Kitabı oxu: «... weil Hunde wahre Helden sind»

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... weil Hunde wahre Helden sind
Geschichten, die das Leben schrieb
Udo Ingenbrand (Hrsg.)

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Impressum
Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
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© 2021 – Papierfresserchens MTM-Verlag GbR
Mühlstr. 10, 88085 Langenargen
Alle Rechte vorbehalten. Taschenbuchauflage erschienen 2021.
Lektorat + Gestaltung: CAT creativ - cat-creativ.at
Coverbild: © Solano - Adobe Stock lizenziert
ISBN: 978-3-96074-420-7 - Taschenbuch
ISBN: 978-3-96074-421-4 - E-Book
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Inhalt
Ich bat Gott um einen Freund und er schickte mir einen Hund ...
Arkas erstes Jahr
Wie sind wir auf den Hund gekommen?
Der Nachwuchs meines Schwagers
Voll aus dem Leben
Ein Geschenk der Götter
Das Rudel
Meine Jahre mit Emma
Was ist denn das für ein Ding?
Männerfreundschaft
Patchworkfamilie
Meine Beardies und ich
Der Wunsch, der mein Leben veränderte
Peer
Bumblebee – Du tust mir einfach gut
Blödmann
Balu – heute hier, morgen dort ...
Auf der Suche nach Muckel
Ausflug zum „Fressnapf“
Chinesische Rollbraten
Wo der Hund begraben liegt ...
Darf ich vorstellen: Lilly
Unser Leben mit Radha
Kalli – unser Herz mit viel Fell drum rum
Mein Leben mit Justus
Bennys zweiter Geburtstag
Rex, unser Dreckspatz
Jeder Hund ist einzigartig
Pearl
Unsere Ellie
Benji gibt mehr als nur Pfötchen
Meilo – vom Tötungshund zum Therapiehund
Ein neues Leben in meinen Händen8
Annis Besuch
Der Nebel
Ein Wildfang wird zum Therapiehund
Ein neues Leben fängt an
Vom ungeliebten Straßenköter zum Symbol für Tiere
Viele Umwege zum Glück
Sonne
Ein Hund ist der bessere Mensch
Zuerst war da Josef ...
Nachwort
Der Herausgeber
Buchtipp
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Ich bat Gott um einen Freund und er schickte mir einen Hund ...
Diesen ersten Satz habe ich bewusst gewählt, um Sie, liebe Leserinnen und Leser, direkt an dieses Buch, das Sie gerade in Ihren Händen halten, zu fesseln. Ich wollte nicht, dass Sie auf die Idee kommen, es direkt wieder auf die Seite zu legen, nur weil es mit etwas Langweiligem wie Vorwort oder Wie ist dieses Buch entstanden? beginnt.
Wisst ihr noch, als wir uns das erste Mal gesehen haben? Gut kann ich mich noch daran erinnern, gerade so, als ob es erst gestern gewesen wäre. Vom ersten Moment an hatte ich euch ins Herz geschlossen. Und als ihr mich mit euren großen, braunen Augen angestrahlt habt, war es jedes Mal um mich geschehen. Ich wusste sofort, dass wir uns verstehen würden, ohne viele Worte, und genauso ist es auch immer gewesen, all die Zeit, die wir schon zusammen verbringen. Nie seid ihr böse mit mir, immer seid ihr mir voller Freude begegnet, ganz gleich, wie lange ich weg war. Ihr schaut mich nie schief an, wenn ich morgens aussehe, als hätte ich mit beiden Händen in die Steckdose gefasst, weil meine Haare in alle Richtungen abstehen, wenn ich verschlafen die Treppe herunter komme. Und wenn ich wirklich mal schlecht gelaunt bin, habt ihr immer irgendeinen Einfall, der mich dann doch wieder zum Lachen bringt. Es gibt niemand, der anspruchsloser wäre als ihr. Euch genügt es, wenn ich mir einfach Zeit für euch nehme. Wenn wir zusammen durch die Wälder ziehen und die herrliche Landschaft genießen, in der wir leben dürfen. Und wenn wir dann wieder zu Hause sind und ich euch etwas Gutes zu essen gebe, ist das für euch der schönste Abschluss eines gelungenen Tages.
Was ich so besonders an euch schätze, ist euer Feingefühl. Euch entgeht kein Augenblick, an dem ich vielleicht einmal traurig bin. Dann kommt ihr ganz nah zu mir, legt euren Kopf auf meine Beine und versucht, mich zu trösten. Niemals hat einer von euch irgendetwas weitererzählt, das ich einem von euch anvertraut habe. Von wem kann man das schon behaupten? Und ich habe euch viel anvertraut in einer meiner schwersten Zeiten, die ich durchlebte. Auch wenn ich das Gefühl hatte, alles und jeder verlässt mich gerade, war einer von euch immer an meiner Seite. Ob das die Scheidung meiner Ehe war und somit auch die Trennung von meinem Sohn, der plötzliche Tod eines nahen Verwandten, der Verlust meines ersten eigenen Hundes Lucky, den ihr leider nicht mehr kennenlernen konntet. Nicht zuletzt meine Selbstzweifel, ob ich es tatsächlich schaffe, mein erstes Buch auf den Markt zu bringen.
Die Aufgabe meiner angesehenen ehrenamtlichen Arbeit als Hundetrainer, die ein großes Loch in mein Leben riss. Selbst wenn ich in dieser harten Zeit manchmal etwas ungerecht zu euch war, habt ihr mir das nie übel genommen, und nachtragend war keiner von euch. Es gibt, wenn ich das so betrachte, nichts an euch, das man kritisieren müsste. Umgekehrt könnt ihr das von mir sicher nicht behaupten. Aber ihr habt nie auch nur einen Ton gesagt, nein, ganz im Gegenteil, ihr nehmt mich immer so, wie ich gerade bin. Es reicht euch völlig und dabei geht euch gut, wenn ich mich neben euch setzte, meine Hand auf euren Kopf lege und euch hinter euren Ohren kraule. Dann seufzt ihr ganz zufrieden, macht eure Augen zu und träumt einfach vor euch hin.
Jedem wünsche ich solch einen Freund, so einen treuen Hund, wie ihr es seid. Und ich darf gar nicht an den Tag denken, an dem ihr einmal nicht mehr bei mir seid, weil der liebe Gott die Hunde nun mal nicht so alt werden lässt wie uns Menschen. Am liebsten wäre es mir, wenn ihr einfach abends in euer Körbchen zum Schlafen geht und euch ganz friedlich auf den Weg über die Regenbogenbrücke in den Hundehimmel macht. Ich wünsche es mir für euch, für Gladys und Lotte, meine beiden Labradore, weil ihr das verdient hättet. Und, ehrlich gesagt, auch für mich, weil ich ein alter Feigling bin und die Vorstellung, dass ich euch beim Tierarzt eine Spritze geben lassen muss, damit ihr sterben könnt, mir den Magen umdreht und schon heute die Tränen in die Augen treibt.
Aber noch hab ich euch ja, und ich wünsche mir noch viele schöne Jahre mit euch. Wenn euch eines Tages manches nicht mehr so leicht fällt und ihr schneller aus der Puste kommt. Wenn ihr die Stöckchen, die ich euch werfe, eigentlich nur noch holt, weil ihr der Meinung seid, dass ihr mir damit eine Freude bereitet. Aber gerade dann, wenn ihr in die Jahre kommt, hab ich euch noch lieber, als es ohnehin schon der Fall ist. Vielleicht deshalb, weil ich euch jetzt ein bisschen was von dem zurückgeben kann, was ihr mir geschenkt habt, und euch meine Dankbarkeit zeige, indem ich euch pflege und Rücksicht nehme auf eure Wehwehchen, die sich nach und nach einstellen werden.
Und wenn der Tag kommt, an dem wir voneinander Abschied nehmen müssen, dann hoffe ich, dass ihr dort oben auf mich wartet, denn ich bin sicher, dass unser Gott auch alle Tiere bei sich sein lässt, weil diese immer noch die besseren Menschen sind.
Im Geist sehe ich euch auf einer weißen Wattewolke stehen, wie ihr mit eurem Schwanz wedelt und darauf wartet, dass ich euch wieder ein Stöckchen werfe.
Dank meiner beiden Hunde und meiner jetzigen Frau Viola habe ich ins Leben zurückgefunden und kann wieder der Mensch sein, der ich eigentlich bin, auch wenn mich Vergangenes immer mal wieder einholt.
Es war am Geburtstag meines bereits erwachsenen Sohnes, als sich wieder einmal das Vergangene wie ein Film in meinen Kopf abspielte und plötzlich stellte ich mir die Frage: Welche Geschichten stehen hinter anderen Menschen und ihren Hunden? Wie sind sie auf den Hund gekommen? Hat vielleicht der Zufall eine Rolle gespielt? Wie hat sich das Leben mit Hund seitdem verändert? Was hätten diese Menschen zu erzählen? Vielleicht eine schöne, lustige Geschichte? Oder doch ein trauriges Schicksal?
Ich wollte alle diese Fragen und noch viele mehr beantwortet haben. Ich fing an, zu recherchieren und mich auf die Suche zu machen nach Menschen, die mir ihre Geschichte erzählten …
Udo Ingenbrand
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Arkas erstes Jahr
Das Sauerland, ein Einfamilienhaus und viel Natur drum herum. Hier wohnen wir, Nina und Pascal und seit Januar 2018 auch Arkas, ein nunmehr 16 Monate alter Labrador, in dessen erstem Jahr im Sauerland einiges passiert ist.
Vorweg aber, wie sind wir auf den Hund gekommen?
Nun, eigentlich wollten wir beide schon immer einen Hund haben, aber erst ab Mitte 2017 konnten wir auch durch die gegebenen Umstände garantieren, dass immer mindestens einer von uns zu Hause sein kann – und damit war es dann so weit: Ein Hund sollte her!
Zuerst war natürlich zu klären, was für einen Hund? Wichtig war, dass es ein mehr oder weniger großer Hund werden sollte. Dann sollte es ein Familienhund sein, der auch gut mit dem geplanten Familiennachwuchs klarkommen würde. Eine umgängliche, soziale und zutrauliche, auch gerne mal kuschelige, herzliche Rasse, die auch mal spielt und mit der was los ist! Eben ein freundlicher, familiärer Hund, der im Notfall auch mal durch seine Statur und sein Auftreten Respekt einflößen kann, wenn es sein muss. Wenn man also alles berücksichtigen wollte, blieb eigentlich – abgesehen vom Labrador – nicht mehr viel Auswahl … Also fiel die Entscheidung: ein Labrador!
Nach dem Lesen vieler Anzeigen im Internet, welche zum Teil auch recht zwielichtig erschienen, fanden wir im Internet eine Annonce von Udo Ingenbrand und nach kurzer Korrespondenz fuhren wir einige Zeit später in Richtung Mainz – zum ersten Beschnuppern.
Hier fiel die Entscheidung nun recht schnell, als der liebe Arkas aus dem Wurf auf uns beide zuwatschelte, als wir im Raum standen und uns mit Herr Ingenbrand unterhielten. So gesehen entschied sich Arkas eigentlich für seine neue Familie. Wir nahmen ihn kurzerhand auf den Arm – und wer schon einmal einen Welpen im Arm hatte, wird nachvollziehen können, dass es Liebe auf den ersten Blick war! Gefühlt verging die Zeit, bis wir ihn abholen durften, gar nicht.
Anfang Januar war es endlich so weit. Noch schnell den Papierkram gemacht und als alles Wichtige erledigt war, durfte Arkas dann endlich bei uns einziehen!
Auf der Fahrt nach Hause, bedingt durch die Trennung von Mama und den Geschwistern, zeterte und quiekte Arkas am Anfang noch in seiner Box im Auto. Nach einer Weile aber schlief er dann selig ein und es ging für ihn in sein neues Zuhause nach Lüdenscheid.
Ich wurde wach und war nicht mehr bei Mama und meinem Rudel. Ich erinnere mich noch, dass ich von den Menschen in so eine komische Box gepackt wurde und sich alles bewegt hat. Nachdem alles Gefrage, was los ist, nichts brachte, bin ich irgendwann eingeschlafen und nun: ein neues Haus und eine ganz neue Umgebung. Erst mal hab ich Pipi in den großen Raum gemacht, als ich reinkam. Markieren muss ja sein. Und dann hab ich das große Kissen gesehen, ein so großes Kissen, ganz für mich alleine? Hier gefällt’s mir!
Nach dem Aufwachen musste ich mein großes Geschäft erledigen, ich hatte wohl lange geschlafen, denn es war eilig, also da, wo Platz war! Aber meine neuen Menschen sagten, dass ich dafür rausgehen müsste. Seitdem bin ich immer brav zur Tür gegangen oder hab gesagt, wenn ich musste. Und es ist auch immer jemand gekommen, um mit mir nach draußen zu gehen. Sie nennen das Gassi gehen, aber egal, ich darf laufen und kann auch da machen, wo es mir passt. Das ist ok für mich! Ich geh dann sogar an die Seite und mache nicht mitten auf den Weg. So sind alle zufrieden.
Mittlerweile hat sich das so eingespielt, dass ich, wenn wir nicht vor der Haustür Gassi gehen, immer frei laufen darf. Ich bin froh, dass Herrchen und Frauchen mir so vertrauen. Aber sie haben mir auch verraten, dass es sie das erste Mal wohl eine ganz schöne Überwindung kostete, mich frei laufen zu lassen.
Wenn wir mit dem Auto fahren, ich musste am Anfang ein paar Mal schimpfen, weil man mich immer in die Box steckte, darf ich nun auf den Rücksitz, hier werde ich mit einem Brustgeschirr angeschnallt, aber das macht nichts. Auf dem Rücksitz mitfahren, gefällt mir viel besser als in der Box, hier hab ich nämlich mehr Platz und kann auch während der Fahrt aus dem Fenster gucken. Die Box hab ich zwar auch noch, aber die steht halt nur zu Hause rum, falls ich mich mal zurückziehen will. Ich hab eigentlich viele Boxen: zu Hause bei Herrchen und Frauchen hab ich zwei, eine unten und eine im oberen Stockwerk. Auch bei Oma und Opa steht eine Box für mich und bei meiner anderen Oma ist auch eine Box, so hab ich überall einen Rückzugsort.
Wenn ich mit Herrchen und Frauchen verreise, nehmen wir auch immer eine meiner Boxen mit, sodass ich überall was hab, wo ich hinkann und mich wohlfühle!
Wo wir grad beim Verreisen sind, ich verreise viel mit Frauchen und Herrchen. Da erste Mal groß verreist bin ich schon im März, da ging es nach Rügen. Rügen war schön, hier lag jede Menge Schnee! Schnee hatte ich zwar zu Hause auch schon kennengelernt, aber nicht so viel. Ich muss sagen, ich finde Schnee super, das macht immer so riesig Spaß, in dem weißen Zeug rumzutoben. Ich bin zwar dann auch immer nass und kalt, aber sobald wir dann zum Auto, nach Hause oder ins Hotel kommen, werde ich immer gut von Herrchen oder Frauchen abgetrocknet, sodass das kein Problem ist.
Aber Schnee gibt’s nicht immer draußen! Wenn’s keinen Schnee gibt, find ich auch Wasser super. Mittlerweile kann ich schon gut schwimmen und hole sogar Stöckchen oder Bälle aus dem Wasser. Herrchen und Frauchen sind aber irgendwie, was das angeht, komisch: Kaum bringe ich denen so ein Stöckchen, schmeißen die es wieder weg, sodass ich es erneut holen muss, aber egal, dann kann ich wieder ins Wasser, das macht total Laune!
Wobei ich sagen muss, ich war nicht immer so gerne im Wasser. Ganz früher bin ich nur bis zum Bauch ins Wasser gegangen. Bis Herrchen irgendwann mal in so ein ganz großes Wasser gegangen ist, da bin ich mitgekommen und zum ersten Mal geschwommen. Sie nannten das große Wasser Meer und es bewegte sich so ein bisschen, außerdem schmeckte es nicht so gut wie die anderen Wasser, die ich sonst so trinke, aber gut, dann trink ich es halt nicht. Man muss ja auch nicht alles trinken!
Wenn wir unterwegs sind, lerne ich immer mal neue Freunde kennen. Ich darf dann meistens mit den anderen spielen. Herrchen oder Frauchen müssen die anderen Menschen vorher wohl immer fragen, ob ich spielen darf, aber meistens darf ich dann mit den anderen rumtollen.
Ich kann mittlerweile auch schon viele Tricks, die ich zu Hause und in der Hundeschule gelernt habe: Sitz, Platz, Warte und Nein. Natürlich höre ich auch auf meinen Namen, wenn ich gerufen werde, oder auf die Pfeife.
Wenn ich etwas richtig gemacht habe, gibt es immer Leckerchen, die schmecken echt gut.
Blöd finde ich allerdings, wenn ich zum Tierarzt muss und da dann Spritzen oder so bekomme. Meine Menschen sagen zwar, das müsse sein und es sei gut für mich – und ich werde auch jedes Mal für meine Tapferkeit belohnt –, aber schön ist das trotzdem nie.
Apropos Tierarzt, einmal hab ich ziemlichen Mist gebaut, glaube ich. Meine menschliche Mama hat zumindest sehr besorgt reagiert. Ich war damals noch jünger und Mama war mit mir im Garten. Ich hab gespielt und Mama war irgendwie mit der Wäsche beschäftigt. Irgendwann habe ich mal eine so eine komische Blume probiert, weil ich wissen wollte, was das ist. Und dann war Mama plötzlich ganz aufgeregt und besorgt und hatte Angst um mich und ist sofort mit mir zum Tierarzt. Da hab ich irgendein Zeug bekommen, von dem mir schlecht wurde und dann musste ich mich in einen Eimer übergeben. Danach gab es noch was zur Stärkung.
Mama hatte Papa sogar auf der Arbeit angerufen und der ist dann auch sofort zum Tierarzt gekommen. Aber ich hab das alles gut überstanden! Und Frauchen und Herrchen haben mich ganz doll lieb, das hab ich da richtig gemerkt, es ist also doch nicht alles schlimm gewesen an diesem Erlebnis.
Es war spät abends und ich hatte urplötzlich Durchfall. Deswegen musste ich immer ganz schnell raus. Papa musste arbeiten, aber Mama war ja da. Mama hat dann mit mir im Wohnzimmer geschlafen, damit sie mich immer direkt raus in den Garten lassen konnte. Da hatte Mama damals auch ziemlich Angst um mich und hat zwischendurch sogar den Notdienst vom Tierarzt angerufen, weil sie befürchtete, dass ich dehydriere. Ich glaub, das ist, wenn man zu wenig Wasser im Körper hat. Aber auch da ist alles gut gegangen. Mama hat immer aufgepasst, dass ich in der Nacht brav regelmäßig etwas trinke …
Ja, ich glaube, ich habe meinen Menschen manchmal richtig Sorgen gemacht. Aber sie haben mich trotzdem lieb!
Alles in allem würde ich sagen, dass ich mir damals die richtige Familie ausgesucht habe. Und ich bin auch sehr gerne bei meinen Omas und Opas! Mir geht’s super hier!
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Wie sind wir auf den Hund gekommen?
Gute Frage ...
Meine Schwiegereltern hatten einen tollen Rottweiler, der wirklich eine Seele von Hund war. Ich glaube, mit der Begeisterung für diesen Hund fing alles an. Wir haben seitdem immer gesagt: „Hätten wir mehr Zeit, würden wir uns auch gerne einen Hund anschaffen.“ Mein Mann ist selbstständig und im Wort steckt es schon drin: selbst und ständig ... Ich hatte einen Ganztagsjob im Büro in der Lebensmittelbranche, also keine guten Voraussetzungen für einen Hund. Im Jahr 2007 kam dann unsere Tochter zur Welt, ich blieb drei Jahre zu Hause, aber ein Hund und ein kleines Kind kam für uns dann auch nicht infrage. Es dauerte dann doch weitere zehn Jahre, in dieser Zeit hatte sich einiges getan.
Unsere Tochter war zu einem Teenager herangewachsen und ich hatte meine Arbeitsstelle gewechselt, sodass ich nur noch an vier Vormittagen zur Arbeit fuhr. Unsere Tochter war es dann auch, die den Stein so richtig ins Rollen brachte, als sie sagte: „Ihr habt doch immer gesagt, wenn du nachmittags zu Hause wärst, könnten wir auch einen Hund haben.“
Wir haben dann noch fast ein ganzes Jahr überlegt. Was hieß ein Hund für uns? Was war mit Hundehaaren? Was mit Urlaub? Wollten wir einen Welpen? Bekamen wir das hin? Und nicht zuletzt: Welcher Hund würde überhaupt zu uns passen?
Wir haben uns mit anderen Hundebesitzern ausgetauscht und uns natürlich auch im Internet informiert. Irgendwann stand dann fest: Ja, wir wollen einen Hund! Da wir unter anderem auf unseren Wanderungen und in unserem Bekanntenkreis so viele tolle Labradore kennengelernt hatten, legten wir uns auf diese Rasse fest.
Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Eine Kleinanzeige weckte unser Interesse, der Text sprach uns gleich an. Besonders gefiel uns, dass die Welpen in eine Familie geboren wurden und im Familienkreis ihre ersten Wochen verbracht hatten. Ein Telefonat, einige Informationen ... und schon hatten wir eine Hündin reserviert.
Als ich den Hörer unseres Telefons auflegte, klopfte mir das Herz bis zum Hals und auch mein Mann und unsere Tochter waren aufgeregt und voller Vorfreude.
Als wir die ersten Fotos von den winzigen Welpen sahen, waren wir sofort verliebt und konnten die Zeit bis zum ersten Besuch kaum abwarten. Dann unseren kleinen Welpen im Arm zu halten, war wunderschön und die Zeit bis zum Abholtermin kam besonders unserer Tochter ewig vor.
Anfang Januar war es dann so weit, Kira zog bei uns ein. Nachdem sie die letzte Nacht beim Züchter viel geweint hatte, weil alle ihre Geschwister bereits abgeholt worden waren, war der erste Tag und die erste Nacht bei uns recht entspannt, denn Kira schlief viel.
Mit zahlreichen sehr guten Tipps starteten wir motiviert in die Erziehung. Von Anfang an super funktioniert hat das Warten im Sitz aufs Futter und erst fressen, wenn das Kommando kommt. Typisch Labrador halt, wenn es ums Futter geht.
Die Sauberkeitserziehung gestaltete sich da schon schwieriger. Irgendwie fand Kira es besser, draußen Spaß zu haben und dann zu machen, wenn wir gerade wieder ins Haus kamen. Mit viel Geduld und der ein oder anderen Belohnung, wenn es dann doch mal draußen klappte, bekamen wir das Ganze aber auch in den Griff. Seitdem sie es einmal richtig verstanden hatte, ging auch so gut wie nie mehr was ins Haus. Nachts waren wir tatsächlich nur die ersten beiden Nächte mit ihr draußen, dann reichte es, früh am Morgen mit ihr zu gehen.
Das allein Bleiben funktionierte erstaunlich schnell. Wir schickten sie anfangs in ihre Schlafbox und fingen mit ein paar Minuten an. Dies wurde immer weiter gesteigert, bis es dann auch den ganzen Vormittag und – das sogar auch ohne Box – funktionierte. Auch wenn anfangs der ein oder andere nicht weggeräumte Schuh dran glauben musste, bleibt sie mittlerweile ohne Probleme alleine zu Hause.
Wenn ich morgens meine Schuhe anziehe und meinen Schlüssel nehme, um zur Arbeit zu fahren, Kira kennt den Unterschied zwischen Schuhe zum Spazieren und Schuhe für die Arbeit ganz genau, rennt sie schon auf ihren Platz, denn sie weiß, wenn ich fahre, gibt es immer noch etwas Gutes zum Kauen.
Ab und an geht sie noch an den Papiermülleimer und wenn dann eine leere Brötchentüte oder ein Eierkarton drin ist, wird daraus schon einmal Konfetti gemacht. Das passiert aber auch, wenn wir zu Hause sind.
Fressen spielt bei Kira – wie wahrscheinlich bei jedem Labrador – eine große Rolle. Alles, was Essbares auf den Boden fällt, wird ganz schnell gefuttert, wenn es nicht schnell genug aufgehoben wird. Wenn besonders leckere Sachen zu nah an der Kante der Arbeitsfläche stehen, kommt auch schon einmal das ein oder andere weg. Einmal stand dort eine Pfanne mit gebratenem Hackfleisch, die fein säuberlich bis zur Mitte, also so weit wie Kira rankam, sauber geschleckt war. Ein kurz unbeobachteter Würstchenteller fiel auf wundersame Weise von der Arbeitsfläche. Als ich durch das Scheppern alarmiert in die Küche lief, waren zwei feine Bratwürstchen schon verputzt, die groben erschienen ihr scheinbar nicht so lecker, diese lagen noch da.
Wasser ist das zweite große Thema, bei dem Kira typisch Labbi ist. Unseren Miniteich nutzt sie regelmäßig als Badewanne. Ist in einem Garten, in dem wir zu Besuch sind, ein Teich, ist Kira sekundenschnell darin abgetaucht und wühlt schön Algen und Schmutz auf. Zum Glück durften wir bisher aber bei allen wieder zu Besuch kommen. Lustig wurde es auch, als ein solcher Teich zugefroren war und Kira sich als Eisprinzessin versuchte. Es war gar nicht so einfach, sie wieder vom Eis zu bekommen. Sie fand es scheinbar ziemlich lustig, dort herumzuschliddern, und ging immer wieder auf die Eisfläche zurück. Ebenso liebt sie es, im Schnee herumzutollen. Die Kinder mit den Schlitten fand sie zunächst scheinbar Furcht einflößend, hat sich aber nach und nach an den Anblick gewöhnt und stört sich heute nicht mehr daran.
Sie ist ein sehr geselliger Hund, freut sich wie verrückt über jeden Besucher, egal ob Hund oder Mensch, ist dabei oft sehr wild, aber erstaunlich vorsichtig bei kleineren Hunden und Kindern.
Nun ist Kira schon mehr als ein Jahr bei uns und wir könnten uns ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Ja, sie macht Dreck, ja, sie ist oft ungestüm, ja, sie verliert stellenweise unglaublich viele Haare. Jetzt im Frühjahr hatte ich schon die Theorie: Sie mag wohl unsere Fliesen nicht und versucht, einen Teppich aus ihren Haaren zu basteln. Ja, sie macht viel Blödsinn und auch immer mal wieder etwas kaputt, aber ... sie gibt uns unglaublich viel Freude und Spaß. Durch sie haben wir viel Bewegung an der frischen Luft, tolle Begegnungen mit anderen Hundebesitzern und oft ganz viel zu lachen.
Natürlich gibt es noch einiges, an dem wir noch arbeiten müssen, aber das bekommen wir auch noch hin. Und wenn alles perfekt wäre, wäre es doch nur halb so lustig und spannend.
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Der Nachwuchs meines Schwagers
Gaia ist gar nicht mein Hund, sondern der kleine Liebling meines Schwagers. Aber da mein Schwager berufstätig ist und viele Termine hat und Gaia nicht den ganzen Tag alleine bleiben soll, haben meine Kinder und ich den kleinen schwarzen Welpen kennen- und lieben gelernt. Ich habe von ihm auf eine sehr lustige Weise erfahren. Mein Schwager und seine Freundin wollten etwas Wichtiges bei einem Familienfest ankündigen, dann hörte ich etwas über Nachwuchs. Ich freute mich riesig, dass es bald schon noch ein Baby in unserer Familie geben würde. Ich sprang voller Freude von meinem Stuhl auf, um den beiden zu gratulieren, als sie sagten: „Ja, wir bekommen einen Hund! Eine französische Bulldogge.“
Bitte! Den Hund als Nachwuchs ankündigen! Ich wusste erst einmal nicht, was ich dazu sagen sollte, und war sichtlich enttäuscht. Freute ich mich etwas später aber auch mit den beiden, da ich Tiere liebe, und lieber ein Hundenachwuchs als überhaupt kein Nachwuchs!
Wir besuchten Gaia daraufhin, als sie mit acht Wochen bei meinem Schwager eingezogen war. Als wir das Haus meines Schwagers betraten, sahen wir ein kleines schwarzes Hundebaby, das auf uns zugelaufen kam und uns mit dem Lecken unserer Hände und Gesichter freundlich begrüßte. Ich bemerkte aber sofort bei meinem Schwager, dass er etwas besorgt war. Ihm war wohl vonseiten des Züchters gesagt worden, dass die ersten Lebensmonate entscheidend im Leben eines Hundes seien. Seine Sorgen und Ängste waren aber völlig unbegründet, da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, wie es zwischen mir und Gaia funktionieren würde. Ich hatte als Erwachsene noch nie einen Hund und mich natürlich bereit erklärt, auf den Familienzuwachs aufzupassen, wenn der Hundepapa Termine hätte. Ich selbst sah das völlig entspannt und freute mich schon jetzt auf diese gemeinsame Zeit.
Meine Kinder gingen sehr liebevoll mit dem Welpen um. Sie streichelten ihn, boten ihm das Hundespielzeug an und nach einer Weile fühlten wir uns als, ob wir den Hund schon immer gekannt hätten.
Gaia ist der Nachwuchs einer Bulldoggen-Familie. Ihr Vater ist schwarz-weiß und die Mutter klein, eigentlich sehr klein im Vergleich zum Vater, der übrigens eine schwarz-braune Fellfarbe hat. Gaia ist eines von vier Geschwisterchen, die alle einen römischen Namen bekamen. Gaia ist ganz schwarz, nur an ihrem Hals trägt sie eine kleine weiße Krawatte. Ihre dicken Pfoten sind mit den Beinchen eines Babys vergleichbar, das seine ersten Schritte macht.
Ganz süß ist sie, nein, zuckersüß. Besonders schön sind ihre Augen, schwarz und groß wie die eines Rehs. Bei diesem Anblick kann ich nur schwer Nein sagen, denn diese Augen gucken einen so liebevoll an ... schon ist es um mich geschehen!
Oje, die Erziehung eines Hundes ist keine leichte Sache! Meiner Meinung nach ist sie mit der Erziehung eines Kindes vergleichbar. Die Gefühle stehen uns im Weg. Ich muss wohl lernen, auch beim Hund konsequent zu sein. Als der kleine Welpe zum ersten Mal zu uns kam, war er noch sehr verspielt und ungehorsam. So versuchte der kleine Schlingel, unser Sofa mit seinen kleinen Zähnchen zu bearbeiten. Zum Glück hatten wir einen Früchtebaum im Hof stehen und gaben Gaia einen kleinen leckeren Ast davon – unsere Couch war erst einmal gerettet.
Ich war glücklich mit der neuen Situation und war von Anfang an jedes Mal voller Vorfreude, wenn ich auf diesen süßen Fratz aufpassen durfte. Jedes Mal, wenn die kleine Maus zu uns gebracht wurde, war sie ein Stück gewachsen und konnte immer wieder etwas Neues.
Zu Beginn war sie natürlich noch nicht stubenrein, sie erleichterte sich, wo sie gerade wollte, und machte da auch keinen Unterschied, ob es unser Parkettboden, der Teppich oder eine Wolldecke war, die meine Kinder auf dem Boden immer mal wieder einfach liegen ließen. So hatte ich die nächsten Wochen plötzlich nichts mehr anderes zu tun, als Gaia im Auge zu behalten, unter den Arm zu klemmen und schnell nach draußen zu bringen.
Für mein Gefühl dauerte das eine halbe Ewigkeit – und unser Parkett und der ein und andere Teppichboden litten ganz schön –, bis sich dann doch ihr Verhalten änderte und unser kleiner Freund vor mit bettelndem Blick vor der Tür stand: „Lass mich doch raus, ich glaube, ich muss mal.“ In unserem Garten konnte sich die Kleine wunderbar austoben. Am meisten gefiel mir, wie sie lernte, von der Couch zu springen und die Treppen hoch- und runterzulaufen. Wie ein Blitz! Beim Flug von unserer Couch kann ich sie nur mit einer Rakete vergleichen, die mit voller Kraft ins All schießt.
Jedes Mal, wenn sie zu uns kommt, wird auch aus dem dunkelsten ein sonniger Tag, unser Haus füllt sich mit Freude, wir lachen und spielen viel mit dem Hund. Heute kann ich viele einsame Menschen und einfach alle Tierfreunde verstehen – es ist so unbeschreiblich schön, neben sich eine kleine Fellnase zu haben!
Gaia hat übrigens immer Hunger. Sie würde, wenn man es zulassen würde, den ganzen Tag etwas in sich reinstopfen. Mein Schwager sagt immer, dass sie den gefüllten Futternapf in wenigen Sekunden weginhallieren würde und er das Gefühl habe, dass sie die Futterschüssel als Nachtisch gleich mit vertilgen wolle. Anschließend sage ihr Blick jedoch immer: „Oh, ich habe heute noch gar nichts im Magen gehabt. Gib doch noch ein bisschen ... sonst verhungere ich.“
Ich führte einige Gespräche mit meinem Schwager, da ich der Meinung war, dass die Portionen viel zu klein wären und die kleine Dame tatsächlich immer Hunger habe. Er erklärte mir aber, dass inkonsequente Hundebesitzer, die viel zu viel Futter gäbe, ihrem Tier schaden würden, denn zu viel Liebe bedeute auch zu wenig Erziehung und wo zu wenig Disziplin sei, dort würde ein krankes Tier mit zu viel Speck am Körper aufwachsen. Wir wissen es ja aus eigener Erfahrung – dick wird man schnell, aber abzuspecken dauert sehr, sehr lange. Gaia hat zum Glück sehr konsequente, aber auch liebevolle Besitzer.
Schon nach wenigen Wochen konnte sie mehrere Kommandos ausführen. Zur großen Freude meiner Kinder! Nun muss der Hund liegen, stehen, Pfote geben. Wieder stehen, liegen, Pfote geben.
„Schluss damit“, sage ich nach einiger Zeit immer zu meinen Kindern. „Jetzt braucht Gaia ihre Ruhe.“ Wir gehen alle aus dem Zimmer. Und Gaia streckt sich auf ihrer Kuscheldecke und schläft ein. Ein Hundeleben kann wohl sehr schön sein!
Mittlerweile ist Gaia sieben Monate alt. Im Laufe der Zeit hat sie viel gelernt: Sie geht nur noch draußen ihr Geschäft verrichten. Sie führt einige Kommandos ohne Probleme aus und hört richtig gut auf ihr Herrchen. Spazieren gehen ist sehr entspannt und es macht uns allen eine riesen Freude, mit ihr die so große Welt zu entdecken. Aber am allerwichtigsten ist, dass sie sehr freundlich, lieb und vertrauensvoll ist. Wir genießen die Zeit mit ihr und hoffen, dass es noch viele schöne Momente geben wird, wenn Gaia mal wieder bei uns ist.
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Voll aus dem Leben
In über fünfzig Jahren haben wir bisher mit sieben Hunden zusammengelebt, oft gehalten als Einzelhund und zweimal im Doppelpack. Meist haben wir älteren Vierbeinern ein Zuhause gegeben, bis auf zwei Ausnahmen, auch wenn diese schon mehr als fünf Jahre auf dem Buckel hatten, hat uns dies nicht davon abgehalten. Unser derzeitiger Begleiter war, da wir selbst auch nicht mehr die Jüngsten sind, bei der Übernahme zehn und ist jetzt mittlerweile dreizehn Jahre alt – und das bei einem Gewicht von fünfzig Kilogramm.
Alle unsere Hunde haben wir immer aus Tierheimen geholt, etwas anderes kam für uns nie infrage. Alle hatten ihre Macken, wurden aber immer zu Freunden und wunderbaren Familienhunden. Bei einigen mussten wir einen Hundetrainer zurate ziehen, aber das immer nur so lange, bis wir selbst unsere Lektion mal wieder gelernt hatten. Von den beiden Hunden, die uns am intensivsten in Erinnerung geblieben sind, möchte ich erzählen:
Da gab es den Riesenschnauzer Blanka, die rassige Schwarze aus dem Tierheim Frankfurt, damals ungefähr zwei- bis dreijährig, reinrassig, vom Tierschutz aus einem Trinkerhaushalt gerettet und dann zu uns gekommen.
Der Anfang war schon kurios. Im Auslauf befanden sich vier Hunde, dabei Blanka, eine Domina. Als ich am Zwinger vorbeiging, rührte sich keiner. Na ja. Als mein Mann am Auslauf vorbeikam, sprang Blanka von ihrem Hochsitz, ran ans Gitter, wedelte mit ihrem Stummelschwanz, als hätte sie einen alten Bekannten getroffen, und lief direkt zur Tür – sie wollte mit. War es Liebe auf den ersten Blick? Wir nahmen sie mit und haben es nie bereut, über zehn Jahre lang.
Zu Hause angekommen, wir wohnten damals in einem Bungalow mit offenem Wohnbereich, hatten wir für Blanka den Eingangsbereich als Schlafzone angedacht. Von wegen! Da ja Türen fehlten, hatten wir vor unser Schlafzimmer mit Decken und Kissen eine provisorische Absperrung gebaut. Kaum waren wir im Bett, hörten wir ein herzzerreißendes Winseln vor unserem Schlafzimmer, die gedachte, unüberwindbare Deckenhürde war genommen. Die nächste Barrikade war vermeintlich stabiler: Stühle, Tisch, Blumentöpfe und so weiter. Nach kurzem Krach und lautem Scheppern war auch diese Hürde überwunden. Die Domina legte sich sofort – und von da immer – in unser Schlafzimmer und war zufrieden. Sie hatte sich wohl zur Aufgabe gemacht, uns von nun an zu bewachen. So war unser erster Tag, wir haben diesen Tag nicht bereut.
Nach einigen Jahren, wir wohnten nun im ersten Stock einer Doppelhaushälfte, wurde der Balkon der Nachbarn renoviert. Plötzlich raste Blanka aus der Küche in Richtung Wohnzimmer, von dort kam ein lauter Hilfeschrei. Der Maler war in der Absicht, den Balkon zu streichen, wohl von dem einen Balkon auf unseren geklettert und stand jetzt mit den Pfoten von Blanka auf seiner Schulter eingekeilt in der Balkonecke, zitternd und totenbleich, aber sonst unversehrt. Auf Befehl ließ Blanka natürlich sofort von ihm ab. Ich bin noch heute davon überzeugt, dass der Maler nach dieser Begebenheit nie mehr zum Einbrecher wurde.
Blanka hat damals wiederum Rudelsorge bewiesen, besonders ausgeprägt zeigte sie diesen Zug bei unseren regelmäßigen Wanderungen im Pfälzer Wald. Blanka war da absolut in ihrem Element, egal wie groß die Gruppe auch war, und wenn sie Hunderte Meter auseinandergezogen war – Blanka lief Runde um Runde, zählte wohl unentwegt ihre Schäfchen. Als höfliche Hundedame brachte sie dabei jedes geworfene Stöckchen dem Werfer zurück, um sich jedes Mal bei mir ein Lob zu holend, und dann zur nächsten Runde losspurtend. Abends lag sie erschöpft auf ihrem Hundebett, selig und wahrscheinlich im Traum die abgelaufenen Runden zählend. So war Blanka – sportlich, zäh, um ihr Rudel immer besorgt, eine liebevolle Hundekameradin.
Wir haben sie geliebt. Wir haben sie vermisst.
Ihr Nachfolger war ein afghanischer Riesenschnauzer-Mix, hochbeinig, riesig, schnell wie der Wind und, wie sein Name Strolch schon sagt, ein wahrer Schelm. Ebenfalls aus dem Tierheim und damals bereits sechs Jahre alt. Er verlebte bei uns noch sehr rüstige weitere fünf Jahre.
Strolch liebte das Autofahren, aber nur, wenn er – und wenn es zweihundert Kilometer waren – ununterbrochen Bellen durfte bis zum Erbrechen. Einer Erlaubnis bedurfte es dazu selbstverständlich nicht. Sonst war er lautlos, mit einer Ausnahme – und das war seine zweite Macke, über die das Tierheim informiert hatte: Er mochte keine roten Frauenkleider, auch nicht an Schaufensterpuppen. Bei roten Kleidern sah er sicher rot, setzte sich auf die Hinterläufe und heulte wie ein ganzes Wolfsrudel, sehr lange und lang anhaltend.
Interessant eine weitere Macke: Küssen verboten! Demonstrativ setzte er sich in solchen absehbaren Fällen zwischen meinen Mann und mich, harmlos zwar, aber aus war es.
Strolch konnte mit seiner Schnauze unsere Wasserhähne aufdrehen, aber nicht wieder zu. Um die Wasserrechnung nicht ins uferlose steigen zu lassen, konnten wir ihn nie lange alleine im Haus lassen.
Unsere Freunde beschwerten sich, dass unser Telefon des Öfteren, ein Apparat mit Hörer aus dem letzten Jahrhundert, beim Anrufen zwar abgenommen wurde, aber niemand sich meldete, sie hörten noch ein Tapp … Tapp … dann nur noch Stille. Zusätzlich meldete sich noch die Telefongesellschaft, um uns darauf aufmerksam zu machen, dass unser Telefon wiederholt ausgehängt blieb und somit auf Dauer das örtliche Netz gestört würde. Unsere Überprüfung ergab: Unser Schelm war ein höflicher Hund, beim ersten Klingelton hob er ab und reservierte schon Mal den Anruf für uns. Wir konnten nur Abhilfe schaffen, indem wir zukünftig das Telefon in gut zwei Meter Höhe deponierten. Der Schelm konnte alle nicht verschlossenen Türen öffnen und so auch ab und an Nachbarn alleine besuchen.
Ein Höhepunkt war eines Tages die eigene Futterversorgung. Den Futtereimer – mindestens fünf Kilogramm schwer – schleppte er per Schnauze vom Keller in die Küche, und zwar dorthin, wo er normalerweise gefüttert wurde, haute sich den Magen voll und wurde anschließend von uns so aufgefunden: voll, satt, schlafend, den Schlaf des Gesättigten. Man konnte ihm aber nicht böse sein, er lebte eben als unser Schelm auf dieser Erde. Für seine Größe erreichte er ein wackeres Alter, dem Schelm sei Dank. Wir lachen noch heute oft über seine Schelmereien.
Wir haben ihn geliebt. Wir haben ihn vermisst.
Der Abschied all unserer sechs Hunde war stets traurig für uns. Tröstung brachte in etwa die Verantwortung für den neuen Hund. Maggy, die ungarische Hirtenhündin, Blanka, unsere Domina, Strolch, unser Schelm und stolzer Afghane, Lady, die rabenschwarze Labrador-Dame und von keinem Wasser zu halten, Tinto, der fröhliche Flat Coated Retriever, Luzi, die blütenweiße, elegante irische Wolfshündin. Alle hatten ihre Macke. Alle waren makellos, beste Freunde, liebevolle Begleiter in unserem Leben. Wir haben sie geliebt, sie bleiben alle unvergessen.
Jetzt leben wir mit Simba, er ist ein polnischer Herdenschutzhund, glücklich zusammen, ein Bursche, eigensinnig von Rasse, massiv, immer besorgt um uns, dabei mit 13 Jahren selbst schon nicht mehr der Jüngste. Hunde sind glücksbringende und bis zum letzten Tag unendlich dankbare Gefährten.
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Ein Geschenk der Götter
... oder in unserem Fall wohl eher ein Göttinnen-Geschenk. Denn bei unserem Hund Filou hatten sowohl Glücksgöttin Fortuna als auch Jagdgöttin Diana ihre Hand im Spiel. Zuerst durften wir uns glücklich schätzen nach einem alten, kranken Hund wieder einen quicklebendigen, temperamentvollen Welpen um uns zu haben, der schnell lernte und recht guten Gehorsam zeigte. Von seinem Niedlichkeitsfaktor, der uns viele bewundernde Blicke einbrachte, ganz zu schweigen. Die Tatsache, dass der kleine Kerl als Border Terrier ein lupenreiner Jagdhund war, haben wir fürs Erste auf die leichte Schulter genommen. Welcher Hund hat denn bitteschön keinen Jagdtrieb? Auch den leicht verdrucksten Hinweis der Züchterin, im Wald könne man diese Hunde wohl nur an der Leine halten, konterten wir im Geist auf Terrier-Art: „Red du mal ...“
Jagdgöttin Diana brachte sich ziemlich schnell ins Spiel. Filou befand Angebote zur Beschäftigung als zu langweilig, sprich kein Bordertainment, sorry, und verschwand lieber im Gebüsch oder tauchte im Dachs- und Karnickelbau ein, wo er ein umgebundenes Brustgeschirr erfolgreich versenken konnte. Der Abenteuerlustige brauchte hierbei kein Vorbild, sondern brachte sich alles selbst bei. Unser Hund ging nicht als Begleiter zum Latschen und Tratschen in den Wald, sondern um etwas zu erleben. In der Rüpelphase zwischen anderthalb und drei Jahren lief der Border dann total aus dem Ruder. Nach glorreichen Szenen im Wildschweindickicht und uns zugetriebenen Schwarzkitteln sowie einem besonders glanzvollen Weihnachtsfest, an dem wir in der Dämmerung des Heiligabends mithilfe der Feuerwehr einen Fuchs aus seinem Bau gesprengt hatten, sahen wir auch ein, dass ein bisschen Welpenschule bei unserem Hund nicht ausreicht.
Wir suchten uns fachliche Unterstützung und lernten dazu. Nicht zuletzt auch, dass man allzu oft unwissentlich die Triebe unterstützte, die man gar nicht so gern haben wollte. Siehe Weihnachtsabend: Den Hund hatten wir dazu animiert, durch eine Röhre zu laufen, bis er nicht mehr zurückkam. Sein Fiepen hatten wir missdeutet und bei heftigen Wasserspülgeräuschen waren wir dann doch ein wenig in Panik geraten und hatten den Terrier zum Durchhalten ermutigt. Bei einbrechender Dunkelheit beschlossen wir, die Feuerwehr zu Hilfe zu rufen.
Aus Sicht der Jagdgöttin Diana also alles richtig gemacht mit diesem Traumhund für einen Jäger.
Aus Sicht der Trainerin für Menschen mit Hund eine bleibende Herausforderung für Leute, die eigentlich einen unkomplizierten Begleiter haben wollten, den man fast überallhin mitnehmen kann. Anstatt Laisser-faire trainieren wir nun unsere mentale Muskulatur, lernen unseren Hund besser zu lesen, versuchen, ihn nicht allzu sehr zu vermenschlichen, und leben gut und gern mit ihm – bessere Beschäftigungsangebote inklusive. Hundeprofi Martin Rütter befand bei einem kurzen Kennenlernen Filou als den einzigen ihm bekannten Border, der „nicht total daneben ist.“
Hunde können ihre Halter ganz schön aufs Kreuz legen.
Jetzt fragen sich bestimmt viele, warum tun sich immer mehr Menschen so etwas an?
Vielleicht, weil es sehr hilfreich im Leben ist, mehr Gelassenheit, Humor und eine gewisse Sturheit zu entwickeln? Bestimmt aber, weil die Freundschaft mit einem Hund eine der schönsten ist, die man im Leben haben kann. Auch wenn sie kein ganzes Menschenleben dauert. Verlieben kann man sich immer wieder in diese Lieblinge der Götter, die ganz einfach ein Gottesgeschenk sind.
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Das Rudel
Das Rudel ist eine Gruppe von fünf Hunden, die gemeinsam mit ihren Besitzern Gassi gehen. Alle verstehen sich gut und freuen sich, regelmäßig einander abzuholen. Fast jeder dieser Hunde hat ein Leben vor der Zeit mit seinen jetzigen Besitzern hinter sich und hat es erst jetzt gut getroffen. Endlich haben sie eine Familie gefunden, bei denen sie ihr Hundeleben verbringen können, bis sie irgendwann einmal über die Regenbogenbrücke gehen müssen.
Angefangen hat es mit unserer Beaglehündin Eliza. Als mein Mann Eliza im Internet auf der Homepage einer Tierschutzorganisation entdeckte, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Tieren ein dauerhaftes Zuhause zu suchen, war noch nicht klar, ob überhaupt ein Hund bei uns einziehen würde. Denn mein Mann und mein Sohn waren eigentlich auf der Suche nach einer Katze. Mein Sohn wollte zwar im Sommer vor sechs Jahren aus unerfindlichen Gründen einen Beagle bei sich aufnehmen, aber nachdem wir uns kurz über die Rasse informiert hatten – Beagle sind sehr gute Jagdhunde –, stellten wir fest, dass das nicht zu den beiden anderen Haustieren passte: zwei Kaninchen, die den ganzen Garten schon als ihr Revier betrachteten. Also entscheiden sie sich für eine Katze. Da ich aber ein Hundemensch bin und wir in meiner Kindheit und Jugend immer einen Familienhund hatten, begann ich, zuerst meinen elfjährigen Sohn zu überzeugen und schließlich auch meinen Mann, dass ein Hund ein schönes neues Familienmitglied wäre.
Die dreijährige Eliza machte auf dem Foto keinen sehr glücklichen Eindruck und auch beim Besuch im Tierheim war sie sehr zurückhaltend. Mein Sohn verliebte sich jedoch gleich in sie. Als ich noch darüber nachdachte, ob ein Welpe einer Beaglezüchterin vielleicht als erster Hund die bessere Alternative wäre, anstatt einen Hund aus dem Tierschutz zu nehmen, war für meinen Sohn schon klar, dass es Eliza sein musste. Nach drei Spaziergängen hatte auch mich ihr entspanntes, gelassenes Wesen überzeugt. Sie ging brav, ohne zu ziehen, an der Leine und war verträglich mit allen Hunden und Kindern, denen wir begegneten. Nichts brachte sie aus der Ruhe. Sie wedelte nur fröhlich mit dem Schwanz.
„Wer hat denn so einen tollen Hund im Tierheim abgegeben?“, fragte ich nach. Ich erfuhr: Eliza war in Ungarn aus einer Hundezucht gerettet worden. Dort sind die Hunde in Kellern an Rohre gekettet oder in kleinen Boxen untergebracht. Sie fiel schon bei der Rettung durch ihr freundliches Wesen auf.
„Die neuen Besitzer ihrer Mutter sind auch sehr begeistert“, bekam ich zur Antwort.
„Na, wenn die Mutter so ein Superhund ist, kann ja die Tochter nicht verkehrt sein“, dachte ich mir. So beschlossen wir, Eliza aus dem Tierheim zu holen.
Sie war gar nicht dafür, in unser Auto gehoben zu werden. Es glich eher einer Entführung. Auf der Fahrt beruhigte sie sich aber recht schnell und kuschelte sich an meinen Sohn. Sie zeigte schon bei der ersten Autofahrt, dass sie entspannt im Auto mitfahren konnte.
Zu Hause lief sie erst stundenlang im Kreis, bis sie endlich im neuen Körbchen einschlafen konnte. Gerochen hat sie anfangs nicht so gut und nach dem Baden und einigen Wochen mit kleinen Infekten kam sie dann bei uns an, fühlte sich immer wohler und wollte uns nicht mehr verlieren. Die Kaninchen beobachtete sie respektvoll und dachte wohl: „Die wohnen halt hier.“ Getan hat sie ihnen nie etwas.
Eliza ist ein Beagle und das sind ganz spezielle Hunde. Die Nase ist immer auf dem Boden und Fressbares, selbst ein vertrocknetes Reiskorn, entgeht ihr nicht. Sobald im Erdgeschoss nur eine Tüte knistert, saust sie sofort von oben nach unten und steht erwartungsvoll bereit. Ihr Jagdtrieb ist nicht ausgeprägt, das heißt, sie kann frei laufen. Sie ist gelehrig und für Leckerlis macht sie alles. Zum Glück ist sie selten stur und eigenwillig, wie man es dem Beagle nachsagt. Zu Beginn kannte sie außer Stopp kein Kommando.
Wir versuchten, mithilfe eines ungarisch sprechenden Schulfreundes unseres Sohnes zu testen, ob sie etwas Ungarisch versteht, aber ohne Erfolg. Sie hatte also keine Hundeerziehung nach unseren Maßstäben kennengelernt.
Kurz nachdem sie eingezogen war, gingen wir mit unserer Nachbarin und ihrem alten Jagdhund spazieren. Eliza liebte deren Leckerli mehr als den Hund, aber sie freute sich, wenn andere Hunde beim Spazierengehen mitgingen. Dieser Jagdhund ist leider mittlerweile verstorben und an seine Stelle ist ein temperamentvoller junger englischer Setter namens Bertie getreten. Eliza ist er etwas zu ungestüm und sie sucht Schutz zwischen den Menschen, wenn er mit vollem Schwung vor dem Stehenbleiben eine Runde um die Gruppe dreht. Aber er gehört eben zu ihrer Freundin, unserer Nachbarin, die immer freundliche Worte und einen kleinen Hundekeks für sie hat, und so hat sie ihn akzeptiert.
Der dreijährige Bertie stammt von Mallorca, wo er aus einer Tötungsstation gerettet wurde. Er hält sich selbst noch für einen Welpen und ist sehr aufmerksam. Es entgeht ihm kein Vögelchen, wenn er auf zwei Beinen Ausschau hält. So hält er seine Leute auf Trab. Dazu hat er ein sehr liebes verträgliches Wesen und jetzt auch ein schönes Zuhause, wo er schon viel gelernt hat.
Zum Rudel gehören noch die Hündinnen Orelia und Saphi. Die weiße Orelia gehört einem Ehepaar aus unserer Straße. Sie wurde in Spanien als Welpe gefunden und lebte verlassen mit ihrer Mutter und den Geschwistern auf einem Bauernhof. Sie hat das weichste Fell, das ich je gefühlt habe, ist gut erzogen und die Vornehmste von allen. Doch sie hat es faustdick hinter ihren zarten Öhrchen. Sie ist eine große Katzenjägerin und verteidigt ihr Grundstück gegen diese mit großer Begeisterung.
Saphi gehört zu Orelia, nachdem ihre Besitzer sie aus Altersgründen nicht mehr versorgen konnten. Saphi freut sich über alle Menschen und Hunde und begrüßt jeden immer freundlich. Leider versteht das nicht jeder gleich richtig, denn durch ihre Größe und ihr zotteliges braunes Fell sieht sie erst einmal ein bisschen wild und bedrohlich aus. Im Wald wurde sie von einer älteren Dame schon einmal für ein wildes Tier gehalten.
Seit kurzer Zeit gehört noch der schwarze Pudel Salty zum Rudel. Er wohnt bei Orelia und Saphi. Seine Besitzerin ist immer wieder sehr schwer krank und so kommt er immer öfter für ein paar Wochen zu Besuch. Er ist ein echt lustiger Kerl. Er ist der kleinste, aber lauteste Hund und kann prima mithalten, wenn gerannt wird. Zur großen Freude der männlichen Gassigeher, der beiden Ehemänner, kann Salty Bälle holen und apportieren. Dann rennt er, sodass seine Beine durch die Luft zu fliegen scheinen.
Bevor der gemeinsame Rudelspaziergang beginnt, kündigen sich alle schon durch lebhaftes Gebell und fröhliche Stimmen an. Eliza hebt den Kopf, ich hole die Leine, ziehe Schuhe und Jacke an. Vor dem Tor winseln Saphi und Orelia – und Bertie und Salty bellen. Dann geht es durch die Straße ins Feld, wo alle energiegeladen ausströmen. Die gemütliche Eliza ist dabei eher darauf bedacht, den Futterbeutel unserer Nachbarin nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Denn wenn Bertie zurückgerufen und anschließend belohnt wird, bekommen alle etwas. Danach nimmt das Rudel wieder Witterung auf. Mal werden Nachbarhunde begrüßt oder auf dem Weg ist etwas Interessantes zu entdecken. Für den Heimweg werden alle wieder angeleint, auf Bertie warten wir immer etwas länger, da er noch eine Extrarunde dreht. Zufrieden kommt jeder Hund wieder in seinem Zuhause an. Unser Rudel besteht aus prima Hunden, die alle aus dem Tierschutz kommen. Wir können nur empfehlen, Tierschutzhunden eine zweite Chance zu geben.
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Meine Jahre mit Emma
Einen Hund zu besitzen, war schon immer mein Traum. Dass er schließlich 2014 wahr wurde, hätte ich nie für möglich gehalten. Doch wie kam es dazu? Das Internet machte es möglich. Auf einer Geschäftsplattform entdeckte ich das Profil eines Mannes, den ich vor dreißig Jahren zum letzten Mal gesehen hatte. Binnen kurzer Zeit bahnte sich zwischen uns ein enger Kontakt an. Ein Besuch bei ihm in Berlin im Jahr 2013 sollte meine zukünftige Lebensweise stark verändern. Er stellte mir seine Hundedame Emma vor, ein Schäferhund-Labrador-Mix. Emma besaß eine respektvolle Größe, wog rund 30 Kilogramm und zeigte sich bei unserer ersten Begegnung sehr zugänglich. Die Folge: Sowohl Emma als auch ihr Herrchen eroberten mein Herz. Eine Geschichte wie aus einer Fernsehserie. Doch gleichzeitig auch eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt.
Denn mit meinem neu gewonnenen Freund entwickelte sich eine Fernbeziehung. Und Emma mitten dabei. Ein Hundeumzug von Berlin nach Rheinhessen. Das Problem von damals ist schnell beschrieben. Mein Freund ist beruflich viel in der Welt unterwegs. Daher stand er stets schweren Herzens vor der Wahl, das Tier wegzugeben oder es oft wochenlang in eine Hundepension einzubuchen. Nun überlegte ich, wie ich Emma in mein Leben integrieren könnte. Ich war bereit, Emma mit allen Verpflichtungen zu übernehmen. Ich hatte viel Glück, dass einige Parameter passten. Mein Arbeitgeber akzeptierte auf Nachfrage flexiblere Arbeitszeiten und auch meine Wohnungsnachbarn äußerten keinerlei Einwände. Und so geschah es, dass Emma von Berlin zu mir nach Rheinhessen umzog. Für ihr Herrchen war dieser Schritt eine geniale Lösung.
Emma, inzwischen zehn Jahre alt, war sehr gut erzogen, sozusagen in sich ruhend und eine Sympathieträgerin. Sie machte mir die Eingewöhnung sehr leicht und ihre Körpersprache war für mich bald gut zu verstehen. Es war erstaunlich, wie viele unterschiedliche Gesichtsausdrücke sie zeigen konnte. Manchmal herzzerreißend, dann wieder liebevoll schauend bis hin zu fordernden, auch skeptischen Blicken. Emma besaß einen sehr freundlichen Charakter Menschen und ihren Artgenossen gegenüber. Wenn andere Hunde aufdringlich wurden, ertönte zunächst ein unmissverständliches Bellen, dann wandte sie sich ab. Die Hunde in unserer Umgebung waren in der Mehrheit gut verträglich und es gab nur wenige Hunde, von denen sich Emma fernhielt. Die gemeinsamen, oft stundenlangen Spaziergänge gestalteten sich stressfrei. Aggressionen waren Emma fremd. Kinder mochte sie besonders, zumal sie als Welpe zusammen mit Kindern aufgewachsen war.
Emma muss es in Rheinhessen von Anfang an gut gefallen haben. Auch die Anpassung an das neue Frauchen, eine andere Bezugsperson, hat sie locker hingekriegt. Die Hündin veränderte offenbar ganz einfach die Rangfolge in ihrem häuslichen Rudel. Denn nach einer Eingewöhnungszeit von nur drei Monaten war sie mein Hund geworden und ich rutschte in ihrem Verhalten an die erste Stelle, ihr ehemaliger Hundehalter, der inzwischen mein Partner war, rückte auf den zweiten Platz. Damit war für sie alles geregelt und auch mit den häufigen Besuchen ihres ehemaligen Herrchens kam sie bestens klar. Etwa alle drei Wochen kam mein Partner von Berlin nach Rheinhessen. Ich packte Emma kurzerhand ins Auto, für sie eine tolle Sache, denn sie fuhr leidenschaftlich gerne Auto. Bei den Autotypen war sie wenig wählerisch. Obwohl ich nur einen kleinen Fiat fuhr und sie darin die komplette Rückbank füllte, hopste sie jedes Mal mit freudigem Schwanzwedeln aufs Polster. Irgendwann war ihr klar, dass da bald jemand ins Auto steigen würde. Als dann die Heckklappe nach oben schwang und mein Freund seinen Koffer verstaute, freute sie sich immer sehr. Ihr Rudel war wieder komplett.
Wenn jedoch nach einer Woche die Zeit des Abschieds nahte, konnten wir an ihrem Verhalten ablesen, dass sie diese Situation nicht witzig fand. Schon beim Kofferpacken kam bei Emma Unruhe auf. Ich nahm sie daher zur Verabschiedung immer wieder im Auto mit. Jedes Mal, wenn dann mein Partner das Auto verließ, legte sie sich mit beleidigter Miene auf der Rückbank ab und schmollte. Ein immer gleiches Ritual. Ich fuhr meist dann zügig nach Hause und unternahm stets gleich einen Spaziergang. Oft richtete ich mir den Tag schon vorab so ein, dass ich meinen Job von zu Hause aus erledigen und den restlichen Tag mit ihr verbringen konnte. Auf diese Weise fand Emma recht schnell wieder ihre Routine und ihren inneren Frieden. Ein Hund ist ja schließlich auch nur ein Mensch!
Bisweilen kam Emma auf schräge Ideen, insbesondere dann, wenn sie ihrer Neugierde nachgab. Vor wenigen Jahren verbrachten wir unseren Urlaub auf einem Reiterhof an der holländischen Nordseeküste. Emma genoss die langen Spaziergänge ohne Leine am Strand, fraternisierte mit allen Hunden und freute sich des Lebens.
Unmittelbar neben unserer Ferienwohnung führte ein Flur zu den Privaträumen der Vermieter. Wie verlockend! Irgendwann hatten wir Emma aus den Augen verloren. Zielstrebig entwischte sie uns durch die geöffnete Wohnungstür unserer Vermieter und nahm die Innenausstattung der noch reichlich unbekannten Räume sorgfältig in Augenschein. Ein Fehler! Denn dort residierte bereits eine recht resolute Hauskatze, allerdings alt und zahnlos. Plötzlich stürzte die Katze sich zur Verteidigung ihres Terrains auf den Eindringling der Gattung Hund und schlug ihre nicht vorhandenen Zähne in den dicken Fellhintern unserer Emma.
Geschmerzt hat sie der Katzenbiss ganz sicher nicht, aber unsere Hundedame hat doch einen gewaltigen Schreck davongetragen. Die nächsten Tage jedenfalls hielt sie von der Katze deutlichen Abstand. Der Dachtiger war ihr offenbar nicht ganz geheuer.
Emma kann im Rückblick übrigens als hoffnungslos korrupt bezeichnet werden. Wer auch immer ihr eine Scheibe Schinken oder ein Stück Fleischwurst vor die Nase hielt, war sofort ihr allerbester Freund. Auch eine gewisse Experimentierfreudigkeit bei allerlei Spezialitäten konnte man ihr nicht absprechen. Stichwort Weihnachtszeit! Irgendwann hatte ich passend zum abendlichen Fernsehgenuss in einer Glasschale leckere Schokolade auf den Couchtisch gestellt. Bisweilen naschte ich davon und bot sie auch meinem Freund an.
Der wiederum schüttelte den Kopf. „Nee, danke! Ich mach mir nichts daraus. Iss du mal!“
Ich ließ die Gebäckschale stehen. An diesem Abend verließen wir das Haus noch zu einer Veranstaltung, Emma indessen musste alleine zu Hause bleiben. Nach drei Stunden kamen wir zurück. Erst fiel es mir nicht auf, doch einige Zeit später traute ich meinen Augen nicht. Das Tellerchen mit der Schokolade war leer!
In Kürze war ich ausgesprochen sauer und nahm meinen Freund fest in den Blick: „Also, das ist ja ein dickes Ding! Mir flunkerst du vor, keine Süßigkeiten zu mögen. Aber kaum drehe ich mich um, fällst du über die Schokolade her.“
„Wie bitte? Was soll ich getan haben?“ Seine Entrüstung machte sich lautstark Luft. „Wahrscheinlich hast du zwischendurch davon genascht und hast es nur vergessen!“
In der Folge entwickelte sich ein heftiger Disput. Und als unsere Stimmen lauter wurden, zog sich Emma zurück und verkroch sich im Schlafzimmer unters Bett. Alle Versuch, sie wieder hervorzulocken, scheiterten. Da hellte sich die Miene meines Freundes plötzlich auf. Er lief ins Wohnzimmer zurück und begutachtete die gläserne Gebäckschale. „Aha, die Ordnungswidrigkeit ist aufgeklärt, jedes Leugnen ist zwecklos!“
Kein Zweifel! Unter dem Licht waren eindeutig die Spuren von Emmas Schlabberzunge zu sehen. Als weiteren Beweis der Untat hatte unsere Hündin sogar noch Pfotenabdrücke auf dem Sofa hinterlassen. Sie muss die Schokolade wirklich genossen haben! Bei allem Gelächter waren wir doch etwas besorgt um ihre Gesundheit, aber wir hatten Glück. Sie hatte die Nascherei gut überstanden, bis auf etwas Verstopfung.
Mit Emma habe ich unzählige Spaziergänge unternommen und durch ihre offene, freundliche Art unglaublich schnell Kontakt zu wildfremden Menschen bekommen. Ich erinnere mich an zahlreiche Momente im Dorf, als völlig unbekannte Menschen bei der Straßenüberquerung spontan stehen blieben und uns zuschauten oder mir zuriefen, was das für ein hübscher Hund sei.
Da passte auch eine andere Begegnung in einem Landgasthof gut ins Bild. Mein Freund und ich saßen an einem Ecktisch, unter dem sich Emma gemütlich ablegen und den Rest des Schankraums hervorragend beäugen konnte. Im Laufe des Abends nahm am Tisch gegenüber Claus Klever, ein bundesweit bekannter TV-Moderator und Journalist, mit seiner Begleitung Platz.
Als wir bezahlten und gehen wollten, stand Emma auf und stellte sich demonstrativ vor den Moderator, als ob sie ihn erkannt hätte. Claus Klever, selbst Hundebesitzer, stand mitten während des Essens auf, kam auf unsere Hündin zu, kraulte sie stürmisch und eröffnete ein Gespräch mit uns. Es war schon erstaunlich, welche Aufmerksamkeit Emma auf sich zog.
So war es dann irgendwann für mich klar, dass ich diese schöne Zeit in professionell gemachten Fotos festhalten wollte. Ich unterzog Emma einer Fellreinigung, bürstete sie und fuhr zu einer Fotografin. Das Shooting bereitete uns riesigen Spaß, zumal sich Emma anfangs grundsätzlich mit ihrem Hinterteil zur Kamera präsentierte. Doch nach einiger Zeit ließ sie sich mit einigen Tricks sehr gut in Szene setzen. Dabei sind tolle Bilder entstanden.
Emma zeigte am Abend beim Zubettgehen immer das gleiche Verhalten. Wenn sie beobachtete, dass ich ins Bad ging, blieb sie meist noch kurze Zeit auf ihrem Hundeplatz im Wohnzimmer liegen. Ertönte aber das Gesumme der elektrischen Zahnbürste, kam sie langsam angetappt, blieb einige Sekunden an der Badezimmertür stehen und drehte dann den Kopf zu mir.
„Geh schon vor, ich komme auch gleich!“
Kaum ausgesprochen, ging sie weiter und legte sich auf ihre Hundematte, die direkt auf dem Fußboden vor meinem Bett platziert war. Emma brauchte also immer eine solche Aufforderung, ohne die sie nicht aktiv wurde.
Vor dem Napf wartete sie auch häufig auf ein: „Guten Appetit!“, bevor sie sich mit großer Inbrunst über ihr Futter hermachte.
Leider stürzte Emma im September 2018 in der Wohnung so unglücklich, dass mein Freund und ich beschlossen, sie einschläfern zu lassen. Wir hatten schon etliche Monate zuvor beobachtet, dass sie sich bei jedem Spaziergang quälte, sehr unregelmäßig fraß und auch ihre inneren Organe immer öfter versagten. Wir wussten auch, dass sie Schmerzen in ihren Hüftgelenken hatte. Wir wollten die treue Seele nicht weiter leiden lassen. Für uns beide ein sehr schwerer Entschluss.
Ich erinnere mich immer wieder gerne an die bereichernde Zeit mit Emma. Alles hat seine Zeit! Noch immer werde ich beim Spaziergang auf Emma angesprochen. Ja, sie fehlt mir, sie fehlt uns! Es hat einige Zeit gedauert, bis ich verinnerlichte, dass mein Tagesablauf jetzt wieder ohne sie geplant werden kann.
Zum Abschluss meiner Geschichte sei verraten, dass mein Partner und ich nun einige Reisen planen können, auf die wir früher – Emma zuliebe! – verzichtet haben. Wer weiß, vielleicht haben wir irgendwann wieder Interesse, erneut einen Hund in unser Leben zu integrieren.
Wir sind überzeugt davon, dass alles im Leben zum richtigen Zeitpunkt geschieht. Daher können wir auch jetzt den neuen Lebensabschnitt genießen.
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Was ist denn das für ein Ding?
„Nein, es gibt keinen Hund! Jeder will einen, aber wer kümmert sich dann drum? Die Mutti! Da hab ich keinen Bock drauf, es bleibt dann eh alles an mir hängen!“
O-Ton jeder zweiten Mutter, die diese Aussage trifft, nachdem sie von den riesengroßen, bettelnden Augen ihrer Kinder hypnotisiert wurde. Dies waren Anfang des letzten Jahres auch noch meine Worte. Ich – glücklich verheiratet und Mutter eines 16-jährigen Sohnes namens Marcio und einer 14-jährigen Tochter namens Marijana.
Marijana verbringt fast ihre komplette Freizeit mit ihrem Pflegepony, einem Mini-Shetty, und dem dazugehörigen Kleintierzoo: Hunde, Katzen und so weiter. Wie viele andere Mädels auf dem Land auch.
So viel zu uns. Als sie dann aber im Herbst 2017 mit einem – ich nenne es mal, spitzgedackeltem kleinen Mops, unser Pseudonym für einen gut gemixten Straßenhund – in unserem Esszimmer stand und das kleine, etwa dreijährige, schwarze Etwas da an der Leine hatte, war die erste Aussage meines Mannes und mir: „Was ist das denn für ein Ding?“ Und: „Gibt es das auch in schön?“ Ich weiß, das war wirklich nicht nett!
Zur Erklärung: Sehr liebe Bekannte von uns sind die Ponybesitzer unseres Pflegeponys – und auch Hunde- und Katzenbesitzer. Sie hatten sich tierisch noch mal vergrößert, eben genau um dieses kleine, schwarze Ding, was jetzt bei uns im Esszimmer stand, Lumpi hieß und uns anwedelte. Aus Ungarn importiert, quasi eine Rettungsaktion für Straßenhunde.
Unsere Tochter nahm sich nach Schulschluss dieses kleinen Hundes an, um manchmal mit ihm Gassi zu gehen und ihm auch erste kleine Kommandos beizubringen. Wir bekamen davon, ehrlich gesagt, wenig mit. Bis uns der kleine Lumpi wirklich alle überraschte!
Zeitsprung in ein Wochenende im April 2018: Mein Mann und ich befanden uns mit Freunden im Urlaub im Allgäu und ließen es uns bei strahlendem Sonnenschein gut gehen. Unsere Kinder wurden zu Hause von Opa, welcher direkt gegenüber wohnt, gut versorgt. Bis eines Morgens beim Frühstück in der Ferienwohnung mein Handy klingelte und ich unsere Mieterin am Telefon hatte. Da denkt man zuerst an einen Wasserrohrbruch im Haus und sonstige Katastrophen, aber bestimmt nicht an die Aussage: „Da sitzt ein Hund vor eurer Tür!“
„Hä? Welcher Hund?“
„Na, der, mit dem eure Tochter immer mal spazieren geht! Der kleine Schwarze.“
„Oookayyyy?!? Ich sage Opa Bescheid, er soll ihn erst mal zu sich holen. Und wenn die Kids aus der Schule kommen, bringt Marijana ihn dann nach Hause zu den Besitzern zurück.“
Dazu muss man wissen, dass der Wohnort von Lumpi von unserem schon eine große Strecke entfernt liegt und nicht ganz ungefährlich ist: aus der Wohnung in einer alten Mühle raus, über die Hauptstraße rüber, ein paar Mal rechts und links abbiegen, dazu geht es noch bergauf und schließlich gibt es auf unserem Gelände nicht nur eine Haustür, sondern gleich vier! Aber Bingo: Lumpi hatte genau die richtige getroffen! Nur noch kurz eine Anmerkung zu seiner Ausbruchmöglichkeit: Lumpi wohnte unter anderem noch mit einer dreibeinigen roten Katze zusammen, welche durch eine ausgeklügelte und äußerst raffinierte Technik manchmal die Klinke der Haustüre so anspringt, dass die Tür sich öffnet.
Nachdem dann alles geklärt war und Lumpi am Abend wieder wohlbehalten bei seinen Besitzern abgeliefert war, dachten wir nur: „Alles gut! Thema erledigt!“
Dachten wir. Da hatten wir die Rechnung aber ohne das Fellknäuel gemacht. Ein paar Tage später, als wie wieder zu Hause und im Alltag zurück waren, kam erneuter ein Anruf. Lumpis Besitzer meldeten sich mit folgender Aussage: „Lumpi frisst und trinkt nicht mehr richtig und sitzt den ganzen Tag fiepend vor der Tür. Wir glauben, er vermisst euch. Wollt ihr ihn nicht adoptieren?“
So, und jetzt sag als Mutter mal: „NEIN!!!!!“ Zumal Lumpi sich bis dahin vorzüglich in die Herzen der Kinder, in das von Opa und meinem Mann, der gesamten Verwandtschaft und sogar der Nachbarschaft geschlichen hatte. Clever, das Kerlchen! Ich will jetzt nicht als Spielverderberin dastehen, ich bezeichne mich eher als Realistin, daher lautete mein Vorschlag auch: „Lumpi auf Probe! Das heißt, wir binden ihn im Alltag mit ein, er wohnt bei uns, wir kümmern uns um alles und sehen dann in ein paar Monaten weiter.“
Und, was soll ich sagen? Die sogenannte Probezeit ging von April bis September und Lumpi erhielt von mir ein 1a-Führungszeugnis! Er bellte so gut wie nie, vertrug sich mit allen Hunden, war gleichermaßen kuschel- und spielfreudig, Seelentröster, lernte viel – und das auch noch schnell! Also war die Sache klar, Lumpi wurde adoptiert, fiderallala!
Dies geschah im Oktober 2018.
Seitdem ist er nicht mehr wegzudenken und bereitet uns jeden Tag viel Freude, bringt uns zum Lachen und versorgt uns quasi bei Spaziergängen mit viel frischer Luft. Er bekam von uns einen Hundepersonalausweis als Hundemarke, sogar mit Passbild ans Halsband, und wurde somit endgültig zum Familienmitglied.
Marijana besucht mit ihm regelmäßig einen Agility-Kurs, wo wir auch immer gerne zuschauen, da er dort oft der Kleinste ist, aber mit seinen Hüpfern die Hindernisse prima überwindet. Dabei fliegen ihm die Schlappohren nur so um die Ohren und er praktiziert den Grashüpferstyle, was zum Schießen aussieht!
Mein Mann nannte ihn nach den ersten Hindernissen sogar Lumpi, die schwarze Gazelle, was für viele Lacher sorgte. Unser Sohn Marcio bringt ihm zwar sinnlose, aber witzige Tricks bei, wie bei Peng auf die Seite zu fallen und sich einmal rumzurollen.
Des Weiteren haben wir uns vor ein paar Tagen gewundert, welcher Hundebesitzer denn da wieder sein Tier nicht im Griff hat, so lautes Gebell war draußen zu hören! Und da wir nicht wirklich wissen, wie Lumpi sich anhört, wenn er bellt, sahen wir auch keinen Grund, um mal nachzusehen. Bis wir mitbekamen, dass er mit unserem Sohn zur Tür raus war und – Achtung Klischee – den armen Postmann fast gefressen hätte, so wild hatte er gebellt und Haus und Hof bewacht. Nur damit mal sich das mal optisch vorstellen kann: Lumpi ist eine Mischung aus Dackel und Cocker Spaniel. Von uns auch manchmal liebevoll als Lebberwoscht bezeichnet. Also schwarz, klein, langer Körper, kurze Beine und nicht wirklich Furcht einflößend. Als er nach seinem Wachhundangriff wieder zurückkam, sah er aus wie implodiert: fast rund und doppelt so dick, so sehr hatte er die Nackenhaare gestellt. Ich sage nur: LUMPINATOR!
Ach ja, aktuell hat er einem Vertreter vor die Füße gekübelt, der gerade vor unserer Haustür stand und klingeln wollte, als ich den würgenden Lumpi nach draußen schickte. Der gute Mann war sichtlich irritiert, so etwas wäre ihm ja noch nie passiert. Aber was soll ich sagen: Lumpi fand ihn wohl zum Kotzen und, ehrlich gesagt, hab ich Lumpi danach sogar noch belohnt. Aber Pssst, bitte nicht weitersagen!
Bei uns hat sich der Spruch Der Hund hat sich seine Familie ausgesucht! ganz klar bewahrheitet! Wir genießen jede Minute mit dem kleinen, süßen Kerl und wünschen allen Tierbesitzern ebenso viel Freude und Spaß mit ihren Tieren, denn dann gewinnt jeder, ob Mensch oder Tier. Und natürlich bin ich diejenige, die am meisten mit Lumpi spazieren geht.
Aber wissen Sie was? Es macht sogar Spaß.
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Männerfreundschaft
Max, der Golden Retriever, war sieben Jahre alt, als er über Umwege von einem spanischen Tierheim und einer Tötungsstation nach Deutschland zu uns kam. Er war ein Traum von einem Hund. Sein Charakter ließ nichts zu wünschen übrig. Er wollte es uns immer recht machen, er war bildschön, freundlich, gehorsam, leise, kinder- und katzenlieb, nicht wählerisch im Essen. Er war uns von Anfang zugetan, kurzum, er war ein gewichtiger, 42 Kilogramm schwerer Hundeschatz. Er war ein Hund, wie es ihn nicht oft gibt. Ich hätte ein Neugeborenes zu ihm auf seine Decke gelegt. Nicht einmal seine schwierige Vergangenheit hatte seinem guten Charakter geschadet.
Unsere Nachbarn, schon sechs Jahre stolze Besitzer eines quirligen Parson-Jack-Russel-Terriers namens Franz, von Beginn seines Lebens in Wohlstand behütet lebend, sehr genau wissend, wie man seine Familie um den kleinen Finger wickeln konnte, hatte eine andere Startposition in seinem Hundeleben. Sein Charakter war ebenso gut, er biss nicht, war nicht falsch. Auch er mochte Kinder und Katzen. Er hatte nur einen Feind, das war der Briefträger, der gehörigen Respekt vor dem kleinen Hund hatte und übertriebener Weise die Post beim Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite deponierte. Mit den Nachbarn verbindet uns bis heute eine sehr freundschaftliche und vertraute Beziehung. Nachdem Max sich bei uns eingelebt hatte, beschlossen wir, dass nicht nur die Menschen in Freundschaft verbunden sein sollten, auch die Hunde sollten es sein. Mit Besuchen hin und her lernten sich die Vierbeiner kennen, respektieren, schätzen und lieben. Gemeinsam wurde beschlossen, dass eine Verbindungstür zwischen den Gärten, uns und den Hunden den Kontakt und das Besuchen erleichtern sollte. Nach vollendetem Einbau war es dann so weit. Der behäbige Max wartete auf der einen Seite, der flinke Franz auf der anderen Seite des Gartentors. Beide Ruten wedelten erwartungsvoll. Und dann wurde das Tor geöffnet!
Ohne sich eines Blickes zu würdigen, rannte Franz zu uns in die Küche, um diese nach Leckereien zu überprüfen. Max machte sich zielsicher auf zu Franz Spielsachen, um sein Lieblingsspielzeug, eine große Giraffe, zu uns in den Garten zu tragen. Abends brachte ich die Giraffe zurück, denn Franz überprüfte seine Spielsachen gewissenhaft. Ein Fehlen hätte er sofort bemerkt und um den Schlaf gebracht.
Dieses liebenswerte Spiel wiederholte sich Morgen für Morgen. Im Laufe des Tages, wenn es die jeweiligen familiären Gegebenheiten zuließen, blieb das Tor geöffnet und die Hunde konnten nach Belieben ihren Aufenthaltsort wählen. Meistens blieben sie zusammen.
Es war für Hunde und Menschen eine wundervolle Zeit, ein wundervolles Abkommen. Ein Dream-Team hatte sich nicht gesucht, aber gefunden. Eine echte Männerfreundschaft war entstanden.
Eines Tages, es war Winter und der Schnee lag für unsere geografischen Verhältnisse außerordentlich hoch, war es erforderlich, dass mein Mann und ich das Haus verlassen mussten. Da es durch die Wetterbedingungen unklar war, wann wir wieder zu Hause sein würden, baten wir die Nachbarn um Tagesasyl für unseren Max. Dieser Bitte wurde gerne entsprochen. Max’ Futter wurde abgefüllt, Halsband und Leine bereitgelegt und schon durfte er seinen Hundefreund besuchen. Den Vormittag verbrachten die Hunde in Harmonie und schlafend. Am Nachmittag, der Schneefall hatte mittlerweile aufgehört und die Sonne strahlte vom Himmel, entschloss sich die Nachbarin, mit beiden Hunden gleichzeitig einen Schneespaziergang zu machen.
Das Führen der beiden sollte nicht problematisch werden, sie waren leinenführig und krakelten nicht mit anderen Hunden. Franz trug bei schlechtem Wetter ein entsprechendes Hundemäntelchen. Max als Golden Retriever war vom lieben Gott mit ausreichend Fell ausgestattet und war daher ganzjährig unbekleidet.
Auf einem ruhigen Feldweg, zwischen Wiesen und Feldern, ließ die Nachbarin beide Hunde von der Leine. Franz lief etwas vor, er versank fast im Schnee und hatte richtig viel Spaß. Er wälzte sich von einer zur anderen Seite und genoss den Winter. Nur sein weißer Kopf war noch zu sehen. Die Nachbarin hielt sich in der Mitte auf und Max bildete die Nachhut.
Dieser blieb nach einer Weile zurück und stöberte im Schnee. Rufe ignorierte er, völlig untypisch für ihn. Dann trug er, den Kopf stolz im Nacken, die Rute wehend in der Winterluft, etwas Dunkles in seinem Maul. Die Nachbarin bekam einen Schreck, sie dachte, Max hätte eine Krähe oder einen anderen Vogel gefangen. Sie wartet und bemerkte, dass Max auf sie zukam. Er hatte sie fixiert und nichts schien ihn von seinem Weg zu ihr von seinem Vorhaben abzubringen. Er lief, als wäre er an einer Schnur gezogen. Beim Näherkommen erkannte sie, was Max im Maul trug. Es war der Wintermantel von seinem Hundefreund Franz. Max, diese treue Seele, hatte den Mantel gefunden, den Franz beim Wälzen verloren hatte.
Max, dem selten klar war, dass ihm als Retriever das Apportieren im Blut lag, konnte nicht zulassen, dass der Geruch, der ihn so intensiv an seinen Freund erinnerte, in einem weißen Grab von Schnee liegen blieb. Eine echte Männerfreundschaft eben. Die Nachbarin, ganz gerührt von so viel Feingefühl, lobte Max überschwänglich. Als ich später davon erfuhr, platze ich fast vor Stolz.
Mittlerweile gibt es das Dream-Team nicht mehr. Franz hat uns ein Jahr vor Max verlassen. In einigen Tagen jährt es sich zum fünften Mal. Franz’ letzte Ruhestätte ist direkt neben der Verbindungstür. Ein anderer Platz wäre für beide Familien nicht infrage gekommen. 13 Monate, nachdem Franz gestorben ist, ging auch Max seinen letzten Weg, nachdem er unser Leben fast sechs Jahre unendlich bereichert hatte. Er liegt auf der anderen Seite der Tür, seine Blickrichtung geht zu Franz.
Sie sind sich nach wie vor ganz nah.
Pulsuz fraqment bitdi.