Kitabı oxu: «Können wir auf Gravitationswellen surfen?»
Tim Ruster
KÖNNEN WIR AUF
GRAVITATIONSWELLEN
SURFEN?
Ein Reiseführer durch Raum und Zeit


Originalausgabe
1. Auflage 2021
Verlag Komplett-Media GmbH
2021, München
www.komplett-media de
ISBN: 978-3-8312-0578-3
eISBN: 978-3-8312-7087-3
Lektorat: Redaktionsbüro Diana Napolitano, Augsburg
Korrektorat: Alexander Eß, Berlin
Umschlaggestaltung: FAVORITBUERO, München
Satz und Layout: Buch-Werkstadt GmbH, Bad Aibling
Dieses Werk sowie alle darin enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrecht zugelassen ist, bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung.
»THE STARS WILL NEVER BE WON BY LITTLE MINDS;
WE MUST BE BIG AS SPACE ITSELF.«
– Robert A. Heinlein
»DIE STERNE WERDEN NIEMALS VON
KLEINGEISTERN EROBERT WERDEN; WIR MÜSSEN
GROSS SEIN WIE DER WELTRAUM SELBST.«
INHALTSVERZEICHNIS
Einige Hinweise vor Beginn Ihres galaktischen Urlaubs!
Reiseziele im Weltraum
UNSERE KOSMISCHE HEIMAT: DAS SONNENSYSTEM
Die inneren Planeten: Der Sonne ganz nah
Die äußeren Planeten: Storm-Watching und Eismond-Après-Ski
Hinter dem Kuipergürtel: Die letzte Grenze
EINE INSEL AUS STERNEN: DIE MILCHSTRASSE
Die galaktische Nachbarschaft: Exoplaneten-Hopping
Orion- und Perseusarm: Explodierte Sterne und Gasnebel bewundern
Das galaktische Zentrum: Im Bann des Schwarzen Lochs
AUF ZU FREMDEN UFERN: FERNE GALAXIEN
Die Begleiter der Milchstraße: Riesenspaß in Zwerggalaxien
Die Andromedagalaxie: Das Tor zum Weltraum
Außerhalb der Lokalen Gruppe: Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter
ALLES AUF ANFANG: DER URKNALL
Weiße Löcher und der Urknall: Ein Trip durch Raum und Zeit
Die Dunkle Zeit: Sonnencreme nicht notwendig!
Die Sternentstehungsphase: Das Universum nimmt Form an
DIE REISE ENDET: DER TOD DES UNIVERSUMS
Big Rip und Big Freeze: Schwarze Zwerge und das große Nichts
Big Bounce und Big Crunch: Eine Reise, die niemals endet
Das Multiversum: Verschwommene Urlaubserinnerungen
Praktische Informationen für die Weltraumreise
DIE OPTIMALE VORBEREITUNG AUF IHREN WELTRAUMURLAUB
DIE GALAKTISCHSTEN ANDENKEN
DIE NÜTZLICHSTEN VOKABELN FÜR EINE REISE DURCH DEN KOSMOS
DEN WELTRAUM MIT KINDERN BEREISEN
VERKEHRSMITTEL UND -WEGE
Die Reise endet: Rückkehr auf die Erde
Über den Autor
EINIGE HINWEISE VOR BEGINN IHRES GALAKTISCHEN URLAUBS!
Eine Weltreise! Früher war das noch etwas Besonderes. Durch die antiken Gassen von Florenz flanieren, den Sonnenuntergang auf Bali bewundern und sich die raue Wildnis in Alaska ansehen. Doch seien wir mal ehrlich: Mittlerweile gibt es keinen Ort mehr auf diesem Planeten, der nicht schon längst touristisch erschlossen ist, der nicht schon vor Jahren von Klassenkameraden für Work & Travel entdeckt wurde oder als Pilgerweg für Midlife-Crisis-Auszeiten herhalten muss. Es fühlt sich fast so an, als wären alle Abenteuer dieser Erde bereits von irgendwem anders durchlebt worden. Vielleicht sind wir also einfach zu spät geboren, um unsere Erde noch mit den Augen eines Entdeckers bereisen zu können…
… doch glücklicherweise leben wir genau zur richtigen Zeit, um unseren Planeten zu verlassen und aufregende Abenteuer in den Weiten des Alls zu suchen! Weshalb sollte man sich auch mit einem Planeten begnügen, wenn allein in unserer Galaxis mehrere Milliarden Planeten auf uns warten? Gemeinsam werden wir auf den folgenden Seiten etwas noch viel Epischeres als eine Weltreise antreten: Eine Weltallreise! Da eine solche Reise wesentlich umfangreicher ist als der letzte Familienurlaub nach Mallorca und zudem auch einige Gefahren birgt, dient dieses Buch als zuverlässiger Reiseführer, um den Überblick zwischen all den Planeten, Asteroiden und Galaxien zu bewahren. Die ersten Kapitel widmen sich unserer kosmischen Heimat, dem Sonnensystem. Für die Fernreiseenthusiasten wird es in den darauffolgenden Kapiteln interessant, die Reisetipps für unsere Milchstraße und fremde Galaxien enthalten. Ein kleiner Unterschied zum jährlichen Mallorcaurlaub sei auch schon an dieser Stelle genannt: Reisen durch den Weltraum bieten den Vorteil, dass sie sogar durch die Zeit stattfinden! Alle Zeitreisebackpacker finden daher in den letzten Kapiteln dieses Buches praktische Empfehlungen für individualtouristische Urlaubsreisen zum Urknall und – für die risikofreudigen Reisenden – sorgsam ausgewählte Tipps für einen Urlaub kurz vor dem Ende des Universums. Obwohl der Weltraum touristisch noch wenig erschlossen ist, wächst die Community der Weltallreisenden langsam aber sicher. Von einigen Orten auf dem Mars, wie dem Basislager am Olympus Mons, wird sogar schon von Überfüllung und Vermüllung berichtet. Dieser Reiseführer enthält daher extra gekennzeichnete Geheimtipps, damit Sie die zahlreichen noch unberührten Kleinode zwischen all den Sternsystemen finden und genießen können. Bekanntere Orte, denen man unbedingt einen Besuch aus der Nähe abstatten sollte, wie etwa das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxis, sind mit dem Hinweis »nicht verpassen« gekennzeichnet.

Mit diesem Reiseführer entgehen Sie also dem Schicksal aus dem bekannten Sprichwort, den Kosmos vor lauter Sternen nicht mehr sehen zu können. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei Ihrer Reise durch Raum und Zeit!

REISEZIELE
IM WELTRAUM
Den Weltraum könnte man wie folgt mit einem einzigen Wort beschreiben: groß! Da ist es gar nicht so einfach, das richtige Reiseziel auszuwählen. Ein Wochenendausflug zu den staubigen Kratern des Mondes, eine Besichtigung neugeborener Babysterne in den Gasnebeln der Galaxis oder eine Schwerkraftkur am Rande eines gefräßigen Schwarzen Lochs – das sind nur einige der möglichen Ziele, die Weltraumreisende in den fast unendlichen Weiten des Universums ansteuern können. Auf den folgenden Seiten finden Sie Beschreibungen aller sehenswerten kosmischen Urlaubsorte, detaillierte Karten und galaktische Insidertipps!
Top 14
des Weltraums

01 Supermassive Schwarze Löcher
Obwohl der Weltraum prall gefüllt ist mit faszinierenden Objekten und Phänomenen, üben sie mit Abstand die anziehendste Wirkung aus: supermassive Schwarze Löcher. Der Anblick eines solchen gravitativen Schlunds, der Masse und Licht verschluckt, ist einfach unvergesslich. Praktischerweise befindet sich im Zentrum fast jeder Galaxie ein supermassives Schwarzes Loch, sodass Sie in fast jedem kosmischen Urlaubsort die Möglichkeit haben, einen Ausflug zu einem dieser Monster zu unternehmen. → Seite 61

02 Die Gasplaneten
Die Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun sind im kosmischen Maßstab ganz nah an uns dran und gehören zu den beliebtesten Himmelskörpern überhaupt. Wer den Weltraum bereist, sollte sich unbedingt den Kindheitstraum erfüllen, einmal die Ringe des Saturns oder die gewaltigen Stürme des Jupiters zu sehen. Auch die beiden bläulichen Eisriesen Uranus und Neptun erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und gehören zu jedem Gasplanetentrip dazu. → Seite 39

03 IC 1101
Für eine galaktische Reiseerfahrung ist ein Besuch in der größten Galaxie des Kosmos unerlässlich. IC 1101 sorgt dafür, dass sich jeder Tourist angesichts der ungeahnten Menge von Sternen und Nebeln ganz klein fühlt und sogleich in Staunen ausbricht, wenn er erlebt, wie sich die Riesengalaxie in grausamer Weise kleinere Zwerggalaxien einverleibt. → Seite 79

04 Der Urknall
Wo soll man bei einer Weltraumreise bloß anfangen? Am besten am Anfang! Mit einem Urlaub beim Urknall machen Sie definitiv nichts falsch und gehen den Dingen mal richtig auf den Grund. Vor allem für astrophysikalisch interessierte Reisende bietet ein solcher Urlaub viele Einblicke in kuriose quantenmechanische Vorgänge. → Seite 86

05 Orionnebel
Die Entstehung neuer Sterne lässt sich nirgendwo so gut beobachten wie im Orionnebel! Dieser Nebel, der sich sogar mit bloßem Auge von der Erde beobachten lässt, ist der perfekte Reiseort für Menschen, die gern von Stars und Sternchen umgeben sind. Davon gibt es in dieser bekannten Molekülwolke nämlich jede Menge. Und auch der Hauptstern Theta1 Orionis C1 hat es in sich … → Seite 57

06 Weiße Löcher
Schwarzes Loch kann ja jeder! Experimentierfreudige Urlauber begeben sich auf den wilden Ritt durch ein Weißes Loch. Für jeden Weltraumurlauber, der nicht nur durch den Raum reisen möchte, sondern sich auch innerhalb der Zeit bewegen möchte, ist ein Flug durch ein Weißes Loch unerlässlich. Wo und vor allem wann wird das Weiße Loch Sie ausspucken? Dieser Überraschungseffekt macht für viele erst den Reiz des Ganzen aus! → Seite 90

07 UY Scuti
Wenn Sie nur einen Stern in der Milchstraße besichtigen, dann sollte es UY Scuti sein. Dieser Gigant gilt gemeinhin als der größte bekannte Stern und besitzt einen Radius, der den der Sonne um das 1700-Fache übersteigt. Doch wählen Sie Ihre Reisezeit mit Bedacht: Es besteht akute Supernova-Gefahr! → Seite 61

08 Doppelsterne
Schätzungen zufolge befinden sich im Zentrum von fast der Hälfte aller Sternsysteme mindestens zwei Sonnen! Es ist ein unglaublich beeindruckendes Erlebnis, ein solches Doppelsternsystem zu bereisen und sich in dem stellaren Tanz zweier Sonnen zu verlieren. Ein besonders gut erreichbarer Doppelstern ist das nur 8,6 Lichtjahre entfernte Sirius-System. → Seite 53

09 Apollo-Fundstücke auf dem Mond
So nah an unserer Erde und doch eines der absoluten Highlights des gesamten Kosmos: unser Mond. Besonders für Urlauber, die die erste Mondlandung 1969 vor dem Fernseher mitverfolgt haben, ist die Besichtigung der Apollo-Landestellen auf unserem Trabanten ein gleichsam beeindruckendes wie emotionales Erlebnis. Bei bislang sechs bemannten Mondlandungen haben Sie ordentlich was zu besichtigen! → Seite 28

10 Schwarze Zwerge
Schwarze Zwerge gehören zu den unbekannteren Himmelskörpern und erfordern eine immens lange Anreise, sind aber definitiv einen Besuch wert. Wer es schafft, in die weit entfernte Zukunft kurz vor dem Ende des Universums zu gelangen, kann dieses Endstadium eines gestorbenen Zwerges bewundern – und ab und an sogar eine der sehr seltenen Schwarze-Zwerge-Supernovae! → Seite 109

11 Exoplaneten
Wer den Weltraum bereist und nicht auf einem einzigen Exoplaneten Station gemacht hat, hat den Kosmos eigentlich gar nicht richtig gesehen. Die Vielfalt an Exoplaneten ist nahezu unendlich und kann daher kaum beschrieben, sondern nur erlebt werden. Verschneite Frostplaneten, heiße Lavawelten, grüne Gasplaneten – selbst Planeten aus purem Gold sind physikalisch nicht völlig unmöglich! Der Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt. → Seite 49

12 Klippenspringen auf Miranda
Ein besonders lohnenswertes Reiseziel in unserem Sonnensystem ist der Uranus-Mond Miranda, der Urlaubern neben spektakulären Ausblicken auf den bläulich schimmernden Gasplaneten die beeindruckendsten Steilklippen in unserer planetaren Nachbarschaft bietet! Aufgrund der niedrigen Schwerkraft können nicht nur geübte Extremsportler den Sprung von diesen Klippen wagen! → Seite 39

13 Die Magellanschen Wolken
Der erste Schritt aus unserer Milchstraße heraus führt Reisende oft in die Magellanschen Wolken. Und das mit gutem Grund! In diesen beiden Zwerggalaxien lassen sich alle Eigenheiten von Galaxien auf kleinem Raum bewundern – und der Ausblick auf die Milchstraße, unsere kosmische Heimat, ist absolut atemberaubend. → Seite 69

14 Pluto
Der kleine Zwergplanet ist allein wegen seiner traurigen Geschichte und seiner großen Popularität ein Highlight jeder Weltraumreise. Nachdem Pluto im Jahr 2006 seinen Planetenstatus verlor, statten viele Weltraumtouristen ihm nun einen Besuch ab, um gegen die oftmals als gemein empfundene Entscheidung zu protestieren. Ziehen Sie Ihr »Pluto is a Planet!«-Shirt an, und stürzen Sie sich ins zwergplanetige Getümmel! → Seite 41
UNSERE KOSMISCHE HEIMAT:
DAS SONNENSYSTEM

Unser Sonnensystem – obwohl es von vielen erfahrenen Weltallreisenden mittlerweile etwas spöttisch als »wenig aufregend« und als »Urlaubsort für Familien mit kleinen Kindern« bezeichnet wird, ist es doch der zwangsläufige Ausgangspunkt für jede Urlaubsreise in den Kosmos. Es ist aber zweifelsohne noch viel mehr als das. Man würde unserem Sonnensystem Unrecht tun, wenn man es lediglich als beschauliche Heimat in einem ansonsten aufregenden Meer von kosmischen Aktivitäten sehen würde. Schließlich beheimatet unser Sonnensystem trotz seiner relativ guten Erschlossenheit einige der spektakulärsten Touristenattraktionen der Galaxis: Jedes Kind träumt doch davon, die gigantischen Staubringe des Saturns einmal aus der Nähe zu betrachten. Ein Urlaub auf den Monden des Uranus ist ein wahrhaft außerirdisches Après-Ski-Vergnügen. Und mit den höllisch anmutenden Schwefelsäureunwettern und Vulkanausbrüchen auf der Venus bietet unser Sonnensystem sogar Reisepotenzial für erfahrene und risikofreudige Weltraumtouristen.
Außerdem ist für jede klimatische Vorliebe was dabei: Sonnenanbeter schätzen die wohlig warmen Temperaturen auf den inneren Planeten Merkur und Venus. Schneeabenteuer erleben Reisende auf den Eismonden der Gasplaneten – die Eisvulkane auf Enceladus und Europa sind in den letzten Jahren schon zum beliebtesten Postermotiv irdischer Reisebüros avanciert. Wer es ausgeglichen und nicht allzu extrem mag, erkundet unseren roten Nachbarplaneten Mars.
Selbst erfahrene Weltraum-Reisende gestehen unserem Sonnensystem ein Alleinstellungsmerkmal zu: Für Weltallreisen mit historischem Fokus ist es DIE Urlaubsdestination schlechthin. Nur wenige Besucher bleiben emotional unbeeindruckt nach einem Tagestrip zu den Fußspuren der Apollo-Astronauten auf dem Mond. Auch eine Besichtigung der ausgedienten Mars-Rover Curiosity und Opportunity ist ein absolutes Muss für jeden Sonnensystemtouristen. In den letzten Jahren erfreut sich außerdem eine noch relativ neue Aktivität mit dem Namen »Sonden-Caching« immer größerer Beliebtheit, bei der Abenteuerurlauber versuchen, die Spur bekannter Raumsonden wie etwa Voyager 1 und Voyager 2 aufzunehmen.
Unser Sonnensystem ist also ein absoluter Alleskönner und in seinem Potenzial für einen spaßigen und aufregenden Urlaub nach wie vor unübertroffen. Egal ob Mountainbiken auf dem Merkur, Tauchen auf dem Titan oder Picknicken auf dem Pluto – in diesem Kapitel finden Sie alles für Ihre Traumreise durch unsere kosmische Heimat!
01
DIE INNEREN PLANETEN:
DER SONNE GANZ NAH
Sonnenbeobachtung auf dem Merkur
Ein absoluter beeindruckender Anblick erwartet Reisende auf dem Planeten Merkur. In ihrem vollen Glanz füllt unsere Sonne dort tagsüber den Horizont aus, denn der Merkur ist im Durchschnitt nur 58 Millionen Kilometer von unserem Heimatstern entfernt und ist damit der sonnennächste Planet. Unsere Sonne aus dieser Nähe zu betrachten wurde bereits von vielen Reisenden als eines der berührendsten Erlebnisse ihres Lebens bezeichnet, und viele Reiseagenturen vermarkten die Ausflüge zum Merkur schon als die »Sternstunde ihrer Urlaubsreise«. Kein Wunder: Aus dieser Nähe wird die gewaltige Kraft spürbar, mit der unsere Sonne Energie, Hitze und Licht erzeugt und dadurch schließlich erst unsere eigene Existenz ermöglicht. Pro Sekunde fusioniert unser Stern 600 Millionen Tonnen Wasserstoff und verwandelt sie in 596 Millionen Tonnen Helium. Dieses gigantische Ausmaß der stellaren Energieerzeugung wird für uns Menschen wohl immer unvorstellbar bleiben, doch eine Reise zum Merkur kann die eigene Vorstellung der Sonne doch noch mal in ein anderes Licht rücken. Apropos Licht: Merkurreisende sollten beim Packen unbedingt daran denken, die richtige Kleidung für die extremen Bedingungen vor Ort mitzunehmen. Tagsüber kann es bis zu 427 Grad heiß werden, und auch die Intensität des Sonnenlichts erreicht bisweilen unangenehme Ausmaße – Sonnenbrille unbedingt empfohlen!
Unbedarfte Merkurreisende zeigen sich oftmals überrascht, sobald die Nacht auf dem Planeten anbricht. Während der Nachtstunden können kühle Temperaturen von bis zu minus 176 Grad erreicht werden. Vor allem Camping-Freunde und Backpacker, die nur mit einem Zelt unterwegs sind, sollten daher unbedingt Vorkehrungen für die eisigen Nächte treffen. Zu den extremen Temperaturunterschieden kommt es, da der Merkur nur eine verschwindend dünne Atmosphäre besitzt. Ohne eine solche gasförmige Schutzhülle kann ein Planet keine Wärme speichern, sodass es trotz hoher Temperaturen am Tag in der Nacht umgehend abkühlt. Auf der Erde ist die Atmosphäre also immens wichtig für den Fortbestand des Lebens, auf dem Merkur führt die fehlende Atmosphäre hingegen zu extrem vielseitigen Reisebedingungen, da es im wahrsten Sinne des Wortes zwei Welten zu entdecken gibt: Den feurigen lichtüberfluteten Merkur tagsüber und den in Dunkel getauchten, frostigen Merkur während der Nacht.

Neben der Hauptattraktion der Sonnenbeobachtung gibt es auf dem Merkur noch einen weiteren Touristen-Hotspot: das Caloris-Becken. Mit einem Durchmesser von rund 1550 Kilometern ist es der größte Krater auf dem Planeten und ein beeindruckendes natürliches Mahnmal für die zerstörerische Kraft von Asteroideneinschlägen. Der Boden des Caloris-Beckens füllte sich nach dem lange zurückliegenden Einschlag mit Magma aus dem Inneren des Merkur, sodass Wanderer heute eine interessante vulkanische Bodenstruktur vorfinden. Wem eine Wanderung durch das Becken zu langwierig ist, kann alternativ auf die umliegende Gebirgskette der Caloris Montes ausweichen. Diese sanften Hügel befinden sich am nordöstlichen Rand des Caloris-Beckens und erreichen lediglich eine Gipfelhöhe von 1 bis 2 Kilometern – sie eignen sich daher perfekt für entspannte Wandertouren mit wenigen Höhenmetern und einem atemberaubenden Ausblick auf das Caloris-Becken.
Auf Wolken schweben: Ferien auf der Venus
Unser Nachbarplanet Venus wurde von den Weltraumtourismusanbietern lange verschmäht. Zu schlecht war das Image des Planeten, der immerhin den Spitznamen »Höllenplanet« trägt – und das nicht ganz zu Unrecht: Auf der Oberfläche der Venus mit ihren 465 Grad kommen selbst hitzeerfahrene Reisende ins Schwitzen. Auch nachts wird es nicht kühler, da die Venus über eine äußerst dichte Atmosphäre verfügt. Hinzu kommen weitere Aspekte der Venusgeologie, die von vielen Touristen als unangenehm empfunden werden: Mindestens 37 aktive Vulkane sind über die Planetenoberfläche verteilt. Das gesamte Terrain wirkt lebensfeindlich und ist geprägt von erstarrten Lavaflüssen. Aus den dichten Venuswolken regnet es oft – allerdings kein Wasser, sondern Schwefelsäure. Versuche aus der Anfangsphase des Venustourismus, diesen Säureregen als Attraktion zu vermarkten, können als gescheitert betrachtet werden und wurden von einigen Besuchern sogar als »ätzend« bezeichnet.
Findigen Reiseanbietern ist es zu verdanken, dass die Venus heutzutage trotz dieser widrigen Umstände als beliebter Urlaubsort gilt. Denn die touristischen Aktivitäten auf unserem Nachbarplaneten finden nicht mehr auf seiner Oberfläche statt, sondern weit oben in den Wolken. In einer Höhe von 100 Kilometern über der Planetenoberfläche finden Reisende angenehme Temperaturen von um die 30 Grad vor und können in einem der zahlreichen schwebenden Wolkenhotels den Ausblick auf die höllische Oberfläche genießen.
Ökologisch interessierte Reisende können sich einem der zahlreichen SETI-Projekte auf der Venus anschließen. SETI steht für »Suche nach extraterrestrischer Intelligenz« und erfreut sich auf der Venus besonders großer Beliebtheit, da außerirdische Lebensformen in der Venusatmosphäre grundsätzlich für möglich gehalten werden. Seit im Jahr 2019 ein Forschungsteam der Universität Cardiff verkündete, in der Venusatmosphäre eine ungewöhnlich hohe Menge der auf der Erde meist biologisch entstehenden Substanz Phosphan entdeckt zu haben, ist ein wahrer Wettlauf um den Beweis für Leben auf der Venus entbrannt. Wer also nicht den ganzen Tag im Hotel verbringen möchte, kann sich an den überall angebotenen biochemischen Analysen der Venusatmosphäre beteiligen und vielleicht als Entdecker von außerirdischem Leben in die Geschichtsbücher eingehen.

Obwohl ein dauerhafter Aufenthalt auf der Oberfläche der Venus nicht empfohlen wird, gibt es Extremsportanbieter, die Tagestouren zu den bekanntesten Naturschauplätzen des Planeten anbieten. Empfehlenswert ist der Aufstieg zum Maat Mons, dem höchsten Berg und Vulkan der Venus. Mit einer Gipfelhöhe von rund 8 Kilometern liegt ein Vergleich zum irdischen Mount Everest nahe – Reisende sollten allerdings einplanen, dass die Temperaturen rund 400 Grad höher sind und der Maat Mons noch aktiv ist, also jederzeit ausbrechen könnte. Sprechen Sie Ihren Touranbieter unbedingt darauf an, ob er für diese Risiken vorgesorgt hat!
GEHEIMTIPP
Im Rahmen des Venera-Programms schickte die Sowjetunion in der Zeit von 1961 bis 1983 mehrere Sonden zur Venus, wovon einige sogar Landegeräte zur Oberfläche mitführten. Venusbesucher, die sich für die Geschichte der Raumfahrt interessieren, können im Rahmen einer Tagestour diese sowjetischen Landegeräte besichtigen. Besonders interessant sind die Überreste von Venera 9, die im Jahr 1975 erstmals Bilder von der Venusoberfläche und damit erstmals direkte Bilder von der Oberfläche eines anderen Planeten überhaupt zur Erde sendete. Aber Achtung: Die extremen Bedingungen der Venus haben deutliche Spuren an den Gerätschaften hinterlassen, sodass nicht mehr allzu viele Details erkennbar sind.
So nah und doch so fern: Ein Wochenendausflug zum Mond
Unser Mond ist eine Art Schnuppervariante für Reisen in den Weltraum. Mit einem mittleren Abstand von lediglich 384400 Kilometern ist er der nächste Himmelskörper an unserer Erde und wird mittlerweile sogar im Rahmen von Tagesausflügen angesteuert. Für alle unerfahrenen Weltraumtouristen ist er daher das perfekte Reiseziel, um sich mit der außerirdischen Umgebung vertraut zu machen und herauszufinden, ob das nächste Urlaubsziel dann vielleicht sogar der Mars sein soll oder doch eher wieder Punta Cana in der Karibik.
Nicht verpassen:
Ein beliebtes Mitbringsel von unserem Trabanten ist sogenannter Mondregolith. Regolith ist die Bezeichnung für den speziellen Staub, der die komplette Oberfläche des Mondes bedeckt. Da unser Mond nur eine äußerst dünne Atmosphäre besitzt, verglühen herunterfallende Meteoriten nicht und schlagen ungehindert überall auf dem Mond ein. Hierdurch wird der Boden pulverisiert, und es entsteht der puderartige Regolith.

Ein unvergessliches Erlebnis, das es in dieser Pracht nur auf unserem Mond gibt, ist der Blick auf unseren Heimatplaneten. Viele Mondbesucher berichten davon, dass die Beobachtung der aufgehenden Erde ihre Sichtweise auf unsere planetare Heimat grundlegend verändert hat. Der Anblick der grünen Kontinente, der tiefblauen Ozeane und der sanft leuchtenden Atmosphäre aus der Ferne machen die Einzigartigkeit und Zerbrechlichkeit unserer Welt in einer ungeahnten Art und Weise deutlich. Allein für dieses Erd-panorama bieten viele Anbieter mittlerweile Expresstouren zu unserem Trabanten an.
Auch aus raumfahrthistorischer Sicht ist der Mond ein geschätztes Reiseziel. Immerhin befinden sich hier einige der bedeutendsten Orte der menschlichen Raumfahrt – zu nennen sind hier natürlich vor allem die Landestellen der Apollo-Missionen. Größter Beliebtheit erfreut sich die Landestelle von Apollo 11 im Mare Tranquillitatis, wo Neil Armstrong im Jahr 1969 als erster Mensch einen fremden Himmelskörper betrat und seine berühmten Worte sprach: »Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.«
Bisweilen kann die Apollo-11-Landestelle aufgrund ihrer Popularität sehr überlaufen sein, sodass an dieser Stelle auch ein Besuch der Landestellen von Apollo 12, 14, 15, 16 und 17 empfohlen sei, die ebenso interessant aber wesentlich menschenleerer sind. Doch Achtung: Der Versuch, neben der amerikanischen Flagge ein Selfie aufzunehmen, könnte in einer Enttäuschung enden – denn durch die Weltraumstrahlung und die heftigen Temperaturschwankungen sind die Flaggen gänzlich ausgebleicht.
Der Mars: Ein Urlaub im rostigen Naturparadies
Berge, die wie Titanen am Horizont thronen. Unendliche Schluchten, die die Landschaft durchziehen wie tiefe Narben. Windgepeitschte Dünen, die von gewaltigen Naturkräften erschaffen und sogleich wieder zerstört werden. Die Rede ist nicht vom Grand-Canyon-Nationalpark, sondern vom Planeten Mars! Unser Nachbarplanet ist DIE Anlaufstelle im Sonnensystem für Naturliebhaber, Wanderfreunde und Bergsteiger. Ein Urlaub auf dem roten Planeten ist allen zu empfehlen, die sich gern im Freien betätigen. Ein bekannter Reiseanbieter wirbt nicht umsonst mit dem Slogan: »Auf dem Mars rostet alles – außer Ihre Gelenke!«
Der Mars bietet viele aufregende Naturdenkmale, doch die zwei herausragendsten Landschaftsspektakel sind der Olympus Mons und das Valle Marineris. Der Olympus Mons kann mit Fug und Recht als der König aller Berge bezeichnet werden – und damit sind nicht nur alle Berge des Mars gemeint, sondern des gesamten Sonnensystems. Mit einer Gipfelhöhe von 26 Kilometern über dem umliegenden Tiefland lässt er den Mount Everest wie einen Zwerg erscheinen. Ist eine Besteigung des Olympus Mons also nur für die Reinhold Messners unter den Besuchern geeignet? Ganz und gar nicht! Denn die Schwerkraft auf dem Mars ist wesentlich geringer als auf der Erde. Bei angenehmen 38 Prozent der irdischen Gravitation können auch unerfahrene Bergsteiger die Höhen des Olympus Mons erklimmen. Zahlreiche Touranbieter offerieren geführte Bergwanderungen auf das »Dach des roten Planeten«. Angehende Gipfelstürmer sollten allerdings mehrere Tage für die Besteigung einplanen, da sich der Olympus Mons stark in die Breite erstreckt und die Steigung dafür zwar relativ flach ist, sich aber extrem in die Länge zieht. Mit einem Durchmesser von knapp 600 Kilometern gehört der Olympus Mons zu den sogenannten Schildvulkanen, von einigen lokalen Bergführern auch liebevoll »Pfannkuchenvulkane« genannt.

Touristen, die es eher in die Tiefe statt in die Höhe zieht, sollten unbedingt das Valle Marineris besuchen – den wohl spektakulärsten Canyon unseres Sonnensystems. Das Valle Marineris wirkt wie eine tiefe Narbe in der Oberfläche des Mars, die mit einer Länge von rund 4000 Kilometern und einer Tiefe von bis zu 7 Kilometern etwa 9-mal größer als der Grand Canyon ist. Die Aussage in vielen alten Reiseführern, dass der Grand Canyon eines der »beeindruckendsten Naturspektakel überhaupt« sei, muss also spätestens seit Beginn des Mars-Tourismus in Zweifel gezogen werden. Denn ebenso wie der Olympus Mons den Mount Everest wie einen kleinen Hügel erscheinen lässt, degradiert das Valle Marineris den Grand Canyon zu einem kleinen Riss im Boden. Viele Guides bieten vor Ort Touren mit geologischem Fokus an, bei denen während einer Wanderung durch die Schlucht die Entstehungsgeschichte des Valle Marineris und die unterschiedlichen Gesteinsschichten erläutert werden. Etwas anstrengend können die vielen Händler werden, die in der Schlucht ihre Stände aufgebaut haben und verkleidet in Alien-Kostümen Touristen ansprechen, um ihre meist nicht sonderlich hochwertigen Waren zu verkaufen. Als im 19. Jahrhundert die ersten Karten vom Mars erstellt wurden, gingen viele zeitgenössische Astronomen tatsächlich noch davon aus, dass Gräben wie das Valle Marineris Kanäle seien, die von Außerirdischen errichtet wurden.
Asteroiden-Hopping und der erdnächste Zwergplanet
Für viele ist der Asteroidengürtel nur ein lästiges Hindernis auf dem Weg zu den Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Immer mehr Reisende entdecken ihn jedoch als spannende Urlaubsdestination, in der man die Alltagssorgen zwischen den Tausenden Fels- und Eisbrocken schnell vergessen kann. Der Asteroidengürtel ist eine Ansammlung von mindestens 650 000 Asteroiden und Kometen, die sich zwischen den Planeten Mars und Jupiter in einer Umlaufbahn um die Sonne anhäufen. Man geht davon aus, dass es sich hierbei um eine Art Bauschrott handelt, der bei der Entstehung der inneren Steinplaneten vor mehreren Milliarden Jahren übrig geblieben ist. Die Felsbrocken, die nicht Teil der Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars wurden, schwirren heute in einem steinigen Kollektiv in diesem Gürtel herum.
Eine beliebte Aktivität für Besucher ist das Asteroidenhopping. Da sich jeder Asteroid in seiner Beschaffenheit unterscheidet, ist es ein spaßiges Unterfangen, von Asteroid zu Asteroid zu reisen und die vielseitigen Eigenheiten zu entdecken. Einige der Asteroiden laden sogar zu mehrtätigen Erkundungstouren ein – der Asteroid Pallas beispielsweise ist mit einem Durchmesser von 546 Kilometern der größte Asteroid des Sonnensystems und erfreut sich vor allem bei deutschsprachigen Besuchern großer Beliebtheit, da er im Jahr 1802 vom Bremer Astronomen Heinrich Wilhelm Olbers entdeckt wurde, nach dem auch das Olbers-Planetarium in Bremen benannt ist.
Wer den nötigen Entdeckergeist mitbringt, kann sich im Asteroidengürtel auch auf die Suche nach noch nicht entdeckten Himmelskörpern machen. Forscher gehen davon aus, dass es dort noch wesentlich mehr Asteroiden als die bislang entdeckten 650 000 gibt. Reisende, die einen neuen Asteroiden ausfindig machen, können diesen auch benennen. Namensurkunden aus dem Asteroidengürtel sind in den letzten Jahren zu einem beliebten Mitbringsel für Touristen geworden. Allerdings sollte man sich vorher bewusst machen, dass die allermeisten Himmelskörper im Asteroidengürtel nur äußerst winzig sind. Die gesamte Masse des Asteroidengürtels entspricht nur etwa 4 Prozent des Gewichts des Erdmonds.

Ein absolutes Highlight für jeden Besucher des Asteroidengürtels ist der Zwergplanet Ceres. Mit einem Durchmesser von 964 Kilometern überschreitet er die Ausmaße eines Asteroiden deutlich und wurde daher im Jahr 2006 in die Gruppe der Zwergplaneten aufgenommen. Als größter Himmelskörper des Asteroidengürtels kann Ceres als eine Art Hauptort der Region angesehen werden – und tatsächlich herrscht auf dem Zwergplaneten immer großer Trubel, da allein der Durchreiseverkehr zu den Gasplaneten für einen stetigen Zustrom von Besuchern sorgt. Ein Besuch auf Ceres lohnt sich allerdings nicht nur zur Durchreise. Vor allem der Occator-Krater sollte auf dem Programm jedes Besuchers des Asteroidengürtels stehen. Schon aus dem Weltraum ist dieser 92 Kilometer große Krater gut zu erkennen, da sich in ihm jede Menge helle Flecken befinden. Diese hellen Flecken sind Salzablagerungen, die wohl durch hydrothermale Vorgänge an die Krateroberfläche gespült wurden. Mit anderen Worten: Unter der Oberfläche von Ceres befindet sich ein salzhaltiger Ozean. Dieser verbirgt sich allerdings 40 Kilometer unter der Oberfläche des Zwergplaneten und ist für Touristen bislang noch nicht zugänglich.
GEHEIMTIPP
Die Raumsonde Dawn erkundete von 2007 bis 2018 den Asteroidengürtel und lieferte die ersten beeindruckenden Bilder der großen Himmelskörper Vesta und Ceres. Obwohl der Kontakt zu Dawn seit 2018 abgebrochen ist, wird die Raumsonde noch viele Jahrzehnte den Zwergplaneten Ceres umkreisen. Es ist zu einer romantischen Tradition für Liebespaare geworden, bei einem nächtlichen Picknick auf Ceres nach der ausgedienten Raumsonde am mit Sternen übersäten Himmel zu suchen.
02
DIE ÄUSSEREN PLANETEN: STORM-WATCHING UND EISMOND-APRÈS-SKI
Ein Urlaub der Superlative auf den Monden des Jupiter
Wer sich im Urlaub nicht ausruhen möchte, sondern immer größere, beeindruckendere Aktivitäten von epischem Ausmaß erleben möchte, für den gibt es in unserem Sonnensystem eigentlich nur ein Ziel: den Jupiter. Der größte und schwerste Planet unseres Systems wiegt etwa doppelt so viel wie alle anderen Planeten zusammen. In der Anfangsphase des Sonnensystems vor einigen Milliarden Jahren lieferte er sich wohl sogar einen Wettkampf mit unserer Sonne und wäre fast selbst zu einem Stern geworden – war dann aber doch etwas zu leicht und konnte somit den stellaren Fusionsprozess nicht zünden.
Wer sich diesen Planetenkoloss ansehen möchte, steigt üblicherweise auf einem der zahlreichen Jupitermonde ab. Die populärsten Tourismusdestinationen sind die vier größten Jupitermonde Ganymed, Kallisto, Io, und Europa – auch bekannt als die vier Galileischen Monde. Von mittlerweile oftmals angebotenen »4 Monde in 4 Tagen«-Touren wird hier ausdrücklich abgeraten, da jeder der vier großen Jupitermonde so viel zu bieten hat, dass man sich durchaus länger Zeit nehmen sollte.
Wenn Jupiter der König der Planeten ist, ist Ganymed der König der Monde. Mit einem Durchmesser von 5262 Kilometern ist er der größte Mond des Sonnensystems und würde sogar die Voraussetzungen für einen Planeten erfüllen, wenn er die Sonne umkreisen würde. Trotzdem ist Ganymed bei Touristen bislang eher ein Geheimtipp – dies liegt womöglich daran, dass seine interessanteste Landschaft Galileo Regio auf der jupiterabgewandten Seite des Mondes liegt. Hier gibt es spannende geologische Formationen wie Krater aus der Entstehungszeit des Mondes und mysteriöse helle Streifen zu bewundern. Doch da von der Galileo Regio ein Blick auf den Jupiter nicht möglich ist, verirren sich nur wenige Touristen hierher.
Wesentlich beliebter bei Weltraumreisenden sind die Monde Io und Europa, die gerade aufgrund ihrer Gegensätze so faszinierend sind. Io ist eine lebensfeindliche Lavawelt, die den stärksten Vulkanismus im gesamten Sonnensystem besitzt. Die größten Hotelanlagen befinden sich neben gigantischen mit Lava gefüllten Schloten. Zu nennen ist hier vor allem der Lavaschlot Tupan Pantera, ein 75 Kilometer großer See aus flüssigem Schwefel. Für den entspannten Familienurlaub eignet sich der Mond Io also nicht wirklich – der penetrante Schwefelgeruch und die umherspritzende Lava sind nur etwas für Extremtouristen. Ios ungleicher Zwilling ist der Mond Europa, eine eisige Welt und wahrscheinlicher Kandidat für außerirdisches Leben. Die Top-Attraktion auf Europa sind die sogenannten Kryo-Vulkane, beeindruckende Geysire, aus denen flüssiges Wasser an die Oberfläche spritzt. Obwohl Europa so weit von der Sonne entfernt ist, schmilzt das Eis in seinem Inneren aufgrund der Schwerkraft des Jupiters. Durch die immense Gravitation knetet Jupiter seine Monde regelrecht durch und schafft so die Voraussetzungen für flüssiges Wasser und die berühmten Eisvulkane. Reisende sollten sich bei all der Begeisterung für die Kryo-Vulkane in Acht nehmen: Unseriöse Scharlatane verkaufen am Rand der Geysire angebliches »Kryo-Heilwasser«. Auf keinen Fall kaufen, es handelt sich um ganz normales Wasser!

Nicht verpassen:
Von der Oberfläche aller Monde lassen sich bei günstigen Bedingungen die beeindruckenden Stürme des Jupiter beobachten. Insbesondere der sogenannte »Große Rote Fleck« gehört zum absoluten Standardprogramm für jeden Jupiter-Touristen. Dieses gigantische Hochdruckgebiet ist größer als unsere Erde und damit ein Sturm, dessen Ausmaß im wahrsten Sinne des Wortes nicht von dieser Welt ist. Wer den Großen Roten Fleck noch sehen möchte, sollte sich allerdings sputen: Seit Jahren stellt man fest, dass der Sturm schrumpft und immer kleiner wird – bis er wohl irgendwann gänzlich verschwinden wird.
Um Fassung ringen auf den Ringen des Saturns
Obwohl der Saturn es in Sachen Größe und Gewicht nicht mit dem Jupiter aufnehmen kann, haben offizielle Statistiken der Reisebranche gezeigt, dass er trotzdem der meistbesuchte und beliebteste fremde Planet ist. Das ist auch kaum verwunderlich: Welches Kind träumt nicht davon, irgendwann die Ringe des Saturns aus der Nähe bewundern zu können?
Viele Touristen sind erstaunt, wenn sie sich dem Saturn das erste Mal nähern und feststellen, dass er von Tausenden Ringen und nicht nur von einem großen umgeben ist. Über 100 000 Ringe aus Steinchen, Staub und Eisbrocken säumen den Saturn. Viele Anbieter bieten Flugreisen durch die Ringe an – Angst vor einer Kollision muss man hierbei nicht haben. Obwohl die Ringe aus der Ferne eine feste Oberfläche zu haben scheinen, bestehen sie lediglich aus Kleinstteilchen, die einen ausreichend großen Abstand voneinander besitzen.

Da die Oberfläche des Saturns gasförmig ist, befinden sich die Touristenunterkünfte auch hier auf den zahlreichen Monden. Mit 82 Trabanten besitzt Saturn die meisten Monde aller Planeten im Sonnensystem, der größte und bekannteste ist der Titan. Titan hat sich zu einem wahren Urlaubsparadies entwickelt, was wohl an seinen idyllischen Seenlandschaften liegen dürfte. Besucher müssen jedoch unbedingt darauf achten, nicht in den zahlreichen Seen des Mondes schwimmen zu gehen. Sie sind nämlich nicht gefüllt mit Wasser, sondern mit flüssigem Methan. Ein Bad auf dem Titan würde also ein jähes Ende des Urlaubs bedeuten.
Vor allem für Fans der Filmreihe »Star Wars« lohnt sich ein Ausflug zum Mond Mimas. Dessen Aussehen erinnert unweigerlich an den aus den Filmen bekannten Todesstern, eine mächtige Kriegswaffe, mit der sogar ganze Planeten zerstört werden können. Die Ähnlichkeit entsteht durch den riesigen Herschel-Krater auf Mimas, der in etwa so wie die Laser-Öffnung des Todessterns aussieht. Der Herschel-Krater ist 130 Kilometer groß und ist wohl vor langer Zeit durch einen Asteroideneinschlag entstanden, der Mimas fast zerrissen haben muss. Eine Wanderung durch den Krater ist unbedingt empfehlenswert: In der Mitte türmt sich ein knapp 11 Kilometer hoher Zentralberg auf, einer der höchsten Berge des Sonnensystems!
GEHEIMTIPP
Eine deutlich weniger überlaufene Alternative zum Jupiter-Eismond Europa ist Enceladus. Enceladus ist Saturns bekanntester Eismond und ist ebenso wie Europa bedeckt mit Eisvulkanen und besitzt einen unterirdischen Ozean, in dem Forscher sogar Strömungen nachweisen konnten, die denen unserer Weltmeere ähneln. Viele halten den unterirdischen Ozean von Enceladus für einen der wahrscheinlichsten Orte für außeridisches Leben in unserem Sonnensystem. Einen Tauchgang unter der Eiskruste des Enceladus sollten Sie sich also nicht entgehen lassen!
Pulsuz fraqment bitdi.