Kitabı oxu: «Begleitung und Versorgung von Menschen mit Demenz nach Silviahemmet»

Şrift:


Die Autorin


Dr. med. Ursula Sottong, Ärztin, Gesundheitswissenschaftlerin MPH, Master in Demenz MSc (Karolinska Institutet/Medizinische Universität Stockholm), systemische Therapeutin, Silviahemmet-Trainerin und Silvia Doctor (Silvia-Ärztin).

Ursula Sottong

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1. Auflage 2022

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-039588-6

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-039589-3

epub: ISBN 978-3-17-039590-9

Vorwort

Stockholm im Winter 2003. Als ich das erste Mal die Tagespflege von Silviahemmet betrete, fällt mir diese besondere Atmosphäre auf, die so gar nicht meinem Bild einer teilstationären Einrichtung entspricht. Viele freundliche Gesichter, die mich willkommen heißen und die ich zunächst gar nicht zuordnen kann. Ein älterer Herr in hellem Anzug mit Fliege spricht mich hocherfreut auf Deutsch an. Wer ist hier Tagesgast und wer Pflegekraft?

Zuvor hatte mir eine Kollegin immer wieder von Silviahemmet und der dortigen Arbeit berichtet, die auf der Palliativen Philosophie basiert. In den folgenden Jahren war ich noch oft in Stockholm und hatte Gelegenheit, die Arbeit intensiver kennenzulernen und von der Ausbildung zu profitieren. Doch dieses erste Mal hat sich tief in meinem Gedächtnis eingeprägt.

An diesem Tag traf ich sowohl die Palliativmedizinerin Prof. Barbro Beck-Friis, Geriaterin und erste ärztliche Leitung des Silviahemmet, als auch ihre Nachfolgerin, Dr. Wilhelmina Hoffmann, eine erfahrene Geriaterin, mit der ich bis heute in der Arbeit verbunden bin, und Lotta Roupe, Silvia-Schwester und Pflegedienstleitung.

Ihr aller Anliegen: kompetente und emphatische Versorgung, Begleitung und Pflege von Menschen mit Demenz, Entlastung der Angehörigen, Selbstbestimmung, Lebensperspektive und ein gelingendes Leben in der Vielfalt bis zum letzten Atemzug.

Die Begleitung von Menschen mit Demenz fordert uns alle heraus. Dabei gilt es, gemeinsam – immer wieder neu – nach individuellen Lösungen zu suchen. Denn jeder Mensch ist »anders«, auch in der Demenz. Das ist »person-centered care«, zu deutsch: Personen-zentrierte Versorgung und Pflege.

Von eingefahrenen Straßen und Routinen abzuweichen, die individuellen Fähigkeiten zu entdecken und zu fördern, die Veränderung des Lebensraums basierend auf den vier Säulen der Palliativen Philosophie im Team würdig zu gestalten und zu begleiten – und dabei die Angehörigen mitzunehmen, das ist Silviahemmet.

In den vergangenen Jahren hat sich viel in Deutschland getan. Ärztinnen und Ärzte, Krankenpflegerinnen und -pfleger, Altenpflegekräfte, Physio- und Ergotherapeutinnen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sind – berufsübergreifend – zu Silviahemmet-Trainerinnen und -Trainern ausgebildet worden. Sie haben an den verschiedenen Standorten – ambulant wie stationär – gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen Silviahemmet Wirklichkeit werden lassen.

Ihnen allen sowie vor allem I. M. Königin Silvia und ihrem Team, die diese Arbeit und damit das Buch ermöglicht haben, gilt mein ausdrücklicher Dank. Danken möchte ich auch dem Journalisten Hubert Schulze Hobeling, der über die Jahre die Umsetzung von Silviahemmet in Deutschland filmisch begleitet und nun das Manuskript gegengelesen hat sowie Dr. Klaus Weil, der als erfahrener Geriater den Text auf Herz und Nieren geprüft hat.

Nicht vergessen werden sollen die vielen Interviewpartnerinnen und -partner, die neben I. M. Königin Silvia von Schweden und Dr. med. Wilhelmina Hoffman sich aus ihrer Perspektive zur Silviahemmet-Philosophie geäußert haben – PD Dr. med. Albert Lukas, Renate Schlieker, Mario Schneeberg, Jaqueline Haase, Ulrich Zerhusen, Dr. rer. medic. Eva-Maria Rexhausen, Georg Gal, Dr. med. Jochen Hoffmann, Rebekka Kleinpaß, Walter Bors, Dr. med. Klaus Weil, Katrin Raimann, Dr. med. Rainer Löb, Prof. Dr. rer. medic. Michael Isfort, Hans Ulrich Schmidt und Prof. Dr. med. Pierluigi Nicotera.

Last but not least möchte ich ganz besonders meinem Lehrer Professor Lars-Olof Wahlund vom Department of Neurobiology, Care Sciences and Society des Karolinska Institutet/Stockholm danken. Ihm und seinem Team ist es gelungen, den Ansatz von Silviahemmet in die akademische Lehre einfließen zu lassen.

Menschen mit Demenz mit ihren Bedürfnissen nach Teilhabe und Selbstbestimmung zu integrieren, ist eine Aufgabe, die nur gemeinsam bewältigt werden kann. Menschen mit Demenz sind eine Herausforderung in der täglichen Arbeit, aber kein Problem – und wenn doch, sind wir alle Teil des Problems.


Troisdorf, im Jahr 2021Dr. Ursula Sottong

Inhalt

1  Vorwort

2  1 Einführung

3  1.1 Menschen wie du und ich

4  1.2 Teilhabe und Selbstbestimmung trotz Demenz

5  1.3 Demenz und Alter

6  1.4 Demenz und Lebensqualität

7  1.5 Demenz, Palliative Care und Silviahemmet

8  2 Silviahemmet

9  2.1 Palliative Care – Effekte

10  2.2 Silviahemmet – Ziele

11  2.3 Die vier Säulen der Arbeit

12  2.3.1 Symptomkontrolle/person centered care

13  2.3.2 Kommunikation und Begegnung

14  2.3.3 Unterstützung der Angehörigen

15  2.3.4 Team

16  2.4 Schulungen und Weiterbildungen

17  2.4.1 Aufbau der Ausbildung

18  2.5 Zertifizierung durch Silviahemmet

19  2.6 Svenskt Demenscentrum

20  2.7 Silviahemmet international

21  2.8 Tagespflege und SilviaBo

22  3 Medizinische Grundlagen

23  3.1 Die oberste Schaltzentrale – Das zentrale Nervensystem

24  3.1.1 Das Großhirn und seine Funktionen

25  3.1.2 Das Zwischenhirn

26  3.1.3 Das Limbische System

27  3.1.4 Der Hirnstamm

28  3.1.5 Die Nervenzellen und ihr Informationssystem

29  4 Altersphänomene

30  5 Demenz

31  5.1 Exkurs: Kognition

32  5.2 Demenzformen

33  5.2.1 Alzheimer-Demenz

34  5.2.2 Frontotemporale/Frontallappendemenz

35  5.2.3 Parkinson-Demenz

36  5.2.4 Lewy-body-Demenz

37  5.2.5 Gefäßbedingte (vaskuläre) Demenz

38  5.3 Demenzdiagnostik

39  5.4 Bedeutung der hausärztlichen Versorgung

40  5.5 Therapie

41  5.5.1 Nicht-medikamentöse Maßnahmen

42  5.5.2 Medikamentöse Maßnahmen

43  6 Typische Demenzsymptome und deren Bewältigung

44  6.1 Kognitive Symptome

45  6.1.1 Gedächtnis

46  6.1.2 Orientierungsvermögen

47  6.1.3 Sprache

48  6.1.4 Rechnen

49  6.1.5 Geistige Fähigkeiten, Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen

50  6.2 Exekutive Fähigkeiten

51  6.3 Apraxie

52  6.4 Agnosie

53  6.5 Psychiatrische Symptome

54  6.6 Körperliche Symptome

55  6.6.1 Inkontinenz

56  6.6.2 Steifigkeit und Muskelzuckungen

57  7 Herausfordernde Verhaltensweisen – Wer fordert wen heraus?

58  7.1 Nichts geschieht ohne Grund

59  7.1.1 Medizinische/pflegerische Aspekte

60  7.1.2 Kommunikationsprobleme und subjektiv erlebte Kränkungen

61  7.1.3 Umfeld: Wohnumgebung, Umgebungs-/ Ortswechsel, Geräusch-/Lärmpegel

62  7.1.4 Eingeschränkte Mobilität und Freiheits- einschränkungen

63  7.2 Weitere Auslöser

64  7.3 Therapie

65  7.3.1 Nicht-medikamentöse Therapie

66  7.3.2 Medikamentöse Therapie

67  8 Demenz, Delir, Depression

68  8.1 Depression

69  8.2 Delir

70  8.3 Prävention vor Therapie

71  9 Schmerzen

72  9.1 Schmerzskalen

73  9.2 Ursachenforschung

74  10 Eine Orientierung fördernde Umgebung

75  10.1 Das Umfeld

76  10.2 Unterstützung der örtlichen Orientierung – Angewandte Biografiearbeit

77  10.3 Farbgebung

78  10.4 Bodenflächen

79  10.5 Licht

80  10.6 Mobiliar

81  10.7 Auffinden erleichtern – Kennzeichnungen

82  10.8 Die Sache mit dem Spiegel

83  10.9 Zeitliche Orientierung

84  10.10 Eine die Orientierung unterstützende Kommunikation

85  10.11 Leben in und mit der Natur

86  10.12 Sicherheit durch technische Assistenzsysteme

87  11 Aktivierung – mehr als Beschäftigung

88  11.1 Beibehalten, was Freude macht

89  11.2 Reminiszenz

90  11.3 Musik und Tanz

91  12 Biografiearbeit

92  13 Ernährung und Mahlzeiten

93  13.1 Der tägliche Einkauf

94  13.2 Probleme beim Essen

95  13.3 Exkurs: Geschirr

96  13.4 Unter- und Mangelernährung – Schluckstörungen

97  14 Kommunikation und Begegnung

98  14.1 Verbale und nonverbale Kommunikation

99  14.2 Validation

100  14.3 Berührung

101  15 Spiritualität

102  15.1 Spiritual Care – Seelsorge – Sorge um die Seele

103  15.2 Spiritual Care konkret – Lebenssinn und Zuversicht geben

104  16 Angehörige/Familie

105  16.1 Die Krankheit der Angehörigen

106  16.2 Eine neue Beziehung aufbauen

107  16.3 Wenn ein Umzug ansteht …

108  16.4 Der lange Abschied …

109  17 Team

110  17.1 Achtsame Kommunikation

111  17.2 Arbeiten unter einer Leitung

112  17.3 Reflexion im Team

113  18 Pflege – Person-centered-care

114  18.1 Tipps für eine gute Pflege

115  18.2 Traumata

116  19 Best-Practice-Beispiele

117  19.1 Silviahemmet in Deutschland – Beispiele guter Praxis

118  19.1.1 Pilotprojekt Malteser und Silviahemmet – 2019/2010

119  19.2 Silviahemmet und ambulante Angebote

120  19.2.1 MalTa Tagestreff Bottrop – Das kleine Silviahemmet

121  19.2.2 Malteser Tagespflege Duderstadt

122  19.3 Silviahemmet und Altenhilfe

123  19.3.1 St. Anna Stift/Kroge – Wohnbereich Silvia

124  19.3.2 Zertifizierung Papst Leo Haus in Essen

125  19.4 Silviahemmet und Krankenhaus

126  19.4.1 24-Stunden-Management

127  19.4.2 Station Silvia – eine Oase im Krankenhausalltag

128  19.4.3 Station Silvia in Flensburg

129  19.4.4 Demenzsensibles Krankenhaus St. Carolus

130  19.5 Versorgung von Menschen mit Demenz in der Notfallrettung und im Krankentransport

131  19.5.1 Weiterbildung für Rettungsdienst und Krankentransport

132  20 Lessons learned

133  21 Der Blick in die Zukunft

134  21.1 Prävention

135  21.2 Leben, wo ich hingehöre – Smart-City Forst

136  21.3 Zukünftige Forschungsfelder

137  Literatur

138  Stichwortverzeichnis

1 Einführung

In den letzten Jahren hat die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Demenz zugenommen. Zum einen, weil die Zahl der Erkrankten mit der steigenden Lebenserwartung weltweit zunimmt, zum anderen, weil die Tatsache, dass noch keine Heilung möglich ist, bei vielen Menschen große Ängste und Sorgen auslöst. Die Angst vor einer Demenz (42 %) ist nach Umfragen derzeit größer als die vor Krebs (35 %) (Sicherheitsreport 2020). Im Verlauf der Erkrankung sind Menschen mit einer Demenz immer mehr auf Unterstützung und Hilfe angewiesen. Sie brauchen ein Umfeld, das um ihre Einschränkungen weiß und aufmerksam und einfühlsam auf ihre Möglichkeiten eingehen kann. Das erfordert neben fachlicher Kompetenz eine große Offenheit und Sensibilität für die betroffenen Personen und ist die Gewähr für Lebensqualität, Selbstbestimmung und Lebensperspektive bis zum Ende.

Mit einer Demenzerkrankung sind Gedächtnisverlust, Sprach- und Orientierungsstörungen und – mit Fortschreiten der Erkrankung – erhebliche körperliche Einschränkungen verbunden. Oft können die Menschen ihre Bedürfnisse, Wünsche, Sorgen, Ängste und Schmerzen – für ihre Umwelt – nicht mehr verständlich ausdrücken. Das stellt die sie Begleitenden vor hohe Anforderungen.

1.1 Menschen wie du und ich

Unterstützung – eine Aufgabe für alle

Menschen mit einer Demenzerkrankung sind Menschen wie »du und ich«, mit ihrem je eigenen Weg durch die Krankheit. Das gilt es sich immer wieder bewusst zu machen. Es geht um die individuelle Person, die an einer bestimmten Form und Ausprägung einer Demenz erkrankt ist und darunter leidet. Ihr die notwendige Unterstützung zukommen zu lassen, ist eine Aufgabe für alle.

Stolpersteine

Die Stolpersteine auf diesem Weg sind nicht zu unterschätzen. Der nicht nur in Fachkreisen, sondern auch in den öffentlichen Medien zu findende Sprachgebrauch »dement« oder der »Demente« steht für ein Verständnis, das mit dem Anspruch an Wertschätzung und Würde nur schwer zu vereinbaren ist.

Der Begriff »Demenz« stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie »ohne Geist«, »ohne Verstand«, was weder dem Krankheitsbild noch der davon betroffenen Person entspricht. Zwischenzeitlich gibt es verschiedene Versuche einer neuen Nomenklatur, die sich im Alltag allerdings bisher nicht durchsetzen. Deshalb wird in diesem Buch der Begriff Demenz wegen der allgemeinen Verständlichkeit benutzt. Medizinisch wird von einer fortschreitenden, neurodegenerativen Erkrankung gesprochen.

Wörterbuch Demenz

Die Deutschsprachigen Alzheimer- und Demenzorganisationen haben ein »Wörterbuch« herausgebracht, das Vorschläge für ein angemessenes Wording enthält (Deutschsprachige Alzheimer- und Demenzorganisationen 2020).

1.2 Teilhabe und Selbstbestimmung trotz Demenz

Nationale Demenzstrategie

Wie es gelingen kann, Menschen mit Demenz mit ihren Bedürfnissen nach Teilhabe und Selbstbestimmung im Alltag zu integrieren, ist eine Herausforderung, die nur gemeinsam bewältigt werden kann. 2020 hat die Bundesregierung mit einer Vielzahl von Akteuren eine Nationale Demenzstrategie für Deutschland (NDS) vorgelegt, um die gesellschaftlichen Herausforderungen nachhaltig anzugehen (BMFSFJ/BMG 2020).

In vier Handlungsfeldern (HF) werden die aktuellen Herausforderungen und Bewältigungsstrategien aufgezeigt:

• HF 1: Strukturen zur gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Demenz an ihrem Lebensort aus- und aufbauen.

• HF 2: Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen.

• HF 3: Die medizinische und pflegerische Versorgung von Menschen mit Demenz weiterentwickeln.

• HF 4: Exzellente Forschung zu Demenz fördern.

Ziel der Strategie ist es, Leiden zu lindern, die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in einer Gesellschaft des langen Lebens zu verbessern und Menschen mit Demenz darin zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben in Würde führen zu können.

1.3 Demenz und Alter

Risiko Alter und soziale Vereinsamung

Demenzielle Erkrankungen treffen Menschen aller Altersgruppen und Schichten, allerdings sind Alter und soziale Vereinsamung das größte Risiko für die Entwicklung einer Demenz.

Für die Situation in Deutschland werden aktuell Zahlen zwischen 1,6 und 1,7 Mio. Erkrankte angegeben (Thyrian et al. 2020).

Insgesamt sind mehr Frauen (70 %) als Männer (30 %) betroffen (Thyrian et al. 2020). Zum einen, weil Frauen eine höhere Lebenserwartung als Männer haben, zum anderen, weil sie anscheinend mit der Erkrankung länger leben. Verschiedene Untersuchungen lassen vermuten, dass neben dem Alter und der sozialen Vereinsamung auch der Grad der Gebrechlichkeit (Frailty), die in der Regel mit dem Alter zunimmt, bei der Entwicklung einer Demenz eine Rolle spielt.

Die publizierten Zahlen zu Prävalenz (Erkrankungshäufigkeit) und Inzidenz (Neuerkrankungen) sind allerdings indirekte Zahlen, unter anderem basierend auf Daten von Kostenträgern, da es für den deutschsprachigen Raum bis heute noch kein Demenzregister gibt.

1.4 Demenz und Lebensqualität

In der Begegnung mit demenziell erkrankten Menschen stellt sich schnell die Frage nach deren Lebensqualität, da in der Wahrnehmung ihrer Umwelt sich diese Krankheit vor allem durch Verluste und Defizite auszeichnet. In einigen publizistischen Beiträgen ist sogar davon die Rede, dass Menschen mit einer Demenz nur »fast bis in das schwere Krankheitsbild hinein« ihre Umwelt bewusst wahrnehmen und am Leben teilhaben, was den Eindruck erweckt, dass sie nur noch »dahinvegetieren« und Lebensqualität am Lebensende damit kein Thema mehr ist.

Lebensqualität, Teilhabe und Selbstbestimmung

In den letzten Jahren sind neben Interessensvertretungen, wie sie unter anderem die Alzheimer Gesellschaft darstellt, Initiativen von Erkrankten entstanden, die sich nach dem Prinzip der Selbsthilfe organisieren und öffentlich äußern (Demenzsupport Stuttgart). Ihre Themen sind Lebensqualität, Teilhabe und Selbstbestimmung. Faktoren, die die Lebensqualität beeinflussen, sind alle Aspekte einer demenzfreundlichen Umgebung, die Kontinuität gewährleisten und die Menschen mit einer Demenzerkrankung in ihrem Alltag die Unterstützung zukommen lassen, die sie benötigen (Keating & Gaudet 2012).

Interessanterweise zeigen die wenigen existierenden Untersuchungen zur Lebensqualität von Demenzpatientinnen und -patienten, dass Lebensqualität durch die Erkrankten selbst besser beurteilt wird, als zum Beispiel durch die begleitenden Angehörigen, die durch die Erkrankung oft sowohl physisch als auch psychisch enorm belastet sind (Keating & Gaudet 2012).

Palliative Care

Lebensqualität ist auch das Stichwort, wenn es um Fragen der Therapie geht. Die verschiedenen Formen der Demenzen sind bis heute nicht heilbar, aber therapierbar. Das heißt: es ist mittels verschiedener therapeutischer Ansätze möglich, die durch die Demenz bedingten Symptome zu lindern und so Lebensqualität zu ermöglichen. Diese Art der Versorgung wird unter der Überschrift »Palliative Care« oder Palliativmedizin zusammengefasst.

Yaş həddi:
0+
Litresdə buraxılış tarixi:
19 dekabr 2025
Həcm:
280 səh. 35 illustrasiyalar
ISBN:
9783170395909
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
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