irokesenfrisur. Ich hatte das ganze Jahr Weihnachten. Das meiste brachte ich mir selbst bei, mit Ausprobieren und Tüfteln, Verwerfen und Neuanfangen. Schwester Fidelis stand mir beim Ankleiden der immer grösser werdenden Figuren sehr hilfreich zur Seite. Die Ideen kamen oft aus dem Nichts. Oder im Gebet, beim Psalmenbeten. Auf einmal sah ich eine Form genau vor mir. Verbissen nach Lösungen zu suchen, brachte nichts. Geduldig zu sein, das musste ich üben. Wenn ich mit einem Objekt nicht weiterwusste, musste ich ruhig bleiben, zuwarten. Beim Töpfern kreiert man nicht jeden Tag etwas. Es braucht Zeit beim Formen, Trocknen, Brennen. Wenn ich den Ofen zu früh öffnete, zerbrach die Ware. Das lernte ich schnell!

Eine schöne Aufgabe waren auch die grossen Figuren, die ich nach der Aussenrenovation am Klostergebäude realisieren durfte. Drei der ursprünglichen, aus Holz geschnitzten Figuren waren verwittert und mussten ersetzt werden: Joseph mit dem Jesusknaben, die Muttergottes mit Kind auf dem Arm und der heilige Mauritius; sie stehen in den Ausbuchtungen der Nord-, Süd- und Ostfassade.

Die kunsthandwerkliche Arbeit trat nach dreissig Jahren schrittweise in den Hintergrund. Andere Aufgaben wurden mir zugewiesen. Mit der neuen Priorin, Irene, kam ich 2003 zum Einsatz an der Klosterpforte und später als Mitarbeiterin in die Paramentenwerkstatt. Mein Material, den Ton, den Brennofen und alle Utensilien, konnte ich nach der Schliessung der Bäuerinnenschule im Jahr 2013 einer ehemaligen Schülerin weitergeben. Sie ist eine begeisterte Töpferin und lud mich sogar in ihr Atelier nach Schwyz ein. So fiel es mir leichter, mich schliesslich ganz von einer Tätigkeit zu trennen, die mir während Jahrzehnten sehr viel Befriedigung und Freude geschenkt hatte – eine Freude, die ich durch mein Tun vielfach weiterschenken durfte.

Seit ein paar Jahren betreue ich die → Sakristei. Am Montag, Mittwoch und Freitag um elf Uhr feiern wir Kommunion. Dann muss ich rechtzeitig das Evangelium des Tages bestimmen und auflegen, die Kerzen anzünden, den Schlüssel für den → Tabernakel bereitlegen und das → Korporale vorbereiten. Das braucht Zeit, denn ich will nicht in der Kirche herumrennen müssen. Mir ist auch die Aufgabe zugeteilt worden, alles für die Gottesdienste bereitzustellen – den Kelch, die Schale mit den Hostien, das Kännchen für Wein und Wasser, die Kelch- und Handtüchlein, das Korporale, das Messbuch und das → Lektionar, die Gewänder für die Ministranten und die Liednummern auf der Anschlagtafel. Für Gäste, die am Chorgebet teilnehmen, lege ich die → Antiphonale bereit. Im Sommer kommt das spezielle Kreuz für den Wettersegen dazu, den wir vom 25. April bis zum Erntedank im Oktober beten. Hostien kaufen wir in einer spezialisierten Bäckerei im Kloster Weesen; ungefähr 8000 bis 10 000 Stück brauchen wir jährlich.

Wir beten hier im Fahr seit Jahrhunderten zu Ehren Gottes und im Auftrag der Kirche. Diesen Dienst versehen wir jeden Tag, immer und regelmässig. Das ist unser Dienst auch an der Welt und für die, die draussen keine Zeit fürs Gebet haben.

Manchmal sorgt es mich schon, dass wir keinen klösterlichen Nachwuchs haben. Aber wir wissen nicht, was der Herrgott mit unserem Kloster vorhat. Es ist Sein Werk.

Eintritt ins Kloster Fahr: 2. November 1967

Einfache Profess: 11. August 1969

Feierliche Profess: 14. August 1972

Pulsuz fraqment bitdi.

56,85 ₼
Yaş həddi:
0+
Həcm:
296 səh. 111 illustrasiyalar
ISBN:
9783039199433
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
Yükləmə formatı:

Oxşar kitablar