Kitabı oxu: «10 erregend erotische LeXus Dystopient»

Şrift:

Virginie Bégaudeau

LeXuS: 10 erregend erotische LeXus Dystopien

Lust

LeXuS: 10 erregend erotische LeXus Dystopien

Übersezt von Susan Resnik

Titel der Originalausgabe: LeXuS: Les Fondateurs

Originalsprache: Französisch

Coverbild/Illustration: Shutterstock

Copyright © 2021 Virginie Bégaudeau und LUST

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 9788728019603

1. E-Book-Ausgabe

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit der Zustimmung vom Verlag gestattet.

Belgrame

In einer nicht allzu fernen dystopischen Zukunft, unterliegt die Stadt Belgrame im Rahmen eines totalitären Regimes einem Gesetzesapparat, der den Namen LeXuS trägt. Sexualität ist fortan ein Privileg. Sie wird erworben, verkauft und vertrieben, doch sie ist nicht jedem zugänglich. Sie ist ein Symbol für sozialen Erfolg und ihre Kontrolle soll sicherstellen, dass es keine Sexualstraftaten mehr gibt.

Mit einem eigenen Algorithmus verteilt der LeXuS die Bevölkerung auf verschiedene Distrikte. Die Betreiber (Distrikt 0) besetzen den öffentlichen Dienst. Die Arbeiter (Distrikt I) werden am Institut von Belgrame zu Sexarbeitern ausgebildet. Die Partner (Distrikt II) leben in Paaren, ganz unabhängig von Ihrem Geschlecht, und kümmern sich um die Erziehung der Kinder von Belgrame. Die Verbraucher (Distrikt III) sind am freiesten und machen 70% der Bevölkerung aus. Die Enteigneten (Distrikt IV) haben keinerlei Zugang zu Sexualität und erhalten Implantate. Die Unglücklichen (Distrikt X) bestehen aus allen Belgramern, die gegen den LeXuS verstoßen haben.

Aber Belgrame durchlebt schwere Zeiten, bedroht von einer Gruppe Abtrünniger, die mit aller Macht versucht, das Regime zu stürzen und freie Sexualität, ohne Diktatur, zu etablieren.

Willkommen in Belgrame!

Der LeXuS

LeXuS, Artikel 1

Jegliche sexuelle Handlung muss durch den LeXus, abhängig von der Zuordnung eines Bürgers, genehmigt werden.

Jeder Bürger, der Geschlechtsverkehr außerhalb der Regeln seines Distriktes praktiziert und damit gegen den LeXuS verstößt,

ist Gegenstand lebenslänglicher Inhaftierung.

Jegliche sexuelle Handlung kann verkauft, gekauft und gepachtet werden, sofern die Bürger,

die den Vertrag abschließen, dazu berechtigt sind:

Die Betreiber (Distrikt O – berechtigt) können Arbeiter zu ihrem persönlichen Vergnügen nutzen.

Die Arbeiter (Distrikt I – berechtigt) sind Sexarbeiter.

Die Partner (Distrikt II – berechtigt) verfügen über eingeschränkten und exklusiven Zugang zu Sexualität. Sie können diese ausschließlich mit dem ihnen durch den LeXuS zugeteilten Partner praktizieren.

Die Verbraucher (Distrikt III – berechtigt) können frei über ihre Sexualität verfügen.

Die Enteigneten (Distrikt IV – nicht berechtigt) haben keinerlei Zugang zu Sexualität.

Die Unglücklichen (Distrikt X – nicht berechtigt) sind von jeglicher sozialen Interaktion ausgeschlossen.

LeXuS: Die Gründer

Artikel 1 - Code A-1

Die Sexualität jedes Bürgers, jedes Mitglieds des Personals, jedes Individuums,

das in Belgrame lebt, wird durch den LeXuS gesetzlich geregelt.

Es herrscht keine sexuelle Freiheit, es sei denn, ein Betreiber erteilt nach

eigener Stellungnahme, in Übereinstimmung mit dem LeXuS, eine Ausnahmegenehmigung.

Der LeXuS ist der alleinige Text, auf dem die gesamten moralischen,

wirtschaftlichen und rechtlichen Gesetze Belgrames aufbauen.

Registrationsnummern: 1 - 2 – 3

Alias: Lestad, Xuang und Salazar

Geschlecht: männlich und weiblich (bestimmt)

Ort: Distrikt O

In diesem Bett, das kaum vom Tod warm gehalten wird, sehe ich den Ersten von uns sterben. Neunzig Jahre alt. Ein fast hundertjähriges Leben, dem auch ich mich nähere. Und was für ein Leben! Salazar scheint Dutzende von Jahrhunderten in nur einem gelebt zu haben. Aber mir ist klar, dass wir beide gleich weit weg von unserem letzten Atemzug sein könnten. Was zählen jetzt unsere Taten, unser Erfolge, oder selbst das, was wir zerstört haben. Was zählt es schon, wer wir gewesen sind. Wir allein sind Richter über unser Leben.

Als ich meinen Vornamen auf dem Besucherausweis sehe, schaudert es mir: Xuang Safetie. Es ist schon so lange her, dass mein Name allein seine Bedeutung verloren hat. Meine Identität änderte sich an jenem Tag, als wir die Gründer wurden. Lestad - Xuang - Salazar: LeXuS.

Ich lege meine Hand auf Salazars vergilbte Haut. Seltsamerweise erinnert mich diese Berührung daran, wer ich lange vor dem LeXuS war, lange bevor wir uns überhaupt kennengelernt hatten.

***

Ich kann nicht sagen, wann die Welt, so wie wir sie kennen, aufgehört hat zu existieren. Natürlich ist die Zivilisation nicht einfach völlig zusammengebrochen, aber ihre Entwicklung war in den letzten zehn Jahren so stark, dass die meisten von uns die Kontrolle verloren haben. Die Kontrolle und die Hoffnung. Ich erinnere mich an das, an Leichtsinn grenzende Hochgefühl, das ich fühlte, als ich die Fakultät betrat und an Studenten, die alles andere als studieren wollten. Sexualität sprang mich an, als wären ihre Impulse der Kern ihrer Existenz. Als ob in dieser Welt, die der Pornographie verfallen war, nichts anderes zählte. Ich wiederum war besessen von dem Bild unserer nackten Körper, unsere Körper, die der Niederträchtigkeit eines nun unfruchtbaren Akts versklavt waren.

Das Fleisch verblendet die Vernunft der Menschen., Es ist der Grund, warum sie allem entsagen, Kriege erklären oder sinnlose Entscheidungen treffen, die der Menschheit selbst schaden. Führungspersönlichkeiten werden schwach, nur um sich zu vergnügen. Ich habe mich immer über den Wert einer solchen Barbarei gewundert und wollte mich nie mit den Tieren, die wir zu versklaven versuchen, vergleichen.

Im Hörsaal der Wirtschaftsabteilung der Universität wurde ich Zeugin der Mittelmäßigkeit unserer Hochschulbildung, inmitten von jungen Leuten, die sich nicht besonders viele Gedanken machten. Sie kommunizierten via Textnachrichten, obwohl sie nur einen Sitzplatz voneinander entfernt waren. Alles, woran sie dachten, waren das Ende des Kurses und die Nächte, die sie gemeinsam verbringen würden, ungeschützt und gierig danach, sich zu betäuben. Ich hatte es satt. Ich fragte mich oft, ob mein Verhalten vielleicht seltsam war, ob meine ungesunde Besessenheit von der Begierde anderer unbewusst einen Hauch von Frust widerspiegelte.

Ich hatte tausend Ideen bezüglich der Dekadenz der Gesellschaft und ebenso viele Argumente. Ich wusste sehr wohl, dass die Erotisierung unserer Welt das Übel war. Natürlich kommen Menschen mit gewissen „Grundbedürfnissen“ auf die Welt, aber es gehört zum guten Ton, diese im Verborgenen zu halten. Dies verändert allerdings nichts in Bezug auf den Einfluss, den sie auf unser Verhalten haben. Ich hatte einige Artikel über dieses Thema geschrieben, ganz privat, in denen ich meine Gedanken geordnet habe, um sie unter Kontrolle zu bringen. Ich wollte unbedingt verstehen, was heute schief lief und mein Wirtschaftsprofessor bestärkte meine Bedenken. Wir waren am Rande eines Zusammenbruchs, wir waren geschwächt. Er erwähnte zwar nicht die Hypothese, dass der Mensch Opfer seiner exzessiven Wollust war, aber ich war überzeugt, dass sie für alles Übel verantwortlich war. Oder für fast alles.

Meine ersten Wochen auf dem Campus war ich hin- und hergerissen durch meine Unfähigkeit, mich anzupassen und dem krankhaften Drang, meine Kommilitonen zu schlagen und zu beleidigen. Ich hatte das Gefühl, die Lösung für alle Probleme der Menschheit zu kennen und musste gleichzeitig machtlos zusehen, wie sie aufgrund all dieser Schwachköpfe hier unterging. Ich war dabei zu ersticken. Ich ertrank. Ich wollte den Kurs hinschmeißen, ich war davon überzeugt, dass ein Abschluss nichts ändern würde und dass ich im besten Fall als Managerin einer großen Firma enden würde, die mittel- und langfristige Prognosen erstellte, denen dann niemand folgen würde.

Wäre ich hier geblieben, hätte ich mein Leben versäumt. Ich wollte etwas Besseres, wenn ich schon nicht mehr tun konnte. Ich baute eine oberflächliche Beziehung zu einem meiner Mitstudenten auf, Jack, der ein ziemlich angenehmer Kommilitone war, und unsere gemeinsamen Interessen beschränkten sich auf Musik und eine zu der Zeit beliebte Fernsehserie. Eines Abends lud er mich ein, mit ihm zu einer Party zu gehen, die von Studenten aus unserem Wirtschaftskurs organisiert wurde. Die letzte Party, auf die ich gegangen war, war ein Fiasko gewesen und es schien mir, als hätte ich erst alle anderen Gäste zutiefst verärgert und mich dann zu Tode gelangweilt.

An diesem Donnerstag im Herbst, der für diese Jahreszeit ungewöhnlich heiß war, herrschte eine merkwürdige Atmosphäre. Ich hatte gute Laune und mein Freund genoss die Party. Ich wurde all denen vorgestellt, mit denen ich im Kurs kein einziges Wort wechselte und trank sehr viel Alkohol, um mich selbstsicher zu fühlen. Und seltsamerweise sah ich die anderen Partygäste unter dem Deckmantel der Verdorbenheit nicht mit einem bösen Blick an. Wir sprachen sogar darüber. Ich hatte den Eindruck, dass einige wenige mich verstanden und die Zärtlichkeiten, auch wenn sie nur in meinem Kopf stattfanden, begannen mir überraschenderweise zu Kopf zu steigen. Ich zitterte am ganzen Körper und ich glaubte erst eine leichte Erregung und dann ein echtes Verlagen wahrzunehmen, als ich mehr und mehr Geschichten hörte. Alles verwirrte mich, besonders mein Verhalten. Es war nicht wirklich der Alkohol. Ein Hauch Menschlichkeit löste sich aus der kleinen Gruppe los und dann stand Jack neben mir. Seine Schenkel berührten meine. Dann legte er seinen Arm um meine Schultern. Ich zitterte. Er hatte seine Gefühle noch nie zur Schau gestellt und ich hatte ihn nicht darum gebeten. Ich war umgeben von der erotischen Atmosphäre, der ich nicht entkommen konnte, der Angst, von ihr mitgerissen zu werden und dem Wunsch, in sie einzutauchen. Sie zu kosten.

Wenn ich mich in Versuchung führen ließ, würde ich dann so werden wie alle anderen? Würde ich den Verstand verlieren? Der Frust der vergangenen Monate kam wieder in mir auf und ich musste zugeben, dass ich etwas dagegen tun musste. Das zerrende Gefühl in meiner unteren Bauchgegend war ebenso angenehm wie elektrisch. Ich war verloren. Jack lachte über einen Witz, den ich nicht mitbekommen hatte.

Ich kann mich nicht erinnern, es mit ihm abgesprochen zu haben, aber die Lust war so stark, dass wir die Party verließen und gemeinsam die Treppe hinaufgingen. Jack war im wahrsten Sinne der Wortes erregt und ich konnte deutlich seine Erektion sehen, die fast durch den Stoff seiner Jeans ging. Ich war eingeschüchtert, aber zu lüstern, um wegzulaufen. Ich konnte das bösartige Verlangen, das von mir Besitz ergriffen hatte, nicht kontrollieren und starrte mit weit aufgerissenen Augen, als Jack seine Hose und seine Shorts auszog. Sein steifer Penis war riesig, und ich presste instinktiv meine Oberschenkel zusammen. Er fragte mich, ob ich weitergehen wollte, ich nickte mit dem Kopf und ließ ihn meine Hand halten. Er zog mir mein inzwischen nasses Baumwollhöschen aus und warf es auf den Boden. Ich wollte mein Kleid ausziehen um meine Brüste zu befreien, aber er begnügte sich damit, einfach meinen BH herunter zu schieben. Das muss sicher seltsamen ausgesehen haben. Dann fing er an, meine Brustwarzen zu lecken, die sich durch das Streicheln seiner Zunge rosa färbten und hart wurden, während sein Speichel an ihnen hinunterlief. Ich hätte mir gewünscht, er hätte etwas langsamer gemacht, sodass ich es hätte genießen können. Aber er hörte mir nicht wirklich zu. Da ich ein Neuling auf dem Gebiet war, überließ ich ihm die Führung. In meinem Schritt loderte es immer noch und ich lud ihn ein, seine Hand hineinzustecken. Er sah überrascht aus und lächelte, wie ich ihn nie zuvor lächeln gesehen habe.

„Möchtest du nicht lieber warten?“

Und auf einmal fingerte er mich. Ich war erschrocken. Meine Nässe schien seine Hand zu bedecken und er bewegte sich weiter hin und her, bevor er mich auf die Knie drückte.

„Das wird dir gefallen! Das ist das Beste am Sex. Das Glied des Mannes.“

Er öffnete meinen Mund und schob diesen nach Moschus riechenden, vor heißer Flüssigkeit triefenden Penis hinein, der Dank mir oder vielleicht auch von selbst, steinhart war. Ich wusste gar nichts mehr. Es war nicht mehr Jack, der da vor mir stand. Ich lutschte seinen Penis, ließ ihn tief in meine Kehle gleiten und folgte meinen Instinkten. Davon hatte ich viele. Als ich die Konturen seines Phallus leckte, fühlte ich meine Vulva pulsieren und der Drang, sie zu streicheln, störte meine Konzentration. Jack genoss es und hielt sich am Fußende des Bettes fest, seine Augen waren geschlossen und sein Stöhnen wurde zum Hintergrundgeräusch. Seltsamerweise gefiel mir diese Stellung auch. Als sein Geschlecht meinen Mund erkundete, übernahm ich die Führung, neckte ihn, sog an seinem Glied und ließ meine Zunge über seine Penisspitze gleiten. Er wurde auf einmal noch härter, schien sich zusammenzuziehen und dann zog Jack sich zurück. Er würde kommen, aber er hatte mir versprochen, es nicht so zu tun. Er wollte, dass ich ihn in mir spürte.

Er suchte seine Jeans, die über einem Stuhl hing, nach einem Kondom ab. Fasziniert sah ich seinem Treiben zu. Ich wollte mich aufs Bett legen und spreizte im Geiste schon meine Beine, damit er in mich eindringen könnte. Ich wollte kurz gesagt das tun, was Frauen so taten, um ihre Jungfräulichkeit zu verlieren. Jack lachte und spielte mit meiner Leichtgläubigkeit.

„Es ist besser auf allen Vieren. Von hinten. Dann tut es dir weniger weh. So machen sie es in den Filmen.“

Ah. Das hatte er nicht nur einfach so gesagt, schon drehte er mich auf der Matratze um. Mit meinem Hinterteil in der Luft und meinen Unterarmen auf dem Kissen, wartete ich ab. Meine Vulva war bereit, penetriert zu werden und das tat er auch ohne Vorwarnung. Jack drang mit großer Erregung in mich ein. Ich stieß einen Schrei der Verwunderung aus, der kurze Schmerz des zerrissenen Jungfernhäutchens ließ schnell nach, als er sich kurz zurückzog und dann wieder in mich eindrang. Wie dem auch sei. Ich genoss es, einen Penis in mir zu spüren, der sich an den erregten Konturen meiner Scheide rieb. Jack gab mir einen Klaps auf den Hintern, packte mich an den Haaren und hielt sie mit einer Hand fest. Seine Worte erschütterten mich erst und erregten mich dann. Buchstäblich. Das war also Sex? Er beleidigte mich und forderte mich auf, mich mit seinem herrlichen Sperma zu beschmieren und mich seiner Männlichkeit zu unterwerfen. Ich wollte gerade darauf reagieren, als er auf meinem Rücken zusammenbrach. Der Orgasmus hatte ihn überkommen und ich konnte seine Gesichtszüge nicht sehen. Ich wollte gerade darum bitten, weiterzumachen oder in einer anderen Stellung fortzufahren. Ich war nun an der Reihe, meine Ekstase zu genießen.

„Na, freust du dich, eine richtige Frau zu sein? Du bist trotzdem eine ganz schöne Schlampe!Ich kann es kaum erwarten, es nochmal zu tun!“

Mit diesen Worten zog er seine Unterwäsche und seine Jeans wieder an und ließ mich im Zimmer unserer Gastgeber zurück. Ich war nackt und frustriert. Überwältigt von meinem ersten Mal, von dem ich hoffte, dass es auch das letzte Mal sein würde.

Ich beschloss, meine Beziehung zu Jack am darauffolgenden Tag zu beenden. Die Enttäuschung und der Beweis, dass ich mit dem aus Sex resultierenden tierischen Verhaltensweisen Recht hatte, erlaubten es mir nicht mehr, eine ehrliche Beziehung aufrechtzuerhalten.

Aber ich freute mich, die Theorie, über die ich jahrelang nachgedacht hatte, ausprobiert und in die Praxis umgesetzt zu haben. Obwohl mir der Orgasmus entgangen war, was mich trotz allem beruhigte, war ich bereit, meine Nachforschungen fortzusetzen.

Ich schloss mein erstes Jahr mit Belobigung ab. Ich hatte Dutzende von Papieren zu diesem Thema vorbereitet, es lag mir am Herzen, und ich hatte Wirtschaftsprognosen für die nahe Zukunft aufgestellt, ich hatte alles fest in der Hand. Aber das Wesentliche fehlte noch und ich wusste einfach nicht, was es war. Bis zu diesem Abend.

*

Der Vortrag eines gewissen Lestad Bryce hatte mich angesprochen. Er trug einen romanmäßigen Titel über die Irrungen der Menschheit. Ein öffentlicher Vortrag also, über den die Studenten automatisch aufgebracht waren. Ich saß in der vorletzten Reihe, in einen dicken Wollmantel eingewickelt, weit abseits und meine Augen auf den Redner gerichtet. Zu meiner Rechten saß ein junger Mann von gewisser Eleganz. Seine Haar fiel auf seine Schultern hinab, er war gut gebaut, sein Gesicht markant und ich konnte den Blick nicht von ihm abwenden. Er begrüßte mich, ich errötete und fühlte mich lächerlich. Dann betrat Lestad die Bühne. Wir waren ein Publikum von etwa zehn Leuten, die gekommen waren, um ihn zu hören.

Am Ende seines Vortrags waren wir nur noch zu viert, einschließlich meines Nachbarn, der diese aufwiegelnde, aber mitreißende Rede mit der gleichen Inbrunst verfolgt hatte wie ich. Wir applaudierten, in der Hoffnung, er möge weiterreden. Lestad Bryces offene Dissertation über das wirtschaftliche Ende der Welt, war weit entfernt von den Börsencrashs, die in den Geschichtsbüchern erwähnt worden waren und weit entfernt von allem, was wir zu unseren Lebzeiten erlebt oder eben nicht erlebt hatten. Das Ergebnis wäre ein erschreckender Rückgang der Geburtenrate, teilweise gewollt und teilweise durch eine hohe Sterblichkeitsrate ausgelöst, wobei die globale Erwärmung zur Hauptsorge der Menschheit werden würde, obwohl es uns unmöglich wäre, sie jetzt noch aufzuhalten. Schließlich würden Pandemien zu unserem täglichen Leben gehören, bis eine von ihnen uns zum Verhängnis werden würde. Das Schicksal, das seine Forschung uns vorher sagte, hatte uns nicht erschreckt, sondern beruhigt.

Und obwohl er das Thema nur in einem Absatz ansprach, streifte Lestad die Perversion unserer Gesellschaft und die Erniedrigung unserer Gedanken. Er zog äußerst interessante Parallelen zu den Religionen, die man Jahrzehnte lang vergeblich zu bekämpfen versucht hatte und die nun zurückkehrten um ihre Gläubigen aller Länder zu bedienen und die Hypersexualisierung nährten. Die Omnipräsenz der Erotik in all unseren Medien brachte die wiedergewonnene Keuschheit bestimmter Bevölkerungsgruppen aus dem Gleichgewicht. Die Absenkung des Intelligenzquotienten, für das, was er repräsentierte, war überzeugend.

Wer waren wir? Wie wäre die nächste Generation? Auf diese Fragen hatte Lestad, in seinen Prognosen eine klare Antwort: niemand. Wenn wir so weitermachten, würde es niemanden mehr geben.

Ich versuchte vergeblich, mich an alle Einzelheiten des Vortrags zu erinnern. Lestad verließ die Bühne und trat auf meine Reihe zu. Mein Nachbar schüttelte ihm die Hand, ich traute mich nicht, mich zu bewegen. Lestad lächelte und ich zitterte. Sein Lächeln hätte mich schweben lassen können. Seine blauen Augen leuchteten im Neonlicht des Raumes. Er besaß eine Aura, wie man so sagte, eine gewisse Ausstrahlung. Er sah gut aus. Besser als Jack, und beim Gedanken an diesen Mann lief eine Hitzewelle durch meinen fiebrigen Körper. Der dritte Zuhörer verabschiedete sich von dem fast leeren Raum, als er den Saal verließ. Es waren nur noch wir hier.

„Ich bin über jeden Zuhörer überrascht, der es länger als zehn Minuten bei einem meiner Vorträge aushält!“, rief Lestad aus.

„Und Sie beiden sind mittendrin eingeschlafen und haben sich nicht getraut, rechtzeitig zu gehen?“

Ich antwortete nicht und hoffte, mein Nachbar würde es tun. Ich hörte seine Stimme:

„Es war sehr interessant, Professor.“

Ernst und zugleich schwerfällig. Im Vergleich mit Lestad, war sein Gesicht das unattraktivere. Doch er hatte dieselbe Wirkung auf mich. Ich wollte mich in Luft auflösen, so sehr war ich von dieser Atmosphäre überwältigt.

„Wenn Sie nichts Besseres zu tun haben, warum lassen wir den Abend nicht bei einem

Gläschen ausklingen? Ich halte immer ein paar Erfrischungen bereit, aber soweit kommt es nie.“

Ohne auf unsere Zustimmung zu warten, führte Lestad uns zu einem kleinen provisorisch aufgebautem Buffet hinter der Bühne. Drei Flaschen billiger Wein und ein paar erstklassige Kekse. Viel weniger raffiniert, als die Party mit Jack, die einzige Abendveranstaltung, an der ich je teilgenommen hatte. Aber heute Abend schwebte ich, als stände ich hoch über allem. Lestad hatte eindeutig den Körperbau eines Anführers und wir folgten ihm instinktiv.

Er öffnete die erste Flasche und schenkte uns ein. Wir stießen auf diesen gelungenen Vortrag an. Zwei Zuhörer waren für ihn der Anfang von allem. Mir brannten so viele Fragen auf den Lippen und ich hatte genau so viele Vorbehalte. Der Name meines Nebensitzers war Salazar O´Neill. Seinen Vornamen zu hören, hatte mich beruhigt. Wir waren komplett. Der Gedanke war lächerlich, aber genau in diesem Moment, als wir müde auf Sesseln saßen und billigen Wein tranken, hatte ich das Gefühl, Anschluss gefunden zu haben. Wir saßen zusammen wie eine Familie.

Lestad schweifte ab und sprach Punkte an, die auszuführen er keine Zeit hatte, Salazar setzte seine Theorien fort und ich war mit von der Partie. Die Zeit zu sprechen war endlich gekommen. Es war Zeit, über meine Artikel und meine verrückten Ideen für die Zukunft zu sprechen. Sie würden mir zuhören. Wir waren alle auf einer Stufe, intelligenter als unsere Mitbürger. Wir waren überlegen und uns überkam das Gefühl, dass wir die letzte Chance der Menschheit waren. Eindeutig. Lestad beharrte darauf, dass Sexualität missbraucht wurde. Es war das erste Mal, dass ich jemanden über dieses Thema, das mir so am Herzen lag, sprechen hörte, jemand, der es verstanden hatte. Ich brachte sofort meine grenzenlose Bewunderung für ihn zum Ausdruck.

„Sexualität ist eines der großen Übel der Menschheit. Ein Übel, das die Menschen verdummen lässt und sie ihren niedersten Instinkten unterwirft. Sie sind nicht in der Lage, ihre Kompetenzen zu entfalten und verlieren die Kontrolle, wenn sie mit Pornographie konfrontiert werden. Heute ist alles erotisiert. Sogar unsere Ausbildung“, verkündete ich.

„Ich denke, Sexualität sollte reguliert und von der Regierung kontrolliert werden“, schlug Salazar vor. „Vor allem, da sie nicht einmal mehr dazu gedacht ist, den Fortbestand unserer Art zu sichern.“

„Auf jeden Fall“, warf Lestad ein. „Die Reproduktionsfunktion des Menschen ist durch stumpfen, sinnlosen Sex ersetzt worden. Es ist die absolute Perversion, die uns vernichtet. Könnt ihr euch vorstellen, wie es wäre, wenn der Staat das gesetzlich regeln könnte? Genau wie die so sehr vernachlässigte Prostitution? Stellt es euch nur mal vor!“

„Aber ist Sexualität dem Menschen angeboren oder ist sie ein soziales Modell?“, fragte ich. „Werden unsere Instinkte unbewusst durch unsere Erziehung hervorgerufen? Sind sie vielleicht ein Resultat des primären Drangs der Nachahmung?“

Ich sah, wie Lestad mich mit großen Augen ansah und dann überwältigte mich sein Lächeln. „Wenn mir jemand vorher gesagt hätte, dass ihr heute Abend hier sein würdet, hätte ich es nicht geglaubt. Ihr seid die Denker, die wir brauchen. Xuang, Salazar, ihr seid unsere Retter. Was wäre, wenn wir der Staat wären? Auf unserem Niveau, für ein Experiment?“

Er erhob sein Glas in unsere Richtung.

Die Idee war geboren. Wir ergänzten uns gegenseitig. Ich hatte gefunden, was mir gefehlt hatte und ich war nicht mehr allein.

*

Kontrollierte Sexualität wurde zum wesentlichen Thema unserer regelmäßigen Diskussionen. Am Ende des Abends von Lestads Vortrag trafen wir die stillschweigende Entscheidung, uns regelmäßig zu treffen. Zuerst jeden zweiten Abend, und dann jeden Tag. Salazar und Lestad waren die Freunde, die ich nie gehabt hatte, enge Vertraute, die meine Ideen verstanden und sie, wenn auch nur intellektuell, in die Tat umsetzten. Wir stellten uns eine ganze Palette von Maßnahmen vor, die von den zuständigen Behörden in Bezug auf die Hypersexualisierung und Sexualität im Allgemeinen ergriffen werden könnten. Ich habe viel am Konzept der animalischen Triebe gearbeitet. War der Mensch in der Lage sich zurückzuhalten? Brauchte er wirklich fleischliches Vergnügen, um ein ausgeglichenes Leben zu führen? Konnte man sich von etwas verführen lassen, das man nicht kannte?

Aufgrund meiner Erfahrung mit Jack tendierte ich zu einem Ja. Aber ich war nicht repräsentativ für die gesamte Bevölkerung. Ich musste weiter nachforschen und vielleicht eine Alternative finden, einen Weg um die Natur auszutricksen. Um mir bei der Aufstellung meiner Arbeitsdatei zu helfen, bot mir Lestad einen Test an. Als Erfinder von Fantasiegesetzen mussten wir uns den Versuchungen bewusst sein, die den Erfolg unserer Ideen untergraben konnten. Es war unmöglich, der Gesellschaft eine Lebensweise aufzuzwingen, ohne sie in der Praxis angewandt und getestet zu haben. Das war logisch. Nur weil meine einzige sexuelle Begegnung ein Misserfolg gewesen war, war das noch lange kein Grund, es nie wieder zu tun. Salazar und Lestad kamen zum gleichen Schluss, obwohl sie mehr Erfahrungen hatten.

Lestad versammelte uns an einem Winterabend in seiner Wohnung, die viel geräumiger war als unsere. Er sprach nie über seine Herkunft oder seine Familie, von der wir vermuteten, dass sie sehr wohlhabend war. Er nannte seinen Test „Den Pakt“. Bei Tagesanbruch gäbe es zwischen uns keine Geheimnisse mehr, wir würden, soweit dies möglich war, Lust erlebt, unsere Schwächen in der Sexualität entdeckt und unsere Grenzen formuliert haben. Ohne Zuneigung und unrealistische Erwartungen würde uns das Experiment glücken. Er erklärte uns auch, dass es danach kein unterschwelliges Verlangen zwischen uns geben würde. Denn trotz unserer Klarsicht waren wir fleischliche Wesen. Dies warf erneut Fragen zu meiner Theorie auf. Wie dem auch sei.

Lestads Zimmer glich einer Luxussuite, in der ein riesiges Bett stand und Sofas um den Kamin aus weißem Stein herum angeordnet waren. Das gedämpfte Licht war eine Einladung, zärtlich zu sein und sich zu vergnügen. Lestad nahm uns in einem roten Samtbademantel in Empfang, ein wandelndes Klischee. Wir tranken dem Anlass entsprechend gekühlten Champagner. Lestad wollte unseren Pakt frei von Peinlichkeiten und Konventionen halten. Salazar war zurückhaltender und ich fand ihn im Schein des Kaminfeuers schön. Instinktiv wollte ich ihm näher kommen. Mich an ihm festhalten. Lestad schlug vor, dass wir unsere Kleidung ablegen und unsere Körper begutachten sollten. Ich schämte mich nicht mehr, Trunkenheit und Erregung, die bereits von mir Besitz ergriffen hatte, machten mich ungehemmt. Ich erblickte Salazars beeindruckende Bauchmuskeln, die Eindruck auf mich machten. Sein Aussehen ließ das Verlangen in mir aufkochen und ich musste mich zurückhalten, um ihn nicht anzuspringen. Ich stand still, während Lestad unsere körperlichen Merkmale inspizierte. Seine waren offen und ganz ähnlich denen von Salazar, dessen Nähe ich spürte. Er roch nach Seife und ich spürte die Wärme seiner Haut. Dann seine Erektion, als er meine ausladenden Kurven erblickte, er berührte sie, als er zu Lestad hinüber ging. Wir waren quasi Versuchskaninchen, aber ich genoss das Spiel. Ich griff nach Salazars Hand und hob meinen Kopf. Lestad trat auf mich zu, streifte meine Brüste mit einem Finger und ließ ihn dann um meine rosa Brustwarze kreisen. Meine Scheide wurde feucht, als er über meine Brüste strich und auf meinen Brustwarzen verweilte. Er setzte seine Erkundungen bis zu meinem Schritt fort, den er für seinen Geschmack als zu eng empfand. Seine Finger in meinem schmalen Schlitz fanden ihren Weg zum Eingang meiner Vagina und er führte sie mir ein. Ich zuckte zusammen und presste meine Oberschenkel gegeneinander, wobei Lestads Hand, sehr zu seiner Freude, zwischen ihnen blieb. Ich konnte sehen, dass es ihm gefiel.

Er drängte mich, das vor uns erigierte Glied von Salazar, der Zeuge unserer Berührungen war, zu ergreifen.

„Wir müssen diese Akte banalisieren, um sie uns zu eigen machen zu können. Wir sind in der Lage, unsere Lust zurückzuhalten und sie auch zu kontrollieren. Wir sind mehr als nur Freunde.“

Ich schob Salazars Penis in meine verschwitzte Hand und erinnerte mich an das Gefühl damals mit Jack. Aber heute Abend wollte ich mehr. Ich fragte Lestad nicht um Erlaubnis und drehte mich um, um Salazar zu küssen. Ich wollte ihn so sehr. Ich konnte sehen, wie Lestad zurück trat und sich die Szene ansah. Salazar griff nach mir, zog mich zu sich heran und hielt mich fest. Sein Glied rieb gegen meine gepflegten Schamhaare. Ich wollte, dass er mich auf dem Kaminvorleger nimmt, und auf dem Bett von Lestad, und ich wollte, dass dieser uns zu sah. Doch das passierte nicht. Lestad griff ein und bot mir die Gelegenheit, ihnen meinen „prächtigen“ Körper, wie er sagte, hinzugeben. Zumal wir auf Augenhöhe bleiben und keine Zuneigung für einen von uns zeigen sollten. Ich nahm an. Ich legte mich auf den Rücken und spreizte die Beine. Wer würde zuerst drankommen und in mich eindringen? Es hätten beide sein können. Es war Lestad, der Wächter der Moral, der seine erigierte Rute packte und fröhlich über meinen Bauch und meinen Brüsten masturbierte, die er mit der freien Hand massierte. Ich zog Salazar an meinen Mund heran und nahm ihn in dem Moment in mich auf, als Lestad mich nahm. Er küsste mich heftig, seine Stöße kamen im gleichen Takt wie meine Zunge Salazars Penis umkreiste. Mit äußerster Leidenschaft und Frustration blies ich ihm einen. Ich ließ das Band zwischen uns nicht abreißen. Ich spielte mit seinen Hoden und er stöhnte und ächzte und ich sah zu, wie sich Lestad, mit den Bewegungen eines Königs in mir versenkte. Wirklich, der Akt, den er banalisieren wollte, ließ ihn strahlen. Ich kontrollierte die Spannung, die durch meinen Körper floss und mir brennend den Verstand vernebelte. Es war elektrisch. Ich wollte den Orgasmus erleben, der mir beim ersten Mal gestohlen worden war. Das vermittelte ich ihnen. Dann ejakulierte Salazar in meinem Mund. Ich empfing sein Sperma zur gleichen Zeit, wie ich von einem Feuerball getroffen wurde. Ich kam. Ich begriff, was mir so viele Jahre lang entgangen war. Lestad fühlte, wie sich mein Geschlecht auf seinem Penis zusammenzog und meine Nässe auf das seidene Bettlaken lief. Ich explodierte vor Lust. Ich wollte mehr. Zwischen uns gab es keine Erwartungen. Keine Träume. Wir hatten die ganze Nacht, um uns gemeinsam zu amüsieren.