Kitabı oxu: «Die Bibel in zwei Stunden»
Tabea Tacke / Ulrich Wendel

SCM R.Brockhaus ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.
ISBN 978-3-417-22975-2 (E-Book)
ISBN 978-3-417-25790-8 (lieferbare Buchausgabe)
Datenkonvertierung E-Book: CPI books GmbH, Leck
© 2020 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH
Max-Eyth-Straße 41 · 71088 Holzgerlingen
Internet: www.scm-brockhaus.de; E-Mail: info@scm-brockhaus.de
Die Bibeltexte sind folgender Ausgabe entnommen:
Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006
SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen
Textstand 20|06
Gesamtgestaltung: Erik Pabst, www.erikpabst.de
INHALT
ÜBER DIE AUTOREN
WILLKOMMEN IN DER WELT DER BIBEL
| GOTTES GESCHICHTE MIT DER MENSCHHEIT |
| Aus 1. Mose 1 bis 11 | |
| GOTT SCHAFFT SICH EIN VOLK |
| Aus 1. Mose 12 bis 50 | |
| GOTT BEFREIT SEIN VOLK |
| Aus 2. Mose bis Richter | |
| GOTT KÄMPFT UM SEIN VOLK |
| Aus 1. Samuel bis 2. Könige | |
| GOTT SPRICHT ZU SEINEM VOLK |
| Aus Jeremia bis Sacharja | |
| GOTT WIRD MENSCH |
| Aus Matthäus bis Johannes | |
| GOTTES REICH BREITET SICH AUS |
| Aus Apostelgeschichte bis 1. Johannes | |
| GOTTES NEUE WELT |
| Aus Offenbarung 1 bis 22 |
ÜBERSICHT ÜBER DIE BÜCHER DER BIBEL
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ÜBER DIE AUTOREN

Tabea Tacke ist Fachlektorin für Bibel und Theologie bei SCM R.Brockhaus. Sie hat einen Master in Christliche Studien.

Dr. Ulrich Wendel ist Redakteur des Magazins Faszination Bibel und Programmleiter für den Bereich Bibel und Theologie bei SCM R.Brockhaus sowie Herausgeber verschiedener Bibelausgaben.
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Willkommen in der Welt der Bibel!
Frauen und Männer.
Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Greise.
Steinreiche Nomaden, Sklavinnen und Sklaven, Schriftgelehrte, Hausfrauen, Musiker, Könige, Bauern, Fischer, Jäger, Baumeister.
Gläubige, Ungläubige, Beter, Zweifler, Prediger, Propheten, Angefochtene und Gotteslobsänger.
All das macht die Welt der Bibel aus. Und damit haben wir erst die menschliche Seite angesehen. Über der Schöpfung steht der Schöpfer, und er greift in Zeit und Geschichte ein.
Gott, der Vater. Heiliger Geist. Jesus Christus, der Messias.Gottes lebendiges Wort. Brennender Dornbusch und kaum hörbares Säuseln. Wolken- und Feuersäule. Zeichen und Wunder von ihm. Auf der anderen Seite Wunder, auf die man vergeblich wartet. Die Schlange und der Teufel. Das Schweigen Gottes. Und dann wieder neu sein Wort und sein Handeln.
Ganz am Ende: ein neuer Himmel und eine neue Erde. Und sein Versprechen: »Ja, ich mache alles neu!«
Die Bibel ist ein Buch, das über Gott und die Welt spricht.
Das Büchlein, das Sie gerade in den Händen halten, ist ein kleiner Auszug daraus. Wir haben eine repräsentative Auswahl getroffen. Sie enthält nicht einfach „die wichtigsten Texte der Bibel“ als lose Sammlung. Vielmehr war es unser Wunsch, Ihnen eine Art roten Faden zu geben, der Sie durch die große Erzählung der Heiligen Schrift führt.
Unnötig zu erwähnen, dass vieles natürlich weggelassen werden musste … Wenn Sie nach zwei hoffentlich vergnüglichen Stunden mit der Bibel noch nicht genug haben, greifen Sie doch einfach zum Original!
Tabea Tacke und Ulrich Wendel
GOTTES GESCHICHTE MIT DER MENSCHHEIT
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| Die Bibel ist weit mehr als nur ein Buch über Gläubige und ihren Gott. Zu Beginn erzählt sie von den Anfängen der gesamten Menschheit. Das heißt: Vom Menschen, so wie er gedacht war und wie er heute nun einmal ist, also vom Menschsein überhaupt ist die Rede. |
Der Schöpfungsbericht
1. Mose
1 1Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. 2Die Erde aber war wüst und öde, finster war es über den Wassern. Und der Geist Gottes schwebte über der Wasserfläche. 3Da sprach Gott: »Es soll Licht entstehen!«, und es entstand Licht. 4Und Gott sah, dass das Licht gut war. Dann trennte er das Licht von der Finsternis. 5Gott nannte das Licht »Tag« und die Finsternis »Nacht«. Es wurde Abend und Morgen: der erste Tag.
6Und Gott sprach: »Es soll Raum zwischen den Wassern entstehen, der die Wasser voneinander trennt.« 7Und so geschah es. Gott schuf diesen Raum, um die Wasser oberhalb und unterhalb dieses Raumes zu trennen. 8Und Gott nannte den Raum »Himmel«. Es wurde Abend und Morgen: der zweite Tag.
9Und Gott sprach: »Die Wasser unter dem Himmel sollen sich an einem Ort sammeln, damit trockener Boden zum Vorschein kommt.« Und so geschah es. 10Gott nannte den trockenen Boden »Erde« und die Wasserfläche »Meer«. Und Gott sah, dass es gut war. 11Dann sprach er: »Auf der Erde soll Gras wachsen und sie soll Pflanzen hervorbringen, die Samen tragen, und Bäume voller unterschiedlichster Früchte, in denen ihr Same ist.« Und so geschah es. 12Auf der Erde wuchs Gras sowie Pflanzen und Bäume, die Samen trugen. Und Gott sah, dass es gut war. 13Es wurde Abend und Morgen: der dritte Tag.
| An den ersten drei Tagen hat Gott die Welt ins Leben gerufen. Er hat Licht und Lebensraum geschaffen. In den nächsten drei Tagen besiedelt der Schöpfer diesen Raum. |
14Und Gott sprach: »Am Himmel sollen Lichter entstehen, um den Tag von der Nacht zu unterscheiden. Sie sollen Zeichen sein, anhand derer die Jahreszeiten, die Tage und die Jahre bestimmt werden. 15Diese Lichter am Himmel sollen auf die Erde scheinen.« Und so geschah es. 16Gott schuf zwei große Lichter: das größere Licht für den Tag und das kleinere für die Nacht. Und Gott schuf auch die Sterne. 17Er setzte diese Lichter an den Himmel, damit sie die Erde erhellten, 18Tag und Nacht bestimmten und das Licht von der Finsternis unterschieden. Und Gott sah, dass es gut war. 19Und es wurde Abend und Morgen: der vierte Tag.
20Und Gott sprach: »Im Meer soll es von Meerestieren wimmeln und Vögel sollen in der Luft fliegen.« 21Und so schuf Gott alle Meerestiere, große und kleine, und alle Arten von Vögeln. Und Gott sah, dass es gut war. 22Dann segnete Gott sie und sprach: »Die Fische sollen sich vermehren und die Meere füllen. Auch die Vögel sollen auf der Erde zahlreich werden.« 23Und es wurde Abend und Morgen: der fünfte Tag.
24Und Gott sprach: »Die Erde soll alle Arten von Tieren hervorbringen – Vieh, Kriechtiere und wilde Tiere.« Und so geschah es. 25Gott schuf alle Arten von wilden Tieren, Vieh und Kriechtieren. Und Gott sah, dass es gut war.
26Da sprach Gott: »Wir wollen Menschen schaffen nach unserem Bild, die uns ähnlich sind. Sie sollen über die Fische im Meer, die Vögel am Himmel, über alles Vieh, die wilden Tiere und über alle Kriechtiere herrschen.« 27So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er sie, als Mann und Frau schuf er sie.
28Und Gott segnete sie und gab ihnen den Auftrag: »Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde und nehmt sie in Besitz. Herrscht über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und über alle Tiere auf der Erde.« 29Und Gott sprach: »Seht her! Ich habe euch die Samen tragenden Pflanzen auf der ganzen Erde und die Samen tragenden Früchte der Bäume als Nahrung gegeben. 30Allen Tieren und Vögeln aber habe ich Gras und alle anderen grünen Pflanzen als Nahrung zugewiesen.« Und so geschah es. 31Danach betrachtete Gott alles, was er geschaffen hatte. Und er sah, dass es sehr gut war. Und es wurde Abend und Morgen: der sechste Tag.
| Sechs Schöpfungstage sind vorbei. Und nun kommt die Überraschung: Nicht der Mensch ist die „Krone der Schöpfung“. Er muss sich ja den sechsten Schöpfungstag mit den Tieren teilen. Krone der Schöpfung ist vielmehr – das zeigt der siebte Tag – die heilige Ruhe! |
1. Mose
2 1So wurde die Schöpfung des Himmels und der Erde mit allem, was dazugehört, vollendet. 2Am siebten Tag vollendete Gott sein Werk und ruhte von seiner Arbeit aus. 3Und Gott segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig, weil es der Tag war, an dem er sich von seiner Schöpfungsarbeit ausruhte.
4Dies ist der Bericht von der Schöpfung des Himmels und der Erde.
| Die Bibel will nie nur informieren. Sie ruft den Menschen zur Antwort. Zum Beispiel mit Worten dieses Psalms: |
Über die Hoheit des Menschen
Psalm
8 1Für den Chorleiter: Ein Psalm Davids, zu begleiten auf einem Saiteninstrument.
2HERR, unser Herrscher, herrlich ist dein Name auf der Erde! Deine Herrlichkeit zeigt sich am Himmel.
3Kinder und Säuglinge hast du gelehrt, dich zu loben. Sie bringen deine Feinde zum Schweigen, die auf Rache aus waren.
4Wenn ich den Himmel betrachte und das Werk deiner Hände sehe – den Mond und die Sterne, die du an ihren Platz gestellt hast –,
5wie klein und unbedeutend ist da der Mensch und doch denkst du an ihn und sorgst für ihn!
6Denn du hast ihn nur wenig geringer als Gott gemacht und ihn mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt.
7Du hast ihn über alles gesetzt, was du erschaffen hast, und ihm Vollmacht über alles gegeben –
8die Schafe und die Rinder und alle wilden Tiere,
9die Vögel am Himmel, die Fische im Meer und alles, was in den Meeren schwimmt.
10HERR, unser Herrscher, herrlich ist dein Name auf der Erde!
| Das ist die Bestimmung des Menschen: Gott gibt ihm einen hohen Rang. Er setzt ihm geradezu eine Krone auf. Der Mensch darf und soll die Schöpfung gestalten. Und er ist dazu bestimmt, Gottes Werk zu betrachten und ihn staunend zu loben. |
Der Mann und die Frau sündigen
1. Mose
3 1Die Schlange war das listigste von allen Tieren, die Gott, der HERR, erschaffen hatte. »Hat Gott wirklich gesagt «, fragte sie die Frau, »dass ihr keine Früchte von den Bäumen des Gartens essen dürft?«
2»Selbstverständlich dürfen wir sie essen «, entgegnete die Frau der Schlange. 3»Nur über die Früchte vom Baum in der Mitte des Gartens hat Gott gesagt: ›Esst sie nicht, ja berührt sie nicht einmal, sonst werdet ihr sterben.‹«
4»Ihr werdet nicht sterben!«, zischte die Schlange. 5»Gott weiß, dass eure Augen geöffnet werden, wenn ihr davon esst. Ihr werdet sein wie Gott und das Gute vom Bösen unterscheiden können.«
6Die Frau sah: Die Früchte waren so frisch, lecker und verlockend – und sie würden sie klug machen! Also nahm sie eine Frucht, biss hinein und gab auch ihrem Mann davon. Da aß auch er von der Frucht. 7In diesem Augenblick wurden den beiden die Augen geöffnet und sie bemerkten auf einmal, dass sie nackt waren. Deshalb flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich Lendenschurze.
8Als es am Abend kühl wurde, hörten sie Gott, den HERRN, im Garten umhergehen. Da versteckten sie sich zwischen den Bäumen. 9Gott, der HERR, rief nach Adam: »Wo bist du?«
10Dieser antwortete: »Als ich deine Schritte im Garten hörte, habe ich mich versteckt. Ich hatte Angst, weil ich nackt bin.«
11»Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?«, fragte Gott, der HERR. »Hast du etwa von den verbotenen Früchten gegessen? «
12»Die Frau«, antwortete Adam, »die du mir zur Seite gestellt hast, gab mir die Frucht. Und deshalb habe ich davon gegessen.«
13Da fragte Gott, der HERR, die Frau: »Was hast du da getan?«
»Die Schlange verleitete mich dazu«, antwortete sie. »Deshalb aß ich von der Frucht.«
| So schnell zerbricht das Vertrauen zwischen Geschöpfen und Schöpfer! Die Schlange flüstert eine Lüge ein: Gott gönnt euch nichts. Er hält euch dumm. Nun, es ist verlockend, Gutes und Böses erkennen zu können. Doch am Ende haben die Menschen wenig gewonnen und viel verloren. Gott aber haut nicht dazwischen, sondern spricht seine Geschöpfe an. Eine Gelegenheit, mit neuem Vertrauen zu antworten – oder sich herauszureden. Leider wählen Adam und Eva diesen zweiten Weg. Gott antwortet: |
14Da sprach Gott, der HERR, zu der Schlange: »Weil du das getan hast, sollst du unter allen zahmen und wilden Tieren verflucht sein. Dein Leben lang sollst du auf dem Bauch kriechen und Staub fressen. […]
16Dann sprach er zu der Frau: »Mit großer Mühe und unter Schmerzen wirst du Kinder zur Welt bringen. Du wirst dich nach deinem Mann sehnen, doch er wird über dich herrschen.«
17Und zu Adam sprach er: »Weil du auf deine Frau gehört und von der verbotenen Frucht gegessen hast, soll der Ackerboden deinetwegen verflucht sein. Dein ganzes Leben lang wirst du dich abmühen, um dich davon zu ernähren. 18Dornen und Disteln werden auf ihm wachsen, doch du musst dich vom Gewächs des Feldes ernähren. […]
23Deshalb schickte Gott, der HERR, Adam und seine Frau aus dem Garten Eden fort. Er gab Adam den Auftrag, den Erdboden zu bearbeiten, aus dem er gemacht war. 24Nachdem er sie aus dem Garten vertrieben hatte, stellte Gott, der HERR, Cherubim auf, die mit einem flammenden, blitzenden Schwert den Weg zum Baum des Lebens bewachen.
| Und so geht es in der Geschichte Gottes mit der Menschheit weiter: Vertrauen zerbricht. Böses entsteht. Gott zeigt den Menschen Auswege, doch sie verpassen die richtige Ausfahrt. Nachdem das Vertrauen zu Gott zerbrochen ist, zerbricht auch die Beziehung zwischen den Menschen: Kain erschlägt seinen Bruder Abel. Am Ende der sogenannten Urgeschichte (1. Mose 1–11) zerfällt auch die Kultur der Menschheit, die man bis dahin aufbaut hat: Wegen des hochmütigen Versuchs, einen Turm bis an den Himmel zu bauen, spaltet Gott die Menschheit in viele Sprachen auf. Zuvor aber reagiert Gott in noch anderer Weise auf die Bosheit der Menschen, die ins Unermessliche angewachsen war: |
Noah und die Flut
1. Mose
6 9Dies ist die Geschichte von Noah und seiner Familie. Noah war ein Gerechter, der einzige fehlerlose Mensch, der damals auf der Erde lebte. Er lebte in enger Gemeinschaft mit Gott. 10Noah hatte drei Söhne: Sem, Ham und Jafet. 11Die Menschen waren böse und gewalttätig. 12Gott sah auf die Erde, und sie war voller Verbrechen, denn die Menschen handelten böse. 13Deshalb sprach Gott zu Noah: »Ich habe beschlossen, alle Lebewesen auszulöschen, denn die Erde ist ihretwegen voller Gewalt. Ich will sie zusammen mit der Erde vernichten! 14Bau ein Schiff aus harzhaltigem Holz und dichte es innen und außen mit Teer ab. Bau anschließend Decks und Räume ein. […]
1. Mose
7 1Dann sprach der HERR zu Noah: »Geh mit deiner ganzen Familie in das Schiff, denn unter allen Menschen auf der Erde bist du in meinen Augen der einzige, der gerecht ist. 2Nimm von allen reinen Tieren je sieben Paare mit, von den unreinen aber nur je ein Paar. […]
1740 Tage lang regnete es in Strömen, die Flut bedeckte den Erdboden und hob das Schiff vom Boden ab. […]
22Alles, was atmete und auf dem Festland lebte, starb. 23So ließ Gott alle Menschen und Tiere umkommen und vernichtete alles Leben auf der Erde. Allein Noah blieb am Leben und jene, die mit ihm im Schiff waren. […]
1. Mose
8 20Dann errichtete Noah dem HERRN einen Altar und brachte darauf je eines von allen reinen Tieren und allen reinen Vögeln als Brandopfer dar. 21Dem HERRN gefiel das Opfer und er sprach zu sich: »Nie mehr will ich um der Menschen willen die Erde verfluchen und alles Lebendige vernichten, so wie ich es gerade getan habe, auch wenn die Gedanken und Taten der Menschen schon von Kindheit an böse sind. 22Solange die Erde besteht, wird es Saat und Ernte geben, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.«
| Am Ende ein Ausblick, ein festes Versprechen: Gott will die Menschheit nie mehr vernichten, solange die Erde besteht. Gott bekennt sich dazu: Ja, die Gedanken und Taten der Menschen sind schon von Kindheit an böse. Das war anfangs Gottes Grund, die Vernichtungsflut zu schicken. Gott machte einen Neustart, aber der Mensch im Herzen ist geblieben, wie er nun einmal ist. Dennoch garantiert der Schöpfer: Er widerruft das geschenkte Leben nie mehr. |
GOTT SCHAFFT SICH EIN VOLK
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| Wieder macht Gott einen Neuanfang mit den Menschen, wieder wählt er sich einen einzelnen Menschen dafür: Abram (später umbenannt in Abraham). In ihm und seinen Nachkommen soll die ganze Welt gesegnet werden. Damit beginnt die Geschichte von Gottes Volk. |
Die Berufung Abrams
1. Mose
12 1Dann befahl der HERR Abram: »Verlass deine Heimat, deine Verwandten und die Familie deines Vaters und geh in das Land, das ich dir zeigen werde! 2Von dir wird ein großes Volk abstammen. Ich will dich segnen und du sollst in der ganzen Welt bekannt sein. Ich will dich zum Segen für andere machen. 3Wer dich segnet, den werde ich auch segnen. Wer dich verflucht, den werde ich auch verfluchen. Alle Völker der Erde werden durch dich gesegnet werden.«
4Abram machte sich auf den Weg, wie der HERR es ihm befohlen hatte. Und Lot ging mit ihm. Abram war 75 Jahre alt, als er Haran verließ. 5Auf den Weg nach Kanaan nahm er seine Frau Sarai, seinen Neffen Lot und alles, was sie besaßen, mit samt ihrem Vieh und ihren Sklaven und Sklavinnen, die sie in Haran erworben hatten. So erreichten sie schließlich Kanaan. 6Sie zogen durch Kanaan und kamen zur Eiche More in der Nähe von Sichem. Damals war das Gebiet von den Kanaanitern bewohnt.
7Da erschien der HERR Abram und sprach: »Ich werde dieses Land deinem Nachkommen geben!« Und Abram baute dort dem HERRN, der ihm erschienen war, einen Altar. 8Danach zog Abram ins Gebirge östlich von Bethel und schlug seine Zelte zwischen Bethel im Westen und Ai im Osten auf. Dort errichtete er einen Altar und betete den HERRN an. 9Dann zog er in mehreren Etappen weiter nach Süden.
| Gott ruft, Abram antwortet – und zieht los. Noch einmal bestätigt Gott sein Versprechen und schließt einen Bund mit Abram: |
Der Bund des HERRN mit Abram
1. Mose
15 1Danach sprach der HERR in einer Vision zu Abram: »Hab keine Angst, Abram, denn ich will dich beschützen und dich reich belohnen.«
2-3Doch Abram entgegnete: »O allmächtiger HERR, was wirst du mir geben, wenn ich kinderlos bin? Da du mir keine Kinder geschenkt hast, wird mich mein Verwalter Eliëser von Damaskus beerben.«
4Da sprach der HERR zu ihm: »Nein, dein Verwalter wird dich nicht beerben. Du wirst einen Sohn bekommen, der dein Erbe sein wird.« 5Der HERR führte Abram nach draußen und sprach zu ihm: »Schau hinauf zum Himmel. Kannst du etwa die Sterne zählen?« Dann versprach er ihm: »So zahlreich werden deine Nachkommen sein!« 6Und Abram glaubte dem HERRN und der HERR erklärte ihn wegen seines Glaubens für gerecht.
| Zu Recht fragt der kinderlose und wohl schon recht alte Abram hier nach den versprochenen Nachkommen. Und tatsächlich wird ihm und seiner Frau Sara schließlich ein Sohn geschenkt: Isaak. Ein besonderes Geschenk für die beiden, die in ihrem hohen Alter nicht mehr an die Erfüllung der Zusage geglaubt hatten. Was Gott dann verlangt, ist deshalb umso herausfordernder: |
Abrahams Gehorsam wird auf die Probe gestellt
1. Mose
22 1Einige Zeit später stellte Gott Abraham auf die Probe. »Abraham!«, rief Gott.
»Hier bin ich«, antwortete Abraham. 2»Nimm deinen einzigen Sohn Isaak, den du so lieb hast, und geh mit ihm ins Land Morija. Dort werde ich dir einen Berg zeigen, auf dem du Isaak als Brandopfer für mich opfern sollst.«
3Am nächsten Morgen stand Abraham früh auf. Er sattelte seinen Esel und nahm seinen Sohn Isaak sowie zwei seiner Diener mit. Dann spaltete er Holz für das Brandopfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den Gott ihm genannt hatte. 4Nach drei Tagen entdeckte er den Berg in einiger Entfernung. 5»Wartet hier mit dem Esel auf uns!«, wies er seine beiden Diener an. »Der Junge und ich werden noch ein Stück weitergehen. Dort oben werden wir Gott anbeten und dann zu euch zurückkommen.«
6Abraham nahm das Holz für das Brandopfer vom Esel und legte es Isaak auf die Schultern. Er selbst trug das Messer und das Feuer. Während die beiden zusammen auf den Berg stiegen, 7fragte Isaak: »Vater?«
»Ja, mein Sohn«, antwortete Abraham.
»Wir haben Holz und Feuer«, sagte der Junge, »aber wo ist das Lamm für das Opfer?«
8»Gott wird für ein Lamm sorgen, mein Sohn«, antwortete Abraham. So gingen sie zusammen weiter.
9Schließlich kamen sie an die Stelle, die Gott Abraham genannt hatte. Dort baute Abraham einen Altar und schichtete das Holz darauf. Dann fesselte er seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. 10Abraham nahm das Messer, um seinen Sohn als Opfer für den HERRN zu töten. 11In diesem Augenblick rief der Engel des HERRN ihn vom Himmel: »Abraham! Abraham!«
»Ja«, antwortete er. »Ich höre.«
12»Lass es sein«, sagte der Engel. »Tu dem Kind nichts. Denn jetzt weiß ich, dass du Ehrfurcht vor Gott hast. Du hättest sogar deinen einzigen Sohn auf meinen Befehl hin geopfert.«
13Da sah Abraham auf und entdeckte einen Schafbock, der sich mit den Hörnern in einem Busch verfangen hatte. Er holte den Schafbock und opferte ihn anstelle seines Sohnes als Brandopfer. 14Abraham nannte den Ort »Der HERR sieht«, deshalb sagt man auch heute noch: »Auf dem Berg des HERRN, wo der HERR sich sehen lässt.«
15Dann rief der Engel des HERRN noch einmal vom Himmel Abraham zu: 16»Ich, der HERR, schwöre bei mir selbst: Weil du mir gehorsam warst und sogar deinen geliebten Sohn auf meinen Befehl hin geopfert hättest, 17werde ich dich reich segnen. Ich werde dir viele Nachkommen schenken. Sie sollen zahllos sein wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres. Sie werden ihre Feinde besiegen. 18Durch deine Nachkommen sollen alle Völker auf der Erde gesegnet sein, denn du hast mir gehorcht.« 19Danach kehrten sie zu Abrahams Dienern zurück und zogen heim nach Beerscheba, wo Abraham wohnen blieb.
| Abraham hat Gott entgegen aller menschlichen Wahrscheinlichkeit vertraut und so diese Bewährungsprobe bestanden. Gottes Versprechen eines großen Volkes nimmt immer mehr Form an: Isaak bekommt mit seiner Frau Rebekka Zwillinge, Esau und Jakob. Doch unter den Brüdern herrscht Rivalität und Neid. |
Jakob stiehlt den Segen von Esau
1. Mose
27 1Isaak war alt geworden und konnte nichts mehr sehen. Da rief er Esau, seinen älteren Sohn, zu sich und sagte zu ihm: »Mein Sohn!«
»Ja, Vater?«, antwortete Esau.
2»Ich bin nun alt geworden«, sagte Isaak, »und ich weiß nicht, wie lange ich noch zu leben habe. 3Nimm deinen Bogen, den Köcher und ein paar Pfeile und geh hinaus aufs Feld, um mir ein Stück Wild zu jagen. 4Bereite es zu, wie ich es gern mag, und bring es mir, damit ich es essen kann. Dann will ich dich segnen, bevor ich sterbe.«
5Rebekka hatte das Gespräch zwischen Isaak und Esau jedoch belauscht. Als Esau zur Jagd gegangen war, 6sagte sie zu ihrem Sohn Jakob: »Ich habe gehört, wie dein Vater deinen Bruder Esau bat: 7›Bring mir ein Wild und bereite mir ein leckeres Essen zu, damit ich es genießen kann. Dann will ich dich in der Gegenwart des HERRN segnen, bevor ich sterbe.‹ 8Nun, mein Sohn, tu, was ich dir sage. 9Geh hinaus zur Herde und hol mir zwei schöne Ziegenböckchen. Ich werde sie zubereiten, wie dein Vater es mag. 10Du bringst ihm dann die Mahlzeit, damit er sie isst und dich vor seinem Tod segnet.«
11»Denk doch nur daran, dass Esau behaart, aber meine Haut glatt ist«, wandte Jakob ein. 12»Was ist, wenn mein Vater mich betastet? Dann wird er mich für einen Betrüger halten und ich werde Fluch statt Segen über mich bringen.«
13»Dieser Fluch soll dann mir gelten, mein Sohn«, beruhigte ihn Rebekka. »Tu, was ich dir gesagt habe. Geh und hol die Ziegen.«
14Jakob brachte seiner Mutter zwei Ziegen und sie kochte daraus ein leckeres Fleischgericht, genauso wie sein Vater es gern hatte. 15Dann nahm Rebekka Esaus Festkleider, die sie bei sich aufbewahrte, und zog sie Jakob an. 16Sie wickelte die Felle der beiden Ziegenböckchen um seine Hände und um seinen Hals. 17Dann gab sie ihm das Fleischgericht und etwas frisch gebackenes Brot. 18Jakob ging zu seinem Vater und sagte: »Mein Vater!«
»Ja«, antwortete dieser. »Wer bist du, mein Sohn?«
19Jakob antwortete: »Ich bin Esau – dein ältester Sohn. Ich habe getan, was du mir aufgetragen hast. Setz dich auf und iss von meinem Braten, damit du mir deinen Segen geben kannst.«
20Isaak fragte: »Wie konntest du das Tier so schnell finden, mein Sohn?«
»Der HERR, dein Gott, schickte es mir über den Weg«, antwortete Jakob.
21Da sagte Isaak zu Jakob: »Komm näher. Ich will dich betasten, mein Sohn, um festzustellen, ob du Esau bist oder nicht.« 22Jakob trat zu seinem Vater und Isaak betastete ihn. »Die Stimme klingt wie Jakobs Stimme, aber die Hände sind die von Esau«, sagte er. 23Er erkannte Jakob nicht, weil Jakobs Hände sich genauso behaart anfühlten wie Esaus Hände. Und so segnete Isaak Jakob. 24Bist du wirklich mein Sohn Esau?«, fragte er noch einmal.
»Ja, ich bin Esau«, log Jakob.
25»Gib mir jetzt von dem Wild zu essen, mein Sohn«, sagte Isaak. »Dann werde ich dich segnen.« Jakob reichte es ihm und Isaak aß. Er trank auch den Wein, den Jakob ihm einschenkte. 26Dann sagte Isaak: »Komm her und küss mich, mein Sohn.«
27Jakob trat zu seinem Vater und küsste ihn. Als Isaak den Geruch seiner Kleider roch, segnete er seinen Sohn. Er sagte:
»Der Geruch meines Sohnes ist wie der gute Geruch eines Feldes, das der HERR gesegnet hat.
28Gott gebe dir Regen im Überfluss. Er mache dein Land fruchtbar und gebe dir Korn und Most die Fülle.
29Völker sollen dir dienen und Nationen sollen dich verehren. Du sollst über deine Brüder herrschen. Deiner Mutter Söhne sollen sich respektvoll vor dir verneigen. Wer dich verflucht, soll verflucht sein. Wer dich aber segnet, der soll gesegnet sein.«
| Daraufhin flieht Jakob vor seinem Bruder, denn Esau ist sehr wütend über den Betrug. Bei seinem Onkel Laban angekommen, wird Jakob wiederum von diesem betrogen und heiratet schließlich dessen Töchter Rahel und Lea. Die beiden Schwestern geraten in einen Wettstreit um die Liebe des Mannes. Insgesamt bekommt Jakob zwölf Söhne – später erwachsen daraus die zwölf Stämme Israels. Die Geschichte mit seinem Bruder ist noch nicht abgeschlossen, die Versöhnung steht noch aus. |
Jakob ringt mit Gott
1. Mose
32 23-24In der Nacht stand Jakob auf. Er nahm seine beiden Frauen, die beiden Sklavinnen und seine elf Söhne mit sich und überquerte den Jabbokfluss an einer Furt. Auch seinen gesamten Besitz brachte er über den Jabbok. 25Dann blieb er allein zurück. Da kam ein Mann und kämpfte mit ihm bis zum Morgengrauen. 26Als der Mann merkte, dass er Jakob nicht besiegen konnte, gab er ihm einen Schlag auf sein Hüftgelenk, sodass es ausrenkte. 27Dann sagte er: »Lass mich los, denn der Morgen dämmert schon.«
Doch Jakob erwiderte: »Ich lasse dich nicht los, bevor du mich gesegnet hast!«
28»Wie heißt du?«, fragte der Mann. Er antwortete: »Jakob.«
29»Du sollst nicht länger Jakob heißen «, sagte der Mann. »Von jetzt an heißt du Israel. Denn du hast sowohl mit Gott als auch mit Menschen gekämpft und gesiegt.«
30»Nenn mir deinen Namen!«, forderte Jakob ihn auf.
»Warum erkundigst du dich nach meinem Namen?«, fragte der Mann. Dann segnete er Jakob.
31Jakob nannte die Stätte Pnuël – ›Angesicht Gottes‹ –, denn er sagte: »Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und trotzdem bin ich noch am Leben!« 32Die Sonne ging gerade auf, als er Pnuël verließ. Wegen seiner Hüfte hinkte er.
| Ein neuer Name, ein außergewöhnlicher Sieg, die Versöhnung mit Gott und danach auch mit seinem Bruder! Die Geschichte des Volkes Israel geht nun weiter mit Jakobs Söhnen. |
Josefs Träume
1. Mose
37 1Jakob ließ sich im Land Kanaan, in dem schon sein Vater gelebt hatte, nieder. 2Dies ist die Geschichte von Jakob und seiner Familie.
Josef war 17 Jahre alt. Er hütete häufig gemeinsam mit seinen Halbbrüdern, den Söhnen von Bilha und Silpa, die väterlichen Schaf- und Ziegenherden. Doch Josef hinterbrachte es seinem Vater, wenn sie etwas Schlechtes taten. 3Jakob liebte Josef mehr als seine anderen Söhne, weil er ihm erst im Alter geboren worden war. Deshalb ließ er Josef eines Tages ein prächtiges Gewand machen. 4Seine Brüder hassten Josef, weil sie merkten, dass ihr Vater ihn lieber hatte als sie, und redeten kein freundliches Wort mehr mit ihm.
5Eines Nachts hatte Josef einen Traum, den er seinen Brüdern erzählte. Da hassten sie ihn noch mehr. 6»Hört, was ich geträumt habe«, begann er. 7»Wir waren draußen auf dem Feld und banden das Getreide in Garben zusammen. Meine Garbe stellte sich auf und blieb stehen. Eure Garben scharten sich um sie und verneigten sich vor ihr!«
8»Du willst also König werden und über uns herrschen?!«, verhöhnten ihn seine Brüder. Und sie hassten ihn noch mehr wegen seines Traumes und dem, was er gesagt hatte.
| Die Eifersucht der Brüder gipfelt darin, dass sie Josef als Sklaven nach Ägypten verkaufen. Dort steigt Josef schließlich zum Stellvertreter des Pharao auf. In dieser Position tritt er eines Tages wieder seinen Brüdern gegenüber. Zuvor war im Land Kanaan eine Hungersnot ausgebrochen. |
Josefs Brüder reisen nach Ägypten
1. Mose
42 1Als Jakob hörte, dass es in Ägypten Getreide gab, sagte er zu seinen Söhnen: »Warum steht ihr hier untätig herum und schaut euch an? 2Ich habe gehört, dass es in Ägypten Getreide gibt. Reist dorthin und kauft etwas für uns, bevor wir alle verhungern.« 3So machten sich zehn von Josefs Brüdern auf den Weg nach Ägypten, um Getreide zu kaufen. 4Benjamin, dem jüngeren Bruder Josefs, erlaubte Jakob jedoch nicht mitzugehen. Denn er hatte Angst, ihm könnte etwas zustoßen. 5Jakobs Söhne kamen zusammen mit vielen anderen nach Ägypten, um Getreide zu kaufen, denn die Hungersnot hatte auch Kanaan erreicht.
6Josef herrschte über ganz Ägypten und jeder, der Getreide kaufen wollte, musste zu ihm gehen. So kamen auch seine Brüder zu ihm. Sie verneigten sich tief vor ihm. 7Josef erkannte sie sofort, ließ sich aber nichts anmerken. »Woher kommt ihr?«, fragte er ungnädig.
»Aus dem Land Kanaan«, antworteten sie. »Wir sind gekommen, um Getreide zu kaufen.«
8Seine Brüder erkannten ihn nicht, aber Josef erkannte sie. 9Er erinnerte sich an die Träume, die er vor vielen Jahren gehabt hatte. […]
25Josef befahl seinen Leuten, die Säcke der Männer mit Getreide zu füllen und ihnen Reiseverpflegung mitzugeben. Heimlich gab er ihnen die Anweisung, jedem das bezahlte Geld ganz oben in den Sack zu legen. 26Josefs Brüder luden die Säcke auf ihre Esel und machten sich auf den Heimweg.
27Am Abend wollten sie in einer Herberge übernachten. Als einer von ihnen seinen Sack öffnete, um seinen Esel zu füttern, fand er sein Geld darin. 28»Seht nur!«, rief er. »Mein Geld liegt hier in meinem Sack!« Sie erschraken und sagten zueinander: »Was hat Gott uns angetan?« 29So kamen sie zu ihrem Vater Jakob nach Kanaan und erzählten ihm, was sie erlebt hatten.
30»Der Mann, der dort regiert, war sehr unfreundlich zu uns«, erzählten sie ihm. »Er hielt uns für Spione. 31Wir haben beteuert: ›Wir sind ehrliche Männer und keine Spione. 32Wir sind zwölf Brüder, ein Bruder ist tot und der jüngste ist bei unserem Vater in Kanaan geblieben.‹ 33Da antwortete der ägyptische Herrscher: ›Ich werde herausfinden, ob ihr ehrliche Männer seid. Lasst einen von euren Brüdern hier bei mir, nehmt Getreide für eure Familien mit und reist nach Hause. 34Aber bringt euren jüngsten Bruder zu mir. Dann werde ich wissen, dass ihr ehrliche Männer seid und keine Spione. Ich werde euch euren Bruder zurückgeben und ihr dürft ungehindert durchs Land reisen.‹«
35Als sie ihre Säcke ausleeren wollten, lag in jedem Sack ihr Geld. Da erschraken sie und auch ihr Vater sehr. 36Jakob rief aus: »Ihr raubt mir meine Kinder! Josef ist verschwunden, Simeon ist fort und jetzt wollt ihr mir auch noch Benjamin wegnehmen. Es bleibt mir auch nichts erspart!«
| Josef testet seine Brüder. Er will herausfinden, ob sie sich geändert haben, ehrlich sind und als Brüder zusammenhalten. Diese Prüfung bestehen sie. |
Josef gibt sich zu erkennen
1. Mose
45 1Da konnte Josef sich nicht länger beherrschen. »Verlasst alle den Raum«, befahl er den Anwesenden. So war er mit seinen Brüdern allein, als er sich ihnen zu erkennen gab. 2Dann brach er in Tränen aus und weinte laut, sodass es die Ägypter hörten, und bald wussten alle am Hof des Pharaos davon. 3»Ich bin Josef«, sagte er zu seinen Brüdern. »Lebt mein Vater noch?« Doch seine Brüder waren fassungslos und brachten kein Wort heraus. 4»Kommt her zu mir!«, sagte er. Sie kamen näher. Und wieder sagte er: »Ich bin euer Bruder Josef, den ihr nach Ägypten verkauft habt. 5Aber macht euch deswegen keine Vorwürfe. Gott selbst hat mich vor euch her geschickt, um euer Leben zu retten. 6Denn schon seit zwei Jahren herrscht nun die Hungersnot und auch in den nächsten fünf Jahren wird man weder säen noch ernten können. 7Gott hat mich vor euch her geschickt, damit er euch auf wunderbare Art und Weise am Leben erhält und einige von euch übrig bleiben. 8Ja, nicht ihr habt mich hierher geschickt, sondern Gott! Und er hat mich zum wichtigsten Berater des Pharaos gemacht – zum Herrn über sein ganzes Haus und zum Herrscher über ganz Ägypten.
9Kehrt schnell zu meinem Vater zurück und sagt ihm: ›Dies lässt dir dein Sohn Josef sagen: Gott hat mich zum Herrn über ganz Ägypten gemacht. Komm schnell herab zu mir! Zögere nicht! 10Du kannst in der Provinz Goschen wohnen, damit du in meiner Nähe bist, du und deine Kinder und Enkelkinder, deine Schaf- und Rinderherden und dein ganzer Besitz. 11Ich werde für euch sorgen, damit du und deine Familie nicht verarmen, denn es liegen noch fünf Jahre des Hungers vor uns.‹«
12Dann sagte Josef: »Ihr seht selbst, und auch mein Bruder Benjamin kann sehen, dass ich wirklich Josef bin, der zu euch redet! 13Erzählt meinem Vater, wie geachtet ich hier in Ägypten bin. Erzählt ihm alles, was ihr gesehen habt, und bringt ihn schnell zu mir.« 14Weinend umarmte er Benjamin und auch Benjamin begann zu weinen. 15Dann küsste Josef weinend alle seine Brüder. Danach unterhielten sich seine Brüder mit ihm.
Josef beruhigt seine Brüder
1. Mose
50 14Nachdem er seinen Vater begraben hatte, kehrte Josef mit seinen Brüdern und allen anderen, die ihn zum Begräbnis seines Vaters begleitet hatten, nach Ägypten zurück. 15Weil nun ihr Vater tot war, bekamen Josefs Brüder Angst. »Was ist, wenn Josef uns feindlich gesinnt ist und sich jetzt für all das Böse rächt, das wir ihm angetan haben?«, sagten sie. 16Deshalb schickten sie Josef folgende Nachricht: »Bevor dein Vater starb, wies er uns an 17dir zu sagen: ›Deine Brüder haben dir übel mitgespielt. Vergib ihnen doch das große Unrecht von damals.‹ Deshalb bitten wir dich uns zu vergeben. Wir dienen doch demselben Gott wie unser Vater.« Als Josef die Nachricht erhielt, musste er weinen. 18Dann kamen seine Brüder und fielen vor ihm nieder. »Wir sind deine Diener«, sagten sie.
19Aber Josef sagte zu ihnen: »Habt keine Angst vor mir. Bin ich etwa an Gottes Stelle? 20Was mich betrifft, hat Gott alles Böse, das ihr geplant habt, zum Guten gewendet. Auf diese Weise wollte er das Leben vieler Menschen retten. 21Habt also keine Angst. Ich selbst will für euch und eure Familien sorgen.« So beruhigte er sie und sprach freundlich mit ihnen.
| Am Ende bleibt die Erkenntnis: In die wirren Pfade dieses Familiendramas zeichnet Gott seine klare Linie, nämlich seinen Plan, diese Familie zu einem Volk aufzubauen. |
Gott befreit sein Volk
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| Die Geschichte von Gottes Volk geht weiter. Nach der Versöhnung von Josef und seinen Brüdern lebt das Volk Israel nun in Ägypten und wird dabei immer größer. |
Die Israeliten in Ägypten
2. Mose
1 6Schließlich waren Josef und seine Brüder gestorben und niemand aus ihrer Generation lebte mehr. 7Doch ihre Nachkommen hatten viele Kinder; sie vermehrten sich und wurden so zahlreich, dass sie schon bald das ganze Land bevölkerten. 8Dann kam ein neuer König in Ägypten an die Macht, der nichts von Josef wusste. 9Er sagte zu seinem Volk: »Diese Israeliten sind uns zu zahlreich und zu mächtig geworden. 10Wir müssen uns etwas einfallen lassen, damit dieses Volk nicht noch größer wird. Sonst könnten sie sich im Kriegsfall mit unseren Feinden verbünden, gegen uns kämpfen und dann aus dem Land fortziehen.«
11Deshalb setzten die Ägypter Aufseher über die Israeliten ein, um sie mit schwerer Arbeit zu unterdrücken. Die Israeliten mussten für den Pharao, den König von Ägypten, die Vorratsstädte Pitom und Ramses bauen. 12Doch je mehr die Ägypter sie unterdrückten, desto zahlreicher wurden die Israeliten! Da bekamen die Ägypter Angst vor ihnen. 13Sie zwangen die Israeliten mit Gewalt zur Fronarbeit und 14machten ihnen durch die harte Arbeit das Leben schwer: Die Israeliten mussten aus Lehm Ziegel herstellen und auf den Feldern arbeiten.
| Die Israeliten – Gottes auserwähltes Volk! – werden unterdrückt und müssen Sklavenarbeit verrichten. Da schreitet Gott ein. Er sucht sich jemanden, der sein Volk aus der Sklaverei befreien soll. |
Pulsuz fraqment bitdi.