Kitabı oxu: «Globulimanie»
ZUM BUCH
Die Homöopathie hat sich in den letzten Jahren als die beliebteste alternative Heilmethode erfolgreich neben der Schulmedizin etabliert. Eine moderne repräsentative Umfrage ergab zudem: Jeder zweite Deutsche hat homöopathische Mittel inzwischen schon ausprobiert und jeder Vierte ist heute ein überzeugter Anhänger der Heilmethode, ihm hat die Homöopathie geholfen. Dagegen stehen nur zwei Prozent, die von der 200 Jahre alten Heilmethode enttäuscht wurden.
Kein Wunder also, dass die Kügelchen der Homöopathen mittlerweile so heiß begehrt sind, ja die Deutschen regelrecht das Globuli-Fieber gepackt hat. Warum aber diese unglaubliche Nachfrage – mancher würde auch sagen, diese Manie – nach den kleinen süßen Pillen? Der Frust mit der etablierten Medizin, das Ausbleiben von Nebenwirkungen und die hohe Effektivität der Homöopathie werden von den Befürwortern als Gründe aufgeführt. Die Skeptiker halten dagegen, in den hoch verdünnten homöopathischen Mitteln sei nichts mehr enthalten, das wirken könnte. Jegliche Wirkung sei reine Einbildung und beruhe somit auf dem so genannten Placeboeffekt. Die Kontroverse ist also im vollen Gang.
Was ist sie nun, die Homöopathie? Magische Heilkunst oder reine Einbildung? Hochwirksam, Hokuspokus oder Placebo-Medizin? Geben viele Deutsche sich haltlos dem Globuli-Wahn hin oder wissen sie instinktiv, was für sie richtig ist? Über lange Zeit fehlte jegliches Wissen darüber, wie man sich die Homöopathie auf moderner wissenschaftlicher Basis erklären könnte. Doch seit etlichen Jahren wird vermehrt geforscht. Ein paar Wissenschaftler wollen es endlich wissen: Wirken die homöopathischen Mittel oder wirken sie nicht? Natürlich fehlen für solche Studien die finanziellen Mittel, und im Vergleich zu dem, was bei der konventionellen Medizin an Forschungsgeldern fließt, scheint der Etat für die Homöopathieforschung wie ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein. Aber die Ergebnisse lassen sich sehen! Doch auch das wird wieder von den Skeptikern lautstark bezweifelt.
In dem E-Book Globulimanie wird genau diese wissenschaftliche Basis als Auszug aus dem Standardwerk Homöopathie – Warum und wie sie wirkt von Bestseller-Autor Sven Sommer vorgestellt. Für alle Interessierten und auch Skeptiker wurden hier alle relevanten Informationen zusammengetragen und so genau wie möglich dokumentiert. Auf diese Weise kann sich jeder Leser ein eigenes Bild darüber machen, ob die Homöopathie – modernen Maßstäben gemäß – den Anforderungen einer wirksamen Therapieform Genüge tut oder nicht, und sich so eine eigene, fundierte Meinung zum kontroversen Thema Homöopathie bilden.
| Wichtiger Hinweis: Das E-Book Globulimanie ist ein Auszug aus Sven Sommers Standardwerk Homöopathie – Warum und wie sie wirkt. |
SVEN SOMMER
HOMÖOPATHIE
Warum und wie sie wirkt
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Sven Sommer
Globulimanie
Warum Homöopathie so erfolgreich ist
E-Book (E-Pub): ISBN 978-3-86374-024-5
1. Auflage 2011
Mankau Verlag GmbH
Postfach 13 22, D-82413 Murnau a. Staffelsee
Im Netz: www.mankau-verlag.de
Internetforum: www.mankau-verlag.de/forum
Lektorat: Dorit Zimmermann, Neuried
Endkorrektorat: Dr. Thomas Wolf, MetaLexis
Foto Titelseite: Iosif Szasz-Fabian - Fotolia.com
Gestaltung: Sebastian Herzig, Mankau Verlag GmbH
Wichtiger Hinweis des Verlags
Die Gedanken, Methoden, Anregungen und Ratschläge in diesem Buch stellen die Meinung bzw. die Erfahrung des Verfassers dar. Sie wurden vom Autor nach bestem Wissen erstellt und mit größtmöglicher Sorgfalt geprüft. Dennoch kann keine Garantie übernommen werden. Sie bieten auch keinen Ersatz für kompetenten medizinischen Rat. Bei ernsthaften und/oder länger anhaltenden Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall wie bisher einen Arzt oder Heilpraktiker Ihres Vertrauens zu Rate ziehen. Jede Leserin, jeder Leser ist für das eigene Tun auch weiterhin selbst verantwortlich. Eine Haftung des Autors und des Verlages für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.
Für Natasha und Teah
INHALT
Zum Buch
Einführung
Homöopathie – die verkannte Medizin?
Fälle, die für die Homöopathie sprechen
Homöopathie und Impfung
Kurzgeschichte der Homöopathie
Die Erfolge
Der Skandal
Die Wirkung ultrahoher Verdünnungen bei Mensch und Tier
Der Galileo-Effekt in der Homöopathie
Moderne Erkenntnisse und Theorien
Homöopathie und Regelkreise
Die Wirkung der Nanopharmakologie auf Zellebene
Der biologische Umkehreffekt
Homöopathie und Pharmakologie
Das biophysikalische Paradigma der Hochpotenzen
Moderne Informationsmedizin
Resümee und Ausblick
Zum Autor
Glossar – wichtige Begriffe, kurz erklärt
Anhang
Quellen
EINFÜHRUNG
Als ich vor gut zehn Jahren meinen ersten Ratgeber zur Homöopathie schrieb, hoffte ich bescheiden, eine Druckerei würde mir preisgünstig eine kleine Auflage für meine Patienten herstellen. Natürlich träumte ich damals auch davon, einen Verlag zu finden, aber mir war bewusst, dass dies wahrscheinlich eine Illusion bleiben würde. Ich hatte keine Ahnung von der Realität. Heute sind über 1,5 Millionen meiner Homöopathiebücher verkauft und ich bin nur einer von vielen Autoren, die über diese Heilmethode schreiben und geschrieben haben. Unser Erfolg beruht auf der Nachfrage. Die Homöopathie boomt seit weit über einem Jahrzehnt und in der Zwischenzeit ist sie zu Deutschlands beliebtester alternativer Therapieform avanciert.1
Das wirft die berechtigte Frage auf, warum dem so ist. Der Grund, weshalb sich überhaupt jemand von der Schulmedizin abwendet, deren Kosten ja zumindest zum Teil von den Krankenkassen getragen werden, während man für Homöopathie-Ratgeber, homöopathische Mittel und Behandlung in aller Regel selbst aufkommen muss, kann nur Verdrossenheit sein. Wären unsere Leser und Patienten mit der konventionellen Medizin zufrieden und glücklich, dann würden wir als Homöopathiebuch-Autoren kaum einen Ratgeber verkaufen und als Therapeuten hätten wir nichts zu tun. Niemand bräuchte uns. Die Popularität der komplementären Medizin im Allgemeinen und der Homöopathie im Speziellen beruht zu einem großen Prozentsatz auf diesem Unzufriedenheitsfaktor. Unsere Leser und Patienten wünschen sich aus den verschiedensten Gründen eine Alternative. Das Versagen der schulmedizinischen Behandlung dürfte dabei an erster Stelle stehen. Eine nebenwirkungsfreie Alternative zu den teilweise schweren chemischen Geschützen der Pharmaindustrie scheint ein weiterer wichtiger Grund zu sein. Die Bürger sind gegenüber den »Göttern in Weiß« und ihren bitteren Pillen ein wenig skeptisch geworden.
Doch warum hat sich gerade die Homöopathie unter den vielen möglichen Therapiemethoden als die populärste etabliert? Als Erstes kommt einem vielleicht das Ausbleiben von Nebenwirkungen in den Sinn. Weil sie hohe, ja höchste Verdünnungen aufweist, ist die Homöopathie bekannt für ihre gute Verträglichkeit ohne jegliche Nebenwirkungen. Weiterhin tritt sie als eine sehr patientenorientierte Medizin auf, in der der Mensch als Ganzes die zentrale Rolle spielt. So interessiert sich der Homöopath für die Gesamtheit der Symptome des Kranken und nicht nur für dessen Befunde. Somit ist die Homöopathie keine Gerätemedizin, sondern eine sich am menschlichen Befinden orientierende, ganzheitliche Heilmethode. Man könnte sie auch als personotrope oder humane Medizin bezeichnen. Aber egal, ob nun human oder harmlos, die Homöopathie hätte sicherlich nicht diesen Beliebtheitsgrad erreicht, wäre sie zudem nicht auch noch hochwirksam.
Hier jedoch scheiden sich die Geister wie bei keiner anderen Heilmethode. Während die Anhänger der Homöopathie behaupten, die kleinen süßen Pillen würden nahezu unglaubliche Erfolge erzielen und die einzig wahre Medizin überhaupt sein, entgegnen deren Skeptiker, in den hoch verdünnten homöopathischen Mitteln sei entweder fast nichts oder gar nichts mehr enthalten, das wirken könnte. Die Kügelchen seien deshalb nur Zuckerperlen – und das Einzige, was sie hervorbrächten, sei Karies. Jegliche Wirkung sei reine Einbildung und beruhe auf dem so genannten Placeboeffekt.
Was ist sie nun, die Homöopathie? Magische Heilkunst oder reine Einbildung? Hochwirksam, Hokuspokus oder Placebo-Medizin? Über lange Zeit fehlte jegliches Wissen darüber, wie man sich die Homöopathie auf moderner wissenschaftlicher Basis erklären könnte. Doch seit etlichen Jahren wird vermehrt geforscht. Ein paar Wissenschaftler wollen es endlich wissen: Wirken die homöopathischen Mittel oder wirken sie nicht? Natürlich fehlen für solche Studien die finanziellen Mittel, und im Vergleich zu dem, was bei der konventionellen Medizin an Forschungsgeldern fließt, scheint der Etat für die Homöopathieforschung wie ein Tropfen auf dem heißen Stein zu sein. Aber die Ergebnisse lassen sich sehen!
Leider ist bisher viel zu wenig in der Öffentlichkeit und selbst in Fachkreisen über die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse bekannt. So begann ich vor einer geraumen Weile, Artikel darüber zu schreiben, und bekam neben einer Menge positiver Feedbacks auch die Anregung, meine Gedanken in einem Sachbuch zusammenzufassen. Mein Anliegen besteht jedoch darin, diese neuen Erkenntnisse nicht dem Experten, sondern dem Patienten und Anwender näherzubringen. Er ist es ja, der sich immer wieder der Kritik ausgesetzt sieht und in Erklärungsnot gerät, da die Gegner der Homöopathie das Bedürfnis haben, den einfachen Mann vor einem solchen »Humbug« zu bewahren. Verbal in die Ecke gedrängt, bleibt dem Anwender häufig gar nichts anderes übrig, als zu gestehen: »Ich weiß zwar, dass mir die Mittel helfen, aber ich kann nicht sagen, warum.« So glaube er einfach, die Homöopathie helfe ihm. Höhnisch wird daraufhin entgegnet: Ja, ja, er sage es! Es sei halt nur der Glaube, der da etwas bewirke, doch besonders wissenschaftlich wäre das doch wohl nicht.
Die zwei Teile dieses E-Books – »Homöopathie – die verkannte Medizin?« und »Moderne Erkenntnisse und Theorien« – gehen deshalb auf die vielfach hochaktuellen und faszinierenden Forschungsergebnisse zur Homöopathie ein. Damit soll sich der Leser letztendlich ein eigenes Bild darüber machen können, ob die Homöopathie – modernen Maßstäben gemäß – den Anforderungen einer wirksamen Therapieform Genüge tut oder nicht. Für den Skeptiker und Interessierten habe ich versucht, alles möglichst genau zu dokumentieren. Dies bietet die Gelegenheit, das im Buch Behauptete anhand von Quellen- und Literaturangaben zu überprüfen. Auf diese Weise sollte sich jederzeit ein eigener Standpunkt und eine eigene Meinung zum kontroversen Thema »Homöopathie« bilden lassen.
Für mich selbst waren Recherche und Beschäftigung mit dem wissenschaftlichen Material einerseits aufregend, andererseits aber auch ernüchternd. Ich halte mich durchaus für einen modernen, aufgeklärten Zeitgenossen, der davon überzeugt ist, das ständige »Wissen-Schaffen« und »Nach-Erklärungen-Suchen« unserer Wissenschaftler sei die Antwort auf ein zutiefst menschliches Bedürfnis, sich das Funktionieren und die Rätsel der Welt erklären zu wollen.
Der modernen Wissenschaft scheint es auf diese Weise gelungen zu sein, den Religionen Stein um Stein das Unerklärbare und daher Göttliche zu entreißen. Daher vertraut der aufgeklärte Geist heute im Allgemeinen der Wissenschaft, ja, man könnte fast sagen, er vertraut der Allwissenheit unserer modernen Gelehrten fast so blind, wie der Bürger früher an die Allmacht der Kirche und ihrer Vertreter glaubte. Somit wäre der Wissenschaftler zum modernen Priester emporgestiegen. In der Tat sprechen wir von den »Göttern in Weiß«, was nicht von ungefähr kommt, da Ärzte und Forscher in unserer modernen Gesellschaft oft einen mehr als halbgottähnlichen Status innehaben. Ähnlich wie früher der Bürger kaum etwas von dem Kirchenlatein verstand, so geht es dem Laien heutzutage mit Fachwissen und Fachjargon. Was bleibt ihm folglich anderes übrig, als den Adlaten in ihren weißen Laborkitteln zu vertrauen, dass sie es an seiner Statt schon wissen werden? Und in aller Regel schenkt er ihnen uneingeschränkt Glauben. Während es früher die Hohepriester waren, die wussten, was für ihre Mitmenschen gut und was schlecht war, so sind es heute die Vertreter der Wissenschaft. Wird im Englischen vielleicht deshalb von der »scientific community«, der »Wissenschaftsgemeinde«, gesprochen?
Im Unterschied zu dem scheinbar machtgierigen und willkürlichen Handeln der Religionsvertreter besteht dabei ein tiefes Vertrauen in den modernen Forscher als einen selbstlosen Sucher nach der Wahrheit, der zudem dem Beweisprinzip unterstellt ist. Alles Streben seines wissenschaftlichen Handelns gilt demnach der Suche nach neuen Erkenntnissen, die durch Fakten nachvollziehbar, beweisbar und überprüfbar sein sollten. Beim idealen Wissenschaftler, dessen »Lichtgestalt« sich tief in unser kollektives Unterbewusstsein eingebrannt hat, wird davon ausgegangen, dass er neugierig, aufgeschlossen, unvoreingenommen und von einem unbändigen Forscherdrang beseelt ist, dass er mit Teamgeist und Fair Play seinen Kollegen gegenübertritt und dass bei ihm über allem die Wahrheitssuche steht.
Ein Blick hinter die Kulissen enttäuscht jedoch schwer. Denn da werden einem plötzlich all die Milliardengeschäfte bewusst, die mit Forschungsergebnissen gemacht werden. Wissen stellt somit einen erheblichen Machtfaktor dar. Genau wie in Wirtschaft, Politik, Kirche und anderen Institutionen besteht auch in den Tempeln der Wissenschaft die Gefahr, dass Macht korrumpiert, was einschlägige Untersuchungen und Studien leider immer wieder belegen: In der Forschung steht es mit der Suche nach der Wahrheit nicht zum Besten.2
Deutlich wird dies auch am Beispiel der Homöopathie. Man sollte eigentlich meinen, all diese neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, die zum Thema »Homöopathie« in den letzten Jahren aufgetaucht sind, würden, wenn schon nicht Verwunderungs- oder gar Entzückensschreie, dann doch zumindest Neugier bei den Akademikern auslösen. Da steht man kurz davor, endlich naturwissenschaftlich erklären zu können, warum diese kleinen Zuckerkügelchen, in denen ja nichts drin sein soll, solch phänomenale Wirkungen erzielen. Ist das nicht hochinteressant? Könnte dies nicht ganz neue Möglichkeiten für die Medizin eröffnen, ja die Forschung vielleicht sogar in ungeahnte Dimensionen vordringen lassen? Man sollte meinen, Wissenschaftler würden sich auf eine solche Gelegenheit stürzen, bei der die reelle Chance besteht, etwas wirklich sensationell und phänomenal Neues zu entdecken. Doch weit gefehlt. Sowohl die Geschichte der Homöopathie als auch die der jüngsten Homöopathieforschung ist voller Intrigen, Falschinformationen, Verdächtigungen, Standesdünkel, Profilierungs- und Profitsucht. Dabei wird anscheinend nach dem Motto vorgegangen: Was nicht sein darf, kann auch nicht sein. Man könnte fast meinen, es handle sich bei vielen Wissenschaftlern um eine Glaubensfrage, denn sie wollen von der Homöopathie ganz offensichtlich nichts wissen.
Um einen Begriff aufzugreifen, den Richard Smith, Ex-Chef des renommierten British Medical Journal geprägt hat, möchte ich an dieser Stelle das Verhalten und die Vorgehensweise der »wissenschaftlichen Inquisition« aufrollen, die mittels pseudowissenschaftlicher Vorgehensweisen, Ausnutzen von Machtpositionen, Druck, Einschüchterung, Lobbyarbeit und dem geschickten Gebrauch der Medien versucht, die Verbreitung und Anerkennung alternativer Therapien – allen voran der Homöopathie – zu verhindern. Andererseits möchte ich anhand dieses E-Books zeigen, dass die Homöopathie seit über 200 Jahren eine derart radikale Neuentdeckung darstellt, dass sie selbst heute noch nicht vollständig verstanden wird. Nachdem sie bereits in ihrer Anfangszeit der damaligen Schulmedizin weit überlegen war, könnte es ihr auch jetzt wieder gelingen, das medizinische Establishment in seinen Grundfesten zu erschüttern. Grund genug für bestimmte Kreise, sich bedroht zu fühlen, und Grund genug, sich wieder einmal der altbewährten Methoden zu bedienen.
Mir geht es nicht darum, die etablierte Medizin zu verteufeln und die Homöopathie als einzig wahre Therapieweise hochzujubeln. Mein Wunsch ist es vielmehr, dass zukünftig naturheilkundliche und schulmedizinische Maßnahmen zum Wohl des Einzelnen gemeinsam eingesetzt werden. Ich hoffe also, mit diesem Buch einen kleinen Beitrag dazu leisten zu können, dass in einem modernen Gesundheitswesen der Homöopathie ein fester Platz an der Seite der konventionellen Medizin eingeräumt wird.
Sven Sommer
HOMÖOPATHIE – DIE VERKANNTE MEDIZIN?
FÄLLE, DIE FÜR DIE HOMÖOPATHIE SPRECHEN
»Macht’s nach – aber macht’s genau nach!«
Samuel Hahnemann
Zwei Beispiele sollen erst einmal zeigen, welches Potenzial in der Homöopathie steckt. Zwar kann jeder Anhänger dieser Heilmethode über eine Vielzahl exzellenter Heilerfolge berichten, doch das bedeutet noch lange nicht, dass dem Homöopathen oder der Wirksamkeit seiner Mittel Glauben geschenkt wird. Deshalb sollen hier zwei Fälle aufgeführt werden, über die in den Medien, genauer gesagt im Fernsehen, berichtet wurde. Dieses Vorgehen steigert zwar nicht unbedingt deren Glaubwürdigkeit, bietet aber dem Skeptiker die Möglichkeit zur eigenen Recherche.
Fall 1: Hirnblutung bei Frühgeborenen
Hier handelt es sich um einen Fall aus der Universitätskinderklinik München, über den in einer Sendung des NDR berichtet wurde. Es ging dabei um den kleinen Felix, der elf Wochen zu früh geboren wurde. In seinem Gehirn befand sich ein geplatztes Blutgefäß. Der Kopfumfang des Jungen wuchs von Stunde zu Stunde – ein Zeichen dafür, dass die Blutung im Gehirn nicht aufhörte.
Seine Mutter war auf das Allerschlimmste vorbereitet worden – auch darauf, was es bedeuten würde, wenn der Junge überlebte und welche Folgen dies haben könnte. Die Ärztin Dr. Sigrid Kruse vom Klinikum der Universität München: »Es war sehr dramatisch. Wir standen mit dem Rücken zur Wand. Und in dieser Situation haben wir überlegt: Können wir mit einer begleitenden homöopathischen Behandlung helfen?« Erst als die Schulmedizin am Ende war und es Felix immer schlechter ging, bekam die Homöopathie ihre Chance. Dr. Kruse: »Wir haben mit der Mutter eine ausführliche Anamnese erhoben, sind die ganze Geschichte noch einmal durchgegangen, Geburt und Schwangerschaft. Dann haben wir mit der homöopathischen Behandlung begonnen – Arnica C200.«
Seitdem sind Jahre vergangen und Felix hat sich zu einem völlig gesunden Jungen entwickelt. Die Ärztin trifft ihren kleinen Patienten immer noch in regelmäßigen Intervallen. Der Erfolg zeigt sich besonders im Vergleich mit Felixʼ Zwillingsbruder – in der Entwicklung der beiden Jungen gibt es keinen Unterschied mehr. Dr. Sigrid Kruse dazu: »Es ist so überzeugend, so faszinierend, wenn wir diese kleinen Kügelchen geben und dann so eine große Wirkung erreichen, so eine große Reaktion, das ist für mich immer wieder aufs Neue beeindruckend. Auch wenn ich es nicht bis in die Einzelheiten erklären kann, ist es eine unheimlich schöne Erweiterung für unsere Medizin.« Die Erfahrungen von Sigrid Kruse belegen, so das Resümee der Sendung, »dass besonders Kinder auf homöopathische Mittel ansprechen. Aber im Moment weiß noch niemand, warum das so ist. Bisher gebe ›nur‹ der Erfolg der Methode Recht!«1
Fall 2: Inoperabler Pankreastumor
Der zweite Fall stammt aus einer Fernsehsendung in der ARD mit dem Titel »Homöopathie: Wirksamkeit eines Hauchs von Nichts«. Darin geht es um Emil Brehm, der inzwischen auf die alternative Heilmethode schwört, und das, obwohl er nicht unter einem banalen Schnupfen litt. Im Herbst 2004 diagnostizierten die Ärzte bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs: einen vier Zentimeter großen, inoperablen Tumor. Die Schulmediziner rieten ihm zu Bestrahlung und Chemotherapie, doch Emil Brehm lehnte ab. Gegen ihren Rat suchte er eine homöopathische Klinik auf. Dort verabreichte man ihm speziell auf seinen Fall abgestimmte homöopathische Mittel und Brehm fühlte sich damit täglich ein wenig besser. Auch nach dem Klinikaufenthalt blieb er in engem Kontakt mit den homöopathischen Ärzten. Die Auswahl der Homöopathika wurde bei regelmäßigen Terminen alle paar Wochen überprüft und neu angepasst. Parallel dazu ging Emil Brehm weiterhin zu schulmedizinischen Kontrolluntersuchungen. Bei einer dieser Untersuchungen konnten die Ärzte den Tumor schließlich nicht mehr entdecken.
Für Emil Brehm war das zunächst fast nicht zu glauben, doch nach ein paar Tagen bestätigte die Klinik nochmals den Befund – der Tumor war verschwunden. Heute fühlt er sich in seiner Entscheidung bestätigt: Nachdem er die ganzen Therapien abgelehnt hatte, die Chemo, die Bestrahlung und so weiter, und er praktisch nur Homöopathie gemacht habe, könne ihm ja nur diese geholfen haben. Die Schulmediziner bezweifeln das – für sie ist Emil Brehms Fall eine unerklärliche Spontanheilung. Das Fazit der ARD Sendung: »Die Forschung kann Emil Brehm noch nicht erklären, was ihn geheilt hat. Aber für ihn ist das auch nicht wichtig. Er ist froh, dass es ihm wieder besser geht.«2
Weitere Beispiele
Solche Fälle sind nicht untypisch in der Homöopathie. Ärzte und Heilpraktiker, die sie anwenden, werden sich zwar über die Heilerfolge bei Felix und Emil freuen, doch verwundern dürften diese sie nicht. Die Geschichte der Homöopathie ist voll von solchen Erfolgsstorys. »50 Gründe Homöopath zu sein«, eine kleine Abhandlung des englischen Arztes J. C. Burnett, die einen Briefwechsel mit einem allopathischen Kollegen wiedergibt, sei hier als weiteres Beispiel erwähnt. Darin beschreibt Burnett seine Heilerfolge mit der Homöopathie bei so unterschiedlichen Beschwerden wie Rippenfellentzündung, Brustkrebs, Gesichtsneuralgie, Gebärmutterblutung, Fersensporn und anderen Knochenauswüchsen, Aneurysma der Aorta, Grauer Star, Manie (Tobsucht), Taubheit, Angina pectoris und rheumatischer Entzündung des Herzens.3
Medizinhistorisch verdienen auch die sensationellen Behandlungserfolge beim Ausbruch der Pocken 1901 im amerikanischen Staat Iowa Beachtung. Dort wurde von homöopathischen Ärzten an Nichtgeimpften die Homöoprophylaxe durchgeführt – eine Art prophylaktischer Schutz gegen diese tödliche Infektionskrankheit. Dabei wurde das homöopathische Mittel Variolinum verwendet, das aus dem Inhalt der Pockenpustel hergestellt wird. Nach Dr. Charles Woodhull Eaton waren die Zahlen seiner Studie eher konservativer Natur, wollte er mit ihnen doch auf jeden Fall richtig liegen. So wurden nur die gut dokumentierten Fälle der homöopathischen Ärzte in die Statistik aufgenommen, obwohl damals tatsächlich weit mehr Patienten erfolgreich homöopathisch »geimpft« worden waren. Demnach hat man während der Epidemie knapp 3.000 Menschen gegen die Pocken prophylaktisch mit Homöopathie behandelt. Von diesen waren 550 dem Erreger mit größter Wahrscheinlichkeit ausgesetzt, beispielsweise weil ein Mitglied des Haushalts die »Blattern« hatte. Doch nur insgesamt 14 homöopathisch »Geimpfte« erkrankten an der hochgefährlichen Infektionskrankheit. Das bedeutet, dass gerade einmal 0,5 Prozent all der homöopathisch Behandelten oder 2,5 Prozent der höchstwahrscheinlich Infizierten die Pocken bekamen. Anders als bei der normalen Pockenimpfung traten bei der homöopathischen Prophylaxe keine schweren Nebenwirkungen auf. Das Mittel wurde ausgezeichnet vertragen.4 Für diejenigen also, die in Iowa nicht schon vor der Epidemie auf übliche Weise gegen die Pocken immunisiert worden waren, hatte die Schulmedizin damals kein Rezept – und hätte es bis heute nicht. Für die unglückselig Infizierten hätte es damals (wie heute) bedeutet, entweder unwahrscheinliches Glück zu haben und zu überleben – oder aber zu sterben!
Doch nicht nur historisch gesehen verdient die Homöoprophylaxe Beachtung: Nach Überflutungen, welche durch die alljährlichen Hurrikane auftreten, hat Kuba immer wieder mit einer Infektionskrankheit namens Leptospirose zu kämpfen. Der Erreger wird in den überfluteten Gebieten von Ratten auf den Menschen übertragen. Die Krankheit geht einher mit hohem Fieber, Schüttelfrost, starken Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Erbrechen, Gelbsucht, Bauchschmerzen oder Durchfall. Unbehandelt können Patienten Nierenschäden, Meningitis und Leberversagen entwickeln. Auch Todesfälle sind nicht untypisch. Da 2007 nicht genügend konventioneller Impfstoff vorhanden war, entschloss sich die Regierung von Kuba, 2,3 Mio. Menschen in einer Region, die von der alljährlichen Epidemie besonders betroffen ist, homöopathisch mit einer Leptospirose-Nosode zu »impfen«. Das Auftreten der Krankheit ging schon kurz danach drastisch zurück, Todesfälle durch Leptospirose traten überhaupt keine mehr auf. Die Wirkung der Homöoprophylaxe scheint dabei weit besser als die der normalen Impfung gewesen zu sein, trotz der es in den Vorjahren immer noch zu Todesfällen gekommen war. Weitere Vorteile: Die homöopathische »Prophylaxemaßnahme« kostete nur einen Bruchteil der üblichen Impfkampagne, das homöopathische Mittel brauchte, anders als der konventionelle Impfstoff, keine lückenlose Kühlkette und es konnte, im Gegensatz zum allopathischen Impfstoff, auch Kindern unter 15 Jahren sicher und problemlos verabreicht werden.5
Wie diese Fälle belegen, können Homöopathen nicht nur Bagatellkrankheiten wie Schnupfen und Blähungen behandeln, sie sind oftmals gerade dort erfolgreich, wo die konventionelle Medizin nicht mehr weiter weiß oder nur Behandlungsmethoden mit einem teilweise sehr hohen Risiko an Nebenwirkungen und Komplikationen zu bieten hat. Man sollte also meinen, dass vonseiten der Ärzte und Wissenschaftler zumindest Aufgeschlossenheit und Neugier besteht, warum das denn so ist. Was hilft hier? Wirken homöopathische Mittel vielleicht doch? Die Antwort fällt jedoch meist anders aus. Viele Schulmediziner bezweifeln die Wirksamkeit – für sie sind das alles unerklärliche Spontanheilungen, wie auch der Fall von Emil Brehm. Aber ist denn diese große Zahl »unerklärlicher Spontanheilungen« nicht etwas verblüffend? In der homöopathischen Literatur sind Tausende solcher Fälle dokumentiert. Man könnte fast auf den Gedanken kommen, bei Homöopathen träten solche »Wunder« unerklärlich häufig auf, denn ansonsten würden die Leute ja nicht zu ihnen in die Behandlung kommen. Warum also diese fast schon dickköpfige, trotzige und stur anmutende Ablehnung vonseiten der etablierten Medizin? Nur weil noch nicht genau bekannt ist, wie die Homöopathie funktioniert? Hat nicht die konventionelle Medizin selbst immer wieder Medikamente angewendet, von denen auch nicht bis ins letzte Detail geklärt war, wie sie wirken? Hier wird also mit zweierlei Maß gemessen. Es scheint ganz offensichtlich um viel mehr zu gehen als um die Frage nach der Wirksamkeit oder Unwirksamkeit einer Heilmethode.
HOMÖOPATHIE UND IMPFUNG
»Primo nihil nocere« (»zuerst einmal keinen Schaden zufügen«)
Teil des ärztlichen Versprechens
Die Kontroverse
Vermutlich gibt es kein anderes Thema, das die Gemüter mehr erhitzt, wenn es um die medizinische Versorgung unseres Nachwuchses geht, als die Debatte: Impfen – pro und contra. Homöopathen werden dabei im Allgemeinen ins Lager der Impfgegner abgeschoben, Schulmediziner dagegen sehen das Impfen in aller Regel als eine der großen Segnungen der Medizingeschichte an. Kaum einem der wild Debattierenden scheint dabei bewusst zu sein, dass die Impfung diejenige schulmedizinische Behandlungsmethode ist, die der Homöopathie für lange Zeit am nächsten stand. Mit diesem Kapitel möchte ich nicht in den Disput eingreifen, sondern lediglich die Parallelen und Diskrepanzen zwischen homöopathischer und schulmedizinischer Therapie am Beispiel der Pockenimpfung darlegen.
Das Ähnlichkeitsprinzip in Homöopathie und Schulmedizin
Der Grund für das, neben der etablierten Schulmedizin lange Zeit eher stiefmütterliche, Dahinvegetieren der Homöopathie war sicher nicht das Ähnlichkeitsprinzip. »Similia similibus curentur« (»Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden«) stellt den zentralen Grundgedanken der homöopathischen Heilmethode dar. Auch dieses Buch kommt immer wieder auf das Ähnlichkeitsprinzip zurück, wird ihm doch in der modernen Homöopathieforschung größte Wichtigkeit beigemessen. Diesem Wirkprinzip zufolge vermag eine Substanz, die bei einem gesunden Menschen bestimmte Krankheitssymptome hervorruft, einen Kranken mit denselben oder ähnlichen Symptomen zu heilen. Genau wegen dieses Prinzips haben die Gegner der Homöopathie diese Heilmethode immer wieder abschätzig belächelt und deren Vertreter verspottet. Das sei ja, als ob man bei einer Verbrühung gleich noch einmal heißes Wasser hinterherkippe, anstatt zu kühlen, oder bei einem Bienenstich den Gestochenen noch einmal von einer Biene stechen ließe, wird da gelästert.
Dabei vergessen die Spötter eines: Das Ähnlichkeitsprinzip ist auch der Schulmedizin nicht fremd! So scheint es kaum jemand aufgefallen zu sein, dass Edward Jenner, der »Urvater« der Impfung, und Samuel Hahnemann, Gründer der Homöopathie, nicht nur in derselben Epoche lebten, sondern dass die Erkenntnisse beider Männer über das Ähnlichkeitsprinzip im selben Jahr veröffentlicht wurden.
1796 veröffentlichte Hahnemann im Journal der praktischen Arzneikunde seine Erfahrungen mit der Chinarinde. Sechs Jahre zuvor musste dieser im Selbstversuch erkennen, wie er, der Gesunde, beim Einnehmen von »vier Quäntchen guter China« Symptome entwickelte, die stark an das »Wechselfieber« (heute würde man von Malaria sprechen) erinnerten, gegen das das Mittel eigentlich eingesetzt wurde. Daraufhin unternahm Hahnemann noch eine ganze Reihe weiterer Tests (Arzneimittelprüfungen genannt) mit anderen Mitteln, bevor er mit seiner neuen Heilmethode an die Öffentlichkeit trat.
Im Mai desselben Jahres führte Edward Jenner in England seine erste Pockenimpfung an einem Jungen durch. Ihm wird die bahnbrechende Entdeckung zugeschrieben, dass bei Bauern, welche die weniger gefährlichen Kuhpocken durchgemacht hatten, eine erhöhte Resistenz oder gar völlige Immunität gegen die weitaus gefährlicheren »Blattern« bestand. Daraus folgerte er: Durch eine künstlich herbeigeführte Infektion mit Kuhpocken könne ein Schutz gegen die Pocken entstehen. Dies war die Geburtsstunde der modernen Impfung und Immunisierung – und (!) ein ganz typisches Beispiel für das homöopathische Ähnlichkeitsprinzip.
Die hohen Verdünnungen der Homöopathie
Warum, mag man nun ein wenig verblüfft fragen, hat die Homöopathie in der Medizin dann eher ein Außenseiterdasein geführt, während die Immunisierung durch Impfung bis heute von etablierter Seite als eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin bejubelt wird? Dafür lassen sich mehrere Gründe anführen, doch der wichtigste dürfte sicherlich in den extrem hohen Verdünnungen der homöopathischen Mittel liegen. Hahnemann wurde rasch klar, dass er bei der Anwendung giftiger und infektiöser Stoffe mit starken Reaktionen rechnen musste – sowohl in der Testung (Arzneimittelprüfung) am Gesunden als auch bei der Anwendung am Kranken. Da er seinen Beruf als Arzt schon einmal an den Nagel gehängt hatte, weil er die recht brutalen Heilmethoden seiner Zeit, wie den schwächenden Aderlass und die Behandlung mit stark giftigen »Antibiotika« (damals wurden hochtoxische Quecksilberverbindungen verwendet), nicht verantworten konnte, nahm er bei seiner neuen Heilmethode das »primo nihil nocere« (»zuerst einmal keinen Schaden zuzufügen«) des ärztlichen Versprechens sehr ernst. Also verdünnte er die Ausgangssubstanz. Er verdünnte und verschüttelte, verdünnte und verschüttelte, bis er die Avogadro´sche Zahl (6.0221351 x 1023) überschritten hatte.
Avogadro, ein italienischer Physiker, hatte Anfang des neunzehnten Jahrhunderts berechnet, ab welchem Verdünnungsgrad kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz mehr vorhanden ist. Seither weiß man, dass ab der 12. Centesimalpotenz (C12) oder der 24. Dezimalpotenz (D24) chemisch gesehen nichts mehr enthalten ist. Das bedeutet: Homöopathen arbeiten bei Potenzen bis zur C12 mit zunehmend weniger Molekülen, ab der C12 – naturwissenschaftlich gesehen – mit keinem einzigen Molekül der Ausgangssubstanz, also mit »nichts«. Der etablierten Medizin war und ist das bis heute entschieden zu wenig. Da halfen auch all die Erfolgsmeldungen der Homöopathie nichts, beispielsweise bei den Typhus- und Choleraepidemien jener Zeit, in denen sie hervorragende Resultate erzielte. Denn wo nichts (oder kaum was) drin ist, da kann auch nichts (oder nur wenig) sein, das hilft.
Die Pockenimpfung – effektiv, aber reich an Nebenwirkungen
Edward Jenner war schon eher ein Vertreter der alten Schule und daher weniger zimperlich. Er impfte seinen ersten Probanden, den bereits erwähnten Jungen, mit einem Filtrat aus dem Hautausschlag der Kuhpocken. Nur sechs Wochen später infizierte er ihn dann mit den echten Pocken. Der Versuch glückte, der Junge überlebte und wurde nicht krank. Jenners Sohn und viele andere hatten dagegen weniger Glück. Vom Vater im zehnten Lebensmonat eigenhändig geimpft, wurde das Kind nach der Impfung schwachsinnig und starb mit 21 Jahren. Auf dem eigenen Sterbebett soll der englische Arzt deshalb seine Entdeckung noch infrage gestellt haben.
Doch die Pockenimpfung hatte offensichtlich Erfolg – mit ihr gelang beinahe die Ausrottung dieser gefährlichen Erkrankung. Und: Sie stellt ein klassisches Beispiel für die Richtigkeit des homöopathischen Ähnlichkeitsgesetzes dar! Jedoch war sie – da nicht ausreichend abgeschwächt – bis zum Schluss mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden, die man jedoch von medizinischer Seite in Kauf nahm, um der Seuche Herr zu werden. Das Motto der Gesundheitsbehörden war: lieber ein paar Schwachsinnige, Dahinsiechende und etliche impfbedingte Todesfälle als eine Epidemie mit Unmengen von Toten. Verständlich, könnte man vielleicht sagen und dennoch wurden Tausende von Menschen Opfer des Impfstoffs. Deshalb wurde die ehemalige Pflichtimpfung mit der »offiziellen« Ausrottung der Pocken umgehend aus dem Verkehr gezogen.
Wie kann eine »Placebomedizin« neben der Schulmedizin so erfolgreich sein?
Zurück zur Homöopathie: Für den naturwissenschaftlich aufgeklärten Geist des 19. und 20. Jahrhunderts war es klar, dass die Homöopathie »reinster Hokuspokus« sein musste. Hahnemann und Co. hatten es mit dem »primo nihil nocere« einfach zu weit getrieben. Mögliche positive Effekte eines homöopathischen Mittels wurden als reiner Placeboeffekt abgetan. Die Frage ist, warum wirkt sie dann bei Kleinkindern und Tieren? Sollten sich Eltern und Tierhalter die positiven Effekte wirklich nur einbilden? Wenn dem tatsächlich so wäre, muss man sich fragen, warum sich dann diese angebliche »Placebomedizin« trotz allem so erfolgreich neben der Schulmedizin halten konnte und kann? Vielleicht für eine Weile von ihr in den Schatten gestellt, aber doch seit 200 Jahren präsent. Ärzte können mittlerweile sogar eine Fachausbildung zum Homöopathen absolvieren, was ihr Studium um einige Jahre verlängert – nur um als Experte für und mit dem großen »Nichts« zu arbeiten?
Mittlerweile gilt die Homöopathie als wichtigste Alternative zur etablierten Medizin. Seit einigen Jahren reitet sie auf einer Welle breiter öffentlicher Akzeptanz: Hinz und Kunz, junge Mütter mit ihren Kindern, Ökos, ja sogar tüchtige Geschäftsleute sowie Omas und Opas, also das ganze Spektrum der Bevölkerung geht heute nicht nur in den Bioladen, sondern auch zum Homöopathen. Anfangs haben viele Mediziner ihre Patienten noch lauthals ausgelacht, wenn sie die Einnahme homöopathischer Mittel eingestanden. Heute ist man vielfach aufgeschlossener. Gefragt nach einem möglichen Sinneswandel, versuchen die ehemaligen Gegner das Gesicht zu wahren. Man besinnt sich wieder auf das alte, scheinbar vergessene »primo nihil nocere«. Nicht dass man nun als Naturwissenschaftler unbedingt an die Homöopathie glaube. Aber bei vielen banalen oder viralen »Wehwehchen«, zu deren Behandlung früher ein Antibiotikum (»unter uns, eher als Placebo oder weil danach gefragt wurde«) verordnet wurde, täte es ein homöopathisches Mittel genauso, nach dem Motto: »Wenn es hilft, dann ist es gut, schaden tut’s sicherlich nicht.« Das eigene Immunsystem sei einfach nicht zu übertreffen. Klingt aus solchen Worten ein neuer therapeutischer Realismus heraus? Oder schlimmer gar, das indirekte Eingestehen therapeutischen Versagens? Vielleicht ist es erlaubt, die Fragestellung einmal umzudrehen: Falls die Homöopathie wirklich nur auf einem reinen Placeboeffekt beruhen sollte, was sagt dies über Zustand, Effizienz und Wirksamkeit der etablierten Medizin und ihrer Medikamente aus, wenn sich so etwas »Schamanenhaftes«, das mit dem »Nichts« arbeitet, neben ihr so erfolgreich halten kann? Mit den großen Errungenschaften der modernen Medizin kann es ja nicht so weit her sein. Die Schulmedizin kann also nur hoffen, dass sich die Homöopathie als eine effektive Heilmethode erweist. Ansonsten würde sie selbst, so etabliert sie auch dastehen mag, ein recht trauriges Bild abgeben.
Wie es aussieht, hat die etablierte Medizin noch einmal Glück gehabt, denn die Forschungsergebnisse der letzten Jahre in Bezug auf die Wirksamkeit der Homöopathie sind viel versprechend und aufregend. Dies lässt auf weitere Untersuchungen hoffen. Die Neugier nicht vieler, doch zumindest einiger Wissenschaftler ist geweckt. Sie stehen heute kurz davor, erklären zu können, warum und wie das »Nichts« in den homöopathischen Mitteln wirkt. Für skeptische und dennoch aufgeschlossene Naturwissenschaftler ein höchst spannendes Thema!
Zusammenfassend lässt sich somit sagen: Homöopathie und Immunisierung durch Impfung scheinen auf einem ähnlichen Wirkprinzip zu beruhen. Während beide Methoden heute mit abgeschwächten Ausgangsstoffen arbeiten, um gefährliche Reaktionen zu vermeiden, erfreut sich nur die Impfung größter offizieller Anerkennung. Die Homöopathie dagegen wird von offizieller Seite weitgehend als Placebomedizin abgetan. Dennoch gewinnt sie in der Bevölkerung zunehmend an Popularität. Die etablierte Medizin muss sich also fragen, in welchem Zustand sie sich befindet, wenn sich eine Heilmethode hartnäckig neben ihr halten kann, die angeblich nur auf wirkungslosen Zuckerkügelchen basiert. Oder sind Homöopathika vielleicht doch viel effektiver als bisher gedacht oder erlaubt?
In den kommenden Kapiteln werde ich im Detail auf die neuen Erkenntnisse in der Homöopathieforschung eingehen. Zuerst soll aber das geschichtliche und wissenschaftliche Fundament, auf dem die Homöopathie steht, umrissen werden. Anschließend sollen klinische Studien am Menschen verdeutlichen, dass homöopathische Mittel bei vielen Beschwerden eine weit bessere Wirkung aufweisen als ein Placebo. Neue physikalische Erkenntnisse über potenziertes Wasser als möglichen Informationsspeicher scheinen den Transfer von Information auf Zellkulturen und lebende Organismen zu erlauben. Was geht hier vor sich? Um das alles verstehen zu können, muss man die chemischen Erklärungsmodelle verlassen und sich in die moderne Biophysik begeben. Zudem existieren eindeutige Hinweise, die besagen, dass Homöopathika bei Zellkulturen und lebenden Organismen Wirkungen zeigen, bei denen weder ein Placebo noch Suggestion eine Rolle spielen. Welche Konsequenzen haben diese modernen Erkenntnisse zur Homöopathie für Gesundheitswesen, Behandler und Patienten? Zur Beantwortung dieser Fragen gibt es mittlerweile Erklärungsmodelle, auf die ich im Folgenden eingehen werde.
Empirische Erfolge bei Homöopathie und Aspirin®
Der überzeugte Homöopathieanwender könnte nun den Kopf schütteln und sagen: »Mir ist das alles egal. Ich weiß, dass die Homöopathie funktioniert – das reicht mir.« Nun, es mag so sein wie mit dem Aspirin®. Jahrzehntelang konnten sich die Wissenschaftler nicht erklären, warum es so erfolgreich bei Kopfschmerzen war. Dies ließ die meisten Schulmediziner völlig kalt, denn empirisch war der Erfolg gesichert. Der große Unterschied ist jedoch: Eine Tablette Aspirin® enthält 500 mg Acetylsalicylsäure, eine chemische Substanz, von der man wusste, dass sie biochemisch irgendetwas anstellen würde. Dem gegenüber enthält eine homöopathische Tablette – nach gängiger naturwissenschaftlicher Meinung – ab einer bestimmten Verdünnung bzw. Potenz nichts mehr, was noch irgendetwas bewirken könnte. Das scheint so nicht länger haltbar zu sein. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse dürften somit nicht nur das Bild der Homöopathie, sondern auf Dauer auch das der Schulmedizin revolutionieren. Für die Anhänger der Homöopathie ist das beginnende 21. Jahrhundert deshalb eine aufregende Zeit.
KURZGESCHICHTE DER HOMÖOPATHIE
Die Geschichte der Homöopathie ist einerseits geprägt vom Kampf nach Anerkennung, andererseits aber von dem Bedürfnis, diese aufkommende Therapiemethode bereits im Keim zu ersticken.
Samuel Hahnemanns Homöopathie
Die Anfänge der Homöopathie sind so tief mit der Person ihres Gründers, Christian Friedrich Samuel Hahnemann, verwoben, dass man nicht umhinkommt, ein paar Worte über dessen Lebensweg zu verlieren. Samuel Hahnemann wurde im April 1755 in Meißen geboren. Sein Vater, ein Porzellanmaler der berühmten Manufaktur zu Meißen, ermöglichte ihm eine humanistische Bildung an der Schule St. Afra. Hahnemann verfügte bereits während seiner Schulzeit über eine außergewöhnliche Sprachbegabung und verdiente sich während seines Studiums mit Nachhilfeunterricht und Übersetzungsarbeiten seinen Lebensunterhalt. Er beherrschte Griechisch, Latein, Englisch, Französisch, Italienisch, Hebräisch und Arabisch. Mit zwanzig Jahren begann er an der Universität Leipzig Medizin zu studieren, zog dann nach Wien und verfasste knapp fünf Jahre später seine Doktorarbeit in Erlangen. Danach vertiefte er im Labor der Mohrenapotheke zu Dessau sein Wissen über die Chemie. Während dieser Zeit lernte er seine erste Frau Henriette kennen, mit der er in der Folge elf Kinder bekam. Frustriert vom Versagen der Medizin seiner Zeit gab er aber recht bald seine ärztliche Praxis auf und hielt sich und seine Familie in den Folgejahren hauptsächlich mit Übersetzungen über Wasser. Erst im Alter von fünfunddreißig Jahren machte er den bereits erwähnten Versuch mit der Chinarinde, den er sechs Jahre später zusammen mit dem Ähnlichkeitsprinzip veröffentlichte. 1796 publizierte Hahnemann in Hufelands Journal seine Idee über eine neue Heilweise: Versuch über ein neues Prinzip zur Auffindung der Heilkräfte der Arznei-substanzen, nebst einigen Blicken auf die bisherigen. Im Rückblick gilt dies als offizielle Geburtsstunde der Homöopathie.
Bereits in den Jahren zuvor hatte es sich Hahnemann allerdings mit der Ärzteschaft gründlich verscherzt, indem er es wagte, mit dem Leibarzt des Kaisers den gesamten Berufsstand öffentlich zu kritisieren, nachdem Leo II. von Österreich nach einem Aderlass starb. Hahnemann schrieb dazu in einem Artikel: »Die Kunst fragt, wie man … einem abgemagerten, durch Anstrengung des Geistes und langwierigem Durchfall entkräfteten Manne viermal binnen 24 Stunden den Lebenssaft abzapfen dürfe, immer, immer ohne Erleichterung. Die Kunst erblasst.«
Heute wissen wir natürlich, dass Hahnemann mit seiner damaligen Kritik Recht hatte. Doch sein Berufsstand verzieh ihm diese Vorwürfe nie und erschwerte ihm von da an das Leben, wo immer es möglich war. Medizinhistorikern zufolge dürfte der häufige Aderlass zu Hahnemanns Zeit mehr Patienten geschadet als geholfen haben. Deshalb verschwand diese Methode auch später nahezu vollständig aus dem schulmedizinisch-therapeutischen Repertoire. Hahnemann war also schon hier seinen Kollegen – jeder Kritiker muss ihm das eigentlich zugestehen – einen großen Schritt voraus. Was hätte er wohl heute über die häufig angewandten Chemotherapien in der Krebsbehandlung zu sagen? Würde er nicht vielleicht ganz ähnliche Worte finden? Und würde diese Kritik nicht sogar noch durch die neuen epidemiologischen Daten der Uni München zur Zehnjahres-Überlebensrate bei Krebserkrankungen untermauert, die jetzt leider den fehlenden bzw. gar rückläufigen Nutzen durch Chemotherapien bei Tumoren von Darm, Brust, Bronchien und Lungen belegen?1
Bis 1804 führte Hahnemann ein rastloses Leben und zog kreuz und quer durch Deutschland. In Torgau kaufte er sich endlich ein kleines Haus und ließ sich für fünf Jahre nieder. 1807 nannte er seine neue Heilmethode zum ersten Mal Homöopathie und drei Jahre später veröffentlichte Hahnemann sein Lehrbuch der Homöopathie, das Organon der rationellen Heilkunst.
Das Buch sei einer der ersten Versuche in der Medizingeschichte, so schreiben die Wissenschaftler und Ärzte Bellavite und Signorini, die Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten von Gesundheit und Krankheit durch rationelles wissenschaftliches Vorgehen und Experimentieren zu entschlüsseln. Auch in medizinischen Fachkreisen sei diese Tatsache bis dahin geflissentlich übersehen worden. Die im Organon entwickelten Ideen dürften aber viel zu fortschrittlich für den primitiven Zustand der Schulmedizin zur damaligen Zeit gewesen sein. Selbst über die Jahrhunderte hinweg habe es nur wenige aufgeschlossene Geister in der konventionellen Medizin gegeben, die die Homöopathie wirklich verstanden hätten. Den meisten sei es einfach nicht möglich gewesen, Erkenntnisse und Einsichten zu akzeptieren, die dem Wissen ihrer Zeit so weit voraus waren.2
Von 1811 bis 1821 lebte Hahnemann in Leipzig, wo er nach seiner Habilitation an der dortigen Universität Vorlesungen über die Homöopathie hielt. In dieser Zeit entstand die Reine Arzneimittellehre, in der er die Ergebnisse der bis dahin getätigten Arzneimittelprüfungen festhielt. Nach mehr oder weniger erfolgreichen Jahren musste er die Stadt wieder verlassen, da er sich mit der dortigen Apothekerschaft überworfen hatte.
Hahnemann legte sich also auch mit dem Pharmagewerbe seiner Zeit an. Das lag vielleicht unter anderem daran, weil er durch seine Frau, Stieftochter eines Apothekers, Einblick in die Geschäftspraktiken hatte. Er bestand jedenfalls darauf, seine Arzneimittel selber herzustellen und abzugeben. Hahnemann traute den Pharmazeuten offensichtlich nicht über den Weg und die Geschichte ist voller Beispiele, die ihm Recht geben sollten. Jene Anekdote ist besonders amüsant, in der ein Homöopath »Madaroma fraudulosus« aufs Rezept schrieb und eine Apotheke prompt das Rezeptierte verkaufte. Auf dem Etikett dieses »homöopathischen« Mittels, das es übrigens überhaupt nicht gibt, war auf Lateinisch zu lesen: »Betrügerischer Glatzkopf«. Die Apotheke hatte – für gutes Geld – einfach nur Milchzuckertabletten unter diesem zugegebenermaßen hinterhältigen Fantasienamen abgegeben. Trotz alledem blieben Homöopathika in Deutschland immer apothekenpflichtig, sprich: nur dort erhältlich. So war Hahnemann des Öfteren gezwungen gewesen, Hals über Kopf umzuziehen, weil die Apothekergilde ihn wegen Selbstdispensierung seiner Mittel gerichtlich verfolgen ließ. In Pharmakreisen jener Zeit war man zudem mit der neuen Therapie unzufrieden, da sich mit der Verordnung von immer nur einer winzigen Dosis des jeweiligen homöopathischen Mittels nicht viel Geld verdienen ließ. Es ging also schon damals vorrangig um den Profit.
Herzog Ferdinand von Anhalt-Köthen gestattete Hahnemann jedoch, sich in Köthen niederzulassen und dort ohne Einschränkungen der Arzneiherstellung zu praktizieren. Hier blieb der Homöopath bis 1835. Fünf Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau zog Hahnemann dann nach Paris, wo er acht Jahre später nach einem erfüllten und abwechslungsreichen Leben starb. Auf seine letzten Jahre werde ich an anderer Stelle noch eingehen.
Dass Hahnemann ständig dabei war, seine Heilmethode weiterzuentwickeln, soll kurz an den Potenzen und am Einsatz von Doppelmitteln verdeutlicht werden. Während er relativ schnell begann, seine Mittel zu verdünnen, um starke Reaktionen zu vermeiden, sprach er erst dreißig Jahre nach der ersten Veröffentlichung des Ähnlichkeitsprinzips von den »Potenzen« und dem »Potenzieren«. Dabei wird nach jedem Verdünnungsschritt das Mittel kräftig verschüttelt. Wie zu sehen sein wird, ist dieses Aufbringen von kinetischer Energie zwischen jeder Verdünnungsstufe immens wichtig für die Wirksamkeit der Hochpotenzen. Die Dezimal- (D-) und Centesimal- (C-) Potenzen sind bis heute die gängigsten Verdünnungsstufen. Für eine D1- (C1-) Potenz wird ein Tropfen mit neun (99) Tropfen Alkohol verdünnt und danach kräftig verschüttelt. Für die D2 (C2) werden diese Schritte wiederholt. Die D-Potenzen entsprechen somit einer Verdünnung von 1:10, die C-Potenzen von 1:100.
Es wird zwar immer wieder behauptet, Hahnemann sei zeit seines Lebens vehement gegen die Anwendung von mehreren homöopathischen Mitteln gleichzeitig gewesen, doch das ist nicht wahr. Mittlerweile ist bekannt, dass er in Paris sehr wohl Doppelmittel anwendete und dass er vorhatte, in der fünften Auflage seines Organons einen entsprechenden Paragrafen einzufügen, was ihm aber von Verleger und Freunden ausgeredet wurde. Der Grund: Die Doppelmittel hätten zu sehr an die Arzneimischungen der Allopathen erinnert und die Lehre der Homöopathie verwässern können. Aus den in der Zwischenzeit veröffentlichten Behandlungsprotokollen Hahnemanns geht jedoch unzweifelhaft hervor, dass er selbst gegen fast jede seiner eigenen Regeln verstoßen hat, um für den einzelnen Patienten die beste Therapie zu ermöglichen.3 Das zeigt: Nicht so sehr Dogmatismus, sondern praktische Erfahrungen am Krankenbett standen für ihn im Vordergrund bei der therapeutischen Anwendung seiner Homöopathie.
Zu Hahnemanns Lebzeiten verbreitete sich die Homöopathie schnell. Grund dafür war sicherlich die extrem rückständige Medizin jener Zeit. Hahnemann feierte dagegen mit seinen Mitteln, aber auch mit seinen Hygiene- und Diätvorschriften, große Erfolge. Das nächste Kapitel wird zeigen, wie sehr die Homöopathie der Schulmedizin bei den damals grassierenden Epidemien überlegen war.
Die Homöopathie nach Hahnemanns Tod
Am Ende seines langen Lebens wurde Hahnemanns neue Heilweise in den meisten europäischen Ländern, in den USA, Mexiko, Kuba und Russland praktiziert. Wenige Jahre später war sie zudem in Indien und Lateinamerika bekannt. Im 19. Jahrhundert erlebte die Homöopathie dann in den USA ihre große Blüte. Sie wurde dort an Universitäten gelehrt, an Unikliniken praktiziert und stand eine Zeitlang nahezu gleichberechtigt neben der konventionellen Medizin. Berühmte Homöopathen wie Konstantin Hering oder Prof. Dr. James Tyler Kent stammen aus dieser Periode. Die dortige Schulmedizin sah diese Entwicklung jedoch als eine direkte und große Bedrohung. Deshalb wurde allen Mitgliedern der American Medical Association (AMA) unter Androhung eines Rauswurfs verboten, mit Homöopathen zu verkehren. Diese durften auch keine Mitglieder der AMA werden, Studenten von Universitäten mit einem festen Lehrstuhl für den Bereich Homöopathie wurden nicht aufgenommen. Man versuchte also, die Homöopathie zu diskreditieren, wo es nur ging.
Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erschien dann zudem der Flexner Report, auf dessen Basis die medizinischen Hochschulen in Amerika bewertet wurden. Dabei bekamen die Ausbildungsstätten mit homöopathischem Schwerpunkt schlechte, die mit den Schwerpunkten Physiologie, Pathologie und Chemie gute Bewertungen. Nachdem aber nur Absolventen von gut bewerteten Universitäten ihr Studium anerkannt bekamen, war dies der Todesstoß für die amerikanische Homöopathie. Von den zweiundzwanzig homöopathischen Hochschulen, die 1900 noch geöffnet hatten, unterrichteten 1923 nur noch zwei. Als die letzten Stiftungsgelder nach dem Börsencrash am »Schwarzen Freitag« 1928 verloren gegangen waren, war es mit der amerikanischen Homöopathie erst einmal vorbei. 1950 praktizierten in den gesamten Vereinigten Staaten schätzungsweise noch hundert Homöopathen. Ein Jahrhundert zuvor waren es alleine in New York so viele gewesen.
Doch nicht nur politische Intrigen und wirtschaftliche Gründe waren Schuld am Zerfall der Homöopathie. Die großen wissenschaftlichen und pharmakologischen Entdeckungen führten zur Entwicklung von neuen Impfstoffen und Antibiotika, zu verbesserten schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten et cetera. Somit konnten lebensgefährliche Infektionskrankheiten von der Schulmedizin wesentlich schneller und effizienter behandelt werden als bisher. Dazu ging die Anzahl gefährlicher Infektionskrankheiten auf Grund verbes-serter Lebensumstände deutlich zurück. Weiterhin erlaubten neue Narkosetechniken immer bessere Operationsmethoden. Hier machte die bis dahin rückständige orthodoxe Medizin plötzlich Riesenschritte und überholte die Homöopathie in ihrer Effektivität.
Da half es auch nicht, dass die Homöopathen seit Hahnemann rigoros auf Konfrontationskurs gegen die etablierte Medizin gegangen waren und alles schulmedizinische Handeln als Unterdrückung von Krankheit und damit als eigentlich zutiefst schädlich ansahen. Von beiden Seiten war der Wunsch nach einem Konsens gleich null. Zudem gab die Homöopathie nach außen hin kein einheitliches Bild ab, da es in ihr die unterschiedlichsten Bewegungen und Strömungen gab, die sich gegenseitig oftmals nicht anerkannten. Dies alles führte in der Folge zu einer so deutlichen Überlegenheit der konventionellen Medizin, dass die Homöopathie in den wohlhabenden Ländern der Ersten Welt für gut fünfzig Jahre fast keine Bedeutung mehr hatte. In ärmeren Gegenden wie auf dem subindischen Kontinent oder in Lateinamerika spielte die Medizin Hahnemanns jedoch durchgehend bis heute eine wichtige Rolle, da sie – ganz anders als die modernen pharmazeutischen Präparate – für den armen Mann weiterhin erschwinglich blieb. Mit Mahatma Gandhi und Mutter Teresa hatte die Homöopathie beispielsweise zwei große Befürworter in Indien.
Homöopathie heute
Seit knapp zwanzig Jahren erfährt die Homöopathie weltweit eine wahre Renaissance. 40 Prozent der holländischen, über ein Drittel der französischen und bis zu 37 Prozent der englischen Allgemeinärzte arbeiten mit alternativen Methoden, am häufigsten mit der Homöopathie. In Frankreich verschreiben 11.000 Ärzte Homöopathika – der Statistik nach nehmen 30 Prozent der französischen Bevölkerung diese Mittel auch ein. Mit dem englischen Königshaus und speziell mit Prinz Charles hat die Homöopathie einen königlichen Fürsprecher in Großbritannien. In Deutschland haben bis zur Gesundheitsreform 2004, die seitdem die Verordnung von naturheilkundlichen Präparaten per Kassenrezept nahezu unmöglich macht, bis zu 20 Prozent der Ärzte Homöopathika zumindest gelegentlich verschrieben. Zudem arbeiten hierzulande weit über 20.000 Heilpraktiker, etliche Tausend davon als Homöopathen, die ausschließlich homöopathische Mittel verordnen. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2001 haben sich 37 Prozent der Deutschen schon einmal homöopathisch behandeln lassen, und fast drei Viertel der deutschen Bevölkerung verwendeten im Jahre 2002 regelmäßig oder zumindest gelegentlich Naturheilmittel. In den Vereinigten Staaten sind in den neunziger Jahren die Umsätze homöopathischer Medikamente jährlich um 20 bis 25 Prozent gestiegen.4
Eine repräsentative Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigte im Spätsommer 2009, dass heute fast allen Deutschen die Homöopathie zumindest ein Begriff ist. Mehr als die Hälfte nutzt homöopathische Präparate. 1970 waren es erst halb so viele. Jeder Vierte ist in der Zwischenzeit sogar ein begeisterter Anhänger der Homöopathie, der sich von deren Wirksamkeit selbst überzeugt hat. Weitere 26 Prozent nehmen Homöopathika, enthalten sich aber eines eindeutigen Wirksamkeitsurteils. Nur eine kleine Zahl zeigte sich von der Homöopathie enttäuscht: Lediglich zwei Prozent der hiesigen Bevölkerung halten homöopathische Mittel eigenen Erfahrungen nach für unwirksam. Die Nutzer homöopathischer Mittel berichten von der erfolgreichen Anwendung vor allem bei Erkältungen und grippalen Infekten (60 Prozent). Daneben werden Homöopathika gegen ein breites Spektrum verschiedenster Krankheitsbilder eingesetzt: von Magen- und Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit über Nervosität, Hautkrankheiten und Kreislaufstörungen bis hin zu Bronchitis. Aber auch zur Unterstützung bei der Genesung von Krankheiten und bei der Behandlung von Sportverletzungen kommt die Homöopathie zum Einsatz. Zwei Drittel der Bevölkerung geben an, dass homöopathische Arzneimittel kaum Nebenwirkungen haben, mehr als die Hälfte hält sie ausdrücklich für gut verträglich. Unerwünschte Wechselwirkungen bei der Einnahme zusammen mit anderen Medikamenten werden dabei kaum befürchtet.
Diese wachsende Popularität der Homöopathie hat jedoch wieder verstärkt ihre Gegner aufs Parkett gerufen. Für sie sind das alles bedenkliche Entwicklungen, die unterbunden gehörten, und so wird in letzter Zeit wieder kräftig gegen die Homöopathie interveniert (siehe Kapitel 5). Doch anders als vor hundert Jahren, als die Schulmedizin durch neue Forschungserkenntnisse aus dem finstersten Mittelalter in die Neuzeit katapultiert wurde und in der Folge ihre großen Erfolge feiern durfte, ist es jetzt die Homöopathie, die in Kürze durch modernste Erkenntnisse ihren »Quantensprung« ins einundzwanzigste Jahrhundert machen dürfte.
Dagegen befindet sich die etablierte Medizin in zahlreichen Bereichen in der Sackgasse. Vielen chronischen Beschwerden steht sie hilflos gegenüber. Wenn man die jährlich steigenden Erkrankungen und Todesfälle bei Herz-Kreislauf-Beschwerden und Krebs betrachtet, muss man zu dem Schluss kommen, dass sie hier ganz offensichtlich versagt. Zwar lässt sich Diabetes heute medikamentös behandeln, doch das täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass diese Krankheit sich pandemieartig ausbreitet. Auch Befindungsstörungen ohne klaren Befund stehen Schulmediziner hilflos gegenüber, und gegen die wachsende und schleichende Vergiftung unserer Organismen durch die zunehmende Umweltbelastung sowie durch synthetische Stoffe aller Art hat sie keine Lösungsansätze, da sie selbst in aller Regel nur weitere chemische Keulen anzubieten hat. Wichtig wäre hier ein neuer Therapieansatz mit dem Ziel, die Selbsterhaltungs- und Selbstreparaturmechanismen des menschlichen Körpers bis in die kleinste Zelle hinein zu optimieren und zu stärken. Und die aktuellen Forschungsergebnisse lassen schon jetzt den Schluss zu, dass die Homöopathie genau das tut.
DIE ERFOLGE
Goethe, dem die Homöopathie dabei half, nach einem schweren Herzinfarkt zu genesen, schrieb in einem Brief vom 2. September 1820:
»… ich glaube jetzt eifriger denn je an die Lehre des wundersamen Arztes, seitdem ich die Wirkung einer allerkleinsten Gabe so lebhaft gefühlt und immer wieder empfinde.«
Das wissenschaftliche Fundament der Homöopathie
Dass die Homöopathie so gar keine wissenschaftliche Anerkennung erfährt, sollte einen ja schon ein wenig nachdenklich stimmen. Denn Samuel Hahnemanns Heilweise erfüllt sämtliche Anforderungen, die an ein logisches wissenschaftliches Konzept gestellt werden. Dabei geht die Hypothese »Similia similibus curentur« davon aus, dass eine Substanz, die bei einem gesunden Menschen bestimmte Krankheitssymptome hervorruft, einen kranken Menschen mit denselben oder ähnlichen Symptomen zu heilen vermag (siehe ab →hier).
Ein uns allen bekanntes Beispiel soll das Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie noch einmal verdeutlichen: Der Stich einer Biene (lat. Apis mellifica) führt zu einer blassroten Schwellung mit stechenden Schmerzen, die durch kalte Anwendungen gelindert werden. Leidet ein Patient nun unter einer ähnlichen Symptomatik – sei es im Rahmen einer Allergie, einer Halsentzündung, einem akut entzündlich rheumatischem Geschehen oder einem Insektenstich –, dann hilft Apis mellifica, homöopathisch aufbereitet. Bei diesem Beispiel wird auch die Notwendigkeit deutlich, das homöopathische Mittel – im Falle eines Bienenstiches könnte man ja sogar von einem »Gegenmittel« sprechen – in verdünnter Form zu geben. Sonst kann es leicht zu Überreaktionen kommen.
Um nun in der Homöopathie den Symptomenkomplex einer bestimmten Substanz zu ermitteln, wird diese an einer Gruppe gesunder Testpersonen geprüft, die das Mittel so lange einnehmen, bis sie Symptome entwickeln. Diesen Vorgang bezeichnet man als Arzneimittelprüfung. Anschließend werden alle relevanten Symptome mit großer Sorgfalt registriert und ergeben in ihrer Gesamtheit das Arzneimittelbild. Im Falle einer Beschwerde sucht der Homöopath für das gesamte Krankheitsbild des Patienten das dazu passende, analoge, ähnlichste Arzneimittelbild. Somit basiert die Homöopathie auf einem streng wissenschaftlichen System, das auf dem Ähnlichkeitsprinzip, also auf Hypothese beruht und durch die Arzneimittelprüfungen am Gesunden sowie durch die Anwendung am Kranken bestätigt wird.
Dass ein Medikament beim Gesunden ganz ähnliche Symptome hervorrufen kann, gegen die es bei einem kranken Menschen hilft, ist auch der Schulmedizin nicht fremd. Ein Beispiel dafür sind trizyklische Antidepressiva. Der ursprüngliche Inhaltsstoff Imipramin wurde 1958 rein zufällig bei einem klinischen Versuch an psychotischen Patienten entdeckt. Man stellte damals zwar keinen beruhigenden Einfluss auf das agitierte Verhalten der psychotisch Kranken fest, dafür aber einen positiven, aufhellenden und stimulierenden Effekt bei depressiven Patienten. Interessanterweise hat nun Imipramin in normaler Dosierung bei einer gesunden Testperson eine dämpfende, beruhigende, ja ermüdende Wirkung, die weiterhin durch geringe Antriebskraft, Unwohlsein und verstärkte Ängstlichkeit gekennzeichnet ist und somit alle wichtigen Symptome einer medikamentös induzierten Depression aufweist.1
Empirische Erfolge
Nun lässt sich sagen: »Schön und gut, es kann ja sein, dass die Homöopathie auf einem wissenschaftlichen Fundament basiert, aber hilft sie denn auch? Gibt es die erfolgreiche Anwendung beim Kranken?«
Beim Aspirin® wussten wir beispielsweise lange überhaupt nicht, wie es wirkt, von einem wissenschaftlichen Fundament ganz zu schweigen, doch erfahrungsgemäß hilft es seit Ewigkeiten bei vielen Schmerzen einfach ganz wunderbar.
Gibt es solche Erfahrungswerte auch in der Homöopathie? Aber natürlich! Die Homöopathie kann auf etwas mehr als 200 Jahre Erfahrung zurückblicken und hierbei beachtliche Erfolge vorweisen. Gerade bei der Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten erzielte sie bis zur Entdeckung des Penicillins Mitte des 20. Jahrhunderts eindeutig bessere Erfolge als die damalige Medizin. Dies sollte in unserer heutigen Zeit hellhörig machen und zum Nachdenken anregen, ist sie doch durch den beispiellosen Missbrauch und Übergebrauch dieser fantastischen antibakteriellen Wunderwaffe geprägt, was in der Folge zu einer rasch zunehmenden Zahl von multiresistenten Bakterienstämmen geführt hat, gegen die heute kaum noch ein Antibiotikum hilft.
Samuel Hahnemann behandelte beispielsweise 1813 während einer Typhusepidemie 183 Typhuspatienten, von denen nur einer starb. Das bedeutet eine Mortalitätsrate von etwa 0,5 Prozent. Die Sterblichkeitsrate der konventionell Behandelten lag damals bei über fünfzig Prozent und damit knapp hundertmal höher!2 Bei der Londoner Cholera-Epidemie von 1854 betrug die Sterblichkeitsrate der in konventionellen Krankenhäusern liegenden Patienten 53,2 Prozent, im Vergleich zu 16,4 Prozent bei denen, die im homöopathischen Krankenhaus behandelt wurden.3 Aber auch bei viralen Epidemien hatte die Homöopathie große Erfolge. Statistiken zeigen, dass während der Gelbfieberepidemie, die 1878 in den Südstaaten der USA wütete, die Mortalitätsrate der homöopathisch behandelten Patienten nur ein Drittel der konventionell Behandelten betrug.4 Ferner konnte, wie schon erwähnt, die Homöopathie selbst bei den Pocken beachtliche Erfolge verzeichnen.
Daneben verweist eine umfassende Literatur auf homöopathische Behandlungserfolge in aller Welt. In englischen, französischen und deutschsprachigen Journalen und Zeitschriften wurden unzählige Beiträge veröffentlicht, die von Arzneimittelprüfungen und Heilerfolgen berichten.
Erfolgreiche klinische Studien
Der hartgesottene Kritiker wird auf solche Erfahrungswerte entgegnen: »Jeder kann tolle Geschichten erzählen! Aber wie steht es mit statistisch signifikanten, reproduzierbaren Fakten oder streng durchgeführten klinischen Studien?« Und in der Tat sollte heute ein konventionelles Arzneimittel, um seine Wirksamkeit zu beweisen, eine erfolgreiche Doppelblindstudie vorweisen, möglichst randomisiert. Diese Studie belegt dann die heilsame Wirkung des Mittels im Vergleich zum Placebo. Doch kommen in der Schulmedizin immer wieder Medikamente ohne solche Placebo-Kontrollen auf den Markt.
Das größte Problem bei klinischen Studien zum Wirksamkeitsnachweis der Homöopathie liegt darin, dass die Wahl eines homöopathischen Mittels vorwiegend auf der individuellen Symptomatik des Patienten beruht und weniger auf der Diagnose der eigentlichen Erkrankung. In der Homöopathie können beispielsweise zehn Patienten mit Tonsillitis (Mandelentzündung) jeweils eines anderen Mittels bedürfen, da nicht jede Angina in ihrer Symptomatik gleich verläuft. Dies gestaltet es, wie leicht einzusehen ist, eindeutig schwierig, ein homöopathisches Mittel für eine Erkrankung mittels einer Standardstudie zu prüfen. Die übliche Doppelblindstudie eignet sich als Methode daher denkbar schlecht, um die Effizienz der Homöopathie zu beurteilen. Will man aber deren Wirksamkeit im Vergleich zur konventionellen Medizin aufzeigen, dann kommt man an diesen Studien nicht vorbei.
So wurden eine ganze Reihe von klinischen Untersuchungen mit homöopathischen Mitteln durchgeführt, bei denen die Doppelblindstudien in einer Art modifiziert wurden, dass sie zwar den wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht werden, aber dennoch auf die spezifischen Bedürfnisse der Homöopathie zugeschnitten sind. Eine holländische Forschergruppe hat beispielsweise Anfang der neunziger Jahre 107 klinische Studien über die Wirksamkeit homöopathischer Mittel untersucht und beurteilt. Dabei legte sie dieselben rigorosen Maßstäbe an, wie sie auch bei Studien allopathischer Medikamente verwendet werden. 22 Studien wurde eine gute Qualität bestätigt. Von diesen zeigten 15 (knapp 70 Prozent) ein positives Resultat zugunsten der Homöopathie. 81 Studien hatten ein positives Ergebnis, die restlichen zeigten keinen signifikanten Unterschied zwischen Mittel und Placebo. Dies bedeutet, in mehr als 75 Prozent aller Studien (und in knapp 70 Prozent der Studien von guter Qualität) waren die homöopathischen Mittel bei unterschiedlichsten Erkrankungen erfolgreich.
Die Autoren dieser Analyse, die 1991 in der renommierten Fachzeitschrift »British Medical Journal« veröffentlicht wurde, fassten zusammen: »Die Ergebnisse dieser Analyse sollten ausreichen, die Homöopathie als Standardtherapie für bestimmte Beschwerden zu etablieren.«5
Bei Allergien
Eine im Lancet veröffentlichte Doppelblindstudie zeigte, dass Heuschnupfenpatienten, die mit einer homöopathischen Zubereitung von zwölf verschiedenen Pollen in der Potenz C30 behandelt wurden, signifikant weniger Beschwerden hatten und nur halb so viel Antihistaminika brauchten.6
Dieselbe Zeitschrift veröffentlichte eine weitere Studie mit 28 Fällen von schwerem allergischem Asthma, die alle täglich mit Bronchodilatatoren inhalieren mussten und von denen 21 mit Cortison behandelt wurden. Die Patienten behielten ihre Standardbehandlung bei. Alle wurden zuerst vier Wochen lang mit einem Placebo vorbehandelt. Dann teilte man die Patienten in zwei Gruppen, wobei die einen Patienten eine homöopathische Aufbereitung ihres Hauptallergens bekamen. Der Kontrollgruppe verabreichte man weiterhin das Placebo. Nach weiteren vier Wochen wurden die Ergebnisse überprüft. Das Resultat: Die homöopathische Behandlung brachte eine signifikante Besserung der Beschwerden.7
Zwei weitere Studien zeigen, wie Galphimia glauca D4 und D6 bei Patienten mit Heuschnupfen im Vergleich zur Kontrollgruppe eine bedeutsame Besserung der Beschwerden brachte. Interessant an einer der beiden Studien ist, dass neben dem Placebo auch eine nicht homöopathisch zubereitete, einfache Verdünnung von Galphimia 10–6 gegeben wurde. Diese zeigte keine Wirkung bei den Testpersonen. Schließlich demonstrierte eine Metaanalyse von sieben Studien, durchgeführt an über 700 Patienten, die Überlegenheit dieses mit am besten untersuchten homöopathischen Einzelmittels (Galphimia glauca) gegenüber einem Placebo.8
In der Geburtshilfe
Homöopathische Mittel werden in der Zwischenzeit von vielen Hebammen zur Geburtshilfe verwendet. Zwei Studien bestätigen jetzt eindrucksvoll deren Effizienz: In einer Doppelblindstudie wurde während des ganzen neunten Schwangerschaftsmonats täglich eine Mischung aus fünf Homöopathika (Arnica C5, Caulophyllum C5, Cimicifuga C5, Pulsatilla C5 und Gelsemium C5) gegeben. Die Kontrollgruppe erhielt ein Placebo. Das Ergebnis war nahezu spektakulär: Die Dauer des Geburtsvorgangs wurde durchschnittlich von 8,5 Stunden bei der Placebogruppe auf 5,1 Stunden reduziert. Während in der Kontrollgruppe 40 Prozent eine schwierige Geburt hatten, waren es nur 11,3 Prozent von denen, die das homöopathische Komplexmittel eingenommen hatten.9 In einer zweiten Studie wurde Caulophyllum C7, stündlich fünf Globuli, vier Stunden lang in der aktiven Phase des Geburtsvorganges verabreicht. Während in der Placebogruppe der Geburtsvorgang durchschnittlich 314 Minuten dauerte, waren es bei den Frauen, die das homöopathische Mittel einnahmen, im Vergleich dazu nur 227 Minuten. Diese Studie wurde ein Jahr später mit ähnlichem Resultat wiederholt.10
Bei Schmerzen und Entzündungen
In einer Doppelblindstudie mit Patienten, die über einen längeren Zeitraum intravenöse Infusionen benötigt hatten, was in der Folge zu Reizungen und Entzündungen der Venen führte, wurde Arnica C5 getestet. Die Studie konnte zeigen, dass das Homöopathikum Arnica nicht nur die Schmerzsymptomatik reduzierte, sondern auch die klassischen Entzündungszeichen wie Röte (rubor), Hitze (calor) und Schwellung (tumor). Selbst die Bildung von Blutergüssen ging im Vergleich zur Kontrollgruppe zurück. Weiterhin konnte eine Verbesserung des Blutflusses und der Blutgerinnungseigenschaften festgestellt werden.11
Bei neuralgischen Schmerzen nach Zahnextraktion wurde 30 Patienten Arnica C7 im Wechsel mit Hypericum C15, alle vier Stunden eine Gabe, verabreicht. 30 weitere Patienten erhielten ein Placebo. Über 75 Prozent der Patienten, die mit den beiden homöopathischen Mitteln behandelt wurden, empfanden eine Schmerzlinderung. In der Placebogruppe waren es nur 40 Prozent.12
Traumeel-Salbe® (enthält eine ganze Palette von Homöopathika in tiefen Potenzen) reduzierte bei Sprunggelenksdistorsionen signifikant die Schmerzen. 24 der 33 Patienten, die mit Traumeel behandelt wurden, waren am zehnten Behandlungstag schmerzfrei, im Vergleich zur Placebogruppe mit nur 13 von 36 schmerzfreien Patienten. Da zwei weitere Studien vergleichbare Ergebnisse brachten, kann die Wirksamkeit von Traumeel heute als gesichert gelten.13
Bei Erkältungen, Atemwegs- und Mittelohrinfektionen sowie bei Durchfall
Die Universitäten Würzburg und Tübingen verabreichten 170 Soldaten, die unter einem grippalen Infekt litten, entweder Acetylsalicylsäure (ASS 500 mg, enthalten auch in Aspirin®) oder das homöopathische Komplexmittel Grippheel® (Aconitum D4, Bryonia D4, Lachesis D12, Eupatorium D3, Phosphorus D5 in Tablettenform, 3-mal täglich). Bei der Auswertung ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Die Schlussfolgerung daraus war, dass das homöopathische Komplexmittel genauso wirksam sein muss wie Aspirin®.14
In einer ähnlichen Studie wurde bei einer einfachen Erkältung entweder ASS oder das homöopathische Mittel Eupatorium perfoliatum D2 verabreicht. Hier konnten ebenfalls keine Unterschiede im Krankheitsverlauf beider Gruppen festgestellt werden,15 was Eupatorium den Beinamen »homöopathisches Aspirin« eingetragen hat.
Eine interessante Doppelblindstudie mit einer sehr hohen Teilnehmerzahl (478 Patienten) konnte zeigen, dass das homöopathische Mittel Oscillococcinum oder Anas barbariae in einer hohen Korsakoff-Potenz (K200) bei der echten Grippe die Zahl der Genesungen innerhalb der ersten 48 Stunden im Vergleich zur Placebogruppe signifikant erhöhte.16 Für dieses Präparat gibt es übrigens sogar eine Cochrane-Review (etwas Besseres existiert in der medizinischen Fachwelt momentan nicht), die dem homöopathischen Mittel eine Wirksamkeit über Placebo bescheinigt.17 Das Mittel, aus Herz und Leber von Flugenten hergestellt, wird seit etlichen Jahren mit großem Erfolg in den USA, England und Frankreich angewendet (in Deutschland kann es über die französische Firma Boiron bezogen werden). In den inneren Organen dieser Enten findet sich eine große Vielfalt an Grippeviren, die ja oft aus dem asiatischen Raum durch Zugvögel (besonders Wildenten) nach Europa eingeschleppt werden. Aus diesem Grund kommt das Mittel theoretisch sowohl für die Vogel- als auch für die Schweinegrippe in Betracht. Man könnte es als homöopathische Alternative zu dem im Vergleich dazu nebenwirkungsreichen »Tamiflu®« bezeichnen.
Beim trockenen, hackenden Husten konnte ein Sirup mit Drosera C3 und neun weiteren homöopathischen Inhaltsstoffen in tiefen Potenzen innerhalb einer Woche bei 20 von 30 Patienten den Husten signifikant zum Abklingen bringen, im Vergleich zu nur acht von 30 Patienten in der Kontrollgruppe.18
An 75 Kindern in den USA mit akuter Mittelohrentzündung zeigte sich, dass individuell verabreichte homöopathische Mittel die Beschwerden und Schmerzen schon innerhalb der ersten 24 Stunden deutlich reduzierten.19
Drei Studien konnten belegen, wie homöopathische Einzelmittel bei Durchfall von Kindern in Nicaragua und Nepal sowohl die Erkrankungsdauer als auch die Zahl der Stühle signifikant zurückgehen ließen.20
Die Homöopathie ruht also nicht nur auf einem soliden wissenschaftlichen Fundament und weist beachtliche empirische Erfolge auf, sondern sie zeigt auch in einer ganzen Reihe hochqualitativer klinischer Studien die Wirksamkeit ihrer Mittel. Selbstverständlich gibt es auch eine Menge Studien, die die Wirksamkeit der Homöopathie nicht belegen. Ansonsten könnte ja von etablierter Seite kein Zweifel an dieser Therapieform bestehen. Jede positive klinische Doppelblindstudie sollte jedoch ihre Gegner, die ansonsten jede Wirkung der Mittel kategorisch mit einem Placeboeffekt abtun, zumindest zum Nachdenken bringen. Dennoch lassen bestimmte Interessenverbände nichts unversucht, um die Homöopathie als unwirksam zu deklarieren.
Bis Mitte 2005 waren vier große Übersichtsarbeiten oder Metaanalysen zur Homöopathie vorgenommen worden. Und bis auf eine einzige zeigten sie, dass eine überraschend große Anzahl der Studien von guter Qualität (ähnlich wie die hier vorgestellten) positive Ergebnisse für die Heilmethode Hahnemanns hervorbrachten. Wurden allerdings nur die größten Studien selektiv untersucht, ergab sich ein weniger deutlicher Effekt zugunsten der homöopathischen Mittel.21Trotzdem ließ sich deren Wirksamkeit gegenüber einem Placebo nicht mehr völlig absprechen. Für die Homöopathie sah es mit einem Mal recht gut aus. Selbst Kritiker schienen sich mit ihrer Effektivität nun abfinden zu müssen. Doch dann erschien im August 2005 ein Artikel, der all dies mit einem Schlag zunichtemachen sollte.
DER SKANDAL
»Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.«
(vermutlich) Winston Churchill
Lancet-Studie: Das Ende der Homöopathie – denn sie sei nur Placebo-Medizin …
Im Jahre 2005 kam der bisher letzte vermeintliche Vernichtungsschlag gegen die Homöopathie. Das renommierte Journal The Lancet veröffentlichte eine in der Zwischenzeit viel zitierte Studie, die der Homöopathie endlich den Garaus machen sollte. Wie ein Lauffeuer ging es daraufhin weltweit durch die Medien: Die journalistische Autorität auf dem Gebiet der Medizin kann zeigen, dass die Homöopathie nicht wirkt. Wer sich jedoch die Mühe machte, die Hintergründe dieser Studie zu beleuchten, der fing an, Fragen zu stellen: Warum verwendete das Journal eine Studie, die selbst von ihren Auftraggebern als problematisch bezeichnet wurde? Warum konnte man in derselben Ausgabe des Lancet in einem Nebensatz lesen, die WHO plane, einen Report zu veröffentlichen, der die Homöopathie auf gleiche Stufe mit der Schulmedizin stellen will? Und warum bediente sich ein bis dato seriöses Journal des Wortschatzes der Boulevardpresse? War das vielleicht nicht so sehr ein Vernichtungs-, sondern eher ein Verzweiflungsschlag gewesen? Hier die Details:
… oder WHO: Die Homöopathie ist genauso effektiv wie die Schulmedizin?
Im August 2005 veröffentlichte Lancet eine Studie, die zum 250. Geburtstag Hahnemanns den Totengesang für die Homöopathie einläuten sollte. In einer Metaanalyse des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern sei untersucht worden, ob Beweise aus klinischen Studien dafür vorlägen, dass die Wirksamkeit der Homöopathie über einen reinen Placeboeffekt hinausgehe. Die Analyse von A. Shang und Kollegen kam zu folgendem vernichtenden Ergebnis: Eine Untersuchung von insgesamt 110 Studien stütze ihre Ausgangshypothese, die klinischen Effekte der Homöopathie seien im Vergleich zu den Wirkungen der konventionellen Medizin nur unspezifische Placebo- oder Kontexteffekte. Das Team von A. Shang, das also von vornherein davon ausgegangen war, die Homöopathie könne nicht wirksam sein, fand sich in ihrer Annahme voll bestätigt.
Im Editorial zu der Studie gingen die Redakteure des Lancet sogar so weit, vom »Ende der Homöopathie« zu sprechen. Es müsse jetzt endlich Schluss damit sein, noch weiter Gelder in die Erforschung der Homöopathie zu stecken, hieß es da. Ärzte wurden aufgefordert, ihren Patienten geradeheraus und ehrlich zu sagen, dass die Behandlung mit homöopathischen Mitteln nichts anderes als Placebo-Medizin sei. Viele andere Medien griffen den Artikel aus dem Lancet auf und versuchten in der Formulierung, es den Redakteuren des englischen Wissenschaftsblattes gleichzutun. Die Beiträge ähnelten dabei weniger der Arbeit von Wissenschaftsjournalisten, sondern eher der von Theaterkritikern, die in blumenreichen Worten die Neuinszenierung eines alten Stückes verreißen, ja die gar von einem Illusionisten (Zauberer!) schrieben, der einen Preis für den Beweis der Homöopathie ausgesetzt hat.1
Endlich wurde einmal aufgeräumt mit dem, was nicht sein kann und auch nicht sein darf. Die homöopathischen Mittel mit ihren hohen Potenzen oder Verdünnungen, in denen chemisch und rechnerisch nichts mehr vorhanden ist, sind der schulmedizinischen Wissenschaft ja schon von Anbeginn ein Dorn im Auge gewesen. Denn da, wo chemisch gesehen nichts drin ist, da kann ja auch nichts wirken. Daran hat sich in den letzten 200 Jahren nichts geändert (wenn man einmal die Erkenntnisse der modernen Physik außer Acht lässt). Umso ärgerlicher war es, dass die Homöopathie in den letzten Jahren weltweit eine der begehrtesten Alternativtherapien geworden ist. Aber nicht nur das, immer mehr Studien wollten zudem die Wirksamkeit der Homöopathie belegen. Und so stolpert man dann in derselben Ausgabe des Lancet über den Hinweis zu dem Entwurf eines WHO-Reports, der für die Homöopathie mehr als positiv ausfällt: »Die Mehrzahl der wissenschaftlichen Studien in den letzten 40 Jahren haben gezeigt, dass die Homöopathie dem Placebo überlegen und der konventionellen Medizin in der Behandlung von Menschen und Tieren gleichwertig ist.«
Ja, und nicht nur wirksam, sondern schlimmer noch – sogar günstiger als die konventionelle Behandlung soll sie sein, die Homöopathie. Für den Kritiker sind das natürlich Besorgnis erregende, wenn nicht gar unhaltbare Zustände. Da konnte man also nur von Glück reden, dass der Lancet diese neue Studie herausbrachte. Sie wurde in der Zwischenzeit immer wieder aufgeführt, um die Unwirksamkeit der Homöopathie zu untermauern. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Hintergründe der Studie genauer zu untersuchen. Interessanterweise haben weder die Redakteure des Lancet noch die meisten Journalisten der anderen Medien darüber berichtet. Stattdessen wurde mit der Studie eine Medienlawine losgetreten, welche die wieder aufkommende Homöopathie im Keim ersticken sollte.
Die Hintergründe zur Lancet-Studie: Das Schweizer Programm Evaluation Komplementärmedizin (PEK)
Die besagte Metaanalyse im englischen Lancet war schon vorab in der Schweiz bekannt geworden, und zwar im Programm Evaluation Komplementärmedizin (PEK) der Schweizer Bundesanstalt für Gesundheit, für die sie ursprünglich in Auftrag gegeben worden war. Die Schweizer hatten sich für das fünfjährige Projekt Ende der 90er Jahre entschieden. Ab 1999 wurden von der dortigen Grundversicherung die Kosten von folgenden komplementären Therapieformen getragen: Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie, Phytotherapie, TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) und Homöopathie. Ende 2004 wertete man die Daten dann aus. Anhand von Wirksamkeit, möglichen Gefahren und Risiken (Sicherheit), Inanspruchnahme und Zufriedenheit der Patienten sowie Kosten und Wirtschaftlichkeit wurden die einzelnen Therapierichtungen im Vergleich zur konventionellen Medizin beurteilt. Der Schlussbericht des PEK wurde am 24. April 2005 veröffentlicht und in ihm ging man explizit auf die Metaanalyse, die später dann im Lancet wieder auftauchen sollte, ein.
Im Folgenden wird fast ausschließlich auf die Ergebnisse des Schweizer Schlussberichts für die Richtung Homöopathie Bezug genommen. Um die Wirksamkeit der Heilmethode bewerten zu können, wurden zuerst einmal systematische Reviews aus der Literatur herangezogen. Die meisten davon zeigten, dass die Homöopathie effektiv ist. Der HTA (Health Technology Assessment Report) von Prof. Dr. med. Peter Matthiessen und dessen Mitarbeitern kam zu dem Ergebnis: »In der Auswertung von 22 systematischen Reviews zur Homöopathie fanden 20 Arbeiten zumindest einen Trend zugunsten der Homöopathie.« Fünf Studien zeigten sogar einen deutlichen Beleg für deren Wirksamkeit. Auf dieser Basis stuften die Berichtsautoren die »Alltagswirksamkeit« der Homöopathie bei drei Möglichkeiten (wahrscheinlich, fraglich, unwahrscheinlich) als »wahrscheinlich« ein und folgerten, es gebe ausreichend Belege für eine klinische Wirksamkeit!
Von den 110 Studien zur Homöopathie wurden nur acht verwendet
In einem nächsten Schritt wurden nun von der Universität Bern integrierte statistische Auswertungen vorgenommen, bei denen die Ergebnisse mehrerer Studien in einer einzigen Zahl zusammengefasst wurden, darunter auch die hier infrage gestellte Metaanalyse von Shang et al. zur Homöopathie. Da die Methodik solcher Analysen äußerst komplex ist, soll an dieser Stelle versucht werden, die Vorgehensweise möglichst verständlich darzustellen.
Für die Analyse wurden 110 placebokontrollierte homöopathische Studien 110 Studien der konventionellen Medizin gegenübergestellt, die sich in ihrer methodischen Qualität ähnelten. Bei den meisten zeigte sich unter Verum, also unter der aktuellen Versuchsgruppe, eine bessere Wirkung als unter Placebo. Dann erfolgte eine Untersuchung der Ergebnisse auf Heterogenität. Dabei wird geprüft, ob die Ergebnisse der einzelnen Studien – unter der Annahme, dass alle Studien den gleichen Effekt messen – stärker voneinander abweichen, als dies aufgrund zufälliger Schwankungen zu erwarten wäre. Ein Heterogenitätsindex von 50 bis 75 Prozent zeigt dabei an, dass die einzelnen Studien Unterschiedliches messen oder Störfaktoren die Ergebnisse verfälscht haben. Da bei den homöopathischen Studien der Index um die 65 Prozent lag, zogen die Forscher aus Bern nur eine Anzahl der größeren Studien für die Analyse in Betracht. Denn hier spielt der Zufall eine geringere Rolle als in kleineren Studien, bei denen die Ergebnisse stärker um den »wahren« Wert schwanken können, d. h. in einzelnen kleinen Studien kann die Wirksamkeit überschätzt, in anderen unterschätzt werden.
Man spricht in solchen Fällen von einem »small study bias«, was bedeutet, kleinere Studien können ein eher verzerrtes Bild von der Wirksamkeit abgeben. Somit wurden von insgesamt 110, zumeist positiven Homöopathiestudien nur acht größere herangezogen und dann gepoolt (zusammengeworfen). Die Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus war dabei nicht signifikant. Dies bedeutet also: Nicht anhand von 110 Studien, sondern von nur acht beschwor der Lancet das Ende der Homöopathie herauf.
Eine vergleichbare Studie zeigt: Schulmedizin wirkt auch nicht!
Vielleicht war es den Redakteuren des Lancet vorenthalten worden, aber die Uni Bern hatte natürlich ebenso eine Metaanalyse für die Therapierichtung Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) erstellt. Hier zeigten die neun großen Phytotherapie-Studien übrigens eine deutlich bessere Wirkung als die Placebos. Doch nur zwei der insgesamt 89 schulmedizinischen Vergleichsstudien wurden, so der PEK-Schlussbericht, als methodisch hochwertig kategorisiert – und in diesen war der Effekt zufälligerweise nicht signifikant höher als ein Placebo. Würde man hier dieselben Maßstäbe des Lancet anlegen, könnte dies nur eines bedeuten: das Ende der konventionellen Medizin! Da nach dieser Metaanalyse die Schulmedizin nicht besser wirkt als Placebo-Medizin, wäre es folgerichtig, die Gelder für die schulmedizinische Forschung zu stoppen! Und Ärzte müssen ihren Patienten klar und deutlich sagen: Alles schulmedizinische Tun ist nur trügerische Scheinbehandlung! Da wird die Beschränktheit der Vorgehensweise nur allzu offensichtlich!
Der Kommentar im Schweizer Schlussbericht: Die Metaanalyse sei problematisch
Im Vergleich zum Editorial des Lancet war der Kommentar im PEK-Schlussbericht einer wissenschaftlichen Arbeit schon eher angemessen und sah die Metaanalysen zwar als technisch hochwertig, im Bezug auf die Frage der Wirksamkeit jedoch als problematisch an, denn »… Grundvoraussetzung für eine eindeutige Interpretierbarkeit der Ergebnisse solcher Analysen ist, dass alle Studien eigentlich den gleichen Effekt messen. In den vorliegenden Analysen wurden jedoch Studien zu den verschiedensten Interventionen bei verschiedenen Erkrankungen zusammengeworfen. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass alle Interventionen bei allen Erkrankungen gleich große Effekte [= Wirkung] haben. Vielmehr ist es unzweifelhaft, dass die Größe von Behandlungseffekten erheblich variiert. Was als klinisch relevanter Behandlungseffekt definiert wird, hängt außerdem grundsätzlich (unabhängig vom zu erwartenden Effekt der Intervention) von Erkrankung und Zielkriterium ab. All dies hat Auswirkungen auf die Größe bzw. Präzision von Studien: Erwartet man einen großen Effekt, kann die Studie deutlich kleiner sein, erwartet man dagegen einen kleinen Effekt, wird eine große, präzise Studie benötigt ... Werden nun Gruppen von Studien zusammengeworfen, die unterschiedlich große ›wahre‹ Effekte messen, wird ein asymmetrischer funnel plot [= hoher Heterogenitätsindex] entstehen, auch wenn kein small study bias besteht.«2
Pulsuz fraqment bitdi.