Kitabı oxu: «Die Untreue der Stiefmutter!»

Şrift:

Susanna Egli

Die Untreue der Stiefmutter!

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Inhaltsverzeichnis

Titel

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Impressum neobooks

1

Das winzige Bikinioberteil konnte ihre vollen, spitzen Brüste kaum bändigen. Der V-förmige Slip spannte sich herausfordernd über ihrem Venusberg. Statt zu verhüllen, wirkte der mattblaue Bikini wie eine Bloßstellung.

Die attraktive Frau, die sich so erotisch präsentierte, hieß Naomi von Arnsberg und war zweiunddreißig Jahre alt. Sie ruhte mit halbgeschlossenen Augen in einem Liegestuhl an dem langgestreckten Hotel-Schwimmbecken des Lido Palace am Gardasee, und ließ sich von der italienischen Sonne bräunen.

Sie spürte gelegentlich die aufmerksamen, begehrlichen Männerblicke auf ihrem bronzefarbig getönten Körper. Sie fühlte das brennende Verlangen in ihnen und stellte sich zuweilen vor, wie es wohl wäre, wenn sie sich einem ergäbe, aber im Augenblick war niemand unter den männlichen Gästen, der ihre Leidenschaft zu entflammen vermocht hätte.

„Hat es geklappt?“, hörte Naomi eine Frauenstimme fragen.

„Sicher“, antwortete der Mann. Er lachte kurz. Dann ertönte das Knarren eines Sitzmöbels. Er hatte sich neben der Frau niedergelassen. Naomi vermied es, die Augen zu öffnen. Es war lustig, anderen Leuten zuzuhören, die sich unbeobachtet glaubten.

„Wie war sie?“, fragte die Frau.

„Hm... naja...“, meinte der Mann.

„Ich will es genau wissen.“

„Ich habe sie dreimal rangenommen“, sagte der Mann. „Einmal auch anal.“

Naomi zuckte zusammen. Lieber Himmel, diese Leute hatten tatsächlich den Nerv, völlig unbekümmert über ihre Intimerlebnisse zu plaudern! Sie erwog, aufzustehen und sich bemerkbar zu machen, aber noch ehe sie einen Entschluss fassen konnte, sprach der Mann schon weiter.

„Eine echte österreichische Herzogin“, höhnte er. „Als ich sie das erste Mal von vorn bediente, schrie sie wie ein Marktweib. Ich glaube, sie hat seit Jahren keinen Schwanz mehr in ihrer Fotze gehabt.“

„Da bist du auf dem Holzweg, mein Lieber. Vorige Woche sah ich den Etagenkellner aus ihrem Zimmer kommen. Völlig derangiert. Er war im Gesicht hochrot.“

„Vielleicht hat sie ihm einen abgekaut“, höhnte er. „Sie ist so scharf wie ein Rasiermesser. Und genauso alt. Mindestens fünfzig. Die Brust solltest du mal sehen. Volle, aber ziemlich schlaffe Titten.“

Naomis Herz klopfte hoch oben im Halse. Hatten diese Leute denn kein Schamgefühl? Sie mussten doch sehen, dass nur wenige Meter von ihnen entfernt ein belegter Liegestuhl stand! Entweder ahnten diese Leute nicht, wie weit ihre Stimmen trugen, oder sie glaubten, dass sie, Naomi, fest schliefe.

„Hauptsache, es hat sich gelohnt“, meinte die Frau.

„Fünfhundert Euro“, sagte er. „Damit können wir die Rechnung bezahlen.“

„Das ist nicht genug.“

„Morgen kassiere ich noch einmal“, meinte er.

Naomi drängte es danach, den Kopf zu wenden und festzustellen, wer diese Leute waren, vor allem der Mann – aber sie wagte es nicht.

Es war ganz offenkundig, dass er mit der Herzogin von Hohenberg geschlafen hatte. Sie war die einzige Dame aus dem Hochadel, die derzeit im Lido Palace am Gardasee nächtigte. Die Direktion brüstete sich gern mit diesem prominenten Gast.

Die Herzogin war eine reiche Witwe mit blond gefärbtem Haar, die schon einige Face-Liftings hinter sich gebracht hatte und ein recht lautes Gehabe entwickelte. Die Hohenbergs sind Nachkommen der 1900 geschlossenen morganatischen Ehe des 1914 beim Attentat von Sarajevo ermordeten Thronfolgerpaars Franz Ferdinand von Österreich-Este und Sophie Chotek von Chotkowa. Sie stammen in männlicher Linie aus dem Kaiserhaus Habsburg-Lothringen und in weiblicher Linie aus dem alten böhmischen Adelsgeschlecht Chotek von Chotkow und Wognin.

Naomi von Arnsberg, gebürtige Naomi Müller, hatte vor vier Jahren den damals fünfzigjährigen Leopold Graf von Arnsberg geheiratet, und gehörte somit auch zum deutschen Hochadel. Ihr Mann war Inhaber einer Bank, besaß eine Münchner Brauerei und gehörte zu den reichsten Männern Deutschlands. Dies war für Naomi einer der Gründe gewesen, den zweiundzwanzig Jahre älteren Graf zu heiraten.

Die Herzogin von Hohenstein hatte sie bei diversen Veranstaltungen getroffen, jedoch noch kein persönliches Wort mit ihr gewechselt.

Die Tatsache, dass die Herzogin sich einem Gigolo, bzw. Callboy gekauft hatte, gab Naomi auch keinen Grund, Leonie von Hohenberg näher kennenlernen zu wollen.

„Was sie eng?“, fragte die Frau.

Sie sprach lässig, nicht ganz so laut wie der Mann. Naomi spürte, dass sich hinter ihren Fragen lüsterne Neugierde verbarg. Sie wollte alles ganz genau wissen.

„Nicht vorne, aber hinten“, antwortete der Mann.

„Erzähle mir, wie sie aussah“, forderte die Frau. „Ihre Pflaume, meine ich.“

„Nicht sehr stark behaart“, erwiderte er. „Dicke, schon etwas hängende Schamlippen. Der Kitzler war ungewöhnlich groß und steif. Sie ist ein verdammt geiles Stück und hat mich ganz schön ausgesaugt.“

„Unsinn, das schafft bei dir so leicht keine“, meinte die Frau. „Sogar ich muss mich da anstrengen.“

Naomi schluckte. Allmählich wurde das Zuhören unerträglich.

Warum stand sie nicht einfach auf und ging davon? Ein vernichtender Blick an die Adresse dieser primitiven, vulgären Leute würde ihnen klar machen, wie töricht und verabscheuungswürdig sie sich aufgeführt hatten.

Aber Naomi blieb liegen, ein seltsames Prickeln auf der Haut, und schon im Griff eines gewissen Schuldgefühls, weil sie länger gelauscht hatte, als das mit Takt und Erziehung vereinbar war.

„Musstest du es ihr auch französisch besorgen?“, fragte die Frau.

„Nein, aber als Dank hat sie mir am Schluss der Vorstellung noch einen abgelutscht. Ich muss zugeben, dass sie auf diesem Sektor große Klasse ist. Die Art, wie sie Luft in ihren Mund rein ließ und meinen Schwanz mit der Zunge umspielte, war schon einmalig. Ich habe ihr eine Ladung Sperma in die Kehle gejagt, an der sie ganz schön zu schlucken hatte.“

Naomi von Arnsberg drückte ihre langen, schlanken Beine fest zusammen. Jetzt war dieses seltsame Prickeln sogar in ihrem Schoß. Es war ein Brennen, das sich rasch vertiefte und irgendwie beschämend war. Weshalb erregte sie der Gedanke, wie die Herzogin das Sperma eines Callboys geschluckt hatte?

Egal, es war nun mal aufputschend, man konnte sich der Reizwirkung einer solchen Vorstellung nicht entziehen.

„Schade“, seufzte die Frau. „Da wird es wohl heute nichts mehr mit unserem Nachmittagssex, oder?“

„Stets zu Diensten“, lachte der Mann. „So schlapp bin ich nun auch wieder nicht.“

„Ich lutsch ihn dir schon steif“, meinte die Frau und lachte. „Ich schaffe das immer!“ Dann wurde sie wieder ernst. „Glaubst du, dass sie dich regelmäßig buchen wird?“

„Das kann man bei diesen alten Tanten nicht wissen. Vielleicht ist ihr Bedarf jetzt für eine Woche gedeckt, oder ist reist ab, oder will mich bereits morgen wieder sehen. Wer weiß das schon.“

„Es gibt noch andere Frauen mit viel Geld im Hotel.“

„Es ist derzeit nicht viel los“, murrte er. „Der Kasten ist noch nicht einmal zur Hälfte besetzt. Außerdem besteht die Gästeliste fast nur aus Ehepaaren.“

„Es sind auch einige hübsche Frauen da“, sagte die Frau.

„Hübsche Frauen!“, höhnte der Mann. „Was soll ich denn mit denen anfangen? Die haben kein Geld. Oder sie kriegen, was sie wollen, vom Etagenkellner geschenkt. Nein, wir können nur von älteren, abgetakelten Jahrgängen leben... leider!“

„Die Gräfin von Arnsberg soll angekommen sein“, sagte die Frau.

„Sollte ich die kennen? Ich höre den Namen zum ersten Mal.“

„Du hast ein Gedächtnis wie ein Sieb!“, murrte sie. „Die Frau hat vor vier Jahren den reichen Grafen von Arnsberg geheiratet. In den letzten Wochen gab es in der Boulevardpresse Artikel darüber, dass die Gräfin mit ihrem Stiefsohn ein sexuelles Verhältnis pflegt. Der Reporter, der dies berichtet hatte, wurde verklagt, verlor den Prozess und musste einen Widerruf schreiben. Aber ich glaube, dass an der ganzen Sache etwas dran ist. Und nun soll die Gräfin allein im Lido Palace angekommen sein, ohne ihren reichen Ehemann. Da stimmt doch etwas nicht!“

„Glaubst du, an den Gerüchten ist etwas Wahres dran?“, fragte der Mann.

Naomi von Arnsberg wurde die Kehle trocken. Sie hatte gehofft, hier am Gardasee, im Luxushotel Lido Palace, mehr oder weniger unerkannt einen erholsamen Kurzurlaub machen zu können, aber jetzt wusste sie, dass die Entfernung von Deutschland zu kurz für Anonymität war. Klatsch und Tratsch folgten ihr, wo immer sie auftauchte. Sie hatte sich längst daran gewöhnt, damit zu leben, aber gelegentlich war sie doch schockiert, zu erkennen, wie wenig es möglich war, seiner Vergangenheit zu entrinnen.

Henri, er zwanzigjährige Sohn ihres Ehemannes aus erster Ehe, war in München bei seinem Vater geblieben. Naomi hatte es geschafft, Henri beinahe aus ihrem Gedächtnis zu streichen, aber jetzt waren die alten Wunden, Ängste und Erlebnisse wieder gegenwärtig, jetzt sah sie sich erneut mit der Wirklichkeit konfrontiert, der sie in und mit diesem Kurzurlaub am Gardasee entrinnen wollte.

„Ich kann es mir gut vorstellen“, erwiderte die Frau. „An jedem Gerücht ist immer eine Spur Wahrheit zu finden, oder?“

„Ja, da könntest du Recht haben.“

Naomi schoss das Blut in die Wangen. Ausgerechnet diese widerwärtigen fremden Menschen wagten es, über ihr Leben zu reden. Sie wusste noch immer nicht, wie die beiden aussahen, aber sie verabscheute sie bereits aus voller Kraft.

„Ich möchte dich jetzt ficken“, sagte die Frau. „Jetzt! Meine Möse brennt wie Feuer.“

„Du tickst wohl nicht richtig!“, sagte er. „Ich brauche ein paar Stunden Ruhe.“

„Was ist mit der Herzogin? Die hält sich besser als du! Da drüben ist sie.“

„Tatsächlich. Im Badeanzug!“

„Ihre Figur ist gar nicht so übel“, sagte die Frau.

„Die Beine sind für eine fünfzigjährige Frau ganz okay, aber ihre Titten sollte sie dringend operativ behandeln lassen“, meinte er, „wie ihr Gesicht. Schau sie dir an! Wirkt direkt glücklich. Mann, dieses Lächeln auf ihrem Gesicht! Da siehst du mal, was dein guter Alex mit seiner Lanze bewerkstelligen kann.“

„Komm jetzt“, sagte die Frau. „Ich brauche es jetzt! Meine Muschi läuft bereits aus. Ich lutschte deinen Schwanz, bis er vor Härte am liebsten platzen würde.“

Naomi hörte, wie die beiden aufstanden. Sie hob die Augenlider und wandte den Kopf, um zu beobachten, wie die Frau und der Mann sich dem Hotelzugang näherten.

Die Frau trug einen zweiteiligen Badeanzug aus mokkabraunem Nylon. Unter dem knapp sitzenden Höschen bewegten sich ihre festen Gesäßbacken. Der Mann war mit einer hellen, scharf gebügelten Hose und einem gestreiften Hemd bekleidet.

Naomi erinnerte sich, ihn schon einmal gesehen zu haben, unten in der Hotelbar. Er hatte eine große Sonnenbrille getragen, obwohl sie in der diffusen Beleuchtung völlig überflüssig gewesen war, so dass von seinem markanten, aber recht gewöhnlich wirkenden Gesicht nicht viel zu erkennen gewesen war. Der Mann, der sich selbst Alex genannt hatte, war groß, breitschultrig und muskulös. Die Art, wie er sich aus den Hüften heraus bewegte, ließ keinen Zweifel, wie stolz er auf seine athletische Figur war. Angeber, dachte Naomi verächtlich. Du kleiner, mieser Callboy...

Sie zuckte zusammen, als ein Schatten über sie fiel, und blickte blinzelnd in das Frauengesicht, das sich süß lächelnd über sie beugte.

Die Herzogin!

„Hallo, meine Liebe“, sagte Leonie von Hohenberg. „Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich neben Sie lege? Ich langweile mich.“

Ach ja, dachte Naomi erheitert. Ist die Erinnerung an den Gigoloschwanz bereits verblasst?

Naomi verzog keine Miene, als die Herzogin es sich neben ihr in einem freien Liegestuhl bequem machte. Ein Kellner eilte heran.

„Das übliche, mein Bester“, sagte die Herzogin mit ihrer scharfen, viel zu lauten Stimme. „Und eine Packung Zigarillos. Sie kennen ja meine Sorte.“

Der junge Kellner nickte und hastete davon. Die Herzogin musterte Naomi mit unverfrorener Direktheit.

„Wie ich hörte sind Sie die neue Gräfin von Arnsberg“, meinte sie.

„Ja“, erwiderte Naomi.

„Ich kenne Ihren Gemahl, ein sehr reizender Mensch. Hat er nicht einen erwachsenen Sohn?“

„Ja“, meinte Naomi, der es schwerfiel, ruhig zu bleiben.

„Ich habe Sie und Ihren Stiefsohn zuletzt häufig in der Boulevardpresse gesehen. Wie heißt er doch gleich? Henri, richtig! Wie unsere Verwandtschaft aus England. Ich fand diese Berichterstattung über Sie einfach empörend, wirklich.“

„Das ist vergessen“, sagte Naomi, obwohl sie wusste und erneut bewiesen bekam, wie wenig das zutraf.

„Natürlich. Ich kenne diesen Ärger, meine Teuerste. Sobald man einen alten Adelstitel trägt und ein bisschen Geld hat, betrachten einen die Pressefritzen als Freiwild. Und wenn sie nichts berichten können, was Sensationscharakter hat, saugen sie es sich aus den Fingern. Das ist die traurige Wahrheit.“

Nein, hätte Naomi am liebsten geschrien. Nein! Ich hatte ein Verhältnis mit meinem Stiefsohn. Ich habe all das getan, was die Reporter behauptet haben – und ich habe es gern getan! Aber natürlich wäre es töricht und selbstmörderisch gewesen, dies der Herzogin gegenüber zuzugeben.

„So ist es“, meinte Naomi nur.

„Wie sind die Reporter nur auf solche Lügengeschichten gekommen?“, wollte die Herzogin wissen.

„Sie haben es ja gerade angedeutet“, meinte Naomi und erhob sich. „Für heute habe ich genug Sonne“, fügte sie hinzu. „Guten Tag, Herzogin.“

„Bis bald, verehrte Gräfin.“

Naomi fühlte beim Weggehen die scharfen, boshaften Blicke der Herzogin in ihrem Rücken und überlegte, ob es nicht am klügsten wäre, das Hotel zu wechseln. Als sie ihre Suite erreichte, warf sie sich auf das riesige Doppelbett und verschränkte die Arme hinter dem Nacken. Sie musste an die schmutzige, detaillierte Schilderung denken, die der Callboy von seinem Erlebnis mit der Herzogin gegeben hatte. Die ganze Welt bestand aus Sex – und trotzdem schien jeder den Drang zu haben, diesen Trieb und seine Folgen bei anderen zu verurteilen.

Das Zimmertelefon klingelt. Naomi nahm das Gespräch nicht an, sie wollte nicht gestört werden. Fünf Minuten später klopfte es an ihrer Zimmertür.

„Ja, bitte?“, rief sie ungehalten.

Die Tür öffnete sich und ein junger Mann trat ein. Er war sonnengebräunt und trug eine Brille mit dunklen Gläsern. Bekleidet war er mit einem dünnen, auberginefarbenen Sommeranzug.

Naomi setzte sich mit einem Ruck auf.

„Henri!“, stieß sie hervor.

2

Der junge Mann nahm die Brille ab und lächelte.

„Hallo, geliebte Stiefmutter“, sagte er.

Er durchquerte das Zimmer und setzte sich auf den Bettrand. „Gut siehst du aus“, fügte er hinzu. „Blendend. Der Kurzurlaub hier scheint dir gut zu tun. Warum starrst du mich so entsetzt an?“

„Was tust du hier?“, stotterte Naomi.

„Das siehst du doch“, sagte er. „Ich besuche dich. München war so schrecklich langweilig. Ich habe mich heute Morgen ins Auto gesetzt und bin hergefahren. Ich hielt es ohne dich nicht mehr aus.“

„Du bist verrückt“, murmelte sie. „Einfach verrückt.“

Ihr Herz klopfte hoch oben im Hals. Sie wusste nicht, ob sie sich freuen oder verzweifelt sein sollte.

„Du musst sofort wieder abreisen“, sagte sie.

„Warum? Ich bin froh, dass ich hier bin!“

„Du hast keine Ahnung, was hier los ist“, meinte Naomi. „Die Leute reden über uns. Wir sind selbst hier am Gardasee bekannt.“

„Was kümmert uns das?“

„Das weißt du sehr genau. Ich habe keine Lust, dass dein Vater etwas von unserem Verhältnis erfährt. Bisher glaubt er uns, aber wenn wir hier gemeinsam gesehen werden, wird er sicher skeptisch“, sagte sie.

Henri von Arnsberg starrte auf die Brüste seiner Stiefmutter und schluckte. Als er weitersprach, klang seine Stimme belegt.

„Ich habe es in München mit anderen Frauen versucht“, sagte er. „Sogar mit einem Mann war ich im Bett. Ich habe alles unternommen, um dich zu vergessen. Es klappte nicht. Du brennst in meinem Blut, geliebte Stiefmutter. Ich halte es ohne dich nicht aus. Ich muss dich haben!“

Naomis Blick rutschte nach unten, auf seine Hose. Sie sah, dass er eine Erektion bekommen hatte. Sie atmete rasch und mit offenem Mund. Lieber Himmel, warum kam sie nicht zur Ruhe? Warum regte sie Henris Nähe so schrecklich auf? Sie hatte sich doch fest vorgenommen, ein neues Leben zu beginnen, und ihrem Ehemann künftig treu zu sein!

„Zieh dich aus, bitte“, murmelte er. „Ich muss dich nackt sehen!“

„Du bist krank, Henri“, sagte sie.

„Krank vor Liebe.“

„Wir dürfen das nicht wieder tun.“

„Warum eigentlich nicht? Um der anderen willen? Wir würden beide dabei unglücklich werden. Ich brauche dich“, flüsterte er und streckte seine Hand aus. Er legte sie auf Naomis glatten Oberschenkel und fing an, die warme, weiche Haut mit den Fingern zu liebkosen.

„Wie sehr ich das vermisst habe“, fügte er flüsternd hinzu. „Nachts habe ich wachgelegen, mit einem Ständer zwischen den Beinen und deinem Bild vor Augen. Ich musste mich selbst befriedigen, um nicht durchzudrehen.“

„Henri!“, protestierte sie.

Seine Hand glitt höher. Naomi schob sie zur Seite, aber sie kehrte sofort wieder zurück. Als sie erneut versuchte, seine Zärtlichkeit zu stoppen, ergriff er ihre Hand und legte sie auf seine Hose. Naomi zuckte zusammen, als sie unter dem dünnen Stoff das Pochen seines steinharten Gliedes spürte.

„Nein, Henri, nein“, sagte sie schweratmend, aber sie ließ ihre Finger länger auf dieser Demonstration seiner Lust, als es die Situation erforderte.

Der junge Mann erhob sich. Er zitterte buchstäblich am ganzen Körper, geschüttelt von einem Trieb, der nach Befreiung und Befriedigung suchte.

Er warf sein Jackett ab und streifte die Hose herunter. In Sekundenschnelle stand er komplett nackt vor seiner Stiefmutter. Seine dicke, pralle Lanze ragte mit violett schimmernder Eichel verlangend in die Luft.

„Fass ihn an“, keuchte er. „Er möchte dich spüren. Deine Finger. Deinen Schoß. Deine Brüste. Eben dich. Er gehört dir, Stiefmutter... dir allein!“

Naomi erhob sich. Sie stand ihrem Stiefsohn dicht gegenüber.

„Wir haben uns geschworen, Schluss zu machen“, sagte sie. „Ich möchte deinen Vater nicht mehr betrügen!“

„Fass meinen Schwanz an!“, forderte der junge Mann.

Es juckte sie in den Fingern, seinem Wunsch nachzukommen, aber sie bemühte sich weiter darum, standhaft zu bleiben.

„Du weißt nicht, was du von mir verlangst“, sagte sie. „Und du scheinst zu vergessen, welchem Risiko du uns aussetzt. Was ist, wenn der Etagenkellner hereinkommt?“

„In diesem stinkvornehmen Hotel stört einen niemand – nicht, wenn man seine Ruhe haben möchte.“

Er streckte beide Hände aus, um nach Naomis Bikinioberteil zu greifen. Seine Finger umspannten ihre festen Brüste, dann schob er die Daumen in die Körbchen, so dass sie Naomis Brustwarzen berührten. Mit zärtlichem Druck schob er die Körbchen nach unten. Sie glitten über die strotzenden Halbkugeln und schmiegten sich dann zusammengefaltet, noch immer als Hebe dienend, unterhalb der festen Brüste an den Körper.

Henri beugte sich nach unten und küsste erst die linke und dann die rechte Brust – andächtig, liebevoll, scheinbar frei von Leidenschaft.

„Ich liebe dich“, sagte er, als er sich wieder aufrichtete.

„Hast du dich unten an der Rezeption unter deinem richtigen Namen vorgestellt?“, erkundigte sich Naomi.

Vor ihren Augen wogten rosarote Nebel. Das Brennen in ihrem Schoß wurde immer unerträglicher. Es fiel ihr schwer, den Blick von Henris zuckendem Penis zu nehmen, aber noch hatte sie die Kraft, sich kühler zu zeigen, als sie tatsächlich war.

„Sicher“, meinte er leicht erstaunt. „Ich habe eine Suite im zweiten Stock gebucht.“

„Das könnte ein Fehler sein, Henri.“

„Ich dachte nur an dich... an dich und deine aufregende Muschi“, murmelte er.

„Aber du bist doch bekannt, durch die vielen Bilder und Berichte in den Zeitschriften. Es wird hier im Hotel unnötiges Gerede geben.“

Eine Woge von Liebe, Leidenschaft und Zärtlichkeit schlug über Naomi zusammen. Henri war so jung und leidenschaftlich, ganz anders als ihr älterer Ehemann, der keinen Wert auf Sexualität legte. Er nutzt Naomi aufgrund ihrer außergewöhnlichen Schönheit mehr zu Repräsentationgründen.

Sie hätte als reife, erwachsene Frau die Kontrolle behalten müssen. Aber im Augenblick spielte das keine Rolle. Jetzt zählten nur noch seine Nähe und das Fiebern seines jungen, muskulösen Körpers, der so geschmeidig, heftig und liebevoll sein konnte, eine sprudelnde, unersättlich Quelle von Lust und Leidenschaft.

„Du bist ein Narr“, flüsterte sie. „Aber ein süßer Narr!“

Sie griff nach seinem harten Penis. Ihre schlanke Hand schloss sich um die Eichel und schob die Vorhaut zurück.

„Ahhhhh!“, stöhnte Henri und hob sich unwillkürlich auf die Zehenspitzen.

Naomi nahm die zweite Hand zur Hilfe und führte sie zwischen seine Schenkel. Sie musste die eigenen Beine zusammenpressen, als sie Henris pralle Hoden zwischen ihren Fingern spürte und mit ihnen zu spielen begann.

Henri machte sich frei und warf seine Stiefmutter auf das Bett. Sie lächelte zu ihm hoch. „Du hast mir gefehlt“, flüsterte sie.

Er legte sich neben sie und nahm ihr das Oberteil des Bikinis ab.

„Was hast du getan, um mich vergessen zu können?“, wollte er wissen.

„Nichts“, antwortete sie.

„Warst du mit meinem Vater im Bett?“

„Nein.“

„Wie hast du das nur ausgehalten.“

„Das war nicht schwierig.“

„Hast du manchmal an dir gespielt, als du an mich denken musstest?“, fragte er.

Naomi wusste, was er hören wollte, deshalb sagte sie: „Natürlich.“

Aber tatsächlich hatte sie während der Trennung von Henri nichts dergleichen getan.

„Wie war es?“, drängte er.

„Schön und grässlich zugleich“, meinte sie und ließ ihrer Fantasie freien Lauf. „Ich habe mich bis zum Orgasmus masturbiert.“

„Nur einmal?“

„Mehrere Male.“

„Und mein Mund war nicht in der Nähe, um deinen Liebessaft aufnehmen und wegküssen zu können“, sagte er ächzend, das Gesicht gegen ihren Hals gepresst, mit der Zungenspitze an ihrer heißen, duftenden Haut leckend.

Seine Hand legte sich zwischen ihre Schenkel, sie zerrte an dem Bikinislip und legte ihren Schoß frei. Dann fuhr er aufstöhnend mit leicht gekrümmten Fingern durch ihr auf zwei Millimeter gekürztes Schamhaar.

„Wie ich das vermisst habe!“, keuchte er. „Wie schaffst du es nur, immer diese erotische Haarlänge zu behalten.“

„Ich rasierte und pflege täglich meine Intimzone“, antwortete sie.

Naomi ergab sich dieser Hand und ihrem Drängen, sie ließ sich treiben von diesem heißen Luststrom, ohne weiter daran denken zu wollen, was daraus wurde und welche Folgen der zu erwartende seelische Katzenjammer haben würde.

Henri setzte sich auf. Ungeduldig zerrte er das Bikinihöschen von Naomis langen, schlanken Beinen, dann schwang er sich zwischen sie und versenkte sein hartes Glied mit einem Ruck bis ans Heft in ihrer ihm entgegenkommenden Vagina.

Er fand sofort seinen Rhythmus und stammelte wirre, kaum verständliche Worte in ihre Ohren, als er spürte, wie die inneren Muskeln ihrer Vagina seinen hin- und hergleitenden Kolben packten, massierten und bearbeiteten, als ginge es darum, ihn um den Verstand zu bringen.

Das Mädchen umklammerte seinen Rücken mit den Beinen und scheuerte die lustversteiften Nippel ihrer Brüste gegen seine muskulöse, auf und nieder pumpende Brust. Ihre langen, perfekt manikürten Fingernägel kratzten an seiner Haut, sie wurde halb ohnmächtig vor Leidenschaft und spürte, wie ihre Säfte sprudelnd nach außen drängten.

„Ich komme“, keuchte Henri. „Verdammt, ich komme!“

Sein spritzendes Sperma vermählte sich mit ihren Liebessäften. Es war wie eine Explosion. Als sie ermattet zusammensanken und ihre Beine ausstreckten, lag auf ihren Körper ein dünner Schweißfilm.

„Ich liebe dich“, murmelte er.

Die rosaroten Nebel zogen sich Naomis Augen zurück. Die Wirklichkeit trat an sie heran, kalt zynisch und mit grausamen Fragen.

„Lass mich ins Bad, bitte“, murmelte sie.

„Nein“, meinte er. „Ich will hier liegen bleiben. Endlos zwischen deinen göttlichen Schenkeln. Ich will warten, bis sich mein Schwanz wieder versteift und den zweiten Gang antreten kann. Den dritten, dann den vierten. Ich gehe nicht wieder weg. Ich bleibe bei dir, für immer.“

„Steh auf, bitte!“

Er ließ seinen Penis aus ihrer schlüpfrigen, randvollen Vagina gleiten und wälzte sich dann seufzend an ihre Seite. Naomi erhob sich und eilte ins Bad. Als sie zurückkehrte, trug sie einen weißen, kniefreien Bademantel. Henri lag rücklings auf dem Bett. Er hatte einen angewinkelten Ellenbogen unter seinen Kopf geschoben und lächelte sie an.

„Komm her, geliebte Stiefmutter“, sagte er. „Ich will schmecken, wie frisch deine Vagina schmeckt.“

„Steh auf und zieh dich an“, sagte sie.

Er runzelte die Augenbrauen. „Was ist los mit dir?“, fragte er. „Es war doch schön, nicht wahr? Wie in unseren alten Tagen! Und so wird es bleiben.“

„Nein“, sagte sie.

„Fängst du schon wieder damit an?“

„Einmal muss Schluss sein.“

„Nicht für mich. Ich kann nicht mit anderen Frauen ficken. Und ich will es auch nicht!“

Naomi sah verdutzt aus. „Was willst du damit sagen?“

„Es ist die Wahrheit.“

„Wie meinst du das? Du kannst nicht mit anderen Mädchen...“

„Nicht so, wie mit dir.“

„Woran liegt das?“

„Ich bin verkrampft. Ich kriege keinen hoch..., oder er schlaff plötzlich im entscheidenden Moment wieder ab...“

„Warum sagst du mir das jetzt?“

„Ist doch unwichtig“, meinte Henri. „Es genügt doch, dass es mit dir klappt.“

„Nein, das genügt nicht. Ich bin die Ehefrau deines Vaters! Ich werde ihn nicht länger betrügen, verstehst du das endlich?“

„Wir gehören aber zusammen“, erklärte er.

„Du bist verrückt, Henri. Du bist zwanzig! Du brauchst nur ein paar Monate Zeit und Enthaltsamkeit – und ein nettes Mädchen, mit dem du zurechtkommst. Das ist alles. Dann wirst du schnell vergessen, was zwischen dir und mir war.“

„Ich will es aber nicht vergessen!“

„Du musst.“

„Ich kann es nicht.“

„Zieh dich jetzt an!“

„Ich will aber nicht!“, erwiderte er trotzig.

„Du wirst wieder abreisen, Henri. Fahr zurück nach München, sonst wird dein Vater noch etwas bemerken.“

„Ich denke nicht daran! Ich werde ein paar Tage hier einen Kurzurlaub verbringen. Das kannst du mir nicht verbieten!“

In diesem Moment öffnete sich ohne vorheriges Anklopfen die Tür. Ein Mann steckte seinen Kopf ins Zimmer.

Naomi traf fast der Schlag, als sie ihn erkannte.

Alex, der Callboy!

Warum hielt er ein Smartphone in der Hand?

Naomi erstarrte, brachte keinen Ton hervor.

Der Mann an der Tür warf einen kurzen Blick auf den nackten Henri, dann schaute er Naomi an und murmelte grinsend: „Pardon, ich habe mich im Zimmer geirrt.“ Er zog seinen Kopf zurück und schloss die Tür.

„Idiot“, knurrte Henri.

Naomi saß wie versteinert. „Der Idiot bist du“, presste sie durch die Zähne.

„Es ist doch gar nichts geschehen...“

„Findest du? Er dürfte bemerkt haben, wie dein Glied glänzt und mit Schleim überzogen ist. Was glaubst du, schließt der Mann daraus?“

„Quatsch!“

„Oh, ich hasse dich!“, sagte Naomi, die Mühe hatte, einen plötzlichen Tränenausbruch unter Kontrolle zu halten.

Der junge Mann erhob sich verwirrt. „Was ist mit dir los?“, fragte er bestürzt.

„Weiß du, was passiert, wenn dieser Kerl etwas deinem Vater mitteilt?“

„Ich verstehe nicht, was du meinst.“

„Das Auftauchen des Fremden und dein bodenloser Leichtsinn“, sagte Naomi.

„Könntest du mir das bitte erklären!“

„Der Kerl ist ein professioneller Callboy. Ein Gauner! Sein Eindringen in unser Zimmer war sicher kein Zufall. Er wollte uns erwischen! Hast du sein Smartphone gesehen? Er hat sicher Aufnahmen gemacht. Ein Mann seines Kalibers wird sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, um dich oder mich unter Druck zu setzen. Ich werde verrückt, wenn ich mir ausmale, wie er uns erpressen wird!“

„Rede keinen Unsinn“, sagte Henri.

„Du lagst nackt auf meinem Bett. Ich denke, das genügt! Wenn dein Vater diese Bilder zu sehen bekommt, haben wir ernsthafte Probleme.“

„Wenn der Kerl versuchen sollte, uns zu erpressen, bringe ich ihn um“, versprach Henri düster. „Woher kennst du den Kerl?“

„Ich kenne ihn nicht, ich weiß nur, dass er sich Alex nennen lässt. Er lebt mit einer Frau im Hotel und beglückt ältere Damen mit seinen männlichen Qualitäten. Sein letztes Opfer war die Herzogin von Hohenberg, eine unangenehme Frau, die unsere Familie zu kennen scheint. Sie sprach mich am Swimming-Pool an, nachdem ich zufällig Zeugin einer Unterhaltung zwischen Alex und seiner Frau oder Freundin geworden war.“

„Mist!“, sagte Henri.

„Du hast uns in eine unmögliche Situation gebracht.“

„Wir reisen gemeinsam ab, noch heute“, schlug er vor. „Was hältst du davon?“

„Das würde uns um die Chance bringen, die Entwicklung der Dinge zu steuern“, meinte Naomi. „Ich habe keine Lust, einen unangenehmen Anruf meines Ehemannes zu erhalten.“

„Mist“, wiederholte Henri wütend und ging ins Bad.

Das Zimmertelefon klingelte.

„Ein Anruf für Sie, Frau von Arnsberg“, meldete die Vermittlungszentrale der Rezeption.

„Wer ist es?“

„Ein Alexander Neuhaus.“

„Ich kenne den Mann nicht“, sagte Naomi herzklopfend. Sie ahnte, wer sich hinter dem Namen verbarg und war überrascht, mit welcher Promptheit dieser Gangster reagierte.

Es knackte in der Leitung, dann meldete sich eine Männerstimme, die Naomi nur allzu gut kannte.

„Neuhaus. Alexander Neuhaus. Ich bin untröstlich, Frau Gräfin. Wie konnte ich mich nur in der Zimmernummer irren? Bitte geben Sie mir eine Chance, das wiedergutzumachen. Gestatten Sie mir, dass ich Sie zu einem Glas Champagner einlade. Ich bin in der Bar und freue mich auf ihr Erscheinen.“

Er legte auf, ohne ihre Antwort abzuwarten. Naomi ließ langsam den Hörer sinken. Dann rief sie die Rezeption an.

„Welches Zimmer bewohnen Herr und Frau Neuhaus?“, fragte sie.

„Herr Neuhaus hat Zimmer 17, Frau von Arnsberg.“

„Er ist nicht verheiratet?“

„Nein. Seine Verlobte bewohnt das Zimmer 18.“

„Danke“, sagte Naomi und beendete die Verbindung.

Henri kam aus dem Bad zurück und fragte: „Was ist los?“

„Ich soll zu ihm in die Bar kommen.“

„Dieses Schwein! Ich begleite dich.“

„Nein, das würde alles nur viel schlimmer machen.“

„Was hat er gesagt?“

„Er hat sich angeblich im Zimmer geirrt und möchte seinen „Fehler“ mit einem Glas Champagner wiedergutmachen“, höhnte Naomi bitter. „Ich habe gerade von der Rezeption erfahren, dass er im ersten Stock wohnt. Er kann sich also nicht geirrt haben, und zufällig in eine Suite im der obersten Etage gegangen sein. Er ist bewusst hereingeplatzt, um zu sehen, was sich hier tut.“

„Zum Glück hat er nichts gesehen“, sagte Henri. „Nicht genug, meine ich.“

„Findest du? Da bin ich anderer Meinung. Außerdem kann er schon vorher einen Blick ins Zimmer geworfen haben, ohne dass wir es bemerkten.“

„Du spinnst!“

„Als wir miteinander Sex hatten, fehlte uns jede Verbindung nach außen“, stellte sie fest. „Wir waren so sehr aufeinander konzentriert, dass man hinter uns einen Böller hätte abschießen können, ohne dass uns das zum Bewusstsein gekommen wäre, von einer sich öffnenden Tür ganz zu schweigen.“

Henri stand am Bett und sah aus wie ein begossener Pudel.

„Was nun?“, fragte er.

„Wenn du Narr nicht so unvorsichtig gewesen wärest, dich hier blicken zu lassen, ohne mich vorher anzurufen, wäre das nicht passiert. Aber so weiß ich nicht, wie es weitergehen soll.“

„Wir müssen ihn kaufen.“

„Sicher“, sagte Naomi bitter. „Die Frage ist nur, welchen Preis er verlangt.“

„Ich spreche mit ihm!“

„Das wirst du schön bleiben lassen“, erklärte Naomi wütend. „Du hast schon genug Porzellan zerschlagen.“

„Was kann ich dafür, dass ich dich liebe?“

„Verschwinde jetzt. Ich möchte mich anziehen.“

„Du darfst mir nicht böse sein, geliebte Stiefmutter.“

„Hau ab!“, sagte sie zornig. „Geh in deine Suite und warte auf eine Nachricht von mir.“

„Ja.“

Henri zog sich rasch an und verließ mit gesenktem Kopf den Raum. Naomi ging ins Badezimmer und musterte sich im Spiegel. Sie war ehrlich aufgebracht. Ihr Zorn richtete sich nicht nur gegen Henri, sondern hauptsächlich gegen sich selbst.

Weshalb war sie nicht stark genug gewesen, dieser neuerlichen Versuchung zu widerstehen?

Henris Penis, dieses lebendige, zuckende Symbol von Lust und Liebe! Er war schuld daran gewesen..., im Zusammenklang mit der brennenden Sehnsucht ihres Schoßes, die immer dann unstillbar wurde, wenn Henri in der Nähe war und seine wilden Triebe auszuleben wünschte.

Jetzt musste sie einen Weg finden, um die plötzlich aufgetauchten Schwierigkeiten zu meistern.

Mit Henri musste es aus sein. Endgültig! Sie durfte nicht länger ihrem Ehemann untreu sein. Aber wie sollte sie das schaffen?

Sie schminkte sich sorgfältig, dann zog sie sich ohne Eile an. Der Kerl sollte ruhig noch eine Weile schmoren! Er mochte sicher sein, dass er einige prächtige Trümpfe in der Hand hatte, aber sie war entschlossen, sein schmutziges Spiel zu durchkreuzen.

Eine Viertelstunde später betrat sie die Hotelbar. Sie trug eine hellgrüne Leinenhose von modernstem Schnitt und eine dünne, weiße Polobluse, unter der sich ihr BH deutlich abzeichnete. Die Bar war fast leer.

Alexander Neuhaus saß an einem kleinen Tisch. Er hatte einen Whisky vor sich stehen und blickte sich neugierig um. Neben ihm, auf einem Chromständer, thronte ein Eiskübel, aus dem der Hals einer Champagnerflasche ragte.

Alexander Neuhaus erhob sich höflich, als Naomi an seinem Tisch Platz nahm.

„Sie sehen blendend aus“, stellte er lächelnd fest. „Wirklich, großartig. Wie ein Filmstar aus Hollywood.“

Naomi schwieg und blickte dem Mann ins Gesicht. Er trug eine große, dunkle Sonnenbrille, obwohl sie ihn sicherlich daran hinderte, gewisse Einzelheiten in dem schummrig wirkenden Raum zu erkennen. Vermutlich kam er sich mit der stark getönten Brille wie ein unwiderstehlicher Playboy vor. Jedenfalls bemühte er sich nach Kräften darum, wie einer auszusehen.

Er setzte sich wieder. „Sie machen einen ernsten Eindruck“, meinte er. „Beinahe bedrückt. Warum eigentlich? Es muss doch für Sie sehr schön sein, endlich Gesellschaft gefunden zu haben. Allein im Urlaub... das ist doch langweilig.“

Also doch, dachte Naomi, die bist jetzt noch gehofft hatte, dass sich alles in Wohlgefallen auflösen würde. Er weiß alles! Es hat keinen Zweck, ihm etwas vorzulügen.

Alexander zog die Flasche aus dem Sektkühler. „Ist gerade vom Kellner gebracht worden“, sagte er. „Hausmarke – aber angeblich ein sehr guter Champagner. Darf ich?“

Er füllte die bereitstehenden Champagnerkelche und schob sein Whiskyglas zur Seite.

„Ich bin froh, dass Sie gekommen sind“, sagte er. „Sehr froh sogar. Wissen Sie, dass Ihnen seit Tagen meine uneingeschränkte Bewunderung gilt? Sie sind die schönste Frau, die ich jemals zu Gesicht bekommen habe.“

„Danke“, sagte sie.

Sie tranken. Naomi nahm nur einen winzigen Schluck. Am liebsten hätte sie dem Mann den Champagner ins Gesicht geschüttet. Er legte einen Ellenbogen auf die Tischplatte, drehte sein Glas zwischen den Fingern und lächelte breit.

„Ihr werter Ehemann hat sicherlich nichts dagegen, wenn wir heute Abend zusammen tanzen gehen, nicht wahr?“

„Ich habe nicht vor, heute Tanzen zu gehen“, sagte sie.

„Oh“, meinte er. „Das wäre sehr schade. Jammerschade sogar! Hier unten ist es doch recht gemütlich...“

„Das ist abhängig von der Gesellschaft, in der man sich befindet.“

„Klar, ganz meine Ansicht“, nickte er. „Schon deshalb plädiere ich dafür, dass wir uns heute Nacht einige Tänzchen leisten.“

Naomi schaute auf ihre Uhr. „Ich habe nicht viel Zeit.“

„Was denn... im Urlaub?“, fragte er und zog eine Augenbraue nach oben.

„Was haben Sie mir zu sagen?“, fragte sie bissig.

„Nichts“, meinte er grinsend. „Nichts von Bedeutung, meine ich. Ich wollte Sie nur sehen. Und sprechen. Ich genieße Ihre Nähe. Und Ihre Schönheit, versteht sich. Wie finden Sie den Champagner?“

„Zu süß“, sagte sie.

„Er könnte trockener sein“, gab er zu. „Ich werde mich beim Kellner beschweren. Er hat ihn mir empfohlen.“

„Er hat nichts dergleichen getan“, sagte Naomi und hob ihr Kinn. „Sie haben einfach die billigste Marke bestellt. Warum sagen Sie nicht offen, wie es ist?“

Er lachte kurz. „Sicher. Offenheit ist eine schöne Sache. Und da Sie Wert darauf zu legen scheinen, damit konfrontiert zu werden, wüsste ich gern, wie Ihnen der aufregende Sex mit Ihrem Stiefsohn gefallen hat?“

Naomi schwieg. Irgendetwas zerrte an ihrer Kehle.

„Ich habe nämlich zweimal reingeschaut und jeweils einen kurzen Film mit meinem Smartphone angefertigt. Ich war wirklich erschrocken, als Ihr junger Stiefsohn Sie mit seinem gewaltigen Schwanz richtig hart fickte. Aber offenbar sind Sie mit seiner Technik bestens vertraut.“

„Ich werde Sie anzeigen!“, sagte Naomi kühl.

„Ach, wirklich? Und worauf, wenn ich fragen darf, wird sich diese Anzeige gründen?“

„Auf einen Erpressungsversuch“, sagte Naomi. „Denn um den handelt es sich doch, nicht wahr?“

„Was bringt Sie denn darauf? Ich habe nur davon gesprochen, was ich gesehen habe. Das war freilich eine ganze Menge“, sagte er grinsend. „Ich kann einfach nicht vergessen, wie er seinen dicken, ölig glänzenden Penis in Ihren sich windenden, stoßenden Leib rammte und wie Sie den Burschen kratzten, wie Sie stöhnten, und wie Sie dieses Spiel genossen...“

„Sind Sie fertig?“, fragte Naomi. Sie blieb erstaunlich kühl. Jetzt, wo die Würfel gefallen waren und wo sie wusste, wie die Fronten verliefen, hatte sie ihre Beherrschung zurückgewonnen.

„Ich denke doch, das reicht... oder?“, fragte er.

„Ja, das reicht“, meinte sie. „Ich bestreite, dass es die von Ihnen geschilderten Vorgänge gegeben hat.“

„Ich verstehe“, sagte er. Sein Grinsen verschwand, er schob das Kinn nach vorn und wirkte plötzlich hart, düster und entschlossen. „Sie glauben, Sie könnten mir Ihrem Dementi durchkommen, weil Sie sehr viel Geld besitzen. Aber Sie dürfen mein Smartphone nicht vergessen, die Kamera macht tolle Bilder und Videos. Was wird wohl Ihr wohlhabender Ehemann zu diesen Bildern sagen, wenn ich sie ihm per eMail zuschicke?“

„Was verlangen Sie?“, fragte Naomi ruhig.

„Darüber muss ich mir noch klar werden... Aber ein Vorschuss von tausend Euro käme mir sehr gelegen.“

„Ist das alles?“

„Nein“, sagte er grinsend. „Sie werden uns besuchen.“

„Uns?“, echote Naomi.

„Meine Freundin und mich. Die ist richtig verschossen in Sie. Eine echte Gräfin, dass beeindruckt sie.“

„Was soll das heißen?“

„Das kriegen Sie schon noch früh genug erklärt“, meinte er. „Wann dürfen wir mit Ihrem Besuch rechnen?“

„Ich werde nicht kommen“, sagte Naomi.

„Schade... in diesem Fall muss ich unverzüglich Kontakt zu Ihrem Ehemann aufnehmen. Er befindet sich doch derzeit in seinem Büro in München, richtig?“

„Sie sind ein Schwein“, sagte sie.

„Sie etwa nicht?“, höhnte er. „Sie haben Sex mit Ihrem Stiefsohn! Ich habe es weiß Gott nicht nötig, mich von so einer Frau beschimpfen zu lassen.“

„Er ist nicht mein Fleisch und Blut“, murmelte sie. Das flüchtige, beruhigende Gefühl selbstsicherer Überlegenheit war zu Bruch gegangen. Sie wusste, dass sie sich auf der Verliererstraße befand.

„Ändert das etwas für Ihren gehörnten Ehemann?“, fragte er.

Nein, das änderte nichts, aber trotzdem hatte sie den Wunsch, sich zu rechtfertigen. Es ging dabei nicht einmal so sehr um Alexander Neuhaus, es ging um sie selbst, es ging um das Drama, das die Ereignisse aus ihrem Leben gemacht hatten.

„Ich war ständig allein“, sagte sie und starrte ins Leere. „Mein Ehemann interessierte sich ausschließlich für sein Geschäft.“

„Ich kann mir das schon vorstellen“, nickte Alexander. „Da war dieser junge, potente Mann in der Nähe und Sie erlagen ihm.“

„Ja“, sagte Naomi, die sich wunderte, dass der Callboy überhaupt in der Lage war, ihre Situation mit wenigen Sätzen einigermaßen treffend zu charakterisieren. „Genau so war es.“

„Wann ist es zum ersten Mal geschehen?“

Naomi gab ihm keine Antwort.

„Er ist erst zwanzig Jahre alt, nicht wahr?“

„Ja.“

„Danach haben Sie ihn verführt.“

„Nein“, sagte Naomi.

„Ich möchte es genau wissen. Auch Linda interessiert sich dafür“, erklärte er.

Naomi leerte ihr Glas. Sie musste den bitteren Geschmack wegspülen, der sich in ihrem Mund gebildet hatte.

„Gehen wir gleich?“, fragte er.

„Nein.“

„Sie wollen also den Skandal?“

Naomi wollte aufbrausen, aber ihr dämmerte, dass das töricht und nutzlos gewesen wäre. Dieser Kerl hatte ja in gewisser Weise Recht. Ihr stand es nicht zu, sein Verhalten zu kritisieren. Sie hatte sich selbst außerhalb gesellschaftlicher Normen gestellt und durfte sich nicht wundern, wenn daraus ein Bumerang wurde.

„Wann soll ich kommen?“, fragte sie.

„Zimmer 17“, erwiderte er. „In einer halben Stunde. Ich lasse den Champagner nach oben bringen.“

Naomi erhob sich wortlos und verließ die Bar. Henri saß in der Halle und kaute an seinem Daumen herum. Als er sie sah, sprang er auf und kam rasch auf sie zu.

„Lass uns an die frische Luft gehen“, sagte sie. „Hier drin ersticke ich.“

Aber draußen war es noch schwüler. Sogar der Wind war heiß. Sie gingen an der Uferpromenade entlang.

„Was verlangt er?“, fragte Henri.

„Erst einmal mich. Und tausend Euro.“

„Dich?“, stieß Henri hervor und blieb stehen. Er ballte die Fäuste und holte tief Luft. „Soll das heißen, dass er mit dir schlafen möchte?“

„Nicht nur er“, sagte Naomi müde. „Auch seine Freundin.“

„Ich bringe den Kerl um!“

„Dann müsstest du auch seine Freundin töten“, meinte Naomi. „Die weiß ja auch Bescheid. Er hat angeblich Fotos und ein Video von uns mit seinem Handy gemacht. Er droht damit, dies deinem Vater zu zeigen.“

„Scheiße! Was sollen wir tun?“

„Ich weiß es nicht. Ich sehe keinen Ausweg.“

„Wir müssen ihn mit Geld abfinden. Ich werde mit ihm sprechen“, erklärte Henri.

„Du bist ein harmlose Schäfchen, Henri“, sagte Naomi. „Du bist dem Kerl niemals gewachsen.“

„Was er verlangt, bezahle ich aus meinem Vermögen“, erklärte Henri.

„Es ist egal, wer bezahlt“, meinte Naomi. „Ich weiß nicht, was werden soll. Er wird uns ausplündern. Der schreckt vor nichts zurück! Das Schlimme ist, dass wir ihn nicht stoppen können. Wenn er wirklich Fotos oder ein Video von uns hat, sind wir erledigt. Ich habe nicht die Kraft für einen weiteren Skandal.“

„Ich habe eine Idee“, behauptete Henri.

„Und die wäre?“

„Wir zahlen. Aber wenn wir das Geld übergeben, sorgen wir dafür, dass es Zeugen gibt. Wenn er danach versuchen sollte, uns ein weiteres Mal zu erpressen, konfrontieren wir ihn mit unserem Zeugen. Wir werden es schaffen, ich bin überzeugt.“

„Ja, sicher“, meinte Naomi müde.

Aber sie glaubte nicht an Henris Optimismus und sie hielt seine Idee für naiv. Plötzlich blieb sie stehen und machte kehrt.

„Gehst du schon zurück?“, fragte er erstaunt

„Ja.“

„Wir haben doch Zeit...“

„Nein“, meinte sie entschlossen. „Ich möchte das Ganze möglichst rasch hinter mich bringen.“

„Lass dich von ihm nicht anfassen“, beschwor er sie. „Du musst es mir versprechen!“

„Schon gut, Henri“, sagte Naomi seufzend. „Lass mich jetzt in Frieden. Wir sprechen uns später.“

3

Naomi klopfte an die Tür und betrat das Zimmer.

Alexander Neuhaus lag in einer schwarzen, mit roten Seitenstreifen versehenen Badehose auf dem Bett. Seine Freundin saß unter einem Sonnenschirm auf dem Balkon. Sie hatte sich ein leichtes Baumwolljäckchen über den Badeanzug gezogen.

Naomi erfasste die Atmosphäre des Raumes mit wenigen Blicken. Da war die schwarze spitzenbesetzte Nylonwäsche, die achtlos auf einem Stuhl lag, da waren die Boulevard-Zeitschriften, da war das Nacktfotomagazin auf dem Kopfkissen, die Champagnerflasche im Eiskübel, die am Fußende der Bettes stand.

„Hallo“, sagte Alexander und setzte sich lächelnd auf. „Sie sind überpünktlich, meine Liebe. Komm rein, Linda! Wir haben Besuch.“

Die Frau erhob sich lächelnd und betrat das Zimmer.

„Wir kennen uns bereits flüchtig“, meinte sie und lächelte Naomi freundlich an. „Ich bin Linda Metternich. Wollen Sie sich nicht setzen?“

„Guten Tag“, sagte Naomi und blieb stehen.

Linda ließ sich am Bettrand nieder. Ihre vollen, schweren Brüste schoben sich zusammen und hingen schwer nach unten. Das Bikinioberteil hatte kaum eine Chance, mit dieser gewaltigen Oberweite zurechtzukommen. Die Frau machte den Eindruck, als hätte sie mit einem gewissen Übergewicht zu kämpfen. Dabei wirkte sie weder dick noch unproportioniert. Sie hatte eine relativ schmale Taille und lange, kräftige Beine von gutem Wuchs.

Oh nein, sie war nicht hässlich, vielleicht sogar hübsch, aber wer etwas von Physiognomie verstand, würde es als überflüssig betrachtet haben, diesen Gesichtszügen einen zweiten Blick zu schenken. Man sah auf Anhieb, dass sie nichtssagend und bedeutungslos waren.

Aber leider nicht für Naomi bedeutungslos!

„Ich fülle schon mal die Gläser“, sagte Alexander und stand auf. Als er an Naomi vorüber ging, berührte er sie bewusst mit seiner breiten Schulter. Naomi überlief ein Frösteln. Sie war sich nicht völlig sicher, ob sie von Ekel oder einem anderen, nicht näher definierbaren Gefühl geschüttelt wurde.

„Sie sind sehr schön“, sagte Linda Metternich. „Ich liebe attraktive Frauen.“

„Danke“, meinte Naomi und bekam einen trockenen Mund.

„Ich liebe alles, was schön ist“, meinte Linda lächelnd. „Nur ist das Schöne oft zu teuer, einfach unerreichbar. Umso glücklicher ist man, wenn man es in seinen Griff bekommt, wenn man es festhalten kann.“

Naomi schaute sich nach einem Stuhl um und setzte sich. Sie brauchte einen Halt, um die aufkommende Schwäche in ihren Beinen zu meistern. Alexander entdeckte zu ihrem Entsetzen, dass ihre Hand zitterte.

„Ich habe Ihnen vorhin am Swimming-Pool zugehört“, hörte sie sich sagen. „Ganz zufällig.“

„Natürlich“, meinte Alexander und setzte sich neben Linda auf das Bett, „war das beabsichtigt.“

„Beabsichtigt?“, fragte Naomi verwirrt.

„Sicher“, nickte er grinsend. „Sie sollten mithören.“

„Aber warum, um Himmels willen?“, fragte das Mädchen.

„Weil Linda und ich die Erfahrung gemacht haben, dass diese Unterhaltung auf Frauen erotisch belebend wirken. Als Anregung, verstehen Sie.“

„Ja“, meinte Linda. „Die Damen aus den gehobenen Kreisen können sich ungezwungener und völlig frei geben, wenn sie wissen, dass sie es mit einem Callboy zu tun haben. Man muss ihnen nur zu verstehen geben, wer der Mann ist und wofür man ihn haben kann.“

„Das ist ja nicht zu glauben“, murmelte Naomi schockiert.

Alexander lachte. „Unsere Theorie hat sich oft genug in der Praxis bewiesen“, spottete er. „Denken Sie doch einmal an sich selbst. Als ich meine ordinäre Geschichte erzählte, hätten Sie doch einfach aufstehen und davongehen können, nicht wahr? Aber Sie blieben liegen, vermutlich mit nasser Vagina. Sie unternahmen nicht das Geringste, um der Unterhaltung zu entgehen.“

Brennende Röte stieg in Naomis Wangen. Wie viele Erniedrigungen hatte dieser Tag noch für sie bereit?

„Nehmen wir erst einmal einen Schluck“, empfahl Linda.

Naomi leerte ihr Glas und stellte es dann neben dem Stuhl auf dem Boden ab.

„Wissen Sie“, sagte Linda, „es besteht für Sie kein Anlass zur Panik. Im Gegenteil.“

„Panik?“, murmelte Naomi. „Davon bin ich in der Tat weit entfernt.“

„Umso besser“, erklärte Alexander grinsend. „Sie haben mir gezeigt, wie leidenschaftlich Sie empfinden können. Das Video ist sehr gut geworden, sie lieben sehr temperamentvoll. Linda und ich geben Ihnen Gelegenheit, sich einmal richtig auszutoben. Ihr kleine, süßer Stiefsohn mag ja ein tüchtiger Ficker sein, aber Linda und ich wagen zu bezweifeln, dass er alle Tricks wirklich kennt. Dafür fehlt dem Jüngling die Erfahrung, die Reife, die Fantasie.“

„Was Alex zu sagen versucht, ist einfach dies“, meinte die Frau. „Sie brauchen sich bei uns kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Wir kennen keine Tabus.“

„Aber ich kenne welche“, sagte Naomi. „Ich hasse Erpresser und solche Gauner wie Sie!“

„Wo ist eigentlich der kleine Ficker?“, fragte Linda.

„Sprechen Sie nicht so von ihm!“

„Wie denn sonst? Wäre Ihnen die Bezeichnung großer Bumser lieber?“, höhnte Alexander. „Jetzt bleiben Sie mal schön auf dem Teppich! Wir haben es satt, dass Sie Ihr mieses Familienabenteuer zu einer großen Liebestragödie hochspielen. Das ist es nie gewesen. Sie haben mit Ihrem Stiefsohn gefickt, ihren Ehemann betrogen, wir haben die Bilder dazu. Sie befinden sich in unserer Gewalt. Wir werden Sie nicht vernichten, keine Angst, aber Sie können uns nicht verübeln, dass wir unsere Chance zu nutzen beabsichtigen.“

„Was haben Sie vor?“

„Wir fordern als erstes eine einmalige Zahlung von einhunderttausend Euro“, sagte Linda. „Als Zahlung für die Handy-Fotos.“

„Wer garantiert mir, dass Sie sich damit zufriedengeben?“, fragte Naomi.

„Niemand! Wir löschen die Bilder; Sie müssen uns einfach vertrauen.“

„Ich vertraue Ihnen nicht!“

„Eine andere Chance haben Sie nicht“, erklärte Linda.

„Was verlangen Sie noch?“

„Eine Woche mit Ihnen“, sagte Alexander. „Dafür löschen wir den gedrehten Film.“

„Was meinen Sie?“, fragte Naomi verwundert.

„Tage und Nächte der Lust“, erklärte Linda lächelnd und öffnete ihren vollen, fleischigen Mund. „Es wird Ihnen gefallen, meine Liebe.“

„Sie widern mich an!“

„Das lässt sich ändern“, sagte Linda unbeeindruckt. „Wir haben die Mittel dazu.“

„Etwas davon ist noch in der Flasche“, meinte Alexander und stand auf. „Ich fülle die Gläser nach.“

„Ich zahle Ihnen hundertfünfzigtausend Euro für die Fotos und das Video, wenn Sie mich zufrieden lassen“, bot Naomi an.

„Was hältst du davon, Alex?“, fragte Linda.

„Nichts!“, antwortete er und trat mit der Flasche an das Bett. „Absolut nichts. Eine Woche Lust mit einer echten Gräfin aus dem Hochadel bedeuten mir mehr als Geld. Das wird eine Woche, die ich nie in meinem Leben vergessen werde.“

„So sehe ich es auch“, sagte Linda.

Alexander füllte Naomis Glas und drückte es ihr in die widerstrebende Hand. „Wir sitzen in einem Boot“, erinnerte er sie. „Denken Sie einmal gut nach. Wir hätten auch viel mehr Geld fordern können, denn Ihr Ehemann ist ein sehr reicher Mann. Aber das ist nicht unser Stil. Leben und leben lassen, das ist unsere Devise. Habe ich Recht, Linda?“

„Klar“, sagte seine Freundin. „Ganz genau.“

„Na, bitte!“, meinte Alexander und legte seine Hand auf Naomis zurückschreckende Schulter. „Wir sind keine Unmenschen.“

Naomi blickte zu ihm hoch. „Sie haben gar nicht mit der Herzogin geschlafen, nicht wahr?“, fragte sie. „Das Ganze war frei erfunden, um mich zu verwirren.“

„Nein“, erwiderte er. „Ich habe nicht geschwindelt. Mein Gespräch mit Linda war keineswegs erfunden, obwohl das dem Zweck diente, Sie mithören zu lassen. Linda und ich leben von den reichen Frauen der Oberschicht. Wir zapfen sie an, aber wir plündern sie nicht aus.“

„Sozialethik eines Gauners!“, höhnte Naomi, aber ihre Worte klangen nicht so scharf, wie sie gedacht waren.

„Warum nicht?“, fragte er unverletzt. „Versetzen Sie sich doch einmal in unsere Lage. Versuchen Sie sich auszumalen, wie es auf uns wirken muss, wenn wir zum Beispiel feststellen, dass eine reiche Ehefrau mit ihrem Stiefsohn schläft. Können und wollen Sie im Ernst verlangen, dass wir nach solchen Beobachtungen vor der sogenannten High Society noch Respekt aufbringen? Nein! Wir haben schon die tollsten Sachen erlebt, das versichere ich Ihnen. Stimmt´s, Linda?“

„So ist es“, bestätigte die Frau.

Der Mann nahm seine Hand von Naomis Schulter und setzte sich wieder auf das Bett.

„Trinken wir auf uns“, sagte er, „auf die Woche der Lust.“

Naomi erwiderte nichts. Sie wartete, bis die beiden einen Schluck genommen hatte, dann leerte sie ihr Glas. Sie hatte keine Wahl. In gewisser Weise enthielten die Worte des Mannes einen Wahrheitskern, man konnte sich seiner Argumentation nicht entziehen. Trotzdem durfte sie nicht vergessen, dass er nur ein gemeiner Erpresser war.

„Wann hat das mit Ihrem Stiefsohn begonnen?“, fragte Alexander.

Naomi schwieg.

„So geht das nicht, Schönheit“, sagte Linda zu ihr. „Entweder du sorgst dafür, dass das Eis gebrochen wird... oder wir müssen unsere Forderungen hochschrauben.“

„Was erwarten Sie eigentlich von mir?“, fragte Naomi. „Dass ich Ihnen um den Hals falle?“

Linda lächelte. „So übel wäre das gar nicht, Schönheit. Aber wir wollen nichts überstürzen. Du sollst nur endlich merken, dass wir keine Unmenschen sind. Wir wünschen, dass du dich mit uns amüsierst.“

„Das kann ich nicht!“

„Jetzt reicht´s mir aber“, fuhr er fort. „Du kannst weiß Gott nicht behaupten, dass wir unkonziliant sind. Aber deine Arroganz bringt mich auf die Palme. Wir kriegen, was wir wollen, verlass dich darauf!“

„Sie haben kein Recht, mich zu duzen!“

„Du wirst dich wundern, welche Rechte uns zustehen“, höhnte er. „Ehe du dieses Zimmer verlässt, wirst du eine Menge dazugelernt haben, Schätzchen.“

Naomi fragte sich, ob sie sich taktisch klug verhalten hatte. Im Grunde waren die Forderungen der beiden maßvoll zu nennen. Sie hätten ebenso gut einiges mehr verlangen können. Natürlich war keineswegs sicher, ob sie sich mit hunderttausend Euro zufrieden geben würden, aber wenn dies der Fall sein sollte, ließe sich das Ganze mit weniger Aufwand beseitigen, als sie ursprünglich befürchtet hatte.

Hunderttausend Euro war und ein paar Tage ohne Hemmungen. Das war der Preis! Naomi hatte keine Wahl. Sie wusste, dass sie akzeptieren musste. Jetzt. Vielleicht war es gut so. Vielleicht würde sie diese Lektion verstehen und nie wieder mit ihrem Stiefsohn schlafen.

„Sie müssen mir ein wenig Zeit lassen“, sagte Naomi mit verändert

wirkender, einlenkender Stimme

„Das hört sich schon wesentlich besser an“, meinte Alexander zufrieden. „Der Champagner ist alle. Was würdest du davon halten, wenn wir noch zwei Flasche auf deine Zimmerrechnung kommen lassen?“

„Einverstanden“, antwortete Naomi. „Aber bitte nicht wieder diese grässliche Hausmarke.“

„Wir fangen an, uns zu verstehen“, sagte er grinsend und trat an Telefon. Nachdem er die Bestellung aufgegeben hatte, setzte er sich wieder auf das Bett.

„Wir werden uns jetzt miteinander unterhalten. Ganz offen, ohne Tabus. Das wird uns helfen, in die richtige Stimmung zu kommen“, erklärte er.

„Ich hoffe, Sie machen kein Verhör daraus“, sagte das Mädchen.

„Es wird manchmal so klingen, aber das hat nichts zu bedeuten“, meinte er. „Im Übrigen haben wir nichts dagegen, wenn du uns mit ähnlich scharfen oder direkten Fragen überfällst. Es macht Spaß, weißt du. Es lässt einen erkennen, wie ähnlich wir alle sind... und es befreit.“

„Na gut“, sagte Naomi. „Fangen Sie an.“

„Warum duzt du mich nicht? Das macht alles viel leichter“, sagte er.

„So schnell geht das nicht bei mir“, meinte Naomi.

„Wir haben nicht viel Zeit“, erinnerte er sie. „Nur eine Woche. Die können wir nicht mit dummen Höflichkeiten verplempern.“

„Was soll ich sagen? Einfach Alex?“

„Genau“, sagte er. „Hast du außer deinem Stiefsohn noch einen weiteren Liebhaber, mit dem du deinen Mann betrügst?“

„Nein.“

„Wer hat wen verführt?“

„Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Es ist einfach passiert, ganz plötzlich“, antwortete Naomi.

„Wo?“

„Bei uns zu Hause.“

„Waren dein Ehemann in der Arbeit?“

„Ja.“

„Lass doch ihren Alten aus dem Spiel“, schaltete sich Linda ein. „Der interessiert uns nicht.“

„Gut, bleiben wir bei Henri und dir. Beschreibe uns genau, wie es geschah.“

„Henri belegte einen Tanzkurs, begriff aber die Schrittfolge nicht. Da bat er mich, ihm zu helfen. Wir tanzten im Wohnzimmer“, erzählte Naomi, die wie unter einem Zwang sprach und seltsamerweise beinahe dankbar war, dass sie diese verdrängten Dinge noch einmal ans Tageslicht holen konnte. Es war, als läge sie auf der Couch eines Psychiaters. Alexander hatte in gewisser Weise Recht. Diese Dinge wirkten befreiend.

„Ihr habt getanzt“, sagte er geduldig. „Und dann?“

„Ich merkte, wie er sich an mich schmiegte..., und dann spürte ich auch die wachsende Härte unter seiner Hose. Ich war zunächst erschreckt, ich wollte mich von ihm befreien, aber er hielt mich ganz fest und atmete in einer Weise, wie ich es in meiner Ehe so lange vermisst hatte. Ich merkte, dass er litt und entspannte mich. Meine Neugierde siegte... und auch ein merkwürdiger, abwegiger Stolz darüber, dass ich einen jungen Mann so zu erregen vermochte.“

„Hatten Sie –pardon!- hattest du bist dahin noch nie an Sex mit deinem Stiefsohn gedacht?“, fragte er.

„Nein.“

„Erzähl weiter, Schönheit“, meinte Linda.

„Ich spürte, wie Henris Erregung mich mitriss, wie ich in einen Strudel von Lust und Wünschen gerissen wurde..., obwohl ich anderseits Angst hatte, diese Gefühle zu zeigen. Plötzlich blieb er stehen, um mich zu küssen. Er rieb seinen Unterleib gegen meinen Körper und ich ertappte mich dabei, wie ich mit meiner Gürtellinie darauf einging. Es war aufregend, aufputschend, atemberaubend. Plötzlich ließ er mich los, warf sich rücklings auf die Couch und holte seinen... nun ja, seinen Penis aus der Hose.“

„Alle Achtung, der Junge hatte Mut“, meinte Alexander spöttisch.

„Ich war wie erstarrt“, erinnerte sich Naomi. „Ich wollte ihn zurechtweisen und aus dem Zimmer schicken..., aber der Anblick seiner dicken, pochenden Lanze faszinierte mich. Ich hatte den brennenden Wunsch, sie einmal anzufassen, ja, ich dachte in diesem Moment sogar daran, seinen harten Penis zu küssen...“

„Hast du es getan?“, fragte er.

„Nicht an diesem Abend“, erwiderte sie. „Aber ich setzte mich zu ihm, wie selbstverständlich. Danach sprach lange Zeit keiner von uns ein Wort. Es schien, als seien wir Darsteller eines genau festgelegten Spiels. Ich griff nach seinem Glied und spielte damit. Er ächzte und stöhnte. Dann schob er seine Hände unter meinen Rock. Ich trug an diesem Abend keinen Slip. Ich weiß nicht warum. Aber ich erinnere mich noch genau daran, wie Henri zusammenzuckte, als er meine dichte Schambehaarung berührte. Damals hatte ich noch keine Vorstellung davon, sie zu rasieren oder zu trimmen. Sie waren gewachsen, wie es die Natur vorgab. Dann drang ein Finger in die schlüpfrige Tiefe meines Schoßes ein...“

„Sehr, sehr plastisch“, lobte Alexander, immer noch einen spöttischen Unterton in der Stimme, „aber du kannst dich ruhig präziser ausdrücken. Vulgärer. Obszöner. Statt Schoß kannst du Fotze sagen. Oder Muschi, oder Pflaume. Meinetwegen auch Möse. Es gibt tausend Ausdrücke dafür, weißt du. Sie müssen nur Saft und Kraft haben – genau wie der Gegenstand, von dem ich rede. Das kommt besser an, verstehst du? Wir sind hier kein Zirkel vornehmer, blasierter Lyriker. Wir wollen uns an den Worten und an den Beschreibungen aufgeilen, wir wollen uns scharf machen. Ist das klar?“

„Nun lass sie doch“, meinte Linda und winkte ab. „Jeder tut´s auf seine Weise.“

„Sie soll bei uns etwas lernen“, sagte er.

„Sie ist ja schon dabei“, sagte Linda und lächelte aufmunternd. „Habe ich nicht Recht, Schätzchen?“

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