Kitabı oxu: «Das Buch der Chinesischen Heilkunst»
Prof. TCM (Univ. Yunnan) Li Wu
Das Buch der Chinesischen Heilkunst
Bewährtes Heilwissen aus dem Reich der Mitte
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Prof. TCM (Univ. Yunnan) Li Wu
Das Buch der Chinesischen Heilkunst
Bewährtes Heilwissen aus dem Reich der Mitte
E-Book (pdf): ISBN 978-3-938396-84-1
(Druckausgabe: ISBN 978-3-938396-67-4, 2. Auflage 2013)
Mankau Verlag GmbH
Postfach 13 22, D-82413 Murnau a. Staffelsee
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Text: Anna Cavelius, Schondorf a. Ammersee
Vermittelt durch: Josef K. Pöllath, Dachau
Lektorat: Ulrich Nigge, Lünen
Endkorrektorat: Dr. Thomas Wolf, MetaLexis
Gestaltung Umschlag:
Andrea Barth, Guter Punkt GmbH & Co. KG, München, www.guter-punkt.de Gestaltung Innenteil: vitaledesign, Berlin |www.vitaledesign.com
Illustrationen: Sascha Wuillemet, München; Thomas Pelletier, Saarbrücken Kalligrafien: Monika Mey, Chinesisch-Sprachschule München, www.ChinaCoachingCenter.de
Fotos: iStockphoto.com/xxapril (S. 9), iStockphoto.com/HultonArchive (S. 10), iStockphoto.com/duncan1890 (S. 11), netsuthep – Fotolia.com (S. 14),
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Druck: Westermann Druck Zwickau GmbH, Zwickau / Sachsen
Hinweis des Verlags
Der Autor hat bei der Erstellung dieses Buches Informationen und Ratschläge mit Sorgfalt recherchiert und geprüft, dennoch erfolgen alle Angaben ohne Gewähr; Verlag und Autor können keinerlei Haftung für etwaige Schäden oder Nachteile übernehmen, die sich aus der praktischen Umsetzung der in diesem Buch dargestellten Inhalte ergeben. Bitte respektieren Sie die Grenzen der Selbstbehandlung und suchen Sie bei Erkrankungen einen erfahrenen Arzt oder Heilpraktiker auf.
Inhalt
Vorwort
Kapitel 1: Die Grundpfeiler der chinesischen Medizin
Die ganzheitliche Sicht
Geschichte und Gegenwart
Die Lehre von Yin und Yang
Die Lehre von den Fünf Elementen
Der Shen-Zyklus
Der Ko-Zyklus
Die Grundelemente
Das Meridiansystem
Das Zang-Fu-System
Wie Krankheiten entstehen
Traditionelle chinesische Diagnoseverfahren
Kapitel 2: Traditionelle chinesische Heilmittel
Pflanzen
Tierische Bestandteile
Mineralien
Chinesische Heilmittel von A bis Z
Sonderseiten: Chinesische Kräutertees
Kapitel 3: Akupressur und Heilmassagen
Die Akupunkturpunkte
Moxibustion
Schröpfen
Selbstbehandlung mit Akupressur
Selbstbehandlung mit Tuina-Massage
Kapitel 4: Qi Gong und Tai Chi Quan
Zwei Arten des Qi Gong
Der Atem beim Qi Gong
Die Wirkung von Qi Gong
Qi-Gong-Übungen für jeden Tag
Heilgymnastik Tai Chi Quan
Die Wirkung von Tai Chi Quan
Tai-Chi-Quan-Übungen für zuhause
Kapitel 5: Ernährung nach den Fünf Elementen
Das Temperaturverhalten der Nahrungsmittel
Die Geschmacksrichtungen der Nahrungsmittel
Immunstärkende Sieben-Tage-Ernährungskur nach den Fünf Elementen
Kapitel 6: Alltagsbeschwerden mit TCM behandeln
Beschwerden des Atemsystems
Erkrankungen der Sinnesorgane
Beschwerden von Herz und Kreislauf
Beschwerden des Verdauungssystems
Nieren- und Blasenbeschwerden
Frauenbeschwerden
Beschwerden des Bewegungsapparats
Hautbeschwerden
Beschwerden des Nervensystems
Zum Autor
Anhang
Fünf-Elemente-Meditationen
Heilmassagen
Herz-Meditation und Bittentherapie
Adressen, die weiterhelfen
Bücher, die weiterhelfen
Stichwortregister
Rezeptregister
Vorwort
Machen wir uns auf die Spurensuche: Wenn wir versuchen, die wesentlichen Unterschiede zwischen der modernen westlichen Medizin und der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) zu benennen, so fallen zwei Punkte ins Gewicht. Im Mittelpunkt der jahrtausendealten Heilkunde Chinas steht die ganzheitliche Betrachtungsweise des Menschen. Und die Diagnostik von Beschwerden und Krankheiten sowie ihre Behandlung erfolgen immer mit Blick auf die Natur, aus der wir stammen. Das bedeutet zum einen, dass jeder Mensch eine organische Einheit bildet Seine Organe – dabei handelt es sich um Speicher- wie um Hohlorgane (chin Zang fu) – im Inneren werden durch Leitbahnen verbunden. Diese Meridiane spielen in der Akupunktur, der Akupressur, der Heilmassage, aber auch in der Heilkräuterkunde eine wichtige Rolle Auf ihnen fließt die Lebensenergie Qi. Die chinesische Medizin deutet zum anderen alle Phänomene, die in der Welt vorkommen, also alle Lebewesen, alle tote Materie und damit natürlich auch den Menschen und die ihn umgebende Natur als Gegensätze zwischen den Polen Yin und Yang. Bei jeder Beschwerde, sei sie körperlicher oder seelischer Natur, liegt eine Störung dieses Gleichgewichts zugrunde. Deshalb geht es bei der Behandlung immer darum, das aus dem Lot geratene Gleichgewicht wiederherzustellen, so die Selbstheilungsfunktionen des Körpers zu wecken und den Fluss der Lebensenergie Qi anzuregen.
Zwar sind die Aussagen über den menschlichen Körper und seine Störungen in der TCM nicht objektivierbar in einem naturwissenschaftlichen Sinne. Dennoch handelt es sich hier um eine analytische, systematische Erfahrungsheilkunde, in der Materielles und Energetisches, Körperliches und Seelisches teilweise ungetrennt enthalten sind.
Dieses Buch bietet Ihnen einen umfassenden Leitfaden zur Einführung in die chinesische Medizin. Sie finden hier die Konzepte und Ideen, auf denen die Traditionelle Chinesische Medizin beruht. Wenn Sie die Unterstützung durch einen TCM-Arzt bei einem gesundheitlichen Problem in Erwägung ziehen, so erfahren Sie hier, was zur Diagnose und Behandlung gehört. Darüber hinaus bietet dieser Ratgeber eine Fülle von praktischen Anregungen, mit denen Sie sich und Ihre Familie bei verschiedenen Alltagsbeschwerden sanft und ohne Nebenwirkungen stärken und wieder ins Gleichgewicht bringen können.
Kapitel 1

Die Grundpfeilerder chinesischen Medizin
Die Traditionelle Chinesische Medizin besteht aus einem vielschichtigen System aus Diagnose- und Behandlungsformen, das sich über 3.500 Jahre hinweg immer weiterentwickelt hat. Eine der wesentlichen philosophischen Grundlagen dieser Heilkunde ist die Einheit von Körper, Geist und Seele. Diese Einheit bildet jeder Mensch – und dieser wiederum ist Teil des von Energie erfüllten Universums, unseres Planeten und der uns umgebenden Natur. Diese spirituellen Einsichten entstammen dem so genannten Daoismus. Innerhalb dieser Weltsicht hängt alles voneinander ab und ist miteinander verwoben. Ein Leben im Einklang mit allem, was lebt, sowie die Erlangung der Unsterblichkeit stehen im Zentrum dieser Lehre.
Aus diesem gedanklichen System entwickelten sich höchst verfeinerte Techniken zur Vorbeugung und – wenn es dafür zu spät ist – für die ganzheitliche Behandlung von Krankheiten Dazu gehören Akupunktur, Heilkräuter, Ernährung, Meditation und Körperübungen. Zweifellos hat die westliche Schulmedizin großartige Erfolge in vielen Bereichen, insbesondere in der Diagnostik und der Chirurgie, erzielt. Bei Alltagsbeschwerden, aber auch bei Stoffwechselkrankheiten oder Schmerzen kann sie jedoch allenfalls die Symptome lindern. In den letzten Jahrzehnten erfreuen sich deshalb auch in westlichen Ländern insbesondere die Akupunktur, Akupressur, aber auch Heilkräuterkunde, Tai Chi Quan, Qi Gong und Meditation wachsender Beliebtheit.
Lao-tse ist der Begründer des Daoismus.
KONFUZIUS
Der chinesische Philosoph Konfuzius.
Auch der Philosoph Konfuzius (551 – 479 v. Chr.) prägte das Menschenbild im alten China. Innerhalb seiner Lehre stand der Mensch als Teil einer Gesellschaft mit Rechten und Pflichten im Mittelpunkt. So sicherte er ein soziales System, und jenes wiederum gab ihm Schutz. Von ihm ist das Zitat überliefert: „Ein Mann ohne Beharrlichkeit kann weder ein guter Schamane noch ein guter Arzt werden.“
Die ganzheitliche Sicht
Innerhalb des Universums sind Körper, Geist und Seele bestimmte Ausprägungen der universellen Lebenskraft. Bei der Diagnose von Beschwerden sieht ein TCM-Arzt deshalb immer die Abhängigkeiten seelischer Symptome, Gefühle und Umweltfaktoren. So erkennt er, wie mögliche Disharmonien entstehen konnten Ziel einer Behandlung ist dann die Wiederherstellung des energetischen Gleichgewichts des Menschen, der sich in seinem Umfeld wohl und gesund fühlt. Dabei wird ein gutes Maß an Selbstverantwortung und Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und seinem Umfeld groß geschrieben. Ideal ist die Verbindung von westlicher Medizin mit chinesischem. Heilwissen So kann eine TCM-Behandlung beispielweise nach einer Operation oder einer medikamentösen Behandlung ausgleichend und regenerierend wirken.
LEBENSREGELN UND NATURVERSTÄNDNIS
Innerhalb der chinesischen Medizin steht die Vermeidung von Krankheiten im Vordergrund. Daher gehören bestimmte Lebensregeln und das Naturverständnis zu ganz natürlichen täglichen „Übungen“, die der Vorbeugung dienen. So werden Heilkräuter auch beim Kochen verwendet und Tai Chi ist ein beliebter Frühsport – nicht nur für bewegliche Senioren. Diese Alltagstauglichkeit bildet wiederum die Grundlage des Heilsystems. Denn der Schutz der Gesundheit sichert das eigene Wohlergehen, die Erhaltung der Leistungsfähigkeit und der Schaffenskraft des Einzelnen, der Familie und letztlich auch der ganzen Gesellschaft.

Betrachten Sie diesen Schriftzug in aller Ruhe. Allein sein Anblick und die Versenkung in seine Idee versprechen eine heilende Erfahrung. Das chinesische Schriftzeichen bedeutet zu Deutsch „Heilung“.
Geschichte und Gegenwart
Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich alle medizinischen Behandlungen und Empfehlungen zur Gesunderhaltung aus der Beobachtung der Natur entwickelt haben. Auf schamanische Heiler geht beispielsweise das wichtige Symbol des Drachenkopfes zurück, das stark auf den Energiefluss einwirken soll. Neben Erscheinungen der Natur spielen auch mythische Gestalten eine bedeutende Rolle in der chinesischen Philosophie und Heilkunde. Die schwebenden Bewegungen von Qi Gong beispielsweise haben ihren Ursprung im Flug der Wildgänse. Schon während der Shang-Dynastie um 1000 v. Chr. scheint man sich näher mit Krankheiten und Heilung befasst zu haben. Damals stand jedoch noch der Glaube an durch Dämonen verursachte Beschwerden im Vordergrund. Vermutlich wurde zu jener Zeit die eine oder andere Beschwerde auch durch Beschwörungen oder die betäubende Wirkung von rauchenden Moxa-Stäbchen „weggezaubert“ … Noch im 6. Jahrhundert v. Chr. war die Beziehung zwischen Schamanen und Heilkundigen eng. Beharrlich wurde die Medizin weiterentwickelt: So entstanden Akupunktur und Massage ebenfalls durch die jahrhundertelange Beobachtung von Wirkungen. Im 3. Jahrhundert v. Chr. begann man mit der systematischen Aufzeichnung des Heilwissens. Rund 200 Jahre später war der berühmte „Innere Klassiker“, ein Dialog zwischen dem legendären gelben Kaiser und seinem Minister Qi Bo, fertiggestellt. Nun existierte erstmals eine Aufzeichnung über den menschlichen Blutkreislauf. Der „Innere Klassiker“ erfuhr im Lauf der Zeit immer wieder Erweiterungen, unter anderem um Akupunktur und Heilkräuter. So stammt das bekannte Arzneimittelbuch „Shen-nung pen-tsáo“ aus dem 2 Jahrhundert v Chr Aus diesen Anfängen entwickelten sich die fünf Säulen der chinesischen Heilkunde:
Akupunktur, Akupressur und Moxibustion
Heilkräuterkunde
Ernährung nach den Fünf Elementen
Heilmassage (Tuina-Therapie)
Qi Gong und Tai Chi Quan
Siddharta Gautama, der erste Buddha (450 – 370 v. Chr.), stammte aus dem Norden des alten Indien, dem heutigen Nepal. In China fand seine Lehre von der Vorbereitung des Menschen auf die Erlösung aus seinem irdischen Leiden viele Anhänger. Durch die rechte Geisteshaltung und das rechte Handeln sowie durch innere Sammlung – so die Grundzüge seiner Lehre – könne sich der Mensch aus dem endlosen Zyklus der Wiedergeburt lösen und ins Nirwana eingehen. Neben Lao-tse und Konfuzius ist er der dritte bedeutende Lehrer, dessen Philosophie auch Eingang in die Traditionelle Chinesische Medizin gefunden hat.
Siddharta Gautama begründete den Buddhismus.
Die Lehre von Yin und Yang
Um die chinesische Medizin zu verstehen, wenden wir unseren Blick auf eines ihrer Schlüsselkonzepte: Yin und Yang. Die Idee von Yin und Yang wurde das erste Mal in dem großen Orakelbuch „I Ging“ niedergeschrieben, das etwa aus dem 11 Jahrhundert n. Chr. stammt. Auch dieses Konzept wurde aus der Betrachtung der Natur und der Beobachtung entwickelt, dass es in ihr immer Paare gibt. Diese bedingen einander, sind aber zugleich gegensätzlich: So gibt es ohne den Tag keine Nacht, ohne Kälte keine Wärme, ohne Sommer keinen Winter, ohne das Tal keinen Berg, ohne hinauf kein hinab.
Alles steht hier in einem dynamischen Zusammenspiel, das auf Wandel angelegt ist. Aus dem einen entsteht das andere. Es gibt nur vorübergehende Phasen, in denen das eine immer dem anderen entgegenstrebt. In jedem Menschen ist das Prinzip von Yin und Yang, vom Hellen und vom Dunklen, wirksam.
VON YIN UND YANG …
Yin bedeutet übersetzt „die dunkle Seite des Berges“. Es steht für: Mond, Nacht, Winter, Kälte, Ruhe, Passivität, Frau, weich, hervorbringen, dunkel, innen und verborgene Fähigkeiten.
Yang hingegen bedeutet „die helle Seite des Berges“ Es steht für: Sonne, Tag, Sommer, Wärme, Aktivität, Mann, hart, erzeugen, außen und Ausdruck.
In der Gesundheitslehre wird nun der Körper eines Menschen als Yin- und Yang-Muster betrachtet. Herrscht ein dynamisches Gleichgewicht zwischen den beiden Polen, so bedeutet dies Gesundheit. Ist das Gleichgewicht aus der Balance, weist dies auf Krankheit hin. Ziel einer traditionellen chinesischen Behandlung ist immer der Ausgleich der Yin- und Yang-Aspekte des Körpers. Fieber ist beispielsweise ein Zuviel an Yang. Sinkt die Temperatur, so wird sie wieder zu Yin. Ist das Fieber jedoch begleitet von Frösteln, so bedeutet das ein Zuviel an Yin Hier hilft Wärme, wieder Yang zu erzeugen.
Yin-Körper: unterer Körperabschnitt, vordere Körperseite, rechte Körperhälfte, innere Körperteile, Körperhöhlen, Vollorgane, Haut und Knochen
Yang-Körper: oberer Körperabschnitt, hintere Körperseite, linke Körperhälfte, äußere Körperteile, Außenseite, Hohlorgane, Sehnen und Knorpel
Die Lehre von den Fünf Elementen
Das zweite Schlüsselkonzept zum Verständnis der traditionellen chinesischen Medizin ist die Lehre von den Fünf Elementen. Die Zahl Fünf gilt in der chinesischen Philosophie als Zahl des Lebens. Die Theorie der Fünf Elemente geht auf unterschiedliche dynamische Prozesse zurück, denen allen auch das Wechselspiel von Yin und Yang zugrunde liegt. So entsteht aus einem Samenkorn (Yin) eine Pflanze (Yang), die beim Absterben wieder zu Yin (Tod) wird. Diese Bilder finden sich wieder in dem System der Fünf Elemente und dem der fünf Wandlungsphasen. Die Fünf Elemente finden sich in dynamischen Prozessen, der Umwelt, in den Jahreszeiten, der Tageszeit, der Himmelsrichtung, dem Klima, der Farbe, dem Geschmack und Geruch sowie einem Yin-Organ (Zang), einem Yang-Organ (Fu), einem Sinnesorgan, einem Gewebe, einem Gefühl und einem Ausdruck wieder. Auch das Lebensalter eines Menschen und eine energetische Qualität können diesen Elementen zugeordnet werden.

Auf die Weise, in der sich die Elemente zueinander verhalten, beschreiben die chinesischen Ärzte auch die Wechselwirkungen der einzelnen Körperorgane zueinander.
Der Shen-Zyklus
Dieser Kreislauf der gegenseitigen Erzeugung zeigt, wie sich die Elemente gegenseitig erzeugen beziehungsweise unterstützen. Den fünf Phasen des Jahres werden die verschiedensten körperlichen, geistigen und emotionalen Funktionen zugeordnet. In der Traditionellen Chinesischen Medizin nennt man sie die fünf Wandlungsphasen: Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Für die Jahreszeiten bedeutet dies: Der Frühling (Holz) geht über in den Sommer (Feuer), dieser in den Altweibersommer (Erde), jener in den Herbst (Metall) und Letzterer in den Winter (Wasser). Die Erde verbindet jede Phase mit der anderen. Oder: Das Wasser nährt das Holz und lässt eine Pflanze entstehen (Holz). Dieses kann verbrannt werden (Feuer). Aus der Asche entsteht dann Erde, und die Erde erzeugt Metalle, die wiederum Wasser sammeln. Auf der körperlichen Ebene sind die Organe entsprechend verbunden: Milz und Magen (Erde) unterstützen Lunge und Dickdarm (Metall). Diese unterstützen wiederum Nieren und Blase (Wasser), jene die Leber und die Gallenblase (Holz) und diese Herz und Dünndarm (Feuer).
Der Ko-Zyklus
Doch die Elemente erzeugen und unterstützen sich nicht nur gegenseitig. Sie kontrollieren einander auch. Das ist wichtig, sonst würden sich die Elemente im Shen-Zyklus nur aufschaukeln. So kontrolliert beispielsweise das Feuer das Metall, da es dieses schmelzen kann. Metall wiederum kontrolliert Holz, da es dieses schneiden kann. Holz kontrolliert die Erde, da es sie formen kann, und Erde das Wasser, da sie Überschüssiges aufsaugen kann. Überträgt man die Kraft der Elemente auf alle Wirkbereiche, auf die Familie, die Entwicklung einer speziellen Persönlichkeit und auch wieder auf den organischen Bereich, so landen wir immer wieder bei der Idee der Harmonie. Denn Disharmonien innerhalb des Shen- oder Ko-Zyklus lassen Krankheit entstehen. Die schädigenden Einflüsse werden so zu stark und der Körper wird schwach: Eine schwache Lunge (Metall) kann beispielsweise die Leber (Holz) nicht mehr kontrollieren. Das kann zu Bluthochdruck und Kopfschmerzen führen. Oder eine zu starke Leberenergie (Holz) kann Magen und Milz (Erde) schwächen So kommt es zu Verdauungsstörungen oder Blähungen. Ein chinesischer Arzt wird Symptome immer nach den hier beschriebenen Ursachen behandeln.
Die Grundelemente
In der westlichen Betrachtungsweise ist die Grundlage der Medizin die Physiologie des Körpers, also unser Bauplan von den kleinsten Zellen über Muskeln und Haut bis hin zum Skelett. Im chinesischen Modell hingegen wird der Körper als Energiesystem betrachtet. Verschiedene Substanzen wirken hier zusammen. Dabei handelt es sich um materielle, aber auch um immaterielle Bestandteile: Qi, Jing, Blut, Lymphe (Körpersäfte) und Shen.
Qi lässt sich am ehesten mit einer alles erfüllenden Lebensenergie gleichsetzen Alles im Universum besteht aus Qi. Trotzdem ist es keine reine Energie und auch keine reine Grundsubstanz. Es gibt verschiedene Arten des Qi: Das Ursprungs-Qi (Yuan-Qi) erhalten wir bereits vor der Geburt, schon bei der Zeugung durch unsere Eltern. Hierbei handelt es sich um unsere angeborene Energie, die als Essenz in den Nieren gespeichert wird. Es wird ergänzt durch das nachgeburtliche, normale Qi, ohne das ein Baby nicht überleben könnte. Quelle für das normale Qi sind Nahrung und Atemluft. Aus der Muttermilch bezieht das Kind Gu-Qi, aus der Luft Kong-Qi Beide vermischen sich zum Atmungs-Qi (Zong-Qio). Dieses „Meer des Qi“ wird schließlich zu dem Qi, das durch die unsichtbaren Leitbahnen des Körpers (Meridiane) fließt Es heißt Zheng-Qi. Dieses nährt alle Körpergewebe, ist die Grundlage für ein funktionierendes Immunsystem (Abwehr-Qi) und schützt vor Disharmonien.
Qi ist Quelle jeder körperlichen Aktivität, es hält die Körpertemperatur aufrecht, es schützt den Körper, es wandelt Nahrung und Luft in lebenswichtige Stoffe um und es bewahrt die Körpersubstanzen.
Ihr Qi können Sie durch einen ausgewogenen Lebensstil, einen strukturierten Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten (siehe hierzu auch Seite 87 ff.). sowie regelmäßigen Einschlaf- und Aufwachzeiten stabilisieren. Meditation, Qi Gong und Tai Chi Quan unterstützen den harmonischen Fluss des Qi. Nicht umsonst finden wir den Begriff des Qi auch in den meditativen Bewegungsübungen wieder (siehe hierzu auch Seite 71 ff.).
Jing ist die Essenz. Während Qi für alle täglichen Aktivitäten im Körper zuständig ist, so ist das Jing verantwortlich für die langsameren Prozesse im Körper. Jing ist als eine Art nährende oder geistige Energie zu verstehen. Jing ist in jedem Körper von Geburt an nur in einer begrenzten Menge vorhanden und bestimmt die Grundeigenschaften eines Menschen. Auch dieses vorgeburtliche Jing (Xian Tian Zhi Jing) wird durch das nachgeburtliche Jing (Hou Tian Zhi Jing) genährt. Es besteht aus den Nahrungsmitteln und Getränken, die wir zu uns nehmen. Das Jing begleitet uns über alle langfristigen Veränderungen hinweg von der Geburt bis in den Tod.
Das Jing regelt Wachstum und Entwicklung eines Menschen, es regt das Nieren-Qi an, baut Rückenmark und damit auch Gehirnsubstanz auf und bestimmt die Widerstandsfähigkeit eines Menschen
Xue ist das Blut. In der chinesischen Medizin ist es nicht nur eine Substanz des Körpers, sondern ist auch eng mit Qi verbunden. Blut entsteht immer aus der Umwandlung von Nahrung mit Hilfe von Milz, Magen, Lunge, Herz und Nieren.
Xue nährt und befeuchtet den Körper Zudem unterstützt es den Geist (Shen). Der Zusammenhang zwischen Qi und Blut lässt sich folgendermaßen beschreiben: Qi stellt Blut her, bewegt es durch den Körper und hält es in den Blutgefäßen Das Blut wiederum nährt das Qi.
Jiin-Ye sind die Körpersäfte oder die Lymphe. Ihr Begriff umfasst alle anderen Flüssigkeiten im Körper, die seiner Befeuchtung dienen. Alle Körpersäfte entstehen durch die Nahrungsaufnahme und die Umwandlung der Nährstoffe in Milz und Magen. Daraus entstehen reine Flüssigkeiten, die in die Lunge geschickt und von hier aus weiterverteilt werden. Und es bilden sich unreine Flüssigkeiten, die zum Dünndarm und von hier aus in Blase und Dickdarm geleitet werden. Jiin-Ye befeuchten den Körper und wirken so auf Muskeln, Haut und Haare, Gelenke und Gehirn – aber auch auf Schweiß, Tränen und Speichel. Für die Herstellung und Regulation der Körpersäfte ist Qi essenziell Umgekehrt ist die Qualität der Körpersäfte entscheidend für ein gesundes Qi. Blut und Körpersäfte nähren sich gegenseitig.
Shen ist der reine Geist oder die Seele eines Menschen, wobei der Begriff Geist es am ehesten trifft. Denn für die Seele kennt die chinesische Heillehre verschiedene Erscheinungsformen. Betrachtet man Jing als die dichteste Grundsubstanz des Körpers, so ist Shen die feinstofflichste. Gemeinsam mit Jing und Qi bildet Shen die lebenswichtigen Bestandteile des Lebens, die „drei Schätze“. Shen lässt sich durch Meditation stärken und wieder in Balance bringen. Es hält so den Geist klar und wach.
Das Meridiansystem
Über die unsichtbaren Leitbahnen des Körpers (Meridiane) werden die Grundsubstanzen verteilt. Aus diesem Grund kann man sich die Meridiane durchaus ein wenig wie unser Gefäßsystem vorstellen. Betrachtet man Karten mit diesen Leitbahnen, so drängt sich dieser Vergleich auf. Allerdings sind Meridiane weniger als Struktur oder als ein Kanalsystem zu begreifen, sondern eher wie ein Auftreten des Flusses in unterschiedlichen Dichten. So gibt es Bereiche mit hoher Qi-Dichte und solche mit eher schwacher Qi-Konzentration. Der Energiefluss ist dabei ständig in Bewegung. Wird er blockiert oder gestaut, kommt es zu Disharmonien und dies wiederum äußert sich in Krankheiten.
Gemeinsam mit den inneren Organen und der Körperoberfläche bildet das so genannte Meridiansystem eine Einheit. Dabei liegen Meridiane nicht an der Körperoberfläche, sondern bilden vielmehr ein unsichtbares Netz. Im Chinesischen heißt das Meridiansystem Jing Luo, aus „Jing“: „Wege im Körper“ und „Luo“: „Netz“. Die Meridiane verbinden das Körperinnere mit der Körperoberfläche und gewährleisten eine fortlaufende Zirkulation der Grundsubstanzen. Auf jedem Meridian liegen ganz spezifische Akupunkturpunkte, so genannte Zugangspunkte, Höhlen oder Energiewirbel. Sie ziehen Qi wieder in den Energiefluss des Körpers hinein oder leiten ihn aus. Ein erfahrener TCM-Arzt beherrscht die Kunst des Akupunktierens Dabei wendet er feine Nadeln an, die er leicht in bestimmte Akupunkturpunkte einsticht und dort für eine gewisse Zeit, während der Patient ruht, belässt
Aber auch ein einfacher Druck auf die Akupunkturpunkte kann den Energiefluss verändern. Auf diesem Prinzip beruht die einfachere Akupressur- oder Heilmassagebehandlung, die Sie auch selbst anwenden können. In Kapitel 6 (ab Seite 103) finden Sie zu verschiedenen Alltagsbeschwerden auch Empfehlungen für eine Akupressur-Behandlung.
Das Meridiansystem besteht aus zwölf Hauptleitbahnen. Sie sind fünf Yin-Organen, sechs Yang-Organen (siehe Kasten) sowie dem Herzbeutel zugeordnet. Je drei Yin- und je drei Yang-Organe sind dabei mit einem Arm und mit einem Bein verbunden. Die Anfangs- und Endpunkte befinden sich jeweils in den Händen und Füßen. Jedes Yin-Organ tritt paarig mit einem Yang-Organ auf. Deshalb kann es auch passieren, dass eine Disharmonie in einem bestimmten Organ über die Meridiane zu einem anderen Organ „wandern“ kann. So kann zum Beispiel eine Stauung in der Magenleitbahn Schmerzen in den oberen Zähnen auslösen, da die Leitbahn durch den oberen Gaumen führt. Zu einer Störung oder Disharmonie kann es durch Verletzungen oder Operationen kommen, aber auch durch seelische Belastungen.
Neben den Hauptleitbahnen gibt es noch acht Sonderleitbahnen. Nur auf zwei von ihnen liegen Akupunkturpunkte Sie sind nicht direkt mit den Organen verbunden.
Alle Meridiane können neben den bereits beschriebenen Behandlungsmethoden auch durch Wärme (Moxibustion oder Bäder) sowie gymnastische und meditative Übungen beeinflusst werden. Innerlich können Menschen durch Ernährung, Heilkräuter, heilende Lebensmittel und Tees auf den Qi-Fluss einwirken. Krankheiten können so schneller heilen, Schmerzen gelindert werden.
YIN- UND YANG-ORGANE
Qi und Blut strömen zu bestimmten Tageszeiten besonders stark in jeder Leitbahn. Diese Information ist für eine Diagnose und auch für die anschließende Behandlung durch einen Arzt wichtig.
Yin-Organe: Lunge (3 bis 5 Uhr), Herz (11 bis 13 Uhr), Kreislauf/Sexus (19 bis 21 Uhr), Leber (1 bis 3 Uhr), Nieren (17 bis 19 Uhr), Milz (9 bis 11 Uhr)
Yang-Organe: Dickdarm (5 bis 7 Uhr), Dünndarm (13 bis 15 Uhr), Dreifacher Erwärmer (21 bis 23 Uhr), Gallenblase (23 bis 1 Uhr), Blase (15 bis 17 Uhr), Magen (7 bis 9 Uhr)
Das Zang-Fu-System
In der chinesischen Medizin dient die Bezeichnung Zang Fu als Sammelbegriff für alle Yin- und Yang-Organsysteme. Darunter werden die festen Speicherorgane (Yin-Organe: Lunge, Leber, Milz, Herz, Perikard, Nieren), die hohlen Fu-Organe (Yang-Organe: Gallenblase, Blase, Magen, Dünndarm, Dickdarm und Dreifacher Erwärmer) und die besonderen Fu-Organe (Perikard/Herzbeutel und Sanjiao/Dreifacher Erwärmer) zusammengefasst. Jedem Zang-Organ ist dabei ein Fu-Organ zugeteilt. Jedes Organ öffnet sich über ein Sinnesorgan. Sie gehören zusammen mit den Wandlungsphasen zum Entsprechungssystem der Fünf Elemente (siehe Seite 16 f.).
Zang ist mit der Herstellung, Speicherung und Regulierung aller Grundsubstanzen befasst. Fu hat die Aufgabe, den Prozess der Veränderung und Bewegung aufrechtzuerhalten.
Die Lunge regiert das Qi und den Atem. Sie ist verantwortlich für den Austausch zwischen Außen und Innen. Die Lunge öffnet sich über die Nase. Das zugehörige Gefühl ist die Trauer.
Das Herz ist verantwortlich für die Durchblutung und Lebensfreude. Es öffnet sich über die Zunge. Der Herzbeutel, der nicht als Zang-, aber als Yin-Organ betrachtet wird, dient dem Schutz des Herzens.
Die Milz dient der Energieaufnahme und der Verdauung. Sie öffnet sich über den Mund und die Lippen Die Milz beherbergt die Gedanken und die Sorge.
Die Leber dient der Speicherung des Blutes und ist das Symbol für Harmonie. Sie öffnet sich über die Augen Zorn beeinflusst die Leber-Funktionen.
Die Nieren dienen der Fortpflanzung und der Aufbewahrung. Sie stehen in Beziehung zu den Ohren Angst beeinflusst diese Organe.
Der Dreifache Erwärmer bringt alle Organ-Funktionen zusammen und sorgt dafür, dass sie harmonisch miteinander arbeiten.
Wie Krankheiten entstehen
Aus der Sicht eines chinesischen Arztes entsteht eine Krankheit immer aus inneren Ursachen, äußeren Ursachen und einigen anderen Aspekten Auf der Grundlage der Fünf-Elemente-Lehre werden hierbei die Organe mit bestimmten Gefühlen zusammengebracht. Sie sind jedes für sich weder gut noch schlecht. Wichtig ist allein ihre Balance. Jedes Gefühl ist immer Ausdruck des Herzens, dem „Herrn der inneren Organe und der Gemütslagen“. Emotionen wirken somit nicht nur auf die Organe, sondern immer auch auf das Herz.
Freude (Xi) entspricht einem Zustand der Erregtheit, weniger dem Zustand passiven Glücks. Davon ist das Herz am meisten betroffen. Übermäßige Freude wühlt auf, führt zu innerer Unruhe, zu Stimmungsschwankungen und Schlaflosigkeit. Auch Herz und Kreislauf können von zu viel Hektik und Aufregung Schaden nehmen.
Wut/Zorn (Nu) umfasst mehrere Emotionen von Reizbarkeit über Groll, Unbeherrschtheit und Bitterkeit bis hin zu Frustrationsgefühlen. Im Positiven bedeutet Wut in der chinesischen Medizin auch Mut und Entschlossenheit. Bei zu viel Wut steigt die Leberenergie auf. Dies kann zu Kopfschmerzen und Ohrgeräuschen führen.
Traurigkeit/Kummer (Bei): Traurigkeit, Erschöpfung, depressive Verstimmungen und Verzweiflung schwächen die Lungenenergie, was zu häufigeren Atemwegsbeschwerden führen kann
Sorge/Schwermut (Si): Lang anhaltende Erschöpfung wegen langwieriger intellektueller Tätigkeiten schwächen Milz und Magen Das kann zu Verdauungsstörungen und Depressionen führen.
Angst/Furcht (Kong): Unsicherheit, Furcht und Verspannungen schwächen die Nierenenergie und dadurch auch das Herz. Die Folge sind Angst- und Panikattacken. Körper und Immunsystem werden geschwächt. Es kann zu Nieren- und Blasenbeschwerden sowie zu sexuellen Störungen kommen.
Zu Disharmonien führen auch sechs äußere Faktoren, die durch das Klima entstehen. Die „sechs bösartigen Einflüsse“ sind: Wind, Hitze, Kälte, Trockenheit, Feuchtigkeit, Sommerhitze.
Wind (Feng): Dieser Yang-Einfluss durchdringt die Hülle des Körpers. Er entspricht der Leber und dem Frühling. Wind verursacht Bewegung, plötzliche Veränderungen sowie Erschütterungen und Schwankungen. Er tritt häufig zusammen mit Kälte auf. Windsymptome sind: Erkältungen, Fieber, Schweißausbrüche, Ohrensausen, Krämpfe, Überempfindlichkeit gegenüber Zugluft sowie Verschlechterungen bestehender Beschwerden.
Kälte (Han): Das Yin-Phänomen gehört zum Funktionskreis von Niere und Blase sowie zum Winter. Kälte behindert Bewegung und Wärme im Körper. Sie zieht den Körper zusammen und führt zur Erstarrung. Kälte blockiert den Fluss von Qi und führt zu Frösteln, schmerzenden Gliedmaßen, leichtem Fieber, Nierenschmerzen und zu einem großen Schlafbedürfnis.
Feuchtigkeit (Shi): Das krankmachende Yin gehört zum Organsystem von Milz und Magen sowie zum Spätsommer. Feuchtigkeit ist nass, schwer und träge sowie schleichend. Feuchtigkeitssymptome sind: Übelkeit, Blähungen, Gelenkschmerzen, Wasseransammlungen und Müdigkeit.
Hitze (Re) und
Feuer (Huo): Das krankmachende Yang wird dem Organsystem von Herz und Dünndarm zugerechnet sowie dem Sommer. Typisch für Hitzesymptome sind Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschläge, Bluthochdruck und Schlafstörungen.
Trockenheit und Sommerhitze (Zao): Diese beiden Außenfaktoren sind Yang-Phänomene. Sie gehören zum Organsystem von Lunge und Dickdarm genau wie der Herbst. Trockenheitssymptome sind Kreislaufstörungen, Asthma, trockene Haut, Verstopfung und Brustschmerzen.
Neben den inneren und äußeren Ursachen kennt die chinesische Medizin auch noch weitere Faktoren, die das Wohlbefinden beeinflussen. Sie betreffen konstitutionelle Faktoren (vorgeburtliches Qi, siehe Seite 20), die Ausdauer, Ernährungs- und Schlafgewohnheiten, sexuelle Aktivität, geistige, körperliche und seelische Überanstrengung, Verletzungen oder Parasiten.
Traditionelle chinesische Diagnoseverfahren
Ein chinesischer Arzt wird alle oben genannten Faktoren für eine Diagnose heranziehen. Anschließend wird er folgende Untersuchungen durchführen, die alle ohne Apparate stattfinden:
Ausführliche Anamnese und Befragung des Patienten
Betrachtung des Patienten (Hautfarbe, Aussehen der Zunge, Körperbau-Haltung)
Tastuntersuchung
Riechen und Hören (Atemluft, Schweiß, Stimme)
ZUNGEN- UND PULSDIAGNOSE
In der chinesischen Medizin leistet die Zunge einen wichtigen Dienst bei der Diagnosestellung. Das Aussehen der Zunge erlaubt immer Rückschlüsse auf die Organe. Jedes Zungenareal steht hierbei für einen Körperteil. Auch der Belag wird vom chinesischen Arzt geprüft. Neben der Zungendiagnose kann ein erfahrener TCM-Arzt anhand des Pulses die meisten Krankheiten erkennen. Es gibt 28 verschiedene Pulsqualitäten. Sie werden an drei unterschiedlichen Stellen an jedem Handgelenk abgetastet.
Kapitel 2

Traditionelle chinesische Heilmittel
Neben der Akupunktur stellen die Heilkräuter einen der wichtigsten Pfeiler in der Traditionellen Chinesischen Medizin dar. Heilpflanzen, Mineralien und Arzneien tierischen Ursprungs wurden in China seit langer Zeit benutzt. Schamanen sollen schon um 2000 v. Chr. Heilkräutermittel bei der Behandlung von Kranken verwendet haben. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese Naturarzneien verfeinert und weiterentwickelt. Etwa um 659 n. Chr. entstand dann eine Arzneimittellehre, die die Heilkräuter, ihre Eigenschaften und Wirkungen beschreibt.
Jedes Kraut, jede Arznei und jedes Lebensmittel hat dabei eine besondere Wirkung. Ein chinesisches Kräuterrezept ist immer eine äußerst reichhaltige Arznei, und es braucht viel Erfahrung, um Zutaten und Dosierung richtig zu mischen, damit die Symptome einer Disharmonie behandelt werden können. Für die chinesischen Heilkräuterrezepturen werden Pflanzen, tierische Zutaten und Mineralien verwendet.
Pflanzen
In seinem Buch „Ben Jing“ beschrieb der Herrscher Shen Nong um 2000 v. Chr. etwa 300 medizinische Pflanzen mit ihren Einsatzmöglichkeiten. Die chinesische Bezeichnung für Heilkräuterkunde heißt „Ben Cao“: „Ben“ bedeutet „Pflanze mit hartem Stiel“, „Cao“ eine „grasartige Pflanze“. Früher wurden die Pflanzen nur einzeln verwendet, erst um 450 bis 220 v. Chr. kamen Kräutermischungen in Gebrauch Seit dieser Zeit werden Kräuter immer kombiniert.
CHINESISCHE HEILKRÄUTER
Chinesische Heilkräuter werden nach folgenden Gesichtspunkten unterteilt:
Die vier Energien – Die vier energetischen Eigenschaften von Kräutern und ihre Wirkung hängen von der Temperatur ab, die sie erzeugen. Kalte und kühle Heilkräuter lindern Feuer, warme und heiße Kräuter gleichen Kälte aus.
Die fünf Geschmacksrichtungen – Scharfe/beißende Kräuter verteilen und fördern den Qi-Fluss und beleben das Blut. Süße Kräuter stärken Qi und nähren das Blut. Säuerlich schmeckende Kräuter absorbieren Stoffe und kontrollieren die Zang-Fu-Organe. Bittere Kräuter senken ein Übermaß an Qi. Salzige Kräuter wirken abschwellend.
Eindringen in die Meridiane – Heilmittel können in die Meridiane eindringen und so den Qi-Fluss anregen oder dämpfen.
Tierische Bestandteile
Seit etwa 100 v. Chr. werden auch tierische Bestandteile in Kräuterheilmitteln verwendet. In der chinesischen Medizin hat die Bedeutung der Ernährung einen hohen Stellenwert (siehe hierzu auch Seite 87 ff.). Eine ausgewogene Ernährung, zu der auch Zutaten tierischen Ursprungs wie Fleisch oder Fisch gehören, trägt zur Erhaltung der Gesundheit bei, eine gezielte Diät, wie beispielsweise die Fünf-Elemente-Ernährung stellt sie wieder her. Doch auch Magie und Symbolismus spielen eine große Rolle bei der Verwendung von tierischen Bestandteilen. In früherer Zeit waren chinesische Heiler davon überzeugt, dass die Haupteigenschaften eines Tiers auf den Patienten übergehen.
Mineralien
Auch in der westlichen Ernährungswissenschaft und Medizin ist die Bedeutung von Mineralien und Spurenelementen wie Eisen, Zink oder Kupfer allgemein anerkannt. In unserer täglichen Ernährung brauchen wir geringe Dosen von lebenswichtigen Mineralien, zum Beispiel:
Eisen durch Fleisch, Haferflocken und Sirup
Jod durch Meeresfrüchte und Algen
Kalium durch Milch, Kartoffeln, Obst und Gemüse
Kalzium durch Milchprodukte und grünes Gemüse
Magnesium durch Gemüse
Natrium durch Kochsalz
Zink durch Hülsenfrüchte, Fleisch, Vollkorn, einige Nussarten
Der Erfolg einiger pflanzlicher und tierischer Heilmittel-Bestandteile ist teilweise ihrem Mineralstoffgehalt zuzuschreiben. Die chinesische Medizin verwendet auch einige Mineralien als eigenständige Heilmittel. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Salze, aber auch Edelsteine und Halbedelsteine. Diese Arzneien können nur von einem erfahrenen TCM-Arzt verordnet werden.
Chinesische Heilmittel von A bis Z
Im Folgenden finden Sie eine Aufstellung wichtiger Heilkräuter und Nahrungsmittel, die auch zur Selbstbehandlung von Alltagsbeschwerden (siehe Seite 103 ff.) geeignet sind.
Aloe Vera (Aloe barbadensis)
Vorkommen: Die Aloe gedeiht in sandig-lehmigen Böden. Aloe Vera ist in allen tropischen und mediterranen Regionen beheimatet. Die Blätter dieser Wüstenlilie werden zur Herstellung von Arzneien verwendet
Heilkunde: fiebersenkend, kühlend, reinigend, entwässernd, abführend und Gallensaft anregend
Geschmack: bitter
Energie: kalt
Element: Wasser
Qualität: Yin
Darreichungsformen: Tee (innerlich), Pulver (äußerlich), Tabletten (innerlich), Gel (äußerlich)
Anwendung: Sonnenbrand, leichte Verbrennungen, Verstopfung
Einschränkung: Aloe Vera sollte nicht während einer Schwangerschaft eingenommen werden Auch während der Stillzeit nur in Rücksprache mit dem Arzt anwenden.
Ananas (Ananas comosus (l.) Merr.)
Vorkommen: Die Ananas ist in Asien, Afrika sowie in Mittel- und Südamerika heimisch.
Heilkunde: entwässernd, entzündungshemmend, verdauungsfördernd
Geschmack: süß
Energie: neutral
Element: Erde
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsformen: Saft (innerlich), Pulver (innerlich/äußerlich), frische Frucht (innerlich/äußerlich)
Anwendung: Schlaflosigkeit, Sonnenstich, Appetitlosigkeit, Übergewicht
Angelikawurzel (Radix angelicae dahuricae)
Vorkommen: Engelwurz gedeiht in Nordeuropa und Nordasien an Flussufern und Wiesen. Verwendet wird der getrocknete Wurzelstock.
Heilkunde: krampflösend, wärmend, desinfizierend, abführend und Gallensaft anregend
Geschmack: scharf
Energie: warm
Element: Erde
Qualität: Yang
Darreichungsformen: Öl, Pulver, Wein
Anwendung: Erkältungskrankheiten, Kreislaufbeschwerden, Nasennebenhöhlenentzündung, Zahnschmerzen
Banane (Musa paradisiaca)
Vorkommen: Die Banane gedeiht in Südchina, Lateinamerika und Afrika sowie in Südeuropa.
Heilkunde: fiebersenkend, entgiftend, stärkt Qi und Blut, stärkt Yin
Geschmack: süß
Energie: kalt
Element: Erde
Qualität: Yin
Darreichungsformen: Frucht ohne Schale (innerlich), Saft (innerlich), getrocknete und abgekochte Schale (äußerlich)
Anwendung: Magenschmerzen, Durchfall, Hautjucken und Insektenstiche
Bohne, grüne (Phaseolus vulgaris I.)
Vorkommen: Die Sau- oder Puffbohne wird in China und einigen Teilen Europas angebaut.
Heilkunde: stärkt Qi, Blut, Milz und Nieren
Geschmack: süß
Energie: neutral
Element: Erde
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsform: Saft (innerlich, Pflanze innerlich), Pulver (innerlich/ äußerlich) getrocknete Frucht (innerlich)
Anwendung: Durchfall, Erbrechen
Gefahren: Samen und unreife Hülsen sind ungekocht giftig.
Chrysantheme (Chrysanthemum indicum)
Vorkommen: Der Ursprungsort ist unklar. Die getrockneten Blüten der wild wachsenden Chrysantheme werden in China seit über 2.000 Jahren als Heilmittel geschätzt und angewendet.
Heilkunde: entgiftend, fiebersenkend, wirksam auf Lunge und Leber
Geschmack: bitter bis süß
Energie: kühl
Element: Holz, Wasser
Qualität: Yin
Darreichungsformen: Abkochung (innerlich), Tee (innerlich) getrocknete Blüten (innerlich), Brei (äußerlich), frischer Saft (äußerlich)
Anwendung: Bluthochdruck, Sehschwäche, Fieber, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Schluckbeschwerden, Abszesse
Einschränkung: Es kann zu allergischen Reaktionen kommen.
Dattel (Phoenix dactylifera)
Vorkommen: Die Dattelpalme wächst in den Tropen und Subtropen. In der Arzneikunde werden die Früchte vor allem frisch oder getrocknet verwendet.
Heilkunde: stimmungsaufhellend, verdauungsanregend
Geschmack: süß
Energie: neutral, warm
Element: Feuer, Erde
Qualität: Yang
Darreichungsformen: frische und getrocknete Frucht (innerlich), Tee (innerlich), Pulver (innerlich)
Anwendungen: Verstimmungen, Trauer, Erschöpfung und Schlaflosigkeit
Einschränkung: Im Übermaß genossen, können Datteln Durchfall verursachen.
Fenchel (Foeniculum vulgare)
Vorkommen: Fenchel ist im Mittelmeerraum heimisch. Heute wächst er in vielen Ländern der Erde Seit Jahrhunderten verwendet man in China seinen Samen, die Blätter und Wurzeln der aromatischen Gewürzpflanze.
Heilkunde: stärkt das Qi, treibt Kälte aus, beruhigt Yin, wärmt die Nieren, harmonisiert den Magen.
Geschmack: scharf
Energie: warm
Element: Erde
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsform: Tee (innerlich), Abkochung (innerlich), Pulver (innerlich), Samen (innerlich/äußerlich), Öl (innerlich/äußerlich)
Anwendung: Blähungen, leichte Bauch- und Magenschmerzen, Brechreiz, Verdauungsstörungen, Kreuzschmerzen, Menstruationsbeschwerden
Geißblatt, japanisches (Lonicera japonica var. Sinensis)
Vorkommen: Das japanische Geißblatt kommt aus Asien, gedeiht aber heute auch in vielen Teilen der USA.
Heilkunde: entzündungshemmend, entgiftend, fiebersenkend
Geschmack: süß und sauer
Energie: neutral
Element: Holz, Erde
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsformen: Abkochung (innerlich/äußerlich), Pulver (äußerlich)
Anwendung: Fieber, Grippe, Mumps, Bindehautentzündung, geschwollene Gelenke, rheumatische Beschwerden
Ginseng (Panax ginseng)
Vorkommen: Der asiatische Ginseng ist in der Mandschurei, Nordkorea und im pazifischen Küstengebiet heimisch.
Heilkunde: anregend, stimmungsaufhellend, abwehrstärkend, entwässernd, stärkt Lunge und Milz
Geschmack: süß und leicht bitter
Energie: warm
Element: Erde
Qualität: Yang
Darreichungsformen: Tonikum (innerlich), Abkochung (innerlich), Pulver (innerlich), Pillen (innerlich)
Anwendung: Asthma, Übelkeit, Impotenz, Kopfschmerzen, Durchblutungsstörungen, Sehschwäche
Gurke (Cucumis sativus)
Vorkommen: Die Gurke stammt aus Asien, heute ist sie auf der ganzen Welt verbreitet. In der Heilkunde verwendet man die Früchte, aber auch die Wurzeln und unteren Blätter der Gurkenpflanze.
Heilkunde: abführend, harntreibend, entgiftend, stärkt Qi und Blut, kühlt Hitze, beruhigt Yang
Geschmack: leicht süß
Energie: kühl
Element: Erde
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsformen: Abkochung (innerlich), Brei (äußerlich), Tabletten (innerlich)
Anwendung: Verbrennungen, Heiserkeit, Bluthochdruck, depressive Verstimmungen, Mandelentzündung
Ingwer (Zingiber officinale)
Vorkommen: Ingwer wird in tropischen Gegenden wie Indien, Nigeria und China angebaut. Als Heilmittel dienen frische oder auch getrocknete Wurzeln.
Heilkunde: stärkt Magen, Milz und Lunge. Er wirkt schleimlösend, verdauungsfördernd, treibt Kälte aus und ist schweißtreibend. Getrockneter Ingwer wärmt den Dreifachen Erwärmer.
Geschmack: scharf
Energie: warm (frisch), heiß (getrocknet)
Wirkrichtung: aufsteigend
Element: Metall
Qualität: Yang
Darreichungsformen: Presssaft (innerlich), Brei (innerlich/äußerlich), gekochte Pflanze (innerlich), Abkochung aus getrockneter Wurzel (innerlich)
Anwendung: Übelkeit, Erbrechen, Erkältungen, Durchfall, Blähungen, nervöser Magen, Appetitlosigkeit, rheumatische Beschwerden
Knoblauch (Allium sativum)
Vorkommen: Knoblauch ist in Europa und Zentralasien heimisch.
Heilkunde: antibiotisch, entgiftend, entzündungshemmend, antiparasitisch, bakterizid, cholesterinsenkend, stärkt Magen, Lunge und Milz, fördert den Fluss von trägem Qi, treibt Kälte aus
Geschmack: scharf
Energie: warm
Element: Metall
Qualität: Yang
Darreichungsformen: rohe und gekochte Zwiebel (innerlich), Brei (äußerlich), Pillen (innerlich)
Anwendungen: Erkältungen, Karbunkel, Keuchhusten, Bauchschmerzen (durch Kälte verursacht), Bindehautentzündung, Ödeme, Insektenstiche, Durchfall
Koriander (Coriandrum sativum)
Vorkommen: Herkunftsorte sind der Mittlere Osten und Europa. In China benutzt man seit vielen Jahrhunderten die ganze Pflanze für Speisen als auch für Arzneimittel samt Wurzeln und Samen.
Heilkunde: stärkt Lunge und Milz, reguliert Qi, beruhigt Yin, schleimlösend, verdauungsfördernd
Geschmack: scharf
Energie: warm
Element: Metall
Qualität: Yin und Yang
Anwendung: Verstopfung, Verdauungs- und Magenbeschwerden, Zahnschmerzen
Darreichungsformen: Abkochung (innerlich/äußerlich), Pulver (innerlich)
Löwenzahn (Gattung Taraxacum)
Vorkommen: Der Löwenzahn ist in Europa heimisch.
Heilkunde: entzündungslindernd, entgiftend, vertreibt Hitze
Geschmack: süß und bitter
Energie: kühl
Element: Holz
Qualität: Yin
Darreichungsformen: Abkochung (innerlich), Brei (äußerlich) Pulver (innerlich), frischer Saft (innerlich)
Anwendung: chronische Gastritis, Infektionen der Harnwege sowie der oberen Atemwege, Dermatitis
Mungbohne (Phaseolus radiatus syn., P. aureus, P. mungo)
Vorkommen: Mungbohnen gibt es in China und anderen asiatischen Ländern. Sie zählen in China zu den wichtigsten Nahrungsmitteln. Medizinisch werden sowohl die ganze Bohne als auch die Samenschale verwendet.
Heilkunde: kühlend, beruhigt Yang, wirkt auf Magen und Herz
Geschmack: süß
Energie: kühl
Element: Erde
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsformen: Abkochung (innerlich), Pulver (innerlich), Mehl (äußerlich)
Anwendung: Durchfall, Furunkel, Ödeme, Harndrang
Muskatnuss (Myristica fragans)
Vorkommen: Ursprünglich kommt die Muskatnuss aus Indonesien, heute wird sie in vielen tropischen Ländern, auf den Westindischen Inseln oder China angebaut.
Heilkunde: stärkt Magen, Dickdarm und Milz, reguliert und stärkt Qi, treibt Kälte aus, verdauungsfördernd
Geschmack: scharf
Energie: warm
Element: Metall
Qualität: Yang
Darreichungsformen: getrocknete Samen (innerlich)
Anwendung: Sodbrennen, Verdauungsschwäche, Blähungen, Durchfall, Erbrechen
Papaya (Carica papaya)
Vorkommen: Die Papaya wächst in tropischen Ländern wie Indien, Hawaii, aber auch in China und den USA.
Heilkunde: trocknet die Feuchtigkeit, stärkt Qi und Blut
Geschmack: süß, leicht bitterlich
Energie: neutral
Element: Feuer und Erde
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsformen: Abkochung (innerlich), rohe Frucht (innerlich)
Anwendung: Verdaungsstörungen, Verstopfung, Magenschmerzen, rheumatische Leiden
Pfefferminze (Mentha X. piperita I.)
Vorkommen: Die Pfefferminze ist in Mitteleuropa heimisch.
Heilkunde: unterstützt Yang, reguliert Qi, stärkt das Blut
Geschmack: scharf
Energie: kühl
Element: Feuer und Metall
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsformen: Tee (innerlich), frische Blätter (innerlich/äußerlich), Pulver (innerlich), Pastillen (innerlich)
Anwendung: Kopfschmerzen, Heiserkeit, Fieber, Verdauungsschwäche, Zahnschmerzen
Rosmarin (Rosmarinus officinalis)
Vorkommen: Der Rosmarin stammt aus dem Mittelmeerraum.
Heilkunde: reguliert Qi, beruhigt Yin, stärkt den Magen, treibt Kälte aus, beruhigt den Geist
Geschmack: scharf
Energie: warm
Element: Metall
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsformen: Öl (innerlich), getrocknete Nadeln (innerlich), Abkochung (innerlich)
Anwendung: Nervosität, Kopfschmerzen, schwache Menstruationsblutung
Safran (Crocus sativus)
Vorkommen: Der Safran ist im östlichen Mittelmeerraum heimisch.
Heilkunde: stärkt Herz und Leber, durchblutungsfördernd, schmerzlindernd, stärkt Qi und Blut
Geschmack: süß und scharf
Energie: neutral
Element: Holz und Erde
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsformen: Tee (innerlich), Abkochung (innerlich), Wein (innerlich)
Anwendung: Menstruationsschmerzen, Bauchschmerzen, depressive Verstimmungen
Einschränkung: Schwangere sollten auf Safran verzichten.
Sesam, schwarz (Sesamum indicum)
Vorkommen: Die Pflanze ist in Südasien heimisch.
Heilkunde: stärkt Nieren und Leber, stärkt Qi und Blut, kühlt Hitze, beruhigt Yang, befeuchtet Trockenheit
Geschmack: süß
Energie: kühl
Element: Erde
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsformen: Abkochung (innerlich/äußerlich), Pillen (innerlich), Pulver (innerlich/äußerlich), Brei (äußerlich)
Anwendung: rheumatische Arthritis, Schwindel, Zahnschmerzen, Verstopfung, Erschöpfung, Hämorrhoiden
Sojabohne (Glycine max.)
Vorkommen: Die Sojabohne wächst in China, Brasilien und USA.
Heilkunde: stärkt Qi und Blut, beruhigt Yang, stärkt die Milz und den Dickdarm, wirkt entwässernd und bakteriell
Geschmack: süß
Energie: kühl
Element: Erde
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsform: Schale (innerlich), Abkochung (innerlich), Brei (äußerlich)
Anwendung: Halsschmerzen, trockener Husten, Verbrennungen, Verstopfung, rheumatische Arthritis, nachlassende Sehkraft, übermäßiges Schwitzen
Süßholz (Glycyrrhiza uralensis, G. glabra,
G. inflata, G. kansuensis)
Vorkommen: Das Süßholz wird in Europa, dem Mittleren Osten und im weiteren Asien angebaut. Beim Süßholz handelt es sich um die getrockneten unterirdischen Wurzeln verschiedener Pflanzen dieser Gattung.
Heilkunde: cholesterinsenkend, fördert die Wundheilung, fiebersenkend, verringert die Magensekretion
Geschmack: süß
Energie: neutral
Element: Holz
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsform: Abkochung (innerlich/äußerlich), Pulver (innerlich), Pillen (innerlich)
Anwendung: leichte Vergiftungen, Allergien, Halsentzündung, Husten, Verstopfung, nervöser Magen
Walnuss (Juglans regia)
Vorkommen: Der Walnussbaum war in Westasien heimisch, heute wird er in vielen anderen Teilen der Welt angepflanzt. In der chinesischen Medizin verwendet man neben der Nuss auch die Schalen und andere Teile des Baumes.
Heilkunde: stärkt Qi und Blut, treibt Kälte aus, wärmt und stärkt Lunge und Nieren, macht den Darm gleitfähiger, beruhigt Yin
Geschmack: süß
Energie: warm
Element: Erde
Qualität: Yang
Darreichungsformen: rohe Nuss (innerlich), Abkochung (innerlich/ äußerlich), Öl (innerlich), Brei (innerlich/äußerlich)
Anwendung: Verstopfung, Übersäuerung, Husten
Wassermelone (Citrullus lanatus, C. vulgaris)
Vorkommen: Die Melone stammt aus Afrika, sie wird heute aber auf der ganzen Welt angebaut.
Heilkunde: stärkt Qi und Blut, kühlt Hitze, beeinflusst Magen, Herz und Blase, harntreibend, fiebersenkend
Geschmack: süß
Energie: kalt
Element: Erde
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsform: Fruchtfleisch (innerlich), Saft (innerlich/äußerlich), Asche (äußerlich)
Anwendung: Verstopfung, Hals- und Nierenentzündung, Erkrankungen der Harnwege, leichte bis schwere Verbrennungen
Weißdorn (Crataegus monogyna Jacq.)
Vorkommen: Der Weißdorn gedeiht in ganz Mitteleuropa.
Heilkunde: verdauungsfördernd, durchblutungsanregend
Geschmack: süß und sauer
Energie: mild
Element: Holz
Qualität: Yin und Yang
Darreichungsformen: Tee (innerlich), Dragees (innerlich)
Anwendung: Magenbeschwerden, Herzprobleme
Chinesische Kräutertees
Pu-Erh-Tee
Der „Rote Tee“ ist der älteste der Menschheitsgeschichte. Er wird aus den fleischigen Blättern eines nur in Südwestchina wachsenden Baums der Art Camellia sinensis gewonnen.
Pu-Erh-Tee gleicht Yin und Yang aus und beeinflusst den Stoffwechsel sowie ernährungsbedingte Erkrankungen günstig. Er entgiftet, entschlackt, regt die Verdauung an und wirkt stärkend auf das Immunsystem.
Zubereitung: Sie können einen knappen halben Teelöffel der losen Teeblätter bis zu viermal mit nicht mehr kochendem Wasser (85° Celsius) in einer Tasse aufgießen. Die Ziehzeit beträgt 20 Sekunden beim ersten Aufguss, 30 Sekunden beim zweiten, eine Minute beim dritten und eineinhalb Minuten beim vierten. Für eine optimale Wirksamkeit sollten Sie drei bis fünf Tassen über den Tag verteilt trinken.
Grüner Tee
Dieser wird wie Pu-Erh-Tee aus den Blättern des Teestrauchs Camellia sinsesis gewonnen. Er wird nur getrocknet und nicht fermentiert, geröstet oder parfümiert. Der beste Grüne Tee ist der „Pagoden-Tee“ aus Yunnan.
Grüner Tee ist reich an Vitamin C und enthält wertvolle Mineralien wie Kalzium, Fluor und Zink. Außerdem ist Grüner Tee reich an Enzymen, die die Risikofaktoren für Arteriosklerose und Herzinfarkt herabsetzen. Bei regelmäßigem Genuss verbessern sich Blutdruck-, Blutfett-, Cholesterin- und Blutzuckerwerte.
Zubereitung: Bringen Sie Wasser zum Kochen und lassen Sie es auf 85° Celsius abkühlen. Für den Aufguss genügen ein bis eineinhalb Gramm Teeblätter pro Tasse: je kürzer der Aufguss, desto anregender seine Wirkung – je länger, desto beruhigender.
Dong-Ling-Tee
Er wird aus der seltenen Pflanze „Dong Ling Cao“ gewonnen, die in der chinesischen Zentralprovinz Henan beheimatet ist.
Das Teeprodukt ist unter der Bezeichnung „Bing Ling Tea“, „Winter-iced-Tea“ oder „Chinesischer Zauber-Tee“ im Westen erhältlich.
Dong-Ling-Tee wirkt immunstärkend, antientzündlich, vorbeugend gegen Krebs, fördert die Verdauung und verlangsamt den Alterungsprozess.
Zubereitung: Gießen Sie den Tee niemals mit kochendem Wasser auf, sondern lassen Sie das Wasser auf 80 bis 85° Celsius abkühlen. Ein Teebeutel kann bis zu viermal aufgegossen werden.
Tienchi-Danshen-Tee
Hier ergänzen sich die besten Ginseng-Gewächse zu einer einmaligen Kombination: Notoginseng und roter Ginseng.
Notoginseng enthält viele Vitamine und Spurenelemente Von besonderer Bedeutung sind bioaktive Pflanzenstoffe (Saponine und Glykoside). Sie wirken lebensverlängernd, fördern die Durchblutung des Gehirns und des Verdauungstraktes.
Roter Ginseng genießt in der Traditionellen Chinesischen Medizin seit gut zwei Jahrtausenden eine große Wertschätzung, mehr noch als der Notoginseng. Die Kombination von Notoginseng und Roter Ginseng gilt in China als ein Zaubermittel für ein langes und gesundes Leben. Der Tee ist wirksam bei Angina Pectoris, Bluthochdruck und geschwächtem Immunsystem.
Zubereitung: Der Beutelinhalt ist ausreichend für drei Tassen pro Tag. Ein Drittel des Beutelinhalts jeweils mit heißem oder auch kaltem Wasser übergießen; das Granulat löst sich bei jeder Wassertemperatur auf. Den Tee morgens auf nüchternen Magen, mittags vor dem Essen und nachmittags gegen 15 Uhr trinken.
Drei-Blumen-Trank
Der klassische Schönheits- und Immun-Tee der Chinesen ist ein Instant-Tee Seine Zutaten sind:
• Notoginseng bringt Qi wieder in Fluss, verbessert die Sauerstoffversorgung und die Durchblutung.
• Chrysantheme verbessert die Struktur der Haare, lindert Augenschmerzen und -entzündungen und hilft bei Magenschmerzen sowie Verdauungsstörungen.
• Geißblatt hilft, Blutzucker- und Blutfettwerte zu normalisieren, fördert den Zellstoffwechsel, harmonisiert Yin und Yang und stärkt die Seele.
Zubereitung: Sie erhalten den Tee in den meisten Chinaläden oder im Spezial-Versandhandel Ein Beutel mit Granulat reicht für drei Tassen. Übergießen Sie jeweils ein Drittel des Granulats mit heißem Wasser. Trinken Sie eine Tasse Tee morgens auf nüchternen Magen, mittags vor dem Essen und abends vor dem Schlafengehen.
Acht-Schätze-Tee
Dieser Tee ist, wie viele der anderen chinesischen Heiltees, ein Naturprodukt aus Yunnan, dem Kräutergarten Chinas. Er gleicht Yin und Yang aus und bringt Qi wieder zum Fließen. Acht Kräuter, Blüten und Früchte sind es, die das Wunder des Acht-Schätze-Tees zustande bringen: Hutao-Nuss, Saure Bergdattel, Pu-Erh-Tee der ersten Qualität, Litschi (China-Stachelbeere), Hügel-Kirsche, Berg-Chrysantheme, „Xing Ren“, einer Aprikosenart und geschmorte Ginsengwurzeln.
Zubereitung: Verwenden Sie eine große Teetasse (0,25 l). Gießen Sie den Tee mit nicht mehr siedendem Wasser auf und lassen ihn vier Minuten ziehen. Sie können ihn so oft aufgießen, wie Sie möchten. Auch nach dem zehnten Aufguss entfaltet der Tee noch seine Wirkung.
Ling-Zhi-Tee
Ling Zhi stammt aus dem Wunderpilz Ganoderma und verspricht eine robuste Gesundheit und ein hohes Alter.
Zubereitung: Übergießen Sie einen Beutel mit nicht mehr kochendem Wasser (80 – 85° Celsius). Nehmen Sie den Beutel nach etwa 20 bis 30 Sekunden wieder heraus Er lässt sich für drei weitere Aufgüsse verwenden Bei weiteren Aufgüssen den Tee länger ziehen lassen Den Tee nicht süßen oder mit Milch vermischen, da dies die Wirkung der Inhaltsstoffe mindert
BEZUGSQUELLEN FÜR CHINA-TEES
China-Tees werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Apotheken, Reformhäusern, Drogerien und im Fachhandel angeboten. In China-Shops findet man meist billigere, mindere Qualitäten oft mit einer Schadstoffbelastung. Apotheken können über spezialisierte Importeure auch seltenere Tees wie den Ling-Zhi-Tee beschaffen. Heilkräuter, Teemischungen und Zutaten für Kräuterkissen sind auch beim Autor (siehe Seite 218) erhältlich.
Kapitel 3

Akupressur und Heilmassagen
Der Fluss des Qi verläuft über bestimmte Leitbahnen, teils unter der Haut, teils tiefer im Körper. Diesen Energiefluss beeinflussen Sie ständig durch Ihre Aktivitäten, Ihre Ernährung, Ihre innere Einstellung oder psychische Verfassung sowie bestimmte äußere Faktoren.
Ist der Fluss des Qi behindert oder gestört, kennt die chinesische Medizin verschiedene Behandlungsweisen: Eine davon ist die Akupunktur (lat. Acus: Nadel, und pungere: stechen), also das Setzen von Nadeln an bestimmten Körperpunkten, die in der Regel auf den Meridianen liegen, um so das Qi zu harmonisieren. Tatsächlich ist die Haut über den Meridianen empfindlicher als an anderen Körperstellen Auch die Nervenenden sind hier ausgeprägter. Akupunktur regt die Herstellung von körpereigenen schmerzstillenden Stoffen (Morphinen) und Glückshormonen, wie zum Beispiel Serotonin, an.
Über die Akupunkturpunkte kann der erfahrene TCM-Arzt heilende Impulse geben. Dies kann durch Anregen, aber auch durch Dämpfen geschehen, je nach Krankheitsbild. Verwendet der Arzt mehrere Nadeln, so wirkt dies beruhigend. Verwendet er weniger Nadeln, wirkt dies stärkend und aktivierend. Alle Akupunkturpunkte können auch durch Reiben, Drücken, Schieben und Ziehen wie in der Akupressur oder durch die Wärmebehandlung, die Moxibustion, sowie mit Massagen angeregt oder gedämpft werden.
AKUPUNKTUR HILFT BEI
Allergien, Atemwegserkankungen, hormonellen Störungen, stressbedingten Beschwerden, Schlafstörungen. Kinderkrankheiten, Tinnitus, Migräne sowie bestimmten chronischen Krankheiten.
Die Akupunkturpunkte
Für die Akupunktur werden feine Stahlnadeln verwendet. Manchmal sind sie auch aus Silber oder Gold gefertigt. Die Stiche sind fein und die Prozedur wird sehr rasch und zielgerichtet vorgenommen. Gelegentlich spürt der Patient den einen oder anderen Punkt stärker Hier wird das Qi besonders intensiv gelockt.
Shu xue heißen die 360 Reizpunkte, die bis auf wenige Ausnahmen auf den Meridianen liegen. Übersetzt bedeutet dies so viel wie: „weiterleiten, transportieren“ (Shu) und „Höhlung, Vertiefung“ (Xue). Man kann sie als Energietore verstehen. Jeder Akupunkturpunkt heißt anders Ein TCM-Arzt behandelt normalerweise einen Punkt auf dem Rücken gleichzeitig mit dem entsprechenden auf der Vorderseite des Körpers, um auf einen bestimmten Organbereich einzuwirken. Dabei wird die Behandlung in zwei Abschnitte unterteilt, während derer der Patient immer auf einer Körperseite ruht. Eine Behandlung dauert etwa 30 Minuten. In der chinesischen Medizin unterscheidet man:
Anknüpfungspunkte: Die Netzleitbahnen treffen hier mit den Hauptmeridianen zusammen.
Spaltpunkte: Sie dienen zur Lösung von Qi-Stauungen.
Zusammenkunftspunkt: Hier kann der Arzt bestimmte Gewebe- und Energieformen gezielt beeinflussen.
Punkt des Ur-Qi: Dieser liegt auf jeder Leitbahn.
Brunnenpunkte: Diese Reizpunkte befinden sich an den Händen und Füßen.
Punkt des Ausgießens: Hier tritt die Energie wieder in die Tiefe ein.
Punkt der Einwirkung: Hier übt das Qi eine tiefgehende Wirkung aus.
Durchgangspunkt: Hier kann man ein letztes Mal den Energiefluss des Meridians erreichen.
Vereinigungspunkt: Hier wird die Verbindung nach innen hergestellt.
OHRAKUPUNKTUR
Ohrakupunktur ist ideal bei der Behandlung von Suchterkrankungen wie zum Beispiel dem Rauchen. Auch bei Allergien und in der Schmerzbehandlung hat sich die Ohrakupunktur bewährt. Hierbei werden Dauernadeln oder kleine Kräuterpäckchen auf Akupunkturpunkte im Ohr gesetzt, die dort bis zu einer Woche verbleiben können.
Pulsuz fraqment bitdi.