Kitabı oxu: «SoloVan»

Şrift:



Das Leben ist zu kurz, um vielleicht zu sagen

Inhaltsverzeichnis

ÜBER MICH

ÜBER FRANZ

1.RAUS VON ZU HAUS: WARUM ICH IMMER WIEDER WEG MUSS

IM GESPRÄCH mit Ulrich über das Immer-wieder-Losfahren

MEIN TIPP Wie kommst du zum passenden Wohnmobil?

⋆Welches Wohnmobil passt zu dir?

⋆So startest du am einfachsten

⋆Wohnmobil-Vermieter: Meine Favoritenliste

⋆Was du beim Mieten eines Wohnmobils beachten solltest

⋆Was du beim Kauf eines gebrauchten Wohnmobils beachten solltest

⋆Vom Traum, einen Bus selbst auszubauen

2.AUFBRUCH WAGEN! DER ERSTE SCHRITT ZÄHLT

IM GESPRÄCH mit Karin über das Immer-wieder-Anfangen

MEIN TIPP Stromversorgung im Van oder Wohnmobil

⋆„Landstrom“ – die einfachste Stromversorgung

⋆Wie verteilt sich der Strom im Wohnmobil?

⋆Ausreichend Strom sorgt für komfortables Wohnen

⋆Möglichkeiten zur eigenen Stromerzeugung

⋆Stromsparhilfen als gute Investition

3.ABSCHIED INS NEUE

IM GESPRÄCH mit Patrick über den Aufbruch und das Zu-sich-Finden

MEIN TIPP Entspannt weit weg: mit der Fähre

⋆Schöne Fährrouten

⋆Ticketkauf

⋆Timing

⋆Einchecken

⋆„Camping on board“

⋆An Bord

⋆Meine Fährtipps „Extra“

4.SEHNSUCHT NACH MEHR

IM GESPRÄCH mit mir, Susanne, über die Sehnsucht nach mehr

MEIN TIPP Gib deinem Bauchgefühl Zeit und höre ihm zu!

⋆Meine Sehnsuchts-Liste zum Abwägen

5.MUT IST DAS GEHEIMNIS VON FREIHEIT

IM GESPRÄCH mit Ingo, dass Mut vor allem etwas mit Wachstum zu tun hat

MEIN TIPP Sicherheit im Wohnmobil für Alleinreisende

⋆Sicherheitsvorkehrungen innen

⋆Sicherheitsvorkehrungen außen

6.BEWUSSTES SEIN

IM GESPRÄCH mit Viki über das Lernen, sich selbst zu spüren

MEIN TIPP Zur Wahl des entspanntesten Freistehplatzes

Einen guten Übernachtungsplatz finden

⋆Hilfreiche Apps , Webseiten und Bücher

7.HILFE ANNEHMEN (DÜRFEN)

IM GESPRÄCH mit Christian über extreme Erfahrungen

MEIN TIPP Die perfekte Starthilfe

Deine Helfer bei einer Panne

⋆Lächeln hilft immer

⋆Ein Schutzbrief: verlässliche Hilfe

8.SELBSTWIRKSAMKEIT: EIN ERSTE-HILFE-KASTEN

IM GESPRÄCH mit Katrin über Selbstwirksamkeit

MEIN TIPP Wirksame Helfer in allen Lebenslagen

⋆Technik- und Fahrzeugkram

⋆Lebens- und Luxusartikel

⋆Stromversorgung

⋆Die richtigen Reifen

⋆Hilfreiche Utensilien für Selbst- und Fremdbergung

⋆Speziell für Alleinfahrer

9.EINSAMKEIT AUSHALTEN, ALLEINSEIN GENIESSEN

IM GESPRÄCH mit Elisa über das genießende Alleinreisen

MEIN TIPP Kommunikation ist alles

⋆In Verbindung treten

⋆Internet on the road

10.FACE YOUR FEARS: STÄRKER ALS DIE ANGST

IM GESPRÄCH mit Stefan über Ängste und die kleinen Schritte

MEIN TIPP Entspanntes Fahren auf unbequemen Wegen

Offroad-Tipps vom Enthusiasten

11.SELBSTFÜRSORGE: VERBUNDENHEIT MIT SICH SELBST

IM GESPRÄCH mit Rita über den Kontakt zu sich selbst

MEIN TIPP Feuer als Kraftplatz

⋆Lagerfeuer für Ungeduldige

⋆Alternative Feuerstellen

⋆Die besten Holzsorten

Feuer-Tipps vom Experten

12.LASS DICH BERÜHREN! LEBE! LIEBE!

IM GESPRÄCH mit mir, Susanne, über das Reisen, um Begegnungen zu finden

MEIN TIPP „Herzbegegnungen” suchen, sammeln, bewahren

INSPIRATIONEN

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Über mich
LIFE BEGINS AT THE END OF YOUR COMFORT ZONE

Vor sieben Jahren bin ich gestartet. Überstürzt, planlos, völlig unerfahren. Es war einfach an der Zeit, mich aus dem alten Leben zu verabschieden, mich zu befreien von all dem Negativen, das sich um mich gesammelt hatte. Ich dachte nur noch diesen einen Gedanken: Ich muss raus, um wieder zurück zu meinem eigentlichen Sein zu finden, zum wirklichen Leben zu kommen. Raus in die Fremde, um bei mir zu landen.

Also habe ich ein Auto gekauft, Zeug reingeworfen, mich auf unbestimmte Zeit verabschiedet und bin in Richtung Süden gesteuert. Das erste Mal im Leben im großen Auto, das erste Mal ohne Plan, das erste Mal allein.

Schon ab den ersten Kilometern war ich eine genießende, glückliche Alleinreisende und wusste: Ich brauche das wochenlange Touren zum Ganz-Sein. Ich brauche die Stille, das Nur-für-mich-Sein. Ich höre mir zu, bin ganz in meiner Welt. Dieser Zustand macht mich gesund.

Und ich habe gelernt, dass ich überall zu Hause sein kann, weil ich mich oft wahrhaftig angekommen fühle. Dazu brauche ich nicht viel: Mein Auto (es darf aber auch mein Motorrad sein) steht ganz nah, ich atme ruhig, sitze barfuß, ein Bier in der Hand, und blicke in die Ferne – ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.

Komm mit und lass dir zeigen, wie schön es ist, die Welt alleine zu erkunden! Wie wenig du brauchst, um dich ganz zu spüren, und wie viel es dir gibt, dich alleine zu beweisen. Probiere sie aus, deine Reise inmitten einer wunderbaren Welt, die dich erwartet. Erlebe, wie positiv die Menschen auf dich reagieren, wenn du ihnen mit einem Lächeln und Augen voller Neugierde begegnest.

Alles ist gut.

Life is fun.


Über Franz
EINE LIEBESGESCHICHTE

„Franz der Erste“ kam zu mir, wie man sich eine Lovestory vorstellt: In grimmigen Zeiten wünschte ich mir einen Fluchthelfer aus diesem Leben … und da erschien, ganz plötzlich, erst wie eine Vision, dann immer klarer, leise durch die Nebelschwaden der Ferne eine leuchtend-strahlende Figur: mein Franz!

Ich habe mich sofort schockverliebt und deshalb alles falsch gemacht, was man beim Autokauf falsch machen kann: keine Fragen zur Technik, zum Zustand, zum Ausbau … Ich habe Franz einfach nur tief in die Scheinwerfer geblickt, und er hat mich ohne zu zögern mit nach Hause begleitet.

Franz war der Kokon, den ich damals brauchte. Er hat mir Raum und Zeit zum Wachsen geschenkt und mich vor Heimweh, schiefen Blicken, dem anstrengenden Außen beschützt. Er hat mich die Welt entdecken lassen, mich tapfer und brummend über alle Straßen meiner Wahl getragen – und mir dabei nicht nur gezeigt, wie lustig Europas Mechaniker sind, sondern auch, wie entspannt freies Leben ist.

Doch meine erste Liebe musste sich (leider! Ich weine ihm noch heute nach) dem Alter beugen … also habe ich mir einen Jüngeren angelacht: „Franz-Josef“. Er war eher eine Kopfentscheidung über ein Dating-Portal (Autoscout24), trotzdem hat es sofort gefunkt! Äußerlich ist er zwar keine so charaktervolle Erscheinung wie mein Erster, aber mit Traummaßen und knuffig. Genug, um mein Lebensbegleiter zu sein. Seine inneren Werte (ein wunderschöner, hellblauer „Burow“-Ausbau) trösten mich sehr über die tragisch-schlechte Konstitution der Blechhülle hinweg. Ich werde noch mal (unfassbar) viel Geld in den Unterboden stecken, um mir mehr Zeit mit Franz-Josef zu erkaufen. Denn er soll mich weiter begleiten in meinem unverschämt-glücklichen Reiseleben, mich weiter die abgelegensten Pisten entdecken lassen und immer das sein, was ich an meinem kleinen Kastenwagen von ganzem Herzen liebe:

Heimat, Frieden, Abenteuer.




1. Raus von zu Haus:
Warum ich immer wieder weg muss

Freiheit ist etwas, das stirbt,

wenn du es nicht nutzt.

Hunter S. Tompson


Vorfreude ist die schönste Freude | Mir scheint, als sei dieser Spruch nur für mich geschrieben. Lebenszufriedenheit bedeutet für mich, stets irgendeinen Plan, ein Ziel und eine Reise im Blick haben zu dürfen. Ich brauche permanent die Vorfreude auf eine neue Tour. Mit dem Plan eines nächsten Ziels stecke ich Schlechte-Laune-Attacken viel lockerer weg, und die Erinnerungen an Momente „on the road“ machen mich sehr gelassen. Mit meiner Vorfreude auf die nächste Tour kann ich meinen schwarzen Gedanken und trüben Tagen einfach besser begegnen: Dann visualisiere ich mich in meinem Franz, sehe die Straßen vor mir und spüre diese zutiefst meditative Ruhe, die mich beim Fahren erfasst.

Nein, meine „Normalität“, mein Alltag ist gar nicht schrecklich. Ich habe ein insgesamt feines, sehr freies Leben – und vor allem lebe ich ausgesprochen gerne im Jetzt. Ich bin gerne zu Hause mit meinen Lieben um mich, in meiner schönen Umgebung. Aber ich brauche auch Abwechslung. Routine killt mich. Das Wiederholen von Gleichem lässt mich schnappatmen und gibt mir das Gefühl, gefangen zu sein, eingesperrt im Hamsterrad. Auch im normalen Leben versuche ich, immer wieder Neues zu erleben, mich neuen Herausforderungen zu stellen, um meine Sinne nicht verkümmern zu lassen. Ich suche neue Wege zu alten Zielen, schwierigere Aufgaben, andere (berufliche) Herausforderungen …aber ich brauche auch die Bewegung durch die Welt, das Fahren, das Vorwärtskommen. Ich will das Neue sehen, will entdecken und erleben und immer neue Bilder in mir sammeln, um mein Herz zu füllen.

… FREIHEIT. UND ZWAR JETZT!

ICH WERDE NIE MEHR SEIN,

WAS ICH SOLL,

SONDERN WERDEN,

WIE ICH BIN.

ICH MACH DEN AUSBRUCH, DRÜCK RESET,

DENN DAS LEBEN IST NICHT MORGEN,

SONDERN JETZT …

"JETZT" VON IRIE RÉVOLTÉS

Ich verinnerliche also meine Pläne zur nächsten Reise und bezeichne sie als „Fluchtpläne“. Nur mit dieser Vision habe ich das Gefühl, im Alltag zu bestehen und nicht gefangen zu bleiben. Und nur mit diesen Gedanken an eine schöne, nahe Zukunft kann ich völlig gelassen in der Gegenwart bleiben, im Jetzt sein.

Das Absurde ist: Die Vorfreude nimmt exponentiell zur Nähe des Abfahrtsdatums ab! Je mehr ich mich auf den geplanten, lang ersehnten, sehr vorgefreuten Termin der Abreise zubewege, desto mehr beginne ich mich daheim wohlzufühlen. Je mehr ich mich dem Moment des Verabschiedens nähere und damit dem, worauf ich mich seit Monaten gefreut habe, desto wichtiger wird mir die Nähe meiner Lieben, der Genuss meiner schönen Wohnung. Selbst meine Stadt erscheint mir plötzlich als nicht verlassensfähig, der Alltag durchaus als golden. Verrückt, oder? In diesen Momenten frage ich mich wieder und wieder, was ich eigentlich will mit meinen Touren. Was bewegt mich, immer wieder allein in die Welt aufzubrechen? Allein zu sein, wochenlang in einem kleinen Kokon aus Stahlblech durch die Fremde zu zuckeln? Ist es inzwischen ein Zwang, mich einmal im Jahr zu beweisen? Ein Ritual? Eine langweilige Gewohnheit? Mutiere ich (herrje!) mit dem sturen Beibehalten meiner gewohnten Lebensumgebung im Van etwa zu einem Spießer? („Als Spießbürger, Spießer werden in abwertender Weise engstirnige Personen bezeichnet, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen und Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung auszeichnen.“ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Spießbürger)

Ich fahre trotzdem. Tief in mir weiß ich, wie beglückt ich von jeder Reise zurückkomme. Ich fühle mich so lebendig in fremder Umgebung, an neuen Orten, in mir unbekannten Kulturen! Lebendig, weil ich mich zur Gänze spüre, alle meine Antennen auf meine Umgebung gerichtet sind und ich mich in dieser Fremdheit ganz genau einsortiere: Ich checke mich, meine Position, mein Verhalten und mein Umfeld. An allen Orten, in jeder Situation, bei jeder Person: Ich bin hellwach! Keinen Moment auf meinen Reisen lasse ich unbewusst verstreichen. Ich will aufsaugen, entdecken, erleben … leben.

Und ich weise mich selbst auf die Schönheiten hin, staune stumm und mit vollem Herzen, schüttle ungläubig-bewundernd den Kopf über so vieles und packe diese Bilder in meinen Erinnerungskoffer, um sie mit niemandem so intensiv teilen zu können, wie ich sie erlebe. Bräuchte ich also nicht doch jemanden, der dieses Erleben mit mir teilt? Ist geteilte Freude nicht doppelte Freude? Wie oft habe ich mir diese Frage schon gestellt, nur um sie anschließend klar zu beantworten: nein. Ich brauche niemanden bei mir. Es ist einfach zu schön, eine Weile nur um mich selbst zu kreisen. Es beglückt mich, nur auf meine Bedürfnisse achten zu müssen. Und ja: Es macht mich stolz und froh, dass ich ganz alleine für mich sorgen und auf mich aufpassen kann. Dass ich mich in der Welt problemlos zurechtfinde und immer weiß, wo ich wirklich bin, ohne mich auf die Navigation von Geräten oder Mitreisenden verlassen zu müssen. Dass ich mich ganz alleine in schöne Momente hinein- und aus hässlichen Situationen hinausführen kann. Und dass ich niemanden brauche, um die schönsten Momente teilen zu können (noch nicht einmal, um dort ein Foto von mir zu machen). Richtig: Manchmal läuft mein Herz fast über vor Freude und Glück über diesen Moment, und ich kann mich niemandem spontan zuwenden, um jubelnd meine Gedanken in Worte zu packen. Aber könnte diese Freude wirklich gesteigert werden, nur weil man zu zweit ist? Spürt man sich selbst mehr, wenn jemand anderer das Befinden kommentiert? Brauche ich eine „Zweitmeinung“, um mich zu vergewissern, dass das Erleben wirklich so fantastisch ist, wie es sich in meinem Herzen gerade anfühlt? Nein! Ich brauche in diesem Moment niemanden, der das Glück mit mit teilt, um es zu doppeln – ich habe die Zeit für mich, ohne Unterhaltung, ohne Ablenkung. Ich darf in mir spüren, was mich so erfreut. Was ich schmecke, rieche, spüre, höre. Ich beschreibe mir selbst diesen wunderbaren Moment und verinnerliche ihn in meinem ganz persönlichen Buch der Glücksmomente. Momente, zu schön, um sie zu „zerreden“. Oder um darüber zu diskutieren, wenn der eine bleiben und der andere weiter möchte.

Es hat eine andere Qualität, dieses Alleinsein. Man kann nicht werten, ob besser oder schlechter … Ich kenne und liebe alle Formen des Reisens: zu zweit verliebt im Auto, als glückliche Familie im Wohnmobil, mit Freunden auf dem Motorrad … Aber allein unterwegs zu sein, ist etwas Besonderes, etwas Wichtiges – und wie ich immer wieder gerne behaupte: etwas Gesundes. Ja, Gesundendes, Heilsames. Tage- oder wochenlang nur für sich zu sein ist ein Zustand, der in all dem vollen, übermäßig anstrengenden und schnellen Alltag einfach nötig ist – für das Ankommen bei sich selbst.

Es geht mir nicht darum (wie ich meiner Familie und meinen Freunden immer wieder versichere), WEGzufahren. Es geht vielmehr um das HINfahren. Hin zur Freiheit. Hin zur Selbstbestimmung, zur Konzentration auf das Wesentliche. Ich flüchte nicht vor zu viel und zu buntem Leben (das ich ja sehr liebe), sondern cruise in das langsame, stille, geruhsamere Sein. Niemand ist mir näher und mit mir zufriedener als ich selbst (zumindest im Idealfall! Manchmal finde ich mich schrecklich und sehr anstrengend, aber das ist eine andere Geschichte). Und dieses heilsame Ganz-in-Ruhe-mit-mir-Sein finde ich in der Regel zu Hause nicht, weil alles drumherum so laut ist.

Wenn ich mich von außen betrachte, sehe ich mich in meinem Franz wie eine kleine Raupe in ihrem Kokon, geschützt vor dem Außen, ganz zufrieden, versorgt, in Ruhe gelassen … und wachsend. Und auch wenn ich schon so viele Reisen alleine unternommen habe, ist es, als würde ich mit jeder Herausforderung, die ich unterwegs bestanden habe, strahlender. Gelassener. Mit der Welt zufriedener. Mit mir zufriedener.

Die Welt ist unfassbar wundervoll, freundlich und leuchtend bunt. Sie empfängt mich – und dich! – mit offenen Armen und zeigt uns, wenn wir es zulassen, unser schönes Selbst und das wunderbare Sein allein.

Fahr los! Sei frei!


RAUS VON ZU HAUS: WARUM ICH IMMER WIEDER WEG MUSS

Im Gespräch

… MIT ULRICH, …MIT ULRICH, (ALLEIN-)REISENDER, FOTOGRAF, MEDIENSCHAFFENDER UND BULLI-TOURIST

Ulrich ist Bulli-Fan. Mit seinem Van (einem T6 mit Aufstelldach) fährt er in den weiten Süden durch Marokko bis zur Sahara oder in den hohen Norden durch Schnee und Eis bis zum Polarkreis. Allein oder mit seinem Sohn erkundet er gerne möglichst wilde Natur und restauriert nebenbei noch einen alten T3-Westfalia-Bus für zukünftige Abenteuer.


Ich folge dir schon ein ganze Weile auf deinem schönen Instagram-Feed, Ulrich. Dort scheint es, als würdest du ziemlich häufig unterwegs sein: auf großen und vielen kleinen Trips – oder täuscht der Eindruck?

Täuscht nicht! Wenn du erst mal die Fünf vorne in der Zahl deiner Lebensjahre hast, kommst du viel klarer zu dem Punkt, dass man nichts mehr aufschieben darf. Du weißt aus Erfahrung: Wenn du deine Träume nicht realisierst, nur weil die Umstände nicht wirklich passen oder du niemanden als Begleitung findest, dann verpasst du einfach was. Deswegen: So oft wie nötig, so oft wie möglich …

Gab es in deinem Leben einen konkreten Ausschlag zum Aufbruch, oder hat es sich einfach entwickelt, dass du immer wieder losziehst?

Es gibt einen Kalenderspruch, den ich eine ganze Weile gelebt habe: „Ein voller Terminkalender ist noch kein erfülltes Leben.” — Der Terminkalender war wirklich voll und das Leben nicht wirklich erfüllt. Ich musste ausbrechen, die Routine durchbrechen, wollte mehr erleben, als Geld zum reinen Selbstzweck zu verdienen …

Aber dazu muss man der Typ sein, glaube ich. Man muss tatsächlich einen großen Drang spüren, aus dem Alltag raus zu wollen, denn es ist oft schwierig, sich zu verabschieden.

Ja, man muss echt bereit sein, Risiken einzugehen. Du musst halt dieses „unternehmerische” Denken in dir haben. Im Beruf, um dich organisieren zu können – aber eben auch draußen, um etwas unternehmen zu wollen.

Es gibt für mich oft viel Gegenwind aus meinem Umfeld für die Pläne, so oft und lange weg sein zu wollen …

Bei manchen Daheimgebliebenen oder Kunden gibt es eine Mischung aus Unverständnis, offenem und verstecktem Neid, Missgunst …Aber davon darf man sich einfach nicht beeindrucken lassen!

Findest du das Aus- oder Aufbrechen auch anstrengend? Ich sage allen Neidern immer, dass es wirklich viel Kraft kostet, vorher und nachher doppelt so viel zu arbeiten, um sich die große Tour (zeitlich und finanziell) leisten zu können. Du bist ja auch selbstständig – geht es dir ähnlich?

Ja. Ich fange schon ein Jahr vor einer großen Tour an, meine Abwesenheit zu planen. Man muss sich tatsächlich freikämpfen und viel vorab organisieren. Trotzdem: Wenn man sich diese Auszeiten erarbeitet, hat man diese Freiheit wieder! Dann kann man entweder ein paar Tage unter der Woche in die Nähe fahren oder vier bis sechs Wochen am Stück zu außergewöhnlichen Touren aufbrechen. Man sollte sich nicht damit aufhalten, Ausreden zu finden, sondern seine Träume leben!

Was suchst du konkret, wenn du die Routine unterbrichst und immer wieder rausfährst, zum Beispiel öfter mal über ein verlängertes Wochenende?

Wir führen hier im gewohnten Umfeld doch schon ein recht durchgetaktetes und naturfernes Dasein. Oft suche ich einfach die Natur. Mich fasziniert, dass man bereits relativ nah grandiose Landschaften findet. Und auch dieses Gefühl, ganz im Hier und Jetzt zu sein, weil Natur ganz unmittelbar passiert: mit Sturm, Gewitter, einem Sonnenuntergang …Da macht man sich keine Sorgen um die Zukunft oder Vergangenheit, sondern taucht völlig in den Augenblick ein. Das genieße ich.

Findest du auch Inspiration auf deinen Reisen?

Ja, viele. Letzten Herbst habe ich zum Beispiel einen Wochenendausflug nach Rotterdam gemacht, weil ich auf der Suche nach kulturellem Input war. Dort habe ich mir – statt der Grachten – in Ruhe alle Kunst- und Designmuseen angesehen. Ich parkte auf einem Stellplatz am Industriehafen und konnte die Eindrücke abends schön gemütlich für mich rekapitulieren. Und mit diesen Inspirationen habe ich mir Gedanken über meine berufliche Entwicklung machen und wieder eine Entscheidung treffen können.

Ist diese Ruhe zum Denken der Grund für das Alleinreisen?

Auch, aber nicht nur. Es gibt einfach wirklich wenige Menschen, die bereit sind, in einem kleinen VW Bus unterwegs zu sein. Für die meisten ist es schlicht zu anstrengend, außerhalb der Komfortzone zu sein.

Ich kenne viele Varianten und entscheide mich bewusst oft für das Alleinreisen. Sehr gerne toure ich mit meinem Sohn, der viel Spaß an Roadtrips hat und eine tolle Begleitung ist. Aber er kann eben nur in den Ferien dabei sein. Vor einer Weile habe ich eine geführte Offroad-Tour als Gruppe mitgemacht und schnell festgestellt, dass diese Gruppenreisen nichts für mich sind. Der schönste Tag dieser Tour war für mich der, an dem jeder machen durfte, was er wollte. Endlich konnte ich in Ruhe Adler gucken, auf der summenden Almwiese sitzen, Mineralien suchen … Da reise ich wirklich lieber alleine und bin in meinem Rhythmus.

Das kann ich sehr gut verstehen.

Eine kleine Geschichte noch dazu: Letzten Sommer bin ich in Schweden mit einem Arbeitskollegen über einen See zu einer Insel gepaddelt. Wir haben das Zelt aufgebaut, ein Lagerfeuer angemacht, alles war schön, ein ruhiger Augustabend, Vogelgezwitscher – bis der Kumpel fragte: „Und jetzt?” Ihm fehlte das Entertainment, die Beschäftigung, das Bespaßtwerden. Aber das ist doch das, warum man überhaupt aufbricht: Man kommt zu sich, ist in Ruhe und kann sich mit sich auseinandersetzen.

Schon zu zweit ist man eine Gruppe und verschwendet relativ viel Energie mit Kompromisssuche und Diskussionen. Allzu oft reine Energieverschwendung! Da lebe ich lieber diese Friedlichkeit und Harmonie mit mir, dieses Einssein mit dem Bus. Man fährt so dahin, kann einfach irgendwo anhalten, Wildtiere beobachten, lange stehen bleiben – ganz ohne dass die Killerfrage kommt: „Und jetzt?”

Allerdings besteht die Gefahr, dass man diesen Alleinzustand so friedvoll und konfliktfrei findet und das so sehr genießt, dass man auch Freunde damit verliert, weil man eben „anders” wird.

Ja, das kenne ich: die Angst davor, zum wunderlichen Eremiten zu werden. Trotzdem verbringst du weiter Zeit allein auf Tour. Fehlt dir eigentlich beim Alleinreisen etwas?

Wenn man alleine losfährt, heißt es ja nicht, dass man sich allem entsagt. Ich nehme gute Bücher und Filme mit. Leckere Weine sind dabei, und ich kaufe gutes, lokales Essen, weil ich darauf viel Wert lege. Ich lasse es mir gut gehen.

Nur manchmal fehlt dann ein bisschen der Austausch. Beispielsweise wenn mich etwas begeistert: Mückenschwärme, die über der Straße tanzen; oder wenn du das geschäftige Treiben der vielen Bienen, Hummeln über den Wiesen beobachtest und dich erinnerst, dass es in der Kindheit auch so war …das möchte ich gerne mal nachklingen lassen. Über Eindrücke und Gedanken mit niemandem reden zu können, ist ein Minus bei Soloreisen. Aber damit diese Gespräche Spaß machen oder Bedeutung bekommen, braucht man sowieso einen Seelenverwandten.

Du suchst meistens die eher abseitigen Ziele. Sehr beeindruckt hat mich dein Trip im Bulli mit Aufstelldach zum Polarkreis. Im Winter!

Ja. Ich mag, dass die Natur kein Instagram-Feed ist. Sie ist nicht einfach nur schön, spektakulär, gefährlich, bedrohlich, sondern das, was du darin wirklich erlebst. Man muss in abgelegenen Ecken schon aufpassen, gerade wenn man alleine unterwegs ist. Am Polarkreis konnte ich beispielsweise bei minus 20 Grad mit starkem Wind keine großen Wanderungen machen, weil es alleine einfach zu gefährlich gewesen wäre. Es war wirklich eiskalt. Dann saß ich da am Seeufer mit meinem Tee …Das Frieren war in diesem Moment nicht toll, aber das völlige Alleinsein in einer so ursprünglichen Umgebung, wo sonst nur Samen und Rentiere leben, war sehr beeindruckend. Ich habe gespürt, welch unbedeutend kleines Licht ich in dieser Natur bin.

Wenn ich auf Tour bin, frage ich meine zufälligen Gesprächspartner sehr gerne nach dem Sinn ihres Lebens – und es ist spannend und inspirierend, welche Antworten ich bekomme. Ganz spontan: Hast du (vielleicht durch das Reisen) den Sinn deines Lebens schon gefunden?

Das ist eine große Frage. Ich glaube, es geht nicht immer nur darum, möglichst viel Spaß zu haben, oder um die eigene Erfüllung. Ich empfinde es für mich und mein Leben als sehr sinnvoll, Respekt vor der Natur zu haben, auch vor den Mitmenschen, der Tierwelt, vor anderen Lebensformen, und diese Achtung weiterzugeben. Sei es an die eigenen Kinder, an Mitreisende oder vielleicht auch nur, indem man den eigenen Stellplatz ganz selbstverständlich vom Müll – auch dem des Vorgängers – befreit.

Respekt und Achtung vor der Natur.

Mehr über Ulrich Weinert und seine Bulli-Touren auf Instagram:

@just_bullitourists

Mein Tipp
WIE KOMMST DU ZUM PASSENDEN WOHNMOBIL?

Bevor du dir den Traum eines Roadtrips erfüllst, stellt sich natürlich die Frage nach dem passenden Wohnmobil. Klar kannst du dir irgendeines von Freunden leihen oder ganz spontan eines kaufen. Aber sinnvoller ist diese Reihenfolge, die ich dir ans Herz legen möchte:

WELCHES WOHNMOBIL PASST ZU DIR?

Mit welcher Fahrzeuggröße traust du dir total entspannt alle Straßen zu?

Nichts ist unsinniger, als mit einem zu großen Wohnmobil in permanentem Stress im Straßenverkehr zu sein. Natürlich kannst du dich an alle Fahrzeuge gewöhnen — ein bisschen Übung, und schon wirst du auch große Wohnmobile steuern können. Aber sinnvoller ist es, wenn du es dir leichter machst. Bedenke, dass dein Auto in erster Linie deine Schlafstätte ist. Du brauchst weniger Platz und weniger Dinge unterwegs, als du vermutest. Selbst an Regentagen kommst du mit wenig Raum aus; und wenn nicht, gehst du einfach nach draußen. Überlege, wie viel Blech du wirklich bewegen möchtest. Stell dir dabei schmale Gassen vor, enge Kurven, kleine Campingplätze, sehr chaotischen Verkehr … und dann überlege, mit welchem Fahrzeug du diese Situationen meistern kannst!

Detaillierte Informationen, wie du die für dich passende Fahrzeuggröße ermitteln kannst, habe ich dir auf meinem Blog zusammengestellt: www.cool-camping-wohnmobil.de/welcher-wohnmobil-typ/

Welche Ausstattung brauchst du zwingend?

Ich persönlich bestehe beispielsweise auf eine Toilette, da ich mich – neben Navigation, Nahrungs- und Übernachtungssuche – nicht auch noch auf die Jagd nach einem WC machen möchte. Und auch, weil ich zum Beispiel in der Nacht an ungeeigneten Orten nicht raus will. Außerdem brauche ich einen Kühlschrank für mein Sonnenuntergangsbier und sehr viele Fenster für ausreichend Licht. Was also möchtest du? Natürlich kann man sich mit allen Ausstattungen arrangieren, aber für die erste Suche ist es sinnvoll, wenn du dir im Klaren darüber bist, was du gerne hättest. Abstriche kannst du immer noch machen …

Auf meinem Blog sind die wichtigsten Ausstattungskomponenten aufgelistet: www.cool-camping-wohnmobil.de/wohnmobil-kaufen/




SO STARTEST DU AM EINFACHSTEN

Teste entspannt gemietete Wohnmobile

Wenn du davon träumst, in Zukunft häufig mit einem eigenen Wohnmobil unterwegs zu sein, sollte es bestens zu dir und deinen Bedürfnissen passen. Um herauszufinden, welches Modell mit welchem Grundriss und welcher Ausstattungsvariante das ist, ist es ratsam, die ersten Fahrten mit geliehenen Wohnmobil-Modellen zu starten. Denn nur unterwegs kannst du entspannt testen,

ob du mit der gewählten Größe auf den Straßen, beim Parken, in kleinen Dörfern zurecht kommst (oder ob vielleicht sogar noch etwas mehr ginge);

ob alle Dinge in die Stauräume passen (oder du viel zu viel Zeit mit Räumen verbringst) oder du ohnehin weniger mitnimmst, als Platz vorhanden ist;

ob die Anordnung der Möbel für dich passt (vielleicht hättest du ja beispielsweise lieber ein Bad dabei oder den Kühlschrank an einer anderen Stelle).

Wenn du das Mieten eines Wohnmobils für eine gute Idee hältst, möchte ich dir unbedingt einen der vielen professionellen Vermieter ans Herz legen. Auch wenn dir die Kosten hoch erscheinen: Ein privat von Freunden, der Familie oder Bekannten geliehener Camper birgt ein hohes Risiko! Denn wenn das Womo in lädiertem Zustand zurückgegeben werden muss oder du unterwegs mit einem kaputten Auto dastehst (und vorher nicht ganz genau über die Regelung der Schäden nachgedacht bzw. mit den Vermietern darüber gesprochen hast), werden Freundschaften schon arg auf die Probe gestellt.

Auf der rechten Seite sowie auf meiner Webseite habe ich eine Liste an Vermietern zusammengestellt, die neue oder privat genutzte Wohnmobile anbieten. Mit deren Verträgen bist du auf der sicheren Seite, um eine unbeschwerte Reise machen zu können: www.cool-camping-wohnmobil.de/vermieter-fuer-wohnmobil-oder-van/


WOHNMOBIL-VERMIETER: MEINE FAVORITENLISTE


VANTOPIA | www.vantopia.deFür Reisen vom Norden (Hamburg) bietet Vantopia gut ausgestattete Vans in drei Größen: Pkw mit Dachzelt, VW Busse und Kastenwagen. Alle sind außergewöhnlich hübsch, gemütlich und liebevoll eingerichtet.
EcoCamper | www.ecocamper.deFür Reisen vom Süden (München) gibt es perfekt ausgestattete neue T6 VW Busse, sehr gut geeignet für Touren zu zweit oder zu viert – und das Besondere: In diesen Fahrzeugen darfst du sogar deinen Hund mitnehmen.
roadsurfer | www.roadsurfer.comIn zahlreichen deutschen Städten sowie in Frankreich, Spanien und Portugal können verschiedene Camper-Modelle mit bester Ausstattung ausgeliehen werden.
PaulCamper | www.paulcamper.deDeutschlandweit kann man sich über die wohl bekannteste Vermittlung für privates Camper-Sharing ein passendes Wohnmobil oder den nettesten Van von Privatleuten mieten – und natürlich das eigene Fahrzeug zur Vermietung einstellen.
CamperBoys | www.camperboys.deDirekt am Münchner Flughafen werden top ausgestattete VW Bullis bereitgestellt: einfach hinfliegen, einsteigen und den eigenen Roadtrip starten. Bei der Ausstattung haben „die Boys“ an jedes Detail gedacht, das man braucht.
Campanda | www.campanda.deWeltweit können in fast 1000 Städten in 42 Ländern Wohnmobile gemietet oder das eigene Fahrzeug vermietet werden. Campanda arbeitet sowohl mit kommerziellen Anbietern als auch mit privaten Wohnmobil-Besitzern zusammen.

WAS DU BEIM MIETEN EINES WOHNMOBILS BEACHTEN SOLLTEST

Streckenbegrenzung

Wie weit möchtest du fahren? Oft ist das Angebot mit Freikilometern günstiger, wenn du gerne sehr weit fährst. Wenn du hingegen lieber lange an einer Stelle stehst, kann die kilometerweise Abrechnung die günstigere Lösung sein.

Campingausstattung

Kleinere Vermieter bieten oft komplett ausgestattete Fahrzeuge an. Das erleichtert vor allem den Einstieg ins Campen sehr. Große Vermieter bieten gegen Aufpreis Campingmöbel und Grundausstattung an. Das ist zwar praktisch, aber um dieses Geld kannst du sie meist kaufen und danach für weitere Reisen oder Gartenpartys nutzen.

Saisonpreise

Wenn du in der Nähe eines Bundeslandes wohnst, das andere Schulferien als dein Heimatland hat, ist es vielleicht sinnvoll, dort einen Vermieter zu wählen, weil die Preise außerhalb der Saison deutlich günstiger sein können.

Höhe der Selbstbeteiligung

Achte auf die Selbstbeteiligung im Vertrag. Versehentliche Minischäden, die sich summieren können, passieren schnell: Der Fotoapparat rutscht aus dem Schrank und schlägt eine Macke in den Tisch … 200 Euro. Der aufgeklebte Handtuchhaken reißt samt Wandverkleidung ab … wieder 100 Euro. Der Zweitschlüssel liegt bei Fahrzeugrückgabe noch am italienischen Pool …

Kann das eigene Auto bei der Abholung sicher stehen bleiben?

Manchmal holt man den Camper ab, indem man mit dem eigenen Auto anreist und dieses dann während des Urlaubs dort stehen lässt. Frage nach, ob der wochenlange Parkplatz sicher ist. Nichts ist ärgerlicher, als wenn nach dem Urlaub das eigene Auto verschwunden oder beschädigt ist.

Genug Zeit für die Einweisung/Übergabe des Campers

Frage unbedingt vor der Buchung, wie lange die Einweisung/Übergabe dauern wird. Denn nur wenn all deine Fragen geklärt sind, kannst du bestmöglich vorbereitet starten (doch nicht alle Vermieter nehmen sich gerne dafür Zeit).

Alle Punkte, die du bei der Übergabe des Mietfahrzeugs abhaken solltest, habe ich in meinem Blog aufgelistet (auch als Checkliste zum Downloaden): www.cool-camping-wohnmobil.de/wohnmobil-mieten/

WAS DU BEIM KAUF EINES GEBRAUCHTEN WOHNMOBILS BEACHTEN SOLLTEST

Lass dich zum technischen Zustand unbedingt von Experten beraten

Beim Kauf eines gebrauchten Wohnmobils solltest du dich für die fahrzeugtechnischen Fragen unbedingt von einem erfahrenen Kfz-Experten beraten lassen. Am besten begleitet er/sie dich zur Besichtigung. Oder du vereinbarst mit dem Verkäufer, dass deine Probefahrt über deine Haus-und-Hof-Werkstatt führt. Eine Beurteilung des Fahrzeugs erfolgt am besten bei einer ausführlichen Testfahrt. Da du dich sicher oft fernab von jeder Werkstatt bewegen wirst, ist eine funktionierende Technik für entspannte Urlaube entscheidend.

Gönne dir bei der kleinsten Unsicherheit ein technisches Gutachten

Hast du einen Gebrauchtwagen ins Auge gefasst, aber niemanden, der dich beraten kann? Der ADAC oder die DEKRA bieten für etwa 100 Euro einen technischen Check mit Gutachten und Preis-Leistungs-Beurteilung. Du vereinbarst einen Termin (meist kurzfristig möglich) und bekommst eine sehr ausführliche Beratung. Danach weißt du, ob dich dieses Wohnmobil glücklich machen wird oder sich vor allem als großer Geldfresser entpuppt.

Lass dir viel Zeit zur ausführlichen Besichtigung

Zur Überprüfung der gesamten Innenraumausstattung sollte das Fahrzeug quasi fahrbereit sein. Das Gas muss angeschlossen sein, um die Geräte zu testen, Wasser muss vorhanden sein, um alle Wasserhähne und das Abflusssystem zu kontrollieren. Ideal wäre es, wenn Heizung und Kühlschrank schon einige Stunden vor der Besichtigung laufen, um feststellen zu können, ob es wirklich warm bzw. kalt wird. (Kannst du diese Punkte nicht prüfen, solltest du in den Kaufvertrag aufnehmen, dass diese Prüfung kurzfristig nachgeholt wird. Sonst heißt es später, der Mangel sei offensichtlich gewesen – und dafür gebe es keine Gewährleistung.) Das Wichtigste ist, dass der Wohnraum nicht feucht ist! In der Regel kannst du das am Geruch feststellen. Sieh dir alles genau an und rieche konzentriert besonders im Bad, unterhalb der Küchenzeile und hinter den Polstern. Achte unbedingt auf Duftbäume, die beispielsweise Modergeruch überdecken sollen! Wasserschäden entstehen auch gerne rund um Dachluken, Seitenfenster, an den Durchlässen für Solaranlagenkabel oder an der Schiebetüre.

Alles zum Kauf oder Mieten eines Wohnmobils findest du auch auf der folgenden Web-Magazinseite unter der Rubrik Ratgeber: www.camping.info

VOM TRAUM, EINEN BUS SELBST AUSZUBAUEN

Es ist mein lang gehegter Wunsch, mir meinen eigenen Bus auszubauen. Wenn ich dann allerdings beobachte, wie mein Nachbar seit Monaten in jeder freien Minute in seinem Kastenwagen verschwindet, verschiebe ich diesen Traum aus Zeitgründen freiwillig auf einen unbestimmten Zeitpunkt … Wenn du dennoch Lust, Zeit — und natürlich genug Geld — hast, dir für deinen Roadtrip einen eigenen Van zu bauen, dann wende dich vertrauensvoll ans Internet. Denn dort gibt es unendlich viele Anleitungen, tolle Blogs, detaillierte Videos und, und, und … Hier meine persönliche Hitliste mit Webseiten, die mir schon oft geholfen haben:


www.busbastler.deIch bin sehr von dieser Community beeindruckt, die sich aus dem Zusammenschluss toller Blogger entwickelt hat. Es gibt YouTube-Tutorials, Podcasts, Online-Kurse, Van-Camp-Treffen und nicht zuletzt eine sympathische „Busbastler Academy“, wo in kleinen Gruppen Wissen vermittelt wird. Die Busbastler sind wahrscheinlich deine besten Ansprechpartner, wenn du mit dem Ausbau loslegen willst (siehe die Fotos rechts).
www.selbstausbau-wohnmobil.comPaul, der Blogger von Passport Diary, hat das Buch geschrieben, das er sich selbst gewünscht hätte, als er mit dem Ausbau seines Kastenwagens begonnen hat. Auf 220 Seiten des E-Books findest du Einsteigertipps zu allen Themen: Kosten, Dämmung, Strom, Solar, Gas, Dachluken …
www.herman-unterwegs.deSabine und Micha führen einen unglaublich informativen Blog mit allen Tricks und Anleitungen, die du zum kompletten Ausbau oder für die Reparatur deines Wohn- oder Weltreisemobils brauchst. (Danke für alle Stromtipps!) In ihrem selbst ausgebauten „Herman“ sind die beiden weltweit dauerhaft unterwegs und bieten ihr wertvolles und umfassendes Fachwissen auf ihrer Webseite und in persönlichen Skype-Konferenzen an.
www.wohnmobil-selbstausbau.comUlrich ist einer der Ersten, die ihr Wissen in Buchform gepackt haben. Er gilt als DIE Kompetenz in Sachen Ausbau von Weltreisemobilen, richtet sich aber nicht nur an Komplettausbauer, sondern auch an alle Wohnmobilisten, die ihr Fahrzeug verbessern/umbauen wollen. Neben seinem 512 Seiten starken Buch (auch als E-Book erhältlich) bietet Ulrich Webinare und ein persönliches telefonisches Ausbaucoaching an.

2. Aufbruch wagen!
Der erste Schritt zählt.

Wir müssen bereit sein,

uns von dem Leben zu lösen,

das wir geplant haben,

um das Leben führen zu können,

das uns erwartet.

Joseph Campbell


Auf nach Griechenland | Es regnet, grau. Trübe wie meine Stimmung. Der Abschiedskaffee mit meiner Schwester dauert vor lauter Ratschen und innerem Zögern viel länger als geplant. Ich gebe ihr die Wohnungsschlüssel und die letzten Instruktionen, denn um Geld zu sparen, habe ich mein geliebtes Zuhause untervermietet. Morgen kommen die ersten Mieter. Es ist anders, als zwei Wochen in den Urlaub zu fahren. Die Wohnung ist auf Hochglanz poliert, und ich weiß, dass ich sie ab jetzt für längere Zeit nicht mehr meine eigene nennen kann. Ein schmerzhaftes Gefühl.

Der Moment ist da: Ich will mich jetzt nicht weiter mit schwerem Herzen verabschieden. Ich muss jetzt los. Ich steige ein, setze mich und drehe den Zündschlüssel … kein einziger Mucks. Mein Herz pocht, und sofort setzt sich das Gedankenkarussell in Gang: Wie kann das passieren? Was ist, wenn er kaputt ist? Wie kann ich das lösen? Ich schiebe es auf die Kinder, die beim Putzenhelfen laut Musik gehört und an allen Knöpfen rumgespielt haben. Offenbar ist die Batterie wohl leer. Tja. Zum großen Glück hat meine Schwester auf meine Abfahrt gewartet, um mir zu winken, und kann mir nun Starthilfe geben: Franz springt glöckchengleich an, und ich packe sicherheitshalber noch ihre Starthilfekabel mit ein.

Ich tanke voll und sehe noch mal alles durch: Der Wassertank ist gefüllt, die Reifen sind aufgepumpt, alle Dinge eingeräumt, Schränke fest verschlossen, Kühlschrank verriegelt, Gardinen angebunden, CD läuft – perfekt! Ich sitze in meinem neuen Zuhause und reihe mich in den Autobahnverkehr ein. Der Lkw-Fahrersitz schaukelt bei jeder Bodenwelle sanft nach, eiskalter Regensturm prasselt an mein Fenster … oh – gute Frage: Funktionieren die Scheibenwischer überhaupt? Und wo ist denn eigentlich die Heizung? Die Lkw brettern mit gefühlten 150 Sachen links an mir vorbei. Ich teste die Musikanlage auf Maximallautstärke – und grinse: DAS ist das Glück.

… SETZ DEN WAGEN ZURÜCK

UND BIN RAUS.

FAHR GERADE ÜBER LAND,

ES WIRD GERADE MAL HELL,

ICH SPÜRE FREIHEIT IN MIR,

DENK: DAS GING ABER SCHNELL.

BLEIBE BESSER IM HIER,

DENN ES GIBT KEIN ZURÜCK

UND ALLES, WAS ICH BRAUCH,

IST MEIN AUTO UND GLÜCK …

„RÜCKENWIND” VON THOMAS D.

Schon nach einer Stunde mache ich Halt an der Autobahnraststätte: Ich brauche einen Kaffee. Die erste Euphorie ist verflogen, in mir wolkentrübgraue Gedanken. Ich setze mich an die Bar, wärme mich am Cappuccino (Mitte Juli!) und bekomme die Wucht des Abschieds zu spüren. Weg. Auf unbestimmte Zeit. Ich fühle mich verloren. Einsam. Ausgeliefert und schutzlos. Ich sehne mich nach einem Zuhause. Heimatlos sein: Ist das nicht viel schlimmer als mein täglicher Alltagswahnsinn? Ist es wirklich das, was ich will? Der erste Umdrehgedanke krallt sich heiß in meinen Bauch. Noch kann ich alles abbrechen, rückgängig machen. Ich lasse die Gedanken zu, nehme mir die Zeit, darüber nachzudenken. Das ist, was ich ab jetzt möchte, warum ich raus von zu Haus bin: Ich will mir endlich Zeit nehmen für alles. Zulassen dürfen, hinspüren können, aushalten. Ich ermahne mich, diesen Plan durchzuführen: „Denk drüber nach! – Was sagt dir dieses Gefühl?“ Und so sitze ich mit geschlossenen Augen an der Bar, überlege in Ruhe: Worauf verzichte ich in diesen nächsten Wochen, das so schwer zu vermissen wäre, dass ich lieber doch nicht fahre? Der Job kann unterwegs gemacht werden, ich habe mein Laptop dabei. Die Freundinnen und die Familie können auf mich verzichten — ich werde unterwegs online mit ihnen verbunden bleiben. Die Wohnung ist sowieso vermietet und damit nicht bewohnbar: Mein Zuhause ist jetzt Franz. Die Kinder sind beim Vater super aufgehoben; erst mal sind sie noch im Schullandheim und werden wahrscheinlich zum Schuljahresende mit all den dazugehörigen Festen zu beschäftigt sein, um sich lange meiner Abwesenheit zu erinnern.

Und obwohl alle Argumente für die Weiterreise reichen würden, setze ich noch einen großen Gedanken drauf, und in mir reift das Motto meiner Reise:

Face your fears!

Nutze die Chance und stelle dich allem, das du sonst nicht tun würdest! Jetzt ist die Gelegenheit, alles zu schaffen! Sieh bewusst auf die Probleme, stell dich frontal entgegen. Lass die Hürden kein Hindernis sein, sondern nimm sie sportlich. Mach Sachen, die für dich schwierig scheinen, und erfreue dich an deinem Mut! Stell dich deinen Ängsten und Zweifeln und lass sie nicht dich bestimmen.

Ich realisiere noch mal die Chance für diese Reise als Riesengeschenk! Und meine Zweifel wandeln sich in Glück. Wahrlich beschwingt gehe ich über den großen Parkplatz und lächle so fröhlich, dass sich die Entgegenkommenden nach dem umdrehen, dem ich so breit zugrinse: Franz. Und ich nehme diesen Moment des Zweifelns, der Umdrehgedanken, der dunklen Gefühle als erste Hürde sportlich: Vollgas zur Weiterfahrt Richtung Süden!

Die erste Nacht meines neuen (Camper-)Lebens möchte ich noch in Österreich verbringen. Also steuere ich einen der vielen Seen neben der Tauernautobahn an. Hier vermute ich viele Campingplätze; die Beschilderung gibt mir recht, und ich nehme gleich den erstbesten am Millstätter See: eine große Wiese, sehr wenige Mitcamper. Ich parke hinten, ganz abseits, und richte mich für die Nacht ein: Die Böcke unter die Vorderräder und so weit hochfahren, bis die Wasserwaage die perfekte Waagrechte anzeigt. Die Gasflasche aufdrehen, damit ich mir einen Tee zum Aufwärmen machen kann: Es ist saukalt (und leider habe ich keine Ahnung, ob und wie die Standheizung funktioniert)! Dann das Stromkabel zum Kasten legen, damit ich in dieser trüben Stimmung unbesorgt Licht machen kann (mir steckt noch der Anspring-Schock in den Knochen). Huch: Der Stecker meiner Kabeltrommel passt nicht in diesen Stromkasten? Noch nie gesehen: blaue Steckdose mit drei Polen? Ich eile zur Rezeption, die gerade die Läden herunterlassen will. Ich lächle, frage um Rat, bitte freundlich um Hilfe. Und die nette Dame öffnet noch einmal den kleinen Shop, zieht mir den richtigen Adapter raus und wünscht mir eine schöne erste Campernacht.

Licht an! Herrlich. Ich kuschle mich unter alle Decken in meine Franz-Höhle, der Regen prasselt sanft aufs Dach, und ich fühle mich einfach nur pudelwohl und bin unendlich stolz auf mich! Dass ich mich losgerissen habe von daheim; dass ich mir selbst Mut zusprechen konnte, als ich zweifelte. Ich finde mich einfach großartig: dass ich zum ersten Mal in meinem Leben ein relativ großes und schweres Auto fahre, völlig angstfrei und souverän. Und ich beglückwünsche mich für meine Coolness, Intuition und Kreativität, mich auf das Camperleben unbedarft und neugierig eingelassen zu haben … und dafür, dass ich auf meiner Reise einfach mal nur ICH sein darf:

Unkommentiert, unreglementiert, kompromisslos – einfach selbstbestimmt.

Ängstlich, unsicher, schutzbedürftig.

Stolz, mutig, allein und frei.


AUFBRUCH WAGEN! DER ERSTE SCHRITT ZÄHLT

Im Gespräch

… MIT KARIN, KASTENWAGEN-BEWOHNERIN UND GRÜNDERIN DER „VANLOVE GIRLS“

Karin genießt es seit zwei Jahren, allein in ihrem selbst ausgebauten Kastenwagen zu leben. Sie liebt die Auszeiten des Alleinseins und tourt dafür meist durch den Süden, am liebsten in Spanien. Von unterwegs kümmert sie sich um den Aufbau einer Community von „Vanlove Girls“, einer Plattform von und für (alleinreisende) Frauen mit Forum, Blog, Podcast und Workshops.


Karin, ich „kenne“ dich seit zwei Jahren über deine wundervolle, inzwischen sehr große Facebook-Gruppe „Vanlove Girls“. Es gibt schon so viele Gruppen — warum hast du noch eine eigene gegründet?

Ach, weil ich die bestehenden Gruppen einfach nicht passend fand. Die gemischten waren oft sehr abwertend gegenüber Frauen, und in den weiblichen Gruppen hat mir der Ton nicht gefallen. Ich merke jeden Tag in der Gruppe: Die Suche nach guter Gemeinschaft ist ein gesellschaftliches Thema. Das Community-Ding wird in unserer heutigen Welt einfach gebraucht, ist wichtiger denn je. Das ist der Grund, warum wir so rasant wachsen — die Menschen begreifen, dass das, was sie rausgeben, in einer wertschätzenden Gemeinschaft nicht gegen sie verwendet wird, sondern positiv zurückkommt. So wie in unserer Gruppe: Alle geben ihr Wissen, tauschen sich wohlgesonnen aus … und bekommen unglaublich freundliches, schönes Feedback.

Inzwischen baust du darauf mit deinem Team ein größeres Projekt auf.

Es entsteht gerade ein Forum, in dem sich die Frauen virtuell und in der Realität treffen, austauschen, viel lernen und viel geben. Dabei geht es mir nicht unbedingt nur darum, dass ich die Frauen dazu bringe, in den Bus zu steigen und loszufahren, sondern um viel mehr: dass ganz viele Frauen sich trauen, selbstständig zu sein. Sie sollen sehen, dass noch mehr im Leben geht.

Du lebst ja seit zwei Jahren Vollzeit im Bus, stehst im Moment gerade in Portugal. Wenn du unterwegs bist: Bist du dann auch auf der Suche nach Gemeinschaft?

[Lacht] Nein, im Gegenteil! Ich hab so viel Community das ganze Jahr, ich habe mit der Arbeit an dem Vanlove-Projekt jeden Tag so viel Gemeinschaft und Austausch …

Also suchst du das Alleinsein?

Ja, ich brauche diese Auszeiten zwischendurch. Ich bin immer mehr mit mir im Reinen — auch wenn der Prozess natürlich noch lange nicht fertig ist — und liebe es, allein zu sein. Wenn ich wirklich mal mit jemandem zusammenstehe, dann sind das nur „ausgewählte“, also zu mir passende Leute. Ich schätze es so sehr, mal allein und in Ruhe zu sein.

Das ist auch immer meine Antwort, wenn ich gefragt werde, wie ich wochenlang allein sein kann: Ich komme aus einem so bunten Leben, dass ich zwischendrin die Ruhe nötig brauche.

Unbedingt! Ich connecte so viel in meinem Leben, überall und permanent. Deswegen sind die Auszeiten meine Zeit der Heilung, in der ich einfach mit mir sein kann, mich nach niemandem richten muss. Es ist total befreiend, wenn ich mich mal nicht um das Außen kümmern muss. Sehr schön!

Es gibt so viele Menschen, die losfahren, um neuen Input zu bekommen — ich fahre los, um eben mal keinen Input zu haben. Statt wie sonst mit vielen Menschen verbringe ich Zeit mit mir alleine … ganz toll!

Kommst du oft zu deinen Auszeiten?

Zurzeit ist mit unserem Projektstart einfach zu viel los, und das geht jetzt noch ein paar Monate so weiter. Aber letzten Winter war ich sehr viel allein unterwegs: Drei Monate bin ich die ganze Küste Portugals und die Nordküste Spaniens entlanggefahren. Alle drei Tage habe ich den Ort gewechselt — bis ich einen Koller vom Reisen hatte. In Nazaré musste ich dann mal drei Wochen Pause machen, weil ich nicht mehr fahren wollte, fahren konnte. Und das, obwohl ich Autofahren so mag. Da bin ich einfach stehen geblieben.

Oje, hattest du dann ein schlechtes Gefühl, weil du dachtest, jetzt ist die Freude am Reisen vorbei?

Nein. Ich überlege in solchen Momenten, was ich brauche, was mir guttut … übrigens einer der Gründe, alleine zu reisen: Es lenkt mich keiner von meiner inneren Stimme ab, die mir sagt, was jetzt dran ist.

Einige Monate warst du im Süden unterwegs. Warum bist du überhaupt zurückgekommen?

Ich hatte Termine. Das Zurückkommen nach Deutschland war wirklich knüppelhart. Da habe ich mich vielleicht zu lange zu sehr herausgenommen, war zu lange komplett selbstbestimmt.

Ich finde auch, dass ein „Neuanfang“ nicht nur beim Start einer Reise passiert, sondern sogar noch mehr beim Zurückkommen. Nach dem Losfahren kann ich mich langsam in mein eigentliches Ich eingrooven. Aber wenn ich zurück bin, muss ich mich wirklich ganz abrupt wieder auf die „Realität“ umstellen, plötzlich irgendwie ganz neu kalibrieren.

Stimmt. Aber ich mag Neuanfänge eigentlich gerne. Ich hab' mich noch nie davor gescheut, immer wieder in neue Themen reinzurennen, Neues zu starten. Es bedeutet für mich immer Heilung. Das Schöne ist, dass ich mittlerweise vom Kämpfen übergegangen bin zu „ich hab Bock drauf". Und es gibt so viel, auf das ich Lust habe …

Ja, ich auch! Letztlich geht es darum, Dinge zu finden, für die man leidenschaftlich brennen kann – dazu muss man immer wieder Neues probieren.

Das Wichtigste ist, einfach mal anzufangen! Loszulegen. Zu machen. Es haben mir so viele gesagt, dass sie solch eine Community auch schon mal angedacht haben, aber sie haben den Gedanken eben nie umgesetzt.

Es gibt wenige, die die Kraft haben anzufangen, denn es ist so megaanstrengend, zu motivieren, zu ziehen, voranzugehen, vielleicht auch dafür zu kämpfen …

Aber dann sollte man den Weg des kleineren Kampfes wählen. Diese Community beispielsweise wächst nicht aus dem Mangel, sondern aus der Fülle heraus. Wenn du sagst, es ist eine anstrengende Nummer, dann wird es anstrengend. Aber wenn du nicht aus dem Mangel, sondern aus der Fülle agierst, dann kommen auch nur positive Menschen auf dich zu. Ich habe mich entschieden, das Ganze leicht zu nehmen, es sich gut anfühlen zu lassen.

Das hört sich wundervoll an!

Ich bin der Typ, der nicht in Problemen denkt, sondern immer in Lösungen. Der Dinge gern auch mal andersrum betrachtet – die Situation bleibt gleich, aber das Gefühl ändert sich, wenn du die Denkweise änderst!

Hat die Idee, in deinen Bus zu ziehen, mit deiner Gründung zu tun?

Nein, das hat sich ergeben. Ich hatte zehn Jahre lang ein eigenes Modelabel mit Laden. Da wurde ein paar Mal eingebrochen, weshalb ich auf den Onlinehandel umgestiegen bin. Aber irgendwann konnte ich dieses Business einfach nicht mehr machen, weil der Markt mit der DIY-Welle kaputtgegangen ist. Dann habe ich „einfach” Schluss damit gemacht und musste etwas Neues suchen.

Als du mit deinem Business aufgehört hast: Hattest du eine Perspektive, was du alternativ machen kannst, um Geld zu verdienen?

Gar nicht. Ich war ein gutes halbes Jahr in Panik und hatte krasse Ängste. Eine harte Zeit. Aber mithilfe eines guten Freundes habe ich mich da durchgehangelt, ein paar Kurse belegt und bin ins Online-Marketing eingestiegen. Das lief recht schnell ganz gut. Aber bald habe ich gemerkt, dass mir das reine Geldverdienen – mit Projekten, hinter denen ich nicht stehen kann – einfach nicht reicht. Es kommt viel Geld rein, aber ich finde den Sinn dahinter nicht.

Ganz zufällig habe ich dann auf der Insel Rügen einen coolen Job bei einer Kiteschule gefunden, der mich echt begeistert hat. Dort habe ich dann während der Saison im VW Bus gewohnt. Aber leider war mit diesem Job mein Leben nicht zu finanzieren. Also musste ich mich auch davon schmerzlich verabschieden.

Dann bist du aber nicht aus einer Krise heraus, als Neuanfang und harter Break in den Bus gezogen, sondern vielmehr in einem schleichenden, sehr selbstbestimmten Übergang …

Ja. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich quasi gar nicht mehr in meiner Wohnung bin, weil ich zu den Kite-Saisons im Bus lebte und dazu noch auf Reisen war. Da war es logisch, dass ich die Wohnung aufgebe. Ich habe das Wohnen im Bus so sehr genossen, dass es klar eine Option war, auszuprobieren, ganz darin zu leben. Ich wollte ja nicht komplett aussteigen, sondern nur für den Moment. Wer weiß denn, was später ist? Ich sag' auch immer, dass ich keine Pläne mehr habe, sondern Ideen. Ideen schränken mich nicht so ein. Mit Ideen bleibe ich offen für alles Neue und Spontane. Im Bus zu leben, war auch kein Plan, sondern eben eine logische Idee für den Moment. Und das mache ich jetzt mal, bis mir eine neue Idee kommt.

Schön, dass wir so viele Ähnlichkeiten in unseren Einstellungen haben. Jetzt bin ich noch sehr gespannt darauf, was du als deinen Sinn des Lebens bezeichnen würdest.

Ich hab' da einen ganz, ganz tollen Spruch! Er drückt mein Lebensziel aus, kommt aus dem Buddhismus und hat ganz schön Gewicht:

Glücklich zu werden, unabhängig aller Umstände.

Mehr über Karin Scherpe und ihre „Vanlove Girls“ Community:

www.nimike.de

Mein Tipp
STROMVERSORGUNG IM VAN ODER WOHNMOBIL

Nie ist mir meine Abhängigkeit von Strom so bewusst wie unterwegs im Wohnmobil. Keine Wasserpumpe, keine Beleuchtung, keine Standheizung funktioniert ohne Strom — im schlimmsten Fall springt sogar das Auto nicht an, wenn es nicht rechtzeitig vor einer Entladung der Batterie geschützt wurde. Mit meinen alten Fahrzeugen war ich ein gebranntes Kind, was die Stromversorgung anging: Immer wieder hatte ich wirklich große Probleme, lange Zeit sogar Schwierigkeiten, meinen Franz ohne externe Starthilfe überhaupt zu starten. An jedem Freistehplatz musste ich im Dunkeln oder nur mit Taschenlampe den Abend verbringen, tagelang habe ich bei Minusgraden im Innenraum gewohnt, weil ich keinen Landstrom für die Standheizung mehr ins Wohnmobil bekommen habe. Inzwischen habe ich jede Menge Tricks, um wenig Energie zu verbrauchen, kenne die meisten meiner Sicherungen beim Vornamen und weiß, dass es auch komplett ohne Strom geht! Aber ehrlich gesagt: Das nervt!

„LANDSTROM“ — DIE EINFACHSTE STROMVERSORGUNG

Wer nicht den Luxus einer eigenen Stromerzeugung genießt, sondern die Energie auf üblichem Wege aus den Stromsäulen auf Campingplätzen oder aus freundlicherweise zur Verfügung gestellten Steckdosen zapft, der benötigt hierfür eigentlich nur zwei Dinge: eine Außensteckdose am Auto und eine sehr gute Kabeltrommel.



WIE VERTEILT SICH DER STROM IM WOHNMOBIL?

Üblicherweise sind im Wohnmobil-Innenraum zwei Arten von Steckdosen:

Die „normale“ 220-Volt-Schuko-Steckdose

Sie funktioniert entweder nur, wenn du am Landstrom hängst, oder wenn die Bordbatterie über einen internen Wechselrichter mit dieser Steckdose verbunden ist. Starke Verbraucher (Föhn, Kaffeemaschine, Laptop …) solltest du nur mit Landstromspeisung einsetzen, damit du die Innenraumbatterie nicht ganz rasch leer saugst (außer du hast eine spezielle Lithium- oder AGM-Batterie, die mit hoher Leistung ausgestattet und für autarkes Wohnen gedacht ist).

Die 12-Volt-Zigarettenanzünder-Steckdose

Diese Steckdose ist für alle Geräte geeignet, die mit speziellen Kabeln bzw. über USB geladen werden. Passendes Zubehör (USB-Steckeradapter, Laptop-Kabel) findest du etwa im Kfz-Bedarf an Tankstellen oder im Baumarkt. (Nicht den Zigarettenanzünder im Cockpit benutzen! Er saugt die Starterbatterie leer!)


AUSREICHEND STROM SORGT FÜR KOMFORTABLES WOHNEN

Um dich beim Wohnen mit ausreichend Strom zu versorgen, verfügt ein Wohnmobil über eine Bordbatterie, auch Versorgungs-, Aufbau- oder Innenraumbatterie genannt. Versorgt wird sie sowohl während der Fahrt von der Lichtmaschine des Motors als auch im Stand mit Energie, die von außen zugeführt werden kann. Durch Landstrom, Solar- oder Windenergie, einen Generator oder eine Brennstoffzelle kann sie geladen werden.

Am Elektroblock des Wohnmobils sind alle Verbraucher und beide Batterien angeschlossen. Ein Trennrelais überwacht und kontrolliert den gesamten Stromfluss. Bei laufendem Motor wird für die Ladung der Bordbatterie gesorgt und im Stillstand die Entladung der Starterbatterie verhindert. Dieser Regler überwacht also die Spannung beider Batterien und sorgt für die richtige Ladung, selbst wenn über Landstrom 220 Volt eingespeist werden.

Alle Informationen zum Thema Strom im Wohnmobil und weiterführende Links findest du auch auf meinem Blog: www.cool-camping-wohnmobil.de/wohnmobil-stromversorgung/


MÖGLICHKEITEN ZUR EIGENEN STROMERZEUGUNG

Wenn du unterwegs öfter frei stehen und nicht auf Camping-/Stellplätze angewiesen sein möchtest, lässt sich dein Camper relativ einfach nachrüsten. Nachhaltige Stromerzeugung gelingt auch im Kleinen:

Solaranlage

Es gibt zwei Varianten: die fest montierte Anlage auf dem Dach, die dir große Autarkie gibt, und faltbare Module, die du einfach bei Bedarf neben das Fahrzeug stellst und an die Innenraumbatterie anklemmst.

Windturbinen

Du erhältst den zwar am wetterabhängigsten, dafür aber am saubersten erzeugten Strom, wenn du die Turbine am Wohnmobil befestigst.

Brennstoffzelle

Sie wird einfach im Innenraum verbaut und erzeugt mithilfe von Methanol unkompliziert und zuverlässig (weil wetterunabhängig) unendlich viel Strom.

Ich liebe meine efoy, die du hier bekommst: www.efoy-comfort.com


STROMSPARHILFEN ALS GUTE INVESTITION

Wegen häufiger Elektrikprobleme habe ich viele Formen des Stromsparens eingeführt und komme deshalb selbst an Freistehplätzen immer mit sehr wenig Energie aus:

Alle Lampen innen sind mit verbrauchsarmen LED-Birnen ausgestattet.

Ich habe eine Solar-Leselampe dabei, sollte die Batterieladung mal knapp werden. Manchmal lasse ich sie an, wenn es nachts zu dunkel ist oder ich „außer Haus“ bin und das Gefühl vermitteln will, dass der Bus gerade bewohnt ist.

Den Kühlschrank lasse ich nur tagsüber laufen, denn die Restkälte reicht leicht über Nacht (und es ist leiser).

Ich habe immer eine voll geladene Powerbank an Bord — zum einen als Notreserve für das Laptop oder das Handy, zum anderen aber auch, um mir Starthilfe geben zu können (siehe auch Seite 130 und 145). Vor allem aber zur Sicherheit, nie ganz ohne Strom zu sein.

3. Abschied
ins Neue

Das Setzen der Segel,

nicht die Richtung des Windes bestimmt,

welchen Weg wir einschlagen.

Jim Rohn


Unterwegs nach Griechenland | Die traumhafte Landschaft Italiens duckt sich unter der dichten Regenwolke. Ich habe das Gefühl, mit dem Dach an den Wolken entlangzuschrammen, tanze auf meinem Lkw-Sitz, gröle und singe – heule und schluchze. Und ich lache und bin so glücklich und so unfassbar traurig zugleich. Es ist meine Abschiedsfahrt aus dem alten Leben. Körperlich und seelisch: Ich spüre so sehr, dass ich HIER bin, im JETZT, und dass das Alte hinter mir liegt. Es ist beängstigend und tieftraurig! Ich spüre mich mit jedem weiteren Kilometer immer weiter von meiner alten Hülle entfernen, spüre es körperlich. Ich denke intensiv an die letzten Jahre, an all das Schwere und Traurige – und hole mich immer wieder zurück in den beglückenden Zustand der Vorwärtsbewegung. ICH sitze am Steuer! Ich bewege mich – auf meinen Wunsch! – von dort hinten weg nach vorne. Aus der Vergangenheit in die Zukunft. Geradewegs ins Neue! Ich bestimme, wohin meine Reise geht! Das ist heilsamer und einprägsamer, als jede Therapiestunde es jemals sein könnte: mit eigener Kraft das eigene Sein „weg von …“ und „hin zu …“ bewegen. Bildlich, körperlich.

Ganz weit hinten sehe ich die Wolken aufbrechen; es strahlt aus dem Dunkel, und ich spüre die Wirklichkeit einmal mehr als Sinnbild meines Seins: Es wird werden. Es wird hell und schön und warm; gleich dort hinten; ich kann es sehen!

Und ich fahre, fahre, fahre … Franz schnurrt die Kilometer ab. Ich merke, dass es bergab zum Meer geht, denn er läuft fast wie von allein. Die Wolken nehmen ab, es wird warm: Fenster auf – Luft rein – Musik laut, laut, laut!

… SO MANY PEOPLE TURN ME ONE WAY.

SO MANY PEOPLE TURN ME TO STAY.

NEVER HAD TIME

TO HAVE MY MIND MADE UP.

CAUGHT IN A MOTION

AND I DON'T WANNA STOP …

„BURNING” VON THE WHITEST BOY ALIVE

Italiens Campingwelt begrüßt mich mit großen Schildern zum Pool-Benutzungs-Reglement in allen Weltsprachen. Und obwohl ich die einzige Camperin auf diesem Platz bin, darf ich zehn Minuten nach Ende der offiziellen Öffnungszeit auch auf meine charmante Bitte hin nicht in das kühle Wasser springen. Regel ist Regel und bedingt Achselzucken auf beiden Seiten. Egal: dann halt heiß duschen. Aber schon am nächsten Morgen stehe ich mit den Füße n im erfrischenden Nass – leider allerdings im Bus. Zum Glück finde ich rasch das Problem: Die neu eingebaute Wasserpumpe leckt. Dankbar freue ich mich, dass ich mich am Abend mit barscher Rede zurückgehalten habe, denn so kann ich den Campingplatz-Chef um Werkzeug und Hanffasern für die Wasserleitung bitten. Er steht mit verschränkten Armen neben mir und sieht mir interessiert, wenn auch leicht ungläubig über die Schulter, während ich das kleine Problem löse. Als ich uns beiden stolz die funktionierende und gedichtete Wasserleitung präsentiere, kann er seine Neugierde nicht mehr bremsen: Warum ich alleine unterwegs sei? Was soll ich ihm sagen? Weil mein Mann und ich uns getrennt haben und ich mein Glück nun alleine finden muss/will? Weil ich fliehen wollte vor dem Leben? Weil ich Boden unter meinen Füßen suche? Weil ich nur mit Abstand einen Neuanfang finden kann? Schwierig, in wenigen Sätzen auf Englisch so zu antworten, dass es verstanden werden kann. Ich entscheide mich für eine glatte Lüge: dass mein Ehemann in Ancona auf mich wartet. Meine Schwindelei ist ein fairer Ausgleich für seine engstirnigen Poolbenutzungs-Regeln, finde ich und grinse ein bisschen über meine Logik.

In Ancona tauche ich das erste Mal in den Stadtverkehr ein, um zum Hafen zu gelangen. Ich weigere mich, das geliehene Navi einzuschalten, denn es ist einfach herrlich: Ich sitze weit oben, bin total entspannt, genieße meine optische (Bus-)Größe, habe Zeit, und keiner kann mir etwas tun … und schließlich: Der Hafen kann ja nur irgendwo am Meer liegen.

Überpünktlich reihe ich mich in die Reihe der Wartenden ein und stehe inmitten großer Lkw, denen ich mich irgendwie sehr verbunden fühle. Sie verkörpern mein schönes Lebensgefühl, denn auch wenn ich weiß, dass dieser Job wahrlich Knochenarbeit ist, romantisiere ich alle Lkw-Fahrer zu coolen, gut aussehenden, entspannten Typen. Während ich mich also langsam bei lauter Musik mit meinen „Lkw-Kollegen“ Richtung Rampe bewege, fühle ich mich stark, stolz, obercool. Der arme Einweiser ist völlig baff, als ich ihn mit meinem allerstrahlendsten Lächeln einhülle! Das hat er hier sicher noch nie zugeworfen bekommen … Aber er weist mir den perfekten Platz zu, denn ich darf direkt neben dem offenen Bullauge stehen! Freier Blick aus meinem Franz auf das Meer – welch wunderbares Geschenk!

Beim Ablegen der Fähre sitze ich mit dem Rücken zur Fahrtrichtung an Deck. Ich sehe zu, wie sich Ancona, dann Italien und gleichzeitig mein bisheriges Leben langsam verabschieden, und hinter meiner verspiegelten Sonnenbrille rinnen ungehindert die Tränen. Es ist ein neues Bild, dessen Bedeutung urplötzlich und mit Wucht in mein Bewusstsein einschlägt: Ich verlasse den festen Boden, ich verlasse bekanntes Gebiet. Es ist wieder ein so deutlich spürbarer Abschied von meinem alten Sein, dass ich mich unsäglich klein und allein fühle … ein furchtbarer Moment.

Ich flüchte in meinen Van. Franz gibt mir den Raum, mich auszuweinen und selbst zu bemitleiden. Als alle Tränen endlich versiegt sind, setze ich mich mit einem griechischen Bier in die Bar. Ich wähle bewusst den Sitz in Fahrtrichtung, mit Blickrichtung nach vorne!

Sanft schaukelnd brummt uns die Fähre durch die Nacht. Frische Meeresbrise weht durch meine offenen Fenster, aber ich kann nicht schlafen. Immer wieder stehe ich auf und sehe durch das Fähren-Bullauge auf die uns begleitenden Sterne und das dichte Schwarz. Immer wieder schaudern mich die starken Gefühle der Verlassenheit und des Vermissens. Mit jedem Moment entferne ich mich weiter von meinem Leben, von meinen Kindern. Ich quäle mich mit dem Gedanken, dass doch alles falsch ist, was ich hier veranstalte …Tiefste Dunkelheit im Herzen, Traurigkeit, Verzweiflung – bis mir endlich der Tipp eines Freundes einfällt, der „Zweifellisten“ führt: Ich schreibe auf, was ich gerade glaube, mit meiner Reise falsch zu machen. Wem ich damit schade, was ich damit verpasse. Und fülle die andere Seite mit Zielen, die ich suche. Mit Wünschen, die ich erfüllen möchte. Mit Fragen, die ich klären will, und Dingen, die ich erleben, sehen, spüren möchte. Und ich bin überrascht, wie viel unbändige Sehnsucht in mir steckt und wie überzählig die positiven Gedanken gegenüber meinen Ängsten sind.

Als die Sonne endlich ihren allerersten Gruß über den Horizont schickt, der Himmel sich über mir in eine pastellblaue Symphonie wandelt, weiß ich: Ich bin vom Leben beschenkt. Ich darf meiner Sehnsucht nicht nur gewahr werden, sondern ihr zudem einfach auch noch folgen. Das erste Mal in meinem Leben.

Kalimera, Griechenland! Im Morgengrauen trinke ich meinen Kaffee im Franz sitzend und sehe der Küste zu, wie sie sich in den ersten Sonnenstrahlen an uns vorbeischiebt. Sanft, warm und einladend! Ihr möchte ich einfach folgen, das Meer immer linkerhand im Blick, einmal rund um den Peloponnes. Stehen bleiben, wenn es sich gut anfühlt. Wenn ich es will.


Ich rumple von der Fähre hinaus ins Stadtgewimmel und fühle mich plötzlich überglücklich und pudelwohl in diesem Chaos aus Menschen und Fahrzeugen. Welch Selbstbewusstsein: Die Griechen überqueren die Straße mit absoluter Gleichmut und der offenbar unumstößlichen Gewissheit, dass ihnen nichts passieren wird! Das Mütterchen humpelt im Schneckentempo über die Hauptstraße; sogar wenn die Mopeds mit hauchdünnem Abstand an ihr vorbeipreschen, bleibt sie gelassen auf ihrem Weg. Der Vater mit seiner kleinen Tochter kreuzt auf dem Rad seelenruhig durch das brausende Toben von der rechten auf die linke Spur, und niemand beschwert sich oder nimmt ihm die Vorfahrt. Ich sehe keine einzige bedrohliche Situation, obwohl alles durcheinanderwuselt. Alle Augen scheinen auf alles gerichtet zu sein. Ich bin völlig beeindruckt – und habe auch schon wieder ein Bild meines Lebens vor Augen: Genau so geht es mir doch auch! Ich bin inmitten des turbulenten Lebens, aber brauche keine Angst zu haben, denn alle, die mich umgeben, achten darauf, dass mir nichts passiert. Es ist zwar laut, lärmend, durcheinander und sicher nicht geordnet – doch niemand will mir schaden, jeder gibt acht auf mich, so wie ich auf alle achte. Ein schönes Bild, ein gutes Gefühl! Ich breche auf … Ich bin unterwegs ins Neue.


ABSCHIED INS NEUE

Im Gespräch

… MIT PATRICK ALLEINREISENDER GENIESSER, HANDWERKER UND THERAPEUT

Die Trennung hat ihm den Boden unter den Füßen weggerissen. Trotzdem hat er daraus etwas Wichtiges gelernt, sagt Patrick, denn er hat diesen Moment als Fußtritt verstanden, um in Bewegung zu kommen. In Nachtschichten hat er sich einen Kastenwagen ausgebaut und ist sechs Wochen lang durch Albanien gereist. Um sich spüren zu lernen und erst mal einfach zur Ruhe zu kommen.


Eine Lebensveränderung hat dich also zum Alleinreisenden gemacht. Oder warst du früher auch schon alleine unterwegs?

Früher bin ich zwar auch mal alleine gereist. Dann war aber sehr lange die Familie da, mit der ich in Urlaub gefahren bin, was ich sehr genossen habe. Allerdings war es schon damals so, dass ich mir immer wieder kurze Auszeiten genommen habe, um ein wenig zu mir zu kommen. Drei oder vier Tage in den Bergen — und ich bin gestärkt zurückgekommen.

Du wusstest also, dass dir Alleinsein guttut, und bist nach der Trennung bewusst alleine losgefahren?

Mir war einfach klar, dass es mir guttut, mal in Ruhe mit mir zu sein. Den Boden unter mir zurückzubekommen. Hinzusehen, wo ich gerade bin, was ich brauche … Nach 25 Jahren Familie war das ein ganz neuer Gedanke. Ein guter Zeitpunkt, um zu fragen: Was will ich eigentlich?

Als du das erste Mal los bist, hattest du auch den Plan: Jetzt breche ich auf ins Neue, jetzt muss sich etwas ändern in meinem Leben?

Ja, bei der ersten Reise nach Albanien hatte ich die Idee des Aufbruchs unbedingt. Da war wirklich der Gedanke, ein bisschen in die Einsamkeit zu fahren, um zu sehen, was da bei mir so passiert — also schon auch irgendwie therapeutisch. Bei den nächsten Reisen war ich einfach nur gerne alleine; ich wusste ja schon, dass dabei etwas passiert.

Und jetzt ziehst du immer wieder los — warum weiterhin allein?

Ich mache das wirklich gerne! Erstens ist es wirklich heikel, mit jemandem zusammen zu reisen. Das ist wie zusammen zu wohnen – das muss schon sehr gut passen. Und ich genieße es sehr, beim Reisen einfach meine Freiheit, meinen Rhythmus zu haben. Zum Zweiten kommt man alleine unterwegs einfach viel, viel besser mit anderen in Kontakt. Wenn man in einer geschlossenen Gruppe ist – und zu zweit ist man ja schon eine Gruppe –, wird das zu einer Hürde. Die Menschen kommen eher auf dich zu, wenn du alleine bist.

Fährst du also hauptsächlich alleine los, um in Kontakt zu kommen? Oder suchst du vielmehr die Ruhe?

Ich suche beides! Es ist die Mischung: Ich fahre los, um mich abzuschotten, mich aus dem normalen Alltag herauszunehmen. Dann gehe ich auch mal drei Tage alleine mit Zelt durch die Berge, beispielsweise in den Karparten. Dabei passiert natürlich auch etwas in einem. Wenn man tagelang mit niemandem spricht, sondern nur mit sich, kommt man dann schon sehr nahe an gewisse Seiten von sich ran – und das tut gut.

Aber als Alleinreisender kommst du auch näher an andere Menschen heran. Im Donaudelta hat mich zum Beispiel einmal eine Großmutter tagelang verhätschelt, geradezu gemästet … einfach so. Solche Begegnungen hast du aber nur, wenn du alleine auftrittst.

Du stehst ja gerne lieber abseits als im Gedränge: Hast du manchmal Angst, wenn du irgendwo in der Pampa stehst?

Nein, nie. Ich habe auch keine Sicherheitsvorkehrungen. Ich hatte noch nie Angst, mir ist aber auch noch nie irgendetwas Negatives passiert. Im Gegenteil: Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht, beispielsweise auch mit der Polizei. Ich glaube fest daran, dass es daran liegt, wie man in der Welt auftritt. Je nachdem, wie man nach außen geht, kommt es zurück. Man muss eben darauf achten, dass man sich der Kultur anpasst, sich als freundlicher Gast verhält …

Glaubst du, dass es einen Unterschied macht, ob man als Mann oder Frau alleine unterwegs ist?

Ja, auf jeden Fall. Zumindest in den Ländern, in denen ich unterwegs bin. Gerade im Osten, also in Rumänien oder Albanien beispielsweise, ist es als Mann schon sehr viel leichter. Für die Menschen dort ist es schon verwunderlich genug, wenn ein Alleinreisender kommt. Wenn das dann auch noch eine Frau ist, irritiert es die meisten sicher sehr. Gerade in Dörfern sind ja auch nur Männer auf der Straße oder sitzen in Cafés. Da ist es als Mann sehr viel leichter, mal einen Kaffee zu trinken und dabei in Kontakt zu kommen.

Ja, das stimmt, das vermisse ich in meinen Reiseländern oft: einfach mal in ein Café zu gehen, wo man sich als Frau nicht als Fremdkörper fühlt. Aber wenn das Café eine Terrasse hat (ich also nicht ins „Allerheiligste“ der Männerdomäne eindringe), dann setze ich mich schon einfach dazu, wenn ich Hunger habe oder dringend einen Kaffee brauche.

Andererseits finde ich aber, dass es als Frau leichter ist. Man irritiert derart, dass die Reaktionen – wenn man lächelnd auftritt — immer positiv sind. Ein Mann wirkt vielleicht auch bedrohlich. Aber eine Frau, die alleine reist, weckt (glaube ich) grundsätzlich erst mal Beschützerinstinkte. Ich habe noch nie erlebt, dass Männer, die von mir lächelnd, fragend, um Auskunft bittend angesprochen werden, übergriffig reagieren. Und vor allem die Frauen, die ja in den östlichen Ländern für Haus und Hof zuständig sind und meistens auch die Campingplätze oder kleinen Pensionen in Eigenregie führen, sind so positiv beeindruckt von alleinreisenden Frauen, dass da sofort eine ganz große Innigkeit herrscht. Aber wahrscheinlich werden eben auch Männer gerne bemuttert, wie du gerade von der Oma erzählt hast.

Deswegen fahre ich ja so gerne in eher untouristische Gegenden. Ich will Neues sehen, etwas Wildes, etwas Unberührtes. Und dazu lernt man in diesen Ländern, finde ich, die Menschen viel besser kennen, weil sie sich noch über Fremde freuen und offen sind.

Bekommst du auch oft die Frage gestellt, wie du es schaffst, allein zu sein? Ich meine nicht, ungeschützt unterwegs zu sein oder sich bei Pannen selbst helfen zu können, sondern: Wie kannst du es wochenlang nur mit dir alleine aushalten?

Ja, die Resonanz, dass sie selbst das nicht schaffen würden, bekomme ich auch von vielen. Sie fragen oft, was ich denn so mache, beispielsweise am Abend. Na ja, ich sitze eben da und gucke in die Sterne oder über den Fluss …und kann dann auch allen Gefühlen Raum geben, die da kommen. Ich glaube, dass viele wirklich vor diesem Kontrollverlust Angst haben. Dass man im Alleinsein eben die angelernten Schranken nicht mehr hat, die ja auch davor schützen, negative Emotionen rauszulassen. Es gibt schließlich nicht nur schöne, sondern auch harte Tage. Da kommt vielleicht auch mal die Traurigkeit. Vielleicht fällt man ja auch erst mal, wenn man alleine ist, denn die Gefühle werden einfach tiefer. Und vielleicht kommen auch einsame Momente …

Kennst du die Einsamkeit unterwegs?

Ehrlich gesagt ist ein Einsamkeitsmoment unterwegs viel einfacher als zu Hause. In Gruppen oder auf einem Fest trifft mich die Einsamkeit manchmal genauso. Und da zweifle ich dann schon grundsätzlich und stelle alles infrage, fühle mich sehr verloren. Wenn ich alleine unterwegs bin, kann ich damit viel besser umgehen. Ich habe ja trotzdem die Verbindung zu meiner Welt. Ja, vielleicht bin ich auch mal traurig, aber das ist dann eben so.

Und traurig ist ja nicht unbedingt nur negativ, oder? Ich finde, dass das manchmal einfach dazugehört.

Ja, das finde ich auch. Aber das können die wenigsten so empfinden, das ist wieder so ein gesellschaftliches Ding. Traurig sein darf man nicht so richtig, jeder hat ein bisschen Abstand dazu, mag das nicht aushalten müssen. Traurigkeit ist einfach anstrengend.

Das Alleinreisen hat auch etwas Egoistisches, oder? Mir wird das jedenfalls oft vorgehalten.

Na ja, egoistisch bekomme ich nicht zu hören. Aber: Du machst das ja wirklich nur für dich. Ganz alleine. Ohne mich. Ich sage dann immer: Sei froh, dass ich das mache, nur für mich zu sein – dann komme ich gestärkt, erholt und gut gelaunt für dich und den Alltag zurück. Wenn ich es schaffe (und wie man das macht, ist völlig egal), gut BEI mir und MIT mir zu sein, ist es für jeden Menschen, mit dem ich in Kontakt bin, von Vorteil. Denn dann kann ich auch besser zu dem anderen sein.

Du kannst also sagen, dass diese „Therapie“ des Aufbruchs bei dir etwas bewirkt hat?

Mir hat diese erste Reise auf jeden Fall geholfen. Und auch die anderen Reisen bewirken etwas. Ich kann gut nachvollziehen, dass manche Menschen Angst davor haben. Vielleicht auch nur unbewusst vor dem, was da kommen könnte: Gefühle, Zweifel … Aber ich würde behaupten, es würde jedem Menschen guttun, sich mal für ein paar Wochen im Jahr eine Auszeit zu gönnen, um dieses Für-sich-alleine-Sein, dieses In-sich-Hineinspüren zu üben.

Ich danke dir sehr, Patrick, dass du mir von deinen Erfahrungen zum Aufbruch erzählt hast, die meinen so sehr ähneln! Spannend fände ich es noch, deinen Sinn des Lebens zu erfahren – sofern du ihn schon gefunden hast.

Ich weiß es nicht. Ein Ziel wäre, im Alter zurückzuschauen und nichts zu bereuen. Und ich möchte …

… offen und neugierig bleiben.

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09 noyabr 2024
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